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Full text of "Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Mathematisch-Naturwissenschaftliche Classe"

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OF 


COMPARATIYE    ZOÖLOGY, 

AT  nARYAßü  COllEGE.  CAMBRIDGE.  mIsS. 
jyoiintJcXi  bi)  prftote  sutscrfpiion,  fn  1861. 

From  the  Library  of  LOUIS  AGASSIZ. 


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SITZUNGSBERICHTE 


nKR   KAISF.RMOHKN 


ÜKiDGIllE  DER  WISSEICIIUFTEI. 


MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE  CLASSE. 


SIEBEN  UND  FÜNFZIGSTER  BAND. 


WIEN. 


AUS  DEK  K.   K.  HOF-  UND  STAATSÜBUCKEKEI. 


IN  COMMISSION  BEI  KARL   RF.nOLD'S  SÜHN,  BUCHHÄNDLER   l>KR   KAIS.   AKADEMIE 
DER    WISSENSCHAFTEN. 

1868. 


SITZÜ^GSBEKICIITE 


»EM 


MATHEMATISCH  -  NATURWISSENSCHAFTLICHEN 

CLASSE 


DKR  kaisp:ri.ichkn 


AKADKMIE   DER  WISSENSCH AKTKN. 


IVII.  «AND.  I.  ABTHEllllM. 

Jahrgang    1S68.   —   Heft  I  bis  A^. 

'^(Mi\  56  Cafflit  nnb  rinrm  1|oljSttinittt.) 


AUS  DKI!   K.  K.  II<»H-  UNO  STAATSlHilJCKEREI. 

IN  COMMISSION  BEI  KARL  GKROLD'S  SOHN,    BUCHHÄNDLER  DER  KAIS.  AKADEMIE 
DKR   WISSENSCHAFTEN. 


INHALT. 

Seite 

I.  !>)i(y.uiig;  vom  9.  Jiiiiner  1868:  Ubersitlit       3 

Butte,  Über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen 

Festen  im  großen  Maßstäbe  in  der  Natur 8 

Verson,  Zur  Insertionsweise  der  Muskelfasern.  (Mit  1  Tafel.)  63 

Klein,  Über  diis  Kpithel  der  Schleimhaut  und  die  Ausführungs- 
gänge der  Drüsen  des  weichen  Gaumens  und  der  Uvula 
des  Menschen 67 

II.  Sitzung  vom  16.  Jänner  1868:  Übersicht 70 

Feters,  Zur  Kenntniß  der  Wirbelthiere  aus  den  Miocensciiich- 
ten  von  Eibisw:ild  in  Steiermark.  I.  Die  Schildkröten- 
reste. (Auszug.) 72 

Fleischt,    Über   den    Bau   der   sogenannten   Schilddrüse  des 

Frosches.  (Mit  IT^fel.) 75 

Reiiss ,    Paläontologische   Beiträge.   (Zweite  .Fol^-i-.)    (Mit   3 

Tafeln.) 79 

m.  Silzuug  vom  23.  Jänner  1868:  Übersieht; HO 

Baue,  Werden  der  Menschheit   immer,   wie  jetzt.    Mineral- 

schäfze  zu  Gebote  stehen? 112 

Fitiiiiger ,   Kritische  Untersuchungen  über  die  der  natürlichen 

Familie  der  Spitzmäuse  (Soricesj  ungehörigen  Arten. 

(I.  Abtheilung.) '.         121 

Sffiloe/iback ,  Über  die  norddeutschen  Galeriten-Scbichten 
und  ihre  Brachiopoden-Fanna.  (Mit  3  lithogr.  Tafeln 
und  einem  Holzschnitte.) 181 

If.  SitKiing  vom  6.  Februar  1868:  Übersicht 227 

Suess .  Über  die  Äquivalente  des  Rothliegenden  in  den  Süd- 
alpen.  (Mit  2  lithographirten  Tafein.) 230 

Kner,  Über  Concliopoina  gadifurme  nov.  gen.  et  spec.  und 
Acaitthodes  aus  dem  Rotiiliegenden  (der  untern  Dyas) 
von  Let)ach  bei  Saarbriieken  in  Rlieinpieussen.  (.Mit 
8  litliographirlen  Tafeln.) ....         278 

W   Sitzung  vom  13.  Februar  ISGS:   Üb.Msieht 301» 

Li'ilgel) ,    Beiträge   -/.m-   Kniu  irklungsgcseliiclili    itcr  l'li;ihzen- 

orgaiie.  (Mit  ^Tafeln.) 308 


VI 


VI.  Shzung  vom  20.  Februar  1868:  Übersicht 343 

VII.  Nitziin^  vom  i2.  Miirz  1868:  Übersicht 347 

Steindachner ,  Ichtliyologischer  Bericht  über  eine  nach  Spa- 
nien und  Porfuuiil  unternommene  Reise  (V.  Forts.) 
(Mit  6  Tafeln.) 351 

Fitzinger,  Kritische  lJntersuchunp;en  über  die  der  natürlichen 
Familie  der  Spitzmäuse  (Sorices)  aiif(eiiörii,'en  Arten. 
(II.  Abthoilunsr.) 425 

Hüttcnhrfnnrr .   Untcrsuchunijen  iilier  die  Binnenmuskcin   des 

Auges 515 

Steindachner .   Über  eine  neue  Hj/lor an a- Art  von  C;ip-York  in 

Australien.   {Mit  1  Tafel.) 532 

Laube,  Die  Fauna  der  Schichten  von  St.  Cassian.  (Auszug.)  .        537 

VIII.  Sitzung  vom  19.  März  1868:   Übersicht 544 

IX.  Sitzung  vom  26.  März  1868:  Übersicht 548 

X.  Sitzung  vom  16.  April  1868:  Übersieht  . 553 

Baue ,  Über  die  jetzige  Theilnng  der  wissenschaftlichen  Ar- 
beit, so  wie  über  Granit  und  Metamorphismus-Theorien        557 
Fitzinger,  Kritische  Untersuchungen  über  die  der  natürlichen 
Familie  der  Spitzmäuse  (Sorices)  angehörigen  Arten. 

(III.  Abtheilung.) 583 

Peters  u.  Maly ,  Über  den  Staurolith  von  St.  Radegund,  (Mit 

1  Tafel.) 646 

Laube ,  Die  Fauna  der  Schichten  von  St.  Cassian.  IV.  Ahtheil. 

Gastropoden  II.  Hälfte.  (Auszug.) 661 

Steindachner,  Ichthyologischer  Bericht  über  eine  nach  Spa- 
.             nien  und  Portugal  unternommene  Reise.  (wSechste  Fort- 
setzung. (Mit  6  T;ifein.) 667 

V.  Zepharovich ,  Mineralogische  Mittheilungen.  (III.)  .    .    .    .        740 

XI.  Sitzung  vom  23.  April  1868:  Übersicht 753 

Peters,  Zur  Kennlniß  der  Wirbelthiere  aus  den  Miocenschich- 

ten  von  Eibiswald  in  Steiermark.  II.  (Auszug.)      .    .    .        756 

XII.  Sitzung  vom  30.  April  1868:  Übersicht 760 

Suess ,  Über  die  Äquivalente  des  Rothliegenden  in  den  Süd- 
alpen. (Schluß.)  (Mit  I.Tafel.) 763 

EltingshauHcn,  C.  Frh.  v.,  Die  fossile  Flora  d(  r  älteren  Braun- 

kohlei>rorm:iti..n  der  Wetterau.  (Mit  5  Tafeln.)     ...       .807 
Poscpny ,  Über  conccntrisch-schalige  Mineralbildungen.  (Mit 

2  Tafeln.) 894 

liiibnaff,    Bei'riiu'e  zur  Konntniß    der  Struclur  des  Knorpels. 

(Mit  1  Tafel.) 012 


VII 

Seite 

XIII.  Sitzung  vom  14.  Mai  1868:  Übersicht   .    .   • 919 

V.  Winiwarfer,  Zur  Anatomie  des  Ovariums  der  SSugethiere. 

(Mit  1  Tafel.) 922 

UUik,  Mineral-chemische  Untersuchungen 929 

XIV.  Sitzung  vom  22.  Mai  1868:  Ül)ersicht 948 

Yotmg ,  Zur  Anatomie  der  ödematösen  Haut.  (Mit  1  Tafel.)  .  951 

Woronichin ,  Zur  Anatomie  der  indurativen  Pneumonie.  (.Mit 

1  Tafel.) 958 

Steindachner,  Ichthyologische  Notizen  (VII).  (Mit  5  Tafeln.)  965 

Reitz,    Beiträge   zur  Kenntiiiß   des  Baues   der  Placenta   des 

Weibes.  (Mit  1  Tafel.) 1009 

Fitzinger ,  Geschichte  des  kais.  kön.  Hof-Naturalien-Cabinetes 

zu  Wien.  (II.  Abtheilung.) 1013 

Verson,  Beitrüge  zur  Kenntniß  des  Kehlkopfes  und  der  Tra- 
chea. (Mit  1  Tafel.) 1093 

Gussenbauer ,  Über  die  Muskulatur  der  Atrioventricularklap- 

pen  des  Menschenherzens   1103 

Klein,  Über  die  Vertheilung  der  Muskeln  des  Oesophagus. 

(Mit  1  Tafel.) Uli 


SITZUNGSBERICHTE 


DER 


KAISRHLK  HEN  AKADEMIE  DER  WISSENSriIAFTEN. 

MATHEMATISCH -NATUIIWISSENSCHAFTLICHK  CLASSE. 

LYii.  um, 

ERSTE   ABTHEILÜNG. 
1. 

Enthält  die  Abliandlung-en   aus  dem  Gebiete  der  Mineralogie,  Botanik, 
Zoologie,  Anatomie,  Geologie  und  Paläontologie. 


Sitzb.  (1.  muthem.-iiiiluiw.  Cl.  LVII.  Bd.  1.  Ahth. 


I.  SITZUNG  VOM  9.  JÄNNER   18G8. 


Se.  Excellenz  der  k.  li.  Minister  des  Innern,  Herr  Dr.  Giskra, 
eröffnet  der  Akademie,  mit  Zusclirift  vom  2.  Jänner  I.  J.,  daß  er  das 
ihm  von  Sr.  k.  k.  apostol.  Majestät  allcrgnädigst  übertragene  Amt 
am  1.  Jänner  d.  J.  angetreten  liabe,  und  versichert  die  k.  Akademie 
der  Wissenschaften  der  kräftigsten  Förderung  ilirer  Interessen. 
Ferner  richtet  der  k.  k.  Minister  Herr  Dr.  Berger  eine  Zuschrift 
ähnlichen  Inhaltes  dto.  o.  Jänner  an  die  Akademie. 

Das  c.  M.  Herr  Prof.  Dr.  E.  Mach  in  Prag  übersendet  eine 
vierte  Abhandlung  „über  den  physiologischen  Effect  räumlich  ver- 
theilter  Lichtreize"  nebst  einer  stereoskopischen  Durchsicht  der 
Wellenlängen  eines  zweiaxigen  Krystalies. 

Herr  W.  Schi  emulier,  k.  k.  Lieutenant  inOlmütz,  über- 
mittelt eine  Abhandlung:  „Einfluß  der  Sonne  auf  die  Wärme  der 
Erdoberfläche". 

Die  Redaction  der  „Zeitschrift  für  exacte  Philosophie"  zu  Halle 
und  Leipzig  übersendet  eine  Preisaufgabe  aus  dem  Gebiete  der 
Astronomie,  Geologie  und  Biologie. 

Herr  Prof.  Dr.  E.  Brücke  überreicht  eine  Abhandlung:  „Über 
das  Aufsuchen  von  Ammoniak  in  thierischen  Flüssigkeiten  und  über 
das  Verhalten  desselben  in  einigen  seiner  Verbindungen". 

Herr  Dr.  A.  Boue  macht  eine  Mittheilung  über  das  Vorhanden- 
sein von  Belemniten  in  der  Gosauformation,  über  den  Werth  der 
chronologisch-bibliographischen  Aufzählungen  in  den  physikalisch- 
natnrhistorischen  Wissenschaften  und  über  die  Herstellung  einer 
Eisenbahn  von  Belgrad  nach  Salonik. 

Derselbe  bespricht  ferner  den  Inhalt  seiner  Abhandlung  „über 
die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  im  großen 
Maßstabe  in  der  Natur." 

Herr  J.  Prang  hofer,  Assistent  der  höheren  Mathematik  am 
Wiener  k.  k.  Pol\  technicum  ,   legt    eine  Abhandlung:    „Beiträge  zu 


einer  Aberscheii  Gleicluiiif;  uml  zu  eiiiein  Satze  von  Parseval" 
vor. 

Herr  Dr.  S.  Stricker  legt  folgende  drei  Abliandlungen  vor; 

1.  „l  l)er  die  passiven  Wanderungen  von  Zinnoherkörnelien 
durch  den  thierisclien  Organismus"  von  Herrn  Dr.  W.  Keitz  aus 
St.  Petersburg; 

2.  „Über  das  Epiliiel  der  Schleindiaut  und  die  Ausfübrungs- 
gänge  der  Drüsen  des  weichen  Gaumens  und  der  Uvula  des  IMenschen" 
von  Herrn  Em.  Klein; 

3.  ,,Zur  insertionsweise  der  Muskellasern"  von  Herrn  Med. 
Cand.  Enrico  Verson  aus  Padua. 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 

Academie     Imperiale    de    Medecine :     Memoires.     Tome    XXVII, 

r"  Partie ;  Tome  XXVHI,   l'"  Partie.   Paris,  I860  &r  1867:  4o. 

—  Bulletin.  Tome  XXX.  Paris,  1864—1860;  8«. 
—    —  des  Sciences,  Belles-Leltres  et  Arts  de  Lyon:    Memoires. 

Classe  des  Sciences.  Tome  XV*.  Lyon  et  Paris,  186Ö  —  66;  4». 
Akademie    der    Wissenschaften,    Königl.    Preuss. ,    zu    Berlin: 

Monatsbericht.  August    1867.   Berlin;  8". 
American  Journal    of  Science   and  Arts.    V^ol.  XLiV ,  Nrs.  130 — 

132.  New  Haven,  1867;  8». 
Annalen    der   Chemie   von  Wohl  er.    Liebig  &  Kopp.     N.  R. 

Band  LXVIII,  Heft  2;  V.  Supplementband,  2.  Heft.  Leipzig  &- 

Heidelberg,  1867:  8. 
Annales    des  mines.  VI*  Serie.  Tome  XI,  2".  Livraison  de  1867. 

Paris;  8» 
Apotheker-Verein,  allgem.  österr. :  Zeitschrift,  ö.  Jahrg.  Nr.  24; 

6.  Jahrgang,  Nr.  1.   Wien,  1867  &  1868;  80. 
Astronomische  Nachrichten.  Nr.  1671  —  1672.  Altona,   1867  & 

1868;  40. 
Bericht  des  akademischen  Lesevereins  zu  Prag,  1866 — 67.  Prag, 

1867;  80. 
Biblio  theque  Universelle  et  Revue  Suisse:  Archives  des  sciences 

physiques   et   naturelles.    N.   P.    Turne  XXX",    Nr.    118—111). 

Geneve,  Lausanne,  Neucliatel,  1867;  8". 
Carte   geologique  de  la  Neerhiiide.    (17  Feuilles)  in  Folio. 


Comptes  rendiis  des  seanoes  de  l'Academie  des  Seienees.  Tome 

I.XV,  Nr.  23—26.  Paris,  18G7;  4«. 
Cos  mos.    'S"   Serie.    XVP  Aiinee,    Tome  I,    11* — 13"  Livraisons; 

XVirAnnee,  Tome  II,  1"  Livraison.  Paris,  1867  &  1868;  8o. 
(ieii  ootscha  p,    Bataviaasch,    van   Künsten    en   Wetenschappen : 

Verhandelingeii.  Decl  XXXII.  Batavia,  1866;  4«.    —   Tijdselii-ift 

voor  Indisclie  Taal-,   Land-  en  Volkenkunde.   Deel  XIV,  Aflev. 

n  6:  d:  Deel  XV,  Aflev.    1—6;  Deel  XVI,  Aflev.  1.  Batavia  & 

■s  Hage,  1864,  1865  cV  1866:   8«.  —   Notnlen.   Deel  II,  Allev. 

1_4;  Deel  III,  Aflev.  1—2;  Deel  IV,  Aflev.  1.  Batavia,  1864. 

186Ö&  1866  :  8o.  —  Calalogus  der  Bibliotheek.  Batavia,  's  Hage, 

1864;  8o. 
Gerding,   Th.,   Geschichte  der  Chemie.   Leipzig,  1867;  80. 
Gesellschaft,    österr.,   für    Meteorologie:    Zeitschrift.    II.   Band, 

Nr.  13—24.   Wien,  1867;  8». 

—  allgem.  Schw  rizerische,  für  die  gesammten  Naturwissenschaf- 
ten: Nene  Denkschriften.  Band  XXII.  Zürich,  1867;  4».  — 
Actes.  SO*  Session.  1866.  Neuchatel;  8». 

—  natnrforsehende,  in  Bern:  Mittheilungen  aus  dem  Jahre  1866. 
Bern,  1867;  S*». 

Gewerbe  -  Verein,    n.  -  ö.  :    Verhandlungen    und    Mittheilungen. 

XXVIII.   Jahrg.,    Nr.    30—32;    XXIX.  Jahrg.,  Nr.    I.    Wien, 

1867  &  1668;  80. 
Giessen.  Universität:  Akademische  Gelegenheitsschriften.  1861) — 

1867;  40  &  80. 
Grunert,  Joh.  Aug.,  Archiv  der  Mathematik  u.  Physik.  XLVII.  Theil, 

3.    Heft.    Greifswald,    1867:   80. 
Haast,    Julius,   Beport   on    tlie   Headwaters   of  the   Biver   Bikaia. 

Christchnrch,  1867;  kl.  Folio. 
H  e  I  s  i  n  g  f 0  rs  ,     Universität :     Akademische    Gelegenheitsschriften. 

1865  &  1866;  4«  &  80. 
Hörn  es,    Moriz,   Die    fossilen   Mollusken   des   Tertiärbeckeiis    von 

Wien.  H.  Band,  Nr.  7  &  8.  Wien,  1867;  4o. 
Institut  National  Genevois:  Memoires.  Tome  XI*.   1866.   Gcneve, 

1867;  40.  —  Bulletin,  1866.  Nr.  30  —  31.  8". 
Ist  ituto,  B.,  Veneto,  diScience,  Lettere  edArti:  Memoire.  \\)l.\lll. 

Parte    3.   Venezia,   1867;   4«.    —    Atti.  Tomo   XU,  Serie  111', 

Disp.  10".  Venezia,  1866—67;  8". 


6 

Islituto,  R. ,   tecnico  di  Piilermo:   Gionutlc  ili  Soienze  naliirali  ed 

economiclie.  Anno  1867,  Vol.  III.  Fase.  1 — 3.  Palermo;  4«. 
.lahrltueh,  Berliner  Aslroiioniiselies  liir  1870.  Berlin,  1808;  8». 
Jali  res  l»e  rieh  t    ül)er    die  Fortseliri(l<'    der   Cltenüe   von   II.  Will. 

Für  1860.  2.  Heft.  Gießen,  1867;  8". 
Land-   und   l'orshvirthschaftliche  Zeitung.    17.  Jahrg.  Nr.   50 — -52. 

Wien,  1807;  4". 
Marburg,  Universität:  Akadeniisclie  Gelegenlieitsschriften.  1866 — 

1867;  4«>  c^-  8«. 
Mittheilungen    des   k.    k,   Genie-Coniite.    Jahrgang    1867,    9.  & 

10.  lieft.    Wien;  8o. 
Moniteur    scientitique.    264''  Livraison.    Tome  IX*",    Annee    1867. 

Paris;  4o. 
Museo  puhlico  de  Buenos  Aires:  Anales.  Entrcga  2''\  Buenos  Aires, 

1867;  4o. 
Reiehsl'orst verein,  ("sterr. :  Monalssehrifl  für  Forstwesen.  XVIi. 

Band,  Jahrg.  1867,   Seplemlier-  &  Oeloher-Ilelt.  Wien;   8". 
Bevne    des  cours    seienliji(jnes    et    litteraires    de    la    France    et    de 

l'etranger.    V*'  Annee,    Nr,  2— ,S.   Paris   tK;  Briixelies,    1867  — 

1868;  4«. 
Societe  Liniieenne  du  Nord  ile  la  France:   Mi-moires.  Annee  1866. 

Amiens,  1867;  8o. 

—  litteraire,  scienlifique  et  artistique  d'Apt:  Annales.  III'"  Annee. 
i 865— 1866.  Apt,  1867;  8. 

—  Imperiale  de  Medecine  de  Constanlinople:  Gazette  medieale 
dOricnl.   \l'' Annee,  Nr.  li  — 6.   Conslantinopie,  1867:   4". 

—  Linneenne  de  Lyon:  Annales.  Anni'e  180<).  N.  S.  Tome  XIV*". 
Paris,  1867;  4«'. 

—  des  Sciences  physiques  et  naliu-elles  etc.  de  Lyon:  Annales. 
IIP'  Serie.   Tomes  IX  &  X.  186Ö  cV  1866.   Lyon  &  Paris;   4". 

—  Imperiale  des  Naturalistes  de  Moscau:  Bulletin.  Tome  XL, 
Annee  1867,  Nr.  2.   Moscou;  8o. 

Society,    The  Chemical:    Journal.  Series  2,    Vol.   V.    July— Sep- 
tember, 1867.  London;  8». 

—  The  Anthropologieal,  of  London:  The  Anthropological  Review. 
Nrs.  18—19.  London,  1867;  8o.  —  List  of  Fellovvs.  1867; 
8".   —   Catalogue  of  Bocks.  1867;  8''. 


Society,  The  Linnean,  of  London:  Transactions.  Vol.  XXV,  Part  3. 

London,    1866;    4".    —    General  Index   to   the  Transactions. 

Vols.   I   to  XXV.   London,    1867;     4«.    —    Journal.    Botany: 

Vol.  IX,  Nrs.  38—39;  Zoology:  Vol.  IX,  Nrs.  34—35.  London, 

1866—1867;  8«.  —  List.  1866;  8». 
—   The  Natural  Ilistory,  of  Dublin:    Proceedings  for  the  Session 

1864—65.  Vol.  IV.   Part.  3.  Dublin,  1865;  8o. 
Upsala,  Universität:   Akademische  Gelegenheitsschriften.    1866  «fc 

1867;  8o,  4o  und  Folio. 
Verein  für  Natur^^  issenschaften  zu  Hermannstadt:   Verhandlungen 

und  Mittheilungen.  XVIII.  Jahrgang.    Nr.  1—6.  Hermannstadt, 

1867:  8o. 
Wiener    medizin.    Wochenschrift.    XVII.   Jahrg.    Nr.    100—104. 

XVIII.  Jahrg.  Nr.  1—3.  Wien,  1867  &  1868;  4o. 
Wochen-Blatt  der  k.  k.   steierm.  Landwirthschafts-Gesellschaft. 

XVI.  Jahrg.  Nr.  26.  Grazt,   1867;  4o. 
Zeitschrift  für  Chemie  von  Beilstein,    Fittig  und  Hübner. 

X.  Jahrg.   Nr.  21—22;   XI.   Jahrg.    Nr.  1,   Leipzig,  1867  & 

1868;  8o. 


über  die  Rolle  der  Verändertingen  des  im  organischen  Festen 
im  großen  Maßslabe  in  der  Natur. 

Von  dem  w.  M.  Dr.  A.  Bou6. 

Das  unorganische  Feste  unserer  Erde  ist  im  beständigen  Kampfe 
um  ihr  Verldeiben  wie  es  ist,  oder  mit  andern  Worten  es  ist 
immerwährenden  Veränderungen  ausgesetzt.  Letztere  werden  durch 
mechanische  oder  chemische  Wirkungen  hervorgerufen.  Unter 
den  erstem  stehen  oben  an  die  Resultate  der  Bewegungen  des 
Flüssigen,  mag  nun  letzteres  gasartig  wie  der  atmosphärische  Wind 
oder  wässerig  wie  die  Meeresfluthen ,  die  laufenden  sowohl  als 
die  in  die  Erde  infiltrirten  W^ässer.  oder  selbst  ein  durch  Kälte 
starr  gewordenes  Wasser  sein.  Die  anderen  mechanischen  Umände- 
rungen des  Unorganischen  werden  nur  durch  innere  Kräfte,  wie 
Erschütterungen,  Rutschungen.  Spaltungen,  Reibungen,  Umstürzun- 
gen und  Einstürzungen  hervorgebrachl,  indem  im  Erdballe  selbst  un- 
sichtbare Mächte  die  innere  Structur  der  Erde  und  ihre  verschiedenen 
Bestandtheile  beniitzt  zur  Hervorbringung  der  vulkanischen  Phäno- 
mene so  wie  auf  diese  Weise  zu  derjenigen  großer  Umänderungen 
an  der  Erdoberfläche.  Welche  Kralle  alles  dieses  verursacht,  bleibt 
uns  einstweilen  verborgen  und  erlaubt  nur  Muthmaßungen ,  bis  die 
Zukunft  uns  einnv.il  den  wahrscheinlicji  rythmischen  Causal-Verband 
der  erwähnten  Erscheinungen  mit  den  uns  bis  jetzt  bekannten 
Kräften  so  wie  mit  den  astronomischen  Eigenlhümlichkeiten  unseres 
Erdballes  erschließt. 

Die  chemischen  Wirkungen  sind  erstens  die  bekannten 
durch  die  atmosphärische  Luft  oder  ihre  Bestandtheile  iiervorge- 
brachten  Veränderungen  im  Unorganischen,  dann  die  Auflösungskraft 
der  reinen  so  wie  der  Mineralwässer,  weif  er  die  Umwandlungen, 
M't'lche  durch  gegenseitige  Affinität  der  Elementarkörper  durch 
katalytische  Kraft,  durch  Dissociafion  (siehe  Fournel  Acad.  de 
Lyon  l8Gy  24.  Jänn.)  oder  auf  elektrischem  Wege  zu  Stande  kom- 


über  die  Rdlle  der  Veriin(lprun"en  des  unorj^-anisclien  Festen  etc. 


9 


men.  Indessen  nacli  Umständen  modifieirt  oder  liefitrdert  diese  Ver- 
änderungen der  wichd'ge  Naturfactor  der  Fllektricität  iiiid  der 
Magnetismus  so  wie  ihre  Verbindung  in  ihrem  polymoridiiselien 
Standpunkte. 

Üher  die  nieelianiselien  Umänderungen  des  Unorganisclien  be- 
sitzen Mir  schon  sehr  viele  Thatsachen,  welche  täglich  an  Genauig- 
keit gewinnen.  Seit  den  letzten  40  Jahren  haben  sicli  besonders 
unsere  Kenntnisse  über  das  sogenannte  All  u  vial -Geh  ie  t  oder 
die  Hauptproducte  der  Zerstörung  und  Wegl'ührung  der  Meeres- 
fluthen  so  wie  der  lautenden  Wässer,  sehr  erweitert.  An  die  Stelle 
der  zwei  ehemals  angenommenen  großen  Abtheiluiigen  in  der 
Zeit  ist  nicht  nur  eine  große  Zahl  getreten,  sondern  man  hat  noch 
Beweise  genug  gefunden,  um  für  gewisse  Gegenden  oder  eigene 
Becken  höchst  wissenschal'tlich  gegründete  Zergliederungen  vorzu- 
schlagen, dessen  hervorbringende  Ursachen  man  aucli  entdeckt  hat. 
Unter  andern  hat  die  wunderhare  Erkenntniß  eines  ziemlich  kalten 
Zeitraumes  während  der  Alluvialzeit,  wenigstens  in  der  gemässigten 
Nordzone,  zu  diesen  neuen  Eroberungen  in  der  Geologie  der  obersten 
Erdhülle,  theilweise  viel  beigetragen.  Da  das  erratische  Phänomen 
in  Südamerika  auf  der  südwestlichen  Küsle  und  selbst  inNeu-Seeland 
bekannt  wurde,  so  ist  es  möglich,  daß  es  daselbst  auch  eine  Alluvial- 
Eiszeit  einmal  gab. 

Die  Winde,  diese  fiir  den  IMenschenverkehr  so  wichtigen 
atmosphärischen  Bewegungen,  sind  eigentlich  nur  gründlich  in 
unsern  Zeiten  beobachtet  und  ihre  innige  Verbindung  mit  Tempe- 
ratur sowohl  in  der  Entstehung  als  ihren  Riciitungen  nacli  bewiesen 
worden  (siehe  Dove,  IMaury  u.  s.  w.  Abb.).  Die  sogenannten 
Cyklonen  oder  Wirbelwinde  haben  manches  Meteorologische  aufge- 
klärt. (Siebe  Espy,  Piddington,  Redfield,  Poey,  Loomis, 
Dove  u.  s.  w.).  Unter  den  Windwirkungen  auf  das  Unorganische 
sind  uns  die  Dünenbildungen  viel  besser  bekannt  geworden,  jene 
Sandhaufen,  welche  selbst  als  förmliche  Hügel  am  französischen  Ufer 
des  biskaysclien  IMeerbusei.s  erschienen.  Das  Merkwürdigste  aber  ist, 
daß  die  Winde  die  Übertragung  von  sandigen  unorganischen  sammt 
zahlreichen  organischen  Wesen  von  einem  Continente  zum  andern  und 
selbst  von  einem  Welttheil  in  den  andern  vermitteln.  (S.  Ehren- 
berg's  Schriften).  Die  Herren  >'irlet  und  H.  de  Saussure  haben 
Iiie  und   da  in  Mexico  die  Bemerkung  gemacht,  vie  sehr  der  Staulf, 


10  B  0  u  e 

bosoiulers  bei  Wirbclwiiideii.  zur  llervorbringiing  des  Ackerbodens 
beiträgt.  (Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1857.  B.  15,  S.  129.  Coup  d'ocil.  sur 
r  Hydrologie  duMexique  1864,  S.  65.)  Diese  Tbatsacbc  findet  überall, 
l)esoiulers  aber  auf  felsigem  Boden  oder  auf  Rollsteinablageriingen 
seine  Bestätigung. 

Über  die  Infiltration  des  Wassers  im  Erdboden  baben 
uns  sowobl  Biscbof  (Cbem.  pliysik.  Geologie  1847.  B.  1,  S.  233) 
als  Daubree  (C.  R.  Ac.  d.  Sc.  P.  1861.  B.  52)  genugsam  Auf- 
scbluß  gegeben.  Da  aber  das  Wasser  immer  atmosphärische  Luft 
also  auch  Kohlensäure  mit  sich  führt,  so  steigert  sich  ihre  Autlösungs- 
kraft.  Die  Infiltrationen  dieses  Flüssigen  sind  Capillariläls-  und  cndos- 
mosische  Phänomene  unter  dem  Luftdrucke,  durch  welche  das 
Wasser  selbst  in  die  härtesten  Felsarten  eindringt  und  wohl  bis  zu 
den  Tiefen  gelangen  kann,  wo  der  Druck  der  Dilatationskraft  wegen 
der  Erdhitze  nacligibt  (Beruh.  Studer"s  Geologie  1864,  B.  2, 
S.  41);  das  Wasser  muß  dann  verdampfen  und  natürlicherweise 
unter  dieser  Form  viel  zu  den  Erderschütterungen  und  selbst  zu  den 
Vidcanischen  Katastrophen  beitragen  können.  In  allen  Fällen  müssen 
diese  unterirdischen  Wässer  sowohl  das  nur  tropfbare  als  das  wirk- 
lich fließende  Medium  manche  chemische  Zergliederungen  so  wie 
Reactionen  unter  den  Erzen  wie  unter  den  erdigen  Mineralien  be- 
fördern, was  Fournet  (Soc.  philomat.  Paris  1843.  S.  120),  De  la 
Neue  (dito  1854  24.  Juni),  Ebelmen  (ITiistitut  1851.  S.  409), 
H.  Rose  (Pogg.  Ann.  1852,  B.  86,  S.  49,  87  u.  470)  u.  s.  w.  aus- 
führlich besprachen. 

Was  die  Erschütterungen  unseres  Erdballes  betrifl't, 
haben  wir  in  den  Herren  Perrey  und  Maltet  die  wahren  Chroniker 
für  Erdbeben  erhalten,  indem  alle  andern  alte  und  neuere  dynamische 
Bewegungen  des  Erdbodens  viel  sorgfältiger  als  vor  40  Jahren  beob- 
achtet und  selbst  in  einen  theoretischen  Verband  gebracht  wurden  i). 
Seitdem  haben  in  der  physikalischen  Geographie,  die  Unterschiede 
der  äußeren  Gestalten  der  verschiedenen  Theile  des  Erdballes  sehr  an 
Schärfe  gewonnen  und  ihre  wahre  Bildung  ist  an  den  Tag  gekommen. 
Doch  in  dieser  Richtung  bleibt  noch  Manches  unvollkommen,  und 
vieles  das  in  spätem  Zeiten  wahrscheinlich  besser  verstanden  wird. 


Ij    Alexis  l't'rrey  Propositioii»  sur  It's  liemlik'iiu'iils  de  terrü  &:  les  volcaiis  formulees. 
J>.  ISCui.  8. 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Fes(en  etc.  1  1 

Die  kurze  Spanne  des  Menschenlebens  führte  eilig  zu  Theorien, 
welche  nur  theilweise  ihre  wahren  Beweise  hahen.  Man  übersieht 
gerne  l'ür  den  Augenblick  die  einzelnen  Mängel  in  der  niauchinal 
eiteln  lIoiTnung,  öni'fi  das  Anomale  doch  endlicli  in  dem  als  Axiome 
Aufgestellten  sich  einpassen  Mird,  anstatt  in  jenem  Außerordentlichen 
einen  Riegel  für  unsere  Phantasie  zu  sehen. 

In  allen  Fällen  bleibt  die  Thatsache  der  Verbindung  der  Vul- 
cane  mit  den  Erdbeben  obwohl  niclit  mit  allen,  indem,  wie  Kluge 
bemerkt,  Vulcane  am  zahlreichsten  und  thätigsten  in  der  Nähe  der 
Verbindungs-Gegenden  zweier  Continente  sind,  wie  wir  es  in  Mexico 
und  Ccntral-Amerika,  in  den  nördlichen  Theüen  der  Atlantik  und 
des  stillen  Meeres,  zwischen  Hinter-Indien  und  Auslralien  so  wie 
auch  im  mittelländischen  Meere  wahrnehmen.  Wo  Zerstückelungen 
und  Trennungen  ehemals  stattfanden,  bestehen  noch  deutlich  Spuren 
der  Kräfte,  Avelche  diese  Veränderungen  hervorbrachten. 

Seit  40  Jahren  A\urden  z.  B.  viele  Küstenländer  und 
Ränder  genau  aufgenommen  und  selbst  oft  mit  Höhenmes- 
sungen  verscliiedener  Art  in  Verbindung  gebracht  (in  England, 
Frankreich,  den  vereinigten  Staaten  Nord-Amerika"s  u.  s.  w .).  Nur 
solche  Aufnahmen  sammt  wahren  Küsten-Photographien  werden  in 
einigen  Jahrhunderten  reichlichen  Aufschluß  über  die  möglichen 
Veränderungen  des  Meeres -Niveauverhaltens  gegen  Continente  und 
Inseln  geben.  Diese  Bilder  der  Terrain -Contiguration  sammt  dem 
Wasser-Horizonte  werden  uns  dann  zeigen  ,  was  wir  über  die 
Stätigkeit  und  Veränderung  des  Wasserquantums  unseres  Planets 
wirklich  glauben  sollen,  denn  jetzt  finden  wir  wohl  auf  sehr  vielen 
Küsten  des  ganzen  Erdballes  unwiderrufliche  Beweise  von  Wellen- 
schlägen gegen  Felsen,  so  wie  von  Meeresufern  auf  dem  trockenen 
Boden  (siehe  Chamber's  Ancient  Sea  Margins  1848),  Mir  muth- 
massen  aber  kaum  was  für  einen  gesammten  Erdraum  Continente 
sammt  Inseln,  Avährend  der  Zeit  der  Hervorbringung  dieser  Merk- 
male, einnahmen.  Gab  es  einmal  wirklich  mehr  trockenen  Boden  als 
jetzt,  so  Avürde  das  jetzige  tiefere  Niveau  der  Oceane  sich  natur- 
gemäß erklären. 

Nun  in  dieser  speculativen  Richtung  haben  wirklich  nicht  nur 
die  Fortschritte  der  Geographie  und  Hydrographie,  sondern  auch  die 
paläontologischen  Folgerungen  über  die  jetzige  rationelle  Verbreitung 
der   Thiere    und  Pflanzen,    den   pliilosophischen    Theorien  IMaterial 


12  B  o  u  c'. 

geliefcrl.   ]M;m  l'itiid  sicli  uameiitlicli  vor  Riitlisclii,  i'üv  clt'i-en  Lösung 
kein  oiulci-er  i-icliliger  Ausweg-  als  dieser  erschien. 

Darum  ist  für  den  Theoretiker  die  atlantisehe  Allan tid 
kein  IMährclien  mehr,  aher  ihre  Lage  und  Beslandtheiie  denkt  er  sich 
ganz  anders  als  die  Phönicier  und  Griechen.  Es  muß  namentlich 
östlich  im  allantischen  Meere  nördlich  vom  Äquator  mehrere  große 
Inseln  gcgehen  haben,  von  denen  die  daselhst  wohibekannlen  vul- 
canischen  Inselgruppen  nur  sogenannte  Überreste  oder  Satelliten 
waren  ').  Dann  mußte  etwas  ähnliches  zwischen  Süd-Amerika  und 
Afrika  bestanden  liaben ,  da  man  aueli  daselbst  noch  einige  kleine 
theilweise  vnlcanische  Inseln  kennt.  Doch  für  letzteres  Verschwun- 
denes bot  uns  das  organische  Reich  in  beiden  Continenten  noch 
nicht  dieselben  Wahrscheinlichkeilen  als  für  die  ehemaligen  Inseln 
der  Nord-Allanlik.  Wenn  Edw.  Korbes  schon  das  Verschwinden 
der  letzleru  din-cli  die  lerliäre  und  jetzige  marine  Fauna  an  den 
britischen  iusehi  so  A\ie  durch  die  Landflora  und  Fauna  dieses 
Reiches  nachwies  (Mem.  geol.  Survey  of  Great  Brit.  1846,  B.  I, 
S.  336),  so  gaben  sich  Heer  (Bibl.  univ.  de  Geneve  18o6.  B.  32  u. 
Ausland  1857.  S.  405),  Gaudin  und  Sirozzi  Mühe  die  tertiäre 
Flora  Europa"s  mit  der  Amerika's  vermittelst  jener  allen  Inseln  zu 
verbinden  und  zu  erläutern  (Mem.  Soc.  helvet.  Sc.  nat.  I8G0.  B.  18, 


1)  Nie.  Desmiirest  Diss.  siir  l'Aiio.  jdiict.  de  rAiigleterre  et  de  la  Fraiire.  Aniiens 
17;>3,  12.  V.  Biier,  Versuch  üh.  d.  Atliinliker.  Fraiikf.  177T.  Charle.  .1.  Silvain, 
Bailly,  Letlres  sur  rAtlanlide  de  Platoii  et  l"aiic.  hist.  de  lAsie  P.  1778,  Lond. 
1779,  8.  J.  de  l'lsle  de  Sales,  Hist,  du  monde  primitif  ou  des  Atlantes.  P.  1780. 
2.  B.  8.  Court  de  Ge  bei  in,  Hisl.  pliilos.  d»  inoiide  primitif  1780,  B.  6,  S.  144  — 
194  mit  Charte.  Comte  I.  B.  Carle  Letlres  Americain.  dans  hu|.  oii  examiiic  Tori- 
gine  etc.  des  anc.  hahit.  de  TAmeriq.,  Tancienne  Communicat.  des  deux  Heniisplieres 
et  la  derniere  revolut.,  qui  a  fait  disj)arait.  l'Atlantide  trad.  de  TAnj^lais.  Bosloii  u. 
P.  1788,2.  B.  8,  H  um  I.Ol  dt  (J.  de  Phys.  1801,  8.^3,8.  33).  J.  S.  Bailly  Leüres 
sur  lAUaiitide  de  Piaton.  engl.  Üb.  1801,  2.  ß.  8.  Bory  de  St.  Vincent.  Essai  sur 
les  iles  Fortune'es  et  Tantiqne  Atlanlide  P.  1802.  4.  mit  Charte.  Fcirtia  d"ürban 
Hist.  et  tbeorie  du  delug-e  d'Og-yges  ou  de  iNoe  et  de  la  submersioii  de  PAtlantide. 
P.  1808.  12.  J.  de  Phys.  1809.  B.  69,  S.  llfi.  Tasch.  f.  Min.  1811,  B.  S.  S.  SGI. 
V.  Hoff,  Gesch.  d.  Veränderunf^  d,  Krdobernüchp  1822.  Bahama,  Üiierbleihsel 
eines  Continenles  (Ausland  183ü,  S.  211).  .Martin,  Ktudes  sur  le  Tiniee  dePlalon. 
B.  1,  S.  202  —  32(5.  Bibl.  univ.  Geneve  1.S42.  B.  37,  S.  24 —  27.  D'Ave/.ac, 
les  iics  fanlasli(|.  de  POce'au  occideulal  au  moyenage.  Fragment  inedit.  d'une  bi.st. 
des  iles  de  rAIViij.  P.  I84ü.  N  i  k  les  PAtlantide  de  Piaton  expli()ue'c  si'ientiliquement. 
.Nancy  186:;.  8. 


über  die  Rolle  der  Veriiiideniiij^eii  des  unorganischen  Festen  etc.  j  3 

l>il)l.  uiiiv.  (JoiK'vc  I8(JI,  H.  10,  8.  87),  was  unser  genialer  College 
Dr.  F.  Unger  auch  (hat.  (Die  versunkene  Insel  Atlantis  1860. 
8»).  Seitdem  ging  Herr  II.  Jenkins  in  seinen  hypothetischen  Conti- 
nenten  noch  weiter  und  niutlunaßte,  daß  die  mioeäne  Flora  und 
Fauna  Europas  mittelst  derselhen  Brücke  während  der  Eocänzeit 
aus  Amerika  gekommen  wäre  (Geol.  Mag.  1866,  B.  3,  S.  467 
und  Intellectual  Übserver  1866  Sept.).  Seit  dieser  Übersiedelung 
hätte  sich  dieses  Organische  in  Asien,  Afrika  und  in  dem  öst- 
lichen Meere  verbreitet  und  nur  ein  Theil  dieser  Flora  wäre  über 
Central-  und  Nordasien  und  Japan  nach  Amerika  zurückgekonmin. 
wie  auch  Asa  Grey  meint.  Die  amerikanische  Flora  wurde  seit  der 
Kreideperiode  bis  jetzt  wenig  verändert.  Diese  Muthmaßung  würde 
über  die  amerikanischen  tertiären  Formen  der  fossilen  Pflanzen 
der  unteren  Kreidefurmation  längs  des  Missouri  und  Niobrara  im 
Nebraska  •)  so  wie  über  die  zu  hastige  irrige  Altersbestinnnung  die- 
ser Pflanzen  durch  Dr.  Heer  im  Jahre  1858  eine  weitere  Erklärung 
bringen  2). 

Auf  der  südlichen  Seite  der  Atlantik  beweisen  wenigstens 
gewisse  eigenthümliche  Süßwässer-  oder  Erdmollusken  (Azoren,  cana- 
rische  Insel,  St.  Helena)  so  wie  selbst  Süßwässer  (Madera)  s)  und 
tertiärer  Kalk  (Insel  des  grünen  Vorgebirges),  daß  wie  in  den  Inseln 
des  griechisciien  Archipels  große  Strecken  Landes  versunken  oder 
zerstört  worden  sind.  Um  Süßwasser-Becken  zu  bilden  gehören  nicht 
nur  solche  Inseln,  sondern  die  umgebenden  Piänder  oder  Dämme, 
welche  daselbst  in  allen  Fällen  lehlen.  Auf  den  Inseln  St. Helena  und 
Tristan  d'Acunha  wächst  nach  Palm  er  der  Coiiyza  gimimifern 
(J.  geogr.  Soc.  L.  1860.  B.  30,  S.264).  Diese  Inseln  mit  derjenigen 
Alcension  genannten  möchten  wohl  ehemalige  versunkene  Continente 
oder  große  Inseln  andeuten  und  man  kann  selbst  von  der  einsamen, 
aus  älteren  Gesteinsarten  gebildeten  Insel  St.  Paolo  Ahnliches  muth- 


1)  Siehe  Hayden  Proc.  Ac.  nat.  Sc.  Philad.  1837.  Nr.  8—16.  S.  100  ti.  151,  1838. 
B.  9,  S.  139- 1S8.  Americ.  J.  of  Sc.  1860.  N.  F.  B.  29,  S.  286.  Marcou  Bull.  Soc. 
geol.  Fr.  1864.  ß.  21.  S.  142—146. 

2)  Siehe  Marcou,  aueh  Newberry  in  Edinb,  n.  phil.  J.  1860.  N.  F.  B.  12,  S.  303. 
Durch  Marcou  deutliche  Auseinandersetzung  hat  Lesquereux  Vertheidigung 
Heer's  Ansichten  gegen  die  Ne\vherry"s  keinen  Werth  mehr.  (Amer.  J.  of  sc. 
1860.B.  29,  S.  434  —  436.) 

^)   Sieiie  Ffartung's  geol.  Beschreib,  d.  Insel  Madera  u.  Porto  Santo  1866. 


14  B  o  u  e. 

nuisseii.  (Darwill  Geol.  of  the  Beagle  1844.  B.  2,  Phil.  Mag.  !84ö. 
3.  R.  ß.  26,  S.  344.)  Endlich  müssen  wir  wieder  in  Erinnerung 
bringen,  daß  bis  nach  der  Eocänzeit  und  vielleicht  selbst  noch  im 
Anfange  der  Miociinperiode ,  der  stille  Ocean  mit  dem  Atlantischen 
in  freier  Verbindung  durch  Central-Ameriica  stand.  Dieses  wurde 
durch  Vergleichung  der  marineu  älteren  tertiären  Faunen  an  den 
Küsten  und  in  den  Inseln  beider  Weltmeere  ausgemittelt  i).  Conrad 
und  Lyell  sind  einig  die  lebenden  Analogen  der  Miocän-Mollusken 
Nordamerika's  bis  zu  33  nördlicher  Breite  nur  in  der  Atlantik 
und  nicht  in  dem  stillen  Meere  zu  finden.  D'Orbigny  bestätigt 
dieses  und  erwähnt  nur  als  Ausnalime  die  Calyplraca  costcita,  welche 
niiocän  in  Aen  vereinigtiMi  Staaten  in  Valparaiso  lebt.  J.  C.  Moore 
aber  fügt  zwei  andere  Anomalien  hinzu,  namentlich  daß  die  Phos 
Vcraguc'Hsis  aus  St.  Domingo  in  der  Veragua- Bucht  und  Venus  puer- 
pera  aus  St.  Domingo  auch  in  dem  stillen  Meere  leben  (Quart.  J.  geol. 
Soc.  L.  18S0.  B.  6,  S.  52). 

Gehen  ^^  ir  aber  zum  Ocean  z  w  i  s  c  h  e  n  Afrika  und  Indien, 
so  finden  m  ir  in  der  Insel  Maurice,  in  der  la  Reunion-Insel  und  den 
sogenannten  Mascareignes  ähnliche  Andeutungen  von  ehemaliger 
großer  Länderausdehnung,  wie  Süßwasserkalk  und  Sandsteine,  einst 
unterseeische  Wälder,  eigenthümliche  Vögel,  Mollusken  u.  s.  w. 
Herr  G.  Clarke  fand  in  der  ersten  erwähnten  Insel  alle  Anzeigen, 
daß  sie  nur  ein  Theil  eines  einst  großen  Continents  war.  (Quart. 
J.  geol.  Soc.  d.  1867.  B.  23,  S.  190.)  Sclaler  stellt  selbst  die 
Hypothese  einer  Verbindung  Afrikas  mit  Indien  durch  Madagascar  und 
verschwundene  Inseln  auf.  Das  ist  das  Lemur-Land.  Doch  wenn  er  so 
weit  gebt,  die  Antillen  mit  Süd-Afrika  und  Madagascar  in  uralten 
Zeiten  zu  verbinden,  so  widerspricht  ihm  Jenkins,  welcher  die  Ver- 
setzung des  Organiseben  Westindiens  nach  Madagascar  nur  vermit- 
telst der  atlantischen  Atlantis  für  möglich  glaubt.  (Geol.  Mag.  18l)6. 
B.  3,  S.  465). 

Indem  inselreichen  Hinter-In  d  ien  hat  A.  R.  Wall  ace 
keine  Mühe  die  wahrscheinliche  ehemalige  ^'erbindung  nicht  nur  des 


1)  S.  Dr.  Antisell  in  Lieul.  F'.-irkH's  npimrt  oii  llie  exploint.  in  California  u  s.w. 
in  Report,  of  explorat.  a.  Siirvey  for  a  Hail  road  to  the  Pacific.  ISüT.  B.  7.  Amer. 
J.  of  Sc.  18S8.  B.  26,  S.  92.  Conrad  dito  S.  127.  D  u  n  c  a  n  .ähnliche  Miocänkor.iUeii 
in  den  Antillen  und  lebende  im  Stilleu  Ocean.  (Q.  J.  geol.  Soc.  L.  B.  19.  S.  40(5.) 


über  die  Rolle  der  Veriinderunfcen  des  unorg-anisclien  Festen  etc  1  O 

hiiilerindischen  Ai'cliipels  mit  dem  Coiitinente  »)  sondern  auch  die- 
jenige zwischen  der  Aru-Insel ,  Neu-Guinea,  Neu-Calcedonien  und 
Australien  zu  beweisen  a).  Die  Aru-Insel  ist  theilweise  versunken 
und  drei  Flußbette  durchziehen  sie  wie  Wassercanäle.  Diese  Gruppe 
von  Inseln  mit  denjenigen  Hinter  -  Indiens  besitzt  eigenthiimliche 
Vögel,  Marsupial-Thiere  und  selbst  eine  Art  Rhinoceros  haust  in 
denjenigen  neben  der  hiiiterindischen  Halbinsel.  Was  soll  man 
endlich  von  der  vulcanischen  Insel  St.  Paul ,  Amsterdam  und 
Crosett  denken,  kann  man  sie  in  Gedanken  mit  der  Insel  Kergueten 
verbinden? 

In  dem  stillen  Meere  haben  die  zahlreichen  Inselgruppen 
schon  lange  die  Vermuthung  eines  versunkenen  Continentes  im 
menschlieben  Geiste  und  besonders  bei  Weltumsegiern  angeregt  s). 
Möchten  es  aber  nicbt  zwei  gewesen  sein  oder  gab  es  nicht  erstlich 
eine  Gruppe  großer  Inseln  unter  den  Tropen,  wo  jetzt  so  viele  Archi- 
pele aultauchen,  und  dann  eine  andere  etwas  nördlicber,  ungefähr 
wo  die  Sandwichsinseln  liegen?  Auffallend  ist  es,  daß  in  allen  diesen 
Inseln  nicht  nur  alle  Flötzbildungen,  sondern  selbst  die  Merkmale  der 
tertiären  und  selbst  der  alten  Diluvialzeit  fehlen,   es  sind  nur  Meer- 


1)  Herr  Logan  hat  den  Beweis  davon  linguistiseli  geben  wollen,  indem  er  zeigte, 
daß  diese  Verbindung  vor  der  Ankunft  der  Indier  vorhanden  war,  da  die  Sprache 
der  hinterindisehen  Insulaner  mehrere  Ähnlichkeiten  mit  der  Thibet- birmanischen 
und  Tartar-japaiiesischeii  hat.  (Edinb.  a  phil.  J.  1851.  B.  öO,  S.  371 — 378.) 

2)  Ann.  a  Mag.  nat.  bist.  18ö8.  B.  20,  S.  47Ö.  Americ.  J.  of  Sc.  iSöS.  B.  2ö, 
S.  280. 

3}  Nach  ßuffon,  eine  große  Zone  zerstörten  Landes  von  Kamtschatka  bis  Neii- 
Britannien.  Hist.  nat.  1788.  B.  2,  S.  114.  J.  H.  M  a  c  c  u  1 1  o  c  h.  Großes  versunkenes 
Continent  in  der  Mitte  des  stillen  Meeres.  Researches  on  America  etc.  Baltimore 
1817.  Zeit.  f.  Min.  1826.  B.  1,  S.  448.  Darwin,  Geol.  obs.  on  volcanic  Islands  etc. 
Voy.  of  the  Beagle  L.  1844.  8.  oder  die  deutsche  Übers,  von  Dieffenbach 
1844.  Dana,  theilweise  gegen  Darwin's  Ansichten  Amer.  J.  of  Sc.  1843.  B.  4ö, 
S.  131  u.  310,  Charte.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1844,  S.  228.  Edinb.  n.  phil.  J.  1843. 
B.  33,  S.  341;  1833  B.  So,  S.  240.  Proc.  Americ.  Assoc.  N.  F.  1849.  ß.  2 ;  F.  H. 
V.  Kittlitz,  Ausland  18S8.  S.  120.  Mein  ecke,  Ausland  1864.  S.  48.  In  Dar- 
win's u.  Dana's  Werken  sind  besonders  die  Gegenden  des  stillen  Meeres  specifi- 
cirt,  wo  Versenkungen  oder  Hebungen  scheinbar  annehmbar  sind.  Der  einzige  Jam. 
Gay  Sawkins  will  in  den  süd-oceanischen  Inseln  keine  Versenkungen,  sondern 
nur  Hebungen  annehmen.  (Quart.  J.  geol.  Soc.  L.  1836.  B.  12,  S.  383.)  Auch  war 
einst  H.  V.  Streffleur  gegen  alle  Senkungen  u.  Hebungen.  (Entstehung  der 
Continente  1847.  S.  I.i3  — 196.) 


16  E5  o  u  e. 

iiiul  Fi'isfliwasst'r,  iilliniitU-  Sfiiiineiite  oder  Producte  mit  vulcaiii- 
sclu'ii  Miilcrioii  VL'fschii'dt'iK'r  Zeiten.  Diese  Eigeiithümlichkeit  uiiter- 
>elieidel  ganz  l»esoiiders  die  ticeaiiiselie  Welt  von  der  australischen, 
wo  man  in  letzterer  große  Senkungen  von  secuadareii  und  selbst 
eoeäiien  Gebilden  annehmen  muß.  Im  stillen  Meere  müßte  man  glau- 
ben, daß  die  Senkungen  großer  und  vollständiger  waren  und  daß 
last  das  ganze  jetzige  Feste  Oceaniens  in  der  Alluvialzeil  liervor- 
geliraeht  w  urde. 

Wenn  w  irklieli  so  große  Contiiiente  oder  Inseln  in  vielen  Mee- 
ren verschwunden  wären,  so  könnte  man  wolil  für  die  Erklärung 
der  Merkmale  des  niedrig  gewordenen  Oeean-Niveau,  anstatt  der 
Hebungslheorie,  nur  die  Hypothese  der  großen  Versenkungen  in  der 
Ki'dknisle  nach  den  tertiären  Zeiten  gelten  lassen.  W.  L.  Green  be- 
haujttet  selbst,  daß  allein  die  ungeheure  tiefe  Einsenkung  im  stillen 
Meere  hinreichend  gewesen  sein  würde,  um  das  Niveau  desOceans  um 
400—500'  tiefer  zu  legen  (Edinb.  n.  phil.  J.  1857.  2.  F.  B.  6,  S.  76). 
Diese  Höhe  wäre  ungefähr  diejenige  der  höchsten  verlassenen  jetzt 
trocken  gelegten  Meeresufer.  Uns  scheint  es  aber  besser,  alle  Meeres- 
versenkungen i)  im  Ganzen  gelten  zu  lassen  und  dann  kann  man 
sich  fragen,  ob  nicht  die  Centrifugalkraft  der  Erdbewegung  a)  lange 
Zeit  hat,  beitragen  zu  müssen,  vielmehr  Inseln  oder  ganze  Continente 
als  jetzt  überall  zwischen  den  Tropen  zu  erzeugen ,  welche  dann  nur 
viel  später  größtentbeils  sich  gesenkt  hätten,  als  die  längliche  von  Nord 
nach  Süd  sicherstreckende  und  südlich  zugespitzte  Form  der  jetzigen 
Continente  entstand  s).  Nur  Eines  in  dieser  Hypothese  scheint  sonder- 
bar, namentlich  daß  die  Schwere  in  so  späten  geologischen  Zeiten 
die  Centrifugalkraft  überwunden  bäl^e.  In  allen  Fällen  bleibt  es  auf- 
fallend, da(5>  die  jetzigen  höchsten  Berge  und  Plateaux  der  Erde  gerade 


')  Siehe  Dr.  H.  ß  int  ha  um,  VersenkunufPn  ii.  Hebungen  der  Erdkrusle  in  Amerika, 
in  den  stillen,  indischen  u.  atlantischeu  Oceanen.  in  Klein-Asien,  Süd-Afrika  u.  s.  w. 
r.Iobus  1866,  B.  10,  Lief.  4,  S.  HG— 118.  Lief.  7,  S.  220  —  222,  Lief.  8, 
S.  233—233. 

2)  Clausen,  Einfluß  der  Erdrotat.  auf  die  Bewegungen  der  Erdoberfläche.  Bull.  Ac. 
Sc.  St.  Pet.  1852.  2.  F.  B.  10,  l'ogg.  Ann.  18Ö3.  Suppl.  B.  4,  S.  13S.  II.  Buff. 
Ann.  d.  Chem.  u.  Pharm.  1860.  Suppl.  Bd.  4,  S.  207 — 226. 

3)  Der  berühmte  Beinhold  Förster  glaubte  annehmen  zu  müssen,  daß  die  Anstral- 
Spilxen  der  großen  Continente  durch  das  Drängen  der  Wässer  vom  Süden  aus  ent- 
st.mdfn.  uifi  den  Platz  der  untergesunkenen  Länder  cin/.uneiMnen. 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorgniiisehen  Festen  etc.  1  • 

zwischen  den  Tropen  noch  liegen  wie  in  Süd-Amerika  der  Sorate, 
Illitnani,  Chimhorasso  und  die  hohen  Anden  überhaupt,  in  Afi-ika  die 
Camerongebirge,  der  Kihnaiuijora,  die  Mondgebirge,  Abyssinien,  und 
in  Asien  nahe  am  Wendekreis  des  Krebses  die  höchsten  Ketten  und 
Plateaux  in  der  Welt.  Sollte  man  darin  nicht  noch  ein  Bruchstück 
der  Wirkung  der  ehemaligen  Centrifugalkraft  unseres  rotirenden 
Erdballes  erkennen? 

Würde  hier  wirklicli  Elie  de  Beaumont's  Gedanken  von  der 
Möglichkeit  einer  Beckenversenkung  durch  das  immer  grüßer  wer- 
dende Gewicht  seiner  Sedimente  oder  Ablagerungen  theilweise 
wenigstens  seine  Anwendung  finden?  (Explicat.  de  la  Carte  geol.  de 
Fr.  1848.  B.  2,  S.  61 1 .  Notice  sur  les  syst,  de  montagnes  1852.  Bd.  3, 
S.  1344  adnotat.) 

Diese  unsere  gewagte  Hypothese  schließt  dennoch  gar  nicht  die 
andere  ziemlich  wahrscheinliche  und  von  vielen  physikalischen  Theo- 
retikern getheilte  Meinung  über  die  localen  Senkungen  und  He- 
bungen aus,  welchen  die  Erdkruste  seit  ihrem  ersten  Festwerden 
ausgesetzt  war.  Die  bestätigten  Thatsachen  dieser  Bewegungen  sind 
sehr  zahlreich  und  vermehren  sich  noch  alle  Tage,  so  daß  selbst 
eine  Anzahl  von  Gelehrten  darin  ein  regelmäßiges,  vielleicht  secu- 
läres  Gesetz  des  Erdballes  sehen  will  i).  In  allen  Fällen  beurkun- 
den uns  die  Erdbeben  nur  die  stärksten  Bewegungen  des  Bodens, 
indem  die  ganze  Folge  von  Erdvibrationsresultaten  nur  höchst  spär- 
lich zu  unserer  Kenntniß  gelangt.  Diejenigen,  welche  wie  Rob. 
Mall  et  und  J.  Bourlot  einen  feuerflüssigen  Körper  im  Erdballe 
noch  vermuthen,  erklären  sich  am  leichtesten  dieses  ewige  Rütteln 
und  diese  Unstätigkeit  der  continenten  Ränder  a),  keiner  hat  aber 


1)  T.  R.  Robinson,  Jährliche  Bewegung  der  Erdkruste  durch  Temperatiirwechsel, 
Trans,  roy.  Irish  acnd.  1841  B.  19,  S.  193,  Phil.  mag.  1846,  3.  F.  B.  29,  S.  81. 
J.  Phillips,  Über  Bewegungen  im  geschichteten  Gebirge.  Brit.  Assoc.  Cork 
1843.  J.  Reid,  Fortwährende  Bewegungen  in  der  Erdkruste.  Proc.  Glasgow, 
geol.  Soc.  1863.  B.  2.  Th.  1,  S.  40.  W.  Ferrel,  Bewegungen  des  Flüssigen  und 
Festen  im  Erdboden.  Amer.  J.  of  Sc.  1861.  N.  F.  B.  31.  S.  27 — 31. 

2)  Rob.  Mallet,  Tägliche  u.  seculäre  Bewegungen  der  Erdkruste.  Geol.  Soc.  Dublin 
11.  März  1846.  Phil.  mag.  1846.  3.  F.  B.  29,  S.  67  —  73.  J.  Bourlot  Reacf.  de  la 
haute  Temperat.  et  des  mouvemenfs  de  la  mer  igne'e  sur  la  croute  exlerieure  du 
globe.  Etudes  sur  les  mouvements  diurnes  ou  raarees  du  sol  P.  1863.  Dr.  R.  P. 
Stevens,  Seculäre  Hebungen  u.  Senkungen  Nordamerika's.  Ausland  1864,  S.  239. 
Vi  riet  seculäre  Erdoscillationen.  Bull.  Soc.  ge'ol.  Fr.  1849.  N.  F.  B.  6,  S.  616  — 623 

Sitzb.  d.  raathem.-naturw.  Cl.  LVll.  Bd.  1.  Abth.  2 


18  B  o  n  e. 

diese  Erdbewegungen  im  geologischen  Sinne  besser  zergliedert  als 
Herr  A.  Vezian.  Er  unterscheidet  namentlich  sechs  Arten  von  dyna- 
mischen Bewegungen :  1.  die  vibratorischen  oder  seismischen,  2.  die- 
jenigen, welche  sehr  langsam  während  der  geologischen  Zeiten  das 
Niveau  im  kleineren  oder  größeren  Theile  der  Erde  veränderten 
und  mit  Verrückungen  der  inneren  feuerflüssigen  Masse  in  Correspon- 
denz  standen,  3.  die  undulatorischen  Bewegungen,  welche  nur  wäh- 
rend einer  bestimmten,  obwohl  langen  Zeit,  in  gewissen  Gegenden  zu 
einer  Abwechslung  von  See-  und  Süßwasserbildung  Anlaß  gaben  oder 
überhaupt  die  geologischen  Becken  geogenisch  änderten,  4,  die  oseil- 
latorischen  Bewegungen,  welche  auf  viel  weitere  Strecken  der  Erde 
ihre  Wirkungen  wie  die  aufgeregten  Wellen  der  Fluth  fühlen  ließen; 
5.  die  sehr  langsamen  und  lang  dauernden  Anschwellungsbewegun- 
gen,  wodurch  Plateaux,  Massives  im  Großen  und  Centralhebungen 
geschaffen  wurden.  Endlich  die  linearen  orogenischen  Bewegungen, 
welche  mit  mehr  Kraft  und  weniger  Zeit  die  Gebirgsketten  nach  und 
nach  hervorgebracht  haben.  (C.  B.  Acad.  Sc.  P.  1860.  B.  50,  S.  814.) 
Es  gibt  aber  noch  eine  Theorie,  welche  gänzlich  .im  Wider- 
spruch mit  allen  dem  eben  Erwähnten  steht  und  die  man  nur  als 
Phantasie  stempeln  kann,  wenn  man  Beihen  vonKüsten-Photographien 
für  Jahrhunderte  besitzen  wird.  Nach  dieser  würden  die  Merkmale 
eines  ehemaligen  höhern  Niveau  der  Oceane  nur  den  durch  die  Erde 
allmälig  erlittenen  Wasserverlust  andeuten.  Unsere  Erde  schreite 
langsam  aber  unwiderruflich  zu  jenem  wasserarmen  Stande  unseres 
Mondes  zu»)-  Die  Herren  C.  Saemann  und  B.  Brison  gehen  selbst 
weiter,  denn  alle  Wässer  und  selbst  die  Luft  der  Erde  sollen  nach 
und  nach  in  ihrem  Innern  verschwinden  2). 


1)  S.  J.  Browall,  Hist.  u.  phys.  Uiitersuchun|fen  d.  vorgegeb.  Veimindening  des 
Wassers  u.  d.  Vergrößerung  der  Erde.  Stockh.  ITSß.  8. :  auch  französ.  L.  L. 
Liiiussio  Gilberfs.  Ann.  1809.  B.  31,  S.  323.  A.  M.  D.  Tauscher,  Über  die 
Möglichkeit  e.  noch  allmälig  fortwährende  Vergrößer,  u.  Ausbild.  d.  Erdkörpers 
im  Verhältniß  d.  allmüligen  Verniind.  d.  Wassers  auf  der  Erde.  Dresden  1821.  8". 
Jobard  (durch  die  Polar-Eisbildung)  C.  H.  Acad.  d.  Sc.  P.  1838.  B.  7,  S.  973. 
Delesse,  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1861.  B.  19,  S.  87.  Nowak'sAbh.  über  unter- 
irdische Abflüsse  der  Meere  u.  Oceane  im  Lotos  1862 — 63.  Trautschold  (aus- 
führlich), Zeitschr.  deutsch,  geol.  Ges.  1863.  B.  13,  S.  411. 

-)  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1861.  N.  F.  B.  18,  S.  322.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1862.  S.  94, 
Edinb.  n.  phü.  J.  1861.  N.  F.  B.  14.  S.  144. 


über  die  Rolle  der  Veriinderiingon  des  unorganischen  Festen  etc.  t  9 

Auf  unsere  Küstenländer- Aufnahme  zurückkommend,  möchte 
ich  bemerken,  daß  die  Küsten  zu  jenen  von  uns  entfernten  Zeiten 
keineswegs  zu  denselben  Photographien  wie  jetzt  wahrscheinlich 
Anlaß  gegeben  hätten.  Ueberhaupt  werden  auf  dem  Erdballe  manche 
Veränderungen  durch  eine  unwahrnehmbare  Verwitterung  der  Felsen 
und  des  felsigen  Bodens,  durch  atmosphärische  Abwaschungen  der 
Erdoberfläche,  durch  Verwüstungen  mittelst  Winde  (siehe  W. 
Wh i taker.  Quart,  geol.  Soc.  L.  1867.  B.  23,  S.  263)  bewirkt, 
so  daß  nicht  nur  die  Felsenhöhe  und  Conturen  einst  andere  sein 
werden ,  sondern  es  werden  auch  Thäler  so  wie  Hügel  oder 
Buckeln  entstanden  sein.  Überhaupt  bemerkten  wir  schon,  daß 
manche  unserer  Thäler  keinen  andern  Ursprung  haben.  Wenn 
selbst  möglicherweise  sehr  enge  Spalten  in  gewissen  bestimmten 
Bichtungen  für  gewisse  Gegenden  das  Hauptskelett  der  großen 
Thäler  wohl  oft  gaben,  so  erreichten  letztere  nur  immer  ihre 
jetzige  Vollständigkeit  durch  die  Erosionskraft  der  Gewässer,  wie 
man  es  so  schön  in  den  Bildern  der  sogenannten  Caiionsgegend 
am  oberen  Colorado,  in  jenen  vielseitig  abgezweigten  steilen  canal- 
artigen  Thälern  Nordamerikas  wahrnimmt.  (S.  Dana's  Geologie 
oder  Ives  und  Humphreys  Americ.  J.  of  Sc.  1862.  B.  33, 
S.  395.) 

Die  jetzige  oft  gebrauchte,  wohl  bequeme,  aber  hie  und  da  auf 
unsichern  Beweisen  stehende  Theorie  der  Erderhebungen  und 
Niedersenkungen  wird  nur  dann  zur  definitiven  genetischen  Er- 
klärung werden,  wenn  wir  solche  Configurationsbilder  aus  durch  Jahr- 
hunderte getrennten  Zeiten  besitzen  werden.  Denn  zum  Beispiel  selbst 
in  den  Fällen,  wo  augenscheinlich  das  Meer  vor  dem  trockenen 
Boden  gewichen  ist,  oder  wenn  man  will  das  Wasser  durch  Alluvium 
verdrängt  wurde ,  fehlen  uns  nur  zu  oft  ebensowohl  die  genaue 
physikalische  Besehreibung  als  vorzüglich  gänzlich  die  plastischen 
Bilder   der   ganzen  Umgebung. 

Wir  möchten  selbst  glauben,  dass  nur  auf  diesem  langwierigen 
Wege  diejenigen  Probleme  ihre  Lösungen  bekommen  werden,  wenn 
es  sich  um  Veränderungen  im  Gesichtskreise  einer  Lo- 
calität  gegen  die  andere  handelt.  Solche  Beobachtungen  fanden 
oft  ihre  Zweifler  oder  ihre  witzigen  Erklärer  durch  Waldausrodung, 
Umbauung  von  Gebäuden ,  locale  Senkungen  u.  s,  w. ,  und  doch 
am  Ende  mag  etwas  wahres   an  Manchem  sein.    Das  Unorganische 

2* 


20  B  o  H  e. 

ist  voriiiuUMlicli  im  Grossen  wie  im  Kleinen  durch  vielseitige  mecha- 
nische Ursachen  '). 

Durch  die  Fortsehritte  der  Chemie,  der  Mineralogie,  der  Geo- 
gnosie,  der  genetischen  Geologie  und  synllietischen  Petrologie  ist 
das  Feld  der  cliemischen  Veränderungen  des  Unorgani- 
schen ein  viel  größeres  geworden  und  hesonders  wurden  diese 
letzteren  in  einem  größerem  Maßstahe  in  der  Natur  erkannt.  Wenn 
auf  diese  Weise  die  mineralogischen  Gattungen  an  Bestimmungs- 
schärfe ausserordenth'ch  gewonnen  hahen  und  jetzt  noch  immer 
gewinnen,  so  ofTenbarten  sich  uns  jetzt  viele  als  falsche  Gattungen, 
nicht  nur  als  Spielarten,  sondern  vorzüglich  als  Pseudomorphosen. 
(Siehe  Blum's  Kataloge  u.  s.  w.)  Wir  sehen  dadurch  wie  vielseitig 
die  möglichen  Veränderungen  im  Unorganischen  sind,  mögen  diese 
nun  unsern  treien  Augen  sell)st  theilweise  entrückt  sein  oder  im 
Gegentheil  auf  natürlichem  oder  künstlichem  Wege  sich  bilden. 

Durch  die  Kenntnisse  dieser  obgleich  nur  oft  mikroskopischen 
oder  unsichtbaren  Veränderungen  des  kleinen  Unorganischen  auf- 
gerüttelt, haben  Geologen  so  wie  Chemiker  sich  weiter  in  jenem 
starren  Reiche  umsehen  müssen,  um  zu  ergründen,  welche  von  diesen 
Veränderungen  im  Kleinen  sich  im  grossen  Masstabe  noch  bewähren 
konnten.  Ob  immer  in  dieser  Richtung  das  richtige  Mass  bis  jetzt 
gehalten  wurde,  bleibt  für  den  Augenblick  ein  unberücksichtigtes 
Thema  oder  selbst  Controverse.  Doch  um  tüchtig  in  dieser  Richtung 
mit  wissenschaftlicher  Sicherheit  weiter  zu  schreiten,  bleiben  unsere 


ij  Wendelstadf,  Dorf  Stein  von  Neukirch  im  Nassauischen  sichtbar  geworden,  vor 
20  Jahren  war  es  unsichtbar.  (Moll's  N.  Jahrb.  d.  Berg-  u.  Hütteuk.  1824.  Bd.  5, 
S.  461.)  Zenker,  Der  Jenaer  Thurm  im  Ort  Steiger  nicht  mehr  sichtbar.  (Sen- 
kung?) Hist.  topogr.  Taschenb.  v.  Jena  1836.  Vir!  et,  Änderungen  in  der  Nähe 
der  Wüsten  u.  s.  w.  Bull.  See.  geol.  Fr.  1844.  N.  F.  B.  1,  S.  630.  Clement- 
Mullet,  Allmälige  Senkuug  des  Berges  von  Montgueux  (Aube)  Mem.  Soc. 
d'Agric.  Sc.  de  TAube  1847.  N.  97,  S.  37.  L'Institut  1847,  S.  394.  Bibl.  univ. 
r.eneve  1848.  4.  F.  Bd.  7,  S.  237—238.  Hitchcock,  Größe  der  Erosionen  im 
Vermont  durch  die  höchsten  Feisenspitzen  bewiesen.  (Amer.  Assoc.  Springfield 
1S;>!>.)  W.  K.  Scott,  Aus  dem  fiesiclitskreise  ein  für  eine  gewisse  Localität  ver- 
schwundener Berg  der  Green  Mountains  in  V^ermont.  (Amer.  J.  of  Sc.  1864.  N.  F. 
B.  38,  S.  243  —  248).  J.  Bourlot,  Etüde  sur  les  Denivelhitions  seculaires  des  ter- 
rains  superficiels.  P.  186ö.  8.  I.  M.  Ziegler,  Wirkung  der  atmosphärischen 
Kräfte  auf  die  äußere  Form  der  Berge.  Zur  Hypsometrie  der  Schweiz.  1860.  Le 
Globe.  Geneve  1867.  B.  6,  S.  111  —  120. 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  uiiorjfanischen  Festen  etc.  2  1 

chemischen  Kenntnisse  aller  Felsartgattungen  und  besonders  die 
sogenannten  veränderten  und  verwitterten  noch  hinter  unseren 
Wünschen.  So  z.  B.  glauben  wir,  daß  zu  ihrer  Wahrheit  oder  Voll- 
ständigkeit die  Ausfüllungs-Theorie  der  Gänge  noch  manche  Aus- 
künfte aus  den  genauen  chemischen  Kenntnissen  nicht  nur  der 
Paragenesis  d«*r  zahlreichen  Mineralien  der  Gänge  und  ihrer  gegen- 
seitigen Lage,  sondern  ganz  besonders  aus  der  chemischen  Natur 
der  sogenannten  oft  buntfarbigen  Saalbänder  sciiöpfen  wird.  Dieses 
chemische  Territorium  längs  den  Gängen  erstreckt  sich  so  weit, 
als  die  gewöhnliche  Farbe  und  das  bekannte  Gefüge  der  die  Gänge 
umschließenden  Gesteine  nicht  zum  Vorschein  kommen. 

Wenn  man  in  diesem  besondern  Falle  die  Grenze  der  Ver- 
änderungen recht  genau  angeben  kann,  ist  das  keineswegs  der  Fall 
mit  der  ähnlichen  Umwandlung  ganzer  Felsenmassen.  Da  bleibt 
Einem  die  Natur  immer  die  Antwort  auf  die  neugierige  Frage  der 
Tiefe  jener  Metamorphosen  in  der  Erde  schuldig.  Doch  wo  besonders 
nur  der  Einfluß  der  Atmosphäre  und  der  Wässer  im  Spiele  ist, 
möchte  man  logisch  denken,  dass  die  Veränderung  oder  Metamorphose 
seine  Grenze  in  der  Tiefe  findet.  Wirklich  hat  man  auch  oft  Gelegen- 
heit in  den  Gängen  die  Grenzen  der  umgestalteten  verschiedensten 
Erze  zu  beobachten,  so  daß  die  obersten  Teufen,  wie  man  berg- 
männisch sicii  ausdrückt,  eine  ganz  andere  mineralogische  Zusam- 
mensetzung und  Natur  als  die  unteren  Teufen  haben.  Das  einfachste 
Beispiel  sind  die  Bleiglanzgänge  mit  obern  Ausfüllungs-Massen  von 
Kohlen,  Phosphor  und  arseniksaurem  Bleierz.  Nur  theilweise  gehören 
auch  hierher  die  sogenannten  Eisenhütten  ge^v^sser  anderer  Gänge, 
doch  ihre  Genesis  hat  manchmal  etwas  ganz  eigenthümliches. 

Die  ehemaligen  bekannten  Beispiele  der  Pseudomorphose  im 
grossen,  wohl  verstanden  geognostischem  Masstabe,  waren  beson- 
ders fast  nur  vier,  namentlich  die  Verwandlung  verschiedener  Schie- 
fer in  Thone,  diejenige  der  feldspathischen  Gesteine  wie  Granit 
und  Porphyr  in  Kaolin,  der  Uebergang  von  ganzen  Anhydritmassen 
im  Gyps  wie  bei  ßex  (Charpentier  1819),  die  Umwandlung  von 
Eisenoxyd  oder  Spatheisensteinlagern  oder  Gängen  in  Eisenoxydhydrat 
(z.  B.  bei  Vicdessos)  und  nebenbei  wurde  die  Bildung  des  Limonit 
oder  Rasensteins  im  kalten  Wasser ,  so  wie  diejenige  der  Eisen- 
undKalkpisolithen  inThermalwässern  erwähnt.  Die  neueren  Beobach- 
tungen   erlauben    uns    ähnliche    Metamorphosen    füi-   gewisse    tlion- 


22  BouJ. 

oder  feldspathreiche,  so  wie  für  magnesialialtige  Gebirgsarten 
anzunehmen,  indem  wenn  für  die  kalkigen  Felsarten  die  Pseudomor- 
pliosen  oft  in  kleinen  und  selbst  niitteJmässigen  Größen,  erkannt 
wurden,  über  die  ganz  Großen  noch  ein  gewißer  Nebel  der  Unsicher- 
heit sich  lagert.  Für  die  siliciumreichen  Felsgattungen,  die  Quarze, 
sind  unsere  jetzigen  Erfahrungen  leider  theilweise  noch  unzureichend, 
überhaupt  gibt  die  Geognosie  der  Silicate  die  schwersten  Räthsel 
zu  lösen. 

Da  die  Kaolin-Bildung  durch  ihr  erdiges  Aussehen  gegen 
die  festen  Nebengesteine  in  den  Augen  eines  Jeden  sich  als  sehr 
auffallend  gestaltet,  da  sie  noch  jetzt  deutlich  fortgeht  und  ein 
gemeinnütziges  Material  liefert,  so  erklärt  sich  das  alte  Wissen  über 
dieselbe.  Ihre  häufigste  Hervorbringung  geschieht  vermittelst  ge- 
wöhnlichen Granit,  Schriftgranit  oder  selbst  anderer  durch  besondere 
zur  Verwitterung  geneigte  Mineralien  (wie  Porzellanspatbe,  Labra- 
dor, Wernerite  u.  s.  w.),  ausgezeichnete  Abarten  dieser  krystallini- 
schen  Felsart  'j,  mögen  nun  diese  Gesteine  Stöcke  oder  Kuppen 
bilden  oder  nur  Gänge,  wie  es  oft  mit  den  Schriftgranit  der  Fall  ist, 
ausfüllen.  Die  Umwandlung  der  Porphyre  in  wahren  Kaolin  2)  ist 
aber  seltener,  obgleich  jene  Gesteine  ziemlich  oft  in  Thone,  beson- 
ders im  kleinen  Maßstabe  übergehen.  Diese  grossartige  Pseudomor- 
phose  scheint  auf  verschiedenen  Wegen  zu  Stande  zu  kommen.  So 
z.  B.  wäre  scheinbar  der  Fall  des  Trachyt-Kaolin  in  der  Toll'a  eine 
durch  warme  Wasserdämpfe  hervorgebrachte  Erscheinung  wie  es 
Forchhammer  selbst  vorschlug.  (Poggendorfs  Ann.  1535. 
B.  35,  S.  351.) 


1)  Siehe  Dolomieu  J.  de  Phys.  179ö  März.  ß.  42,  unfern  von  Passau.  Gehlen, 
Schweigg.  N.  J.  f.  Chem.  1811.  B.  !,  S.  443—437.  zu  Ohernzell.  Joh.  Nep.  Fuchs, 
Denkschriftend.k.MünchnerAkad.  f.  1818— 20.  ß.  7,  S.  63— 88.  Tasch.  f.  Min.  1823. 
B.  17,  S.  94 — 128.  Charpentier  Essai  sur  la  Constitut.  ge'ognost.  d.  Pyrenees  1823, 
S.  132.  Berzelius,  Jahresb.  1825.  B.  4,  S.  163,  in  Corn Wallis.  H.  S.  Boase, 
Phil.  mag-.  1837.  B.  10,  S.  348— 333.  Fouinet,  Ann.  d.  Cliim.  et  Phys.  1834.  ß.  55. 
S.  223—236.  N.  .lahih.  f.  Min.  1S36.  S.  83  —  88.  Alex.  B  r  o  n  g  n  i  a  r  t ,  Archiv. 
Mus.  d'hist.  nat.  1843.  B.  2,  S.  283—287.  Dauhree.  Bull.  Soc.  geol  Fr.  1848. 
N.  F.  B.  3,  S.  167—172. 

2)  Zu  Mörl  Dr.  G.  Karsten,  N.  Sohrilt.  Ges.  Nat.  Fr.  in  Berlin  1783.  B.  1.  S.  321 
—  337,  zu  Brachwiz  hei  Halle  (Saale).  Veitheim,  Tascheuli.  f.  Min.  1822.  B.  16 
S.  32,  zu  ToÜ'a,  Punzi,  SulT  origine  del  Aluminite  e  eaoliu  della  Tolfa  1858.  Att 
deir  Accad.  |;onlif.  de  nuov.  Lincei  1838. 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  etc.  23 

Für  andere  Kaolin-Lagerstätteo  paßt  besser  die  Theorie  Ram- 
me Isberg's,  welcher  darin  eine  Reaction  der  Kohlensäure  sehen 
will  (Handwörterb.  Th.  1,  S.  336);  Fuchs  nimmt  noch  dazu  das 
Wasser  in  Anspruch  und  Bischoff  Säuerlinge.  (Das  Gebirge  Rheinl. 
Westphal.  J826.  B.  4,  S.  250—263,  die  Vulcan.  Mineralquellen  1826. 
S.  298  u.  seine  ehem.  Geolog.  1847.  B.  1,  S.  816.)  Fournet  be- 
kennt sich  zu  derselben  Ansicht,  behauptet  aber,  daß  diese  Reaction 
nur  in  solchen  Graniten  stattfindet,  dessen  mineralogische  ßestand- 
theile  leicht  auseinanderfallen,  weil  diese  gewöhnlichen  Granite  oder 
ihre  Bestandtheile  seit  dem  Augenblicke  ihres  Erscheinens  an  der 
Erdoberfläche  in  einem  eigenthiimlichen,  nicht  zur  Beständigkeit  ge- 
neigtem Gleichgewichte  sich  immer  befanden,  ßerthier,  Ebelmen, 
Forchhammer,  Malaguti  u.  s.  w.  scheinen  diese  Ansicht  zu 
bestätigen.  D'Omalius  d'Halloy  ohne  Specificirung  der  Gasart, 
nimmt  auch  seine  Zufluclit  zu  letzteren,  um  sich  die  Kaolinbildung 
längs  gewissen  plutonischen  Gängen  wie  die  der  Minette  zu  erklä- 
ren. (Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1853  N.  F.  B.  10,  S.  265.)  In  allen  Fällen 
hat  die  Theorie  der  Säuerlinge  viel  für  sich,  wenn  man  besonders 
erwägt,  daß  manchmal  nicht  allein  der  Granit  Kaolin  geworden  ist, 
sondern  daß  noch  dazu  der  Feldspath  des  umgebenden  Gneiß  auch 
eine  ähnliche  Umwandlung  auf  einer  gewissen  Breite  längs  den 
Granitgängen  erlitten  hat,  wie  man  es  z.  B.  unfern  Bareges  in  den 
Pyreneen,  bei  Ober-Hafnerzell  u.  s.  w.  beobachten  kann.  Doch  muß 
man  Malaguti's  Versuch  nicht  übersehen,  in  welchem  er  vermittelst 
eines  elektrischen  Stromes  Feldspath  in  Kaolin  verwandelte.  (Alex. 
Brongniart  in  Malaguti's  Abb.  über  KaoHne  1841,  Pogg.  Ann. 
1843.  B.  60,  S.  89.) 

In  der  Reihe  der  feldspathischen  Gebirgsarten  kennt  man  schon 
lange  in  großem  Maßstabe  den  Übergang  des  Trachyt-  in  Alun- 
stein  oder  Alunit,  denjenigen  des  Phonolit  in  eine  viel  weichere 
thonartige  Felsart,  wovon  der  gefleckte  Honestone  zu  Stair  im 
Steinkohlengebirge  Schottlands  (Essai  sur  TEcose,  S.  171)  eine 
interessante  Abart  ist  i)-  Da""  auch  besonders  der  Übergang  und 
die  förmliche  Umwandlung  des  dichten  und  porphyrartigen  Felsspath- 
felses  in  sog.  Thonstein.  Doch  da  stellt  sich  die  Schwierigkeit 
heraus  letztere  Gebirgsart  von  den  sehr  ähnlichen,  iür  das  Auge  als 


'J   Gulherlet  im  Rliön.  N.  Jaliil».  f.  Min.  1843.  S.  129. 


24  B  o  11  e. 

diclit  geltenden  zu  trennen,  da  muß  man  sich  mit  dem  Mikroskope 
helfen  und  sehen,  ob  diese  falschen  Thonsteine  nicht  in  brekzien- 
artige  übergehen,  oder  ob  Ähnliches  wenigstens  nicht  in  der  Nähe 
ansteht.  Allen  mineralogischen  Kennzeichen  und  aller  Analogie  nach 
sind  letztere  wahrscheinlich  nichts  anderes  als  zusammengebackene 
plu tonische  Materien,  wie  man  sie  im  trachy tischen  Gebiete  gründlich 
jetzt  kennt.  Indessen  diese  sogenannten  Thonsteine  können  noch 
chemisch  verändert  oder  unverändert  sein.  Sie  reihen  sich  an  den 
Bole  und  selbst  steinmarkigen  Tuff  an.  Sie  bestehen  wohl  manchmal 
selbst  nur  aus  feinen  feldspathischen  Theilen,  welche  unter  der 
Form  von  Asche  oder  Schlamm  aus  jenen  ältesten  vulcanischen 
Schlünden  herausgetrieben  wurden. 

Ähnliche  Bestimmungs- Schwierigkeiten  begegnen  wir  in  den 
sogenannten  grünlichen  oder  röthlichen  Wacken,  welche  auch  in 
groben  Bolen  übergehen.  Gewiße  augitreiche  Feisite  oder  schlecht- 
hin titulirte  Grünsteine  und  selbst  Basalte  (Puy  Crouelle  bei  Cler- 
mont)  verwandeln  sich  in  solchen  Wacken.  In  einigen  Fällen  ist  der 
Übergang  vollständig,  oder  die  untersten  oder  obersten  schlackigen 
Theile  von  Grünstein-  oder  Basaltströme  sind  in  Wackenmassen  durch 
die  Zeit,  das  Wasser  und  den  Druck  ummodelt.  In  andern  Lagerstätten 
scheinen  aber  diese  auch  nur  Aschen-Ausbrüchen  ehemaliger  Vulkane 
ihre  Entstehung  zu  verdanken.  Herr  Sartorius  v.  Waltershausen 
hat  diese  Thatsache  in  seinem  Palagoiiit  Islands  schön  illustrirt 
(Phys.  geognost.  Skizze  von  Island  1847)  und  Dr.  Carl  Hoffmann 
hat  es  bestätigt  (Verh.  k.  gcol.  Beichsanst.  1867.  S.  210).  Geikie 
und  Binney  haben  auch  unsere  Beobachtungen  darüber  in  dem 
untersten  Theile  der  altern  Steinkohle  Schottland's  ganz  richtig 
gefunden  (Geol.  Mag.  1864.  B.  1,  S.22— 26  und  Trans.  Manchester 
geol.  Soc.  1866.  B.  4,  N.  14).  Die  Neptunisten,  welche  solche 
Erklärungen  leugnen  oder  gerade  eben  so  lächerlich  als  unter  den 
alten  Desmarets  und  Faujas  finden,  kann  man  nur  zu  fleißigen  Beisen 
nach  brennenden  und  ausgelöschten  Vulcanen  aneifern.  Da  werden 
sie  genügende  Gelegenheiten  flnden  mit  der  multiformen  Hervor- 
bringung der  vulcanisch  -  plutonischen  Gesteine  sich  bekannt  zu 
machen.  Das  heißt,  wenn  man  nur  die  Wahrheit  und  nicht  die 
Befriedigung  eines  eiteln  Traumes  oder  einer  Katheder-Theorie  suchen 
gellt. 


über  die  Rolle  der  Veränderung'en  des  unorganischen  Festen  etc.  2») 

Die  Dolerite  und  Basfilte  sind  oft  sehr  großen  Verän- 
derungen unterworfen,  so  daß  selbst  die  Augiti^rystalle  fast  gänzlich 
verschwinden  oder  nur  künstlich  darin  durch  den  Mikroskop  wieder 
erkannt  werden.  Diese  augenscheinlich  durch  Wasser -Infdtration 
und  die  Kohlensäure  der  Luft  von  oben  nach  unten  hervorgebrachte 
Metamorphose  zeigt  sich  besonders  in  jenen  lavaartigen  Gesteinen, 
welche  unter  Meer  oder  selbst  Flußwasser  gefloßen  sind.  Doch 
wiederholen  wir  hier,  daß  wir  im  Puy  de  Dome  Gelegenheit  hatten, 
solches  (doch  nur  im  kleinem  Maßstabe)  im  Basalt  zu  beobachten, 
welches  an  der  Luft  nur  hat  fließen  können.  Im  letzteren  Falle  war 
diese  innere  Zersetzung  nur  ein  Werk  der  Tagewässer,  des  Regens. 

Im  Meere  mögen  die  Salztheile  des  Wassers  auch  ihren  Antheil 
an  der  gänzlichen  Umwandlung  der  einst  feuerflüssigen  Masse  so  wie 
an  der  Ausfüllung  ihrer  Gluth-  oder  Gasblasen  gehabt  haben.  Dazu 
gehörte  eine  langwierige  Infiltration,  Fortführung  der  elementar 
mineralogischen  eben  so  wohl  als  chemischen  Bestandtheilen,  deren 
Reactions-Resultate  wir  vorzüglich  in  den  mit  kieseligen  Mineralien, 
Zeoliten  und  grüne  Erde  gefüllten  Räumen  deutlich  ersehen.  Dieser 
lange,  zugleich  mechanische  und  chemische  Proceß,  fand  immer  von 
oben  nach  unten  Statt,  wie  es  die  allgemeine  Lage  der  Blasen 
beweiset,  da  sie  meistens  parallel  dem  Laufe  des  Lavastromes  und 
nie  auf  rechtwinkeligen  Linien  mit  der  Richtung  des  letztern  ,  zer- 
streut liegen.  Wenn  man  diese  Thatsachen  sich  vergewissert  hat,  so 
kömmt  Einem  die  sogenannte  Erklärung  eines  unberufenen  Dresdner 
Theoretikers  wirklich  possirlich  vor.  Er  stellt  sich  namentlich  den 
Basalt  als  einen  Teig  vor,  in  welchen  von  unten  Gasarten  gedrungen 
sind.  Natürlich  müßten  dann  die  Blaseräume  eine  ganz  andere  Form 
und  Richtung  nändich  die  der  Travertinräume  haben,  und  diese 
Gaswirkung  müßte  doch  auch  unter  den  Basalten  gefunden  werden, 
was  keinesfalls  der  Wahrheit  entspricht.  (Siehe  Aug.  Moriz  Franke 
Neue  Theorie  üb.  d.  Entstehung  d.  krystallinisch.  Erdrindeschichten. 
1867.) 

Überhaupt  scheint  die  theorische  Geologie  in  vulkanisch-pluto- 
iiischer  Ri(flitung  zur  Zeit  des  neunten  Decennium  des  vorigen  Jahr- 
hunderts für  eine  gewisse  Classe  der  jüngeren  Geognosten  systema- 
tisch zurückgeführt  worden  zu  sein.  Neben  positiven  chemischen 
Thatsachen,  besonders  solche  des  Laboratoriums  und  mit  fast  gänz- 
licher Vernachlässigung  oder  mit  unrechter  Erfassung  der  geognosti- 


26  ßoue. 

sehen  Lagerungen  tischt  uns  diese  Schule  die  sonderbarsten  Beweise 
ihrer  Weisheit  auf.  So  z.  JJ.  sollen  Ehrenberg's  Diatomen  auf 
vesuvianischen  kalt  gewordenen  Eruptionsproducten,  dem  Neptunis- 
mus dieses  Lava-Laboratoriums  beweisen.  (V  olger 's  Lotos  1863. 
B.  13.  S.  191.)  Wenn  man  auf  solche  Weise  Folgerungen  zieht,  so 
stünden  noch  besser  zu  Dienste  namentlicji  die  wohlbewährten 
^^ässerigen  Auswürfe  so  wie  die  tertiären  Schnecken  des  Vesuv,  die 
Fische  des  Moja  Amerika's  u.  s.  w.  Volger  leugnet  kurzweg  alle 
Verbindung  der  Erdbeben  mit  vulkanischen  Eruptionen.  Ein  anderer 
Rheinländer  beruft  sich  ganz  ernstlich  auf  den  Wassergehalt  der 
Grünsteine  und  Basalte,  welches  er  selbst  in  den  Blasenräumen 
fand.  (Fred.  Mohr.  Deutsche  Virteljahrschrift  und  Ausland  1863. 
S.  1073,  u.  s.  w.  1). 

Die  Diorite  oder  Ophite  in  den  Pyreneen  seit  Palassou  so 
genannt,  sind  in  gewissen  Gegenden  einer  sehr  bedeutenden  Meta- 
morphose unterworfen,  welche  so  mehr  autfällt,  weil  die  Hornblende- 
Gesteine  und  Schiefer  selbe  keineswegens  zeigen.  Dieses  gibt  einen 
Fingerzeig,  daß  der  größte  Bestandtheil  der  Ophite,  der  Feldspath, 
die  erste  Ursache  der  Umwandlung  sei.  Die  Gebirgsart  wird  weich 
und  erdig,  und  wechselt  seine  dunkle  schwärzliche  Farbe  für  eine 
lichte  gräuliche  oder  blauliche  um.  Die  Hornblende  und  die  zufälligen 
Glimmerkrystalle  verlieren  gänzlich  ihren  Glanz,  um  endlich  wenig- 
stens vor  dem  unbewaffneten  Auge  zu  verschwinden.  Gibt  es  etwas 
Epidot,  so  fällt  es  heraus  oder  verwittert  auch.  Auf  diese  Weise 
umformt,  kann  man  nicht  nur  gangförmige  Lager,  sondern  vorzüglich 
ganze  Kuppen  in  den  Pyreneen  so  wie  an  ihrem  nordwestlichen  aus 
Kreide  und  Eocen  bestehenden  Fuße  in  dem  Departement  des 
Adour  und  des  Landes  sehen.  Um  diesen  rundlichen  Kuppeln 
bemerkt  man  dann  ziemlich  oft  röthliche  und  grünliche  Mergel  mit 
etwas  Gyps,  eine  Masse,  welche  gewissen  Keupertheilen  ähneln.  Ob 
nun  das  Mineralogische  diese  eigenthümlichen  Lager  mit  der  Um- 
wandlung des  Diorit  in  einiger  Causal-\'('rbindung  steht  oder  nicht. 


Ij  Siehe  auch  Mohr,  Urspnin<j  deiTnicli) t-lilasenriiiime  (Verh.  naturhiJt.  Ver.  i'reuss. 
Rheinl.  1863.  FJ.  22.  l\.  2.  Sit/.b.  S.  ll'J),  seine  sowie  Pai  rots  Theorie  der  Steiii- 
kohleiihildiinj  durch  Meerpflanzen,  welche  Herrn  Adolph  Lasard  doch  zu  sonderbar 
fand  (dito  S.  68  u.  101  od.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1866,  S.747.  G.  G.  W  i  n  kl  er's  Island. 
l.'-GS  u.  s.  w.)  Kritik  der  Kifel  Beschreib,  von  Mitscherlioh.  (N.  Jahrb.  f.  Min. 
1860.  S.  423.) 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  etc.  ^7 

lasse  ich  für  den  Aiii5eiil)liek  iineiitschiedeii.  (Siehe  Ann.  des  Sc.  nat. 
1824.  B.  3.) 

In  Ungarn  so  wie  in  Macedonien  erinnerten  uns  die  sogenannten 
älteren  erzführenden  Trachyte,  ehemalige  Grünsteine  oder  Saxiim 
metalUfcrum,  von  Schemnitz,  Nagyhänya  u.s.  av.  und  vonKarotova  an 
jene  französischen  umwandelten  Diorite.  Wir  fanden  da  dieselhen 
weichen  metamorphosirten  Gesteine  mit  denselhen  Farhen,  indem 
andere  Massen  ganz  unversehrt  danehen  stehen.  Da  diese  Umwand- 
lung noch  fortgeht,  kann  man  die  Wirkung  von  eliemaligen  Mineral- 
wässer oder  saure  Gasentwicklungen  kaum  in  Bereich  der  Bildun^s- 
theorie  ziehen.  Die  Kohlensäure  der  atmosphärischen  Luft  mit  dem 
RegenAvasser  waren  wenigstens  die  Hauptursachen. 

In  der  Reihe  der  magnesiahaltigen  Gebirgsarten  gibt 
es  keine,  welche  so  auffallende  Merkmale  der  Umwandlung  als  die 
verschiedenen  Serpentingattungen  besitzen.  Letztere 
wurden   nicht  nur  als  zahlreiche  Pseudomorphosen  in  kleinen  »)  ge- 


1)  Haidinger's  Ps.  nach  Olivin,  Fassa  (Gilbert's  Ann.  1823.  ß.  7ö,  S.  383). 
Vanuxem  (J.  Ac.  nat.  Sc.  Philadelph.  1823.  B.  8,  Th.  1,  S.  319);  Lychneil 
nach  Augit,  Tremolit  u.  schw.irzem  Granat.  (K.  Vetensch.  Acad.  Handling  f.  1826.) 
Breithaupt,  nach  Chrysolith,  Aug^it  u.  Hornblende  (Schweigg.  Jahrb.  f.  Chein. 
u.  Phys.  1831.  B.  63,  S.  281),  nach  Augit  (Berg-  u.  Hüttenin.  Zeit.  18Ö3,  S.  404). 
nach  Chrysolith  (dito  1866,  S.  53).  A.  Quenstedt  nach  Chrysolith  zu  Snarum 
(Norweg.)  (Pogg.  Ann.  183.3.  B.  36,  S.  370—379.  Bull.  univ.  Geneve  1836.  B.  3, 
S.  186;  Edinb.  n.  phil.  J.  1840.  B.  28,  S.  418).  Dasselbe  zu  Modum  (N.  Jahrb.  f. 
Min.  1841.  S.  671);  C.  K  ersten.  Nach  Granat  u.  Magneteisenstein.  (Erdm.  J.  f. 
prakt.  Chem.  1840.  B.  37,  S.  167.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1847,  S.  344.)  Blu  in  ,  nach  Glim- 
mer (erster  Nachtrag  zu  den  Pseudomorph.  1847;  nach  Spinell  (N.  Y.  St.).  Zweiter 
Nachtrag  18ö2).  R.  Hermann,  nach  Olivin  zu  Barsovka,  Ural  (J.  f.  prakt.  Chem. 
1849.  B.  46,  S.  223.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1830.  S.  460).  Gast.  Rose,  nach  Chry- 
solith zu  Snarum,  Hornblende  und  Augit  u.  über  die  Serpentinbildung.  (Monatsber. 
k.  preuß.  Ak.  d.  Wiss.  18Ö1,  S.  33—37.  Pogg.  Ann.  1831.  B.  82,  S.  511  —  330. 
Journ.  f.  prakt.  Chem.  18S1.  B.  32,  S.  409.  Berg-  u.  Hüttenm.  Zeit.  1831,  S.  316. 
N.  Jahrb.  f.  Min.  1832,  S.  839.  Edinb.  n.  phil.  J.  18S2.  B.  32,  360.  Bull.  univ. 
Geneve  1831.  N.  F.  B.  17.  S.  331),  nach  Hornblende,  Augit,  Diallagon,  Schiller- 
spath,  Granat,  Chondrodit,  Zeilanit  u.  Glimmer.  (Pogg.  Ann.  1833.  B.  82,  S.  311. 
Americ.  J.  of  Sc.  1834.  B.  17,  S.  129),  nach  Olivin  im  Snarum-Gneiss  (Zeitschr. 
deutsch,  geol.  Ges.  1839.  B.  11,  S.  147.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1860,  S.  230).  Th 
Scheerer,  nach  Hornblende,  Augit  u.  Olivin.  (Nachr.  v  d.  Göttiug.  Univ.  1834 
Nr.  4  u.  7,  S.  103.  Pogg.  Ann.  1834,  B.  91  (A.  F.  B.  1),  S.  378—400,  B.  92. 
S.  287—299.  fig.  1,  B.  93,  S.  93—113.  fig.  1  —  4.  Olivin  mit  e.  Bemerk,  über  die 
Bildung  des  Serpentins.  iJraunschw.  1633.    8.    L'lnstitut   1834,  S.  308.   (N.  Jahrb. 


28  Boue. 

fluiden,  sondern  Ficinus  hesclirieb  selbst  den  Dermatin  ßreit- 
haupt  als  eine  Stalactitentbrm  des  Serpentins  (Schrift,  d.  Drestln. 
Mineralüg.  Soc.  J819.  B.  1,  S.  215  —  229).  Da  man  Zweifel  erhob 
über  die  Wahrheit  unserer  geognostisch-geblogisehen  Darstellungs- 
weise des  Serpentins,  sowohl  im  Jahre  1824  (Ann.  Sc.  nat.  1824. 
B.  3,  S.  66  —  69)  als  im  Jahre  1864  (Akad.  Sitzber.  B.  49),  so  muß 
uns  die  hohe  Akademie  einige  Wiederholungen  nachsehen,  indem 
wir  diesen  interessanten  Theil  der  Lagerstätten  noch  ausl'ührlicher 
als  früher  besprechen  wollen. 

Die  Serpentin-Pseudomorphosen  wurden  ganz  besonders  durch 
Haidinger,  Breithaupt,  Quenstedt,  Kersten,  Gust.  Rose, 
Scheerer,  Blum  und  Bischoff  beschrieben  und  erläutert.  Sie 
erkannten  darin  die  chemischen  Umwandlungen  nicht  nur  des  Chry- 
solith oder  Olivin,  sondern  auch  die  der  Hornblende,  des  Augit,  des 
Diallagon  oder  Schillerspath,  Bronzit,  des  Granat,  Chondrodit, 
Spinell,  Zeilanit,  Glimmer,  Labrador,  Magneteisenstein,  Chromeisen 
und  Phlogopit.  Thatsache  ist  es,  daß  man  die  Ausbreitung  des  Chry- 
solithes, so  wie  selbst  die  des  Lherzolith  bis  in  letztere  Zeiten  nicht 
gehörig  kannte.  Doch  als  Gemengtheil  der  Gebirgsarten  ist  der 
Olivin  schon  sehr  lange  im  Basalt,  im  Dolerit,  im  Melaphyr,  in  Augit- 
porphyren,  trachytischen  Gesteinen  und  überhaupt  in  den  Trapparten 
der  Jüngern  Zeit,  so  wie  der  älteren  Steinkohlenbildung  bekannt 
(Essai  sur  l'Ecosse  1820.  s.  126  u.  237).  Als  Limhilith  verwittert, 
ist  dieses  Mineral  selbst  sehr  häufig  in  gewissen  Brekzien  oder  Trapp- 
Tuffen,  wo  es  dann  porphyrartig  auftritt  (dito  S.  267).  Gust.  Rose 
bemerkte  Olivin  selbst  im  mexikanischen  Obsidian  (Pogg.  Ann.  1827, 
B.  10,  S.  323)  und  Chrysolith-Krystalle  sind  im  Basalt  und  ähnlichen 


f.  Min.  1803,  S.  S65.J  G.  v.  Ratli,  nach  Labrador  Neurode,  Schlesien.  (Pog-g'. 
Ann.  185Ö.  B.  9ö ,  S.  liSl.)  Wehsky  (Zeilschr.  deutsch,  geol.  Ges  1838.  B.  10, 
S.  277.)  G.  Servin  stein,  nach  Phlogopit.  N.  Y.  (Zeitschr.  f.  Chem.  u. 
Pharm.  1860.  B.  3,  S.  13J ;  Sam.  Haughton  on  Serpentines  a.  Soapstones  1839. 
Haddle,  nach  Chromeisen.  Unst.  Shethuid.  (Phil.  Mag.  1839,  4.  F.  ß.  17,  S.U.) 
Gust.  Bise  ho  ff,  nach  Olivin  (Chem.  Physika!  Geologie.  1847,  ß.  2,  S.  236). 
R.  Blum.  Die  Pseudomorphosen  des  Mineralreiches  1843.  Nachträge  1847,  1852 
u.  1803,  S.  281.  N.  Jahrb,  f.  Min.  18G3.  S.  382,  Tschermak,  nach  Chloropheit 
u.  Kulheisenerze.  (Ak.  Sitzb.  18G7.  B.  36,  S.  280.)  Tamnau  u.  R.  Hermann 
liatten  einst  diese  auch  im  Ural  gefundenen  Pseudomorphosen  als  wahre  Krystalle 
ansehen  wollen.  (Pogg.  Ann.  1837.  B.  42,  S.  4C2.  J.  f.  prakt.  Chem.  1849.  B.  46, 
S.  2':2.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1830,  8.  43».) 


über  die  Rolle  <\er  Veriinderung'en  des  nnorn^aiiisclioii  Festen  etc.  20 

Gesteinen  Nichts  sehr  seltenes.  In  neuerer  Zeit  fand  mnn  dieses 
Mineral  auch  nicht  nur  im  Euphotid  (nach  G.  Rose  Zcitschr.  deutsch, 
geol.  Ges.  1867.  B.  19,  S.  270),  sondern  auch  im  körnigen  Kalk 
(nach  Tschermak  in  Stuhachthal),  im  Talkschiefer  (nach  Gust. 
Rose  und  Hermann  im  Ural,  Nord-Amerika  u.  s.  w.),  im  Schrift- 
Granit,  nach  Delesse  als  Fayalit  (Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1857.  B.  10, 
S.  571)  und  im  Eclogit  nach  Tschermak.  Der  Olivinfels  oder 
Lherzolit  fand  sich  bis  jetzt  zu  Lherz  oberhalb  Vicdessos  und  am 
Pass  Portet  in  denPyreneen,  bei  Ölten  in  Tirol,  in  Nassauischen 
(nach  San db erger  bei  Schwarzenstein)  in  baierischen  Wald- 
gebirge (nach  Tschermak),  in  Norwegen  (nach  Kjerulf)  am 
Ural  1)  und  in  Neu-Zeland  (Dunit  Ho  chst  etter's).  Da  nach 
Damour  (Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1862.  B.  19,  S.  413)  der  Lherzolit 
Enstatit  enthält,  so  bietet  sich  eine  noch  weitere  Ähnlichkeit  mit 
den  Olivin  des  Meteoreisen  dar,  welches  auch  mit  Enstatit  manchmal 
gemengt  ist  (Dr.  Kenngott  und  Haidinger  Akad.  Sitzber. 
1864.  2.  Abth.,  B.  49,  S.  467). 

Ohne  auf  die  26  Arten  von  Serpentin-Steatit-Pseudomorphosen 
des  Herrn  Hofrath  Haidinger  zu  weisen,  unter  denen  doch  nur 
20  eigentlich  hieher  gehören  (Handb.  d.  Minerj)lng.  1865.  S.  515), 
scheint  es  uns  etwas  voreilig  den  Olivinfels  allein  zum  Urgroßvater 
der  Serpentine  zu  erheben.  Obgleich  man  Chrysolithkrystalle  in  den 
Serpentinen  gewisser Localitäten  noch  nachweisen  kann,  so  folgt  nicbt 
daraus  die  Versicherung,  daß  dieser  Fall  für  alle  bekannten  Serpen- 
tinlager sich  bewähren  wird.  Außerdem,  wenn  die  Serpentintheile, 
ohne  alle  Merkmale  von  Krystallen,  möglichst  ungefähr  die  chemische 
Zusammensetzung  des  Olivin  geben,  so  ist  dieses  noch  kein  genü- 
gender Beweis,  daß  die  Zersetzung  des  Olivinfels  allein  Serpentin 
erzeugte;  denn  die  Möglichkeit  ist  ganz  und  gar  nicht  ausgeschlossen, 
daß  eine  andere  ziemlich  nahestehende  Felsart  durch  einfache  che- 
mische Umänderung  oder  selbst  durch  eine  solche  mit  gänzlicher 
Entfernung  gewisser  Bestandtheile  verbundene  ein  ziemlich  ähnliches 


*J  Herr  Ze  IT  en  II  er  spricht  von  einem  Augitfels  im  Berge  Kafschkanar  im  Ural. 
(Zeitsehr.  deutsch,  geol.  Ges.  1849.  ß.  1,  S.  478.)  Merkwürdigerweise  halten  die 
französisclieii  Mineralogen,  wie  Charpentier,  Brochant  u.  Cordier  anstatt 
den  Lherzolit  mit  Lei  ie  vre  als  Olivinfels  anzuerkennen,  ihn  ein  Augitfels  genannt. 
Dieser  Irrthum  des  Jahres  1810  dauerte  bis  in  den  vierziger  Jahren.  Darum  möch- 
ten wir  fragen,  ob  Herr  Zerrenner  auch  diesen  Irrthum  vielleicht  begangen  hat. 


30 


ß  o  u  e. 


chemisches  Product  als  das  Lherzolith  liefern  kann.  Ol»  in  jenem 
vorgesehenen  Falle  seihst  Olivinkrystalle  darin  eingesprengt  oder 
nicht  wären,  würde  Nichts  an  der  Wahrscheinlichkeit  meiner  Ein- 
wendung ändern. 

Die  Serpentine  im  Grossen  hahen  ganz  das  Ansehen  eines  ver- 
witterten und  chemisch  veränderten  Gesteines.  Zu  einer  hrekzien- 
artigen  Structur  gesellen  sich  aulTallende  Ritze,  Spalten  und  Ab- 
lösungstlächen,  welche  oft  gewölht  oder  schalig  erscheinen.  Sind 
Spuren  von  sogenannter  Schichtung  vorhanden,  so  gestaltet  sich  die 
Felsart  manchmal  plattenföimig,  wie  gewisse  Granite,  Sienite, 
Basalte  und  Phonolite.  (Siehe  Beck  zu  Westchester  in  Newyork 
u.  s.  w.)  Zur  Erklärung  der  massiven  oder  unregelmäßig  platten- 
förmigen  Structur  der  Serpeniine  muthmalU  Fournet,  dass  die  zu 
teigartige  Masse  ihre  wahrnehmbare  Bewegung  zu  sehr  erschwert. 
(Ann.  Sc.  phys.  et  nat.  Soc.  d' agric  de  Lyon  1841.  B.  4,  S.  149.) 
Gustav  Rose  aber  möchte  für  einen  zwischen  Serpentin  und  Granit 
in  Sejilesien  eingeschlossenen  geschichteten  Euphotid  eine  magnesia- 
artige Wirkung  der  Eruption  annehmen. 

Die  zersetzte  Natur  der  Serpentine  wird  auch  durch  seine  bunt- 
scheckigen Farben  gekennzeichnet,  denn  vom  dunklen  Schwarzen 
geht  es  daselbst  in's  dunkelgrüne,  grasgrüne,  rothgelbliche  und  selbst 
ins  weißliche  über,  so  daß  das  Gestein  unwillkürlich  an  den  äußern 
Eigenheiten  der  Gang  Saalbänder  erinnert.  Die  röthliche  Farbe 
wäre  nach  Fournet  ein  vorgerückter  Stand  derOxidation  wegen  der 
leichten  Durchdringlichkeit  der  Gesteine  für  Wasser  und  atmos- 
phärischen SauerstolT. 

Der  umgewandelte  Serpentin  ist  aber  eine  unstreitbare  alte 
bekannte  Thalsaehe  '),  doch  seine  Abstammung  richtig  zu  stellen, 
ist  eben  sowohl  eine  geognostische  Aufgabe  als  eine  der  mikro- 
skopischen Mineralogie  und  Chemie.  Doch  letztere  gewonnene 
Resultate  können  aber  nicht  mit  den  geognostisch  richtig  gestellten 
in  Widerspruch  kommen  ,  das  ist  der  Prüfstein  der  Untersuchung. 
Die  Hauptaufgabe  des  Geognosten  liegt  aber  in  Größen  als  der 
Mineralog  und    Chemiker,    weil    er  die  richtige  Lagerung  der  Fels- 


')  Fried.  Naumann,  Giist.  Rose,  Fournet  (Uull.  Sop.  geol.  F.  1846.  B.  4, 
S.  227).  Scheerer,  N.  Jaliih.  f.  Min.  18ö4,  S.  4;;i.  (Pogg.  Ann.  1854  B.  92, 
S.  612).    Ratli  (dito  18.1Ö    B.  9ö,  S.  3S1)  u.  s.  w. 


über  die  Rolle  der  Voriindoriingon  des  iinorg-iinischen  Festen  etc.  3  1 

arten  ausmitteln  muß.  Ist  dieses  einmal  hinlänglich  durch  competente 
Zeugen  festgestellt,  dann  kann  der  Geologe  dieses  mit  den 
mineralogisch-chemischen  Merkmalen  der  Gehirgsarten  in  rationelle 
Verhindnng  zu  bringen  trachten.  Dieser  Gang  der  Untersuchung 
scheint  uns  viel  logischer  als  derjenige  des  chemischen  IMineralog, 
welcher  wie  Bischof,  Gehirgsarten  im  Kleinen  und  seihst  Kleinsten 
gründlich  studirt,  vielleicht  selbst  synthetisch  darstellt  um  daraus 
seine  genetischen  Ansichten  zu  folgern.  Die  Lagerung  ist  für  diese 
Schule  eine  Nebensache  und  wenn  solche  für  ihre  Laboratorium- 
Hypothese  nicht  passt,  so  bleibt  sie  ganz  unberücksichtiget  oder  es 
werden  selbst  die  geognostischen  Thatsachen  aus  chemischer  Kigen- 
liebe  verfälscht  oder  ganz  widersinnig  verstanden.  Nun  solcher  Weise 
vorgeschlagene  Theorien  können  wirklich  in  einzelnen  Fällen  doch  in 
der  Natur  vorkommen ,  so  wie  ihre  Begründung  im  Laboratorium 
höchst  wissenschaftlich  sein  kann,  aber  gleiche  Producte  lassen  sich 
oft  auf  sehr  verschiedene  Wege  erreichen. 

Wenn  wir  für  jetzt  die  großen  Serpentinmassen  in  Augenschein 
nehmen,  so  kann  nur  ein  in  Lagerungs-Geognosie  Ungeübter  oder 
ein  chemischer  Liebhaber  des  Nassen  uns  leugnen,  dass  die  meisten 
Serpentine  die  verschiedenen  Lagerungsarten  der  Basalte,  der 
Porphyre  und  der  Trachyte  besitzen.  Zu  der  entschiedensten  und  von 
Bischoff  unerwähnten  plutonischen  Lagerung  kann  man  erstens  die 
Gangform  rechnen  und  besonders  jene,  in  welcher  die  Serpentine 
auch  mehrere  Gebilde  durchschneiden.  Sehr  oft  bilden  sie  kleinere 
oder  größere  stehende  Stöcke,  welche  dann  oft  wie  die 
Basaltischen  auf  gewissen  Linien,  wahrscheinlich  Spalten, 
an  einander  gereiht  sind  i).  Seltener  hat  man  die  Gelegenheit  wie 
in  Trapparten,  Basalten  und  Porphyren,  wahre  pilzförmige  Kup- 
pen Serpentins  zu  beobachten.    Der  Mineralstoff  hat  nicht  nur  eine 


1)  Hier  einige  der  aufTallendsten  und  großartigsten  Beispiele.  Von  beiden  Seiten  des 
Aosta  Thaies,  erstens  von  Livrogne  über  Aosta  zum  Val  Tourmanohe,  Zermatt  und 
Berg  Rosa,  dann  von  Gressaii  bis  Chatillon,  nach  den  Thälern  von  Chalant,  Gresoney 
und  Grande;  zweitens,  südlicher  von  Pondel  nach  Mont  Jovet  bis  Riva  und  im 
Seremenza-Tlial;  von  Cogne  bis  im  Val  di  Campo-reciero.  —  In  Graubiindten  von 
Ebosa  durcl)  den  obern  Theil  des  Plessur-Thales,  durch  Larel  bis  zu  Kloster  in 
Prättigau ;  in  Unter-Engadin,  von  Tarasp  nach  Naunders  ;  in  Italien,  von  Bübbio 
nach  Carrara,  von  Livorno  nach  iMontalcinn  :  in  Frankreich  in  Briaufonnois  (Hautes 
Alpes)  so  wie  in  den  Pyreneen  ;  in  Klein-Asien  (Tschihatscbef);  Syrien  (Russegger). 


32  B  o  u  e. 

Spalte  gefüllt,  sondern  er  hat  sich  auch  von  beiden  Seiten  anf  den  be- 
naelil)arlen  Felsen  ausgebreitet.  Dann  tritt  anch  der  Fall  ein,  daß  solche 
Kuppen  und  Stöcke  ganz  wie  jene  eben  erwähnten  plutonischen 
Felsarten  sieh  in  der  Länge  auf  fremden  B o d e n  a u  s- 
dehnen  und  die  Gestalt  von  seh wanzförmige  Buckeln 
mit  einem  größern  Höcker  an  ihrem  Eruptions-Ursprung  annehmen. 
In  letztern  Falle  liegt  die  Analogie  der  Lavaströme  sehr  nahe,  nur 
wäre  der  Serpentinteig  nicht  so  feuerfliissig  als  die  Lava  gewesen 
Herr  P.  Tschihatsch  ef  spricht  seihst  von  lavaartigen  Serpentin- 
striMuen  in  Kleinasien.  Endlieh  kommen  noch  dazu  andere  ganz  be- 
sünimte  plutonische  Merkmale,  namentlich  Varioliten  oder  Felsarten 
mit  kügeliörmigen  Absonderungen  wie  in  den  Glashütten,  seltener 
Mandel  stein  oder  schal  stein  artige  Massen  (Graubündten) 
und  B  r  e  k  z  i  e  n  oder  T  r  ü  m  m  e  r  h  a  u  f  e  n  der  durchbrochenen  Neben- 
gesteine. Letztere  sind  ganz  mit  denjenigen  der  Basalte,  Trappe, 
Diorite,  Porphyre ,  Siem'te  und  Granite  ebenbürtig.  Diese  Brekzien 
mit  Serpentin-Cement  enstehen  hie  und  da  aus  Flötzkalk-Fragmen- 
ten,  wie  in  Toskana,  bei  Grünhach  in  Niederösterreich  u.  s.  w.,  oder 
es  sind  Bruchstücke  von  grauem  einfachem  Flötz  oder  seihst  Eocen- 
schiefer  oder  von  talkigen  grünlichen  Schiefern,  wie  bei  Brus  in 
südwestlichen  Serbien,  bei  Bracco  und  Panigaro  in  Italien. 
Anderswo  sind  es  abgebrochene  eckige  Stücke  von  Weißstein, 
Hornblendegestein  oder  Gneiß  u.  s.  w.,  manchmal  in  einem  eisen- 
schüssigen oder  Eisenkiesel-Cement.  Bei  dem  Durchbruch  wurden 
die  abgerissenen  fremden  Gebirgsarten  ortweise  von  der  Seite 
geschoben  und  mit  in  die  Höhe  gehohen. 

Es  gibt  aber  auch  zahlreiche  Massen  Serpentins,  welche  im 
Talk-  oder  Glimmerschiefer  und  selbst  in  Gneiß  und  Weißstein  vor- 
kommen, welche  durch  ihre  Durchschnitte  den  gewöhnlichen  Ein- 
druck von  kürzern  oder  längern  Lager  oder  von  oval  zusam- 
mengedrückten großen  liegenden  Stöcken,  wie  ungefähr  die  des 
Topfstein  machen.  Diese  oft  mit  Talk  oder  seihst  weißem  Glimmer 
gemischte  Serpentine  haben  nicht  selten  ,  vorzüglich  die  nicht  sehr 
mächtigen,  eine  schime  apfelgrünliclie  Farbe  mit  weißlichen  unregel- 
mäßigen, hie  und  da  wie  schaligen  Ahlösungsfläehen  (Windisch- 
Matrei  in  Tirol,  Metzovo-Paß  iuEpirusj,  wodurch  sie  ein  schieferiges 
Ansehen  gewinnen.  Ihr  Erzgehalt,  meistens  Chrom-  und  Magneteisen, 
scheint   selbst  oit  gering  und  selbst  der  Diallagon   ist  nicht  immer 


über  die  Rolle  iler  Veriinderung-on  des  unorganischen  Festen  etc.  33 

in  Menge  vorhanden ,  besonders  wenn  diese  grünen  Gesteine  dem 
Topfstein  sich  nähern.  Im  erstem  dichten  Serpentin  aber  fehlt  das 
Diallagon  nie. 

Endlicli  kennt  man  auch  in  jenen  alten  oder  metamorphosischen 
Gebilden  Serpentine  in  viel  kleineren  blassen,  selbst  nur  in  kleinen 
Nieren,  Schnurren,  kleinen  Adern  im  körnigen  oder  halb 
krystallinischen  Kalk,  die  sogenannten  Ophicalce  so  wie  auch 
seltener  in  talkigen  und  andern  krystallinischen  Schiefern. 

Nach  dieser  Auseinandersetzung,  welche  mehrere  der  bedeu- 
tendsten Geologen  der  Gegenwart  unterschreiben  würden,  erstaunt 
man  im  Evangelium  der  jetzigen  chemisch  -  geologischen  Schule, 
namentlich  ß  i  s  c  h  o  f"s  chemisch  -  physikalische  Geologie,  kein 
Sterbenswort  von  den  meisten  aller  dieser  schon  lange  bekannten 
Thatsachen  zu  finden.  Doch  da  sein  Serpentin-Capitel  (B.  2,  S.  777 
bis  810)  fast  nur  seine  48  Lager  im  Weißstein  Sachsens  betrilft, 
so  hat  er  die  Weißstein-Brekzie  nicht  unerwähnt  lassen  müssen  ij. 
Wahrlich  ominös  ist  sein  Stillschweigen  über  die  von  uns  und 
andern  erwähnten  und  für  die  Geogenie  der  Serpentine  so  wichtigen 
Lagerverhältnisse  wie  jene  der  Serpentin-Gänge  u.  s.  w\  Darnach  der 
Herr  Chemiker  in  gediegener  Literatur  der  Geognosie  nicht  bewan- 
dert sein  muß  oder  er  beschuldigt  unsere  schätzbaren  Freunde  und 
Anhänger  so  wie  uns  selbst  einer  förmlichen  wissenschaftlichen 
Lüge.  Da  sein  Ruf  dadurch  bei  competenten  Richtern  nur  leiden 
kann,  würden  wir  auch  stillschweigen,  wenn  die  echten  Fortschritte 
des  geologischen  Wissens  durch  diese  unerklärliche  und  etwas 
unhöfliche  Manier  nicht  gehemmt  und  jüngere  Geister  dadurch 
besonders  in  grobe  Irrthümer  geführt  würden. 

Man  wird  uns  aber  fragen,  auf  welche  zahlreichen  Erfahrungen 
unsere  Behauptungen  beruhen  und  oh  man  einem  alten  durch  die 
k.  Leopold.  Carolin. -Akademie  Hutton  getauften  als  einem  erklär- 
ten Plutonisten  trauen  kann.  Wahrlich  gibt  es  ohne  der  neuen  Welt, 
Kleinasien,  Syrien  und  Indien  schon  in  Europa  allein  sehr  viele 
Serpentin-Lagerstätte.  (Siehe  für  Europa  ohne  Spanien,  Rußland 
und  die  Türkei  unser  geognost.  Gemälde  Deutschi.   1829,  S.  37  bis 


*)  Unter  33  Seiten  blieben  nur  eine  für  die  Serpentine  der  Fichtelgebirge  und  der 
baierischen  Walde  nach  Gumbel,  3  für  die  der  Vogesen  nach  Del  esse,  3  für 
die  Scandinavischen  und  Vg  Seite  für  die  der  westlichen  Alpen  nach  Fournet. 

Sitzb.  d.  mathem  -naturw.  Cl.  LVII.  Bd.  [.  Abth.  3 


34  B  o  u  e. 

46)  und  w  ir  liilireii  tleii  llainiiier  seit  ö5  .lalu-LMi,  so  daß  alle  unsere 
Beobachtungen  nicht  von  gestern  sind,  bestätiget  wurden  aber  die 
meisten.  Alle  europäischen  Serpentine  haben  wir  wohl  nicht  gesehen 
aber  glücklicherweise  doch  so  viele,  daß  alle  Arten  von  Serpentin- 
Lagerstätten  von  uns  nach  und  nach  gemustert  wurden  '). 

Ausgenommen  was  wir  über  die  jaspisartigen  Schiefer  neben 
den  Serpentin  druckten,  können  wir  heute  noch  alles  andere  was 
wir  im  Jaiire  1829  über  die  Lagerung  dieser  (iebirgsarten  referirten 
(Geogn.  Gemälde  Deutschi.  S.  37 — 46),  unterschreiben. 

Doch  wir  gestehen  unsere  Niederlage  gegenüber  unseren 
Antagonisten,  wenn  man  uns  nicht  folgendes  Axiom  der  Geognosie 
zugesteht,  namentlich  die  Theorie  der  Ausfüllung  der  Gänge  von 
oben  für  gewisse  Kalke,  Sandsteine,  Conglomerate,  Basalte,  Trachyte 


')  Nachdem  ich  während  meinem  S^/gjährigen  Aufenthalt  in  Schottland  Manches  da- 
selbst {gesehen  hatte  (Essai  sur  TEcosse  1820,  S.  33 — S5  u.  94)  hereiste  ich  Nord- 
Irland  und  England,  dann  fast  ganz  Frankreich,  die  Schweiz  und  Deutschland  sammt 
Österreich  (Grünbach,  Gottweit).  Besonders  wichtig  für  die  Serpentinlehre  war 
mir  meine  Durchforschung  der  Pyrenäen  von  Bayonne  bis  Pei-pignan  in  zwei  Reisen 
(Ann.  Sc.  nat.  1824.  B.  3,  S.  66 — 69),  dann  das  Walliser  Land  (im  J.  1823),  Grau- 
bündten  (im  .1.  1833),  der  Harz,  das  Erzgebirge  (.1.  de  Phys.  1822.  B.  94,  S.  302), 
Mähren  (in  den  J.  1821  u.  30),  Steiermark  (in  den  J.  1823,  32  u.  42),  Salzburg 
(in  denJ.  1826  u.  30),  Tirol  (in  den  J.  1823,  26  u.  34),  und  das  Alpenland  überhaupt 
(Chamounyu.  s.  w.).  Dann  besuchte  ich  auch Galizien,  Ungarn  (in  den  J.  1821  u.  30), 
das  Banat  (im  J.  1837).  Siebenbürgen  (im  J.  1825)  und  das  Illyrische  (in  den 
J.  1823  U.32).  In  Italien  war  uns  oft  die  Gelegenheit  Serpentine  recht  beobachten  zu 

.  können  ,  namentlich  in  Piemont  (im  J.  1823),  in  Ligurien  (In  den  .1.  1823  u.  32), 
in  Toscana  und  im  Bolognesisch-Modenesischen  (im  J.  1823).  Endlich  fanden  wir 
wieder  viele  verschiedene  Serpentine  während  den  J.  1837 — 39  in  Serbien,  Alba- 
nien und  Macedonien  (Turquie  d'Europe  1840.  B.  1 ,  S.  339—330).  Unter  den 
vielen  von  uns  besuchten  Gegenden  haben  wir  nicht  alle  zu  geognostischen  Schil- 
derungen benützt.  So  z.  B.  blieb  die  Frucht  unserer  gründlichen  Bereisung-  des 
centralen  Frankreichs  im  J.  1818,  so  wie  die  der  Normandie  ungedruckt.  So  be- 
weisen unsere  Schriften  kaum,  daß  wir  zweimal  das  Vicentinische  und  Süd-Tirol 
(Fassa,  Agordo  u.  s.  w.) ,  so  wie  die  Allgau  bereisten ,  noch  weniger  daß  wir 
Geologie  um  Rom  und  Neapel,  in  den  Vogesen  (1834)  bei  Befort,  Belley.  Chessy 
Grenoble,  Bex,  Porentrutt,  (iraubündten,  Glaris  (1833),  Solothurn,  Aargau,  Bern, 
St.  Galleu  (Ragatz),  Schwytz  u.  Uri  (1827),  so  wie  in  Savoyen  (Chamouny,  Sal- 
lenche,  Cluse,  Annecy,  Entrevernes,  Saleve,  les  Voirons,  Mont  Cenis  u.  s.  w.  trie- 
ben. Glücklicher  als  Palassou,  der  erste  Beschreiber  der  Pyrenäen,  welcher  in 
seinem  84.  Jahre  als  todt  in  Paris  bei  Seite  geschoben  wurde,  sind  wir  noch  im 
Stande,  unsern  VVidersaehern  die  unbestreitbarsten  Thatsachen  ins  Gedäclitniß  zu 
rufen. 


Üher  die  Rolle  der  Veriiiiderting^eii  des  unorganischen  Festen  etc.  35 

und  dergleichen  und  von  unten  für  die  meisten  sogenannten  plii- 
tonischen  Gebirgsarten.  Viele  Gänge  sehr  verschiedener  Art  durch- 
schneiden nicht  nur  die  Schichten  einer  Formation,  sondern 
mehrerer  Bildungen  zu  gleicher  Zeit.  Ausgefüllte  Spalten  sind  ein- 
mal abnorme  Zustände. 

Bewilligt  man  uns  aber  nicht  diese  Ausgangspunkte  und  be- 
streitet uns  vielleicht  selbst  die  nur  localen  Erscheinungen  sowohl 
der  Vulkane,  als  der  Basalte,  Trachyte,  Porphyre,  Diorite,  Olivinfelse, 
Serpentine ,  Sienite  und  Granite  ^),  so  können  wir  nur  unparteiischen 
Richtern  die  Entscheidung  lassen.  Die  brennenden  und  ungelöschten 
Vulcane  sind  einmal  zerstreut  auf  der  Erdoberfläche,  die  andern 
krystallisirten  Felsarten  sind  es  auch  auf  eine  solche  Weise,  daß 
es  eine  chemisch-physische  Unmöglichkeit  ist,  in  ihr  allgemeine 
chemische  wässerige  Niederschläge  zu  erkennen.  Solche  hätten 
zusammenhängendes  und  nicht  vereinzeltes  hervorgebracht.  Ist  einmal 
die  Localisirung  dieses  Mineralerzeugnisses  angenommen,  dann  kann 
man  über  ihre  locale  Hervorbringungs-Theorie  sich  Aveiter  streiten. 
Nun,  wenn  dieses  als  Axiom  auch  gelten  sollte,  so  wird  kaum  Jemand 
bestreiten  können,  daß  ein  Material,  das  den  Nebengesteinen  fremd 
ist  und  gangförmig  nicht  nur  eine,  sondern  mehrere  Formationen 
durchsetzt,  in  allen  Fällen  ein  locales  Ereigniß  im  Mineralreiche 
bleibt.  Seine  Ankunft  in  der  Spalte  von  oben  aus  ist  abgeschlossen, 
sonst  würde  das  Nebenland  davon  auch  ganz  oder  nur  theilweise 
wenigstens  noch  bedeckt  sein.  Aus  den  Nebengesteinen  wird  doch 
Niemand  so  wenig  Chemiker  sein,  um  an  chemische  sogenannte 
Ausschwitzungen  oder  Reactionen  mittelst  Mineral-Quellen  zu  den- 
ken, wenn  es  sich  um  die  rationelle  Erklärung  für  einen  Granitgang 
im  Silurischen,  für  einen  Porphyr  oder  Trappgang  im  altern  Stein- 
kohlengebilde, für  einen  Trachytgang  im  tertiären  oder  einen  Serpen- 
tingang im  Devonischen  Sandstein,  Lias,  Kreide  oder  selbst  Eocen, 
handelt.  In  diese  Sackgasse  ohne  Ausweg  werden  wir  jetzt  zeigen, 
daß  die  chemische  Schule  sammt  Professor  Bischof  mit  seiner 
ganzen  chemischen  Gelehrsamkeit  gerathen  ist. 

Viele  der  größeren  Serpentiu-lMassen  mögen  wohl  vom  Lher- 
zolith  oder  Olivin fels  abstammen,  der  Übergang  der  einen  Felsart  in 


*)  Die  Ahhandl.  des  Hrn.  E.  Weiß,  über  die  Feldspath-  u.  Quarzporphjrbildung 
(Naturk.  Verliandl.  Harleni  1866.  B.  23,  iliustrirte  schön  die  plutonische  Entste- 
hung der  Granite. 

3* 


36  Boue. 

der  andern  ist  eine  alt  bekannte  Thatsaehe.  (Siehe  Neumann's 
Geognosie.)  Doch  schienen  uns  schon  in  den  Jahren  1820  und  22  i), 
daß  auch  in  arewißen  Gee-enden  wie  in  den  Pvreneen ,  ein  schöner 
Diorit,  der  sogenannte  Opliit  des  Palassou  und  des  südlichen  Frank- 
reich, der  Stammvater  des  Serpentins  sein  konnte.  Der  Übergang 
des  einen  in  den  Andern  war  uns  höchst  aulTallend,  sowohl  zu 
St.  Pe  im  Gave  du  Pau  als  im  IJnretonsthal  und  diese  Thatsaehe 
fanden  wir  anderswo  hestäligl.  Da  aber  in  den  Pyreneen  zu  gleicher 
Zeit  Olivinfels  und  Ophit  anstehen,  so  könnten  wir  uns  in  jenem 
selbst  scheinl)aren  Übergang  irren,  wenn  namentlich  durch  mikro- 
skopische Untersuchung  ausgemittelt  würde,  daß  der  St.  Pe  und 
Buretons-Serpentin  nur  ein  umwandelter  Olivinfels  ist  und  keines- 
wegs ein  Diorit  je  war.  Aber  in  andern  Gegenden,  wo  derLherzolith 
bis  jetzt  nicht  gesehen  wnrde  und  wo  im  Gegentheil  viel  Diorit  und 
selbst  der  deutlichste  in  Menge  besteht,  bemerkten  wir  so  wie  andere 
dieselbe  Verbindung  zwischen  letzteren  und  dem  Serpentin.  So  sahen 
wir  Ähnliches  in  Klissura  im  südwestlichen  Macedonien  und  besonders 
in  dem  Myrtidenlande,  wo  manches  uns  an  Graubündten  erinnerte. 
Nun  der  im  letzten  Lande  am  besten  bewanderte  Geolog  Herr  Theo- 
bai d  bestätigte  unsere  Ansichten  (Verb.  Schweiz.  Ges.  f.  Naturwiss. 
1857.  S.  127).  Solche  Verschwesterung  der  Hornblendeggsteine 
mit  Serpentinen  fand  Breithaupt  in  Voigtland  (Schweigg.  N. 
Jahrb.  f.  Chem.  1831.  B.  61,  S.  283),  Sa ndb erger  im  Nassaui- 
schen (Über  d.  geol.  Verhältn.  von  Nassau  1847.  S.  651),  Gümbel 
im  Fichtelgebirge  und  baierischen  Walde  (Bischofs  Chem.  phys. 
Geol.  B.  2,  S.  786),  Kupffer  am  östlichen  Abhänge  des  Ural 
(Po gg.  Ann.  1829.  B.  16.  S.  272),  Bischof  gab  es  am  Huron-See 
an  u.  s.  w.  Dann  sieht  man  in  mehreren  Gegenden  den  deutlichsten 
Übergang  der  Serpentine  in  echte  Hornblende-Gesteine  oder  vice 
versa.  So  z.  B.  ist  dieser  Fall  für  die  drei  merkwürdigen,  ziemlich 
mächtigen  Serpentinsmassen  bei  Portsoy  in  Nord-Schottland  (Essai 
sur  l'Ecosse  1820.  S.  55 — 56)  2).   Anderswo  geht  der  Serpentin  in 


•)  Wie  reimen  sicli  diese  Jahreszahlen  mit  dem  dietaforischen  Ausspruche  Bischofs, 
daß  Breithaupt  die  erste  Nachricht  vou  der  Umwandlung-  der  Hornblende  und 
des  Diorit  in  Serpentin  in  die  Wissenschaft  brachte.  (Chem.  phys.  Geologie  1863. 
B.  2,   S.  778.) 

2)  L'enchainement  de  toutes  ces  roehes  y  est  admirable,  l'amphihole  passe  par  des 
nuaaces  insensibles  en  Serpentine,  das  unsere  eigenen  Woi-te  für  diese  im  J.  1814 
schon  gemachte  Beobachtung',  eine  Autfassung  vor  S4  Jahren. 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  untirg^nnischen  Festen  efc.  3  7 

einer  merkwürdigen  Vfirietät  der  Horiililende-Schiefer  über,  wie  Jim 
Piz  dellas  Clavigliadas  im  Tiioi-Tliale  (Papon  Jahresber.  d.  naturf. 
Ges.  Graiii(iindten  N.  F.  B.  2,  S.  7).  Dieser  Fall  erklärt  ganz  natur- 
gemäß den  sogenannten  Serpentinschieler  des  Herrn  Del  esse  so 
wie  seine  chemische  Zusammensetzung,  (ßibl.  univ.  Geneve  1848. 
2.  F.  B.  8.)  Endlich  bemerkt  sehr  treffend  unser  verehrtester  College 
Herr  Prof.  Reuss,  daß  der  Serpentin  sammt  dem  Thone  zwischen 
dem  körnigen  Kalkstein  und  dem  Sienit  der  Forca  rossa  bei  Predazzo, 
wahrscheinlich  nichts  anderes  als  eine  Zersetzung  der  Hornblende 
für  die  erste  Felsart  und  des  Feldspath  für  den  Thon  wäre  (X. 
Jahrb.  f.  Min.  1840.   S.  153). 

Diese  Serpentine  sind  ganz  ])esonders  diejenigen,  wo  der  Dial- 
lagon  nie  fehlt  und  selbst  manchmal  sich  so  anhäuft,  daß  daraus  ein 
reines  Diallagon-Gestein  entsteht,  wie  wir  es  in  Rape  Thälchen  in 
der  Myrtida  so  wie  an  Bernina  sahen.  Herr  Tscbermak  gab 
mehrere  ähnliche  Localitäten  der  Schillersteine  im  vorigen  Jahre 
(Akad.  Sitz.  B.  36.  Nr.  2)  an,  und  Herr  von  Buch  erwähnt  diese 
Felsart  in  Finmark.  Diese  Serpentine  sind  in  engster  Verbindung 
mit  Euphotiden  (Gabbro),  Varioliten  und  gewissen  porphj ritischen 
Felsarten  wie  am  Harz,  in  Schlesien,  in  Ligurien,  im  südwest- 
lichen Serbien,  südwestlichen  Schottland,  am  Nordkap  (von  Buch) 
u.  s.  w.  Die  Vermengung  der  Euphotid-  und  Serpentinmassen  ist 
selbst  manchmal  so  groß,  daß  nach  unserm  bewährten  Freund  Prof. 
Gust.  Rose  es  in  Schlesien  bei  Volpersdorf  den  Anschein  hat,  der 
Euphotid  wäre  nur  ein  der  Umwandlung  in  Serpentin  noch  ent- 
gangenes Material.  Diese  Serpentine  enthalten  sehr  oft  gediegenes 
Kupfer  in  Trümmern  oder  selbst  auf  etwas  unförmlichen  Gängen  wie 
in  den  Niederungen  Toskana's,  in  den  Apeninnen  u.  s.  w.  Seltener 
ist  Piatina  eingesprengt  wie  im  Ural  und  Columbien  (Ecuador).  In 
andern  Gegenden  sind  diese  Gesteine  nicht  nur  reich  an  Kupfererze 
in  Gängen  und  Nestern  (Rat h,  Zeitschr.  deutsch,  geol.  Ges.  1865. 
B.  17,  S.  277),  sondern  auch  an  Blei,  Zink  u.  s.  w.  Erze  wie  z.  B. 
am  Obersee  in  Canada,  wo  so  viel  sogenannte  Trappfelse  Bergwerke 
enthalten.  Goldführende  Kiese  sind  auch  hie  und  da  vorhanden  wie 
in  Piemont.  Das  im  Serpentin  zerstreute  Chromeisen  häuft  sieh 
seltener  in  ziemlich  großen  Massen  an  ,  ^\  ie  auf  der  Insel  Unst,  einer 
der  Shetlands  und  am  Ural.   Chrvsotil-  und  Chlorit-Trünmier,  so  wie 


38  ß  o  u  j. 

manchmal  selbst  kleine  PartitMi  von  heil  grünem  Serpentin  bemerkt 
man  in  diesen  Gesteinen. 

Diese  Serpentine  bilden  Gänge  wie  in  Granbiindten  (Oberhalb- 
stein-Tbal) ,  in  Lignrien,  Toskana,  Stöcke  und  Kuppen  wie  in  den 
toscaniscben,  modenesiscben  und  Bologneser-Gegenden,  so  wie  in 
Kleinasien  (Tscbihatschef).  Ihre  anderen  Lagerungen  sind  oberhalb 
keilförmige  Gänge  mit  breiten  Seitenflügeln  wie  zu  Cravignola  bei 
Borghetto,  Prato  oder  große  Massen  und  Berge  wie  der  Zobtenberg, 
der  Bastberg,  der  Peterwardeinerberg,  gewisse  Berge  im  nördlichen 
Syrien  u.  s.  w.  Sie  durchsetzen  alle  Gebilde,  vom  krystallinischen 
Schiefer,  besonders  den  Glimmer,  Talk-  und  Hornblende-Schiefern  an 
bis  zur  Kreide  und  dem  Eocen.  Beispiele  der  ersten  Gattung  fanden 
wir  zu  Portsoy  in  Banffshire,  im  Walliserlande,  in  Piemont,  in  der 
Türkei  u.  s.  w.  Im  Silurischen  können  wir  die  Serpentine  und 
Euphotiden  zwischen  ßallantrae  und  Girvan  im  südwestlichen  Schott- 
land, die  von  Lizardpoint  in  Cornwallis,  einige  der  Pyreneen,  die  bei 
Pristina  im  alten  Dardanien,  einige  Nord-Scandinaviens  aufzählen. 
Zu  den  Serpentinen  im  Devonischen  (wenn  nicht  noch  im  Siiurischen) 
gehören  die  von  Anglesea  (Henslow,  Cambridge  philos.  Soc.  Trans. 
1822.  B.  I,  T.  2,  S.  359).  Der  Serpentin  durchschneidet  den  Trias 
und  noch  jüngere  Gebilde  wie  der  Lias  u.  s.  w.  im  Davosthale,  in 
Grauhündten  (Escher  Bibl.  univ.  Geneve  Archiv  1864.  N.  F.  B.  21, 
S.  152),  bei  Tarasp,  in  Italien  u.  s.  w.  Serpentingänge  in  der 
unteren  Kreide  sind  bei  Genua  und  zwischen  dieser  Stadt  und  la 
Spezzia's,  auf  der  Insel  Elba,  in  den  Apenninen  und  in  Serbien  (Avala- 
Berg  bei  Belgrad)  u.  s.  w.  Im  Eocen  beobachteten  wir  Serpentin- 
gänge und  Stöcke  eben  sowohl  in  Nord-  und  Central-Italien  als  in 
Nord-Albanien  und  vielleicht  Serbien.  Herr  Herbich  theilt  Beob- 
achtungen über  das  Persanyer-Gebirge  in  südöstlichen  Siebenbürgen 
am  Altttuß  mit,  welche  viel  Ähnlichkeit  mit  denjenigen  eben  bespro- 
chenen haben  mögen  (Verb.  u.  Mitth.  d.  siebenb.  Ver.  f.  Naturwiss. 
1864.  B.  17,  S.  172).  Der  Serpentingang  in  den  Aveyron,  Correze 
und  Lot-Departement  ist  liO  Stunden  lang.  (Ann.  d.  Min.  1817.  S.334.) 

Wir  müßten  glauben  auf  diese  Weise  hinreichende  Beweise  des 
pintonischen  Ursprungs  der  Serpentine  gegeben  zu  haben  und  bemer- 
ken, daß  schon  im  Jahre  1733  der  wackere  Job.  Jac.  Ferber  den 
Serpentin  des  Traversoberges  in  Toskana  kurzweg  eine  alte  Lava 
nannte.    (Briefe    ans    d.  Wälschland    über   nalürl.   Merkwürdigk.   d. 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorp:anisclien  Festen  etc.  39 

Landes.)  Unter  denjenigen,  welche  den  eruptiven  Charakter  der 
Serpentine  wenigstens  theilweise  nicht  anzunehmen  für  gut  fanden, 
ragt  wirklich  unter  den  hewährten  geologischen  Schriftstellern  nur  der 
einzige  Herr  Alphonse  Favre  hervor.  In  der  Schweizer  Naturforscher- 
Versammlung  zu  Zürich  im  Jahre  1864  wollte  dieser  sonst  gute 
Beohachter  den  platonischen  Ursprung  und  Charakter  der  Tiroler- 
und  Grauhündtuer-Serpentine  im  Trias  und  Jüngern  secundären 
Formationen  nicht  anerkennen,  was  ihm  aber  eine  tüchtige  Zurück- 
weisung durch  Lory,  Mortui  et  und  besonders  durch  den  in  den 
Alpen  so  bewanderten  Escher  zuzog.  Letzterer  bestätigte  besonders 
die  Ganglagerung  der  Serpentine  des  Lins ,  Melche  wir  auch  auf- 
nahmen und  andeuteten,  indem  die  anderen  auf  den  Umstand  sich 
beriefen,  daß  örtlich  oder  auf  einer  gewissen  Strecke  diese  Gänge 
fast  lagerartig  wie  der  Basalt,  iniFlötzgehilde  eingeschoben  sind,  was 
wir  auch  bestätigen  könneni).  Ausserdem  wie  stimmt  diese  Meinung 
des  Herrn  Favre  mit  seiner  weiter  unten  erwähnten,  wo  er  Serpen- 
tinbildung dem  Metamorphismus  zuschrieb,  zusammen  (Bull.  Soc.  geol. 
Vv.  I80I.  B.  8,  S.  624).  Wenn  mau  solches  in  der  Mitte  von  kry- 
stallinischem  Schiefer  gelten  lassen  kann,  so  paßt  diese  Theorie  nicht 
für  Serpentine  in  petrefactenreichen  wenig  geänderten  Flötz-Gebilden. 
Wenn  neben  solchen  competenten  Männern  als  Kenner  sehr 
vereinzelte  Stimmen  von  viel  weniger  gereisten  Gelehrten  in  den 
Annalen  der  Wissenschaft  zu  sammeln  sind,  so  glauben  wir  doch 
nicht  im  Unrecht  zu  sein.  Darum  gewahrten  wir  auch  mit  Erstaunen 
den  Irrthum  des  fleißigen  Kenners  der  Mineralogie  und  Geologie  des 
Mittel-Rheines,  denn  weder  der  Olivinfels  noch  der  Serpentin,  sein 
Halbbruder  können  ein  chemisches  neptunisches  Product  genannt 
werden  (N.  Jahrb.  f.  Min.  1867.  S.  173).  Dieses  folgt  ganz  natur- 
gemäß aus  der  Lage  des  Olivinfels  in  der  Tiefe  der  Erde,  wie  Herr 
W^olf  es  sehr  richtig  für  das  ausgeworfene  Gemenge  von  Olivin  und 
ßiotit  am  Laacher  Krater-See  beurtheilt  (Zeitsch.  deutsch,  geol.  Ges. 
1867.  B.  19,  S.  4Ö1  u.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1867.  S.  865)  und  wie 
wir  es  für  die  Oiivinfels-Fragmente  im  Ardeche's  Basalt  auch 
bewiesen  (Sitzber.  1867.  L  Abth.  B.  56,  S.  254).  Wenn  aber  die 
Vulcane  Island's  und  Neapel's  keine  Feuerberge  sind,  so  wird  wahr- 
scheinlich der  Laacher-See  nur  eine  gewöhnliche  Pfütze  sein. 


1)    Bibl.  iiniv.  et  Rev.  Suisse  Geneve  Archiv.  1864.  N.  F.  B.  21.  S.  132. 


40  B  o  u  e. 

Endlich  kommt  bei  der  geographisclien  Verbreifung  der  Ser- 
pentine noch  der  Umstand  in  Beriicksiclitigung,  namentlich  ihre 
kr ater förmige  Vertheilung  in  gewissen  Gegenden  wie 
z.  B.  um  der  großen  Vertiefung  des  Piemont.  Vor  uns  haben  schon 
andere  letztere  mit  einem  großen  gegen  Osten  offenen  Krater  ver- 
glichen und  auf  ähnliche  Vertheilungsformen  überhaupt  für  alle 
Eruptivniassen  sich  berufen.  Doch  diese  Ansicht  beruht  auf  der 
Voraussetzung,  daß  einst  unsere  Erde  der  mit  großen  Kralern  be- 
deckten Mondes-Oberfläche  sehr  äiiidich  war,  und  daß  darum  die 
späteren  Eruptionen  auf  den  Rändern  besonders  dieser  Vertiefungen 
stattfanden.  Diese  Theorie  ist  aber  nicht  allgemein  angenommen, 
weil  mehrere  Geologen  für  solche  Ansichten  kein  Herz  sich  fassen 
können. 

Was  die  Serpentine  im  Glimmer,  Talk  und  Chlorit- 
schiefer  so  wie  in  Gneiss  betrifft,  so  gehört  ihre  Enträthselung, 
wir  gestehen  es,  zu  den  schwierigsten  Problemen,  besonders  wenn 
in  derselben  Gegend  oder  ihrer  Nachbarschaft  die  eben  besprochene 
Gattung  Serpentine  mit  diesem  vorkommen,  Avie  z.  B.  im  piemonte- 
sischen  Gebiete.  Obwohl  von  Hornblendegesteinen  begleitet,  wie 
z.  B.  in  Berg  Jovet  im  Aostathal ,  im  Salzburgischen  u.  s.  w. ,  so 
vermißt  man  bei  dieser  magnesiahaltigen  Ablagerung  meistens  die 
Euphotiden  und  besonders  die  Varioliten.  Doch  auf  diesen  negativen 
Charakteren  möchten  wir  nicht  unsere  vorgeschlagene  Unterscheidung 
stützen,  sondern  auf  der  eigenthümlichen  Lagerung  dieser  Felsarte'n. 
Wir  könnten  auch  auf  die  vielen  Chloritgänge  sammt  eingesprengten 
Talk,  Speckstein,  Strahlstein,  Chalcedon  und  Kalkspath  wenigstens  in 
den  Weißstein-Serpentinen  hinweisen.  Doch  solche  Mineralien  so  wie 
Trümmer  von  edlem  Serpentin  und  Chrysotil  sind  in  den  andern  Ser- 
pentinen obgleich  seltener,  auch  nicht  ausgeschlossen.  Seltener  aber 
sind  Quarzgänge  im  Serpentin  mit  eckigen  Fragmenten  von  Serpentin 
und  talkigen  oder  chloritischen  Saalbändern  (Bischof  Geol.  B.  2, 
S.  793).  Wie  B.  Studer,  Adolph  Schlagintweit  und  Andere, 
glaubten  wir  fast  immer  eine  größere  oder  kleinere  Unregelmäßig- 
keit in  den  Berührungsflächen  der  Serpentine  und  der  sie  umgebenden 
Schiefer  wahrzunehmen.  Anstatt  Parallelismus  der  Lage  bestehen 
daselbst  gebogene  Linien  so  wie  größere  oder  kleinere  Ecken.  Das 
eine  Gestein  greift  oft  in  dem  andern  ein,  wie  überhaupt  bei  Berüh- 
rung des    körnigen  Kalksteines   mit   den  krysfallinischen  Schiefern 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  etc.  41 

Übergänge  von  Serpentin  in  Chlorit  oder  Talkschiefer  sind  außerdem 
längst  bekannte  Thatsaehen  (Bischof  Geologie  1863.  B.3,  S.  786). 

Weiter  muß  man  bedenken  ,  daß  Durchschnitte  von  liegenden 
Stöcken  nicht  den  gründlichen  Beweis  mehrerer  immerfort  parallel 
laufenden  Lager  durch  ein  Schiefergehilde  liefern.  U'ie  viele  lager- 
artige Basalte  wurden  als  wahre  Gänge  anerkannt.  So  z.  B.  werden 
uns  der  Serpentin  im  Gneiss  zu  Snarum  (Bübert,  Gea  Norwegica 
H.  i,  S.  137),  der  300  Fuß  mächtige  Serpentin  im  Greiner  Gneisse 
von  Tirol  u.  s.  w.  als  große  linsenförmige  Stöcke  und  nicht  als  förm- 
liche Lager  beschrieben,  was  im  Gegentheile  nach  Gümbel  im 
Fichtelgebirge  und  baierischen  Waldgebirge  der  Fall  wäre  (Bi- 
schofs Geolog.  B.  2,  S.  786).  Solche  abwechselnde  Serpentin- 
lager sahen  wir  auch,  aber  meistens  in  Gesellschaft  mit  wahren 
Stöcken  namentlich  im  Schiefergebilde,  welche  man  zu  den  urältesten 
zählt  oder  wenn  man  diese  Sprachweise  nicht  mundrichtig  findet,  im 
metamorphischen  Gebiete  der  älteren  und  jüngeren  Zeit  wie  z.  B.  im 
Walliser-Lande,  im  Berg  Bosa,  in  Dardanien  bei  Pristina  und  südlich 
von  Katschanik,  in  manchen  Gegenden  Skandinaviens,  Nordamerika's 
u.  s.  w. 

Zu  jenen  Bildungszeiten  müßten  aber  ganz  besondere  Kräfte  der 
Wärme,  der  Chemie  und  Dynamik  gewaltet  haben,  wie  die  Herrn 
T.  Sterry  Hunt  (Americ.  J.  of  Sc.  1858.  N.  F.  B.  25,  S.  102), 
Daubree  (Mem.  Ac.  d.  Sc.  de  Paris.  Savans  etrang.  1862.  B.  17), 
Del  esse  und  andere  sehr  gut  es  dargestellt  haben.  Ob  man  wohl 
Herrn  Gage 's  Meinung  annehmen  konnte,  daß  Serpentin  durch  die 
Reaction  von  alkalischen  Wässern  auf  magnesiahaltige  Gesteine  ent- 
standen sei  (Del esse 's  Rev.  de  Geologie  1866.  B.  4,  S.  104). 
So  hat  auch  z.  B.  Alb.  Müller  den  Topfstein  des  Maderan-  und 
Etzli-Thales  als  eine  metamorphische  Masse  erklärt  (Verb,  naturf. 
Ges.  in  Basel  1866.  B.  4,  S.  o59,  N.  Jahrb.  f.  Min.  1867.  S.  368). 
So  bemerkt  man  manchmal  im  Gneiss  weiße  oder  röthliche  Felsit- 
nieren,  welclie  selbst  in  porphyritischen  übergehen,  und  doch  als 
metamorphische  chemische  Producte  mit  den  eigentlichen  eruptiven 
Porphyr-Bildungen  nichts  gemeines  haben.  Auf  ganz  ähnliche  meta- 
morphische Weise  erklären  sich  B.  v.  Cotta  so  wie  Del  esse  die 
großen  linsenförmigen  Eisen-  oder  Kupferkies-Stöcke  in  den  Schie- 
fern des  Rammeisberg,  zu  Agordo,  Schmöllnitz  in  Ungarn,  Domokos- 
Poschorita  in  Siebenbürgen ,   in  Huelca  und  Rio  Tinlo    in  Spanien, 


42  B  o  u  e. 

ZU  Fahlun  in  Schweden  u.  s.  w.  (B.  u.  Hüttcnm.  Zeit.  1864.  S.  372. 
Delesse  Revue  d.  Geologie  1866.  S.  131).  Ein  Übergang  von  den 
fremden  Stöcken  in  den  Sciiiefern  ist  immer  bemerkbar.  Nach 
unserer  bescheidenen  Meinung  würden  wir  selbst  geneigt  sein,  wenn 
nicht  allen  Weißsteinen,  wenigstens  einen  Theil  dieser  letzteren 
Bildung  einer  sehr  weit  vorgerückten  Metamorphose  zuzuschreiben. 
Gil)t  man  aber  die  Möglichkeit  der  metamorphischen  Bildung 
von  Glimmer,  Talk  und  Chloritschiefer  u.  s.  w.  auf  diese  Weise  zu, 
so  gehört  keine  große  Einbildungskraft  um  diejenige  von  Serpentin- 
Nieren  und  kurzen  Lager,  durch  locale  große  Anhäufungen  von 
Älagnesia  u.  s.  w.  sich  zu  denken  und  wirklich  stimmen  mehrere 
berühmte  und  gereiste  Geologen  uns  bei  •).  Bischof  erwähnt  selbst 
eine  ähnliche  Meinung  von  G  um  bei  um  zahllose  Wechsel  von 
Urtlionschiefer  (!),  Hornblendegesteine,  Serpentine  und  Chlorit- 
schiefer in  Lagern  oft  nur  einige  Zoll  mächtig  im  Fichtelgebirge  und 
bairischen  Wald  sich  zu  erklären.  Nirgends  müI  er  gangförmige 
Merkmale  gesehen  haben  (Bischofs  Geolog.  B.  2,  S.  786—787). 
Das  Wie  in  diesen  Umwandlungen  gehört  zur  Metamorphismus- 
Theorie,  über  welche  man  sich  dann  weiter  streiten  kann,  ohne  im 
Geringsten  die  fest  gegründeten  geognostischen  Lagerungen  der 
anderen  Serpentine  zu  berühren.  Dem  ungeachtet  glauben  wir  auf 
unserem  Standpunkte  beharren  zu  müssen,  namentlich  daß  unter  der 


*)  IJ 1  u  m  ,  H.Müller,  Naum.iiin,  Cotta,  Serpentin  ist  eine  Pseuiloniorphose  des 
Kclogit,  des  Hornhiendefels,  des  Üiorit.  des  Eupliotid  (Erläuterung  zur  geognost. 
Karte  etc.  Königr.  Saolis.  1836  — 4r)),  Böbert  (Keilliau's  Gaea  Norwegica  1838. 
H.  1.  Edinb.  n.  pliii.  J.  1837.  B.  2o,  S.  206).  Fallou  u.  Müller  im  Weißstein 
Sachsens  (Milth.  a.  d.  Osterl.  Naturf.  Ges.  zu  Altenhurg  1842.  B.  .•>,  S.  219. 
Cotta"s  Geologie  1846,  S.  168  u.  289).  Jam.  Dana,  Mefamorpliismus  vermittelst 
magnesialiiiltigcr  Wärmewiisser  (Amer.  J.  of  Sc.  1843.  B.  45,  S.  120).  J.  Four- 
net,  durch  Metaniorphisnius  im  Vogesen  Kalkstein  neben  Granit  (Bull.  Soc.  geol. 
Fr.  1840.  N.  F.  B.  4,  S.  231).  Euphotidcn,  so  wie  Serpentine,  metamorphische 
Producte  (Ann.  Sc.  pliys.  et  nat.  Soc.  d'agric.  etc.  de  Lyon  1849.  B.  1.  Proces  v. 
S.  XLVIII).  B.  Studer,  mit  Kalkstein  u.  Dolomit  im  Walliser  Land  ,  in  Piemont 
(Edinb.  n.  phil.  J.  1849.  B.  46,  S.  168).  C.  Weiß,  am  Todtmoos  (Pogg.  Ann. 
18;;0.  B.  1,  S.  461.  iN.  .lahrb.  f.  Min.  1863,  S  721).  Alph.  Favre  im  Berg  Iseran 
(Bull.  Soc.  geol.  Fr.  ISiil.  B.  8,  S.  624).  Th.  Sterry  Hunt,  Canada  (dito  1855. 
B.  12,  S.  1031.  C.  R.  Ac.  d.  Sc.  P.  1857.  B.  44,  S.  996).  —  Clifton  Sorby 
mikroskopische  Untersuchung  über  Glimmerscliiefer  (Quart.  .1.  geol.  Soc.  L.  1863. 
ß.  19,  S.  401). 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  etc.  43 

großen  Anzahl  von  Serpentinlagern  im  krystallinisclien  Scliieler- 
gebirge,  doch  wenigstens  einige  zur  Ganghiklung  gehören  mögen. 
Über  jedes  Lager  oder  Lager-Complex  wünschten  wir  ein  förmliches 
Gericht  nach  hinlänglicher  Umforschung  gelialten  zu  sehen. 

Granaten  kommen  in  den  Serpentinen  dieser  Galtung  vor, 
welche  mit  der  Weißstein-Bildung  (Penig  in  Sachsen  u.  s.  w\)  oder 
mit  Eclogiten  wie  bei  Waldheim,  im  Schwarzwald,  bei  Karlstätten 
in  Niederösterreich,  im  Aosta-Thal  u.  s.  w.  oder  mit  granatreichen 
Schrillgranit-Gängen  wie  bei  Portsoy  (Sehottland)  verbunden  sind. 
Diese  Varietät  Pyrop  genannt  ist  weltbekannt  im  Serpentin  zu  Zöblitz 
in  Sachsen,  in  der  Nähe  von  Namiest  in  Mähren  (0])orny  Verh. 
Briinn  Naturhistoi*.  Ver.  1866.  B.  5),  zu  Gralienhof  (N.-Österreiciij, 
in  dem  vogesischen  Serpentin,  zu  St.  Nicolaus  (Wallis),  zu  Musa 
und  im  Aosta-Thal  <),  in  dei'Nähe  von  Portsoy  u.  s.  w.  Anderswo  sind 
selbst  die  Hornblende  Gesteine  in  der  Nähe  der  Serpentine  granat- 
haltig,  wie  z.  B.  am  Huron-See  in  Nord-Amerika  u.  s.  w. 

Der  Eklogitist  nur  eine  sehr  localchemische  Veränderung  der 
Weißsteine,  in  welchen  erstere  Felsart  übergeht,  indem  er  auch  hie 
und  da  zum  granathaltigen  Serpentin  wird ,  wichtige  Älorkmale  eines 
ähnlichen  chemischen  Processes  l'iir  alle  drei  Felsarten  wie  es  auch 
Bischof  annimmt  (B.  2,  S.  787).  Er  gibt  auch  zu,  daß  der  Weißstein- 
Serpentin  von  Breccien  aus  Granulit,  Hornblendegestein  und  Eisen- 
kiesblöcken in  einem  verwitterten  Serpentinteig  nicht  nur  begleitet 
wird,  sondern  dass  noch  an  beiden  Seiten  dieser  Trümmerhaufen 
ein  von  Eisenkiesel,  Schwarzeisenstein,  Chlorit,  Quarz,  Hornblende 
und  Asbest  durschwärmten  Serpentintuf  sehr  merkwürdig  ist.  (Dito 
S.  799  —  800.) 

Die  chemischen  Erklärungen  Bischofs  sind  sehr  sinnreich  und 
auch  theilweise  wahrscheinlich,  aber  solche  Reactionen  können  wohl 
einem  dichten  Gesteine  eine  brekzienähnliche  Gestalt  wie  der  Ser- 
pentin geben,  doch  sie  werden  nie  solche  Felsarten  in  eine  Breccie 
verwandeln,  welche  aus  eckigen  Fragmenten  sehr  verschiedener  Ge- 
steine wie  Granit,  Kalk,  Schiefer  u.  s.  w. ,  besteht.  Da  fällt  man 
wieder   in    die   alten    schottischen,    neptunischen   und   lächerlichen 


')  Siehe  Fournet's  große  Ahli.  über  die  Serpentine  zwischen  Wallis  und  Ulsans  in 
Ann.  Sc.  phys.  et  nat.  See.  d'agrie.  etc.  de  Lyon  1848.  ß.  4,  S.  12G  u.  1846.  B.  9 
S.  1—112. 


44  R  0  u  e. 

Theorien  der  gleichzeitigen  Formation  der  Conglomerate  undBrekzien. 
Die  falsche  Möglichkeit  bildet  aber  für  unsere  Gönner  eine  Stütze,  un> 
die  genetische  Wichtigkeit  des  Bas.'dt,  Tracliyt,  Phonolit ,  Pechstein, 
Porphyt,  Diorit,  Serpentin,  Sienit  und  Granit-Brekzien  (siehe  Guide  du 
geologue-Voyageur  1835.  B.  1 ,  S.  453 — 456)  zu  neutralisiren.  So 
versteigt  sich  selbst  das  gründlich  chemische  Wissen,  wenn  dieses  im 
Laboratorium  bleibt  und  in  der  Natur  sich  nicht  umsieht. 

Eine  dritte  seltenere  Art  des  Serpentins  ist  der,  welcher 
in  augi  tisch  e  n  Felsarten  seinen  Ursprung  nini  m  t  und  in 
diesen  allmälig  übergeht.  In  diesem  Falle  kommt  dem  Mineralogen 
die  häufige  Metamorphose  des  Augit  in  einer  weichen  grünlichen,  ser- 
pentinähnlichen Materie  sehr  zu  Statten.  Möchten  auch  einzelne 
Chrysolithe  oder  Olivine  in  jenen  Trapparten  angenommen  werden 
müssen,  so  verschwinden  sie  gegen  die  Menge  der  Augite.  Diese 
Gebirgsart  landen  wir  nie  anders  als  in  Gängen  oder  Stöcken  im  devo- 
nischen Sandstein  Großbritanniens,  Lyell  besehrieb  davon  einen 
großen  Gang  im  rothen  Sandstein  Forfarshire's  (Edinb.  J.  ol"  Sc. 
1825.  B.  3,  S.  112).  Wir  sahen  Ähnliches  im  südwestlichen  Schott- 
land und  fanden  diese  Felsart  auch  in  dem  untern  Theile  der  Stein- 
kohlenformation in  der  Insel  Inchcolm  in  der  großen  Meeresbucht 
vor  Edinburg  (Essai  sur  TEcosse  S.  176)  *). 

Endlich  gibt  es  kleine  Partien  von  oft  hellgrünem 
Serpentin,  der  sogenannten  edlen  Art  in  körnigem  oder  halb 
krystallinischem Kalke  wie  bei  Connemara  in  Irland  (Harkness  brit. 
Assoc.  Rep.  f.  1865.  Trans.  S.  59)  und  zu  Predazzo  oder  in  solchen 
mit  Talkblättern  untermischten  Kalksteinarten.  Nach  der  multiformen 
Metamorphose  der  Serpentine  muß  man  zur  Erkenntniß  des  Urvaters 
solcher  Serpentine  jede  Örtlichkeit  und  ihre  Mineralien  in  Betracht 
ziehen  und  dann  sein  Urtheil  lallen.  Unter  den  zahlreichen  in  Steatit- 
Serpentin  verwandelte  Mineralien  möchten  wir  ganz  und  gar  nicht 
die  Chrysolith-Metamorphose  in  diesem  Falle  ganz  ausschließen.  Doch 
in  manchen  von  uns  besuchten  Lagerstätten  der  Art  deutele  die  Nach- 
barschaft von  Tremoliten  eher  auf  Pseudomorphosen  der  Hornblende, 
wiez.  B.  in  Gentilt  (Schottland),  Gullsjö  u.  s.  w.  Anderswo  wie  zu  Pre- 
dazzo möchte  man  vielleicht  eher  die  kleinen  serpentinartigen  Nester  im 


')   N;tcli  Z  L-j)  lia  ro  V  i  ch  ciilstiiiid  der  Si-rpentiii  im  Gueiss  zu  lieiclieusteiii,  aus  eiuciii 
iiug^itischfeldspatliischen  Gesleine.    (Lolos  1SC7.  S.  113.) 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  etc.  f^Q 

krystallinischeii  Kalk  iheil\\eise  zurHornbleiule  und  tlieilweise  wenig- 
stens zu  dem  Augit  zurückl'ühren.  \A'ir  finden  selbst  die  Erwähnung 
der  Umwandlung  eines  Dolomites  in  Topfstein  ')  und  dem  genauen 
Gust.  Rose  schienen  die  Serpentin -Trümmer  im  krystallinischen 
Schiefer  zu  Rothzechau  in  Schlesien  nur  ein  Zersetzuiigsproduct  des 
Dolomit  (Bischofs  Geologie  B.  2,  S.  785). 

Man  bemerkt  wenigstens  deutlich,  daß  gewisse  Mineralien  zer- 
setzt wurden,  und  in  dieser  Steatit-Serpentin  Stande  mit  dem  Kalkcarbo- 
nate  sich  mischten  oder  in  diesem  als  kurze  Nester,  Blätter  oder  nur 
Adern  auftreten.  Diese  Ophicalce  bilden  kurze  Lager  oder  Nieren 
wie  die  Anhäufungen  vonTalk  und  Glimmerblätter  in  selben  Gesteinen. 
Dana  will  sich  diese  Bildung  durch  kieselhaltige  Thermen  erklären, 
welche  auf  den  Kalk,  die  Magnesia  und  die  Salze  des  iMeereswassers 
eine  Reaction  geübt  haben.  (Amer.  J.  of  Sc.  1844.  B.  47,  S.  13ö.) 

Enthielt  der  körnige  oder halbkrystallinische  Kalkstein  thierische 
Überbleibsel  wie  der  Eocoonkalk,  so  lagerte  sich  in  den  Höhlungen 
der  Fossilien  wie  die  Kammer  der  Foraminiferen  oder  um  den  Spa- 
thosen Petrefacten  Steatit  -  Serpentin  und  Chrysolith  so  wie  Kalk- 
spath.  Rlöchte  man  aber  in  den  andern  aufgezählten  Serpentin-Gat- 
tungen auch  Thierreste  einst  finden ,  was  uns  schon  höchst  zwei- 
felhaft scheint ,  so  würden  solche  nur  in  jenen  brekzienartigen 
Massen  zu  finden  sein,  Melche  hie  und  da  die  Serpentine  umzingeln 
und  aus  Fragmenten  von  den  sie  umgebenden  Flötzkalk  oder  Schiefer 
in  einem  Serpentin-Cement  bestehen.  Das  wäre  dann  ein  Gegenstück 
zu  ähnlichen  sogenannten  muschelhaltigen  altern  und  Jüngern  Trapp- 
brekzien,  mit  welchen  die  ehemaligen  Neptunisten  ihre  Meinung  zu 
stützen  glaubten,  weil  sie  die  natürliche  Art  einer  solchen  neptuno- 
plutonischen  Bildung  nicht  kannten.  (Siehe  meine  adnotat.  Akad. 
Sitzb.  1864.  B.  49,  S.  2o9u.  Quart.  J.  geol.  Soc.  L.  1 865.  B.  22.  S.188.) 

Wenn  aber  der  Serpentin  ein  Umwandlungsproduct  ist,  kann 
man  die  Frage  aufwerfen,  ob  dieser  Procef^  auch  fortgeht, 
oder  ob  das  Gestein  nur  verändert  an  der  Erdoberfläche  erschien. 
Wenn  man  bemerkt,  wie  gewisse  Granite  noch  immer  sich  in  Kaolin 

')  Gurlt  zu  Gulbrandsdalen,  Norwegen.  (Verb,  naturhist.  Ver.  Preuss.  Rheinl.  1863. 
B.  20.  Tb.  2.  Sitz!..  S.  126.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1864.  S.  79.  .Mining  a.  Smelt.  Mag. 
1863.  B.  4,  S.  HO.  Dr.  Otto  Volger  erbat  sich  die  Priorität  dieser  Meinung. 
(N.  Jahrb.  f.  Min.  1864.  S.  339  u.  seine  Entwicklungsgeschichte  der  Mineral,  der 
Talkgliramer-Familie  1834.3 


46  B  o  u  e. 

verwaiuleln,    wenn  man  das  inerkwürdige  Steatitwcrdcn  der  Ophite 
(Dax  II.  s.  w.)  kennt,  so  würde  man  für  die  erste  Meinung  mehr  als  für 
die  letztere  geneigt  sein.    IMehrere  Gelehrte  hahen  auch  wenigstens 
Chrysolith  sich  unter  ihren  Augen  hilden  sehen,  wie  Cesar  von  Leon- 
hard  und  Del  esse  (Ann.  der  Min.  1850.  B.  18,  S.  349).  Es  stellen 
sich  dagegen  aber  große  Anomalien.  So  z.  B.  der  aus  Olivin,  Enstatit, 
Picotit  und  Diopsid  bestehende  Lherzolilh  >)    zu  Lherz  und  im  Paß 
Portet  liefert  den  Anblick  einer  unwirthlichen  Wüste.  Sie  ist  wie  das 
todte  Meer  der  Alpen  mit  dem  großen  Unterschied,  daßKryptogamen- 
Gewächse  wie  Lichenen  kaum  auf  dieser  Felsart  Erdtheilchen  genug  für 
ihr  Leben  finden  können.    Ahnliches  bemerkt   man   im  Olivinfels  zu 
Ölten  in  Tirol  und  selbst  in  den  großen  Bruchstücken  desselben  im 
Basalt  des  Volant  Thaies  in  der  Ardeche.   Warum  dieses  Verhältniß, 
wenn  wir  annehmen,  daß  der  Serpentin  meistens  nur  chemisch  verar- 
beiteter Olivinfels  sei?  Man  wird  uns  antworten,  daß  fast  dieselben  Ano- 
malien zwischen  den  schönsten  Dioriten  und  den  erdigen  steatitartigen 
Ophiten  oder  zwischen  gewissen  Graniten  und  Kaolin-Graniten  in  der 
Natur  bekannt  sind.  Daraus  würde  aber,  nach  uns,  der  Schluß  folgen, 
daß  die    chemische   Natur  jener  so    verschiedenen  Gesteinen-Reihe 
nicht  dieselbe  sein  müsste,    oder  daß  die  veränderten  Lherzoliten, 
und  vielleicht  auch   Dioriten  gazartigen  oder  wässerigen  Einflüssen 
eine  Zeit  ausgesetzt  waren,    was  mit  den  unveränderten  nicht  ge- 
schehen ist.     Indessen  nach  unsern  Erfahrungen    über  die  S^erpen- 
tinbrekzien  zeigt  ihre  Textur  deutlich,  daß  die  sie  mitführende  Masse 
eine  teigartige  und  keineswegs  eine  sprödartige  war.    Dann  kommt 
noch  dazu  der  Umstand    der   sogenannten  örtlichen   Veränderungen 
der  Nebengesteine,  was  ehemals  Plutonisten  nur  als  Feuer- Wirkungen 
gelten  lassen  wollten,  weil  manches  an  die  gebrannten  undgerötheten 
Thone,    Schiefer  und  Sandsteine  der  Pseudovulkane  der  Steinkohlen 
erinnert.     Die  Schiefer-,   Mergel-    und    Kalksteine  erscheinen    ver- 
härtet, kieselig  und  jaspisartig  geworden  und  verschiedenartig  gefärbt. 
Nun  diese  Veränderungen,  wohl  nicht  allein  eine  Folge  der  chemischen 
Metamorphose    der   Serpentine,    könnten   doch   auch    von    Kohlen- 
säure und  Kiesel  enthaltenden  thermalen  Mineralwässern  herstammen, 
welche  nach  den  Eruptionen  der  Serpentine  zu  diesen  Umwandlungen, 

1)   Siehe   Danioiir   Bull.    Soc.  geol.    de  Fr.    1862.   B.  29,   S.  413  u.   n.  Jahrb.  f.  Min. 
1863,  S.  Oo. 


über  die  Bolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  etc.  47 

SO  wie  auch  wahrscheinlich  theilweise  wenigstens  zu  derjenigen  der 
Ur-Felsart  der  Serpentine  Anhiß  gaben.  Die  rüthlichen,  gelblichen  und 
grünen  Farben  dieser  groben  Jaspis-Abarten  stammen  von  Eisentheil- 
ehen desselben  Ursprunges  ab. 

Unter  der  Reihe  der  kalkigen  Gebirgsarten  ist  die  dolo- 
mitische Umwandlung  die  großartigste,  was  wir  im  Kleinen 
kennen,  bewährt  sich  im  großen  Maßstabe.  Auf  diese  Weise  ent- 
standen und  entstehen  noch  jetzt  nicht  nur  reine  Dolomite,  sondern 
auch  die  unreinen,  wohlbekannt  als  grauer  Aschlager  und  die  mag- 
nesiahaltigen ,  zelligen,  mehr  oder  weniger  krystallinischen  Raueh- 
wacken.  Die  riclitige  Theorie  scheint  uns  diejenige,  welche  dazu  die 
Hilfe  des  Mineralwassers  oder  nur  die  des  mit  Kohlensäure  geschwän- 
gerten Wassers  (Rischof)  annimmt.  Wenn  nun  diese  Wässer 
kohlensaure  Magnesia  enthalten  mögen  i),  so  ist  damit  nicht  gesagt, 
daß  in  altern  geologischen  Zeiten  Dolomite  auch  durch  schwefelsaure 
Magnesia-Reaction  und  unter  einer  höheren  Temperatur  2)  oder  selbst 
durch  Chlormagnesias)  oder  durch  wasserlose  Chlormagnesia  Dämpfe*) 
sich  vielleicht  haben  bilden  können.  Cordier  und  Leymerie 
erklären  sich  die  Bildung  der  Dolomite  durch  eine  Reaction  von  Kohlen- 
säure der  natronhaltigen  Thermalwässer  auf  dem  Chlorcalcium  des 


1)  Coquand,  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1841.  B.  12,  S.  343.  1849.  B.  6,  S.  322.  Jackson, 
Amer.  J.  of  Sc.  1843.  B.  43,  S.  140.  Nauck,  Pogg.  Ann.  1848.  B.  75,  S.  129. 
Brüder  Rogers,  Amer.  Assoc.  1848.  Amer.  J.  of  Sc.  B.  6,  S.  396.  Benj.  Silli- 
man,  Amer.  Assoc.  1848.  Amer.  J.  of  Sc.  1848.  B.  6,  S.  401.  Forchhammer, 
Danske  Videnskab.  Selsk.  Forh.  1849.  S.  83.  ßrit.  Assoc.  1849.  Erdm.  J.  f.  prakt. 
Chera.  1830.  B.  49,  S.  32.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1832.  S.  834.  Bibl.  iiniv.  Geneve.  1830 
B.  13,  8.  241.  Scheerer,  Beiträge  zur  Erklärung  der  Dolomitbildung  1863. 
Verh.  k.  Leop.  Carol.  Ak.  B.  32,  Th.  1.  Boue',  Akad.  Sitzb.  1834.  B.  12,  S.  422 
u.  431.  1839.  B.  37,  S.  364.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1866.  S.  374.  Thermalwässpr. 
Dana  Amer.  J.  of  Sc.  1843.  B.  43,  S.  120.    1844.  B.  47,  S.  133. 

2)  Haidinger,  Trans,  roy.  Soc.  Edinb.  1827.  Collegno,  Bull.  Soc.  geol.  Fr. 
1834.  B.  6,  S.  110.  Sartorius,  Pogg.  Ann.  1833.  B.  94,  S.  133.  N.  Jahrb.  f. 
Min.  1833.  S.  737. 

3)  Virlet,  C.  R.  Ac.  Sc.  P.  1835.  B.  1.  S.  271.  Alph.  Favre  u.  Marignac  dito 
1849.  B.  28,  S.  364.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1849.  S.  742.  Edinb.  n.  phil.  J.  1849.  B.  47, 
S.  86.    Bibl.  univ.  Gene've  1849.  B.  10,  S.  194. 

*)  Frapoli:,  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1S47.  N.  F.  B-4,  S.  831.  Pogg.  Ann.  1846.  B.  69, 
S.  301.  Durocher,  C.  R.  Ac.  d.  Sc.  P.  1831.  B.  33,  S.  64.  Phil.  Mag.  1851. 
N.  F.  B.  2,  S.  304.  Bibl.  univ.  Geneve  1851.  N.  F.  B.  18,  S.  343.  Sainte  Ciaire 
Deville,  C.  R.  Ac.  d.  Sc.  P.  1838.  B.  47,  S.  89,  91. 


4ö  Boue. 

Meenvassers,  welches  in  den  Urzeiten  dann  nicht  so  viel  Chlornatrium 
enthalten  hätte  *).  (Siehe  für  die  künstlicli  erzeugten  Dolomite.  Sitzh. 
1864.  B.  51,  S.  66.) 

Die  Rauchwacken  ~)  sind  meistens  in  der  Nachbarschaft 
oder  in  Begleitung  von  Gyps.  Doch  dieses  in  geologischen  Zeiten 
durch  die  Einwirkung  von  Schwefel  Wasserstoff  s)  oder  selbst  von 
Scliwefelsäuredänipl'en  *)  auf  dichten  oder  kürtiigen  Kalkstein  gebil- 
det, ist  ein  cher]iisches  Product,  welches  heut  zu  Tage  nur  im  kleinen 
und  kleinsten  Maßstabe  vorkommt.  Braun  erzählt  von  in  Gyps 
umformten  Muschelkalk  durch  Infdtration  schwefelsauren  Natron  ent- 
haltender Wässer  (N.  Jahrb.  f.  Min.   1844.  S.  39). 

In  Solfataren  bilden  sich  auf  diese  Weise  Selenitkrystalle  oder 
oder  selten  durch  die  Zersetzung  von  Eisenkies  in  verschiedenen 
Kalkfelsen  und  Gesteinen  verschiedenen  Alters,  kleine  Partien  von 
dichtem  Gypse  (Ells,  Mähren)  s).  Ein  sehr  ähnlicher  Process  ist  die 
Verwandlung  des  Kalksteins  in  Gyps  neben  der  Kupfermasse  zu 
Agordo  (L.  Pasini  Atti  della  3  Riunione  di  Sc.  ital.  Firenze  1841. 
S.  186).  Die  selenite  Krystallbildung  der  künstlichen  Wasserkam- 
mer im  Salzgebirge  der  Alpen  oder  in  Bergwerk-Stollen  derselben 
Gattung  von  Gebirgen  oder  in  jenen  reich  an  Schwefeleisen,  sind 
bekannte  Thatsachen.  In  den  sogenannten  Soffioni  oder  Bor  enthalten- 
den   Wärmewasser -Ausdünstuuffen    in    Italien    bemerkt    man    die 


<)  T.  Sterry  Hunt  Report,  geol.  Survey  of  Canada  18ö7,  18Ö8.  Amer.  .T.  of  Sc.  18"j7. 
N.  F.  B.  26,  S.  109.  1839.  B.  28,  S.  .360.  Phil.  Maj?.  1858.  B.  6,  S.  379.  1839. 
N.  F.  B.  18,  S.  153.  Quart.  J.  geol.  Soc.  L.  1860.  B.  16,  S.  133.  C.  R.  Ac.  de  Sc. 
P.  1862.  B.  34,  S.  1193.  Cordier  dito  B.  34,  S.  294.  Leyuierie,  Elements  de 
Min.  et  de  Ge'ologie  1861.  Mem.  Ac.  de  Toulouse  1864. 

2)  Für  ihre  Bildung.  Siehe  Cotta.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1848.  S.  134.  T.  St.  Hunt.  Amer. 
J.  of  Sc.  1837.  B.  24,  S.  272  u.  Bihl.  »niv.  Geneve  1837.  4.  F.  B.  36,  S.  268. 
Cnmbel,  Zeitschr.  deutseh.  geol.  Ges.  1866.  B.  18,  S.  391. 

3)  Bischof,  Schweig-g-.  J.  f.  Chem.  1832.  B.  66,  S.  147.  Coquand,  BuH.  Soc.  geol. 
Fr.  1840.  B.  11,  S.  386.  1841.  B.  12,  S.  343.  1848.  B.  6,  S.  116.  Despines, 
Aix  in  Savoyen.  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1844.  N.  F.  B.  1,  S.  741.  .Marchison,  dito, 
Edinb.  n.  phil.  J.  1830.  B.  30,  S.  21.  Wang-enheim  v.  Qualen,  Corresp.  Blatt. 
Naturh.  Ver.  Riga  1838.  S.  83.  Delesse  fC.  R.  Ac.  de  Sc.  P.  1862.  B.  32,  S.912.) 

*)  Boue,  Essai  sur  l'Ecosse  1820.  S.  413.  Tasch.  f.  Min.  1823,  S.  277.  Voltz, 
Jahrb.  f.  Min.  1831.  H.  2.  Elie  de  Beaumont.  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1841.  B.  12, 
S.  347.  Cotta,  Geologie  1846.  S.  130.  Boisse,  Ann.  d.  Min.  1843.  B.  8,  S.  31. 
Hunt.  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1833.  B.  12,  S.  1306. 

5)    Diday,   Ann.  d.  .Min.  1847.  B.  11,  S.  409. 


ÜbiT  die  Rolle  der  VerändtTiiiig^eii  des  iinoryanisclieii  (•'esten  ete.  49 

Bildung  nicht  nur  von  vielem  kohlensauren  Kalk,  aher  auch  von  dich- 
tem so  wie  krystallisirlem  Gyps  und  sch\vefelsaurem  Natron  (Ilaiiiil- 
ton  Quart.  J.  oC  Geol.  Soe.  L.  1845.  B.  1,  S.  297). 

Herr  Webster  heobachlete  2  Fuß  dicke  Lager  von  Salz  und 
Gyps  auf  den  Küsten  der  Insel  Ascension,  dessen  Ursprung  er  in  den 
Wellenbewegungen  des  Meeres  einzig  zu  finden  glaubt  (Voy.  of  the 
Chanticleer.  1855.  B.  2,  S.  319)  i). 

Hierund  da  verbinden  sieh  die  Kai  kst  ein -Trümmer  zu 
mehr  oder  weniger  festen  Breccien  vermittelst  der  auflösenden  Kraft 
der  Kohlensäure,  welche  dann  eine  Art  von  Kilt  verursacht.  Dasselbe 
geschieht  mit  den  Kreide-Trümmern,  welche  oft  dann  das  Auge 
täuschen  künnem  (W.  Whitaker  Phil.  Mag.  1861.  4.  F.  B.  22, 
S.  325.) 

Eine  eigenthümlich  kleine  Bildung  ist  die  Verhärtung  des 
Kalksteinschleim,  wenn  dazu  geeignete  Oertlichkeit  wie  Pfützen, 
kleine  Becken  oder  große  Felsenlöcher  sich  finden.  Es  bildet  sich 
auf  der  Oberfläche  der  Kalkfelsen  mehr  oder  weniger  nach  der  Kalk- 
stein-Gattung ein  weißgrauer  oder  röthlicher  Schlamm,  welcher  von 
dem  Begenwasser  weggespült,  dann  hie  und  da  zu  einer  sehr  un- 
reinen Kreide  Anlaß  gibt,  wie  man  es  z.  B.  zwischen  Hallein  und 
Berchtolsgaden  u.  s.w.  beobachtet.  Es  ist  derselbe  Schlamm,  welcher 
in  Knochen,   Höhlen  und  Spalten-Breccien  noch    unreiner  erscheint. 

Ob  die  sogenannten  verrottenen  Kalkstein -Partien,  die  Bot- 
tenstone  der  Engländer,  von  einfacher  und  noch  jetzt  sich  fort" 
setzender  Verwitterung  herrühren,  möchte  ich  fast  glauben,  da 
dazu  nur  die  Kohlensäure  nothwendig  war.  (Siehe  V.  Martin  Mem. 
Manchester  Lit.  a.  pliilos.  Soc.  1813.  N.  F.  B.   2,  S.   313.) 

Es  scheint,  daß  das  sal p ete r saure  Natron  mit  wasser- 
losen schwefelsauren  Natron  und  Glauberit  auf  der  Pampa  de 
Tamarugalia  zu  Tarapaca  in  Peru  und  zu  Iquique  in  Chili  sich  nicht 
mehr  bilden  s),  aber  das  Gegentheil  findet  für   folgende  Salze  statt. 


1)  Math,  dd^  Dombasle,  Cause  du  voisinage  du  sulfate  de  chaux  et  du  sei.  Ann.  des 
mines  1821.  B.  6,  S.  149  — 1Ö9. 

2)  Mariano  de  Rivero,  Ann.  de  Chim.  et  Phys.  1821.  B.  18.  S.  442,  Quart.  J.  of 
Sc.  L.  1822.  B.  11,  S.  436.  Edinb.  n.  phil.  J.  1841.  B.  31,  S.  431.  Ch.  Darwin, 
Travels  of  nat.  bist.  u.  s.  w.  1839.  Deutsch.  Übers.  B.  2,  S.  133.  N.  Jahrb.  f.  Min. 
1843.  S.  366.  John  H.  Blake,  Amer.  J.  of  Sc.  184S.  B.  44,  S.  1.  L'Institut  1843. 
S.  120.  Boue',  Mem.  Soc.  geol.   Fr.    1848.   B.  3.  Th.  1,   S.  166.   Will.  Bollaert, 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  LVll.  Bd.  1.  Abth.  4 


50  Boüe. 

namentlich  das  K ü c h e n s a I z  auf  gewissen  Wüsten  i),  der  Salpe- 
ter (siehe  Bibliographie  dazu  am  Ende  dieser  Abh.) ,  der  Nitro- 
calcit  des  Herrn  Shopard,  das  kohlensaure  Natron  2),  der 
Borax  s),  der  AI  aun  (Budoshegy,  Tolfa  u.  s.  w.)  *),  das  schwe- 
felsaure Eisen,  (Dr.  H.  Lovetz.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1863. 
S.  665,  668),  die  schwefelsaure  Magnesia  ^),  der  koh- 
len-«), (Salmiak  in  Vulcanen)  chlor-  und  salpetersaure 
Am  moniak  (nach  Schönbein).  Doch  gehören  außer  den  sechs 
erstem  Salzen  alle  andern  sammt  dem  Nitrocalcit  zu  denjenigen,  welche 


J.  roy.  geogr.  Soc.  L.  1831.  B.  21,  vS.  99.  N.  Jalirl..  f.  Min.  ISüS.  S.  6.  Hilliger 
u.  Hugo  Reck,   Berg-  u.  Hütteimi    Zeit  1803.  S.  229. 

1)  Lavoisier,  Chlorsäure  Bildung  in  bewolinten  Orten.  S.  Chemie.  B.  1,  S.  253. 
Piilrin,  .1.  tie  Pliysiq.  1800.  B.  ."jO,  S.  248.  IVA  u  b  u  is  s  o  n\s  üeognosie  1834.  B.  2, 
S.  485.  Rn  SS  egger,  Karsten's  ii.  Archiv  f.  Min.  1841.  B.  16,  S.  380.  Bec- 
querel,  Erklärung  dui-eh  das  Aufsteigen  des  Wassers  vermittelst  der  Capillarität 
im  Wüstensand,  wo  es  Salz  auflösl,  (Traite  de  Phys.  1844.  B.  2,  S.  249.)  Hom- 
maire  de  Hell.  Voy.  pittorcs«).  liist.  et  scienl.  dans  la  Steppe  de  la  Riissie  nierid. 
1841.   u.  s.  w. 

2)  N.   Bergmann.  J.  1798.   B.  2,   S.    171-  179.    L.   Palcani.   Mem.   Soe.   ital.    1797. 

B.  8,  S.  77.  Expedit.  Scientifiq.  d'Egypte  1809.  2.  Aufl.  1821.  Humboldt,  .1.  des 
min.  1811.  B.  29,  S.  106.  Beudant,  Voy.  en  Hongrie  1822.  Berghaus,  Ann. 
1834.  2.  F.  B.  10,  S.  373.  Bischofs  Geolog.  Leonhard's  Tasch.  d.  Fr.  d. 
Geologie  1846.  S.  37.  Hunt,  Americ.  J.  of  Sc.  1865.  N.  F.  B.  39,  S.  182. 

3)  WiH.  Blanc  im  Thibet.  Lond.  phil.  Trans,  f.  1787.  P.  2,  S.  297.  Pater  F.  Jos.  de 
Rovato  (dito  S.  301  u.  471),  Forster  dito  (S  pr  en^gel's  Beitrag  z.  Volk.  u. 
Landesk.  1788.   B.   9   u.  Voigts   Mag.   f.   Phys.  u.  s.  w.    1794.    B.  6,  H.  3,   S.  39), 

C.  G.  Hillinger  zu  Tarapaca  Peru.  (Annuario  nacional  de  Peru  f  1860.  Lima 
1860.  S.  191.)  Hugo  Reck  dito.  (Berg-  u.  Hüttenm.  Zeit.  1863.  S.  229). 

*)  Müller,  Zeitschr.  deutsch,  geol.  Ges.  1854.  B.  6,  S.  707.  Will.  Keene  (Delesse, 
Revue  d.  Geologie  f.  1861,  S.  123). 

5)  Proust,  in  Andalusien  (I.  de  Phys.  1788.  B.  32,  S.  246).  Dr.  Mohr,  Pseudo- 
vulcane.  (Auu.  d.  Chem.  u.  Pharm.  1840,  B.  35,  S.  239).  Ramon  de  la  Sagra,  in 
Spanien.  (Erdm.  J.  f.  prakt.  Chem.  1856.  B.  66,  S.  236).  Saemann  u.  Guyar- 
det,  Exp.  sur  la  format.  de  sulfate  de  Magnes.  aus  eiivirons  de  St.  Jean  de 
Maurienne,  Savoie  1862.  8. 

••)  In  Vulcanen  u.  Pseudovulcanen.  Ann.  of  phil.  1813.  B.  5,  S.  464,  in  Vulcanen 
(Edinb.  n.  phil.  J.  1826.  B.  1,  S.  193).  Chr.  Kapp,  Dufweiler  Pseudovulcan. 
(N.  Jahrb.  f.  Min.  1836,  S.  201.)  R.  Bunsen,  in  Islandischen  Laven.  Ann.  der 
Chem.  u.  Pharm.  1847.  B.  62,  H.  1,  gegen  Sartorius.  (Island  S.  116.)  Ann.  de 
Chem.  1848.  B.  65,  S.  72.  Phil.  Mag.  1858.  4.  F.  B.  16,  S.  368.  Bischof 
(Geologie  1847.  B.  2,  S.  113  u.  119.)  Ranieri,  für  Bunsen's  Meinung.  (Liebigs 
Ann.  d.  Chem.  1837.  B.  104  Phil.  Mag.  1838  4.  F.  B.  HS.  S.  369.)  Napoli,  am 
Vesuv.  (Rendiconto  dell  Accad.  di  Sc.  di  Napoli  1862  fasc.  7  —  8.) 


über  die  Kolle  der  Verüiidenirif^eii  des  iitiurgauischen  Festen  etc.  [)  [ 

nur  in  der  Natur  in  kleinem    Quantum  und  selbst  im  kleinsten  Maß- 
stabe vorkommen. 

Es  ist  ein  ähnlicher  Fall  wie  mit  manchen  kleinen  Mineralien 
wie  zum  Beispiel  der  Aluminit,  welcher  scheinbar  den  Platz  von 
Eisenkiesknollen  eingenommen  hat  i),  der  Halloysit  oder  Len- 
ziiiit  (Daubree  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  18o9.  B.  17,  S.  567).  Der 
Vivianit  oder  Eisenphosphat  ^),  der  seltenere  erdige  Phosphorit 
(Marmarosch),  möglichst  auch  die  dichte  Gattung  (Gümbel,  Münch. 
Acad.  1864.  S.  325,  Gir ardin,  C.  R.  Acad.  Sc.  d.  P.  1842.  Oct. 
Malaguti  (dito  1861.  B.  S3,  S.  442).  Sandb erger  N.  Jahrb.  f. 
Min.  1864,  S.  631.  H.  Rose  (in  einer  Eierschale  des  Guano).  Die 
Barytsalze  s),  die  Chlorsäure  der  Vulcane,  der  durch  Subli- 
mation, durch  Schwefelwasserstoff  oder  Verwitterung  des  Blei- 
glanz oder  Eisenkies  gebildeter  Schwefel,  die  Schwefelsäu  re*}, 
die  Borsäure  5),  der  Flusspath  der  Thermalquellen  e) ,  ein 
seltener  Glimmer  ^)    und  ein  Feldspat h  ähnliches  Mineral,  alle 


1)  Schreber,  Litholog.  Hallensis  1759,  Salzb.  medic.  Zeitg.  1792.  B.  t,  S.  334. 
Saussure,  Schere r's  allg.  J.  d.  Chem.  1802.  B.  8,  S.  470.  Keferstein,  durch 
alaunhältige  Wässer  veränderter  Kalkstein.  Tasch.  f.  Min.  1816.  B.  9.  Th.  2,  S.  3ö. 
H.  Müller,   De  tert.  formationis  mineris  alumlnicis.  Berlin  1833.  4. 

2)  P.  P.  Pallas,  Reise  durch  verschied.  Provinz,  d.  russisch.  Reich.  1771.  B.  1, 
S.  34.  Dr.  John,  durch  vegetabilische  Zersetzung  zu  Spandau.  Chem.  Untersuch. 
S.  307.  Tasch.  f.  .Min.  1813,  S.  363.  Ann.  d.  Min.  1816.  B.  1,  S.  444.  A.  T.  Wieg- 
mann, Kastner's  Archiv  f.  Naturl.  1827.  B.  12,  S.  422.  N.  Act.  Ac.  nat.  Cur.  1837. 
B.  18,  S.  XV.  Bertrand  de  Lom,  durch  vulcanisch  verändert.  Apatit.  C.  R.  Ac. 
d.  Sc.  P.  1843.  B.  20,  S.  439.  Seh  lossb  er  ge  r ,  im  thierisch.  Körper,  Würtemb. 
naturw.  Jahresb.  1847.  B.  3,  H.  1,  S.  30.  Liebig's  Ann.  d.  Chem.  u.  Phar.  1849. 
B.  62,  S.  382.  N.  Jahrb.  f.  Min.  1848.  S.  374.  J.  Niki  es,  im  menschl.  Körper. 
Amer.  J.  of  Sc.  1836.  N.  F.  B.  21,  S.  403. 

3)  W.  Haidinger,  Schwerspalh-Krystalle  im  Carlsbader  Wasser,  Jahrb.  k.  k.  geol. 
Reichsanst.  1834.  B  3,  H.  1,  S.  142.  Jahrb.  f.  Min.  1834,  S.  683.  Kuhlraann, 
durch  Steinbruchwasser  gebildet.    C.  R.  Ac.  d.  Sc.  P.  1837.  B.  43,  S.  787. 

*)  Durch  Schwefelwasserstoff  zu  Acqua  Santa.  NachEgidi,  Edinb.  n.  phil.  J.  1829. 
B.  7,  S.  364.  Eaton,  durch  Eisenkieszersetzung.  Americ.  J.  of  Sc.  1829.  B.  33, 
S.  239.  Quart.  J.  of  Sc.  1819.  B.  27,  S.  200. 

5)  Bischofs  Geolog.  1847.  ß.  1,  S.  669.  B  o  u  e,  Mem.  Soc.  geol.  de  Fr.  1848.  B.  3, 
S.  172.   Rob.  Warrington,  Edinb.  n.  phil.  J.  1833.  2.  F.  B.  1,  S.  230. 

6)  Berzelius,  zu  Carlsbad.  Gilberfs  Ann.  1823.  B.  74.  S.  133  u.  138.  Daubree, 
in  ähnlich.  Quellen  zu  Plombieres.  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1839.  B.  13,  S.  368. 

'j  ISauwerk,  Crells  chem.  Ann.  1786.  B.  1,  S.  309—316.  Dr.  Jenzsch,  im 
Melapbyr-Thone.  Pogg.  Ann.  1838.  B.  103,  S.  620. 


J)  2  B  o  II  e. 

beide  letztere   sclieinbai-   in    derselben  Zeit    auf  nassem  Wege   zu 
Stande  gekommen  i). 

In  der  Bildung  nocb  begriffen  ist  der  Guano,  weleher  in 
bedeutenden  Massen  alle  Umwandlungsstufen  der  Vögel-Excremente 
bis  zum  festen Meißlichen  oder  grauen  Felsen  zeigen.  Der S t r u  v i  t  ist 
aucb  eine  ähnlicbe  Bildung  (Amtl.  Ber.  d.  24.  Vers,  deutsch.  Naturf. 
1846.  Th.  8,  S.  2(J4  u.  Min.  S.  51). 

Unter  den  b  r  e  n  n  b  a  r  e  n  M  i  n  e  r  i  a  1  i  e  n  verwittert  wohl  manch- 
mal der  Bernstein  so  wie  aucb  die  schwarze  und  braune 
Kohle  im  kleinen,  das  letztere  geschiebt  meistens  durch  die  Zer- 
setzung des  Schwefelkies.  Nur  gewisse  Gattungen  von  Koblen  zei- 
gen Metamorphosen  im  großen  Maßstabe,  es  sind  dann  die  von  Berg- 
leuten genannten  verrottenen  Kohlenlager,  welche  erdiger 
und  weniger  zusammenhängend  als  die  andern  Gattungen  scheinen. 
Sind  Kohlenlager  abgebrannt,  so  stellen  sich  Asche  und  andere  Pro- 
ducte  der  Verbrennung  ein. 

In  den  Q  u  arzgebil  den  sind  uns  keine  Umwandlungen  im 
Großen  bekannt.  Die  sogenannte  Verwitterung  der  Quarzfelse  ist 
nur  eine  Auflösung  gewisser  Theile  von  den  übrigen  vermittelst 
Sprünge,  worin  Feuchtigkeit  eindringt,  obgleich  im  Kleinen  die 
Feuersteine  und  die  Opale  etwas  der  Art  zeigen,  und  Eis  darin  sich 
im  Winter  ausdehnt.  Auf  diese  Weise  bilden  sich  am  Fuße  der  Quarzit- 
berge  Schuttkegel  wie  bei  den  Kalkbergen,  doch  sind  in  letzterem 
Falle  die  Bruchstücke  vorzüglich  für  den  magnesiahaltigen  Kalk  3- 
bis  6-  und  8-kantige,  indem  ausser  gewisse  grobe  Jaspis  (Bianconi's 
Esc.  geol.  nel  territ.  porrettano  1867.  T.  3)  die  Quarzfragmente  mei- 
stens keine  solche  an  der  Regelmäßigkeit  streifende  Formen  darbieten. 
Der  Configuration  nach  bilden  die  Quarzberge  Reihen  von  spitzi- 
gen Bergen  (NW.  Schottland)  oder  nur  isolirte  breite  Zuckerhüte  oder 
dreieckige  Pyramiden   wie   der  Schiballion  (Schottland)   oder  man 


<)  Söcliting,  Zeitschr.  deutsch,  geol.  Ges.  1858.  B.  11,  S.  147.  Dr.  Jenzsch, 
Saniden-Kryst.  in  verwittert.  Melaphyr-Thone,  Pogg.  Ann.  1838.  B.  105,  S.  618, 
652.  A.  Knop,  im  S.-iudstein  u.  porphyritisclien  Conglomerat,  Beiträge  z.  Keniitn. 
<1.  Steinkohlenf.  u.  s.w.  im  Krzgebirgc  Bassin  18Ö9.  iN.Jalirb.  f.  Min.  1859.  S.  595. 
Volger  dito,  dito  1861.  S.  7.  —  Für  die  Feldspathbildung  im  Allgemeinen.  Siehe 
Dr.  E.  Weiss,  wichtige  optische  Beitrüge  zur  Kenntniß  d.  Feldspathbildung  u. 
Anwendimg  auf  die  Entstehung  von  Quarztrachyt  u.  Quarzporphyr.  Gekrönte 
Schrift.  Harlem  1866.  4.  2.  T.    Zeitschr.  deutsch,  geol.  Ges.  1865.  B.  17,  S.  435. 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  etc.  53 

sieht  vor  sich  mauerälinh'che  Berge  mit  gewölbten  Kuppen  oder 
abgestumpften  Ki'iplen  wie  im  Taunus  und  westlichen  Indostan. 
Diese  Massen  sind  immer  in  einer  Schielerhülle,  welche  durch  die 
leichtere  Verwitterung  eher  als  das  feste  Silicat  versclnvind(  t. 
Manchmal  hat  es  uns  geschienen,  daß  die  isolirten  Quarzherge  nur 
in  sehr  großem  Maßstabe  die  geMÖhnlichen  Nieren  oder  Mandel  des 
quarzigen  Glimmertalk  und  Chloritschiel'er  vorstellen. 

Obgleich  die  Quarzbildung  im  Kleinen  (Quarzkryslall,  Ilyalilh, 
Chalcedone,  Jaspis)  durch  Mineralwässer  oder  überhaupt  auf  nassem 
Wege  fortgehen  kann,  bleibt  die  Bildungstheorie  des  echten  Quarz- 
fels viel  schwerer  als  die  derQuarzite,  welche  letztere  mikroskopisch 
untersucht,  nur  immer  mehr  oder  weniger  dichte  zusanimengepreßle, 
manchmal  verkieselte  oder  verkohlte  Sandsteine  sind.  Für  die  Quarz- 
felsen finden  wir  in  der  Natur  nur  die  Bildung  des  Kieselsinter  durch 
Thermalwässer(  Island,  Californien)  und  diejenigen  des  Trippelsteines 
durch  die  Kieselpanzer  der  Infusorien,  doch  welcher  himmelweiter 
Unterschied  zw  ischen  beiden  Producten. 

In  der  Natur  sehen  wir  den  Quarzfels  im  kleinen  Maßstabe 
Gänge  bilden ,  welche  in  sehr  verschiedenen  Formationen  von  den 
ältesten  bis  zu  den  jüngsten  gefunden  werden.  In  altern  Formationen 
so  wie  in  dem  Kryslallinischen  überhaupt,  tragen  die  Quarzgänge  die 
Bildungsmerkmale  Thermalwässer  oder  thermaler  wässeriger  Dämpfe, 
welche  wie  noch  jetzt  durch  ihren  Natrongehalt  die  Kieselerde  in 
Auflösung  hielten.  Mit  diesen  Silicaten  im  amorphen  Zustande  sind 
Quarz-Krystalle,  Jaspisarten  (Daubree  Bull.  Soc.  geol.  Fr.  1839. 
B.  17,  S.  568),  eben  so  als  verschiedene  Metalle  und  besonders 
geschwefelte,  namentlich  Gold,  Rutil,  Wolfram,  Schwefel,  Molybden 
u.  s.  w.   abgesetzt  worden. 

Herr  Posepny  hat  in  den  goldführenden  Quarzlagern  und 
Gängen  zu  Gyalu  in  Siebenbürgen  Structur-Verhältnisse  gefunden 
und  abgezeichnet  (Verb.  k.  k.  geol,  Reichsanst.  1867,  S.  98), 
welche  lebhaft  an  denjenigen  der  Agathen  erinnern.  Er  glaubt 
darin  eine  großartige  Pseudomorphose  des  Kalkstein  gefunden  zu 
haben,  indem  er  uns  die  Möglichkeit  einer  andern  Erklärung  doch 
nicht  ganz  verschließt,  namentlich  daß  wir  es  da  mit  einer  quarzi- 
gen Gangausfüllung  zu  thun  haben.  Kieselhaltige  Thormalwässer 
hätten  die  Spalten  theÜM  eise  agathmäßig  ausfüllen  und  zugleich  die 
kalkigen  Nebengesteine  etwas  verkieseln  können. 


54  Bon  e. 

Docli  wenn  man  auC  diese  Art  die  Qiiarzbiklung  etwas  begreifen 
kann,  so  ist  diese  Erklärungsart  für  die  großen  Quarzberge  nicbt 
slichbaltig,  man  muß  da  wieder  seine  ZnlUicht  zu  dem  großartigen 
Chemismus  der  uräitesten  Zeit,  namentlich  der  krystallinischen  Schie- 
ferbildung zurückgreifen.  Ob  man  wohl  in  diesem  eigenthiimlichen 
Laboratorium  Ejaculationen  von  sehr  kieselerdereichen  Wässern  an- 
nehmen oder  selbst  solche  von  weicher  teigartiger  Kieselerde  sich 
denken  könnte?  Die  letztere  hätte  sich  auf  diese  Weise  tiiciiweise 
in  den  altern  Schiefern  angehäuft  oder  sie  in  theilweise  von  unten, 
theilweise  von  oben  gefüllten  Gängen  durchsetzt.  Dieser  Meinung 
scheint  die  Thatsache  des  sogenannten  cylinderfürmigen  goldführen- 
den Quarz,  des  amerikanischen  Barrelquarz,  günstig,  das  Gold  hat 
sich  zwischen  den  Rollen  abgesetzt  (Amer.  J.  of  Sc.  1864.  B.  38, 
S.  104).  Aber  gerade  wegen  dem  Umstände  der  mit  Quarz  aus- 
gefüllten Spalten,  möchten  wir  zweifeln,  daß  wie  gewisse  Theo- 
retiker meinen ,  alle  alten  Quarzfelsen  umgeänderte  Sandsteine 
oder  Aggregate  sein.  Wir  ptlichten  der  Meinung  des  verewigten 
Macculloch  gänzlich  bei,  indem  wir  die  Quarzfels-Materie  eben 
so  uralt  als  die  des  Granit  halten,  ohne  darum  zu  zweifeln,  daß  es 
viele  jüngere  Quarz-Gebirgsarten  in  Lagern,  Stöcken  und  Gängen, 
wie  z.  B  im  Silurischen  u.  s.  w.  gibt,  welche  theilweise  metamor- 
phosirte  Sandsteine  ,  theilweise  Thermalwasser-Niederschläge  sein 
werden.  Wenn  der  tertiär  zellige  Mühlstein-Quarz  sich  nicht  mehr 
bildet,  so  ist  es  möglich,  daß  dieses  der  Fall  mit  dem  Schwimmkiesel 
(St.  Ouen  u.  s.  w.)  sein  mag. 

Die  Scbiefersteine  wie  die  Sandsteine  und  Conglomerate 
verwittern  wolil ,  aber  selten  glaubt  man  wirkliche  Umwandlungen 
und  nicht  nur  allein  Zerbröcklungen  zu  gewahren.  In  einem  solchen 
Stadium  findet  man  z.  B.  manche  Schiefer-Partien  auf  den  Seiten 
der  Metallgänge,  wo  Verkieselung,  grüne,  rothe  und  gelbe  Färbungen 
u.  s.  w.  bemerkt  werden.  Dann  gibt  es  Schiefer,  welche  zur  Zer- 
setzung geneigte  Mineralien  oder  Bestandtheile  enthalten.  So  fanden 
wir  z.B.  in  Central-Bosnien,  bei  Egripalanka  und  Samakov  in  Macedonien 
sehr  bedeutende  Massen  von  Glimmer  undThonschiefergebirge  in  einer 
weichen  graubräunlichen  Materie  zersetzt,  so  daß  man  daraus  das  reiche 
Eisenglimm  er  erz  leicht  auswaschen  konnte.  Anderswo  unfern 
der  Granite  fanden  wir  zu  Pouzac  bei  Bagneres  de  Bigorre  in  den 
Pyrenäen  dieselbe   Schieferbildung  gänzlich    in    Thon    verwandelt. 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  etc.  J)5 

ohne  ihre  Schichtung  wie  in  der  Türkei  verloren  zu  haben.  Diese 
letzteren  Schiefer  waren  aber  voll  Co  uzerani  t-Krystallen.  [n 
allen  Fällen  lieferten  und  liefern  noch  die  Sehiefergesteine,  sowohl 
die  altern  als  die  Jüngern  Schieferthone  sammt  den  feldspathisclien 
Felsarten  das  Material  zu  den  Thoneninassen  aus  allen  Zeiten. 

Die  Gneisse  verwittern  auch  und  bilden  ähnliche  weiche 
Felsen,  doch  dieses  ist  nur  eine  Folge  der  Kaolinumwandlung  ihres 
Feldspathes.  Der  Grussand,  die  französische  Arene  des  Granit, 
ist  eine  bekannte Thatsache  (Morven,  Insel  Arran,  Schottl.,  Kirklisse, 
Thracien).  Das  ist  aber  wieder  meistens  nur  eine  mechanische, 
besonders  durch  Wasser-Infiltration  hervorgebrachte  Zersetzung,  die 
Wirkung  des  Atmosphärischen  tritt  später  dazu,  der  Feldspath  wird 
früher  als  der  Glimmer  angegriffen.  Ähnliche  Kohlensäure  ent- 
haltende Wasser-Infiltrationen  bringen  hie  und  da  Zeolithe  (Stilhite 
besonders),  in  Trachyt  eben  sowohl  als  im  drusenreichen  Granit,  wie 
in  Glen  Rosa  in  der  Insel  Arran,  Schottl.  u.  s.  av,  vor.  Der  Sienit  ist 
auch  manchmal  einer  bedeutenden  Zersetzung  ausgesetzt,  wie  es  uns 
Del  esse  in  den  Vogesen  (Ann.  d.  Min.  1848.  4.  F.  B.  13,  S.  668), 
Wittstein  (M.  Jahrb.  f.  Min.  1863,  S.  309),  Bischof  im  Oden- 
wald (Geolog,  ß.  3,  S.  362)  beschrieben.  Zwischen  ßania  und 
Samakov  in  der  Türkei  hatten  wir  auch  Gelegenheit  Sienit-  so  wie 
Granitzersetzung  zu  beobachten. 

Unter  den  Erzen  gibt  es  außer  der  großartigen  Umwandlung 
des  Spatheisenste in  auf  Lagern  oder  Gängen  in  Eisenoxyd- 
Hydrat,  diejenigen  desselben  Erzes  in  Roth  eisen  stein,  die  des 
Brauneisenstein  in  Ankerit,  die  des  Eisenspath  in  was- 
serhaltigen phosphorsauren  Eisenoxyd,  die  Bildung  der 
Oker,  die  Umwandlung  des  Eisenkies  und  Manganoxyd  in 
Hydrate.  Die  ()t itbildung  sieht  man  noch  im  Kleinen  fortgehen. 
Weiter  können  wir  noch  an  den  so  häufigen  Zersetzungen  und  Um- 
wandlungen einiger  gesch  we  fei  I  er  Metalle  wie  Blei,  Zink, 
Eisen,  Kupfer,  Antimon,  Arsenik  und  Mangan  erinnern,  unter  welchen 
das  von  Blende  herstammende  Galmey  einen  wichtigen  Platz 
einnimmt. 

Wie  gewisse  Wässer  Raseneisenstein  bilden,  so  ent- 
stehen durch  kalte  Säuerlinge  noch  jetzt  Eisenhydrate  so  wie 
kohlensaures  Eisenoxydul  und  Manganoxyd.  Schwefel- 
eisen  und   Zink  sind   noch  Producte  unserer  Zeit.   In  den  Schlün- 


!l  6  B  0  u  e. 

den  der  Vulcane  setzen  sieh  nielil  mir  Schwefel,  sondern  durch 
Sublimation  Chloreisen,  Chlormagnesium,  chlorsaures 
Kupfer,  Eisenoxyd,  M  agnetei  sen  oder  Eisenoxydul,  so 
wie  Magnoferrit  (Ra  m  melsberg,  Pogg.  Ann.  1859.  B.  407. 
S.  454)  ab.  Die  von  dem  Innern  der  Erde  auf  der  Erdoberfläche  durch 
plutonische  Kräfte  erschienenen  Metalle  sind  besonders  in  Verbindung 
mit  Schwefelsäure  allein  oder  Arseniksäure.  Alle  andern  metallischen 
Säuren  sind  ein  viel  selteneres  Vorkommen.  Die  Fluor-Kieselsäure 
scheint  eine  ziemlich  bedeutende  Rolle  in  der  Erdball-Genesis  ge- 
spielt zu  haben,  aber  Phosphor,  Bor  und  H  y  d  r  o  c  h  1  o  r -  S  ä  u  r  e 
so  wie  Brom  und  Jod  ziemlich  selten  gewesen  zu  sein. 


Bibliographie  des  Salpeters. 

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Ba  Idassari   Oss.  sul.  sale  della  Creta  Sienna.  1750. 
Kareiberg,   (tlanold),  Salpeters  fortplantning  och  formering  St.  1756.  8.   — 

Gott.  gel.  Anz.   1751.  S.  855.   —  Unterracttelse  von  Salpeters  Imnoga  til 

Wärkning  u.  s.  w.  St.  1737.  8.  —  Gott.  gel.  Anz.  1758.  S.  1382. 
Fabricius  (Phil.  Conr.),    Diss.  de  sale  alcali  fino  minerali.    Be^p.  Schulze. 

Ilelmst.  1756.  4. 
Vogel    (Rud.    Aug.),   Diss.  de  nat.  alcali  minerali <.  Resp.   Riboek.   Götling. 

1763.  4. 


über  die  Rolle  der  Verändcrung-en  des  unorgaiiisclieii  !-'esten  etc.  37 

Woeldicke    (Severin),  Diss.  de  sale  murarlo  Hafn.  1764.  8. 

Cartheuscr   (Fred.  Aug.)  ,    Min.  Abh.  1771.  S.  117.  Beckmann's  Hihi.  1771. 

B.  2,  S.  117. 
Tronson    du   Condray,    Hozier's   Introd.    aux  ohs.  sur  lu  Pliys.  1772.  B.  2, 

S.  147 — 131.  —   Meni.  sur  )a  meillcure  methode  d'extraiie  ef  de  raffiner 

le  Salpelre.  Upsal  u.  P.   1774.  8. 
V.  Roda     (Ernst,    Adam,    Lulh.),    Abli.  üb.  d.   v.  d.  naturf.   Gos.  zu  Danzig 

auTgigel).  Frage  von  d.  l  rsachen  d.  verderbl.  Salpeterfrasstis  an  d.  Mauern 

u.  d.  Mitfein  ihm  vorzubeugen  u.  s.  \v.  I'reissehrift.  Allenburg  1772.  4.  — 

Beckmann's  Bihl.  17  2.  B.  3,  S.  594.  (Schleelit.) 
Beckmann's  Bihl.  177o.  B.  G,  S.  325. 
Mutzer   (Franz),  Diss.  de  genesi  nitri  noslii.   Wien  J775.  4.  — Wasseiberg's 

Opera  minor  medica  fasc.  I.  S.  433. 
Instru  ct.  sur  l'e'tablissement  des  Nitrieres  et  sur  ia  fabrieat.  du  S;tlpetre  etc. 

P.  1777.   4.    —    P.  An  11  (171)4)  8.   196  u.  4  Kupt.   Beckmann's  Bibl. 

1778.  B.  9,  S.  344. 
Berger   (Jean),  Versuche  zu  Helsirgfors.  Vef.  acad.  Handling.  1777.  S.  193. 
Deutsch,  Übers.  Schwed.  akad.  Abb.  1777.  S.  179. 
Pfingsten    (J.    H.) ,    Sammlung,   v.  Nachricht,    u.    Beob.  üb.    d.  Erzeug,  u. 

Verfertig,  d.   Salpeters  v.  Macquer.   d'Arcy,   Lavoisier,   Sage  u.  Baume. 

Dresden  1778.  8.   Beckmann's  Bibl.  1784.  B.  13,  S.  56  ((heilweise  aus  d. 

Mem.  Ac.  roy.   de  Sc.   de  Paris). 
Cornette,  sur  la  formation  du  Salpetie  et  sur  les  moyens  d'augmenter  t-n 

France  la  produefion  de  ce  sei  P.  1778  u.  1779.  Mem.  de  Math,  et  Phjs. 

Ac.  d.  Sc.  F.  f.  1777.   B.  2.   Mem.  S.  1.  Beckmann's    Bibl.  1781.  B.  II, 

S.  420.  Deutsche  Übers,  v.  Pfingsten.  Dresden.   1781.  8.  4.  K. 
DeLorgna,   Mem.  de  Math,  et  Phjs.  Ac.  d.  Sc.  P.  f.  1777.  B.  2,   S.  167. 

Mem.  presentes  a  l'Acad.  1786.    B.   II.    —    Hist.  de   ce  qui  s'est  passe 

relatjvement  aux  prix  proposes  sur  la   formation  du  Salpetre,   dito  Hist. 

S.  1-198. 
Thouvenel,  Brüder,  dito  Mem.  S.  55.  Roziei's  Obs.  sur  la  Pliys.  1786.  B.  29, 

8.  264,  mit  Lametherie's  Bern.  S.  272—275. 
Gavinet  et  Chevrand,  zweiter  Preis  über  diese  Frage,  dito  Mem.  S,  268 

und  327. 
Beunie   (J.  B.  de)  dito  S.  371. 
St.  Omer   (Comte  Thomassin  de)  dito.  S.  399. 
Romme  (dito  S.  421  u.  478). 
Fabrication   (dito  S.  633). 
Weber   (J.  A.),    Vollst,  theoret.  u.  pract.  Abh.  v.  d.  Salpeter  «.  d.  Zeugung 

desselben  u.  s.  w.  Tübing  1779.  8. 
P  i  e  t  s  c  h  (J.  G.).  Abh.  v.  Erzeugung  des  Salpeters.  Preisabh.  Berl.  Ak.  B.  1780. 4. 
Saluces    (Comte  de),  Essais  sur  le  Salpetre  artifioiel  Turin  1782.  Deutsche 

Üb.  Crell's  Chem.  Entdeck.  1784.  B.  8,  S.  6. 
Becker    (Job.  Phil.),   Entdeckte  Salpetersäure  in  d.  animalisch.  Ausleerung, 

nebst  einer  Abh.  v.  Salpeter.  Dessau  1783.  8.  Supplement  D.  1784.  8, 


58  B  o  u  e. 

Reuss     (Christ.   FiIimI.),    Beob.,    Versuche  u.    Krfiihning   üh.    den  Salpeter. 

vorlheilhaft.  Verfertignngsarten  u.  s.  w.  Tuhing.  1782.  8.    —  Erste  Fort- 

selzung.  T.  178i>.  8.   —   Zweit.'  Forts.  178(5.  8. 
Massey  (Jam.),    Mem.  lit.  Soc.  of  Manchester  1785.  2.  Ausg.  B.  1,  S   184. 

—  Ileceuil  de  Mem.  et  des  pieces  sur  la  Format,  et  ia  f;ibricat.  du  Salpetre 

(^Tiiouvenel  damalig.  Pulver-Conimissiir).    F.  1786.  4.  —   Mein,  de  Math. 

et  Phys.  presentees  ä  l'Ac.  d.  Sc.  de  P.  1786.  B.  1 1. 
Fiedler    (Karl  Wilh.),    Griindl.  Anweisung  z.  vortheilhaft.   Salpeter- Kr/eu- 

gung  u.  s.  w.  Cassel  1786.  8.  —  Beekmann's  Bibl.  1787.  B.  14.  S.  2S3. 
Koenig    (F.    W.),    Teehnol.    Beitrag  z.   Kcnnln.    d.  Salpeterfrasses  an  dem 

Gemäuer  u.  laufenden  Schwanimes  an  dem  Holzwerke  d.  Gebäude.  Tüb. 

1788.  8.  Taf. 
Bullion    (de),    Mem.  sur  les  Moyens  d'obtenir  le  nitre  ou  salpetre  de  terros, 

de   le    purifier   u.    s.    w.    (Mem.    d' agricuiture  P.  1791.    Winter.  S.  38). 

Instruet.  sur  l'etablissement  des  Nitrieres  et  sur  la  fabricat.  du  salpetre. 

I'.  1794.  8.    -   L' Art  d.  fabriquer  le  Salin  et  la  Potasse  u.  s.  w.  P.  1794. 

4.  —  (J.  d.  Phys.  1794.  ß.  44,  S.  321  -323). 

Lax  mann  Vom  Salpeter.  St.  Petersb.  179S.  8.  -  Moll's  Jahrb.  f.  B.  u.  H. 
179§.  B.  2.  S.  298.  Chaptal's  Traite  sur  le  Salpetre.  P.  1796.  8. 

Humboldt   (Alex.  von).    (Gilbert's  Ann.  1799.  B.  1,  S.  313.) 

Saussure  (Theod.),  Schwefelsaure  Thonerde  wird  an  der  Luft  ein  Ammo- 
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Ptiys.  1809.  B.  69,  S.  107—113).  —  Salpetersäure  und  salpetersaure 
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thierischer  Materien  gebildet.    Molfs    N.  Jahrb.  d.  B.  u.  H.  1845.  B.  3, 

5.  128,  Ann.  d.  Ch.  et  Phys.  1818.  B.  9,  S.  200,  Karsten's  Archiv  f. 
Bergb.  1820.  ß.  3,  S  220.  Ann.  d.  Ch.  u.  Phys.  1823.  B.  24,  S.  411. 
Saucrstolf  u.  Stiekstdfl'  in  Berührung  mit  porösem  Kalk  sammt  Feuchtigkeit. 
1826.  B.  33,  S.  0.  Ann.  d.  Min.  1827.  2.  F.  ß.  1,  S.  127.  Edinb.  n.  phil. 
J.  1827.  B.  1,  S.  193.  Edinb.  J.  of  Sc.  1827.  B.  6,  S.  350.  —  Annahme 
dieser  Theorie  durch  T.  Graham.  Phil.  Mag.  1827.  N.  F.  B.  1,  S.  172— 
ISO  u.  durch  Braconnot  (Ann.  d.  Ch.  u.  Phys.  1827.  B.  35,  S.  260.  Pogg. 
Ann.  1827.  B.  10,  S.  506  u.  Quart.  J.  of  Sc.  L.  1828.  B.  24,  S.  205)  und 
nicht  Annahme  durch  Gay  Lussac  Ann.  de  Ch.  et  Phys.  1827.  B.  34,  S.  86. 
Lotigchamp's  Antwort  (dito  S.  213).  Iloehmütliiger  Acad.  Bericht  mil 
einigen  Personalitäten.  Ac.  d.  Sc.  d.  P.  4.  Aug.  1828.  Übers.  Phil.  Mag. 
u.  Ann.  of  phil.  1829.  B.  6,  S.  139  —  und  doch  wieder  Longchamp  C.  R. 
Ac.  d.  Sc.  1».  1856.  ß.  2,  S.  475. 

Pulli  (Pielro)  Trattato  teorico  practico  sulla   raccolta  del  Nitro.  Napoli  1813. 

2.  ß.  8.  ßibl.  ital.  1818.  B.  10,  S.  364. 
Gehlen    (A.  F.) ,    Kassl.  Anleit.  z.  d.  Erzeugung  u.  Gewinnung  d.  Salpeters 

(K.  baier.  Regierung).   Nürnberg  1813  u.  1815.  8. 


Chei-  die  Rolle  der  Veräiideiimgeii  des  unorg:anischen  Festen  elo.  59 

Kidd  (Dr.  John),  in  Kellern  Lond.  rny,  Soe.  16.  .länn.  1814.  Lond.  pSil.  Trans. 

1814.  Th.  2,  S.  Ö08.  Ann.  of  pl.il.  1814.  B.  4,  S.  68.  1815.    B.  6.  S.   138. 

Phil.  Mag.  1814.  B.  14,  S.  415). 
Becker    (C.  F.),  Theor.  praet.  Aniuit.  z.  künsO.  Krzenfjun*?  u.  Gewinnung  d. 

Salpeters.   Braiinscliw.  1814.  8. 
Hauy    (A.  J.),     Sidpeler- Krystiille    (Ann.    d.  CIk  ni.    et  IMiys.    1820.    B.    14, 

S.  85-96). 
Giovenc    (("7.  W.),    Mem.   della  Soc.  ital.  res.  in  Modena  1820.  B.  18.  fasc.  2. 

S.  254—275.    Ginrn.    encycloped.  di   Napoli  1821.  B.  2.  art  4.  —  Bibl. 

ital.  1822.   r..  25,   S.  303.  Giorn.  areadico  Borna  l:isc.  34,  Zeifschr.  f.  Min. 

1825.  Febr.  S.  168. 
Fontenelle     (Julia),     Ac.  d.  Sc.  F.  29.  Nov.  1823    (J.   d.  Pharniac.   1824. 

Jan.   N.    14.   Schweig.   J.   d.    Ch.    u.  Phys.    1825.    B.   43,    S.   233  -237. 

Addenda  durch  Schweigger.  S.  238—241). 
Lieb  ig    (Ann.  d.  Ch.  u.  Phys.  1827.  B.  3.^,  S.  329,  Ann.  d.  Min.  1828.  2.  F. 

ß.  3,    S.  130).    Die  organisciie  Clieni.  in  ihrer  Anwend.  a.  Agricult.    Br. 

1840.  S.  253.  Agricult.  Chen.ie  1842.  S.  56  u.  263. 
Fournet    (I/Institut  1833.  14.  Dec.  S.  258,  Bull.  Soc.  geol.  Fr.    1834.  B   5, 

S.  177). 
Kühl  mann     (Fr.),    auf  Mauern    (Ann.   d.   Chem.   u.   Pharm.    1841.    B.  38, 

S.  42—53).    Echo  du  monde  savant  1841.   B.  1 ,    S.  209,  569,  579,  585, 

594,  611. 
Boussingault  Ammoniak  schon  in  der  Luft  bei  der  ersten  Erscheinung  des 

Organischen  auf  der  Erde  (Economie  agriiole  1843  u.  1855.   Üeulsche  Üb. 

B.  2,  S.  461.  J.  f.  prakt.  Chem.  1S34.  B.  3.  S.  160)  durch  G.  Bischof  als 

falsch  erklärt  (s.  Geolog.  1846.  B.  1  ,  S.  634). 
Pagenstecher,    Bildung  im  Sandstein  (Mitth.  d.  naturf.  Ges.  in  Bern  1845. 

S.  101—105). 
Dumas    Kuhlmann's  Theorie   verificirt,   mit  Ammoniak   fjesehwäiigcrte   nasse 

Luft  gegen  durch  flüssige  Potasche  naß  gem:ichte  Kreid.-,  Erhöhung  der 

Temperatur  auf  100    und  Wassers toffgas  sammt  Salpeter  bilden  sich.   — 

(C.  B.  Ac.  d.  S.  P.  1846.  30.  Nov.  B.  23.  Bibl.  univ.  Geneve  Archiv.  1846. 

B.3,  S.405.  LTnstitut  1846.  N.674,  Araer.  J.  ofSc.  1847.  N.  F.  B.3,  S.261.) 
Schönlein,   (C.  T.),  Spontane  Nilrificat.  Roy.  Soc.  L.  1846.  12.  Ft-b.  (Lond. 

phil.  Trans.  1846.  Th.  2.  art.  7,  Phil.  Mag.  1846.  3.  F.  B.  29,  S.  45,  47. 

Pogg.  Ann.  1846.  B.  67,   S.  211-217,   Bibl.  univ.  Geneve  Archiv.  1846. 

B.  I,  S.  311.    1861.  N.  S.  B.  12,  S.  382-391,   Bericht  d.  Verh.  naturf. 

Ges.  Basel  1851.  B.  9,  S.  22,  Verh.  u.  s.  vv.  1861.  B.  3,  S.  117—208). 
Bischof    (Gust.),    (Edinb.  n.  phil.  J.  1844.   B.  37,  S.  52).    Salpetersäure 

durch  eleklr.  Funken  in  der  Luft  erzeugt,    (s.  Ch.  Phys.  Geologie  1847. 

B.  2.  S.  123). 
Beichenbach,  (R.  v.),  (Jahrb.  k.  k.  geol.  Beichsanst.  1850.  B.  I,  S.  316). 
Eilet,  (Edinb.  n.  phil.  J.  1854.  B.  57,  S.  367). 
Schönbein,    Phil.    Mag.   1856.    4.   R.    B.  12,  S.   457,   Bibl.   univ.   Geneve, 

Archiv.  1856.  4.  F.  B.  33,  S.  346. 


00  Boue. 

Hayes    (Ä.    A.)    u.  Rogers  (W.  B.),  in  Hohlen  (Proc.  Bost.  Soc.  nat.  liisf. 

1856.  B.  5,  S.  333). 
T  utile,  durch  Kupfer- Vermittlung  (Ann.  d.  Chem.  u.  Pharm.  lSr>7.    B.  100, 

S.  283). 
Desmarest  C.  R.  Ac.  de  Sc.  P.  1836.  B.  43,  S.  89,  316-318.  N.  Jahrb.  f. 

Min.  1858.  S.  688. 
Bou  s  singau  it,    tliierisclio  Materie  notlnvendig.    CR.  Ae.   de  Sc.   P.  1857. 

B.  44.  S.  108—118.  Pelouze's  Bern.   S.  119.  Antwort.    S.  119.    Vailiant's 

Bestät.  für  das  südl.  Russl.  S.  119. 
Kühl  mann     (Fried.),    Rolle   des  Eisenoxyds    (C.    R.    Ac.   d.   Sc.    P.   1859. 

B.  49,  S.  257,  428  u.  9G8). 
Thenard    (P.)  (dito  S.  289— 292). 
Mangon    (Herve),    gegen   Kuhlman    u.  Thenard    (dito.   S.  315 — 317,  gegen 

Milien  1861.  B.  51,  S.  598). 
Milien    (E.),  (dito.  1860.  B.  51,  S.  548—552.  Phil.  Mag.  1860.  4.  F.  B.  20. 

S.  516). 
Antwort  an  Mongon  (C.  R.  Ac.  de  Sc.   P.  1860.   B.  51,   S.  819). 
Peligot   (C.  R.  Ae.  d.  Sc.  P.  1860.  B.  51,  S.  552.). 
Houzeau    Nitrificat.    des  Ammoniak    unter   niedrig.  Temperat,  gegen  Millon 

(dito  S.  764). 
Craig,    (Dr.    B.    F.),    (Ann.    Rep.    Board    of   Regenfs   of  Sniithson.   Instif. 

1861.  art.  11). 
Goppelsroeder    (Dr.   Fried.),    (Verh.  naiurf.  Ges.  zu  Basel  1863.    B.  3, 

S.  255—268.  Pogg.  Ann.  1862.  B.  115,  S.  125-137). 
Luna   (Torros  Munos   de),   Dieselbe  Theorie   als  Millon's  Ahli.,   welche  in  d. 

Ak.   d.   Wiss.  den   Accessit-Preis    im  ,1.   1862  gewann  (Mem.   Acad.  de 

Sciencias  de  Madrid  1864). 
Hunt  (T.  Sterry).  (C.  R.  Ac.  de  Sc.  P.  1862.  B.  55,  S.  400.  Phil.  Mag.  18(i3. 

4.  F.  B.  25,  p.  27,29,  Amer.  J.  of  Sc.  1863.  N.  F.  B.  35,  S.  271). 
Bohlig   (E.),    Ammoniak  Nitrit   in  der  Luft  (Ann.  d.  Chem.  u.  Pharm.  1863. 

B.  125,  S.  21—33,  Amer.  J.  of  Sc.  1863.  B.  35,  S.  423). 
Schoenbein  S.  W.  .1.  I.iebig  u.  Nickle's  Theorie  (dito  S.  426). 
Schaeffer    (Ge.  C.) ,    Priorität-Ansprüche  dos  Dr.  Craig  gegen  Hunt's  Theo- 
rie.   (Ann.  Rep.  Smithson.  Instit.  f.   1861.  S.  305.  Amer.  J.  of  Sc.  1863. 

B.  35,  S.  409—411). 
Kuhlmann  (Fred.)   R.  C.  Ac.  d.  Sc.  P.  1846.  P.  24.  Ann.  d.  Ch.  et  Phys. 

1847.  3.  F.  B.  20.  S.  223—238. 
Jones  (H.  Benee)  Ann.  d.  Ch.  et  Phys.  1832.  3.  F.  H.  35.  p.  176—205. 

lu  verschiedenen  Ländern. 

Kefersfein's  Deutschland  1828.  B.  5,  H.  3.  Zeitg.  Nr.  6,  S.  21-22. 
Frankreich.    —    Clou  et    u.   Ant.   Laur.    Lavoisier    in    der   kreidereichen 

Toiirraine  u.  Saiiitonge    (Frankr.).   Mem.  Math,  et  Phys.  Ac.  roy.  Sc.  P. 

1777.  B.  2.  Mem.  S.  503  u.  571. 
Rochefoucauld  (Herzog  von)  (dito.  S.  610). 


über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  etc.  6  I 

Claubry  (Gautier  de).  Kreide  der  Pariser  Becken.  Ann.  Sc  nat.  1832. 
B.  28,  S.  448,  Ann.  d.  Cli.  u.  Phys.  1833.  B.  52,  S.  24,  Ann.  d.  Min. 
1834.  3.  F.  B.  5,  S.  545,  Bull.  Soc.  geol.  de  Fr.  i834.  B.  5,  S.  177, 
Amer.  J.  of  Soc.  1835.  B.  28,  S.  292. 

Auf  Kalkstein  zu  Lormont,  Gironde  (L' Institut  1844.  B.  12,  S.  17G). 

Pedroni  (Sohn),  Kreide  u.  tert.  Kalkst,  der  Gironde  (Act.  Soc.  Linn.  Bor- 
deaux 1845.  B.  13,  S.  167). 

Deutschland.  —  Nacliriclit  von  einem  um  Helmstedt  entdeckten  Salpeterstein 
1732.  (?) 

Ungarn.   —   Torkos  (T.  J.),  Diss.  de  sale  minerali  alcalieo  na'ivn  pMnnonjeo 

Viennae  1763.  Deutsche  Chers.  1766. 
Moser  (Dr.  Ignaz)    (Jahrb.  k.  k.  geol.  Reichsanst.  1850.  ß.  1.  S.  453—472 

N.  Jahrb.  f.  Min.  1854.  S.  216). 
Szabo    (J.)  (dito  H.  2,  S.  324— 342). 
Ragsky    (Dr.  Ign.)  (dito  1851.  B.  2,  H.  2,  S.  166). 
Italien.    —    In  Höhlen  zuMolfetta,  Puglia,  Neapolitan.    (Physika!.  Arbeit,  d. 

einträchtig.  Fr.  zu  Wien  v.  Born  1783.  B.  1.  4.  Viertelj.  S.  74). 
Fortis    (Abbate  Alb.),  Mem.  storicofisico  del  nitro  minerali  di  Molfetta  1787. 

(Opuscoli  Scelti  di  Milano  1787.  B.  10,  S.  145,  1788.  B.  11.  S.  145.) 
Raniondi  (oder  Ramondini)  (V.),  Lettera  relativa  alla  questione  insorta  tra 

A.  Fassano  e  T Abbate  Fortis  intorno  il  nitro   del  Pulo  di  Molfetta  Napoli 

1787. 
Zimmermann,   Voy.  ä  la  nitriere  naturelle  ä  Molfetta  dans  la  terre  de  Bar. 

en  Pouille  Par.  1789.  8.  (Rozier's  J.  d.  Phys.  1790.  B.  36,  S.  109—118.) 

De  la  metherie's  Bem.  S.  117—118. 
Carburi    (Cte    Je.    Bapt.),    Ohne  Pflanzen  u.  thierische  Materie  zu  Molfetta 

(dito  S.  62 — 63).  Von  d'Arcet  u.  Lavoisoir  geleugnet  (dito  S.  63 — 65). 
Klaproth,  Analyse  jenes  Salpeters  (Beiträge  1795.  B.  I,  S.  317.  Rammels- 
-      berg's  Chem.  Min.  1841.  B.  2,  S.  113). 
Tommaselli,  Dialoghi  tre  sopra  Karte  di  fare  il  nitro  u.s.  w.  Verona  1792.  8. 

Spanien.  —  Proust  (Ludw.),  in  Andalusien  u.  um  Madrid.  (Rozier's  J.  de 
Phys.  1788.  R.  32,  S.  246,  Ann.  de  bist.  nat.  Madrid  1799.  B.  1,  H.  2. 
S.  136,  140). 

Fernandez    (Domin.  Garcia)  in  Asturien  (dito  H.  1,  S.  46). 

Townsend  (Jos.),  A  Journey  through  Spain,  1791.  Deutsche  Übers.  B.  1, 
S.  220,  225.  B.  2,  S.  209. 

Podolien.  —  Wolf  (Nathan  Math.),  Ratio  confieiendi  nitrum  in  PodoHa 
(Kreideboden).  (Lond.  phil.  Trans.  1763.  S.  356.) 

Russland.  —  Lowitz   (Tobias),  um  Bigsk  Nov.  Act.  Ae.  Petrop.  1791.  B.  9. 

S.  35). 
Bnghanof  im  Kolyvaner  Gouvernement  u.  besonders  neben  den  Fluß  Kata- 

nove,  150  Weerst.  von  Bigsk  (dito  Hist.  S.  34). 
Bonsdorff  (von),  im  muscbelreichen  Übergangskalk  zu  Reval  (N.  Jahrb.  f. 

Min.  1835.  S.  627). 


QZ        Boue.    Über  die  Rolle  der  Veränderungen  des  unorganischen  Festen  etc. 

Egypten.  —  Lister    (Martin)   (Land.  phil.  Trans.  1685.  S.  836). 
Andreossy,  Beiielit.  I\Iem.  siir  TEgypte  pondant  la  canipagne  de  Bonaparte. 

S.  34-39.  Deutsche  Üb.  S.  29—33. 
Eden,  The  Search  of  the  nitre.  L.  1846. 
Algerien.  —  Mi  Hon   (E.)    (C.  R.  Ac.  d.  Sc.  P.  1860.  B.  51 ,  S.  289  u.  1864. 

B.  59,  S.  232). 
Mesopotamien.  —  Beauchamp  bei  Bassora.  Voy.  de  Bagdad  ä  Bassora  le  long 

de   i'  Euphrate   (Lichtenberg's   Mag.  f.  d.  neuest,  a.  d.  Phys.  1782.  B.  3, 

Th.  2,  S.  133). 
Indien.   -   Lond.  phil.  Trans,  f.  1665.  S.  103. 

Hayne  am  Ganges  (N.  Schrift,  d.  Ges.  Naturf.  Fr.  Berl.  1799.  B.  2,  S.  372). 
Davy    (John),  In  22  Höhlen.  Insel  Ceylon.  Ann.  d.  Ch.  u.  Phys.  1824.  B.  25, 

S.  209— 214.    Ann.  d.  Min.   1825.    B.   10,  S.  109,  Bull.  Soc.  philomat.  P. 

1825.  S.  55,  Zeitschr.  f.  Min.   1826.  B.  1 ,  S.  185.  Schweigg.  J.  d.  Ch   u. 

Phys.  1825.  B.  43,  S.  227). 
Tyticr,  salpetersaure  Luft  zu  Tirhoot  (Ostindien).    Trans,  med.  a.  Phys.  Soc. 

of  Caicutta  1829.  B.  4,  Edinb.  n.  phil.  J.  1832.  B.  10,  S.  177,  Phil.  Mag. 

1831.  B.  9,  S.  151,  Pogg.  Ann.  1831.  B.  23,  S.  160,  Bihl.  univ.  Geneve 

1831.  B.  48,  S.  118. 
Stevenson    (J.),  in    der  Tirrhoote  Gegend  (J.  Asiat.  Soc.  of  Bengal  1833. 

B.  2,  Nr.  1,  S.  2-3). 
Im  Königreich  Oude  kommt  das  meiste  Salpeter  vor,  im  J.  1861   kam  daher  % 

des  im  Handel  vorgekommenen  Salpeters. 
Vereinigte  Staaten  Nordamerika'S.    —    Brown    in    Kalkhöhlen    Kentucky's 

(Trans,   amer.    phil.   Soc.   of  Philad.   1809.    B.  6.    —    Bruce's   Amer. 

Mineralog.    J.  1810.  B.  1,    S.   100,    Amer.   J.    of  Sc.   1818.   B.  1,   H.  2, 

S.  146). 
Schoolcraft  in  Höhlen  auf  dem  Merriniak  u.  zu  Gasconade,  Missouri  (siehe 

Beschreibung  der   Bleibergwerke  daselbst    (Quart.   J.   of   Sc.  L.  182(T. 

B.  9,  S.  194) 
Brasilien.   —   in  Kalk-Höhlen.  Travels  into  Ihe   Inferior  of  Brazil  1813,  oder 

deutsche  Reise  nach  Brasilien  1817  (Ann.  d.  Min.  1817.  B.  2,  S.  233). 
Ecuator.   —  Boussingault    zu  Tacunga   am  Fusse   des  Cofopaxi.  Salpeter- 
säure durch  langsame  Verbrennung  d.  azotisch-organischen  Materien,  sehr 

verschieden  von  derjenigen  durch  die  Luft,  die  Ehktricität  oder  den  Ozon 

f^ewonnenen  (C.  R.  Ac.  d.  Sc.  P.  1804.  B.  59,   S.  218—223). 
Pera.   _  Oombey,  (Rozier's  Obs.  s.  la  Physiq.  1780.  B.  1,  S.  212). 
Chili.    —    Hofstetter,    Zerlegung  (Ann.  d.  Chem.  u.  Pharm.  1843.  B.  45, 

S.  340,  N.  Jahrb.  f.  Min.  1846.  S.  235). 


Verson.   Zur  Insertioiisweise  der  .'Muskclfaserii.  o3 


Zur  Jnsertionsweise  der  Muskelfasern. 
Von  Enrico  Verson. 

(Mit  1   Tafel.) 

Bei  der  fleißigen  Bearbeitung,  deren  sich  die  quergestreiften 
Muskeln  schon  erfreuten,  herrseht  doch  noch  eine  gewisse  V^erwir- 
rung  in  den  Angaben,  welche  verschiedene  Forscher  über  den  Ansatz 
der  Muskelfasern  machen. 

Es  ist  nicht  lange  her,  daß  Salt  er  und  mit  ihm  Huxley  noch 
den  directen  Übergang  der  Zungenmuskeln  des  Frosches  in  Binde- 
gewebsbiindel  schilderten.  Letzterer  stellte  sich  den  Übergang  der 
Muskelfibrillen  in  das  Sehnengewebe  so  vor,  daß  er  die  Fleischlheil- 
chen  als  in  das  Sehnengewebe  eingeschaltete  Körper  ansah,  unge- 
fähr wie  die  Kalkkürnchen  im  Knochen.  An  den  Hautmuskeln  des 
Frosches  und  an  gekochten  Augenmuskeln  von  Säugethieren  wurde 
hingegen  eine  stumpf  zugespitzte  Endigung  der  Muskelfasern  nach- 
gewiesen. (Bruch.  Über  Bindegewebe.  Zeitschrift  f.  wissensch. 
Zoologie,  Bd.  VI,  H.  2.) 

Noch  weiter  ging  Leydig  und  beschrieb  (in  Müller's  Archiv, 
Heft  I,  n,  p.  50)  einen  continuirlichen  Übergang  des  Sarcolemma  in 
die  Sehne,  den  er  bei  Muskeln  von  Arthropoden  ganz  bestimmt 
gesehen  zu  haben  angibt.  „Die  Sehnen"  —  sagt  er  —  „öffnen  sich 
gegen  den  Muskel  hin  zu  cylindrischen  Schläuchen,  welche  die 
Muskelfaser  umhüllen,  und  so  das  Sarcolemma  darstellen";  eine 
Beobachtung,  welche  1864  auch  von  Schrönn  für  dieselbe  Thier- 
classe  bestätiget  wurde.  Ahnlich  spricht  sich  auch  Fick  (Über 
Anheftung  der  Muskelfasern  an  die  Sehnen.  Müller's  Archiv  1856) 
aus;  nur  sollen  nach  demselben,  Fäden  des  zugehörigen  Sehnen- 
bündels sich  noch  in  das  Innere  des  Schlauches  hinein  erstrecken, 
vielleicht  zwischen  die  Fibrillen  der  Primitivfaser  selbst.  Für  den 
Flußkrebs  stellt  Häckel  (Müller's  Archiv,  pag.  469)  eine  solche 
Verbindung  ganz  in  Abrede.  Indem  nach  seinen  Untersuchungen  das 
Sarcolemma  dadurch  entsteht,  daß  die  Membranen  der  Bildungs- 
zellen mit  einander  verwachsen,   soll  das  Bindegewebe  der  Sehnen 


(14  Vers  OD. 

nicht  luil  (lern  eigentlichen  Sarcolemniaschlaiich  in.näliere  Verbindung 
treten,  sondern  nur  mit  dem  Perimysium  interinim  und  externum. 

Wesentliehe  Aufhelhingen  verdanken  wir  den  Untersuchungen 
von  Rollet,  Herzig  und  B  i  e  s  i  a  d  e  c  k  i. 

Während  man  sieh  liis  damals  den  Muskel  als  eine  Längs- 
anlagerung von  gleich  langen  Fasern  dachte,  welche  von  einem  Inser- 
tionspunkte  bis  zum  andern  liefen,  gelang  es  Rollet  (Über  freie 
Enden  quergestreifter  iMuskelfasern  im  Innern  der  Muskeln,  Sitzungs- 
bericht d.  Wiener  Akad.  d.  Wissensch.  Juni  1856)  zuerst  nachzu- 
Aveisen,  daO>  die  einzelnen  Fasern  auch  viel  kürzer  sein  können  als 
die  Entfernnng  der  zwei  Insertionspunkte  beträgt,  und  in  diesem 
Falle  mit  zugespitztem  Ende  frei  auslaufen.  Herzig  und  ßiesia- 
decki  (Sitzungsber.  d.  Wiener  Akad.  d.  Wissensch.  Bd.  XXX.  1858, 
und  Bd.  XXXHI.  1859)  anderntheils  entschieden  durch  die  Unter- 
suchungsweise mit  Glycerin,  daß  die  Muskelfibrillen  selbst  nie  mit  dem 
Sebnengewebe  in  Verbindung  treten,  während  B  i  1 1  r  o  t  h  (M  ü  1 1  e  r's  Ar- 
chiv, 1858,  p.  163)  an  den  quergestreiften  Fasern  der  Froschzunge  Aus- 
läufer und  deren  Zusammenhang  mit  Bindegewebskörpercben  beschreibt. 

A.  Weismann  (Über  die  Verbindung  der  Muskelfasern  mit 
ihren  Anhaltspunkten.  Henle  und  Pfeuffer's  Zeitscbrift,  Bd.  X., 
pag.  126)  nimmt  eine  doppelte  Verbindungsart  zwischen  Muskel- 
fasern und  Sehnengewebe  an:  Verkittung  und  Einhillsung,  u.  z,  finde 
letztere  in  jenen  Fällen  statt,  wo  die  Verlaufsrichtung  der  Sehnen- 
fasern und  des  Muskelprimitivbündels  dieselbe  ist. 

Margö  endlicb  (Denkschriften  der  Wiener  Akad.  Bd.  20, 
Abtb.  2,  pag.  2)  kommt  nach  seinen  Entwicklungsstudien  über  die 
Muskeln  zu  dem  Schlüsse,  daß  das  Sarcolemma  nicht  Zellenmembran 
ist,  sondern  sich  aus  bindegewebigem  Blastem  aufbaut  Für  ihn  ist 
also  das  Sarcolemma  ein  direct  in  die  Sehne  übergebender  Schlauch. 

Bei  histologischen  Studien  des  Kehlkopfes,  die  ich  zu  ande- 
rem Zwecke  ausführe,  hatte  ich  vielfach  Gelegenheit,  Muskeln  zu 
sludiren,  welche  nach  der  gewöhnlichen  Redensart  sich  ohne  Sehne 
direct  in  das  Perichondrium  inseriren;  meines  Wissens  wurden  solche 
noch  nie  berücksichtigt.  Auch  ich  überzeugte  mich  nun  von  der 
abgeschlossenen  Endigung  der  eigentlichen  Muskelfibrille,  deren 
Formen  schon  von  Herzig  und  Biesiadecki  zur  Genüge  beschrie- 
ben wurden.  Ich  fand  aber  gleichzeitig,  daß  beim  Menschen 
der    Sarcolemmasch  lauch  allmähl  ig    sich    verjüngend, 


Zur  In.sertion.swt-i.se  der  Miiskclfiisern.  (J3 

regelmäßig  über  das  Ende  des  F  i  b  r  i  1 1  e  u  p  a  c  k  e  t  e  s  sich 
fortsetzt,  und  endlich  in  einen  Faden  ausgeht,  der 
in  das  Pe  ri  ch  on  d  rinm  eintritt,  und  hier  mit  den  übri- 
gen  Bindegewebsfasern  weiter  verlauft. 

Dieser  Faden  erscheint  in  der  Mebrzalil  der  Fälle  einfach  und 
glatt,  zuweilen  finden  sich  in  seinem  Verlaufe  Kerne  eingestreut. 
Ich  beobachtete  auch  Bindegewebsfäden  zwischen  den  Muskelfasern 
zu  solchen  Sarcolemmascldäuchen  laufen,  welche  das  Perichondrium 
nicht  erreichen;  der  Faden  erweitert  sich  unmittelbar  in  das  Sar- 
colemma. 

Nach  der  angeführten  Beobachtung,  welche  den  directen  Über- 
gang von  Sarcolemma  in  Bindegewebe  auch  für  die  Menschen  dar- 
thut,  wendete  ich  mich  daran  zu  untersuchen,  ob  nicht  zwischen 
den  Sehnen  und  den  Muskeln  von  Säugethieren  ähnliche  Beziehun- 
gen walten,  ich  war  aber  dabei  nicht  so  glücklich  zu  sicheren  Resul- 
taten zu  gelangen. 

Mazerationsmethoden  Hessen  mich  völlig  im  Stiche,  da  ich 
dabei  immer  Veränderungen  zunächst  am  Sarcolemma  beobachtete, 
was  ich  ja  eben  verhüten  wollte.  Halbgediehene  Mazerationen  mit 
nachfolgender  Härtung  behufs  Anfertigung  von  Schnitten,  führten 
mich  eben  so  wenig  zum  Ziele;  ich  beschränkte  mich  daher  auf 
feine  Schnitte  aus  in  Chromsäure  gehärteten  Präparaten.  Was  den 
Unterschied  zwischen  geradem  und  schiefem  Ansätze  der  Muskel- 
fasern betrifft,  so  kam  ich  zu  der  Überzeugung,  daß  keine  prin- 
cipielle  Verschiedenheit  besteht.  Ich  sah  immer  ein  bestimmtes 
Sehnenbündel  zu  einer  zugehörigen  Muskelfaser  treten  (Fick)  und 
deren  Sarcolemma  in  sich  aufnehmend,  eine  Weile  zwischen  den 
Muskelfasern  fortlaufen,  um  sich  allmälig  zu  verlieren,  oder  zuerst 
noch  eine  andere  Faser,  weiche  eben  nicht  ganz  bis  zur  Sehne 
herabläuft,  ebenso  zu  umgreifen.  Wenn  ich  aber  auch  an  den  ge- 
nannten Fortsetzungen  des  Sehnengewebes  in  die  Zwischenräume 
der  Muskelfasern  eine  allmälige  Verdünnung  wahrnahm,  so  konnte 
ich  doch  nie  eine  wirkliche  Verbindung  derselben  mit  dem  Muskel- 
schlauch constatiren;  letzterer  endet  meist  etwas  zugespitzt,  und 
von  dieser  Spitze  aus  siebt  man  allerdings  einen  dunklem  Doppel- 
contour  in  das  umhüllende  Sehnengewebe  einfallen,  welchen  ich  aber 
nicht  als  Faden  zu  deuten  vermochte. 


Sitzb.  d.  niatlieni.-iiiilurw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Ahtli. 


(>  (j  V  e  r  s  o  n.   Zur  liisertiuiisweise  der  Muskelfasern. 


Tafel  -  Erklärung. 


Fig.  1.  Muskelfasern,  welche  mitten  im  Muskelbauche  endigen;  das  verjüngte 
Sarcolemmaende,  mit  einem  Kerne  besetzt,  schließt  sich  den  übrigen 
Bindegewebsfasern  an.  Aus  dem  M.  thjireoarytenoideus  des  Kindes. 

„  2.  Aus  demselben  Muskel  Fasern,  welche  sich  neben  dem  Vf  inkel  der 
C.  thyreoidea  inseriren.  Die  fadenförmige  Fortsetzung  des  Sarcolemma 
geht  in  das  Perichondrium  ein. 

„  3.  Isolirtes  Sarcolemmaende,  durch  leises  Auszupfen  des  nachgiebigeren 
Fibrillenpackefes  dargestellt.  Die  Fasern  der  Sehne  umschließen  es, 
lassen  aber  keine  deutliche  Verschmelzung  erkennen.  Vom  M.  gastro- 
cnemius  des  Kaninchens. 

„  4.  Forlsätze  des  Sebnengewebes  zwischen  die  3Iuskelfasern;  dieselben 
verlieren  sich  allmählig.  M.  gastrocnemius  des  Kaninchens. 


E.Versor).  Zur  hiseil  ions    Wrisc   der  Muskeln 


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.Sily.uMi-sli.l  k.Aki..l..l  W.  in.-.tli.n;i(m-u-  (  l .  I,\  U  |5,|    i.  Al.lli    Ki  (If, 


Klein.    Über  das   Epitliel   der  Schleimhaut   etc.  ß"? 


Über  (las    Epithel  der  Schleimhaut   und   die    Ausführungs- 
gänge  der  Drüsen  des  weichen  Gaumens  und  der  Uvula  des 

Menschen. 

Von  Emanael  Klein. 

Überall,  wo  über  den  Bau  des  weichen  Gaumens  und  der  Uvula 
des  Menschen  gehandelt  wird,  führt  man  an,  daß  die  obere  Fläche  des 
ersteren  und  die  iiintere  Fläche  der  letzteren  von  einem  cylindrischen 
Flimmerepithel  bekleidet  sind;  man  sagte,  das  ganze  obere  Cavum 
des  Pharinx,  das  beim  Schlingen  durch  die  hintere  Fläche  des  Zäpf- 
chens von  dem  darunterliegenden  mit  derMundhöhle  communicirenden 
Cavum  abgeschlossen  und  von  den  Anatomen  cavum  phuryngo  nasale 
genannt  wird,  sei  von  einer  Schleimhaut  ausgekleidet,  welche  Flim- 
merepithel trägt. 

Nun  beruht  dies,  wie  ich  mich  zur  Genüge  überzeugt  habe, 
wenigstens  für  den  erwachsenen  Menschen  auf  einem  Irrthum.  Die 
Sache  verhält  sich  folgendermaßen:  Im  neugebornen  Kinde  findet 
sich  allerdings  an  der  dem  Cavum  pharyngeum  zugekehrten  Fläche 
des  Gaumens  und  der  Uvula  Flimmerepithel,  ganz  so,  wie  es  für  die 
unteren  Theile  der  Schleimhaut  der  Nasenhöhle  und  den  oberen 
Abschnitt  der  Rachenhöhlenschleimhaut  angegeben  wird;  im  erwach- 
senen Menschen  jedoch  trifft  man  sowohl  an  der  oberen  Fläche  des 
weichen  Gaumens,  als  an  der  hinteren  des  Zäpfchens  auf  ein  geschich- 
tetes nicht  flimmerndes  Pflasterepithel.  Es  verhält  sich  dieses  wie  in 
so  vielen  Fällen,  daß  die  tiefsten  Schichten  palissadenartig  an  einander 
gelagert,  weiter  nach  oben  polyedrisch  und  ganz  oben  endlich  abge- 
plattet wie  zu  Platten  vereinigt  angetroffen  werden.  An  den  gut 
conservirten  Durchschnitten,  welche  ich  aus  der  Uvula  des  neugebor- 
nen Kindes  gewonnen  habe,  fand  ich  immer  an  der  Spitze  derselben 
Pflasterepithel,  und  erst  weiter  hinauf  an  der  hinteren  Fläche  Flim- 

5» 


G8  Klein. 

merzellen;  beim  erwachsenen  Menschen  jedoch  findet  man  sowohl  an 
der  vorderen  als  auch  an  der  hinteren  Fläche  in  ihrer  ganzen  Aus- 
dehnung Pflasterepithel,  nur  ist  es  an  der  ersteren  im  Allgemeinen  in 
größerer  Schichtung  vorhanden  als  an  der  letzteren. 

Auch  am  weichen  Gaumen  des  Erwachsenen  unterscheidet  sich 
das  Pflasterepitliel  der  oberen  Fläche  nur  in  weniger  Beziehung 
von  dem  der  unteren.  Beide  verlaufen  an  der  darunter  liegenden 
Mucosa  nicht  geradlinig,  sondern  bilden  mit  ihren  tieferen  Schichten 
stellenweise  Arcaden,  die  durch  das  papillenartige  Vorgedrängtwerden 
derselben  begründet  sind.  In  diesen  Papillen  sind  Capillargefäße  deut- 
lich wahrzunehmen.  Die  Ausbuchtungen  der  tiefen  Epithelschichten 
sind  an  der  unteren  Fläche  des  weichen  Gaumens  und  der  vorderen 
Fläche  der  Uvula  im  Allgemeinen  zahlreicher  als  an  der  oberen  und 
respective  hinteren.  Beim  neugebornen  Kinde  finden  sie  sich  nur 
an  der  unteren  Fläche  des  weichen  Gaumens  und  der  vorderen 
Fläche  der  Uvula,  fehlen  somit  dort,  wo  Flimmerepithel  angetroff'en 
wird. 

Die  unterste  Schichte  des  Pflasterepithels  der  oberen  Fläche 
des  weichen  Gaumens  zeigt  ziemlich  regelmäßige ,  senkrecht  auf  das 
darunter  liegende  Gewebe  aufstehende  viereckige  Zellen,  deren  Kern 
ebenfalls  senkrecht,  also  parallel  der  Axe  der  Zellen  gestellt  ist. 
Dieses  trifft  wohl  auch  an  manchen  Stellen  der  unteren  Fläche  zu, 
aber  nicht  so  regelmäßig  wie  oben,  da  sie  an  jener  meist  eben  so 
polyedrisch  wie  die  höher  gelegenen,  nur  kleiner  und  mit  rundlichen 
Kernen  angetroffen  werden. 

Was  nun  die  Ausführungsgänge  der  acinösen  Drüsen  im  wei- 
chen Gaumen  anlangt,  so  habe  ich  an  einigen  und  besonders  schön 
an  einem  derselben  prächtige  cylindrische  Flimmerzellen  gefunden, 
was  um  so  auff'allender  ist,  da  die  Schleimhaut  in  der  ganzen  Aus- 
dehnung ringsumher  geschichtetes  Pflasterepithel  trug.  Ich  habe 
durch  mündliche  Mittheilung  von  meinem  Collegen  Herrn  Verson 
auch  für  die  Ausführungsgänge  der  acinösen  Drüsen  der  Epiglottis 
dasselbe  erfahren. 

Diese  merkwürdige  Erfahrung  wird  durch  die  oben  angeführten 
Befunde,  daß  gewisse  bezeichnete  Epithelstrecken  im  Kindesalter 
flimmern,  ergänzt.  Es  weist  uns  darauf  hin,  daß  die  Drüsen  mit 
Flimmerzellen  ursprünglich  in  einer  Schleimhaut  saßen ,  Avelche 
gleichförmig  Flimmerepithel    trug    und    daß  die  Metamorphose   des 


Ober  das  Epitliel  der  Schleimhaut  etc.  ßQ 

Flimmerepithels  in  Pflasterepitliel  sich  nur  auf  die  Ohorfläche  be- 
schränkt habe,  so  dali  die  Drüsen  in  ihren  Ausf'ührungsgängen 
davon  verschont  geblieben  sind. 

Da  die  Ausführungsgänge  der  Schleimdrüsen  das  Seeret  der- 
selben an  die  Obertläche  zu  befördern  haben,  so  ist  es  ganz  gut 
denkbar,  daß  ihnen  dort,  wo  sie  schon  ein  ziemlich  großes  Lumen 
erreicht  haben,  die  vorhandenen  Flimmerzellen  durch  die  Bewegung 
ihrer  Cilien  sehr  gut  zu  statten  kommen. 


k 


I 


70 


II.  SlTZUxNG  VOM   16.  JÄNNER   1868. 


Der  Secretär  legt  folgende  eingevsendete  Abhandlungen  vor: 

„Zur  Kenntniß  der  Wirbelthierfauna  aus  den  Miocenschichten 
von  Eibiswald  in  Steiermark.  I.  Schildkrötenreste",  von  dem  c.  M. 
Herrn  Prof.  Dr.  K.  Peters  in  Graz. 

Diese  Abhandlung  ist  für  die  Denkschriften  bestimmt. 

„Über  die  Ströme  in  Nebensehließungen  zusammengesetzter 
Ketten"  von  Herrn  Anton  Waszmuth,  Assistenten  für  Physik  am 
Polytechnicum  zu  Prag. 

Das  Comite  des  Marien -Vereins  zur  Beförderung  der  kath. 
Mission  in  Central-Afrika  übermittelt  ein  in  französischer  Sprache 
verfaßtes  Reise- Journal  des  verstorbenen  Provicars  Dr.  Knob- 
le c  h  e  r. 

Herr  Prof.  Dr.  E.  Brücke  übergibt  eine  Abhandlung  des 
Herrn  Ernst  Fleischl:  „Über  den  Bau  der  sogenannten  Schild- 
drüse des  Frosches". 

Herr  Prof.  E.  Suess  legt  eine  Abhandlung:  „Über  die  Äqui- 
valente des  Rothliegenden  in  den  Südalpen"  vor. 

Herr  Prof.  J.  Redtenbacher  überreicht  eine  Abhandlung: 
„Chemische  Untersuchung  des  Milchsaftes  der  Äntiaris  toxicaria^ , 
von  den  Herren  Dr.  J.  E.  de  Vry  und  E.  Ludwig. 

Herr  Prof.  Dr.  Aug.  Em.  Reuss  legt  eine  Abhandlung:  „Palä- 
ontologische Beiträge"  (II.  Folge)  vor. 

Das  c.  M.  Herr  Dr.  Edmund  Weiß  übergibt  eine  Abhandlung, 
betitelt:   „Beiträge  zur  Kenntniß  der  Sternschnuppen". 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 

Academie  Imperiale  des  Sciences  de  St.  Petersbourg:  Memoires. 

Tome  XI,  Part  2.   St.  Petersbourg,  1867;   8o.   (Russisch.) 
Accademia    dclle  Scienze  fisiche  e  matcmatiche  di  Napoli:  Atti. 

Dalla  fondazione  sino  all'anno  1787.  Napoli  1788;  4«;  N.  S. 


71 

Vol.  ir.  Napoli,  186S;  4o.  —  Rendiconto.  Anno  IV,  (iSßS) 
Fase.  50— 12o;  Anno  V,  (1866)  Fase.  lo_12o;  Anno  VI, 
(1867)  Fase,  lo— 5o.  Napoli;  4o. 

—  —  deir  Istituto    di    Bologna:    Memorie.     Serie   II.    Tomo   VI, 
Fase.  4.  Bologna,  1867;  4o. 

Akademie,  Koninkl. ,  van  Wefensehappen  te  Amsterdam:  Ver- 
slagen en  Mededeelingen.  Afdeeling  Letterkunde.  X.  Deel. 
Amsterdam,  1866;  80.  —  Processen-Verbaal.  Afd.  Natiiur- 
kiinde.   18G6  — 1867;  80.  —  Jaarbock.  1866.  8«. 

Cosmos.  3"  Se'rie.  XVII"  Annee  ,  Tome  II,  2"  Livraison.  Paris, 
1868;  80. 

Gesellschaft  der  Wissenschaften ,  Oberlausitzische:  Neues  Lau- 
sitzisches Magazin.    XLIV.  Band,  1.  Heft.  Görlitz,  1867;  80. 

—  Zoologische ,    zu    Frankfurt    a*/M.  :     Der    zoologische    Garten. 
VIII.  Jahrgang,  1867,  Nr.  7—12.  Frankfurt  a/M. ;  8». 

Gewerbe  -  Verein,  n. -ö.:  Verhandlungen  und  Mittheilungen. 
XXIX.  Jahrg.  Nr.  2.  Wien,  1868;  8". 

Isis.  Jahrg.  1867,  Nr.  7—9.  Dresden;  80.      ' 

Mittheilungen  aus  J.  Perthes'  geographischer  Anstalt.  Jahr- 
gang 1867,  XII.  Heft.   Gotha;  4o. 

Reichsanstalt,  k.  k.  geologische:  Jahrbuch.  XVII.  Band,  1867. 
Nr.  4.  Wien;  4o. 

Revue  des  cours  scientifiques  et  litteraires  de  la  France  et  de 
l'etranger:  V*  Annee,  Nr.  6.  Paris  &  Bruxelies,  1868;  4». 

Society,  The  Royal  Geographica!,  of  London:  Proceedings. 
Vol.  XI,  Nr.  6.  London,  1867;  80. 

Wiener  landwirthschaftliche  Zeitung.  Jahrg.  1868,  Nr.  1 — 2. 
Wien;  4o. 

—  medizin.  Wochenschrift.  XVIII.  Jahrgang.  Nr.  4 — S.  Wien, 
1868;  40. 

Zeitschrift  des  österr.  Ingenieur-  und  Architekten -Vereins. 
XIX.  Jahrg.   11.  &  12.  Heft.  Wien,  1867;  4o. 


72  Peters. 


Zur  Kcnulniß  der  Wirhellhiere  aus  den  Miocenschiclifen  von 
Eihisivald  in  Steiermark. 

I.   Die  Schildkrötenreste. 
Von  Rarl  F.  Peters. 

(Auszug'  aus  einer  für  die  Denkschriften  bestimmten  Abliandlung.) 

Die  Zahl  von  bestimmbaren,  zum  Theil  sehr  werthvollen  Wirbel- 
thierresten  aus  dem  Kohlenbecken  von  Eibiswakl,  Wies  und  Steieregg 
hat  sich  im  Laufe  der  letzten  Jahre,  insbesondere  durch  den  Eifer 
und  die  Sachkenntniß  des  Herrn  Franz  Melling,  k.  k.  Verwesers, 
so  reichlich  vermehrt,  daß  eine  umfassende  Bearbeitung  derselben 
um  so  mehr  wünschenswertli  schien,  als  das  geologische  Alter  der 
Ablagerungen  dieses  Reviers  durch  ihre  Zahn-  und  Knochenreste 
genauer  bestimmt  werden  kann.  Manche  von  diesen  Wirbelthier- 
species,  welche  sich  auf  die  Classen:  Säugethiere,  Reptilien  (Schild- 
kröten, ein  Crocodil)  und  Fische  vertheilen,  sind  geeignet,  zur 
Charakteristik  der  älteren  Vertebratenfauna  der  österreichischen 
Miocengebilde  wesentlich  beizutragen  und  sie  mit  den  Ablagerun- 
gen anderer  Länder,  namentlich  den  so  genau  abgegrenzten  Stufen 
der  Miocenformation  Frankreichs  näher  zu  verknüpfen  als  dies  vor 
wenigen  Jahren  möglich  war  <). 

Ich  mache  nun  den  Anlaiig  zu  dieser  Bearbeitung  mit  einer 
Darstellung  der  Scliildkröten,  von  denen  nur  eine  Art,  Tinonyx 
stiriacus  Peters,  schon  vor  Jahren  genugsam  charakterisirt  werden 
konnte,  eine  zweite  aber,  dem  Formenkreis  der  Sippe  Chelydra  an- 


*)   Verpl.   Suess   in    den  Verli.'indliing^en   der    k.   k.   geolog-.  Reiclisanstalt   von   1867, 
S.  6  und  Sitzun-^sl.eriilite  der  k.  Akad.  d.  Wissenscii.  XLVII.  Bd..  S.  306.  Mai  186.*?. 


Zur  Kenntniß  der  Wirljelthicrfauna  aus  den  Miocenscliichten  etc.  73 

gehörig,  vorläufig  nur  angedeutet  wurde  (Peters,  Denkschriften  der 
kais.  Akademie  der  Wissensch.,  mathem.-naturw.  Cl.  IX.  Bd.,  18öö, 
und  Beiträge  z.  Paläontographie  Österreichs  von  Fr.  Ritter  v.  Hauer, 
Wien  1858). 

Zur  Kenntniß  der  erstgenannten  Art  einige  Beiträge  liefernd, 
vermag  ich  nun  nachstellende  Arten  nach  vvohlerhaltenen  Exemplaren 
darzustellen. 

fhelydropsis  nov.  genus. 

Jene  chelydraartige  Schildkröte  unterscheidet  sich  von  der  in 
der  Art  Chelydra  serpenthia  noch  gegenwärtig  lebenden  Sippe: 

1.  durch  die  Doppelbildung  der  (knöchernen)  Nuchalplatte, 
welche  selbst  an  alten  Individuen  in  eine  Nuchal-  und  eine  Post- 
nuchalplatte  zerfällt; 

2.  durch  die  Anwesenheit  doppelter,  in  zwei  Reihen  übereinan- 
der liegender  Randschilder  an  der  dritten  bis  achten  Marginalplatte ; 

3.  durch  ihre  mehr  winkelig  ausgeprägte  ßescliaffenheit  minder 
breiter  Neuralplatten. 

Nichts  destoweniger  steht  diese  Schildkröte  der  echten  Chelydra 
viel  näher  wie  der  Macroclemmys  Temmincki  Troost. 

Die  einzige  hier  vorkommende  Art  hat  einen,  zumal  im  Pygalthciie 
ausgeprägten  Kiel  und  wurile  deßhalb  Chelydropsis  carinata  genannt. 

Ein  vortrefflich  erhaltenes  Exemplar,  welches  der  Darstellung 
zu  Grunde  gelegt  wurde,  befindet  sich  in  der  Sammlung  des  Herrn 
A.  Letocha,  k.  k.  Kriegscommissärs  in  Wien. 

Emys,  zwei  Arten. 

Emys  (ClemmysJ  pygolopha  Peters,  eine  kleine,  an  der 
Steißplatte  gekielte  und  überdies  am  inneren  Drittel  der  Costalnähtc 
jederseits  mit  vier  schwachen  Seitenhöckern  versehene  Art,  von  der 
das  Rückenschild  in  Verbindung  mit  dem  Plastron  und  einigen  mitt- 
leren Marginalplatten,  erhalten  ist;  ein  Unicum  im  Besitze  des  Herrn 
A.  Letocha. 

So  wie  ChelydrojJsis  carinata  kommt  auch  diese  Schildkröte  in 
den  thonigen  Schiefern  vor,  welche  das  Kohlenflötz  von  Eibiswald- 
Wies  bedecken. 

Emyg  MeUingi  Peters,  eine  große  Art,  von  der  wir  zur  Zeit 
nur  das  Brustbauchschild  (zum  größten  Theile)  kennen,  aus  der 
Kohle  selbst. 


/4         Peters.    Zur  Kennfniß  d.  Wirbelthierfauna  aus  d.  Miocenschichten  etd 

Trionyx  stiriacus  ist  mit  Tr.  ferox  Schneider  ziemlich  nahe 
verwandt;  Chelydropsis  gehört  einer  ausschließlich  amerikanischen 
Familie  an,  und  beide  herrschen  durch  Größe  und  Individuenzahl. 

Wir  dürfen  also  den  Charakter  dieser  Chelonierfauna  als  einen 
vorwiegend  amerikanischen  bezeichnen.  Ein  Befund,  der  mit  den 
Resultaten  der  phyto-paläontologisehen  Untersuchungen  über  die 
steiermärkische  Braunkohle  wohl  übereinstimmt. 


Fleisehl.  Über  den  Bau  der  sog.  Schilddrüse  des  Frosches.  75 


Über   den  Bau  der  sogenannten  Schilddrüse    des  Frosches. 
Von  Ernst  Fleischl. 

(Aus  dem  physiologischen  Institute  der  Wiener  Universität.) 
(Mit    1    Tafel.) 

Wenn  man  beim  Frosch  von  der  glandula  carotidis  nach  ein- 
wärts gegen  den  Kelilkopf  geht,  .so  stößt  man  auf  einen  röthlich  gel- 
ben, rundlichen,  Stecknadelkopf-  bis  hanfkorngroßen  Körper,  die  so- 
genannte glandula  thyreoidea  des  Frosches. 

Die  mikroskopische  Untersuchung  dieses  Körpers  ergibt,  daß 
seine  äußerste  Schichte  eine  Bindegewebshülle  ist.  Die  Fasern  die- 
ses Bindegewebes  sind  regelmäßig,  parallel  angeordnet.  Von  dieser 
Bindegewebshülle  gehen  nach  innen  Platten  und  Leisten  aus  und 
durchsetzen  das  Gewebe  des  Oi'ganes,  indem  sie  es  in  kleinere  Bäume 
abtheilen. 

Diese  Bäume  sind  von  Zellen  erfüllt,  jedoch  nicht  so,  daß  eine 
die  andere  unmittelbar  berührt;  sondern  die  Zellen  sind  eingelagert 
in  ein  Gerüste,  ähnlich  dem  in  der  Marksubstanz  der  Lymphdrüsen, 
und  ähnlich  dem,  welches  Basch  (diese  Berichte  LL  2,  pag.  420) 
im  Zottenparenchym  beschrieben  hat.  Der  Leib  der  Zellen  erscheint 
fein  granulirt.  —  Außerdem  finden  sich  sowohl  in  den  Bindegewebs- 
zügen,  als  auch  zwischen  den  Zellen  größere  und  kleinere  Anhäufun- 
gen von  Fettzellen  eingestreut.  An  einem  Hilus,  der  nach  außen  zu 
gewendet  ist,  treten  Gefäße  und  Nerven  ein.  Die  Nerven  verzweigen 
sich  noch  im  Bindegewebsgerüste,  ihre  feineren  Äste  dringen  in  die 
Zellenhaufen  ein,  wo  sich  die  doppeltcontourirten  Fasern  sehr  weit 
verfolgen  lassen. 

Der  Grund,  warum  ich  von  diesem  Gebilde  spreche,  liegt  nicht 
in  dem  bisher  erwähnten,  sondern  in  dem,  nun  zu  beschreibenden, 
eigenthümlichen  Verhalten  seiner  Blutgefäße. 

Ich  lasse  einem  Frosch  eine  Injectionsmasse,  bestehend  aus 
Leim  und  löslichem  Berlinerblau  aus  der  fein  ausgezogenen  Spitze 
eines  Glasrohres  durch  die  angeschnittene  venu  cava  inferior  in  das 


76  F  1  e  i  s  (■  h  I. 

Heiz  rinnen.  Von  da  wird  sie  durch  die  Herzaction  des  Frosches  im 
ganzen  Körper  herumgepunipt.  Sobakl  die  Injectionsmasse  erstarrt 
ist,  nehme  ich  die  Drüsen  herans  und  härte  sie  durch  einige  Tage  in 
Alkohol,  bette  sie  dann  in  eine  Mischung  von  Wachs  und  Ol  ein, 
mache  feine  Durchschnitte,  die  in  Carminlösung  gefärbt,  dann  ent- 
wässert und  in  Terpentinöl  angesehen  werden. 

Aus  der  Beobachtung  so  behandelter  Präparate  ergibt  sich,  daß 
das  ganze  Organ  von  einem  groben,  großmaschigen  Gefäßnetze 
durchzogen  ist.  Die  Grundlage  des  Netzes  sind  Stämme,  welche  die 
gewöhnlichen  Capillaren  an  Dicke  bei  weitem  übertreffen,  und  welche 
allenthalben  mit  einander  communiciren.  Außerdem  stehen  diese 
Siämmchen  auch  durch  sparsam  vertheilte  Gefäße  von  capillarer 
Feinheit  mit  einander  in  Verbindung  und  dann  finden  sich  noch  sel- 
tener Anastomosen,  vermittelt  durch  Gefäße  von  solcher  Feinheit, 
daß  unmöglich  ein  Blutkörperchen  sie  passiren  kann.  Ein  eigentliches 
Capillarnetz  existirt  demnach  in  diesem  Organe  nicht,  sondern  es 
existiren  blos  vereinzelte  capillare  Verbindungen  der  gröberen  Ge- 
Ü'ißie,  die  dafür  vielfach  untereinander  anastomosiren.  In  den  Maschen 
dieses  Gefäßnetzes  liegen  Inseln  von  Zellen. 

Die  physiologische  Ergänzung  zu  dem  so  rudimentär  entwickelten 
Capillarsystem  zeigte  sich  bei  der  Untersuchung  von  Präparaten, 
welche  mit  der  Spritze  injicirten  Thieren  entnommen  waren. 

Icii  binde  den  Tubus  einer  Injectionsspritze  in  das  angeschnit- 
tene Herz  oder  in  eine  der  Aorten  des  Frosches  ein  und  injicire  die- 
selbe Masse,  die  ich  früher  verwendete. 

Die  Drüsen  wurden  auf  die  oben  angegebene  Wc'se  behandelt, 
boten  aber  ein  ganz  verschiedenes  Aussehen  dar.  Jede  der  früher 
gefäßlos  gesehenen  Zelleninseln  war  nun  in  eben  so  viele  kleine  Inseln 
zerfallen,  als  sie  Zellen  besaß,  indem  feinste  Strömchen  der  Injec- 
tionsmasse zahllose  Verbindungen  zwischen  den  Gefäßen  herstellten, 
und  zwar  waren  sowohl  die  Capillaren  mit  den  oben  angeführten, 
dickeren,  das  Netz  eigentlich  constituirenden  Stämmchen  verbunden, 
als  auch  diese  letzteren  untereinander.  —  Nun  waren  blos  zwei  Deu- 
tungen dieses  Bildes  möglich.  Entweder  diese  zahllosen  Verbindun- 
gen der  Geläße  untereinander  waren  präexistente  Blutplasmabahnen, 
entsprechend  den  wandungslosen  Lymphbahnen  in  Lymphdrüsen  und 
Darmzotten  —  oder  das  zweite,  reichere  Bild  ist  das  Resultat  eines 
Extravasates.  Gegen  letztere  Deutung  sprechen  folgende  Gründe; 


über  den  Bau  der  sogenannten  Schilddrüse  des  Frosches.  ff 

i.  Ein  so  regel müßiges  Extravasat  ist  an  sicli  nicht  wahrschein- 
lich, seine  jedesmalige  Wiederholung  unglaublich. 

2.  Der  Anhlick  der  Präparate  selbst  spricht  gegen  die  Annahme 
eines  Extravasates. 

Es  sind  die  Durchmesser  der  interstitiellen  Bahnen  constant  ein- 
ander gleich. 

Auf  jedem  Querschnitt  sind  unzählige  Communicationen  der 
interstitiellen  Bahnen  mit  den  Gefäßen  sichtbar. 

Die  Zellen  sind  durchaus  nicht  aufgeschwemmt  in  der  blauen 
Masse,  sondern  liegen,  wie  aus  der  Vergleichung  mit  nicht  injicirten 
Präparaten  hervorgeht,  in  ihrer  natürlichen  Anordnung  von  ihrem 
sehr  zarten  Gerüste  festgehalten. 

3.  Ich  habe  auch  an  besonders  gelungenen  Präparaten  von 
Thieren,  die  sich  selbst  uijicirt  hatten,  Stellen  gefunden,  an  denen 
die  interstitiellen  Bahnen  injicirt  waren. 

Wenn  somit  einerseits  der  Unterschied  zwischen  den  durch  Herz- 
kraft und  den  mit  der  Spritze  injicirten  Präparaten  zeigte,  daß  der  Inhalt 
der  Blutgefäße  schwieriger  in  die  interstitiellen  Bäume  eindringt,  als 
in  die  gewöhnlichen  Capillaren,  so  zeigen  auf  der  anderen  Seite  die 
sub  3  besprochenen  Stellen,  daß  in  Bücksicht  auf  sie  die  Herzkraft 
xur  Anfüllung  dieser  Bäume  hinreichend  gewesen  war,  was  um  so 
mehr  ins  Gewicht  fällt,  als  ich  an  Winterfröschen  arbeitete,  bei  denen 
die  Energie  der  Herzcontractionen  bekanntlich  sehr  herabgesetzt  ist. 

4.  Schließlich  muß  erwähnt  werden,  daß  auch  an  den  mit  der 
Spritze  injicirten  Fröschen  sich  in  andern  Organen  keinerlei  Extra- 
vasate fanden,  und  auch  keinerlei  ähnliche  Anordnung  der  blauen 
Masse  im  Gewebe,  wenn  man  in  Bücksicht  auf  letzteren  Punkt  von  der 
Milzpulpa  absieht. 

Es  erscheint  somit  die  folgende  Annahme  gerechtfertigt: 
Während  in  den  meisten  Organen  der  Thiere  das  gesammte 
Blut  durch  ein  System  von  so  engen  Capillaren  Hießt,  daß  nur  eine 
Reihe  von  Blutkörperchen  in  ihnen  wandert,  so  geht  hier  das 
G  e  s  a  m  m  t  b 1 u  t  durch  weniger  regelmäßig  angeordnete 
und  verhält  nißmäßig  weite  Gefäß  bahnen  aus  den  Ar- 
terien in  die  Venen  über;  dafür  ist  aber  dem  Plasma 
noch  e i n  S y s t e m  von  e n g e n  W e g e n  eröffnet,  in  d  e m  e s 
sich  fortbewegen  un  d  das  Gewebe  «Iure  hl  ranken  kann 
ohne  das   Gefäßinnere  zu  verlassen. 


7o  Fleisch  1.    Über  den  Bau  der  sogeii;inuteii  Schilddrüse  des  Frosches. 


Erklärung  der  Abbildung-en. 


Fig.  i.  Ein  Stück  ans  dr-r  durch  eigene  Herzkraft  injicirten  Drüse  bei 
lOOmaliger  Vergrößerung. 

Fig.  2.  Ein  Stück  aus  der  mit  der  Spritze  injicirten  Drüse  bei  loOmaliger 
Vergrößerung.  In  der  Mitte  eine  große  Arterie,  aus  der  die  Injectionsmasse 
herausgefallen  ist. 

Fig.  3.  Ein  anderes  Stück  aus  einer  mit  der  Spritze  injicirten  Drüse  bei 
290ma]iger  Vergrößerung. 

Fig.  4.  Dient  dazu,  bei  480maliger  Vergrößerung  zu  veranschaulichen,  wie 
die  Zellen  in  das  Gerüste  eingelagert  sind  und  wie  die  Masse  in  die  Zwischen- 
räume des  Gerüstes  vertheilt  ist. 

Die  Vergrößerungszahlen  wurden  ermittelt  durch  directes  Messen  von 
Object  und  Zeichnung. 


K  Fli'isclil.Hau  iUt  sol!'.  Schildilrii.sr  des  l'riisclu': 


^^^i^'^^j^ 


Silzungsb  der  k  Ak.-ul  il  Wissen  stt-müth  iialiinw  CI    I.\1l    Bii .  I .  AlWli  IXü.S 


I 


Reuss.    Paläontologische  Beiträge.  79 


Paläontologische    B eiträg e. 

(Zweite  Folge.) 

Von  dem  w.  M.  Prof.  Dr.  Ä.  E.  Renss. 

(Mit  3  Tafeln.) 


5.  Über  eineo  neuen  fossilen  Limax. 

Von  einer  reichen  Landsehaeckenfauna  läßt  es  sich  schon  im 
vorhinein  vermuthen,  daß  es  ihr  auch  an  Vertretern  der  Familie  der 
Limaeiden  und  Arioniden  nicht  fehlen  werde.  Offenhar  gilt  dies  auch 
von  den  fossilen  tertiären  Faunen  dieser  Art,  mithin  auch  von  der 
Fauna  des  Süßwasserkalkes  von  Tuchoi-ic  in  Böhmen,  deren  grosse 
Übereinstimmung  mit  der  Fauna  des  Landschneckenkalkes  von  Hoch- 
heim ich  schon  früher  dargethan  habe  i).  Schon  im  Jahre  1860  war 
ich  in  der  Lage,  68  Species  derselben  zu  beschreiben,  und  zwar 
53  Landschnecken  (1  Cyclostoma,  2  Acicula,  1  Vitrina,  2  Succi- 
nea,  24  Helix,  Z  Bulimus,  6  Glnndina,  7  Piipa  und  eben  so  viele 
ClausiUci)  und  15  Süßwassermollusken  (4  Limnaeus,  6  Planor- 
bis  ,  1  Ancylus,  1  Äcrochasma  und  3  Cyclas).  Bei  der  sehr  be- 
schränkten Verbreitung  des  Tuchoficer  Süßwasserkalkes  ist  dies 
ohne  Zweifel  ein  sehr  großer  Formenreichthum,  welcher  die  Zahl 
der  bisher  aus  ganz  Böhmen  bekannt  gewordenen  Land-  und  Süß- 
wasserconchylien  übertrifft.  Die  schon  früher  ausgesprochene  Über- 
zeugung, daß  damit  noch  nicht  die  gesamte  Formenfülle  der  Fauna 
von  Tuchofic  erschöpft  sei,  findet  darin  ihre  Bestätigung,  dass  ich 
schon  jetzt  einen  Nachtrag  zu  derselben  zu  liefern  im  Stande  bin.  Bei 
fortgesetzten  sorgfältigen  Forschungen  wird  die  Bereicherung  gewiß 
eine  noch  beträchtlichere  werden. 


1)  H.  V.  Meyer  und  Reuss,  die  tertiären  Süßwassergebilde  Böhmens  und  ihre 
fossilen  Thierreste  im  zweiten  Bande  der  Paläontographica  (mit  12  Tafeln).  — 
Reuss,  die  fossilen  Mollusken  der  tertiären  Süßwasserkalke  Böhmens  im 
42.  Bde.  der  Sitzb.  d.  k.  Akad.  d.  Wissensch.  (p.  55—83,  mit  3  Tafeln). 


O  0  [{  e  II  s  s . 

Unter  ilen  Beitriigoii,  \\  olc-lie  ich  jetzt  zu  der  geuaimten  Fauna 
liefern  kann,  ist  die  Autfindung  einer  l'ossilen  Litna.v-Avl  der  interes- 
santeste, uni  so  mehr,  als  fossile  Reste  aus  dieser  Gattung  bislier  nur 
in  sehr  hesehränkler  Anzahl  bekannt  geworden  sind.  Der  Grund  die- 
ser Erscheinung  liegt  sehr  nahe.  Manche  der  hieher  gehörigen  Gat- 
tungen haben  keine  Spur  eines  Schalenrudinientes  aufzuweisen 
{^Limacella  Blainv.,  Megimathinni  v.  \\nss.,Eiimelusl{ii\'.  u.a.); 
bei  anderen  wird  die  Schale  nur  durch  isolirte  oder  gehäufte  Kalk- 
granidationen  vertreten  (^Ariou  Fer.):  oder  die  wirklich  vorhandene 
Schaleist  doch  gewöhnlich  sehr  klein,  dünn  und  zerbrechlich,  so 
dass  sie  der  Zerstörung  leicht  unterliegt  und  nur  unter  besonders 
günstigen  Verhältnissen  im  fossilen  Zustande  erhalten  werden  kann. 

Mit  Sicherheit  ist  bisher  nur  eine  fossile  Species  der  Gattung 
L/wrt.r  bekanntgeworden.  Es  ist  dies L.  Lar^d^e  D  u  p.  aus  den  Tertiär- 
schichten von  Sansan  i).  Auf  eine  andere  fossile  Schale  mit  spiral 
eingerolltem  Wirbel  von  Baloukkeni  in  Rumelien  wurde  von  Des- 
hayes  die  G&tlung  Viquesnelia  gegründet  {V.  lenticularis  Desh.  2) 
Außer  den  genannten  wird  noch  eine  zweite  Limcuv-Avt  aus  dem  Plei- 
stocän  von  Maidstone  erwähnt  s)  und  wohl  irriger  Weise  mit  dem 
weit  verbreiteten  lebenden  L.  agrestis  L.  identificirt.  Sie  ist  viel  zu 
wenig  bekannt,  um  vorläufig  eine  nähere  Berücksichtigung  finden  zu 
können. 

Die  neue  Species,  deren  Miltheilung  ich,  gleichwie  der  übrigen 
unten  zu  beschreibenden  Arten,  der  Güte  des  Hrn.  Dr.  Schwager, 
derzeit  in  München,  verdanke,  wurde  bisher  nur  in  wenigen  Exem- 
plaren in  einem  weichen  mergeligen  Gesteine  gefunden,  das  ein- 
zelne Nester  und  Schichten  in  dem  festen  Süf^wasserkalke  zusammen- 
setzt. Aus  demselben  lassen  sich  selbst  die  kleineren  und  zarteren 
Pelrefacten  ziemlich  leicht  und  unversehrt  auslösen.  Die  Schale  ist 
beiläufig  5  Mm.  lang  und  3.5  Mm.  breit,  dabei  ziemlich  dick,  beson- 
ders in  der  Nähe  des  Wirheiendes.  (Jegen  den  Vofderrand  verdünnt 
sie  sich  sehr  langsam.  Im  Umi'isse  nähert  sie  sieh  unter  den  mir  be- 
kannten Limax-kview  am  meisten  jener  von  L.  varicgalus  Drap.  *). 

')    Dupiiy    in  Journal  de  conchyliologie  ISöO.  I,  p.  301.  T.  liJ,  Fig.  1. 
'-')    Deshayes   in  .Journal  df  conclij  liologle  V.  pag.  289.  T.  7,  Fig.  14 — 17. 
*)    .'Morris,    catal.  of  british  foss.  pag.  2153. 

*)   .M  <)  »1  u  i  n  -  Ta  n  (1  o  n   liist    iiat.   des   niolliisques   (err.  ft  Huv.    de   France  II,   p.  25 
T.  3,  Fig.  8. 


Paliiontolofrisclio   ReHräpe.  ^  | 

Sie  ist  etwas  vierseitis^-oval  mit  nur  wenig  gebogenen  heinahe  paral- 
lelen Seitenrändern.  Der  Vorderrand  bildet  einen  schwachen  Bogen; 
das  hintere  Ende,  nur  wenig  breiter  als  das  vordere,  erscheint  dage- 
gen mehr  weniger  schief  abgestutzt,  indem  der  sehr  kurze,  etwas 
gegen  eine  Seite  gerückte  Wirbel  auf  der  entgegengesetzten  Seite 
gewöhnlich  durch  einen  kleinen  Anhangslappen  ilherragt  wird,  der 
aber  vom  Wirbel  durch  keinen  Ausschnitt  gesondert  ist ,  wie  bei  L. 
variegatus.  Die  wenig  gewölbte  Oberseite  ist  mit  gedrängten  un- 
gleichen, feinen,  aber  dem  bewaffneten  Auge  deutlichen,  etwas  schie- 
fen concentrischen  Anwachsstreifen  bedeckt.  Gegen  den  rechten 
Seitenrand  verdünnt  sich  die  Schale  langsam;  der  linke  Rand  bleibt 
dagegen  beträchtlich  dicker  und  trägt  in  seiner  vorderen  Hälfte  eine 
schmale  ziemlich  tiefe  Längsfurche.  Die  nur  wenig  concave  Unter- 
seite zeigt  besonders  in  ihrem  hinteren  Theile  unregelmäßige  läng- 
liche Rauhigkeiten.  Die  fossilen  Schalen  sind  schwach  durchschei- 
nend und  dunkel  erbsengelb.  Ich  bezeichne  die  Species  wegen  der 
ziemlich  beträchtlichen  Dicke  der  Schale  mit  dem  Namen :  L.  crassi- 
testaRss.  (Taf.  1,  Fig.  1.) 

Ich  ergreife  die  Gelegenheit,  der  gegebenen  Beschreibung  des 
neuen  Ltma.v  noch  die  Namen  einiger  anderer  fossiler  Species  bei- 
zufügen, welche  ich  neuerlichst  aus  dem  Süßwasserkalk  von  Tu- 
choi-ic  kennen  gelernt  habe.  Diese  sind: 

1.  Helix  multicostata  Thom.  (Taf.  1,  Fig.  2.) 
Thomae    im  Jahrb.  d.  Ver.  f.  Naturk.  in  Nassau.   184S.  II.    pag.  143.   — 
Sandberger,  die  Conehyl.  d.  Mainz.  Tertiärbeckens,  pag.  io.  T,  2, 
Fig  9. 

Aus  der  bei  Tuchofic,  so  wie  bei  Hochheim,  reichlich  vertrete- 
nen Gruppe  Patula  Held.  Die  an  ersterem  Fundorte  sehr  seltenen 
Exemplare,  deren  größtes  II  Mm.  in  der  Breite  und  5  Alm.  in  der 
Höhe  mißt,  stimmen  mit  jenen  von  Hochheim  beinahe  vollkommen 
überein.  Mit  Ausnahme  des  glatten  ersten  Embryonalumganges  zei- 
gen alle  übrigen  Windungen  die  sehr  deutlich  ausgesprochene  Rip- 
penstreifung.  Die  Rippen  sind  scharf,  ungleich  und  treten  am  letzten 
Umgange,  an  dessen  Endtheile  der  ohnedies  nicht  sehr  deutliche 
peripherische  Kiel  verschwindet,  sehr  oft  weiter  auseinander  und 
werden  durch  breitere  flache  Zwischenfurchen  gesondert,  in  welche 
sich  nicht  selten  sehr  feine  ZM'ischenrippen  einschieben.  Auf  der 
Unterseite  des  Gehäuses  werden  die  Rippen  allmälig  schwächer  und 

Sitzb.  d.  mathera.-nadirw.  Cl.  LVH.  Bd.  I.  Abth.  Ö 


82  R  e  u  s  s. 

treten  auch  iu  der  Umgebung  des  tiefen  und  ziemlich  weiten  Nabels 
nicht  mehr  schärfer  hervor. 

2.  Pupa  subcouica  Sandb.  (Taf.  1,  Fig.  3.) 
Sandberger   I.  c.  pag.  51.  T.  5,  Fig.   7;  T.  35,  Fig.  11. 

l'uiia  duliiim  antiquum  A.  B  r  a  u  n  in  Deutsche  Naturf.  Versamml.  1842.  p.  149. 

Es  liegenmir  nur  vier  Exemplare  vor,  bei  denen  die  Beschaffenheit 
der  Mündung  viel  zu  wünschen  übrig  läßt.  Sie  ist  theils  verbrochen,  theils 
mit  nicht  entfernbarer  Gesteinsmasse  grußentheils  erfüllt.  Ich  bin  daher 
nicht  im  Stande,  trotz  der  vollständigen  Übereinstimmung  im  Total- 
habitus und  in  der  Zahl  und  Beschaffenheit  der  Umgänge  die  Identität 
unserer  Exemplare  mit  der  Sandb erger'schen  Species  außer  allen 
Zweifel  zu  setzen.  Ich  beobachte  nur  einen  kleinen  aber  sehr  deut- 
lichen Zahn ,  der  auf  dem  oberen  Theil  der  Spindelwand  senkrecht 
steht.  Doch  mögen  noch  andere  Falten  vorhanden  sein,  welche  weiter 
zurück  in  der  Mündung  liegen.  Es  ist  dies  um  so  eher  möglich,  als 
auch  die  von  Sandberger  1.  c.  gegebene  Abbildung  in  der  von 
Gestein  erfüllten  Mündung  der  Schnecke  die  Zahnfalten  nicht  erken- 
nen läßt. 

3.  Papa  Schwager!  n.  sp.  (Taf.  1,  Fig.  5.) 

Sie  hat  in  der  Form  des  Geiiäuses,  so  wie  in  der  Zähnung  der 
Mundränder  sehr  große  Ähnlichkeit  mit  dem  Carycliium  costulatum 
Sandb.  i),  ist  jedoch  viel  größer  und  zeigt  bei  genauerer  Unter- 
suchung manchen  Unterschied  in  den  Details.  Das  2.S  Mm.  hohe 
Gehäuse  ist  länglich-eiförmig  und  spitzt  sich  nach  oben  allmälig  zu. 
Es  besteht  aus  sechs  mäßig  gewölbten  Umgängen,  die  nur  langsam 
an  Höhe  zunehmen  und  durch  schmale,  aber  ziemlich  tiefe  Nähte 
gesondert  werden.  Die  Mündung  ist  halbelliptisch  und  verhältniß- 
mäßig  sehr  klein,  indem  ihre  Höhe  nicht  viel  über  ein  Viertheil  der 
Gesamthöhe  des  Gehäuses  beträgt.  Der  wenig  verdickte  äussere 
und  der  etwas  zurückgeschlagene  innere  Mundsaum  werden  durch 
einen  schwachen  callösen  Umschlag  verbunden.  Zwei  stark  vorra- 
gende dünne,  blättrige  Faltenzähne  stehen  in  etwas  schräger  paral- 
leler Richtung  auf  der  Mündungswand  und  ein  etwas  kürzerer,  eben- 
falls dünner,  wenig  schrägerauf  dem  untern  Dritttheil  des  Spindelran- 
des und  endlich  zwei  sehr  kleine  Zahnhöcker  etwa  in  der  Mitte  des 


1)  Sandberger,  I.  c.  p.  393.  T.  35,  Fig.  19. 


Paläontologisctie  Beiträge.  83 

äußeren  Miindungsraiides.  Ein  sehr  enger  Nabelritz.  Die  Oberfläche 
der  Schale  ist  mit  Ausnahme  der  Embryonalwindung  mit  sehr  feinen 
gleichen  und  regelmäßigen,  schräge  nach  rückwärts  gerichteten 
Rippenstreifen  bedeckt,  welche,  dicht  aneinander  gedrängt,  durch 
sehr  schmale  Furchen  getrennt  werden.  Unter  dem  Mikroskope 
nimmt  man  in  diesen  Zwischenfurchen  Spuren  einer  zarten  Spiral- 
streifung  wahr. 

Von  dieser  Species,  welcher  ich  den  Namen  ihres  Entdeckers, 
des  Herrn  Dr.  Schwager  beigelegt  habe,  liegt  mir  bisher  nur  ein, 
jedoch  wohlerhaltenes  Exemplar  vor. 

4.  Papa  sp.  Sehr  klein  und  dünnschalig,  der  P.  subtilissimn 
A.  Br.  sp.  i)  sehr  ähnlich,  aber  mit  fünf  Umgängen.  Die  stärkeren 
Streifen,  welche  in  größeren  Abständen  die  zarten  gedrängten  An- 
wachslinien nach  Sandberger's  Beschreibung  und  Abbildung  unter- 
brechen ,  konnte  ich  an  den  freilich  nicht  besonders  gut  erhaltenen 
Exemplaren  nicht  beobachten.  Es  bleiben  daher  noch  manche  Zweifel 
übrig,  ob  dieselben  wirklich  der  genannten  Species  angehören. 

o.  Yalyata  leptopomoides  n.  sp.  (Taf.  1,  Fig.  4.) 

Die  6  Mm.  hohe  und  an  der  Basis  5.5  Mm.  breite  Schnecke  ist 
der  V.  jnscinaUs  Müll.  sp.  ähnlich  und  zeigt  im  Totalhabitus 
manche  Übereinstimmung  mit  einzelnen  Cyclostoma-Formen,  z.  B. 
mit  Leptopoma  inornatiim  Sandb.  a),  welche  Ähnlichkeit  durch  den 
Namen  angedeutet  werden  soll.  Auch  an  Littorhiella  inflata  Fauj. 
sp.  3^  findet  manche  Annäherung  statt,  die  jedoch  durch  die 
Beschaffenheit  der  Mündung  sogleich  beseitigt  wird. 

Das  Gehäuse  ist  breit-kegelförmig,  zugespitzt,  mit  schiefer  ge- 
wölbter tief  genabelter  Grundfläche  und  fünf  stark  convexen,  beinahe 
runden  Umgängen,  welche  durch  sehr  tiefe  Näthe  gesondert  werden. 
Sie  nehmen  rasch  an  Dicke  zu  und  der  letzte  löst  sich  am  Ende  von 
dem  vorletzten  etwas  ab,  so  daß  die  Gestalt  der  Mündung  durch  den 
letzteren  nicht  beeinflußt  wird.  Dieselbe  ist  vollkommen  kreisrund,  mit 
zusammenhängendem  scharfem  Mundsaum.  Der  Deckel  ist  mir  bisher 


')   Sandberger,  1.  c.  pag.  34.  T.  6,  Fig.  2.    —    Bulimus  suhtilissimus  AI.  Braun 
in  Walchner's  Geognosie.  2.  Auflage  pag.  1137. 

2)  Sandberger,  I.  c.  p.  6.  T.  6,  Fig.  12. 

3)  Sandberger   1.  c.  pag.  84.  T.  VI,  Fig.  O'  — 9"- 

6* 


84  K  e  u  s  s. 

unbekannt  geblieben.  Gedrängte  ungleiche  feine,  etwas  rückwärts  ge- 
richtete Anwachsstreifen  bedecken  die  Oberfläche  der  Schale. 

6.  Candona  polystlgma  n.  sp.  (Taf.  1,  Fig.  6.) 

Der  erste  Ostracode,  welchen  ich  aus  den  Süsswassersciiichten 
von  Tuchoric  kennen  zu  lernen  Gelegenheit  hatte.  Ob  derselbe  der 
Gattung  Candona  oder  Cypris  zugerechnet  werden  müsse,  kann  an 
dem  Fossilreste  nicht  entschieden  werden  ;  ich  habe  wegen  der  Ähn- 
lichkeit im  Umrisse  mit  Candona  Candida  Müll.  sp.  u.  a.  die  erst- 
genannte Gattung  vorgezogen. 

Die  etwa  1  Mm.  langen  und  sehr  mäßig  gewölbten  Klappen  sind 
nierenförmig- eiförmig.  Das  gerundete  und  stark  zusammengedrückte 
Vorderende  ist  beträchtlich  schmäler  als  das  flach  bogenförmige,  bei- 
nahe abgestutzte  und  wenig  schiefe  Hinterende.  Der  hintere  Rand 
stößt  mit  dem  in  seinem  hinteren  und  mittleren  Theile  nur  schwach 
gebogenen  Rückenrande  in  einem  abgerundeten  beinahe  rechten  Win- 
kel zusammen;  erst  im  vorderen  Theile  biegt  sich  der  Dorsalrand 
stärker  gegen  das  Vorderende  der  Klappe  hin.  Der  Ventralrand  ist 
beinahe  gerade,  kaum  merklich  eingebogen. 

Die  Schalenoberfläche  ist  mit  unregelmäßigen  seichten  Grübchen 
dicht  bedeckt,  wodurch  sie  ein  fein  netzförmig- runzeliges  Ansehen 
erlangt.  Die  Ventralansicht  beider  vereinigten  Klappen  ist  zugespitzt- 
elliptisch.  — 

Durch  die  hier  gegebenen  Beiträge  hat  die  Fauna  des  Süß- 
wasserkalkes von  Tuchoric  neuerdings  eine  Bereicherung  erfahren, 
indem  die  Zahl  ihrer  Species  auf  75  gestiegen  ist.  Davon  gehören 
54  den  Heliceen,  12  den  Limnaeaceen,  3  den  Cyclasideen,  2  den 
Aciculaceen,  je  eine  den  Cyclostomaceen,  Limacideen,  Paludinideen 
und  Ostracoden  an.  Die  letztgenannten  drei  Familien  haben  erst 
durcli  die  neuesten  Untersuchungen  ihre  Vertreter  gefunden.  Auch 
die  Zahl  jener  Species,  welche  der  Tuchoricer  Kalk  mit  dem  Land- 
schneckenkalk von  Hochheim  gemeinschaftlich  besitzt,  ist  dadurch 
vermehrt  worden.  Sie  beträgt  jetzt  2t  Arten,  mithin  28  Perct.  Die 
schon  früher  ')  ausgesprochene  Ansicht  von  der  Übereinstimmung 
beider  Ablagerungen  in  Betreff  ihres  geologischen  Niveau  findet 
darin  eine  wiederholte  Bestätigung. 


IJ    Reuss   in  d.  Sitzungsber.  d.  k.  Akad.  d.  Wiss.  Bd.  42,  pag.  GO. 


Paläontolofjische  Beiträge.  ^Jj 


6.  Über  ein  neues  Vorkommen  von  Gongerienschichten  in 
Siebenbürgen. 

Mein  verehrter  Freund  Herr  Sectionsrath  Fr.  Ritter  v.  Hauer 
überließ  mir  einige  Petrefacten  aus  Siebenbürgen  zur  Untersuchung, 
welche  der  k.  k.  Ingenieur  Herr  Ferd.  Burghart  der  geologischen 
Reichsanstalt  mitgetheilt  hatte  «).  Sie  stammen  aus  einem  neu  eröff- 
neten Steinbruch  am  Hahnenhach  eine  Stunde  südöstlich  von  Arhe- 
gen  zwischen  Mediasch  und  Hermannstadt.  Das  einschliessende 
Gestein  ist  ein  ziemlich  fester  graulichweißer  feinkörniger  Sand- 
stein mit  zahlreichen  silberweißen  Glimmerschüppchen.  Die  darin 
fest  eingewachsenen  Versteinerungen  lassen  in  Betreff  ihres  Erhal- 
tungszustandes Vieles  zu  wünschen  übrig.  Die  calcinirte  sehr  zer- 
brechliche Schale  ist  nur  mehr  in  vereinzelten  kleinen  Partieen  vor- 
handen oder  fehlt  an  den  meisten  bis  auf  unbedeutende  Spuren 
gänzlich,  so  daß  man  sich  auf  die  Beurtheilung  von  Steinkernen 
beschränkt  sieht.  Die  Bestimmung  daher  selbst  der  Gattung  war  mit 
großen  Schwierigkeiten  verknüpft  und  blieb  in  manchen  Fällen  sehr 
zweifelhaft  oder  wurde  selbst  ganz  unmöglich.  Von  der  anderen  Seite 
erregen  die  genannten  Fossilreste  doch  ein  so  hohes  Interesse,  daß 
ich  mich  zur  Mittlieilung  auch  der  mangelhaften  Untersuchungsresul- 
tate verpflichtet  fühle. 

Die  beobachteten  Arten  sind : 

I.  Limnaeas  nobilis  n.  sp.  (Taf.  2,  Fig.  1,  2.) 

Die  in  Rede  stehende  Schnecke,  von  welcher  vier  Exemplare 
zur  Untersuchung  vorlagen ,  verräth  bei  flüchtiger  Betraciitung  der 
allgemeinen  Formenverhältnisse  eine  auflallende  Ähnlichkeit  mit  Velu- 
tina  Flem.  Dieselbe  verschwindet  aber,  sobald  man  die  Details  ge- 
nauer in  das  Auge  faßt  und  sich  erinnert,  daß  bei  der  genannten 
Gattung  noch  niemals  gerippte  Schalen  beobachtet  worden  sind. 
Auch  darf  man  nicht  vergessen,  daß  man  es  bei  den  Gongerien- 
schichten mit  einer  Ablagerung  des  brakischen  Wassers  zu  thun 
hat,  in  welcher  das  Auftreten  der  rein  marinen  Velutinen  unerklär- 
bar wäre. 


')    Reuss   im  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  1866.  XVI.  Sitzb.  pag.  ö-i. 


86  R  e  u  s  s. 

Vielmehr  stimmt  unser  Fossilrest  trotz  manchen  nicht  scharf  und 
deutlich  genug  hervortretenden  Charakteren  mit  der  Gattung  Lim- 
fiaeus  überein.  Der  von  den  typischen  Formen  auffallend  abwei- 
chende Totalhabitus  kann  als  kein  Gegengrund  gelten ,  denn  die 
Gestalt  der  Limnaeen  ist  überhaupt  sehr  wandelbar  und  bietet  alle 
Zwischenstufen  dar  von  der  schlanken  Spindelform  der  lebenden 
Acella  graciUs  Jay  und  der  fossilen  Limnaeus  subulatus  Sow.  i) 
und  L.  atteuuattis  Hisl.  =)  aus  den  Süßwasserschichten  von  Talank- 
hedi  im  Nagpurdistricte  Centralindiens  bis  zu  der  niedergedrückten 
Kugelform  des  L.  veluthius  Desh.  s)  aus  der  Krim,  dessen  Name 
schon  auf  die  Analogie  des  Umrisses  mit  Velutina  erinnert.  Ja  selbst 
an  Formen  mit  auseinander  gezogenen,  von  einander  getrennten  Um- 
gängen fehlt  es  nicht.  Sie  bilden  die  Gattung  Camptoceras  Benson. 

Unter  den  lebenden  Limnaeiden  schliesst  sich  unsere  Species 
zunächst  wohl  an  die  Gattung  Ämphipepha  Nilss.  an,  wenngleich 
sich  an  einem  überdies  in  mancher  Beziehung  mangelhaften  Fossil- 
reste die  Identität  der  Gattung  nicht  nachweisen  läßt.  Ich  habe  den- 
selben daher  vorläufig  der  umfassenden  Gattung  Limnüeus  angereiht. 

Die  eigenthümlichen  Sculpturverhältnisse,  das  Vorhandensein 
senkrechter  Rippenfalten,  eine  so  ungewöhnliche  Erscheinung  sie 
auch  bei  Lhmiaeus  sein  mögen,  können  kaum  ein  Bedenken  erregen, 
da  sie  sich  auf  übereinstimmende  Weise  bei  L.  Adelinae  Forb.  *) 
aus  den  Tertiärschichten  Lyciens  wiederfinden. 

Ich  lasse  nun  die  Besehreibung  des  Siebenbürgischen  Fossiles 
folgen. 

Das  Gehäuse  ist  niedergedrückt-kugelig,  breiter  als  hoch,  oben 
abgestutzt.  Die  Zahlenverhältnisse  des  Höhendurchmessers  zum 
Breitendurchmesser  stellten  sich  an  den  vier  vorliegenden  Exemplaren 
in  folgender  Weise  heraus: 


1)    Quart.  Joiirn.  geol.  Soc.  XVI,  pag-.  188.  T.  5,  Fig.  19. 

~)   Quart.  Journ.  geol.  Soc.  XVI,  p.  188.  T.  S,  Fig.  20. 

•')  .Mein.  geol.  sur  la  Crimee  par  Verneuil,  suivi  d'observations  sur  les  foss.  de  cette 
peninsule  par  Deshayes  in  Meni.  de  la  Soc.  geol.  de  France  1838.  III.  1.  pag.  64. 
T.  5,  Fig.  12 — 14.  —  Demidoff  voyage  dans  la  Russie  inerid.  et  la  Crimee  II. 
pag.  790.  Atlas  Moll.  Tab.  3,  Fig.  2. 

*J  Spratt  and  Edw.  Forbes  travels  of  Lycia  II.  p;ig.  117.  lig.  «•  —  Die  Species 
wurde  schon  früher  von  Cantraine  unter  dem  Namen:  Adelina  elegans  be- 
schrieben. Sie  war  demselben  aus  Italien  zugekommen,  ohne  daß  ihm  jedotli  die 
Fiiritlslätle  näher  beltuniil  geworden  wäre. 


Paläontologische   Beiträge.  87 

Bei  Nr.  1   (dem  kleinsten  Exemplare) 

verhalten  sie  sieh  wie     ....    13  Mm.  :  18  Mm. 
2  17-20 

»«"  «  »  n  »  ....-Cl„r  CO        „ 

„     „     4  (dem  größten  Exemplare)  ver- 
halten sie  sich  wie 25     „     :  28     „ 

Man  zählt  nur  drei  Windungsumgänge,  von  denen  die  inneren 
zwei  sehr  klein  und  eingesenkt  sind ,  so  daß  das  Gewinde  vollkom- 
men niedergedrückt  und  abgestutzt  erscheint.  Nur  die  erste  Win- 
dung ragt  gewöhnlich  als  sehr  kleines  Knöpfchen  etwas  über  das 
Niveau  der  zweiten  vor. 

Der  letzte  Umgang  ist  dagegen  sehr  groß,  bauchig  und  ragt 
mit  dem  unteren  Ende  weit  über  den  vorletzten  hinaus,  während 
das  obere  Ende  mit  demselben  in  gleichem  Niveau  liegt  und  von  ihm 
durch  eine  tiefe  rinnenartige  Nath  gesondert  wird.  Durch  die  selir 
rasche  und  starke  Breitenzunahme  der  letzten  Windung  wird  das 
Gewinde  zugleich  sehr  excentrisch. 

Die  sehr  weite  Mündung  ist  beinahe  rundlich  und  wird  durch 
den  vorletzten  Umgang  nur  wenig  modificirt.  Der  bogenförmige 
äußere  Mundrand  ist  dünn  und  scharf,  im  unteren  Theile  etwas 
zurückgeschlagen.  Der  innere  ebenfalls  dünne  Spindelrand  erscheint 
auch  etwas  zurückgeschlagen  und  scheint  in  seinem  oberen  Theile 
einen  dünnen  Umschlag  auf  dem  vorletzten  Umgang  zu  bilden.  Die 
vorliegenden  Exemplare  sind  jedoch  zu  mangelhaft  erhalten,  um  eine 
bestimmte  Ansicht  darüber  zu  erlangen. 

Die  Oberfläche  der  dünnen  Schale  ist  mit  starken  und  breiten, 
mäßig  gebogenen,  verticalen  Rippenfalten  geziert,  welche  durch  tiefe 
und  beinahe  eben  so  breite  Zwischenfurchen  geschieden  werden.  Die 
Species  kömmt  in  dieser  Beziehung  mit  dem  schon  erwähnten  L.  Ade- 
lina Forb.  überein.  An  den  kleineren  Steinkernen  werden  diese 
Falten  ganz  undeutlich.  Überdies  zeigt  die  Schale  noch  feine  un- 
gleiche Anwachsstreifen. 

2.   Cardium  ondatam  n.  sp.  (Taf.  2,  Fig.  3,  4.) 

Diese  Species  verräth  manche  Ähnlichkeit  mit  einzelnen  der 
zahlreichen  Cardium- Arten,  welche  D e s h a y e s  i)  und  Rousseau  2) 

1)   Mem.  soc.  ge'ol.  de  France  1838.  III.  1.  pag.  46 — S9. 

")   Deniidoff    voyage    dans    la    Russie    merid.    et    la    Crimee    II.    pag.    803—  818. 
T.  6—10. 


88  Heuss. 

aus  den  Tertiärschichten  der  Krim  beschreiben,  ohne  jedocli  mit  einer 
derselben  völlig  identisch  zu  sein.  Am  meisten  näiiert  sie  sich  im  Um- 
risse dem  C.  cavinatum  Desh.  und  dem  C.  modiolare  Rouss. 

Die  Schalenklappen  sind  sehr  ungleichseitig,  quer-vierseitig- 
oval, am  vordem  kurzen  Ende  abgerundet  und  viel  niedriger  als 
hinten,  wo  die  Schale  beinahe  schräg  abgestutzt  erscheint.  Der  Hin- 
terrand stößt  mit  dem  sehr  wenig  gebogenen  unteren  Rande  in  einem 
abgerundeten,  90°  nicht  viel  übersteigenden  Winkel  zusammen  und 
bildet  ein  vorspringendes  Eck.  In  den  kurzen  vorderen  Rand  dagegen 
geht  der  Mantelrand  in  ununterbrochener  Rundung  über. 

An  den  drei  vorliegenden  Exemplaren  verhält  sich  die  Höhe  zur 
Länge : 

1.  wie 15       Mm.  :  25  Mm. 

2.  „      15.5     „    :26     „ 

3.  „      17.5     „    :28     „ 

also  im  Mittel  wie  16  Mm.  :  25.5  Mm. 

Der  vorwärts  iibergebogene  Wirbel  ragt  nur  schwach  über  den 
wenig  gebogenen  Schloßrand  vor  und  liegt  am  hinteren  Ende  des 
ersten  Dritttheils  der  Schalenlänge.  Von  dem  Wirbel  läuft  über  den 
Rücken  der  Schale  eine  Kante  herab,  in  der  Nähe  des  Wirbels  am 
schärfsten  ausgesprochen,  im  weiteren  Verlaufe  sich  allmälig  etwas 
verflachend,  aber  immer  noch  deutlich  bleibend. 

Durch  diesen  Kiel  wird  vom  Schalenrücken  eine  ziemlich  aus- 
gedehnte, im  unteren  Theile  nur  schwach  geneigte  Hinterfläche 
abgegrenzt. 

Die  Oberfläche  der  Schale  ist  mit  22 — 23  scharfrückigen ,  an 
den  Seiten  dachförmig  abschüssigen,  mäßig  hohen  vom  Wirbel  aus- 
strahlenden Rippen  bedeckt,  welche  durch  eben  so  breite  oder  noch 
breitere  flache  Zwischenrinnen  geschieden  werdeu.  Am  vorderen 
Theile  der  Schale  stehen  sie  gewöhnlieh  etwas  gedrängter  und  erhe- 
ben sich  zu  geringerer  Höhe.  Die  auf  der  erwähnten  Rückenkante 
liegende  Rippe  pflegt  am  stärksten  hervorzuragen  und  steht  von  den 
Nachbarrippen  am  weitesten  ab.  Auf  der  Hinterseite  zählt  man  5  —  6 
Rippen,  welche  ebenfalls  weiter  von  einander  gerückt  sind  und  sich 
mehr  verflachen. 

Über  die  Radialrippen  und  ihre  Zwischenfurchen  verlaufen  sehr 
gedrängte  und  ungleiche,  schwach  wellenförmig  gekrümmte  Anwachs- 
streifen ,  durch  welche  die  Schale  etwas  blättrig  erscheint.    In  ziem- 


Paliiontologische   Beiträge.  89 

lieh  regelmäßigen  Abständen  erheben  sich  diese  Streifen  auf  den 
Rippen  zu  kleinen  schuppig-blättrigen  Hervorragungen.  Am  wenig- 
sten tritt  diese  Erscheinung  im  vorderen  Theile  der  Schale  hervor. 

Auch  auf  den  Steinkernen  behalten  die  Rippen  großentheils  ihre 
scharfkantige  Beschaffenheit  bei ,   wenn  sie  gleich  an  Höhe  verlieren. 

3.  Cardiom  sp. 

Kleine  Steinkerne  mit  anhängenden  Schalenpartikeln  gehören 
offenbar  einer  zweiten  Cardium-Art  an,  die  im  Umrisse  mit  C.  sub- 
detitatum  Desh.  i)  einige  Ähnlichkeit  besitzt,  ohne  jedoch  in  den 
übrigen  Merkmalen  damit  übereinzustimmen.  Die  Schale,  deren  Höhe 
sich  zur  Länge  beiläufig  wie  14.5  :  18  Mm.  verhält,  ist  quer -oval, 
wenig  ungleichseitig,  vorne  gerundet,  hinten  schwach  abgestutzt, 
ohne  Rückenkiel.  Der  beinahe  mittelständige  Wirbel  ist  übergebogen, 
stärker  gewölbt  als  bei  C.  siibdeiitatum. 

Auf  dem  Rücken  der  Schale  zählt  man  etwa  16  Rippen,  die  am 
Wirbel  sehr  scharfrückig  hervortreten.  Zwischen  je  zwei  derselben 
scheint  sich  in  weiterem  Verlaufe  eine  sehr  flache  Zwischenrippe 
einzuschieben.  Auf  der  Vorder-  und  Hinterseite  der  Schale  ver- 
flachen sich  die  Rippen  sehr.  Über  die  ferneren  Charaktere  geben 
die  Steinkerne  keinen  genügenden  Aufschluß. 

4.  Cardiam  sp. 

Es  liegen  noch  Steinkerne  einer  dritten  kleineren  Art  vor.  Das 
vollständigste  Exemplar  ist  13  Mm.  lang  und  10,5  Mm.  hoch,  quer- 
oval, vorne  gerundet,  hinten  schwach  abgestutzt,  ziemlich  stark  ge- 
wölbt, mit  ühergebogenem  beinahe  mittelständigem  W'irbel,  ohne 
Rückenkante.  Die  Schalenoberfläche  wird  durch  zahlreiche  flache 
Radialrippchen  geziert,  die  durch  etwas  schmälere  Furchen  mit  fla- 
chem oder  selbst  etwas  convexem  Boden  geschieden  werden.  An 
beiden  Seiten  der  Schale  verflachen  sie  sich  etwas.  Über  Rippen  und 
Furchen  laufen  endlich  sehr  gedrängte  und  scharf  ausgesprochene 
ungleiche  vertiefte  Anwachsstreifen. 

5.   CoDgeria  triangolaris  Part  seh. 

Ich  habe  nur  eine  von  dem  umgebenden  Gesteine  an  der  Innen- 
seite nicht  trennbare  Schale  vor  mir,   die  wegen  ihres  dreiseitigen 


»)   Deshayes  1.  c.  p.  57.  T.  1,  Fig.  16—18. 


90  Reu  SS. 

Umrisses  wohl  unzweifellinft  der  genannten  Species  angehört,  aber 
wegen  der  Kleinheit  und  Dünne  der  Schale  und  der  geringen  Ent- 
wicklung des  triangulären  Lappens  von  einem  jugendlichen  Indivi- 
duum abstammen  muß. 

6.  lelanopsis  sp. 

Endlich  muß  noch  eines  Bruchstückes  einer  Melanopsis  Erwäh- 
nung geschehen,  welche  nach  den  erkennbaren  Merkmalen  kaum  von 
M.  Martuiiana  Fer.  verschieden  sein  dürfte. 

Die  einzelnen  hier  namhaft  gemachten  fossilen  Reste  bieten 
schon  wegen  ihres  sehr  mangelhaften  Erhaltungszustandes  nur 
wenige  sichere  Anhaltspunkte  dar.  Dagegen  fällt  die  Gesamtphy- 
siognomie der  Fauna,  welche  durch  diese  Überreste  repräsentirt 
wird,  desto  mehr  in  das  Gewicht.  Sie  verräth  einerseits  eine  große 
Analogie  mit  der  in  den  brakischen  mehr  weniger  ausgesüßten  Wäs- 
sern des  südöstlichen  Europa  und  des  Avestlichen  Asiens  lebenden 
Muschelfauna  (der  arab.  caspischen  Fauna);  anderseits  bietet  sie 
eine  große  Übereinstimmung  dar  mit  den  Vorläufern  derselben,  näm- 
lich der  Fauna  jener  Tertiärschichten,  welche  man  von  der  darin 
vorwiegend  entwickelten  Muschelgattung  Congeriu  (Dreissena,  Ti- 
chogoniaj  mit  dem  Namen  der  Congerienschichten  zu  belegen  pflegt. 
Über  ihre  Aveite  Verbreitung  hat  Herr  Sectionsrath  Fr.  v.  Hauer 
schon  vor  längerer  Zeit  Auskunft  gegeben  *).  Sie  haben  sich  aus  den 
ausgesüßten,  in  Beziehung  auf  ihre  Ausdehnung  sehr  reducirten,  auf 
mehr  weniger  isolirte  Becken  beschränkten  Überresten  eines  tertiären 
Meeres  abgelagert,  nachdem  sich  die  marinen  Depots  der  Tertiärzeit 
schon  sämtlich  gebildet  hatten. 

Den  westlichsten  Punkt  ihrer  Entwicklung  haben  sie  im  Wiener 
Becken  erreicht.  Von  da  erstrecken  sie  sich  durch  das  südliche 
Steiermark  —  daselbst  aber  nur  spärlich  entwickelt — ,  durch  das  ge- 
sammte  Südungarn  und  die  angrenzenden  Länder,  nordwärts  bis  in 
die  Thäler  der  Karpathen,  südwärts  bis  beinahe  an  den  Fuß  des 
Balkan  reichend.  Weiter  ostwärts  lassen  sie  sich  bis  nach  Südruß- 
land und  Kleinasien  verfolgen,  wenn  gleich  von  Spratt  jüngere  dilu- 


1)  über  die  Verbreitunj;;'   der  Inzersdorfer  (Congerieii-)  Schichlen  in  üsterreicli  im 
Jahrbuche  der  k.  k.  geol.  Heiebsanstalt  1860.  1.  pag.  I  ff. 


Paläontologische  Beiträge.  Q\ 

viale  SiißAvasserablageriingen  vielfach  mit  den  tertiären  Congericn- 
schichten  verwechselt  worden  sind  '). 

In  Siebenbürgen  selbst  sind  sie  bisher  schon  an  mehreren 
Punkten  nachgewiesen  worden.  Wir  finden  dieselben  in  der  Geologie 
Siebenbürgens  von  Ritter  Fr.  v.  Hauer  und  Dr.  Stäche,  pag.  41 
und  603  namentlich  verzeichnet.  Sie  sind  jedoch  durchgehends  mehr 
weniger  auf  die  Nachbarschaft  des  das  Innere  des  Landes  umgür- 
tenden Gebirgskranzes  beschränkt,  und  zwar  mit  Ausnahme  der  iso- 
lirten  im  nördlichen  Hochthale  von  Kapnik  gelegenen  und  lange  nur 
durch  den  Bergbau  aufgeschlossenen  Depots s)  sämtlich  demsüdliclien, 
westlichen  und  südöstlichen  Theile  desselben  angehörig.  Im  ersteren 
finden  wir  sie  bei  Groß-  und  Klein-Pold  und  Orh'is  bei  Reußmarkt.  zu 
Stammerndorf  und  Heitau  bei  Hermannstadt,  so  wie  zu  Galt  in  SO. 
von  Reps.  Am  Westrande  des  Beckens  sind  sie  bekannt  von  Halmagy 
und  im  Valye  Lyasza  im  Körösthale,  so  wie  zu  Hoswe  und  Györtelek 
in  N.  von  Szilagu  Somlego  und  endlich  zuOlahlapad  nordwestlich  von 
Nagy-Enyed.  Dem  südöstlichen  Rande  gehört  der  reichste  Fundort 
Siebenbürgens  an  Petrei'acten  der  Congerienschichten  an,  nämlich 
Arapatak  in  0.  von  Marienl)urg  und  außerdem  eine  zweite  Fundstätte 
zwischen  Nußbach  und  Rolhbach  in  N.  von  iMarienburg.  Die  Ver- 
steinerungen, welche  alle  diese  Fundstätten  geliefert  haben,  be- 
schränken sich  bisher  auf  die  geringe  Anzahl  von  13  Arten,  unter 
denen  man  4  Arten  der  Gattung  Congeria,  eben  so  \ie\e  Melanopsis, 
3  Pidudlna  und  endlich  je  eine  Melania  und  Nerita  zählt. 

Keiner  der  bisher  bekannten  Fundorte  ist  weiter  in  das  Innere 
des  Landes  vorgeschoben  und  obwohl  über  ihrVorkommen  im  Innern 
des  von  Tertiärschichten  erfüllten  siebenbürgischen  Beckens  von  vorne 
berein  kaum  ein  Zweifel  obwalten  konnte,  so  ist  doch  Arbegen  der 
erste  bisher  bekannt  gewordene  dem  Centrum  des  Landes  näher  ge- 
rückte Fundort  von  Congerienschichten.  Das  schon  dadurch  geweckte 
Interesse  wird  noch  wesentlich  durch  den  Umstand  erhöht,  daß   die 


1)  C.  Peters  vorläufiger  Bericht  über  eine  geologische  Untersuchung  der  Do- 
hrudscha  in  den  Sifzungsber.  d.  k.  Akad.  d.  Wiss.  in  Wien.  B.  SO,  p.  16. 

^)  Erst  H.  Wolf  hat  in  neuester  Zeit  die  Congerienschichten,  wenn  gleich  in  sehr 
geringer  Entwicklung  in  Kajinik  am  Tage  nachgewiesen  und  zwar  gehören  sie 
einem  tieferen  Congeria  Pavtsehi  führenden  Niveau  der  obigen  Abtheilung  an.  Auch 
bei  Nagjbanya  wui-den  sie  \on  ihm  entdeckt.  (Verhandl.  der  k.  k.  gcol.  Reichs- 
anstalt 1865,  pag.  254.) 


92  Reu  s  s. 

Petrefacten  von  Arbeiten  von  jenen  der  übrigen  genannten  Fundorte 
beträchtlich  abweichen  und  eine  weit  größere  Übereinstimmung  mit 
der  cardienreichen  pontischen  Gruppe  der  Congerienschichten  zeigen. 
Möge  die  Miltheilung  meiner  noch  sehr  lückenhaften  Notiz  bald  zu 
genauerer  Durchforschung  und  umfassenderer  Ausbeutung  des  inte- 
ressanten Fundortes  führen. 

7.  Neue  Fundorte  von  Valenciennesia  annulata  Rousseau. 

In  A.  V.  Demidoffs  V^oyage  dans  la  Russie  meridionale  et  la 
Crimee  II.  pag.  791  (Atlas,  Mollusques  Taf.3,Fig.7)  hat  Rousseau 
die  Schale  eines  höchst  merkwürdigen  Gasteropoden  beschrieben 
und  abgebildet,  der,  im  Umrisse  einem  riesenhaften  Ancylus  gleichend, 
sich  doch  so  wesentlich  davon  unterscheidet,  daß  er  zum  Typus  einer 
selbstständigen  Gattung  erhoben  wurde.  Rousseau  belegte  dieselbe 
zuerst  —  im  Atlas  —  mit  dem  höchst  sprachwidrig  gebildeten  Namen: 
Valenciemiensis,  den  er  später  im  Texte  seiner  Beschreibung  mit 
Valencieimitis  vertauschte.  Bourguignat  >)  verbesserte  ihn,  indem 
er  ihn  in  Valenciennia  umwandelte,  worauf  ihn  Fischer  2)  noch 
sprachrichtiger  in  Valenciennesia  umgestaltete,  welchen  ich  hier 
auch  beibehalte.  Der  Rousseau'sche  Speciesname  ,,afi7iulata"  ist 
sehr  bezeichnend. 

Das  hier  besprochene  Fossil  wurde  in  den  oberen  Schichten  der 
mittleren  Tertiärabtheilung  am  Cap  Kamiouch-Bouroun  in  der  Krim 
gesammelt,  wo  es,  begleitet  von  Limnaeus  peregi'inus  und  velutinus 
Desh.,  Planorbis  rotella  Rouss.,  Paludina  Casaretto  Rou§s., 
Congeria  aperta  Desh.  sp.,  Cardium planum  Desh.,  C.  carinatum 
Desh.,  C.  crenulatnm  Rouss.,  C.  acardo  Desh.  und  C.  modiolare 
Rouss.,  in  Menge  vorkömmt,  also  durchgehends  in  Gesellschaft  von 
Conchylien  des  süßen  und  brakischen  Wassers. 

In  der  neuesten  Zeit  überzeugte  man  sich  jedoch,  daß  dem 
Fossile  ein  viel  ausgedehnterer  Verbreitungsbezirk  zukömmt. 

Bei  Gelegenheit  seiner  letzten  Anwesenheit  in  Pest  sah  Herr  Sec- 
tionsrath  Ritter  v.  Hauer  Exemplare  desselben ,  dessen  Bruchstücke 


1)  Auienites  iiiiilacologiques  in  der  Revue  et  magasin  de  Zoologie  2de  Ser.  VII.  185S, 

§.  23.  p.  29,  T.  1,  l<'ig.  1,  2;   T.  2,  Fig.  1. 
«)   Journal  de  conchyiiologie  2de  Ser.  III.  1838,  p.  318. 


Paläontolopische   Beiträge.  93 

Steirikernen  von  Inocerameii  täuscheiifl  ähnlich  waren,  im  dortigen 
Museum  und  verölTenth'chte  darühei*  eine  kurze  Notiz  in  den  Verhand- 
lungen der  k.  k.  Reichsanstalt  (Bericht  vom  31.  Juli  1867,  Nr.  11, 
pag.  234),  in  der  er  die  Ähnlichkeit  mit  bauchigen  Limnaeen  mit  nie- 
dergedrücktem Gewinde,  z.  B.  f^.  nobilis  R  s  s.  von  Arhegen ,  hervor- 
hebt. Ihm  verdanke  ich  die  freundliche  Mittheilung  eines  mitgebrach- 
ten Exeraplares,  das  jedoch  zu  fragmentär  war,  um  seinen  Bau  gründ- 
lich zu  studiren. 

Durch  gütige  Vermittlung  des  Herrn  iJirectors  !)r.  Hörn  es  ließ 
mir  Herr  v.  Hantken  mit  dankenswerther  Zuvorkommenheit  sämt- 
liche in  Pest  befindliche  Exemplare  zur  Untersuchung  zukommen. 
Von  denselben  gehören  sieben  dem  Pester  Museum,  sechs  dem  Herrn 
Prof.  Szabo  an.  Mit  Ausnahme  eines  kleinen  fragmentären  Exem- 
plares,  das  Herr  v.  Hantken  nach  seiner  Mittheilung  im  Jahre  1860 
selbst  aus  den  Congerienschichten  von  Totis  westlich  von  Gran  in 
Ungarn  sammelte,  stammen  die  übrigen  sämtlich  von  Beoscin  in 
Syrmien  (Taf.  3,  Fig.  1—3). 

Im  Oetober  1867  entdeckte  Herr  Prof.  Hofmann  aus  Pest 
dieselbe  Versteinerung  endlich  auch  in  der  Wallachei ,  auf  einer 
Anhöhe  an  der  Straße  zwischen  Arkj'niy  und  Bradisceny,  nahe  west- 
lich an  erstgenanntem  Orte.  Die  dort  gesammelten  fragmentären, 
aber  deutlich  erkennbaren  Exemplare  erhielt  ich  durch  gütige  Ver- 
mittlung des  Herrn  v.  Hantken  ebenfalls  zur  Ansicht. 

Die  zur  Untersuchung  vorliegenden  Exemplare  lassen  sämtlich 
noch  manches  zu  wünschen  übrig.  Niu-  drei  derselben  sind  in  ihrem 
ganzen  Umfange  erhalten  und  von  diesen  gehören  zwei  überdies  dem- 
selben Individuum  an,  indem  sie  den  Abdruck  der  Ober-  und  Unter- 
seite darstellen.  Alle  übrigen  sind  mehr  weniger  unvollständige 
Bruchstücke.  Bei  den  meisten  ist  vorzugsweise  der  hintere  unterhalb 
des  Wirbels  gelegene  Theil  des  Randes  abgebrochen  und  in  diesem 
Falle  nimmt  das  Fossil  die  schon  früher  hervorgehobene  täuschende 
Ähnlichkeit  mit  einem  Steinkerne  eines  Inoceramns  an. 

Aber  auch  die  in  ihrem  ganzen  Umfange  erhaltenen  Exemplare 
sind  entstellt,  indem  sie  von  oben  niedergedrückt  erscheinen,  was  bei 
der  beträchtliciien  Ausdehnung  und  Dünne  der  Schale  leicht  erklär- 
bar ist.  Dieselbe  ist  überdies  beinahe  stets  verschwunden.  Nur  an 
dem  fragmentären  Stücke  von  Totis  und  noch  mehr  an  jenen  aus  der 
Wallachei  sind  noch  anhängende  Schalenreste  wahrzunehmen, 


t/nt  R  e  u  s  8. 

Die  Größe  (br  untersuchten  Exemplare  ist,  wenn  auch  sehr 
veränderlich,  doch  stets  heträchtlich.  Das  größte  derselhen  mißt 
118  Mm.  in  der  Länge  und  etwas  ülier  90  Mm.  in  der  Breite.  Bei 
dem  zweiten  vollständigeren  Exemplare  beträgt  die  Länge  95,  die 
Breite  90  Mm.  Kleinere  Stücke  messen  dagegen  nur  68,  das  kleinste 
nur  40  Mm.  in  der  Länge.  Der  Umfang  des  gesamten  Gehäuses, 
welcher  bei  der  Dünne  der  Schale  mit  jenem  der  weit  geöffneten 
schüsseiförmigen  Mündung  zusammenfällt,  ist,  wie  die  angegebenen 
Maße  zeigen,  sehr  breit  -  elliptisch  oder  beinahe  kreisförmig; 
jedoch  darf  nicht  übersehen  werden,  daß  in  Folge  der  Depression 
der  Schale  das  Verhältniß  zwischen  Länge  und  Breite  wesentlich 
geändert,  nämlich  der  Breitendurchmesser  beträchtlich  vergrößert 
worden  sein  muß. 

Der  Rücken  der  Schale  ist  bauchig  gewölbt,  am  höchsten  in  der 
Nähe  des  Wirbels ,  der  am  hinteren  Ende  der  Schale  liegt  und 
hakenförmig  nach  hinten  herabgekrümmt  ist.  Von  da  senkt  sich  die 
Schale  gegen  den  bogenförmigen  Vorderrand  nur  allmälig.  Steiler 
fällt  sie  gegen  die  Seitenränder  ab,  am  steilsten,  beinahe  senkrecht 
am  hinteren  Ende.  Jedoch  ist  dies  nur  an  normalen  Exemplaren 
wahrzunehmen,  an  den  vorliegenden  ist  selbst  der  Hinterrand  in 
Folge  der  eingetretenen  Compression  beinahe  tlach  ausgebreitet. 

Aus  demselben  Grunde  ist  auch  die  an  der  rechten  Seite  des 
Hiiiterrandes  vom  Wirbel  herabziehende  Siphonalrippe,  welcher  an 
der  Innenseite  der  Schale  eine  starke  furchenartige  Einbiegung  ent- 
spricht, vollkommen  ausgeglichen  und  verschwunden.  Sie  wird  nur 
noch  durch  einen  merkbaren  Sinus,  den  die  concentrischen  Falten 
der  Schale  an  dieser  Stelle  bilden,  angedeutet.  Eben  so  ist  von  der 
kleineren  rippenartigen  Ausbiegung,  welche  die  linke  Seite  des 
Hinterendes  normaler  Schalen  darbietet,  keine  Spur  mehr  wahr- 
nehmbar. 

Die  sehr  dünne  Schale  wird  von  starken  und  hohen,  scharf- 
rückigen,  dachförmig  abfallenden  concentrischen  Falten  bedeckt,  die, 
am  Wirbel  schwach  beginnend,  in  immer  weiteren  concentrischen 
Bögen  sich  herumlegen  und  zugleich,  je  näher  der  Schalenperipherie, 
desto  höher  sich  erheben.  Sie  stehen  ziemlich  gleich  weit  von  einan- 
der ab;  doch  zeigen  sie  in  Beziehung  auf  Abstand  und  Höhe  stel- 
lenweise einige  Unregelmäßigkeit.  Ihre  Zahl  ist  auch,  abgesehen  von 
der  Größe  der  Schale,   schwankend.  An  dem  grüßten  der  vorliegen- 


Paläontologische  Beiträge.  95 

den  Exemplare  zähle  ich  vom  Wirbel  bis  zur  Peripherie  im  Ganzen 
30  Falten,  von  denen  jedoch  einzelne  nicht  bis  an  den  Seitenrand 
hinabreichen,  sondern  schon  an  der  rechten  Rückenseite  bald  ab- 
brechen. Besonders  ist  dies  bei  den  dem  Wirbel  näher  liegenden 
Falten  der  Fall.  Am  gedrängtesten  und  daher  auch  am  zahlreichsten 
stehen  sie  auf  den  Exemplaren  aus  der  Wallache!.  Auf  den  Falten 
und  in  ihren  Zwischenfurchen  verlaufen  überdies  zahlreiche  ge- 
drängte, ungleiche  concentrische  Anwachsstreifen.  Die  in  der  von 
Rousseau  gegebenen  Abbildung  angedeuteten  Radiallinien,  wodurch 
die  Oberfläche  der  Schale  gleichsam  fein  gegittert  erscheint,  konnte 
ich  an  den  mir  vorliegenden  Fossilresten  nirgends  wahrnehmen; 
wohl  aber  zerbricht  die  Schale  in  der  dadurch  angedeuteten  Rich- 
tung äußerst  leicht  und  unterliegt  deßhalh  auch  so  sehr  der  Zer- 
störung. Es  scheinen  also  durch  die  genannte  unterbrochene  Strei- 
fung nur  die  erwähnten  Bruchrichtungen  angedeutet  zu  werden.  Die 
concentrischen  Falten  und  Streifen  treten  auch  auf  der  Innenseite 
der  Schale  vollkommen  deutlich  hervor.  Von  einem  Muskeleindruck 
ist  dagegen  keine  Spur  wahrzunehmen. 

Faßt  man  alle  beschriebenen  Charactere  der  F.  annulata  zu- 
sammen, so  ergibt  sich  nachstehende,  beinahe  in  ihrem  ganzen  Um- 
fange schon  von  B  o  u  r  g  u  i  g  n  a  t  ')  formulirte  Diagnose : 

„Y.  testa  tenuissima,  leite  ovato-oblonga ,  gibboso-convcwa, 
postice  in  umboiiem  acutum  deflexum  protracta  et  praerupte  de- 
clivi;  hl  latere  postico  dextro  costa  siphonali  ampla,  a  vertice  ad 
marginem  usque  sinuatum  decurrente ;  superficie  acute  concen- 
trice  plicata  et  striata;  apertura  latissima  ovata;  margine  te7iui 
acuto". 

Über  die  Stellung  der  Gattung  Valenciennesia  im  zoologischen 
Systeme  sind  sehr  verschiedene  Ansichten  ausgesprochen  worden. 
Von  allen  Seiten  ist  jedoch  die  Ähnlichkeit  der  Schale,  welche  allein 
zur  Beurtheilung  vorliegt,  einerseits  in  Betreff  ihrer  Gesamtphysio- 
gnomie mit  Ancylus,  andererseits  wegen  des  Sinus  auf  der  hinteren 
rechten  Seite  der  Schale,  der  wahrscheinlich  einer  mit  den  Respira- 
lionsorganen  in  Verbindung  stehenden  Siphonairöhre  zur  Aufnahme 
gedient  haben  mag,  mit  der  Gattung  Siphonaria  geltend  gemacht 
worden.  Bourguignat  sieht  daher  darin  eine  Übergangsform  zwi- 


*)  Re^Tie  et  magasin  de  Zoologie  par  Guerin-Meneville  2de  Ser.  VII.  1833.  pag.  30, 


96  R  e  u  SS. 

scheu  beiden  geiuuinten  Gattimt'en,  welche,  nach  ihren  Begleitei-n  in 
den  sie  beherbergenden  Schichten  zu  schließen,  in  brakischem 
Wasser,  vielleicht  an  der  Einmündung  größerer  Flüsse,  gelebt  haben 
mochte. 

Deshayesi)  versetzt  sie  ebenfalls  zu  den  Limnaeaceen  und 
zwar  in  die  Unterabtheilung  der  Ancylinen,  deren  Reihe  er  damit 
eröffnet,  um  sie  auf  diese  Weise  in  die  größtmögliche  Nähe  von 
Siphoiiarla  zu  bringen.  Es  scheint  dies  bei  den  mehrfach  hervor- 
gehobenen Analogien  auch  die  naturgemäßeste  Stellung  zu  sein,  in- 
dem Ancyhis  dann  den  einfachsten  Süßwassertypus  darstellt,  von 
welchem  Valenciennesin  sich  durch  das  Vorhandensein  der  Siphonai- 
röhre entfernt,  um  sich  dagegen  durch  dieselbe  einerseits  an  Sipho- 
naria,  anderseits  an  Camptonyx  Bens,  anzunähern,  welche  Gat- 
tung gleichzeitig  das  terrestre  Ancylinenglied  bildet.  In  anderer 
Richtung  —  durch  eine  im  Innern  der  Schale  befindliche  Querlamelle, 
ähnlieh  wie  bei  Crepidula  —  weichen  sodann  Gwidlachia  Pfeift'., 
Poeyia  Bourg.  und  Latia  Gray  von  ÄJicylus  ab. 

Eine  etwas  divergirende  Ansicht  spricht  Fischer  «)  aus,  indem 
er  Vrdencietmesia  mit  Camptonyx  nicht  nur  nach  dem  Vorgange  von 
Adams  2^  in  Gray's  Familie  der  Otiniden  versetzt,  sondern  beide 
selbst  in  einer  Gattung  —  Valenciennesia  —  zusammenfaßt.  Der 
letztere  V^organg  dürfte  nicht  ganz  begründet  erscheinen,  da  die  Ver- 
muthung  Fischer's,  daß  Valenciennesia  ein  Landbewohner  sei,  in 
den  sie  begleitenden  Fossilresten,  welclie  durchgehends  den  Mollusken 
des  süßen  und  brakischen  Wassers  angehören,  eben  keine  Stütze 
findet.  Wie  schon  Bourguignat  bemerkt,  scheint  sie  vielmehr 
ebenfalls  im  brakischen  Wasser  gelebt  zu  haben  und  dann  dürfte  es 
wohl  erlaubt  sein,  trotz  dem  mit  Camptony iV  analogen  Baue  der  Schale 
auf  eine  etwas  verschiedene  Organisation  des  Thieres  zu  schließen. 
Darum  würde  aber  auch  nicht  zu  billigen  sein,  Bewohner  des  festen 
Landes  und  des  Wassers  in  derselben  Gattung  zu  vereinigen.  Ich 
ziehe  es  daher  vor,  mit  Deshayes  und  Anderen  beide  Gattungen 
gesondert  zu  halten. 


Ij    Descr.  des  anini.  saus  vertelires  decouv.  dans  le  bass.  teil,  de  Paris.  II.  (>.  695. 

-)   Journal  de  Conchyliologie  S''*"  Sor.  III.  pag.  376. 

3)    11.   aiid    A.   A  d  a  m's  the  geiiera  of  recent  moUusca  II.  pag-.  644. 


Piiliiontologische  ßeiträg-e.  97 

Von  Totis  bei  Gran  und  von  Arkany  in  der  VVallaehei  liegt  mir 
nichts  von  den  die  Valenciewiesia  begleitenden  Versteinerungen  vor. 
Beocsin  in  Syrmien  scheint  jedoch  daran  sehr  reich  zu  sein ;  nur  hat 
man  es  dort  diirchgehends  mit  Steinkernen  zu  thun.  Die  Arten  sind 
daher  theiis  schon  deshalb,  theils  wegen  der  starken  Compression 
der  fossilen  Reste  schwer  oder  gar  nicht  mit  Sicherheit  zu  bestimmen. 
Ich  beobachtete  Limnaeus  veluthms  Desh.,  der  von  Verneuil  und 
von  Dem  id  off  bei  Kamiouch-Bouroun  unweit  Kertsch  gesammelt 
wurde,  ein  Cavdium,  welches  wohl  mit  C.  edenfulum  besh.  i)  über- 
einkommen dürfte,  sowie  auch  ein  anderes  kleineres  Cardium  von 
gerundet-ovalem  Umriß,  das  mit  dem  von  Eich  wald  2)  nach  bloßen 
Steinkernen  beschriebenen  noch  sehr  problematischen  C.  littorale 
Eichw.  von  Odessa  einige  Ähnlichkeit  besitzt. 

Die  gemachten  Beobachtungen  reichen  hin,  um  darzuthun,  daß 
die  Schichten,  in  denen  neuerdings  die  Valenciennesia  anmdata  ent- 
deckt wurde,  in  paläontologischer  Beziehung  vollständig  mit  jenen 
von  Kamiouch-Bouroun  übereinstimmen.  Hier  wie  dort  bietet  die 
Fauna  neben  der  Valenciennesia  den  Limnaeus  velutinus  und  Car- 
dien,  die  theils  denselben,  theils  höchst  verwandten  Arten  angehören. 
Sobald  die  neuen  Fundorte  in  ausgedehnterem  Maße  werden  durch- 
forscht und  ausgebeutet  sein,  wird  sich  die  Übereinstimmung  als  eine 
noch  vollständigere  herausstellen. 

Es  kann  keinem  Zweifel  unterliegen,  daß  die  fraglichen  Schich- 
ten sämtlich  in  dasselbe  geologische  Niveau  zu  versetzen  sind.  Ihre 
Fauna  weiset  mit  Sicherheit  nach,  daß  sie  den  Congerienschichten 
angehören,  die  sich  alle  aus  in  hohem  aber  ungleichem  Grade 
ausgesüßtem  Wasser  abgelagert  haben,  welche  Aussüßung  jedoch 
nach  vollendeter  Ablagerung  der  marinen  Miocänschichten  schon  in 
der  Bild  ungsepoche  der  Cerithienschichten  —  der  sarmatischen  Periode 
—  begonnen  hatte.  Ihr  Fortschreiten  kann  entweder  nur  an  der  Ein- 
mündung größerer  Flüsse  stattgefunden  haben  oder  in  Lagunen,  in 
denen  durch  langdauernde  Abschließung  vom  Meere  und  durch  Zu- 
strömen süßen  Wassers  der  Salzgehalt  auf  ein  sehr  niedrigesVerhältniß 


1)   D  eshay  e  s   I.  c.  pa^.  j7.  T.  3,   Fig.  3  —  6.   —   Rousseau   in  Demidoff  I.  c.  pag-. 

807.   T.  7,  Fig.  4.   —   Es  wird   von   Börnes   auch   von   Arpad  in   SO.  von  Fiinf- 

kircheu  beschrieben. 
2j   Eichwald,   Lethaea  rossiea  IH.  pag.  99.  T.  6,  Fig.  1. 
SiUb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  LVH.  Bd.  I.  Abth.  7 


98  R  e  u  s  s. 

reducirt  worden  ist.  Es  dürfte  nicht  erlaubt  sein,  aus  der  Gegenwart 
von  Süßwassermollusken,  z.  B.  der  Gattungen  Limnaeus,  Planorhis, 
Paludina,  auf  eine  Schichtenbildung  aus  süßem  Wasser  zu  scliließen, 
da  Cardien  in  demselben  kaum  gedeihen  und  sich  reich  entwickeln 
konnten,  während  es  von  der  anderen  Seite  bekannt  ist,  wie  leicht 
sich  viele  Süßwasserschnecken  allmälig  an  einen  selbst  nicht  unbe- 
trächtlichen Salzgehalt  ohne  jede  Störung  ihrer  Lebensfunctionen 
zu  gewöhnen  vermögen. 

Die  Abweichungen  der  Fauna  der  Congerienschichten  an  ver- 
schiedenen Punkten  ihres  Vorkommens  sind  offenbar  theils  durch  ihr 
verschiedenes  Alter,  theils  durch  mannigfache  locale  Einflüsse  be- 
dingt, die  sich  in  isolirten  abgeschlossenen  Becken  stets  leicht,  wenn 
gleich  in  verschiedenem  Maße,  geltend  machen,  theils  endlich  durch 
beiderlei  Ursachen  zugleich.  Unter  den  aus  beiden  Quellen  hervorge- 
henden Ursachen  der  Abweichungen  in  der  Fauna  nimmt  insbeson- 
dere der  verschiedene  Salzgehalt  des  Wassers,  in  welchem  die 
Mollusken  gelebt  haben,  einen  hervorragenden  Platz  ein. 

Abgesehen  von  kleineren  Divergenzen,  welche  gehörig  zu  wür- 
digen der  Zukunft  vorbehalten  bleiben  muß,  sind  es  hauptsächlich 
zwei  Niveaus,  die  man  schon  jetzt  in  der  umfassenden  Gruppe  der 
Congerienschichten  zu  unterscheiden  vermag.  Sie  lassen  trotz  man- 
cher Übereinstimmung,  die  bei  Gliedern  derselben  Gruppe  nicht  wohl 
fehlen  kann,  sehr  beträchtliche  und  auffallende  Divergenzen  in  ihrer 
Fauna  erkennen.  Die  eine  derselben  kann  man  wegen  der  fast  aus- 
schließlich ihr  7.\\\ommenÄex\Melnnopsis- Arten  {M.Marthnnna  Fer., 
M.  Bouei  Fer.,  seltener  M.  imprcssa  K  ra  us  s  u.  a.)  mit  dem  Namen 
der  Melanopsidenschichten  belegen.  Sie  führen  nebstbei  eine  Unzahl 
von  Congeria  snbglobosa  P  a  r  t  s  c  h ,  C.  spath ulata  P  a  r  t  s  c  h  ,  C. 
triangularis  P.,  kleine  Cardien  (C.  apertum  v.  M.  und  C  conjimgens 
Partsch),  überdies  Arten  von  ünio ,  Paludina,  Planorbis,  Valvata 
u.  s.  w. 

Doch  werden  sich  auch  innerhalb  dieser  Abtheilung  in  der  Folge 
gewiß  mehrere  gesonderte  Niveaus  unterscheiden  lassen.  Denn 
bisweilen  findet  man  die  Melanopsiden  und  die  Congerien  in  getrenn- 
ten Lagerstätten  und  dann  pflegen  die  ersteren  ein  höheres  Niveau 
eijizunehmen.  Auch  manche  an  Unionen  von  theilweise  nordameri- 
kanisehem  Habitus  reiche  Schichten  scheinen  einem  solchen  höheren 
Horizonte  anzugehören,  wenn  sie  nicht  noch  jüngeren  Alters  sind. 


Paläontologische   ßeiträg'e,  99 

Überhaupt  nehmen  die  jüngeren  Congerienschichten  eine  immer 
größere  Menge  von  Siißwasserformen  auf  und  gehen  endlich  in  reine 
Süßwasserablagerungen  über.  Deßhalb  ist  hier  große  Yorsiclit  nöthig, 
um  nicht  diluviale  oder  selbst  noch  jüngere  limnische  Schichten, 
welche  an  noch  lebenden  Molluskenformen  mehr  weniger  reich  sind, 
in  den  Bereich  der  Congerienstufe  einzubeziehenund  somit  das  Gebiet 
derselben  weit  über  die  Gebühr  auszudehnen. 

Dagegen  dürfte  Congeria  Partschi  Cziz.,  welche  nie  in  Gesell- 
schaft der  C.  subglobosa  auftritt,  so  wie  C  CzHekiUövn.,  schon  ein 
etwas  tieferes  Niveau  der  Congerienschichten  andeuten. 

Die  zweite  Gruppe  derselben  —  die  Cardienschichten  —  wird 
vorzugsweise  durch  eine  große  Menge  Cardien,  zum  Theile  mit  abnor- 
mem Schloßbaue,  welche  von  Deshayes,  Rousseau  und  Hörn  es 
beschrieben  worden  sind,  characterisirt.  Ihnen  gehören  ferner  an: 
Coiigeria  rhomboidalis  Hörn,  und  C.  aperta  Desh.  ')  sp.,  mehrere 
Limnaeaceen,  zum  Theil  von  eigenthümlicher  Physiognomie,  wie  L.  ve- 
lutinus  Desh.,  L.  nobi/is  Rss.,  die  merkwürdige  Valenciennesia  aii- 
nidataRoüss.,  endlich  Paludina-  und Planorbis-Arten,  welche  aber 
durchgehends  von  jenen  der  Melanopsidenschichten  verschieden  sind. 

Die  geographische  Verbreitung  beider  Schichtengruppen  ist 
nicht  vollkommen  dieselbe.  Die  Melanopsidenschichten  erstrecken 
ihren  Verbreitungsbezirk  viel  weiter  gegen  Westen  und  Norden  und 
sie  sind  es  allein,  welche  noch  im  Wiener  Becken  2^  ihre  reichliche 
Entwicklung  gefunden  haben.  Die  Cardienschichten  dagegen  sind 
bisher  auf  Ungarn  und  ihre  Nebenländer  beschränkt  geblieben  und 
dehnen  ihre  Existenz  bis  auf  die  pontischen  Länder  aus.  Sie  ver- 
breiten sich  daher  viel  weiter  nach  Süden  und  Osten,  in  Gegenden, 
wo  die  Schichten  der  ersten  Gruppe  bisher  noch  nicht  nachgewiesen 
worden  sind. 

Die  cardienreichen  Congerienschichten  sind  bisher  schon  an 
vielen  Punkten  angetroffen  worden.  Die  schon  früher  aufgezählten 
Fundstätten  der  Valenciennesia  anmdata  zeichnen  sich   insgesamt 


0    C.  aperta  Desh.  sp.  ist,   wie  ich  mich  in  den  reichlialtigen  Sammlungen  des  k.  k. 

Hof-Mineraliencabinets  überzeugte,  neuerlichst  auch   in  der  ersten  Abtheilung  der 

Congerienstufe    gefunden    worden    und    zwar    bei    Radmanest    unweit    Lugos    im 

ßanate. 
2)  Dieses  bildet  überliaiipt  die  Westgrenze  der  Congerienschichten,  die  über  dieselbe 

nirgends  gegen  Westen  weifer  hinausschreiten. 

7* 


100  Reuss. 

durch  eine  vollkoininene  Gleichartigkeit  ihres  Gesteines  aus.  Es  ist 
dies  ein  sehr  feinerdiges  gelhliches  oder  gelhhchgraues  thonig-kalki- 
ges  Gestein,  das  stark  an  der  Zunge  hängt  und  sich  in  Salzsäure 
unter  lehhal'teni  Brausen  löst  mit  Hinterlassung  eines  mäßigen  sehr 
feinen  theils  tlockigen,  theils  sandigen  Rückstandes  i)-  An  anderen 
Orten  liegen  dagegen  die  Petrelacten  in  einem  Gesteine  von  abwei- 
chender und  sehr  wechselnder  IJeschaffenheit  eingebettet.  Bald  ist  es 
ein  mehr  weniger  thoniger  oder  sandiger  Tegel,  bald  ein  gewöhnlich 
thoniger  feinkörniger  Sandstein,  bald  ein  fester  quarziger  Sandstein, 
in  welchem  man  es  meistens  nur  mit  Steinkernen  zu  thun  hat.  Solche 
Fundorte  sind:  Arpjul  in  SW.  von  Fünfkirchen,  die  Umgegend  von 
Hidas  und  Szegszard,  Kaptalania  nordöstlich  von  Sümeg  (Ungarn), 
Arbegen  in  Siebenbürgen,  Borowo  in  Slavonien,  Cernawoda  in  Bul- 
garien, Rassowa  in  der  Dobrudsclia  2)  u.  a.,  und  ihre  Zahl  wird 
durch  fortgesetzte  Untersuchungen  gewiß  noch  beträchtlich  vermehrt 
werden. 

Die  beträchtlichen  Verschiedenheiten ,  welche  zwischen  beiden 
Gruppen  der  Congerienstufe  obw  alten ,  führen  mit  großer  Wahr- 
scheinlichkeit zu  dem  Schlüsse,  daß  beiden  in  vielen  Fällen  ein  ver- 
schiedenes Alter  zukomme.  Welche  jedoch  die  ältere  sei,  kann  kaum 
direct  mit  Sicherheit  entschieden  werden.  Man  hat  zwar  an  manchen 
Orten  beide  Schichtengruppen  beobachtet,  aber  niemals  in  relativer 
Überlagerung  in  demselben  Proiile  vereinigt,  sondern  stets  nur  neben 
einander  gelagert.  Will  man  jedoch ,  wie  es  nicht  unwahrscheinlich 
ist,  zugeben ,  daß  die  zahlreichen  größeren  Cardien  in  einem  noch 
etwas  salzreicheren  Wasser  gelebt  haben ,  die  Melanopsidenschich- 
ten,  in  denen  schon  eine  größere  Zahl  von  Süßwasserformen  auf- 
taucht, sich  dagegen  aus  einem  noch  mehr  ausgesüßten  Wasser  ab- 
gelagert haben,  so  würde  es  vielleicht  erlaubt  sein,  für  die  ersteren 
ein  etwas  höheres  Alter  in  Anspruch  zu  nehmen.  Für  diese  Ansicht 
spricht  übrigens  der  in  den  obersten  Schichten  der  Melanopsidenfüh- 
renden  Gruppe  stattfindende  Übergang  in  wahre  Süßwassergebilde, 


1)  Die  Gleichförmigkeit  der  Gesteinsinasse  wird  liiii  und  wieder  durcli  einzelne  Blatt- 
abdriicke  ,  so  wie  diircli  meist  vereinzeUe,  selten  truppweise  versammelte  Stein- 
kerne  winziger  Ostracoden  unterbrochen.  Dieselben  liaben  im  Umrisse  Ähnlichkeit 
mit  Cytheridea  Miilleri  v.  M.  sp.,  gestatten  jedoch  keine  nähere  Bestimmung,  weil 
nie  eine  Spur  der  Schale  erhalten  ist. 

*)  Petei's   Grundlinien  zur  Geographie  und  Geologie  der  Dobrudscha.  II.  pag.  53. 


Piiläontolog-ische    Beitiiige.  101 

der  von  der  im  Laufe  der  Zeit  eingetretenen  vollständigen  Aussfißung 
der  betretenden  Wasserbecken  Zeiigniß  gibt.  Damit  würde  endlich 
aiicli  das  alleinige  Auftreten  der  ersten  (iriippe  in  dem  Wiener 
Beciien,  also  an  der  Grenze  des  Verbreitungsbezirkes  der  Congerien- 
scbicbten  überhaupt,  wohl  im  Einklänge  stehen,  so  wie  auch 
das  Vorbandensein  beider  Gruppen  an  einer  Localität  und  das 
Erscheinen  von  schon  oben  angedeuteten  vermittelnden  Zwischen- 
stufen in  dem  Processe  der  allmälig  immer  weiter  vorschreitenden 
Aussüßiung  des  Wassers  seine  naturgemäße  Erklärung  fände.  Dadurch 
wird  jedoch  die  gleichzeitige  Entstehung  beider  Schichtengruppen 
keineswegs  ausgeschlossen.  Während  sich  in  einzelnen  Becken  oder 
doch  an  den  Rändern  derselben,  wo  ein  reicheres  Zuströmen  süßen 
Wassers  statt  hatte,  Melanopsidenreiche  Schichten  bildeten,  konnten 
sich  zu  gleicher  Zeit  in  anderen  Becken  oder  im  Inneren  derselben, 
im  Gebiete  eines  noch  etwas  salzreicheren  specifisch  schwereren 
Wassers,  Ablagerungen  der  zweiten  oder  pontischen  Gruppe  bilden. 
Ja  an  wieder  anderen  Punkten  konnte  selbst  zur  gleichzeitigen  Ent- 
stehung rein  limnischer  Gebilde  Gelegenheit  geboten  werden.  Daß 
durch  diese  Erwägungen  die  Beurtheilung  des  Alters  der  obermiocä- 
nen  Tertiärbildungen  sehr  wesentlich  erschwert  wird,  liegt  klar  am 
Tage.  Im  Falle  der  gleichzeitigen  Ablagerung  würden  beide  innerhalb 
der  Congerienstufe  unterschiedene  Gruppen  nur  als  verschiedene 
durch  locale  Einflüsse  bedingte  Facies  derselben  aufzulassen  sein. 
Die  bestimmte  Lösung  dieser  und  anderer  damit  zunächst  verknüpf- 
ter Fragen  muß  jedoch  erst  von  fortgesetzten  umfassenden  Unter- 
suchungen erwartet  werden.  Dieselben  werden  uns  ohne  Zweifel  auch 
noch  die  weitere  Verbreiiung  der  Valenciemwsia  anmilata  innerhalb 
der  pontischen  Gruppe  der  Congerienstufe  kennen  lehren,  wo  über- 
haupt die  Gesteinsbeschaffenheit  sich  zur  Erhaltung  der  sehr  dünnen 
und  leicht  zerstörbaren  Schale  dieses  Gasteropoden  eignete. 

8.  Foraminiferen  und  Ostracoden  ans  den  Schichten  von 
St.  Gassian. 

I.  So  überraschend  groß  die  Zahl  und  Mannigfaltigkeit  der  Fora- 
miniferen ist,  welche  der  Lias  bisher  schon  dargeboten  hat,  so  scheint 
doch  dieser  Reichthum  sogleich  zu  verschwinden,  sobald  man  etwas 
tiefer,  in  das  Gebiet  der  Trias  herabsteigt.  Wenigstens  ist  die  Zahl 
jener,  die  aus  den  ihr  zugehörigen  Schichtencomplexen  bisher  bekannt 


102  Reuss. 

wordeil  sind,  .Tusnehmend  klein  geblieben.  Zum  Tbeile  mag  wohl 
auch  die  BeschalTenheit  ihrer  Gesteine,  welche  meistens  der  Erhal- 
tung winziger  Kalkschalen  nur  wenig  günstige  Verhältnisse  darboten, 
die  Schuld  daran  tragen.  Denn  es  sind  meistens  sandige  Gebilde  und 
compacte  Kalksteine,  denen  wir  hier  begegnen.  Darin  mögen  nun  die 
Schalen  der  Foraminil'ercn,  selbst  wenn  sie  vorhanden  waren,  durch 
die  im  höheren  Grade  stattfindendeAuslaugung  verloren  gegangen  sein 
oder  sie  sind  in  der  umgebenden  Kalkmasse  so  fest  eingebettet,  mit 
derselben  so  innig  verschmolzen,  daß  an  ihre  Isolirung  nicht  zu 
denken  ist.  Selbst  dünne  Schliffe  lassen  unter  dem  Mikroskope  höch- 
stens ihre  Durchschnitte  wahrnehmen,  welche  doch  nie  zur  sicheren 
Bestimmung  der  Species  führen  können. 

C.  Schwager  hat  1864  einige  Foraminlferen  aus  den  Kössener 
Schichten  beschrieben  i),  welche  aus  den  thonigen  Terebratel- 
schichten  im  Bette  des  Elternbaches  bei  Vils  in  Tirol  stammen.  Es 
sind;  Nodosaria  bucculentu,  collisa  und  detoniata,  die  aber  wohl 
einer  und  derselben  Species  angehören  dürften;  eine  sehr  fragmen- 
täre  Marginulbia  (M.  iiicertu) ;  Cristellaria  3Ieriani;  TextUnria 
exigua  und  eine  noch  zweifelhafte  GlobuUna  (Gl.  nuduj. 

Schon  früher  hatte  Schafhäutl  2^  durcli  Ätzen  mit  Säuren  das 
Vorhandensein  zahlreicher  kleiner  Schalen  in  den  Kalksteinen  der 
rhätischen  Gruppe  nachgewiesen,  die  er  ohne  genauere  Untersuchung 
mit  neuen  Namen  belegt,  die  aber  ohne  Zweifel  zum  großen  Theile 
nur  als  Fragmente  größerer  Schalen  aufzufassen  sind.  Nur  der  klei- 
nere Theil  stellt  unzweifelhafte  Foraminiferenschalen  dar. 

Mit  größerer  Bestimmtheit  hat  Gümb  el  sj  die  Gegenwart  der 
letztgenannten  Thierreste  in  den  Kalksteinen  derselben  Gruppe  nach- 
gewiesen nnd  dieselben  vorläufig  auf  die  Gattungen  Vagimdbia,  Cu- 
tu'olina  und  FlabeUina  bezogen.  Hieher  gehört  auch  der  Chaetetes 
cylindricus  aus  dem  Kalksteine  der  Zugspitze,  in  welchem  Gümbel 
zuerst  *)  die  Charaktere  der  Foraminiferengattung  Dactylopora  er- 
kannte und  welche  später  auch  von  Eck  s)   in  Menge  in  den  ober- 


•)   Dr.  A.  V.  Dittmar,   die  Contortazone  1864.  pag.  108.  T.  3,  Fig.  8—14. 
2J   Untersucliunf^eii  des  südhaierischen  Alpeng-ebirg-es  pag.  41  ff.  Taf.  13. 
^)    Geogiiost.  Beschi'eihung  der  baierischen  Al|)en  pag.  359,  391,  399  u.  s.  w. 
*)   Leonh.   u.   Geinitz  Jahrb.  d.  Min.,  Geol.  u.  l'etrcf.  18ß6.  p.  565. 
^)   Dr.   Eck,   über  die  Formationen  des  bunten  Sandsteines   und  des  IVluseheliialkes  in 
Oliersclilesien  1865.  pag.  86. 


Paläontologische  Beiträge.  103 

schlesTsclieu  Kalksteinen  aus  demselben  Niveau  aufgefunden  wurde. 
Meine  eigenen  Untei'suchungen  haben  diese  Anschauungsweise  be- 
stätigt '). 

In  der  Folge  hat  Pi-of.  Peters  s)  ausführlichere  Miltheihingen 
über  Foraminiferen  im  Dachsteinkalke  gemacht.  Er  hat  an  dünnen 
SchlilTen  desselben  erkannt,  daß  das  Gestein  aus  dem  Echernthale  bei 
Hallstadt  zu  mehr  als  80  Pct.  aus  Schalen  von  Globigerinen  besteht, 
denen  nur  wenige  dickschalige  Textilarien  beigemengt  sind.  Auch 
an  zahlreichen  Orbulinen  und  einzelnen  Miliolideen  (Qiiinquelocii- 
lina?)  fehlt  es  nicht. 

Ähnliche  Resultate  bot  die  Untersuchung  der  Dachsteinkalke 
von  anderen  Fundorten.  So  z.  B.  fand  Peters  im  Kalksteine  von 
der  Javoriem-Alpe  nächst  dem  oberen  Isonzothale  ausschließlich  die 
Schalen  einer  langhalsigen  Lagena- Art,  ähnlich  der  L.  tenuis  B  o  r  n  e  m. 

Ich  muß  endlich  noch  der  zahlreichen  schönen  Foraminiferen 
Erwähnung  thun,  welche  R.  Jones  und  W.  Parker  ^^  aus  dem 
blauen  Thon  von  Chellaston  bei  Derby  beschrieben  und  abgebildet 
haben,  den  sie  vermuthungsweise  der  oberen  Trias  einordnen.  Das 
Alter  ihrer  Lagerstätte  ist  daher  jedenfalls  noch  zweifelhaft,  um  so 
mehr,  als  die  Fossilreste  schon  in  ihrem  Gesamthabitus  eine  unge- 
meine Ähnlichkeit  mit  den  Foraminiferen  des  unteren  Lias  verrathen, 
von  denen  Terquem  eine  überraschende  Formenfülle  aus  der  Um- 
gebung von  Metz  beschrieben  hat  und  welche  ich  selbst  aus  dem  deut- 
schen Lias  kennen  gelernt,  aber  noch  nicht  publicirt  habe. 

Aus  den  Schichten  von  S.  Cassian  ist  bisher  nur  ein  einziger 
Fossilrest  erwähnt  worden,  der  den  Foraminiferen  angehören  könnte. 
Aus  den  oberen  Thonen  des  genannten  Fundortes  beschreibt  nämlich 
Schauroth  ^)  kleine  sehr  dünne  Scheibchen,  welche  das  Ansehen 
eines  Orbituliten  haben  und  die  er  daher  mit  dem  Namen  Orbitulifes 
Cassianicus  belegt  (I.  c.  pag.  o27.  Taf.  2,  Fig.  13).  Jedoch  ist  diese 
Bestimmung  sehr  zweifelhaft.  Ich  habe  diese  Scheibchen  selbst  aucli 


^)  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  1866.  pag.  200.  Ich  halte 
damals  die  Bemerkung  GiimbeTs  übersehen,  da  ich  sie  in  einem  Aufsatze  mit  dem 
Titel:  „Comatula  oA&v  Bclemnites  in  den  Nummulitenschichten  des  Kressenhergesu 
nicht  vermuthen  konnte  (Leonhard  u.  Geinitz  neues  Jahrb.  u.  s.  w.  1866 
pag.  364). 

2)  Jahrb.  d.  geoi.  Reichsanstalt  1863.  pag.  293  ff. 

S)    Quart.  Journ.  of  the  geol.  Soc.  Nov.  1860.  pag.  432  ff.  Taf.  19,  20. 

*)    Sitzungsberichte  d.  k.  Akademie  d.  Wiss.  in  Wien  1833.  B.  17,  p.  326,  527. 


1  04  R  p  II  s  V 

gefunden  und  sorgfallig  untersucht,  nie  uhev  die  geringsten  Spuren 
von  organischer  Struetur  daran  zu  erkennen  vermocht,  Avelclie  zu  der 
oben  angeführten  Bestimmung  berechtigen  würden. 

Die  Zahl  der  Foramfiiiferen,  welche  die  Trias  bisher  geliefert 
hat,  ist  daher  sehr  gering  und  jede  Bereicherung  derselben  muß 
erwünscht  sein,  da  sie  das  Dunkel  aufzuhellen  geeignet  ist,  welches 
noch  über  der  Bhiznpodenfauna  dieser  Epoche  schwebt. 

Herr  Dr.  Laube,der  neueste  Monograph  der  reichen  Fauna  von 
S.  Cassian,  hat  von  seiner  im  verflossenen  Herbste  dahin  unternom- 
menen Untersuchungsreise  einige  Proben  der  thonigen  Mergel  mit- 
gebracht, welche  die  allbekannten  und  in  allen  Sammlungen  verbrei- 
teten Fossilreste  umschließen.  Er  iil)ergab  mir  dieselben  gefälligst 
zur  näheren  Prüfung  und  es  gelang,  durch  Schlämmen  eine  wenn 
gleich  geringe  Anzahl  von  Foraminiferen  und  Ostracoden  daraus  zu 
gewinnen,  die  freilich  in  Beziehung  auf  ihren  Erhaltungszustand  Vie- 
les zu  wünschen  übrig  lassen  und  theilweise  nur  eine  generische 
Bestimmung  gestatten.   Ich  lasse  ihre  Aufzählung  hier  folgen. 

1.  Glandolina  obconica  n.  sp.  (Taf.  1  ,  Fig.  7.) 

Sie  ist  ei-kegelförmig,  oben  gerundet,  nach  abwärts  sich  all- 
mälig  zur  Spitze  verschmälernd.  Im  oberen  Theile  unterscheidet 
man  mit  Mühe  fünf  Kamniernähte  als  undeutliche  Linien;  an  der  der 
Spitze  zunächst  gelegenen  Partie  vermag  man  sie  nicht  mehr  zu  er- 
kennen. Die  Höhe  der  letzten  Kammer  beträgt  weniger  als  ein  Dritt- 
theil  der  Gesamlhöhe  des  Gehäuses. 

GL  strobilus  Rss.  ')  aus  dem  Septarienthon  ist  sehr  verwandt; 
jedoch  ist  die  letzte  Kammer  höher  und  mehr  zugespitzt,  das  untere 
Ende  des  größeren  Gehäuses  stumpfer. 

In  den  untersten  Schichten  von  S.  Cassian. 

2.  Cristellaria  sp. 

Eine  sehr  kleine  Species,  oval,  scharfrückig,  oben  zugespitzt, 
mäßig  gewölbt.  Die  Mündung  rund.  Die  Nathlinien  sind  nicht  wahr- 
nehmbar. 

In  den  Schichten  mit  Cardita  crenata. 

W.   ."Harjjinulina  sp.  (Taf,  1,  Fig.  8.) 

In  denselben  Schichten  fand  ich  eine  Maryinul'ma,  etwa  6  Mm. 
lang,  zusammengedrückt,   im  Querschnitte  oval,   \n\  unteren  Theile 


1)   Reuss,  Seplaiienthoii  paj,'.  UO.  T.  2.  Fig.  24. 


I 


Paläontologische   Beiträge.  105 

li.'ikenföriiiig  umgebogen,  übrigens  gerade.   Die  Kammergreiizeu  sind 
nicht  sichtbar. 

Die  Species  ist  nicht  näher  bestiniinbar.  Im  Umrisse  ähnelt  sie 
manchen  längeren  Exemplaren  von  Cristellaria  gladius  Phil.  sp. 
(Reu SS  Septarienthon.  Tat'.  2,  Fisjj.  3.3.) 

4,  Olobigerina  sp.? 

Im  Umrisse  nähert  sie  sich  der  Gl.  triloba.  Jedocli  bleibt  selbst 
die  generische  Bestimmung  zweifelhaft. 

ö.   Polymorphiiia  (Globalina)  sp.? 

Selir  zweifelhaft  wegen  des  schlechten  Erhaltungszustandes. 

Gleich  der  vorigen  in  den  unteren  Oolithschichten. 

6.  Polyuiorphina  sp. 

In  den  Schichten  mit  Carditu  crenata.  Oval ,  mit  rundlicliem 
Querschnitt  und  kaum  erkennbaren  Nathlinien. 

7.  Textilaria  sp. 

Ein  schleclit  erhaltenes  Exemplar  einer  kleinen  kurzen  und 
dicken  Species,  ähnlicii  der  T.  conuhis  Rss.  Ebenfalls  in  den  Cur- 
rf?Ya-Schicliten. 

8.  Tornuspira  filiformis  n.  sp.  (Taf.   I,  Fig.  9.) 

Sehr  kleine  ebene  Scheibchen,  die  aus  einer  in  12 — 13  Win- 
dungen Spiral  eingerollten,  fast  fadenförmigen  Röhre  besteben,  welcbe 
nur  äußerst  langsam  und  wenig  an  Dicke  zunimmt.  Über  die  Ober- 
flächenbeschaffenheit geben  die  schlecht  erhaltenen  Exemplare  keinen 
Aufschluß. 

Die  sebr  ähnliche  (^^.  po/j/</^;Yt  Rss.  'j  aus  dem  Septarieiithon 
weicht  ab  durch  beträchtlichere  Größe  und  seicht  schüsseiförmige  Ver- 
tiefung des  Geiiäuses  und  durch  etwas  größere  Dicke  der  Röhre; 
jedoch  sind  diese  Unterschiede  von  keiner  großen  Bedeutung. 

Einzelne  Exemplare  schlämmte  ich  aus  den  C^/?y/«7«- Schichten 
aus,  etwas  besser  erhaltene  fand  ich  an  Stellispongien  anhaftend. 

9.  Biloculina  sp.  (Taf.  1,  Fig.  10.) 

In  den(V«Y/<V«-Sciiichten  findet  man  nicht  selten  eina  Bllocu/ma, 
die  ich,  so  auffallend  dies   auch  erscheinen  mag,   von    li.  ampliico- 


*)   Reuss,   Beiträge  z.   Keiiiitniß  d.  tert.  Foramioifereufauna   in   den  Sit/.ungsber.  d. 
k,  Akad.  d.  Wissensch.  Ld.  48,  pag.  39.  T.  1.  Fig.  1. 


106  R  e  u  s  s. 

iiica  Rss.  •)  kaum  zu  unterscheiden  vermag.  Es  scheint  diese  Spe- 
eies  üherhaupt  sehr  verhreitet  zu  sein,  da  sie  schon  nach  den  bishe- 
rigen Erfahrungen  aus  demMitteloligocän  bis  in  die  jetzige  Schöpfung 
heraufreicht.  Denn  Williamson's  B.  ringens  carinata  ^)  stimmt 
damit  vollkommen  überein.  Doch  muß  die  bestimmte  Entscheidung 
über  die  triasischen  Formen  bis  zur  Untersuchung  zahh*eicherer,  noch 
besser  erhaltener  Exemplare  vertagt  werden. 

Das  Gehäuse  ist  im  Umrisse  beinahe  kreisrund,  in  der  Mitte  auf 
beiden  Seiten  gleichförmig  und  mäßig  gewölbt,  daher  linsenförmig. 
Die  Peripherie  ist  in  ziemlich  beträchtlicher  Ausdehnung  ringsum 
stark  zusammengedrückt,  so  daß  die  mittlere  Wölbung  von  einem 
beinahe  l)lattartigen  Saume  umgeben  erscheint.  Am  vorderen  etwas 
abgestutzten  Ende  desselben  steht  die  sehr  niedrige  aber  breite 
linienfürmige  Mündung. 

10.  In  den  unteren  Oolithschichten,  so  wie  in  den  Cardita- 
Schichten  kommen  häufig  kleine  Kügelchen  vor,  die  bei  starker  Ver- 
größerung mit  zarten  körnerartigen  Höckerchen  bedeckt  erscheinen, 
zwischen  welche  feine  Poren  eingesenkt  zu  sein  scheinen.  Im  Innern 
zeigen  sie  keine  Spur  von  Structur,  sondern  bestehen  durchaus  aus 
dichter  Kalksteinmasse.  Im  Äußeren  besitzen  sie  große  Ähnlichkeit 
mit  Orbulinen,  jedoch  läßt  sich  ihre  wirkliche  Übereinstimmung  damit 
keineswegs  nachweisen. 

Dieselben  Kügelchen  von  sehr  regelmäßiger  Rundung  liegen  in 
großer  Anzahl  in  einem  dunkelgrauen  dünnplattigen  Schiefer  einge- 
bettet, aber  immer  in  Pyrit  umgewandelt.  An  ihnen  treten  die  Kör- 
ner der  Außenfläche  besonders  deutlich  hervor. 

Noch  weit  räthselhafter  sind  andere  2.5  —  3  Mm.  im  Dureh- 
messer haltende  kugelige  Körperchen,  welche  sich  ziemlich  häufig  in 
Gesellschaft  der  vorgenannten  finden  (Taf.  1,  Fig.  11).  Über  ihre 
Oberfläche  laufen  4 — 5  leistenartige  Rippchen  von  einem  Ende  zum 
anderen  herab,  wodurch  ihr  Querschnitt  winklig  wird.  Die  Rippen 
stehen  nicht  immer  in  gleicher  Entfernung,  ragen  oft  sehr  ungleich 
hervor,  ja  einzelne  derselben  verschwinden  beinahe  gänzlich.  Oft 
sind  sogar  nur  zwei  derselben  vorhanden,  welche  gleichsam  einen 
Gürtel  um  den  kugelförmigen  Körper  beschreiben. 


1)   Reuss,   Septarieiitlion,   pag.  7. 

~J    VVilliumson,  on  the  recent  Foraraiuifeia  of  gre;it  Britain.  T.  7.  Fig.  172 — 174. 


i 


Paliiontologische  Beiträge.  107 

Ob  eine  ÜlTming"  vorhanden  sei  oder  nicht,  kann  nicht  mit 
Bestimnitiieit  entschieden  werden.  An  manclien  Exemplaren  glaubt 
man  eine  solche  ■wahrzunehmen.  Wo  die  Rippen  abgerieben  sind, 
beobachtet  man  an  ihrer  Stelle  bisAveilen  Rinnen,  so  daß  es  scheint, 
als  ob  die  Rippen  selbst  hohl  gewesen  wären.  Über  alle  übrigen  Ver- 
hältnisse der  in  Rede  stehenden  Körperchen,  deren  Oberfläche  übri- 
gens sehr  uneben  ist ,  bleibt  man  in  vi'dliger  Ungewißheit.  Im  Falle 
daß  sie  wirklich  den  Foraminil'eren  angeliiiren,  MÜrden  sie  der  Gat- 
tung Lagena  beigezählt  werden  müssen  und  man  könnte  sie  dann  als 
L.  poly(jona  bezeichnen. 

Nebenbei  soll  übrigens  erwähnt  w  erden,  daß  sie  in  ihrer  Gestal- 
tung manche  Ähnlichkeit  mit  den  in  den  miocänen  Süßwassergebil- 
den Böhmens,  Württembergs  u.  a.  verbreiteten  Früchten  der  Grevia 
crenata  Heer,  die  ich  früher  unter  den^amen Pi/re/iella  lacunosa^) 
beschrieben  hatte,  verrathen, 

II.  Ostracoden  sind  schon  in  früherer  Zeit  in  den  Triasschichten 
beobachtet  worden.  Seebach  2j  beschreibt  aus  dem  Keuper  von 
Weimar  Buirdia  pyrus,  B.  procera,  B.  teres  und  Cythere  dispar. 
Im  Muschelkalke  werden  von  demselben  nur  nicht  näher  bestimmbare 
Steinkerne  angegeben. 

Aus  dem  Muschelkalke  von  Recoaro  führt  v.  Schauroth  sj 
zwei  Arten  an:  Bairdiatriasina  und  calcuria.  Ich  selbst  habe  eine 
Species  —  Cythere  frateima —  aus  den  dem  mittleren  Keuper  ange- 
liörigen  Raibler  Schichten  namhaft  gemacht  *). 

Aus  den  Raibler  Schichten  führt  überdieß  Sand  berger  5)  eine 
neue  Bairdia  (ß.  subcylhidrica  Sandb.)  als  characteristisch  an, 
welche  er  auch  im  Fränkischen  Keuper  wiederfand.  Es  mangelt  je- 
doch bisher  die  nähere  Beschreibung  und  Abbildung  derselben. 

Die  von  Dr.  Laube  mitgebrachten  Schlämmproben  von  S.  Cas- 
sian  haben  ebenfalls  einige  Ostracodenschalen  geliefert,  aber  nur  in 
geringer  Anzahl.  Diese  sind : 


1)  Sitzh.  d.  k.  Akail.  d.  Wiss.  B.  42,  pag.  83.  T.  3.  Fig.  19. 

2)  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  Bd.  9,  pag.  199.  ff.  T.  8.  Fig.  1—3. 

5)  Sitzb.  d.  k.  Akad.  d.  Wiss.  in  Wien.  Bd.  34.  pag.  350.  T.  3.  Fig.  19,  20. 

*)  Sitzb.  d.  k.  Akad.  d.  Wiss.  Bd.  36.  Abth.  1.  pag.  3.  Fig.  7. 

*)  Sandberger  in  Leonhard  u.  Geinitz  neu.  Jahrb.  d.  Min.  1866,  p.  41. 


108  Reus». 

1.  fythere  fassiaiia  n.  sp. 

Im  Umrisse  ist  sie  der  initteltertiären  C.  cicatricosa  Rss.  und 
KiKkreii  Arien  dieser  Gruppe  verwandt.  Die  Klappen  sind  schief- 
eiförmig, vorne  l)reit  und  etwas  schief  gerundet,  hinten  zugespitzt  und 
in  einen  kurzen  (h-eleckigen  Lappen  auslaufend.  Der  Bauchrand  ist 
sehr  wenig  hogenförmig,  fast  gerade;  der  Rückenrand  dagegen  hildet 
einen  starken  Bogen.  BeideEnden  sind  zusammengedrückt.  Der  Rücken 
erheht  sich  fast  gleichi'örmig  zur  mäßigen  Wölhung,  die  auf  der 
Bauchseite  nur  wenig  rascher  ahliillt,  als  gegen  die  Rückenseite.  Die 
Schalenoberfläche  erscheint  hei  stärkerer  Vergrößerung  rauh.  Andere 
Sculpturverzierungen  konnte  ich  nicht  entdecken. 

Selten  in  den  untersten  Schichten  von  S.  Cassian. 

2.  Cytherella  limbata  n.  sp. 

Es  liegen  nur  vereinzelte  Klappen  vor,  welche  einen  sehr  breit- 
ovalen Umriß  haben.  Beide  Enden  sind  breit  zugerundet,  das  vordere 
jedoch  etwas  breiter.  Der  Rückenrand  stellt  einen  starken  Bogen  dar, 
während  die  Biegung  des  Ventralrandes  viel  geringer  ist.  Sämtliche 
Ränder  gehen,  ohne  einen  Winkel  zu  bilden,  gerundet  in  einander 
über.  Die  rechte  Klappe  ist  beträchtlich  größer  als  die  linke,  die  von 
ihr  am  Rande  umfaßt  wird.  Die  erstere  ist  längs  der  Peripherie  nie- 
dergedrückt und  erst  in  einigem  Abstände  vom  Rande  erhebt  sie  sich 
zur.  mäßigen,  beinahe  centralen  Wölbung.  Diese  erscheint  dadurch 
von  einer  schmalen  furclienartigen  Depression  umsäumt ,  welche  am 
hinteren  Ende  am  s('In\  äclisten  ausgebildet  ist.  Am  stärksten  gibt  sie 
sich  am  Rücken-  und  Bauchrande  zu  erkennen.  Der  innerste  Theil 
des  letzteren  erhebt  sich  sogar  wieder  etwas  zu  einer  leistenartigen 
Falte,  die  von  der  Rückenwölbung  durch  die  erwähnte  Furche  ge- 
schieden wird.  Die  kleine  Klappe  zeigt  diese  BeschalTenheit  des  Ran- 
des nicht  und  erscheint  gleichmäßig  und  etwas  stärker  gewölbt  als 
die  rechte.  Die  Schalenobertläche  ist  glatt. 

Selten  in  den  Schichten  mit  Cardita  crenata  und  in  den  unte- 
ren Oolithschichten. 

Die  Abbildungen  beider  Ostrrcoden  können  leider  vorläufig 
nicht  gegeben  werden,  weil  die  wenigen  Exemplare  durch  einen 
unglücklichen  Zul'all  in  V^erlust  gerathcn  sind. 


KfiiCs    pDlaeoHl    ßeilrärfp.  II 


Taf.l. 


3- 


,jj!!''3^       '(flC"»^'^' 


-  «J".^ 


bli.  StTohrr^er  deletlnh  A  3  k"k  Hof-u  CTäat5;ii-r-.'.ckerei 

Fi(j  .  1 .  Liincu»:    cra6:^itestu   n  ■sji .  2.  Hf.liljc    multic/MfaC'i  77/ont . 
■j.  Pu/iu    .fubconvcu    Sanoib.  ^.  Valnata    le/^tofiuniouJf-.s-  /i  s-ft..')  Punxt 
Schwagert  n  -^p.ö.Candona  polyHigma  n.^vp.  .7.0landiiliruv  obcojiica.  n.sp. 
Z-Mcurginulinci  ■ffi..9.CorniM'p.ira  ßliformr-r  n-itilO  Bilitnilina  'S-p-ll  Ltinmfj  ip? 


Sitziiiu^-.sb.d.kAkad  dU'i.s.seLlilimatli  iiaUirw  (1  lAlI.lJd  1  Ablli .  liUJa. 


Kciil's    [).il;i  iiiiil  .  l'M-ilfüyc 


t  h 


I.V. 


2  «- 


S.a.. 


-**iiNte|Ä; 


Joh  StroTimayer  del.  et  i::::  A-d-kl:  Hof-u  Staatsdruckerei 

'Fiq.1.  2    Linnitii'ii.s     iiiiluli.i    n    .\fi.    ■)',//    farilin/n     untkifiMii    rt    ,y/t. 

■j.  Vnlrii ririini'jia      unmilata    Houss 


Sitziitit^-.sl)  (1  k  Akad  (IVfissralHi  matli  luilurw  Cl  I.VII.  Bil  fAbth .  1868 


I!,.|l(.s     1..iI:h Hr-llr:i'j-r.    II 


Va/,nrinmrsi,i    „nniilut.,     l:i>iil:< 
Silziiin'sb  il  ItAk.i.l  aWi.ss.'ulilMii^lh  iwiUinv  (1  I.VIIli.l  l.\blh  IHÜS 


PalJlontolojjisclie   Beiträge.  109 


K  V  k  I  ä  r  u  n  g    d  e  r    A  1)  b  i  I  <l  ii  n  g-  e  n. 


Tafel  I. 
Kifj.     I.  Limax  ciünsitesla  n.  sp.  «  Ansicht  der  oberen  FJiiehe,  ö  linke  Uaiid- 
ansielit.  Beide  verjjriißert. 

„  2.  Ik'lix  mullicosldla  'Mioni,  «  Spiralseite,  f>  Nabelseite,  r  Mündungs- 
seite, sämtlich  in  nafii  lielier  (iröße,  d  ein  Stück  der  Sehalen- 
ob  rtläehe  vergrößert. 

„  3.  Pupa  aubconica  Sandb.  a  Mündungsansicht  vergrößert,  h  ein  Slück 
der  Schalenoberfliiche  stärker  vergrößert. 

„  4.  Valvatn  Icptopomoides  n.  sp.  u  Mündungseile,  b  Rüekenseile,  c  Spin- 
delseite, sämtlich  vergrößert. 

„  5.  Pupa  Schtoageri  n.  sp.  a  Mündiingsseite.  h  Rückenseite,  beide  ver- 
größert, c  ein  Stück  der  Sebalenoberfläche  stärker  vergrößert. 

„  6.  Caiulona  poli/sligma  n.  sp.  n  seitliche,  b  Baucliansidil ,  beide  ver- 
größert. 

„     7.   Glcindulina  obeonica  n.  sp.  Vergrößerte  Seilenansieht. 

„     8.  Marginuliiia  sp.   Vergrößerte  Seitenansicht. 

„     9.   Curnuspira  filiformis  n.  sp.  Vergrößerte  Flächenansicht. 

„  It).  Bilocidina  sp.  a  Flächenansicht,  b  Mündungsansicht.  Beide  ver- 
größert. 

„   11.  Lac/oia  sp.'?  Vergrößerte  Seitenansicht. 

Tafel  II. 
Fig.    1.  Limnaeus  7iobilis  Rss.  sp.  «Rückenseite,  6  Mündungsseite,  c  Spiral- 
seite. 
„     2.  Derselbe.  Sleinkern.   a  Rückenseite,  b  Spiralseite. 
„     3.   Cardium  ntidatiini  n.  sp.    a  Rückenansicht,    b  ein  Stück    der  Schale 

vergrößert. 
„     4.  Dasselbe.  Ansicht  eines  Steinkernes. 
„     ä.    Valenciennesia  annidata  Ron  SS.  Vergrößertes  Schalenstück. 

Tafel  III. 

Fig.     1.    Vcdenciennesia  anmdaia  Rou  SS.  Obere  Ansicht. 
„       2.  Dieselbe.  Obere  Ansicht  eines  kleineren  fragmenlären  Exemplares. 
„      3.  Untere  Ansicht  desselben  Exemplares. 


110 


III.  SITZUNG  VOM  23.  JÄNNEIi  1868. 


Herr  Prof.  Dr.  Fr.  Rochleder  in  Prag  übersendet  eine  „Notiz 
über  die  Peetinkörper". 

Herr  Prof.  Dr.  E.  Brücke  bespricht  den  Inhalt  der  in  der 
Sitzung  am  16.  Jänner  vorgelegten  Abhandlung:  „Über  die  soge- 
nannte GUnulula  thyreoidea  des  Frosches",  von  Herrn  E.  Fl  ei  sc  hl. 

Herr  Dr.  A.  Boue  überreicht  eine  Abhandlung,  betitelt: 
„Werden  der  Menschheit  immer,  wie  jetzt,  Mineralschätze  zu  Gebote 
stehen?" 

Das  c.  M.  Herr  Prof.  Dr.  Ferd.  Ritter  v.  Hochs tetter  legt 
eine  Abhandlung:  „Über  das  Längenwachsthum  der  Knochen"  von 
Herrn  Dr.  Gustav  Jaeger  in  Stuttgart  vor. 

Das  c.  M.  Herr  Dr.  G.  Tschermak  hält  einen  Vortrag  über 
den  Sylvin  (Chlorkalium)  von  Kalusz  in  Galizien. 

Herr  Karl  Exner,  absolvirter  Hörer  der  Philosophie,  über- 
reicht eine  Abhandlung:  „Über  die  Maxima  und  Minima  der  Winkel, 
unter  welchen  Curven  von  Radien  durchschnitten  werden." 

Herr  Dr.  U.  S  c  h  1  o  e  n  b  a  c  h  legt  eine  Abhandlung :  „Über  die 
norddeutschen  Galeriten-Schichten  und  ihre  Brachiopoden-Fauna" 
vor. 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt : 

Academie  Imperiale  des  Sciences  de  St.  Petersbourg:  Memoires. 

Tome  XII.,  Part.  I.  St.  Petersbourg,  1867;  8".  (Russisch). 
Apotheker-Verein,  allgem.  österr. :  Zeitschrift.  6.  Jahrg.  Nr.  2. 

Wien ;  8o. 
Au  wer  s,     A. ,    Bestimmung    der    Bahn    des    Cometen    III.    1860. 

(Abhdign.   der  k.  Pr.  Akad.  d.  Wiss.  zu  Berlin,  1867.)  Berlin, 

1867;  4o. 
Beobachtungen,    Schweizer  Meteorologische:    IV.  Jahrg.   März 

bis  Mai  1867.  Zürich,  1867;  4o. 


111 

Carl,  Ph.,  Repertoriiim  für  physikalische  Technik  etc.  III.  Band. 
5.  Heft.   München  1867;  S«. 

Comptes  rendus  des  seances  de  l'Academie  des  Sciences.  Tome 
LXVI.  Nr.  1.  Paris,  1868;  4o. 

Cosmos.  3"  Serie.  XVIP  Annee,  Tome  II,  3"  Livraison.  Paris. 
1868;  8o. 

Gesellschaft,  Naturforschende ,  in  Basel :  Verhandlungen. 
IV.  Theil,  4.  Heft.  Basel,  1867;  8o.  —  Burkhardt,  Fritz, 
Üher  die  physikalischen  Arheiten  der  Societas  physica  helve- 
tica  17Ö1—1787.  Festrede.  Basel,  1867;  8o.  —  Festschrift, 
herausgegeben  zur  Feier  des  SOjährigen  Bestehens  der  Natur- 
forsch.  Gesellsch.  in  Basel.  1867.  Basel,  1867;  8o, 

Gewerbe -Verein,  n.  -  ö. :  Verhandlungen  und  Mittheilungen. 
XXIX.  Jahrg.,  Nr.  3.  Wien,  1868;  8o. 

Halle  ,  Universität  :  Akademische  Gelegenheitsschriften  aus  dem 
Jahre  1867,  4«  &  8o. 

Jahrbuch,  Neues,  für  Pharmacie  und  verwandte  Fächer  von  F. 
Vorwerk.  Band  XXVHI,  Heft  ö  &  6.   Speyer,  1867;  8o. 

Lotos.  XVII.  Jahrgang.  December  1867.  Prag;  8«. 

Miquel,  F.  A.  W. ,  Sur  les  affinites  de  la  flore  du  Japon  avec 
Celles  de  l'Asie  et  de  TAmerique  du  Nord.  —  Sur  le  caractere 
et  r  origine  de  la  flora  du  Japon.  —  Sur  les  erables  du  Japon. 
(Extraits  des  „Archives  Neerlandaises«  T.  II,  1867.)  8". 

Mittheilungen  des  k.  k.  Artillerie -Comite'.  Jahrgang  1867,  7  & 
8.  Heft.  V^ien;  8o. 

Moniteur  scientifique,  265''  &  266"  Livraisons.  Tome  X%  Annee 
1868.  Paris;  4o. 

Revue  des  cours  scientifiques  et  litteraires  de  la  France  et  de 
l'etranger.  V*  Annee,  Nr.  7.  Paris  &  Bruxelles,  1868;  4o. 

Societe  des  Sciences  naturelles  de  Neuchatel:  Bulletin.  Tome  VII, 
3*=  Cahier.  Neuchatel,  1867;  8o. 

Wiener    landwirthschaftliche   Zeitung.     Jahrgang   1868  ,    Nr.   3. 
Wien;  4«. 
—  medizin.    Wochenschrift.     XVIII.    Jahrg.    Nr.    6  —  7.     Wien, 
1868;  40. 

Z  e  i  t  s  c  h  r  i  f  t  für  Pharmacie  von  B  e  i  1  s  t  e  i  n ,  F  i  1 1  i  g  und  H  ü  b  n  e  r. 
XI.  Jahrgang.  N.  F.  IV.  Band,  2.  Heft.  Leipzig,  1868;  8o. 


112  Bon  e. 


Werden   der  Menschheit  innner ,    wie  jelzl,    Müteralschälxe 
zu    Gebote  stehen  ? 

Von   (lern  \v.   M.   Dr.  A.   Bou^. 

Als  unleugbare  Thatsachc  steht  fest,  daß  alles  Metallische  sich 
abnützt,  und  daß  dieses  besonders  lur  die  edlen  Metalle  gilt.  Diese 
abgenützten  Theilchen  bleiben  aber  in  dem  vom  Menschen  bcM'obnten 
l}oden  versteckt.  Man  könnte  daher  annehmen,  daß  nach  vielen 
Jahrtausenden  wenigstens  selir  bevölkerte  Gegenden  der  Erde  viel- 
leicht hie  und  da  als  ausbeutbai-  für  den  Bergbau  erklärt  werden 
könnten.  Wie  viel  nützliches  IMetall  ist  schon  auf  diese  Weise  vor 
den  Augen  der  Menschen  verschwunden.  Wie  klein  ist  zum  Beispiel 
das  jetzt  noch  vorhandene  Münz-  und  Schmuck-Quantum  der  alten 
Völker. 

Auf  der  andern  Seite  aber  ist  der  den  Menschen  erreichbare 
Metallschatz  eine  zwischen  gewissen  Grenzen  bestimmbare  Größe, 
und  er  ist  nnr  bis  zu  einer  gewissen  Tiefe  im  Erdballe  zu  verfolgen. 
Unter  den  Metallen  wird  nur  wenig  Eisen  und  Kupfer  durch  Vulkane 
sublimirt,  indem  gewisse  Wässer  viel  Raseneisenstein  absetzen, 
Petroleum  in  Menge  aus  der  Erde  herausquillt,  verschiedene  Salze 
und  Erdarten  durch  Mineralwässer  abgelagert  werden,  indem  Torf 
so  wie  in  tropischen  Ländern  etwas  Braunkohle  sich  fort  und  fort 
bilden.  In  der  Voraussetzung,  daß  das  Mineral-Reieh  Jahrtausende 
nur  in  der  jetzigen  Weise  fortgehen  kann,  so  würde  es  möglich 
sein,  ungeriihr  den  Zeitraum  zu  berechnen,  wo  alle  Bergwerke  ihre 
Arbeit  einstellen  werden.  Doch  unter  den  Erzen  werden  am  ersten 
die  selteneren  Silber-,  Gold-  und  Quecksilber-Bergwerke  aufhören, 
dann  die  vom  Platin,  Antimon,  Blei,  Zink,  Mangan  u.  s.  w.  und  viel 
später  die  Eisenbergwerke,  welche  die  zahlreichsten  und  die  größten 
Erzmassen  darbieten.  Nach  dem  frühern  oder  spätem  Eingehen  der 
verschiedenen  Bergwerke  wird  der  Preis  der  Metalle,  nach  einer 
gewissen  Scala,  steigen,  um  endlich  nur  einige  Zeit  für  die  Reichen 


Werden  der  MpiispIiIi.  iiiiiiiPr,  wie  jetxt.  Miiieriilscliiitze  zu  Geb.  stehen?      113 

kaufhar  zu  sein,  indem  der  andere  Theil  der  Menschheit  schon  sie 
enthehren  wird  müssen.  Zu  gleicher  Zeit  werden  viele  der  mensch- 
lichen Industrie  oder  seiner  Ökonomie  nützliche  Säuren  und  Salze 
im  Preise  steigen  und  endlich  auch  nicht  mehr  zu  hahen  sein,  da 
manche  dieser  Gegenstände  nur  auf  eine  wohlfeile  Weise  aus  Metall- 
erzen gewonnen  werden.  Das  einzige  Metalleisen  ist  üherall  ausge- 
breitet und  häufig,  so  daß»,  obgleich  es  durch  den  Rost  sieh  mehr  als 
andere  leicht  abnützt,  die  Zeit,  wo  das  Eisen  den  Menschen  zu 
fehlen  anfangen  wird,  gewiß  sehr  weit  von  uns  ist. 

Obgleich  die  geschichtliche  Menschheit  nur  auf  6-  oder  nehmen 
wir  selbst  12.000  Jahre  an  zurückgeht,  so  bemerkt  man,  daß  sehr 
viele  Örtlichkeiten,  wo  Erze  einst  gegraben  wurden,  jetzt  nicht  mehr 
bauwürdig  oder  selbst  ganz  erzleer  geworden  sind.  So  z.  B.  für 
die  phönizischen  Zinn-Bergwerke  in  der  Bretagne,  für  mehrere 
ägyptische,  griechische,  römische  und  seihst  hispano-amerikanische 
Gold-  oder  andere  Bergwerke.  Vorzüglich  tritt  dieser  Fall  für  Berg- 
werke im  Alluvial -Gebiete  auf,  wie  wir  es  in  manchen  unserer 
europäischen  Flußthäler  bemerken,  wo  ehemals  die  Goldwäschereien 
blühten.  Natürlicherweise  ist  das  Erzsuchen  in  schon  durchstöberten 
oder  theilweise  seihst  ausgewaschenen  Gerollen  eine  der  unfruch- 
barsten  bergmännischen  Arbeiten.  Aber  selbst  für  andere  Bergwerke 
der  Alten  helfen  tiefere  Stollen-,  Pump-  und  Dampfmaschinen  so  wie 
verbesserte  Metallurgie  keineswegs  immer,  denn  das  Erz  ist  einmal  aus- 
gebeutet oder  es  bildete  nur  die  oberen  Teufen  gewißer  weiter  unten 
fast  oder  ganz  tauber  Gänge.  Wenn  es  so  ist,  wie  wird  es  dann  mit 
der  Möglichkeit  des  Bergbaues  nach  einem  doppelten  oder  dreifachen 
langen  Zeiträume  bestellt  sein;  man  wird  gar  keinen  Bergbau  mehr 
treiben  ki^nnen  und  wo  noch  etwas  zu  haben  sein  könnte,  werden  die 
Erze  zu  tief  liegen. 

Überhaupt  hat  die  Natur  durch  die  Art  der  Verbreitung  und 
die  eigenthümlichen  Lagerstätten  der  Metalle  in  Gängen  und  Lagern 
für  die  Bedürfnisse  des  Menschen  reichlich  gesorgt.  Wenn  besonders 
so  viele  Spalten  in  der  Erde  nicht  wären  hervorgebracht  worden,  so 
würden  die  meisten  so  nützlichen  Metalle  den  Menschen  unbekannt 
geblieben  sein ,  welche  nur  im  Innern  der  Erde  scheinbar  ange- 
häuft sind. 

Darum  muß  die  menschliche  Vorsorge  die  Bergwerke  so  vor- 
theilhaft  als  möglich  ausbeuten  und  dieses  wird  vorzüglich  der  Fall 

Silzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Alifh.  8 


114  B  o  u  e. 

für  seltene  Metalle,  wie  z.  B.  für  das  so  iiützliche  Quecksilber  so  wie 
für  das  der  jetzigen  Industrie  fast  unentbehrlich  gewordene  Kupfer. 
Vom  letztern  Metall  kennen  wir  wold  ziemlich  viele  bedeutende  Berg- 
werke in  mehreren  Weltgegenden,  obgleich  die  Zahl  der  letzteren 
selbst  schon  beschränkt  ist.  Aber  mit  dem  Quecksilber  ist  dieses  ein 
anderes,  denn  in  Europa  gibt  es  eigentlich  nur  zwei  große  Berg- 
werke der  Art,  namentlich  Idria  und  Almaden ,  zu  welchen  man  die 
theilweise  verfallenen  in  der  Rheiupfalz  und  nur  hie  und  da  in  den 
Alpen  und  Ungarn  viel  kleinere  beizählen  kann.  Ob  das  rationellste 
Princip  der  Staatswirthschaft  für  Bergwerke  heute  befolgt  wird, 
bezweifle  ich  sehr,  weil  vorzüglich  die  jetzige  Tendenz  der  Auflassung 
des  Grubenbaues  vom  Staate  aus  scheinbar  die  allgemeine  zu  werden 
droht.  Private  werden,  sagt  man,  wohlfeiler  arbeiten  und  mehr 
produeiren.  Der  Staat  wird  nicht  so  belastet  und  zugleich  von  den 
Beichthum  der  industriellen  Bürger  Nutzen  ziehen.  Doch  die  Frage, 
auf  wie  lange  Zeit  solche  Verhältnisse  dauern  werden,  daran  denkt 
man  gar  nicht.  Man  verläßt  sich  auf  Inspectionen  für  die  Regelung 
des  ordentlichen  Bergbaues  und  besonders  tröstet  man  sich  mit  dem 
Gedanken  der  vielen  Jahrhunderte  oder  -Tausende,  welche  bis  zu 
der  Erschöpfung  der  jetzigen  Bergwerke  verfließen  werden. 

Das  Leben  der  Menschen  ist  wohl  sehr  kurz,  aber  die  Lebens- 
dauer der  Menschheit  kann  Niemand  berechnen,  so  daß  man  es  doch 
einmal  schwer  bereuen  wird,  die  Bergwerke  in  solcher  Weise  gebaut 
zu  haben,  daß  sie  nicht  am  längsten  haben  dauern  können.  Der 
Privat-  oder  Actien-Inhaber  wird  nie  so  sorgfältig  als  Regierungen  in 
seinem  Baue  an  die  Zukunft  denken,  man  mag  daselbst  was  immer  für 
eine  Controls-Ausübung  ersinnen.  Außerdem  wird  die  längstdauernde 
Wohlfahrt  der  benachbarten  Bevölkerung  ihm  immer  ziemlich  gleich- 
giltig  sein,  was  es  einer  Staats-Regierung  nicht  sein  kann.  Er  wird  sich 
immer  geschwinder  als  der  Staat  bereichern  wollen;  darum  verfallen 
bergmännische  Unternehmungen  so  oft  in  Raubbau,  welche  die 
Bergwerke  erschöpfen  und  die  Aufnahme  ihres  regelmäßigen  Baues 
für  die  Zukunft  selbst  unmöglich  machen.  Die  besten  Beispiele 
haben  wir  davon  in  dem  mit  Bergwerken  gesegneten  England ,  wo 
Privat-Industrie  so  in  Schwung  ist  und  wo  doch  seit  den  zwei  letzten 
Decennien  ordentliche  Bergwerksschulen  errichtet,  so  wie  mehr 
bergmännische  Ordnung  eingeführt  wurden.  (Die  Schule  zu  Penzance 
in  Cornwallis  fing  im  J.  1839,  die  von  Wales  im  J.  1845  und   die 


Werden  der  Menschh.  iiiimcr,  wie  .je(zt.  Minei-Hlschätze  zu  (Jul).  stehen?     1  1  Ü 

Londoner  im  November  des  Jahres  1851  an.)  Man  erstaunt,  wenn  man 
daselbst  gewisse  Bergwerke  wie  die  von  Blei  zum  Beispiel  besucht.  Viele 
Naturschätze  gehen  daselbst  durch  den  handgreiflichsten  Raubbau  für 
die  zukünftige  Generation  unwiderruflich  verloren.  In  den  Steinkohlen- 
Gruben  sieht  es  fast  eben  so  schlecht  aus,  obgleich  man  vielleicht  jetzt 
da  nicht  mehr  durch  große  brennende  Kohleuhaufen  ganze  Gegenden 
auf  solche  vergeuderische  Art  in  der  Nacht  beleuchtet.  Sie  verbauen 
nur  die  vortheilhaftesten  Lagerstätten  dieses  ihnen  so  nothwendigen 
Minerals,  anstatt  überall  methodisch  von  oben  an  oder  wenigstens 
in  einer  gewissen  Tiefe  anzufangen  und  dann  nach  einander  alle 
Nebenlager  auszuhauen  und  die  ausgebauten  durch  das  taube  Material 
der  Stollen  wieder  auszufüllen.  Es  ist  schon  so  weit  gekommen,  daß 
das  Parlament  über  diese  Unwirthschaft  sich  hat  Bericht  erstatten 
lassen  i).  Außerdem  haben  die  Engländer  um  so  mehr  Ursache, 
diese  für  ihr  Leben  und  Industrie  so  wichtige  Frage  zu  erörtern, 
daß  Berechnungen  darüber  uns  nur  als  momentane  Grübeleien 
erscheinen.  Ihre  Einwohnerzahl  so  wie  ihre  Industrie  wächst  immer 
fort,  indem  ihr  Kohlen-Export  keine  Grenzen  in  der  ganzen  Welt  bis 
jetzt  kennt,  so  daß  diese  drei  Factoren  alle  Berechnungen  zu 
Schande  machen.  Auf  ihr  kleines  Holzquantum  können  sie  sich  nicht 
verlassen,  würde  man  selbst  wieder  anfangen  wollen,  die  kahlen 
Berge  der  Grafschaften  Cornwallis ,  Wales,  Schottlands  u.  s.  w.  mit 
Bäumen  zu  bepflanzen.  Nur  ihr  Torf  bietet  ihnen  einen  reichen  sich 
immer  erneuernden  und  aufgespeicherten  Schatz. 

Die  aufgestellten  Rechnungen  der  Engländer  über  die  M'ahr- 
scheinliche  Dauer  ihres  heimatlichen  Kohlenvorrathes  gewähren 
wahrhaftig  wenig  Trost;  denn  die  rationellsten  Männer  berechnen, 
daß  England  nur  noch  Kohlen  für  einige  hundert  Jahre  besitzt.  So 
meint  Sir  Will.  Armstrong,  daß  in  212  Jahren  die  Engländer  ihr 
brennbares  Material  ändern  oder  anderswo  holen  müssen.  (Brit. 
Assoc.  f.  1863.)  W.  Stanley  Jevons  versetzt  aber  diesen  Zeitpunkt 
schon  in  110  Jahre,  er  tröstet  sich  aber  mit  dem  Gedanken  von 
tiefern  Schächten  und  Stollen  wenigstens  bis  4000  Fuß,  die  Stein- 


'J  Jevons  (W.  J.),  Tlie  coal  question  ,  iin  Inquiry  concerning-  tlie  progress  of  tlie 
nation  a.  the  probable  exhaustion  ol  the  coal  Supply  L.  186ö.  8.  (yiiart.  J.  ol'  Sc. 
1866.  B.  3,  S.  459— 479J.  Vivian  (Hussey)  dito  im  Parlament  1866.  12.  Juni 
(dito  S.  423.) 


116  B  0  II  e. 

kohlen  vertiefen  sieh  bis  10000  Fuss.  Doch  diese  letzte  Aushilfe  hat 
auch  ihre  Grenze,  so  z.  B.  daß  es  kaum  Menschen  möglich  scheint, 
die  unter  der  Stadt  London  in  einer  Tiefe  von  etwa  7000  Fuß  noch 
bauwürdige  Steinkohle  bergmännisch  zu  erreichen.  Gegen  diese 
gCAvichtigen  Stimmen  kommt  die  des  Herrn  Edw.  Hüll  nicht  auf, 
welcher  dem  Steinkohlenbau  in  England  eine  Dauer  von  1000  Jahren 
vindiciren  möchte  (llow  long  will  our  Goal  field  last  L.  1862.)  i). 
Eine  Mächtigkeit  von  90  Scbuh  für  alle  Kohlenschichten  angenom- 
men, so  würde  man  damit  6800  Jahre  auskommen. 

Überhaupt  ist  die  geognostische  Verbreitung  der  Kohlenflötze 
eine  der  merkwürdigsten  geologischen  Thatsachen,  denn  unleugbar 
ist  die  größte  Anhäufung  des  brennbaren  Materials  in  sehr  alten 
Zeiten  geschehen.  Größtentheils  wurde  dieses  auf  trockenem  Boden 
oder  unter  nicht  sehr  tiefen  Süßwasserbecken  bewerkstelligt,  wie  es  die 
torfähnlichen  Steinkohlenablagerungen  so  wie  die  Süßwassermuschel- 
Bänke  bezeugen ,  indem  anderswo  solche  Gebilde  deutlich  an  Insel- 
Ufern  unter  dem  Meereswasser  entstanden  oder  nach  ihrer  Bildung 
wenigstens  kamen,  da  sie  mit  Gesteinen  abwechseln,  welche  Meer- 
thier-Überbleibsel  enthalten.  In  beiden  Fällen  aber  wurden  die 
Kohlenablagerungen  durch  Alluvial-Gebilde  mehrmals  gestört.  Diese 
Abwechslungen  von  Conglomerat,  Sandstein,  Mergel  und  Schiefer- 
thon  mit  Kohlen  mögen  wohl  in  einem  engeren  Verbände  mit  Jahr- 
zeiten Abwechslungen  gewesen  sein.  Solche  Überschwemmungen  von 
süßem  Wasser  erinnern  an  die  Überfluthung  der  amerikanischen 
Tropen-Savannen  während  der  Regenzeit.  Daher  stammen  die  noch 
in  den  Steinkohlenflötzen  aufrecht  stehenden  Bäume,  ein  Fall,  welcher 
noch  jetzt  bei  der  Überschwemmung  stattfindet.  Dem  ungeachtet 
bleibt  die  Ausdehnung  gewisser  Kohlenbecken,  wie  die  England's 
und  Nordamerika's,  ein  wahres  Räthsel,  wenn  man  vorzüglich  z.  B. 
eine  Verbindung  zwischen  den  Englischen,  Belgischen  und  West- 
phalisclien  annimmt.  Ansialt  einer  Ebene  muß  man  sich  daselbst 
mehrere  VVasserläule  denken,  welche  alle  zu  gewissen  Zeiten  aus 
ihrem  Bette  austraten,  und  keineswegs  zu  gleichförmigen  Alluvial- 
und  Pflanzentheil-Ablagerungen  Anlaß  gaben.  Daher  auch  die  Folge 
der  Steinkohlenlager  von  einer  Gegend  zur  andern  sehr  verschieden 


'J    E.  n.  Hirkenlii'id  ((.'olliciy  (iiiindian  IStJti.    B.  12,  S.  'iSS  \i.  S.  7),  u.  B  e  <l  1  i  n  g- 
toM  für  di'ii  siidlii'lK-ii 'l'lu'il  des  nerzoglliiims  Wales  (dilo  S.  Uli)). 


Werden  der  Mensclih.  immer,  wie  jetzt.  MinerMlschiitze  zu  Geh.  stehen?     117 

erscheint  und  schon  ursprünghch  die  Stratification  vonder  horizontalen 
öfter  abweichen  mußte,  um  eine  theihveise  unregelmäßige  zu  werden. 
Die  weitere  Erörterung  über  die  Bewegungen  im  Erdboden,  welche 
zur  Hervorbringung  aller  anderen  Eigentbümlichkeiten  dieser  Gebilde 
nothwendig  gewesen  sind,  lasse  ich  als  meiner  jetzigen  Notiz  fremd 
ganz  bei  Seite. 

Dann  kommt  die  bis  jetzt  ungelöste  Frage,  warum  solche 
Kohlenablagerungen  nicht  zu  allen  Zeiten  stattgefunden  haben.  Das 
Pflanzenreicli  einmal  auf  der  Erde  hörte  nie  auf  und  die  Florenreiche 
veränderten  sich  nur  fort  und  fort  bis  zu  unserer  Zeit,  und  doch  fand 
sie  nur  zu  gewissen  Zeiten  die  Mittel,  einen  Theil  ihres  Schmuckes  im 
Erdboden -Herbarium  aufzubewahren  und  vorzüglich  in  gehöriger 
Menge  zur  Kohlenerzeugung  aufzustapeln.  Es  müssen  da  ganz  be- 
sondere Umstände  obwaltet  haben,  um  nur  das  Vermodern  und 
Verschwinden  des  Ptlanzenstoffes  während  so  vielen  geologischen 
Zeiträumen  zu  gestatten,  indem  nur  zwischen  dem  obern  Muschelkalk 
und  Keuper,  in  dem  Lias,  in  der  untern  Kreide  und  tertiären  Zeit 
wahre  Kohlenflötze,  oft  auch  mit  Süßwasser  oder  brakischem  Wasser 
Muscheln  entstanden;  die  kleinen  silurischen  und  permischen  Kohlen- 
Ablagerungen  kann  man  nur  als  den  Anfang  und  das  Ende  der 
großen  altern  Steinkohlenperiode  ansehen ,  die  eine  war  mehr  marin, 
die  andere  mehr  Continental.  Doch  der  Unterschied  zwischen  dem 
tertiären  und  jenem  Kohlengebilde  ist  sehr  groß,  und  die  Identität 
der  Ablagerungsart  trifft  nicht  immer  zusammen,  besonders  wenn  es 
sich  um  die  in  engen  Thälern  deutlich  angehäuften  oder  ange- 
schwemmten untergegangenen  Wälder  der  Tertiärzeit  handelt. 

Der  einzige  Trost  für  die  Zukunft  der  Menschheit  würde,  nach 
unserer  Meinung,  in  der  gegebenen  Möglichkeit  neuer  Erfindungen 
und  anderer  volkswirthschaftlichen  Einrichtungen  als  jetzt  bestehen, 
welche  sowohl  Steinkohle  als  edlere  und  nützlichere  Metalle  entbehr- 
lich machen  könnten.  Sonst  geht  die  Menschheit  und  ihre  Civilisation 
auf  einer  schiefen  Bahn ,  an  vvelchem  Ende  nur  ein  schrecklicher  Ab- 
grund sein  kann.  Es  würde  ein  Zeitpunkt  eintreten,  wo  die  Völker- 
Cultur  anstatt  vorwärts  rückwärts  gehen  würde.  Die  Zeit  des  Stein- 
alters würde  theihveise  wenigstens  an  der  Stelle  des  größten 
möglichsten  Gebrauches  der  Metalle  wieder  eintreten.  Setzen  wir 
z.  B.  den  Fall,  daß  alle  edlen  Metalle  und  selbst  Kupfer  ausgingen, 
so  könnte  man  wohl  leicht  sich  andere  Münzzeichen  denken,  aber  die 


118  B  o  u  e'. 

Industrie  würde  schrecklich  durch  eine  solche  Katastrophe  getroffen 
werden.  Dieses  wieder  ein  Wink  über  die  Vergänglichkeit  der 
jetzigen  Schöpfung,  welche  ganz  und  gar  nicht  für  die  Ewigkeit 
berechnet  zu  sein  scheint. 

Doch  nach  der  wunderbaren  Art  wie  in  der  Natur  gewöhnlich 
Alles  sich  ausgleicht,  wie  z.  B.  in  den  intimen  Verhältnissen  zwi- 
schen Meerwasser,  Regen  und  Flußwasser,  in  den  gegenseitigen 
Lebensverhältnissen  der  Thiere  und  Pflanzen,  in  der  immerwährenden 
Fruchtbarkeit  des  animalisch-  und  vegetabilisch  ^gemisteten  Bodens 
u.  s.  w. ,  nach  diesem,  meinen  wir,  muß  dem  Menschen  die  Hoffnung 
schimmern,  daß  Unverhofftes  oder  noch  unbekannte  Lebensfactoren 
für  ihn  erstehen  werden.  Würde  es  den  Menschen  möglich  werden, 
den  größten  und  besten  Theil  der  abgenutzten  Metalle  aus  dem  Erd- 
boden wieder  heraus  zu  bekommen,  so  würde  dadurch  die  Menschheit 
wenigstens  mit  den  ihr  unentbehrlichen  Metallen  für  eine  wahre 
Ewigkeit  versorgt  sein.  Dann  könnten  künstliche  chemische  feste 
Mischungen  einiger  bis  jetzt  zu  wenig  beachteten  und  doch  immer 
vorhandenen  Elemente  wie  Aluminium  u.  s.  w. ,  einige  Metalle  für 
manche  Industriezweige  ersetzen,  indem  man  in  der  organischen 
Chemie  möglichen  Ersatz  fiir  Stoffe  aus  der  Mineral-Chemie  ermitteln 
könnte,  wenn  man  diese  letztern  sich  nicht  mehr  verschaffen  könnte. 
An  der  Stelle  der  Mineralkohle  müssten  Surrogate  wie  Torf,  Holz, 
Ölgattungen  und  besonders  diese  durch  chemische  Zubereitungen 
veredelte  Producte  treten.  Mit  der  Wiederbewaldung  aber  von  kahlen 
Gebirgen  wie  in  den  brittischen  Inseln,  Süd-Europa  u.  s.  w.,  wird  es 
immer  sehr  langsam  gehen,  weil  die  Erde  auf  dem  fast  nackten  Fels 
oder  auf  dem  mit  Heidekraut  karg  bedeckten  Boden  für  Baum- 
pflanzung nicht  hinreicht.  Dann  lassen  die  Gräser  die  Baumsamen 
nicht  aufwachsen  und  der  Wind  bleibt  überall  ein  schreckliches 
Hinderniß  für  solche  Baum-Anpflanzungen. 

Die  Zahl  der  Menschheit  ist  fortwährend  im  Wachsen,  aber  man 
bemerkt,  daß  es  doch  in  der  Natur  gewisse  Gesetze  gibt,  welche 
dieser  Zahl  bestimmte  Grenzen  anweiset.  So  z.  B.  wo  zu  viel 
Menschen  zusammenleben,  greifen  Krankheiten  ein,  welche  ihre  Zahl 
vermindern.  Dann  die  Vergrößerung  der  Städte -Bevölkerung  ist 
keineswegs  ohne  Grenzen,  denn  sie  brauchen  ein  gewisses  nutz-  und 
trinkbares  Wasserquantum.  Ist  dieses  nicht  mehr  vorhanden,  so  rückt 
die  Notli wendigkeit  des  Auseinandergehens  der  Menschen  an,  und  ihre 


Werden  der  Menschh.  immer,  wie  jetzt,  Mineralschätze  zu  Gelt,  stehen  ?     119 

Zahl  bleibt  dann  actioiiär.  Darum  sehen  wir  auch  schon,  z.  B.  daß 
man  in  London  das  Wasser  selbst  aus  der  weit  gelegeneu  Grafschaft 
Wales  holen  will.  Möchte  aber  die  sonderbare  Theorie  des  allmäligen 
Wasser-Verschwindens  auf  Erden  eine  Wahrheit  sein,  so  würde  dem 
Leben  des  Menschen  seine  gewisse  Grenze  selbst  durch  die  Natur 
gesetzt  sein. 

Hat  aber  unsere  Erde  ihre  letzte  Umwälzung  oder  Umstaltung 
durchgemacht?  Werden  nie  wieder  neue  Theile  der  im  Erdhall  ver- 
grabenen Metalle  zum  Vorschein  an  die  Oberfläche  kommen?  Das 
scheint  nach  allem  dem  Wenigen  was  wir  über  unsern  Wohnort  so 
wie  über  die  Astronomie  schon  wissen  nicht  der  Fall  zu  sein. 
Obwohl  Astronomen  höchst  ungern  zugeben  möchten,  daß  cosmische 
Begebenheiten  im  Welträume  auf  unserer  Erde  einen  höchst  bedeu- 
tenden Einfluß  haben  könnten,  so  kann  man  ihnen  dagegen  manche 
Thatsachen  erwiedern,  welche  fast  den  Beweis  liefern,  daß  sowohl 
Welten  noch  entstehen,  als  andere  zu  Grunde  gehen.  Wir  brauchen 
nur  in  unserem  Sonnensysteme  an  die  merkwürdigen  Phasen-Ver- 
änderungen an  unserer  Sonne,  an  die  Menge  der  kleinen  Asteroiden, 
an  das  Zodiacallicht,  an  die  Sternschnuppenzonen,  an  die  Meteoro- 
lithen  und  an  die  Theilung  (Komet  Biala)  so  wie  das  Verschwinden 
gewisser  Kometen  erinnern.  Im  Welträume  aber  sehen  wir  sogar 
Sterne  aufgehen  und  andere  ganz  verschwinden  und  alle  Nebel- 
massen haben  wir  noch  nicht  in  Sterne  aufzulösen  gelernt.  Können 
wir  von  Grenzen  des  Weltraumes  sprechen?  Kennen  wir  genau  die 
Bewegungen  der  Weltsysteme  so  wie  selbst  die  der  unsern? 

In  allen  Fällen  muß  man  die  Vorsorge  der  Natur  für  den 
Menschen  in  der  Verbreitung  der  Metallschätze  bewundern,  denn  als 
in  Urzeiten  nur  niedere  Thierclassen  den  Erdball  belebten,  gab  es 
keineswegs  so  viel  Metall  an  der  Erdoberfläche  als  jetzt.  Eisen  und 
Kupfer  bilden  als  Lager  die  metallischen  Hauptmassen  des  krystalli- 
nischen  Schiefers ,  welche  man  bis  jetzt  als  die  urälteste  Erdkruste 
betrachtet.  Der  Ursprung  aber  der  meisten  andern  nützlichen  Metall- 
Lagerstätten,  sowohl  in  Gängen  als  Stöcken  und  Nestern,  fällt  nicht 
in  die  paläozoische,  sondern  in  die  mesozoische  und  ganz  beson- 
ders in  die  tertiäre  und  Alluvial -Zeit.  Es  bildet  sich  selbst  auf 
diese  Weise  für  den  dem  Menschen  bestimmten  Metallschatz  eine 
Art  von  steigender  Scala  der  Größe  von  der  Urzeit  bis  zu  unserer 
Zeit.   Merkwürdigerweise  finden  sich  die  größten  Massen  der  edelsten 


120    Boue.  Werilen  d.  Mensclih.  immer,  wie  jetzt,  Mineralsch.  zu  Geb.  stehen? 

Metalle  ganz  besonders  nur  in  AUuvial-Ablagerungen  und  im  Tertiär 
aufgestappelt;  etwas  davon  ist  wohl  in  der  mesozoischen  und  selbst 
in  der  paläozoischen  Zeit  aus  dem  Schooße  der  Erde  gekommen, 
aber  sowohl  dieses  als  das  spätere  hervorgebrachte  wurde  durch 
Zerstörungen  und  Wegschwemmung  verschiedener  Arten  den  Men- 
schen noch  leichter  zugänglich  gemacht.  Endlich  bekommen  wir 
durch  die  Kenntniß  der  jetzigen  Bergwerke  so  wie  der  meisten 
ehemals  ausgebeuteten  den  deutlichsten  Beweis  wieder,  daß  der  lange 
vorhistorische  Zeitraum  des  Vorhandenseins  der  Menschen  auf  Erden 
keineswegs  doch  nach  Millionen  von  Jahren  zu  berechnen  sein 
kann. 


FitÄinger.   Kritische  Untersucli,  der  Spitzmäuse  ^5orjcfS^.  121 


Krithche  Untersuchungen   über  die  der  nainrlichen  Familie 
der  Spitzmäuse  (Sorices)  angeliörigen  Arten. 

(I.  Abtheilung.) 

Die   Gattung-en   Gymmira,  Paradoxodon  und  Pachyuru  enthaltend. 

Von  dem  w.  M.  Dr.  leop.  Jos.  Fitzinger. 

Die  Familie  der  Spitzmäuse  (Sorices)  ist  eine  derjenigen  unter 
den  Säugethieren ,  bei  welchen  eine  sorgfältige  Sichtung  der  ihr 
angehörigen  Formen  am  meisten  Noth  thut,  und  aus  diesem  Grunde 
habe  ich  mir  auch  diese  Aufgabe  gestellt. 

Allerdings  war  es  mir  nicht  gegönnt,  eine  besonders  große  Zahl 
von  Arten  durch  Autopsie  kennen  zu  lernen  und  dieselben  einer 
näheren  Untersuchung  zu  unterziehen,  obgleich  das  Wiener  Museum, 
an  welchem  ich  die  Säugethier- Sammlung  durch  eine  Reihe  von 
Jahren  zu  verwalten  hatte,  bezüglich  dieser  Familie  vielleicht  das 
reichste  unter  den  europäischen  Museen  ist  und  unter  denselben  nur 
noch  die  Museen  zu  Paris,  Leyden  und  Berlin  einen  grösseren  Reich- 
thum  an  hierher  gehörigen  Formen  aufzuweisen  haben.  In  den  indi- 
schen und  nordamerikanischen  Museen  sind  es  blos  die  heimatlichen 
Formen,  welche  dort  stärker  vertreten  sind. 

Bevor  ich  mich  zur  wissenschaftlichen  Behandlung  des  Gegen- 
standes selbst  wende,  betrachte  ich  es  für  nöthig,  einige  Worte  vor- 
auszusenden, welche  die  Grundsätze  darlegen  sollen,  die  mich  hierbei 
geleitet  haben. 

Über  die  Abgrenzung  der  Arten  herrscht  —  wie  bekannt  —  bis 
zur  Stunde  noch  unter  den  Naturforschern  so  mancher  Zweifel  und 
ihre  Ansichten  hierüber  gehen  nicht  selten  sehr  weit  auseinander. 

Viele  unter  ihnen  suchen  die  von  den  verschiedenen  Autoren  auf- 
gestellten Arten  nach  den  Menigen  in  ihren  Beschreibungen  darge- 
botenen Erkennungsmerkmalen  mit  einander  zu  vereinigen,  manche 
andere  wieder  haben  den  Weg  der  Trennung  eingehalten,  weil  unsere 
Kenntniß  von  diesen  Foniien  nur  sehr  unvollständig  ist. 


122  Fitzinger. 

Zu  einem  sicheren  Schlüsse  in  dieser  Beziehung  zu  gelangen, 
ist  zur  Zeit  geradezu  unmöglich,  da  das  vorhandene  Material  viel  zu 
unzureichend  ist,  um  sichere  Anhaltspunkte  zu  gewinnen. 

Allerdings  hahen  wir  bei  einigen  unserer  einheimischen  Arten, 
deren  Beobachtung  —  da  sie  uns  zugänglicher  sind  —  auch  mit 
weit  geringeren  Schwierigkeiten  als  bei  ausländischen  verbunden  ist, 
Erfahrungen  gewonnen,  welche  uns  berechtigen,  gewisse  von  ein- 
ander abweichende  Formen  für  nur  zufällige  Abänderungen  einer 
und  derselben  Art  zu  erklären.  Aber  bei  keiner  derselben  sind  wir 
im  Stande  die  Grenzen  festzustellen,  innerhalb  welcher  ihre  Veränder- 
lichkeit zu  schwanken  vermag. 

Wenn  uns  dieß  aber  schon  bei  unseren  inländischen  Arten  nicht 
möglich  ist,  um  wie  viel  weniger  wird  es  erst  bei  fremdländischen 
der  Fall  sein,  welche  wir  nur  äußerst  selten  genauer  beobachten 
zu  können  Gelegenheit  haben  und  von  denen  uns  die  allermeisten 
nur  aus  kurzen  und  oft  höchst  ungenügenden  Beschreibungen  be- 
kannt sind. 

Um  desto  verwerflicher  ist  daher  der  von  den  neueren  Natur- 
forschern so  häufig  eingeschlagene  Weg,  Formen  mit  einander  zu 
vereinigen,  welche  man  nur  sehr  oberflächlich  kennt. 

Dieser  Vorgang,  welcher  seit  dem  Bekanntwerden  der  Darwin'- 
sehen  Lehre  beinahe  zur  allgemeinen  Bichtschnur  geworden  ist,  hat 
der  Wissenschaft  thatsächlich  mehr  Schaden  gebracht,  als  er  ihr 
genützt  hat. 

Die  heillose  Verwirrung  in  der  Synonymie,  welcher  wir  in  den 
neueren  zoologischen  Werken  fast  allenthalben  begegnen,  liefert  wohl 
den  klarsten  Beweis,  welche  Folgen  aus  demselben  für  die  Kenntniß 
der  verschiedenen  Formen  erwachsen  sind. 

Es  sei  mir  erlaubt,  hier  etwas  näher  in  diesen  Gegenstand  ein- 
zugehen. 

Die  Lehre  Darwin' s,  welche  bald  eine  rasche  Verbreitung  und 
ein  zahlreiches  Heer  von  Anhängern  gefunden,  ist  von  manchen  unter 
ihnen  in  einer  Weise  ei-läutert  und  erweitert  worden,  daß  der  Gründer 
derselben  seine  eigene  Schöpfung  kaum  mehr  erkennen  würde. 

Die  beiden  Hauptsätze,  auf  welche  sich  dieselbe  stützt,  nämlich 
„der  Kampf  um  das  Dasein"  und  „die  natürliche  Züchtung",  haben 
Veranlassung  geboten  Schlüsse  daraus  abzuleiten,  die  weit  über  den 
Grundgedanken  liinausrcichen. 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  123 

Die  Erweiterer  jener  Lehre  suchen  den  Beweis  zu  führen,  daß 
die  Formverschiedenheit  der  organischen  Körper  auf  einer  alhnäii- 
gen ,  theils  durch  natürliche  Züchtung  oder  Züchtung  nach  freier 
Wahl,  theils  durch  klimatische  Einwirkungen  und  Bodenverhältnisse 
herbeigeführten  Unihildung  einer  gewissen  Grundform  beruhe,  welche 
Veränderung  vielleicht  einen  Zeitraum  von  Jahrtausenden  in  An- 
spruch nahm. 

Auf  diese  Ansicht  gestützt,  sucht  man  die  große  Zahl  der  uns 
bis  jetzt  bekannt  gewordenen  Formen  dadurch  zu  vermindern,  daß 
man  sie  auf  eine  bestimmte  Grundform  zurückführt. 

Man  begnügt  sich  aber  nicht  damit,  nur  nahe  verwandte  Formen 
miteinander  zu  vereinigen,  sondern  geht  in  neuester  Zeit  so  weit,  — 
gestützt  auf  scheinbare  Übergänge,  —  nicht  blos  Arten  einer  und 
derselben  Gattung,  sondern  sogar  verschiedener  Gattungen  als  Ver- 
änderungen einer  willkürlich  angenommenen  Art  oder  Grundform  zu 
betrachten. 

Ja,  ich  habe  Gelegenheit  gehabt  unter  den  jüngeren  Natur- 
forschern Verfechter  dieser  veränderten  und  völlig  verunstalteten 
Darwin'schen  Lehre  kennen  zu  lernen,  welche  des  festen  Glaubens 
sind,  daß  sich  alle  organischen  Geschöpfe  auf  eine  einzige  Urform 
werden  zunickführen  lassen. 

Daß  bei  dieser  Gattung  von  Forschern  aber  nicht  blos  der  Ge- 
danke, durch  eine  —  zwar  gesuchte,  wenn  auch  den  Naturgesetzen 
geradezu  nicht  widerstreitende  —  Erklärungsweise  ihrer  Entstehung 
und  erlittenen  Veränderung  die  Verminderung  eines  fast  unüberseh- 
baren Heeres  von  verschiedenen  Formen  und  die  Vereinfachung  der 
Wissenschaft  anstreben,  das  leitende  Princip  sei,  das  sie  zu  solchen 
Schlüssen  ermuthiget,  sondern  daß  auch  noch  ein  ganz  anderer 
Factor  hierbei  mitwirke,  ist  jedem  Denker  klar.  Denselben  jedoch  zu 
nennen,  will  ich  sorgfältigst  vermeiden. 

Wenn  auch  nicht  zu  leugnen  ist,  daß  auch  dieses  Streben  ein- 
mal dahin  führen  kann,  unser  Wissen  —  obgleich  nach  einer  ganz 
anderen  Richtung  hin  —  wesentlich  zu  bereichern,  so  entsteht  doch 
die  Frage,  was  für  diejenigen,  welche  sich  mit  der  Erkenntniß  der 
organischen  Geschöpfe  beschäftigen,  durch  ein  solches  Resultat  ge- 
wonnen ist. 

Gesetzt  auch  den  Fall,  daß  es  unseren  Forschungen  mit  der 
Zeit  gelingen  sollte,  den  wirklichen  Bestand  solcher  Übergänge  von 


124  F  i  t  2  i  n  g.  e  r. 

seither  für  selbststäiulig  gegoltenen  Formen  thatsächlich  zu  beweisen, 
so  wäre  der  Gewinn,  welcher  hieraus  für  die  Wissenschaft  erwächst, 
keineswegs  von  der  Art,  daß  man  hierin  einen  Triumph  über  die  von 
den  Anhängern  der  älteren  Schule  vertheidigte  Lehre  erblicken  und 
der  von  denselben  bisher  befolgten  Behandlungsweise  dieses  Gegen- 
standes gänzlich  entsagen  könnte. 

Im  Gegentheile  würde  dann  das  ßedürfniß  erst  recht  hervor- 
treten, die  Wiedererkennung  der  verschiedenen  Formen,  —  wenn 
sie  auch  nur  für  Abänderungen  einer  und  derselben  Grundform  an- 
genommen werden  müßten,  —  durch  Feststellung  ihrer  Merkmale 
uns  selbst  und  auch  anderen  zu  ermöglichen. 

Selbst  wenn  es  wirklich  einmal  dahin  kommen  sollte,  daß  wir 
nur  einige  Dutzend  von  Grundformen  oder  wohl  gar  nur  ein  einziges 
Urthier  annehmen  zu  müssen  genöthiget  wären,  so  bliebe  uns  nichts 
anderes  übi'ig  —  vorausgesetzt,  daß  wir  unser  seit  Jahrhunderten 
mühsam  errungenes  Wissen  nicht  gänzlich  aufgeben  und  die  Wissen- 
schaft gleichsam  vernichten  wollten,  —  als  wieder  zu  der  schon 
ursprünglich  befolgten  Methode  unsere  Zuflucht  zu  nehmen  und  die 
tausendfältig  sich  bekundenden  Verschiedenheiten  dieser  Urform 
durch  Angabe  ihrer  Merkmale  uns  m  ieder  erkennbar  und  unterscheid- 
bar zu  machen. 

Überhaupt  ist  es  die  Aufgabe  derjenigen,  welche  sich  mit  der 
descriptiven  Naturgeschichte  beschäftigen,  die  Naturkörper  so  zu 
betrachten,  wie  sie  sind,  und  nicht  wie  sie  geworden  sind. 

Deßhalb  habe  ich  auch  —  getreu  der  Gepflogenheit  der  älteren 
Schule,  —  die  einzelnen  dieser  Familie  angehörigen  Formen  so  ab- 
gegrenzt, wie  sie  von  den  verschiedenen  Autoren,  die  uns  mit  den- 
selben bekannt  machten,  geschildert  worden  sind  und  durch  Bei- 
fügung ihrer  oft  nur  schwer  zu  sichten  gewesenen  Synonymie,  die 
verschiedenen  Ansichten  der  einzelnen  Fachmänner  über  die  Zusam- 
mengehörigkeit gewisser  Formen  ersichtlich  gemacht.  Zusammen- 
ziehungen habe  ich  nur  in  jenen  Fällen  vorgenommen,  wo  die  Iden- 
tität durch  die  von  uns  gewonnenen  Erfahrungen  völlig  außer  allen 
Zweifel  gestellt  wurde. 

Ich  bin  aber  weit  davon  entfernt,  etwa  die  Behauptung  auf- 
stellen zu  wollen,  daß  alle  hier  aufgeführten  Arten  sich  in  der  Folge 
auch  als  selbstständige  bewähren  und  erhalten  würden;  doch  scheint 
es  mir  jedenfalls  folgerichtiger  und  gerechtfertigter  zu  sein,  dieselben 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spit/mäuse  (Soriccs)  etc.  121) 

in  SO  lange  für  solche  zu  betrachten,  his  nicht  durch  directe  Erfah- 
rungen das  Gegentheil  erwiesen  worden  ist,  als  sie  mit  anderen  For- 
men zu  vereinigen,  deren  Zusammengehörigkeit  blos  auf  Vermuthun- 
gen  und  Voraussetzungen  beruht,  und  jeder  sicheren  Grundlage 
entbehrt. 

Nur  wenn  wirkliche  —  nicht  aber  blos  scheinbare,  —  das  ist 
wenn  stufenweise  Übergänge  in  minder  wesentlichen  und  nach 
unserer  bisherigen  Erfahrung  der  Veränderlichkeit  unterworfenen 
Merkmalen  zwischen  denselben  bestehen,  sind  wir  berechtiget,  solche 
Formen  miteinander  zu  vereinigen  und  die  sich  ergebenden  Verschie- 
denheiten als  Varietäten  zu  betrachten. 

Nachdem  ich  somit  über  die  von  mir  befolgten  Grundsätze  ge- 
nügenden Aufschluß  gegeben  zu  haben  glaube,  gehe  ich  zum  eigent- 
lichen Gegenstande  dieser  Abhandlung  über  und  füge  nur  noch  bei, 
daß  ich  sorgfältigst  bestrebt  ^^'!^v,  alles  was  uns  seither  in  physio- 
graphischer  Hinsicht  über  die  verscliiedenen  Formen  bekannt  ge- 
worden, in  soweit  mir  nur  immer  das  vorhandene  Material  zugäng- 
lich war,  zu  sammeln,  und  daß  ich  nichts  verabsäumt  habe,  um  der 
vorliegenden  Arbeit  die  möglichste  Vollständigkeit  zu  geben. 


Die  Familie  der  Spitzmäuse  steht  bezüglich  der  allgemeinen 
Körperform  der  ihr  angehörigen  Glieder  zwischen  der  Familie  der 
Igel  (Erinacei)  und  jener  der  Maulwürfe  (Talpae)  gleichsam  in 
der  Mitte,  indem  sie  scheinbare  Übergänge  zu  denselben  sehr  deut- 
lich erkennen  läßt.  Namentlich  sind  es  die  Gattungen  Rattenschwanz- 
rüssler  {Gymmira)  und  Bisamrüssler  (Myognle) ,  welche  diese 
Übergänge  zu  vermitteln  scheinen,  und  zwar  erstere  zu  den  Igeln, 
letztere  zu  den  Maulwürfen. 

Alle  zeichnen  sieh  durch  eine  nieiir  oder  wenigerstark  gestreckte 
Schnauze  aus,  die  in  eine  die  Oberlippe  ziemlich  weit  überragende, 
sehr  bewegliche  spitze  Nase  endiget,  welche  mit  einziger  Ausnahme 
der  Gattung  Rattenschwanzrüssler  (Gymnura)  immer  von  rüssel- 
f(»rmiger  Gestalt  ist  und  bei  den  Gattungen  Sehlitzrüssler  (Soleno- 
donj  und  Bisamrüssler  (Myoyale)  einen  wahren  Rüssel  bildet.  Die 
Augen  sind  durchgehends  klein  oder  sehr  klein  und  freiliegend,  die 
Sohlen  kahl  und  nur  eine  einzige  Art,  nämlich  die  schmalköpfige 
Dickschwanzspitzmaus  (Pachyurn  heterodnn),  ist  bis  jetzt  bekannt. 


1  2  C  F  i  (  z  i  n  >,'  e  r. 

bei  welcher  sich  unterlialb  des  Fersengeleiikes  eine  behaarte  Stelle 
findet.  Sämmtliche  Arten  treten  auch  beim  Gehen  mit  ganzer 
Sohle  auf. 

Wie  im  äußeren  Körperbane,  so  sehließt  sich  auch  in  An- 
sehung der  Skelethiidung  die  Familie  der  Spitzmäuse  (Sorices) 
einerseits  an  jene  der  Igel  (Erinacei),  anderseits  an  die  der  Maul- 
würfe (Talpae)  an. 

Der  Schädel  ist  bei  allen  Gliedern  dieser  Familie  langgestreckt, 
je  nach  den  vier  Haupttypen  aber,  welclie  dieselbe  umfasst,  wesent- 
lich verschieden. 

Bei  der  Gattung  Raltensehwanzrüssler  (GymimrnJ ,  welche 
einen  scheinbaren  Übergang  zur  Familie  der  Igel  (Erinacei)  über- 
haupt und  insbesondere  zur  Gattung  Borstenigel  (Centetes)  darstellt, 
nähert  er  sich  in  seinen  Umrissen  jenem  dieser  Gattung  und  erinnert 
in  seiner  Form  auch  autTallend  an  den  Schädel  der  typischen  Spitz- 
mausformen (Sorices),  doch  unterscheidet  er  sich  von  beiden  durch 
das  Vorhandensein  eines  vollständig  ausgebildeten  Jochbogens. 

Die  zweite  Hauptform,  welche  sämmtliche  typische  Spitzmaus- 
formen (Sorices)  umfaßt,  zeichnet  sich  durch  einen  auch  am  Hinter- 
haupte verhältnißmäßig  schmalen  und  am  Schnauzentheile  ziemlich 
stark  zusammengedrückten  Schädel  aus,  auf  welchem  längs  der  Mitte 
der  Stirn-  und  Scheitelbeine  eine  schmale  Leiste  verläuft.  Auch  die 
Lambdaleisten  sind  bei  mehreren  und  insbesondere  bei  den  größeren 
Arten  der  Gattung  Dickschwanzspitzmaus  (Pachyura)  ziemlich  stark 
entwickelt. 

Das  Jochbein  fehlt  und  die  Paukenhöhle  ist  unten  nur  durch 
eine  Haut  geschlossen.  Das  Schläfenbein  ist  mit  einem  besonderen 
Fortsatze  versehen,  welcher  zur  Aufnahme  eines  auch  vom  Unter- 
kiefer ausgehenden  Gelenkfortsatzes  bestimmt  ist.  An  der  Innenseite 
des  hohen  Kronfortsatzes  befindet  sich  eine  tiefe  dreiseitige  Grube. 

Der  Schädel  der  dritten  Hauptform  oder  der  Gattung  Schlitz- 
rüssler  (Solenodon)  erinnert  in  seiner  Bildung  ebenso  sehr  an  jenen 
der  typischen  Spitzmäuse  (Sorices),  als  den  der  Gattung  Bisam- 
rüssler  (Myogale),  und  insbesondere  schließt  er  sieb  rücksichtlich 
seiner  Form  zunächst  dem  Schädel  der  letztgenannten  Gattung  an. 
Er  fällt  nach  vorne  zu  allmälig  ab  und  wie  bei  de>i  typischen  Spitz- 
inausformen  (Sorices),  fehlt  demselben  das  Jochbein  und  ist  die 
Paukenhöhle  unten  durch  eine  Haut  geschlossen.   Der  Rüssel  wird 


Kritische  Untersuchung-en  iil)er  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  127 

wie  bei  den  Maulwürfen  (Tfilpae),  durch  ein  am  unteren  Rande  des 
Nasenaussclinittes  am  Zwischenkiefer  befindliches  Knöchelchen  ge- 
stützt. Der  Kronfortsatz  ist  breit  und  hoch. 

Bei  der  vierten  Hauptform  dieser  Familie,  welche  durch  die 
Gattung  Bisamrüssler  (Myogale)  repräsentirt  wird,  tritt  die  nahe 
Verwandtschaft  mit  den  Maulwürfen  (Talpae)  auch  am  Schädel 
deutlich  hervor.  Derselbe  ist  durch  einen  vollständigen,  aber  nur 
sehr  dünnen  stabförmigen  Jochbogen  ausgezeichnet,  das  Hinterhaupt 
ist  aufgetrieben  und  auf  der  Mitte  des  Hinterhauptbeines  befindet 
sich  eine  besondere  wulstige  Hervorragung,  indem  von  demselben 
ein  blattartiger  dreispitziger  Fortsatz  ausgeht,  der  das  Schädeldach 
überragt.  Auch  ist  die  Hinterhauptsschuppe  über  jedem  Condylus 
von  einer  ziemlich  großen  Öffnung  durchbrochen.  Die  pyramidalen 
und  ziemlich  aufgetriebenen  Felsentheile  des  Schläfenbeines  berühren 
sich  vorne  und  stossen  mit  dem  inneren  unteren  Flügelfortsatze  des 
Keilbeines  zusammen.  Die  Foramina  incisiva  sind  groß  und  der  Ober- 
kiefer ist  in  der  Nähe  der  Gaumenbeine  von  zwei  schmalen  spalt- 
förmigen  Öffnungen  durchbrochen.  Das  Schläfenbein  sowohl,  als  auch 
der  Unterkiefer  sind  eben  so  wie  bei  den  typischen  Spitzmäusen 
(Sor'ices),  mit  einem  besonderen,  aber  stärkeren  Fortsatze  versehen. 
Der  Kronfortsatz  ist  wie  bei  diesen  hoch,  doch  fehlt  die  dreiseitige 
Grube  an  der  Innenseite  desselben  und  der  Winkelfortsatz  ist  auch 
breiter. 

Die  Zahl  der  Wirbel  ist  bei  dieser  Familie  nicht  nur  nach  den 
Gattungen,  sondern  auch  nach  den  Arten  verschieden  und  ändert 
nach  den  bisherigen  Erfahrungen  bei  den  Lenden-,  Kreuz-  und 
Schwanzwirbeln  bisweilen  selb.<;t  bei  einer  und  derselben  Art.  In  so- 
weit wir  die  Skelete  bis  jetzt  kennen,  scheint  die  Zahl  der  Wirbel 
zwischen  44  und  Gl  zu  schwanken,  doch  ist  diese  Zahl  keineswegs 
als  eine  feststehende  zu  betrachten,  da  uns  die  Skelete  der  kurz- 
schwänzigen  Arten  seither  völlig  unbekannt  geblieben  sind  und  bei 
deren  näherer  Kenntniß  sich  die  Zahl  der  Wirbel  um  ein  Bedeutendes 
vermindern  würde. 

Die  Wirbelzahl  vertheilt  sich  bei  den  nachstehenden  Arten 
welche  wir  bezüglich  ihrer  Wirbelsäule  ganz  oder  theilweise  kennen, 
folgendermaßen. 


128 


F  i  t  z  i  II  g  e  r. 


So  zeigen 


Rficfceii- 
wirbel 


Pachijurd  crasslcaiida       14 
„         miirina 14 


„         etrusca  .  . 
Crocidura  sacralis  . 
~        hirta 


annellata 
cancscens . 
aranea  .  . . 


13 
14 
14 
14 
13 
13 

„      ....      14 
„        leucodon ...      13 

Sorcx  alpiiius 14 

„     vulgär  in 14 

«        14 

„     pngmaeus 14 

Soriculuti  tu'grescnis  .       ? 


Lenileii- 
wirbel 


8 

6 

6 
5-6 
5—6 

6 

6 

6 

6 

6 

6 

6 

6 


Cronsopus  fodiens 


13 
13 
13 
13 
13 


6 


wirl.ol 
9 
3 

3 
4 
4 
4 
4 
3 
4 
4 
4 
3 
4 
3 


Schwaii?.- 
wirbel 


Gesamiulz. 
mit  EinsrhI. 
d.  7  Halsw.  Nach 


18 

17 
16 
17 
18—19 
18 
18 
17 
15 

9 

20 
17? 
16 
14 

1  O  ohne  die 
äusserste  Spitze   9 


9 

49 
45 

48 
48—50 
48—49 

48 

46 

46 


47? 

47 
44 


19 
17 

18 

27 
30 


48 
48 
48 
58 
6t 


Ell  IC  II I). 
Fall. 
Wag;ii. 
Pclers. 


naiiboiit. 
Goiiiiiiiii^. 


Wagii. 

Gciiiiiiiiig. 

Wagn. 

Bl;<b. 

Daubciit. 

Ciiv. 

Geiuiiiiiig. 

Wagn. 


Myogalc  moschata   ...      1 3  6  5 

„       pijrenaica  ...      13  6  5 

Zu  den  besonderen  Eigenthümlichkeiten  dieser  Familie  gehört 
die  Ausscheidung  einer  scharf  und  sehr  stark  nach  Moschus  riechen- 
den Flüssigkeit,  welche  wahrscheinlich  allen  Gliedern  derselben  zu- 
kommt. Diese  Flüssigkeit  wird  in  besonderen  Drüsen  abgesondert, 
welche  sich  entweder  an  den  Leibesseiten  und  zwar  meist  näher  den 
Vorder-  als  den  Hinterfüßen,  bisweilen  aber  auch  hinter  ihrer  Mitte 
befinden  und  sich  äußerlich  durch  einen  meißelartigen,  mit  zwei 
Reihen  kurzer  Haare  besetzten  Wulst  oder  eine  spaltartige  Vertie- 
fung zu  erkennen  geben,  oder  unterhalb  des  Schwanzes  in  geringer 
Entfernung  von  seiner  Wurzel  liegen,  je  nach  den  verschiedenen 
Gattungen  und  Arten  mit  zwei  oder  mehreren  Ausführungsgängen 
versehen  und  bei  erwachsenen  Männchen ,  insbesondere  aber  zur 
Zeit  der  Paarung  am  vollständigsten  entwickelt  sind.  Bei  Weibchen 
sind  dieselben  oft  nur  sehr  schwer  aufzufinden  und  bei  jungen 
Thieren  sind  sie  durcliaus  nicht  sichtbar. 

Sämmtiiche  dieser  Familie  angehörige  Arten  führen  ein  unter- 
irdisches Leben,  indem  sie  sich  entweder  selbst  Löcher  oder  Gänge 
im  Nveiclien  Boden   der  Erde  wühlen   oder  im   harten  Boden  die  ver- 


Kritische  Unfersucbungen  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  129 

lassenen  Löcher  von  Mäusen  und  Maulwürfen  zu  ihrem  Aufenthalte 
benützen.  Manche  suchen  auch  in  Häusern,  Heuschobern  oder  Dün- 
gerhaufen,  unter  Baumwurzehi,  Steinhiücken  und  Moos,  oder  in 
Felsenhöhlen  Schutz.  Einige  gehen  auch  gerne  in's  Wasser  und 
manche  iialten  sich  fast  beständig  in  demselben  auf  und  können 
nicht  blos  vortrefflich  schwimmen,  sondern  auch  tauchen. 

Die  meisten  sind  nächtliche  oder  halhnächtliche  Thiere  und  nur 
sehr  wenige  scheinen  vollkommene  Tagthiere  zu  sein.  Die  in  den 
nördlicheren  Gegenden  wohnenden  Arten  bringen  den  Winter  in 
ihren  Löchern  und  Höhlen,  einige  aber  auch  in  Häusern,  Scheunen 
oder  Ställen  zu,  ohne  jedoch  einen  Winterschlaf  zu  halten,  obgleich 
sie  zu  dieser  Zeit  nur  wenig  oder  gar  keine  Nahrung  zu  sich  nehmen 
und  manche  Arten  verlassen  sogar  mitten  im  Winter  beim  Eintritte 
milder  Witterung  ihre  Verstecke  und  gehen  nicht  selten  selbst  auf 
dem  verschneiten  Boden  umher. 

Alle  nehmen  nur  thierische  Nahrung  zu  sich  und  verschmähen 
jede  vegetabilische  Kost.  Vorzüglich  sind  es  Insecten  und  deren 
Larven  oder  auch  Würmer,  welche  ihre  Hauptnahrung  bilden,  doch 
nähren  sich  viele  nebstbei  auch  von  kleinen  Säugethieren  und  Vögeln, 
und  einige  selbst  von  kleinen  Fischen ,  Fischeiern,  Egeln,  Krebsen 
und  Schnecken.  Sie  sind  durchgehends  sehr  gefräßig,  fressen  täglich 
so  viel  als  ihr  eigenes  Gewicht  betragt  und  können  den  Hunger  nur 
sehr  kurze  Zeit  ertragen;  ja  viele  verzehren  sogar  ihre  eigenen 
Jungen. 

Ihre  Stimme  besteht  theils  in  scharfen,  feinen  zwitschernden 
Tönen,  theils  in  quickenden  und  pfeifenden  Lauten,  die  je  nach 
den  verschiedenen  Gattungen  und  Arten  auch  verschieden  sind. 

Unter  ihren  Sinnen  sind  der  Geruch  und  das  Gehör  am  meisten 
ausgebildet,  das  Gesicht  dagegen  nur  sehr  schwach. 

Ihre  Bewegungen  sind  rasch  und  behende,  und  zwar  sowohl 
beim  Gehen  als  beim  Ijaufen.  Alle  sind  aber  scheu  und  flüchtig,  und 
suchen  sich  schon  bei  dem  geringsten  Geräusche  in  ihre  Schlupf- 
winkel zu  verbergen. 

Ihre  Lebensweise  ist  durchaus  ungesellig  und  immer  wohnen 
sie  nur  einzeln  oder  halten  sich  höchstens  paarweise  zusammen. 

Die  Zahl  ihrer  Jungen  schwankt  zwischen  4  und  10,  die  wohl 
bei  allen  Arten  kahl  und  mit  geschlossenen  Augen  und  Ohren  zur 
W^elt  kommen. 

Sitzl).  d.  mathem.-naturw.  Gl.  LVII.  Bd.  I.  Abth.  9 


130  Filzinge  r. 

Sämmtliche  Arten  sind  friedliche,  harmlose  inul  völlig  unschäd- 
liche Thiere,  welche  die  Gefangenschaft  nur  sehr  kurze  Zeit  ertra- 
gen und  sich  in  derselben  eben  so  unverträglich  zeigen,  als  im  Zu- 
stande der  Freiheit.  Nur  die  größeren  suchen  sich,  wenn  sie  ange- 
griffen werden,  durch  Beißen  zu  vertheidigen. 

Familie  der  Spitzmäuse  (SORICESJ. 

Charakter.  Die  Backenzähne  sind  spitzzackig.  Der  Leib  ist 
nur  mit  weichen  Haaren  oder  bisweilen  auch  mit  eingemengten  län- 
geren Borstenhaaren  bedeckt.  Die  Hinterbeine  sind  deutlich  länger 
als  die  Vorderbeine.  Die  Krallen  der  Vorderfiiße  sind  keine  Scharr- 
krallen. 

1.  Gatt.  RattenseliwanzriUsler  fMwytnnufay, 

Der  Leib  ist  mit  weichen  Haaren  und  eingemengten  längeren 
Borstenhaaren  bedeckt.  Vorder-  und  Hinterfiisse  sind  fünfzehig. 
Die  Zehen  sind  frei.  Die  Schnauze  ist  stark  verlängert  und  endiget 
in  eine  über  die  Unterlippe  ziemlich  weit  hervorragende  spitze  Nase. 
Die  Ohren  sind  ziemlich  groß,  kurz,  nur  wenig  aus  den  Haaren  her- 
vorragend und  nicht  durch  einen  besonderen  Lappen  verschließbar. 
Der  Schwanz  ist  lang,  gerundet,  geringelt  und  geschuppt,  beinahe 
völlig  kahl  und  an  der  Würze!  nicht  dicker  als  im  weiteren  Verlaufe. 
Sohlen  und  Zehen  sind  nicht  gewimpert.  Eckzähne  befinden  sich  in 
jedem  Kiefer  zwei.  Die  Sehneiden  der  unteren  Vorderzähne  sind 
nicht  gezähnelt  und  an  ihrer  Hinterseite  mit  keinem  Ansätze  ver- 
schen. Sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß.  Im  Ober- 
kiefer sind  jederseits  vier  Liikenzähne  vorhanden.  Die  Krallen  sind 
zurückziehbar ,  jene  der  Vorderfüsse  nicht  größer  als  die  der 
Hinterfüße.  Die  Augen  sind  klein. 

n  4    j 

Zahnformel:    Vorderzähne   — ,    Eckähne ,  Lücken- 

6  1-1 

^  ^  ^    Q 

zahne ,  Backenzähne  =  44. 

4—4  3—3 

1.  Der  welssköpfige  Knitcnsehwauzrussler  (Gymnura  Rnf'flesii). 

G.  nigra,    capite  colloque  albis,   setia  in  vertice  nigris,    in 

durso  albis  intern/ i,vfis:  canda  "/^  corporis  longitudine,  in  dimidio 

apicali  alba. 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  131 

Viverra?   gymnuru.    Ral'fles.    Linnean  Transact.    V.   XIII.   P,  I. 

p.  272. 
Gymura   Rafflesii.     Horsf.    Vig.    Zool.    Jouni.    V.    III.    (1827.) 

p.  246.  t.  8. 
„  „  Lesson.  Mammal.  p.  171.  Nr.  4ö4. 

„  „  Fisch.  Syiiops.  Mammal.  p.  152.  Nr.  1. 

„  „  Wagler.  Syst.  d.  Amphib.  t.  15. 

J.  Müller.  Verhandel.  V.  I.  p.  26. 
„  „  Wagn.    Sehreber    Säiigth.    Suppl.    B.    II. 

S.  46.  Nr.  1. 
„  „  Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  81. 

Reiche  nb.     Natm-g.     Raubth.      S.    327. 
flg.  459. 
„  „  Cantor.  Journ.   of  the  Asiat.  Soc.  V.  XV. 

p.   190. 
„  „  Blainv.  Osteograph.  Insectiv.  p.  59.  t.  6. 

(Schädel,  Gebiß). 
„  „      Var.  a..  Wagn.  Schreber  Säugeth.  Suppl.  B.  V. 

S.  534.  Nr.  1.  a. 
Gyynnura  Rafflesi.  Giebel.  Säugeth.  S.  916. 

Die  größte  Form  in  der  ganzen  Familie,  indem  sie  nicht  viel 
kleiner  als  der  Steinmarder  (Maries  Foina)  ist.  Die  Körperform  im 
Allgemeinen  erinnert  theils  durch  den  untersetzten  Bau,  theils  durch 
den  langen,  geringelten  und  geschuppten  kahlen  Schwanz  an  die 
Gestalt  einer  Ratte  (RattnsJ.      « 

Der  Kopf  ist  langgestreckt,  die  Schnauze  stark  verlängert, 
nach  vorne  zu  verdünnt  und  stumpfspitzig.  Die  Nasenlöcher  liegen  seit- 
lich an  der  äußersten  Spitze  der  Schnauze  und  sind  mit  etwas  vor- 
springenden Rändern  versehen.  Die  Ohren  sind  ziemlich  groß,  rundlich, 
nur  wenig  aus  dem  Pelze  hervorragend  und  kahl.  Der  Schwanz, 
welcher  2/3  der  Körperlänge  einnimmt,  ist  gerundet,  von  mäßiger 
Dicke,  an  der  Wurzi'l  nicht  dicker  als  im  weiteren  Verlaufe,  beinahe 
völlig  kahl  und  nur  bei  jungen Thieren  spärlich  mit  kurzen  anliegenden 
Haaren  besetzt.  Die  Beine  sind  verhältnißmäßig  etwas  kurz.  An  den 
Vorderfüssen  sind  die  Innen-  und  Außenzehe  kurz,  die  drei  mittleren 
Zehen  lang  und  fast  von  gleicher  Länge.  Die  Zehen  der  Hinterfüsse 
sind  merklich  länger  und  bieten  rücksichtlich  ihrer  Länge  ein  ähn- 
liches Verhältniß   dar.    Die  Krallen  sind    nicht   sehr   stark,  schmal. 


132  Fitzinger. 

sichelförmig  gekrümmt,  sehr  spitz  und  zurückziehhar;  jene  der  Vor- 
derluße  sind  nielit  grüßer  als  die  der  Hinterfüsse.  Die  Körper- 
behaarung ist  weich  und  wollig  und  auf  der  Oberseite  des  Körpers 
mit  einigen  längeren  rauheren  Haaren  und  steiferen  Borstenhaaren 
untermengt.  Die  Zehen  sind  auf  der  Oberseite  mit  kurzen  dünn- 
stehenden  Haaren  besetzt.  Die  Schnurren  sind  lang.  Im  Oberkiefer 
sind  jederseits  vier  Lüekenziihne  vorhanden  und  sämmtliche  Zähne 
sind  durchaus  einfarbig  weiß.  Die  Zunge  ist  groß,  weich  und  ziem- 
lich glatt. 

Die  Färbung  des  Rumpfes  und  der  Beine  ist  schwarz,  auf  dem 
Rücken  mit  einzelnen  weißen  Borstenhaaren  untermengt.  Kopf  und 
Hals  sind  bis  zu  den  Schultern  weiß,  und  nur  auf  dem  Scheitel  zwi- 
schen den  Ohren  und  am  Hinterkopfe  sind  einige  schwarze  Haare  ein- 
gemengt. Über  die  Augen  zieht  sich  ein  schwarzer  Längsstreifen  gegen 
die  Schnauze  und  die  Schnurren  sind  theils  weiß,  theils  schwarz. 
Der  Schwanz  ist  in  seiner  Wurzel hälfte  schwarz ,  in  der  End- 
hälfte weiß. 

Körperlänge 1'     2"     3'"    Nach  Raffles. 

Länge  des  Schwanzes  ....  10''     6'" 

„      des  Kopfes 4"     3'" 

„      des  Rüssels 8"' 

Breite  des  Kopfes  zwischen  den 

Ohren      1"     6'" 

Abstand  der  Augen     ....  1" 

Schulterhöhe •  5" 

Rumpfhöhe 4"     6'" 

Länge  des  Vorderlußes    ...  i"      9'" 

„     des  Hinterfußes     ...  2" 

Vaterland:  Halbinsel  Malakka,  die  Inseln  Singapore,  Sumatra 
und  mehrere  andere  Sunda-Inseln.  Raffles  entdeckte  diese  Art  in 
Sumatra  und  gab  die  erste  Beschreibung  von  derselben.  Farqu- 
har  erliielt  sie  aus  den  Wäldern  von  Malakka,  das  britische  Museum 
von  Singapore  und  S.  Müller  traf  sie  noch  auf  einigen  andern 
zum  Sanda-Arehipel  gehörigen  Inseln. 

Nach  der  Angabe  von  Farcjubar  soll  sie  einen  starken 
Moschusgeruch  verbreiten,  doch  hat  man  bis  jetzt  noch  nicht  ermit- 
telt, wo  der  Silz  der  Absonderungsdrüsen  sei. 


Kritische  üntersucliuiigen  über  die  Spitzmäuse  fSorkcf!)  etc.  133 

2.   Der  gelblichweisse  Ratteuschwanzrüssler  (Gymnnra  borneotica). 

G.  ex  flavescente  -  alba ,  iiotaeo  sestis  nigris  int  ermixt  o ; 
cauda  2/3  corporis  longitudine. 

Gymmira  Bafflesii.    Waterh.    Ann.  of  Nat.  Hist.   scc.  Ser.  V.  XL 
p.  529. 
„  „  Var.  ß.  Wagn.   Schreber  Säugtli.  Suppl.  B.  V. 

S.  534.  Nr.  1.  ß. 

Diese  Art,  welche  wir  nur  nach  einer  von  Waterhouse 
gegebenen  Beschreibung  kennen,  kommt  mit  dem  weiüköpfigen 
Rattenschwanzrüssler  (^G.  Ra/flesüJ  in  der  Größe  und  Gestalt 
sowohl,  als  auch  in  der  Bildung  und  in  den  Verhältnissen  der  ein- 
zelnen Körpertheile  vollständig  überein  und  unterscheidet  sich  von 
derselben  lediglich  durch  die  verschiedene  Färbung  des  Körpers. 

Die  Färbung  ist  auf  der  Ober-  sowohl  als  Unterseite  des  Kör- 
pers einfarbig  gelblichweiß  und  nur  auf  der  Oberseite  sind  einzelne 
schwarze  Borstenhaare  eingemengt. 

Vaterland.  Borneo.  Zuerst  von  Waterhouse  beschrieben 
und  von  demselben  nur  für  eine  Farbenabänderung  des  weißschwänzi- 
gen  Rattenschwanzrüsslers  (^G.  RafflesiiJ  betrachtet. 

Meiner  Ansicht  zufolge  bildet  dieselbe  aber  eine  selbstständige 
Art,  da  die  Abweichung  in  der  Färbung  zu  bedeutend  ist,  um  sie 
mit  der  genannten  Art  zu  identificiren  und  uns  auch  aus  manchen 
anderen  Säugethier-Familien  bekannt  ist,  daß  Borneo  zwar  mit  den 
auf  dem  indischen  Festlande  und  einigen  Sunda-Inseln  vorkommen- 
den Arten  manche  sehr  nahe  verwandte,  aber  eben  durch  die  Färbung 
deutlich  voneinander  geschiedene  Formen  gemein  hat,  welche  man 
für  selbstständige  Arten  anzunehmen  berechtiget  ist. 

2.  Gatt.  $icli\vai*zzaliiispitzinaii.«i  fParttdoooodotiJ. 

Der  Leib  ist  nur  mit  weichen  Haaren  bedeckt.  Vorder-  und 
Hinterfüsse  sind  fünfzehig.  Die  Zehen  sind  frei.  Die  Schnauze  ist 
stark  verlängert  und  endiget  in  eine  über  die  Unterlippe  ziemlieh 
weit  hervorragende  spitze,  rüsselförmige  Nase.  Die  Ohren  sind 
groß,  kurz,  freiliegend  und  durch  einen  an  ihrem  Grunde  befindlichen 
Lappen  verschließbar.  Der  Schwanz  ist  mittellang,  gerundet, 
geringelt  und  geschuppt,  beinahe  völlig  kahl,  nur  mit  einzelnen  lan- 


1  »>4  P"  i  t  7,  i  a  g  e  r. 

gen,  abstehenden  nnil  nach  rückwärts  gei'icliteteu  Winiperliaareii 
besetzt,  und  an  der  Wni'zel  dick,  allinällg  sich  verdünnend.  Sohlen 
und  Zehen  sind  nicht  gewimpert.  Eckzähne  fehlen.  Die  Sciineiden  der 
unteren  V'orderzähne  sind  nicht  gezähnelt  und  an  ihrer  Hinterseite  mit 
keinem  Ansätze  versehen.  Sämmtliehe  Zähne  sind  braunschwarz  und 
endigen  in  weiße  Spitzen  und  Scluieiden.  Im  Oberkiefer  sind  jeder- 
seits  vier  Liickenzähne  vorlianden.  Die  Krallen  sind  nicht  zurück- 
ziehhar,  jene  der  Vorderf'üssc  nicht  größer  als  die  der  Hinteri'üsse. 
Die  Augen  sind  sehr  klein. 

Zahnformel:    V'(»rderzähne  ,    Eckzähne  ,  Lücken- 

2  0-0 

zahne  ,  Hackenzähne ,  =  30. 

2—2  3  —  3 

1.  Die  bengalische  Schwarjizahnspilzmaus^Ao'af/o.torfow  melanodon). 

P.  uuicolor f'uscus,  gastreaeo  vix  pallidiore ;  pedibus  caudaque 
ex  nigrescente-flnvidh,  inf'rn  obscurioribns ;  cauda  dimidio  cor- 
pore longlore. 

Sorex  melanodon.  Blyth.  Journ.  of  tlie  Asiat.  Soc.  of  Bengal.  1855. 
Fase.  1, 
Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  805. 
Nr.   15. 
PnradoxodoN  melanodon.   Wagn.   Schreber  Säugth.    Suppl.  B.  V. 

S.  805.  Nr.    15. 

Eine  höchst  ausgezeichnete  Form,  welche  den  Typus  einer 
besonderen  Gattung  bildet  und  mit  keiner  anderen  verwechselt  wer- 
deli  kann.  Sie  gehört  zu  den  kleinsten  Arten  in  der  ganzen  Familie 
und  ist  fast  von  derselben  Größe  wie  die  Zwerg-Spitzmaus  (Sorex 
pygmaeus). 

Die  Ohren  sind  groß,  freiliegend  und  kahl.  Der  Schwanz,  des- 
sen Länge  mehr  als  die  halbe  Körperlänge  einnimmt,  ist  gernndet, 
an  der  Wurzel  dick,  allmälig  sich  verdünnend,  fast  völlig  kahl  und 
nur  mit  einzelnen  langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gericliteten 
Wimperhaaren  besetzt.  Die  Füsse  sind  beinahe  kahl.  Im  Oberkiefer 
sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vorhanden  und  sämmtliehe  Zähne 
sind  pech-  oder  braunschwarz  und  endigen  in  weiße  Spitzen  und 
Schneiden. 


Kritische  Untersiitliuiigen  üher  die  Spitziiiäusc  (Soi-ites)  etc.  135 

Die  Färbung  des  Körpers  ist  einfarbig  braun,  ohne  Spur  eines 
röthlichen  Anfluges  und  auf  der  Unterseite  kaum  heller  als  auf  der 
Oberseite.  Der  Schwanz  und  die  Füsse  sind  scbwärzlichgelb,  nach 
unten  zu  dunkler.  Schnauze  und  Ohren  sind  von  derselben  Farbe, 
die  Krallen  sind  weiß. 

Körperlänge 1"   10  »/g"' 

Länge  des  Schwanzes 1"        s/^"' 

„       des  Hinterfußes  sanimt  den  Krallen      -  ^^/k" 

Vaterland.  Ostindien,  Bengalen,  wo  Blyth  diese  Art,  die  er 

in  einem   Hause   zu   Caloutta    traf,  entdeckte   und   welche   er    auch 

zuerst  beschrieb. 

3.  Gatt.  Diekscliwaiizspitziiiaii8  {^Pachynvuy» 

Der  Fjeib  ist  nur  mit  weichen  Haaren  bedeckt.  Vorder-  und 
Hinterfüsse  sind  fünfzehig.  Die  Zehen  sind  frei.  Die  Schnauze  ist 
stark  verlängert  und  endiget  in  eine  über  die  Unterlippe  ziemlich 
weit  hervorragende  spitze,  rüsselförmige  Nase.  Die  Ohren  sind 
groß,  kurz,  freiliegend  und  durch  einen  an  ihrem  Grunde  befind- 
lichen Lappen  verschließbar.  Der  Schwanz  ist  lang  oder  mittellang, 
vierkantig  oder  gerundet,  geringelt  und  geschuppt,  mehr  oder 
weniger  dicht  oder  spärlich  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und 
einzelnen  eingemengten  hingen,  abstehenden  und  nach  rückwärts 
gerichteten  W^imperhaaren  besetzt,  und  an  der  Wurzel  dick  oder 
ziemlich  dick,  allmälig  sich  verdünnend.  Sohlen  und  Zehen  sind 
nicht  gewimpert.  Eckzähne  fehlen.  Die  Schneiden  der  unteren 
Vorderzähne  sind  nicht  gezähnelt  und  an  ihrer  Hinterseite  mit  keinem 
Ansätze  versehen.  Sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 
Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vorhanden.  Die 
Krallen  sind  nicht  zurückziehbar,  jene  der  Vorderfüsse  nicht  größer 
als  die  der  Hinterfüsse,  Die  Augen  sind  sehr  klein.  Eine  besondere 
Absonderungsdrüse  befindet  sich  an  den  Leibesseiten,  näher  den 
Vorder-  als  den  Hinterbeinen,  oder  auch  unterhalb  des  Schwanzes, 
in  geringer  Entfernung  von  der  Wurzel. 

Zahnformel:    Vorderzähne  — ,  Eckzähne -^^— ,  Lücken- 

2  U--0 

4 4  4 4 

zahne ,  Backenzähne  =  30. 

2  —  2  3  —  3 


136  Fitzinge  r. 

1.  Die  rostrückige  Dickschwanzspitzniaus.  (Pachyiira  Dtivernoyi.) 

P.  notaeo  pallide  cinereo,  leviter  ferrugineo-lavato  ;  gastraeo 
dilnte  griseo;  cauda  dimidio  corpore  parum  longiore. 
Sorex  iudicus.  Rüppell.  Neue  Wirbelth.  S.  40. 

„     gigajiteus.  Duvern.  Mem,  de  laSoc.  d'liist.  nat.  d.  Strasbourg. 

V.  II.  Suppl.  3.  p.  3. 
„      indictis?  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  72. 
Crocidurn  indica?  Wagn.  Scbreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  72, 
Sore.v  giganteiis.   Duvern.    Guei-in  Magas.  d.  Zool.  1842.  p.  25. 
t.  45. 
„      crassicaudus.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  554. 
Nr.  21. 
Crocidura  crassicauda.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  554. 

Nr.  21. 
Pachyura  crassicauda.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.B.  V.  S.  554. 

Nr.  21. 
Sorex  Indiens.  Giebel.  Säugeth.  S.  905. 
Crocidura  indica.  Giebel.  Säugeth.  S.  905. 
Pachyura  gigantea.    Fitz.   Heugl.    Säugeth.  Nordost-Afr.  S.  29. 
Nr.  1.  (Sitzungsber.  d.  math.  naturw.  Cl.  d. 
kais.  Akad.  d.  Wiss.  B.  LIV.) 
Sehr  nahe  mit  der  Mumien-Dickschwanzspitzmaus  (P.  crassi- 
cauda) verwandt  und  auch  lebhaft  an  die  Riesen-Dickschwanzspitz- 
maus (P.  gigantea)  erinnernd ,  unterscheidet  sich  diese  Form  von 
der  erstgenannten  Art  durch  den  längeren  Rüssel,  die  größeren  Ohren, 
den  etwas  längeren,  gerundeten  und  an  der  Wurzel  merklich  dickeren, 
auch  bei  Weitem  nicht  so  dicht  behaarten  Schwanz  und  die  ver- 
schiedene Färbung.  Von  der  letzteren  trennen  sie  die  verhältnißmäßig 
etwas  kleineren  Ohren  und  die  abweichende  Färbung.   Mit  beiden 
stimmt  sie  aber  bezüglich  der  Körpergröße  so  ziemlich  überein. 

Der  Kopf  ist  gestreckt,  der  Rüssel  lang,  doch  nicht  besonders 
spitz.  Die  Ohren  sind  groß,  freiliegend  und  kahl.  Der  Schwanz,  dessen 
Länge  etwas  mehr  als  die  halbe  Körperlänge  einnimmt,  ist  an  der 
Wurzel  überaus  dick,  fast  von  derselben  Dicke  wie  der  Hinterleib, 
im  weiteren  Verlaufe  allmälig  sich  verdünnend ,  beinahe  kegelförmig, 
gerundet  und  an  der  Wurzel  dicht,  so  wie  der  Leib  behaart,  dann 
aber  nur  spärlich  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  ein- 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmäuse  {SoricesJ  etc.  13T 

gemengten  langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten 
Wimperhaaren  besetzt.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lüeken- 
zähne  vorhanden  und  sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  eiid'ärbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  licht  aschgrau ,  mit  schwachem 
rostbräunlichen  Anfluge,  die  Unterseite  hellgrau. 

Einzelne  Körpermaße  sind  nicht  angegeben. 

Vaterland.  Aegypten  und  der  westliche  Theil  von  Arabien, 
wo  diese  Art  den  Beobachtungen  RüppelTs  und  Heuglin's  zu 
Folge  in  allen  Häfen  des  rothen  Meeres  angetroffen  wird. 

Schimper  hat  dieselbe  in  Ober-Aegypten  gesammelt  und  Du- 
vernoy,  welcher  in  dem  von  Schimper  mitgebrachten  Exemplare 
Isid.  Geoffroy's  „Sorea^  giganfeus"  erkennen  zu  sollen  glaubte, 
die  erste  Beschreibung  und  Abbildung  von  ihr  geliefert.  Wagner 
suchte  die  Ansicht  Duvernoy's  aber  zu  widerlegen  und  betrachtete 
diese  Form  als  nicht  von  der  Mumien-Dickschwanzspitzmaus  (^P. 
crassicaudaj  für  verschieden.  Rüppell  warf  sie  mit  der  indischen 
(P.  indica),  kahlschwänzigen  (P.  muriita)  und  Mauritius -Dick- 
schwanzspitzmaus (7*.  cnpensisj  zusammen, 

2.  Die  Munüen-Dlckschwanzspitzmaus  (Pachyura  crassicaudaj. 

P.  imicolor  pallide  cinerea,  gastraeo  vix  dilutiore ;  pe- 
dibus  candaque  ex  cinero-albidis ;  caiida  vel  dimidii  corporis 
longitudine,  vel  paullo  breviore. 

Grande   musaraigne.  Oliv.  Voy.   en  Egypte.   t.    23.   fig.    1.  A-E. 
(Schädel.) 
„  „  Geoffr.  Catal,  rais  et  bist,  des  Antiq.  decouv. 

en  Egypte  par  Passalacqua.  1826. 
Sorecc  crassicaudus.  E  li  r  e  n  1). 

„  Lichten  st.     Verhandl.    d.    Gesellsch.    naturf. 

Fr.  z.  Berlin,  B.  I.  S.  381,  Nr,  1. 
Lichtenst,    Bullet,     des    Sc.     nat.    V,    XVIII. 
p,  279.  Nr,  1. 
„  Fisch.  Synops,  Mammal.  p.  663,  Nr.  16.  a. 

„  W' agier.  Syst,  d.  Amphib.  S.  14. 

„  Lichtenst.    Darstell,  neuer  Säugeth.  t.  40. 

figl. 
Snncus  sacer.  Ehre  n  b.  Symb.  phys.  Dee.  II. 


138  Fitzinger. 

Sorex  crassicaudns.  Duverii.  Mem.  de  la  Soc.  (riiist.  nat.  d.  Stras- 
bourg. V^  II.  Supp].  3.  p.  ö. 
Blainv.  Ann.  des  Sc.  nat.  2.  Sei-.  V.  X.  p.  20. 
Wagn.   Schrebei-  Säiigth.  Suppl.   B.  II.  S.  74. 
Nr.  17. 
Crocidura  crassicauda.    Wagn.    Schi-eber    Säugth.   Suppl.    B.  II. 

S.  74.  Nr.  17. 
Sorex    crassicaudus.    Duvern.     Guerin    Magas.     d.    Zool.    1842, 
p.  23.  t.  44. 
„  „  S  u  n  d  e  V.     Vetensk.     Akad.     Handl.     1842. 

p.   176,  178. 
„       murinus.   Gray.   Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  78. 
„      crassicaudatus.  Temin.  Fauna  japon.  V.  I.  p.  26. 
„      crassicaudus.     B  e  i  c  b  e  n  b.      Naturg.    Raubtb.     S.     342. 
fig.  505. 
Crocidura   crassicauda.    R  e  i  c  b  e  n  b.    Naturg.    Raubtb.    S.   342. 

fig.  505. 
Sorex  crassicaudus.     Wag  n.     Scbreber    Säugtb.     Suppl.    B.    V. 

S.  554.  Nr.  21. 
Crocidura   crassicauda.    Wagn.    Scbreber   Säugtb.    Suppl.    B.  V. 

S.  554.  Nr.  21. 
Pachyura  crassicauda.    Wagn.    Sclireber    Säugtb.    Suppl.  B.   V. 

S.  554.  Nr.  21. 
Sorex  crassicaudus.  Giebel.  Säugeth.  S.  904, 
Crocidura  crassicauda.  Giebel.  Säugeth.   S.  904. 

„  crassicaudata.    Heugl.    Fanna    d.    rotb.    Meer.    u.    d. 

Somali-Küste.  S.  14. 
Pachyura  crassicauda.  Fitz.  Heugl.  Säugetb.  Nordost-Afr.  S.  30. 
Nr.  3.  (Sitzungsber.  d.  matb.  naturw.  Cl. 
d.  kais.  Akad.  d.  Wiss.  B.  LIV). 
Diese  der  rostrückigen  Dicksclnvanzspitzmaus  (P.Duvernoyi) 
sebr  nahe  stehende  Art,  deren  Verwandtschaft  auch  mit  der  Riesen- 
Dicksclnvanzspitzmaus  (C.  gigantea)  nicht  zu  verkennen  ist,  unter- 
scheidet sich  von  beiden  Formen  durch   den   kürzeren  Rüssel,  die 
kleineren  Ohren,  den  etwas  kürzeren  und  an  der  W^urzel  verhältniß- 
mäßig  minder  dicken,  vierkantigen  und  auch  weit  dichter  behaarten 
Schwanz,  so  wie  durch  die   verschiedene  Färbung.    Bezüglich  der 
Größe  kommt  sie  mit  der  erstgenannten  Form  überein. 


I 


Kritische  Untersuchiiiij;eii  ülier  Mit»  Spitzinüuse  fSoricea)  etc.  I»i0 

Der  Kopf  ist  langgestreckt  und  ziemlich  flach,  der  Riißel  mäßig 
lang  und  nicht  sehr  spitz.  Die  Ohren  sind  groß  und  freiliegend.  Der 
Schwanz,  dessen  Länge  die  haihe  Körperlänge  oder  wenigstens  nahezu 
dieselhe  erreicht,  ist  fast  vierkantig,  an  der  Wurzel  ziemlich  dick, 
8  Linien  im  Umfange  haltend,  allmälig  im  weiteren  Verlaufe  sich 
verdünnend,  heinahe  kegelförmig,  und  ziemlich  dicht  mit  kurzen  an- 
liegenden Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen  ,  ahstehenden 
und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt.  Die  Körper- 
hehaarung  ist  kurz,  dicht  und  etwas  filzig.  Im  Oberkiefer  sind  jeder- 
seits  vier  Lückenzähne  vorhanden  und  sämmtliche  Zähne  sind  durch- 
aus einfarbig  weiß. 

Die  Färbung  des  Körpers  ist  einfarbig  trüb  silbergrau ,  auf  der 
Unterseite  kaum  etwas  heller.  Der  Schwanz ,  die  Füsse  und  die 
Schnurren  sind  mehr  graulichweiß  gefärbt.  Die  kahle  Haut  der 
Rüßelspitze ,  der  Ohren  und  des  Schwanzes  ist  bräuidich-fleisch- 
farben,  an  trockenen  Bälgen  dunkelbraun. 

Körperlänge       ö"   6"  Nach  Lichten  stein. 

Länge  des  Schwanzes 2"   9'" 

„       des  Kopfes  bis  zu  den  Ohren  1"   3'" 

„       desRüßels 4"' 

„       der  Ohren 3'" 

Breite  der  Ohren 4" 

Abstand  der  Ohren 7" 

Länge    des     Unterarms    bis    zur 

Krallenspitze 1" 

„        der     Fußwurzel     bis    zur 

Krallenspitze Si/a'" 

Körperlänge 5"    4'"  Nach  Wagner. 

Länge  des  Schwanzes 2"   ö'". 

Vaterland.  Ägypten  und  die  Westküste  von  Arabien,  wo  diese 
Art  in  allen  Hafenplätzen  des  rothen  Meeres  vorkommt.  In  der  Um- 
gegend von  Suez  ist  sie  sehr  gemein  und  nach  Heugliu  eben  so 
häufig  auch  auf  der  Insel  Dahlak.  Seiner  Vermuthung  zu  Folge  soll 
sie  durch  Schiffe  in  die  Hafenplätze  jener  Gegenden  verschleppt 
worden  sein. 

Dieselbe  Art  wird  auch  im  einbalsamirten  Zustande  in  den  alt- 
ägyptischen Gräbern  zu  Theben  und  in  den  Vogelgräbern  Aquisir  bei 
Memphis  in  Ober-Ägypten  angetroffen. 


140  Fitzinger. 

0 1  i  Y  i  e  r  und  E  t  i  e  n  n  e  G  e  o  f  f  r  o  y  haben  uns  zuerst  mit  dieser 
Form  nach  einbalsaniirten  Individuen  hekannt  gemacht,  die  späterhin 
von  Ehrenberg  lebend  in  Ägypten  angetrolTen  und  von  Lichten- 
stein beschrieben  wurde. 

Ehrenberg  gibt  nur  drei  Lückenzähne  im  Oberkiefer  an  und 
Duvernoy  und  Temminck  sind  demselben  in  dieser  Angabe 
gefolgt.  Doch  hat  sich  Wagner  an  dem  von  Lichtenstein  be- 
schriebenen Ehrenberg'schen  Original-Exemplare  im  Museum  zu 
Berlin  die  Überzeugung  verschafft ,  daß  diese  Angabe  auf  einem  Irr- 
tliume  beruhe,  und  nicht  drei,  sondern  vier  Lückenzähne  im  Ober- 
kiefer vorhanden  sind,  wornach  diese  Art  auch  nicht  der  Gattung 
Wimperschwanzspitzmaus  (Crocidnra)  angehört,  sondern  zur  Gat- 
tung Dickschwanzspitzmaus  (Pachyura)  gerechnet  werden  muü. 

3.  Die  stablgraue  Diekschwanzspitzmaus  (Pachyura  cinereo-aenea). 

P.  notaeo  obscure  cinereo,  in  ruf'o-fuscum  vergente,  nitore 
metallico;  gastraeo  cinereo;  cauda  dimidii  corporis  longihidine, 
cum  pedibus  colore  ?iotaei. 

Sorex  indicus.   Var.  cinereo-aenea.  Rüppell.  Mus.  Senckenberg. 

B.  III.  S.  133. 
„      sericeus.Süi\(\ey.  Vetensk.  Akad.  Handl.  1842.  p.  171,  177. 
„      Hedenborgi.  Wagn.  Schreher  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  550. 
Nr.  26. 
Crocidura Hedenborgi.  W ngn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.556. 

Nr.  26. 
Sorex  indicus.  Giebel.  Säugeth.  S.  905. 
Crocidtira  indica.  Giebel.  Säugeth.  S.  905. 

Pachyura  cinereo-aenea.  Fitz.  Heugl.  Säugeth.  Nordost-Afr.  S.  30. 
Nr.  2.  (Sitzungsber.  d.  math.   naturw.  Cl. 
d.  kais.  Akad.  d.  Wiss.  B.  LIV.) 
Diese   Form,    welche   der   rostrückigen    Diekschwanzspitzmaus 
(P.  DuvcrnoyiJ  sehr  nahe  steht  und  in  der  Körpergestalt  im  Allge- 
meinen sich  zunächst  derselben  anschlieül ,    unterscheidet  sich  von 
ihr  außer  der  geringeren  Größe,  durch  den  etwas  kürzeren  Schwanz 
und  die  ihr  eigenthümliche,  metallisch  glänzende  Färbung. 

Der  Schwanz,  wcIcIkm'  die  halbe  Körperlänge  einnimmt,  ist  an 
der  Wurzel  sehr  dick,  allmälig  sich  verdünnend,  beinahe  kegelförmig, 
gerundet,    und  nichtsehr  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Maaren  und 


Kritische  Untersuchung^en  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  141 

einzelnen  eingemengten  langen,    abstehenden   und   nach  rückwärts 
gerichteten  Wimperhaaren  besetzt. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkelgrau,  in  Rothhraun  über- 
gehend und  von  einem  Metaliglanze  überflogen;  die  Unterseite  des- 
selben ist  aschgrau.  Die  Füsse  und  der  Schwanz  sind  von  der  Farbe 
der  Oberseite  des  Kürpers.  Die  Krallen  sind  bräuniich-hornfarben, 
die  Schnurren  von  der  Wurzel  angefangen  schwarz ,  gegen  die  End- 
spitze zu  weißlich. 

Kürperlänge 4"  8'" 

Länge  des  Schwanzes     .         2"  4'" 

Vaterland.  Schoa.  Von  Rüppell  von  dorther  erhalten  und 
auch  zuerst  beschrieben. 

S  u  n  d  e  V  al  1  betrachtet  diese  Form  für  identisch  mit  der  Seiden- 
Wimperschwaiizspitzmaus  (C.  sericea),  während  sie  Wagner  zur 
kafTebraunen  Wimperschwanzspitzmaus  (C.  Hedenhorgi)  zieht.  Beide 
Ansichten  sind  aber  offenbar  irrig,  wie  aus  einer  Vergleichung  der 
Beschreibung  derselben  klar  und  deutlich  hervorgeht.  Obgleich  die 
Zahl  der  Lückenzähne  im  Oberkiefer  von  Rüppell  nicht  angegeben 
wurde,  so  glaube  ich  doch  keinen  Fehlgriff  zu  begehen,  wenn  ich 
die  fragliche  Form  der  Gattung  „Pachyura^  einreihe,  da  die  son- 
stigen körperlichen  Merkmale  zu  Gunsten  dieser  Annahme  sprechen. 

4.  Die  bruungraue  Dicksckwanzspitziiiaus  (Pachyura  Temminckü). 

P.  nolaeo  ohscure  fusco-griseu ,  in  juiiioribus  lei'iter  riif'es- 
ceute-fusco  lavuto,  gasfraeo  obscure  cinerea;  cauda  (limidii  cor- 
poris longitudine. 

Sorex  myosnrus.  Temni.  Van  d.  HoevenTijdsch.  V.V.  (1839).  p.  286. 
Wagn.    Schreber  Säugth.    Snppl.   B.    II.    S.    74. 
Note  11. 
Crocidura  niyosura.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Siippl.  B.   II.  S.  74. 

Note  11. 
Sorex  indicus.  Temm.  Fauna  japon.  V.  I.  p.  2ö. 

„      serpentarius.  Reichen  b.  Naturg.  Raubtii.  S.  340. 
Crocidura  serjjentaria.  Reichenb.  Naturg.  Raubtb.  S.  340. 
Sorex  myosuros.   Wagn.   Schreber   Säugth.   Snppl.  B.  V.  S.  öö2. 

Nr.  19. 


142  Fitiinger. 

Crocidura    myosurn.     Wagii.    Schieber    Säugth.    Suppl.    B.    Y. 

S.  552.  Nr.  19. 
Pachyiira  myosura.     Wagn.     Schreber    Säugth.    Suppl.     B.     V. 

S.  552.  Nr.  19. 
Wir  kennen  diese  Form  nur  aus  der  von  Temmi  nek  gegebenen 
Beschreibung,  aus  welcher  zu  ersehen  ist,  daß  dieselbe  mit  de  "  indi- 
schen Dickschwanzspitzmaus  (P.  inilica)  sowohl,  als  auch  mit  der  kahl- 
schwänzigen  (P.  nmrina)  verwandt,  aber  dennoch  sicher  von  beiden 
verschieden  ist.  Schon  das  Vorkommen  allein  rechtfertiget  diese 
Ansicht,  da  doch  nicht  wohl  anzunehmen  ist,  daß  Arten,  von  denen 
die  eine  dem  südlichsten  Theile  von  Ost-Indien ,  die  andere  der 
Äquatorial-  und  Tropenzone  Asien's  angehört,  sich  bis  über  den 
30.  Grad  Nordbreite  erstrecken  sollte. 

Aber  nicht  blos  dieses  weit  verschiedene  Vorkommen  ist  es, 
welches  ihren  Unterschied  von  den  genannten  Arten  begründet,  son- 
dern vielmehr  das  Vorhandensein  gewichtiger  Merkmale,  welche  gegen 
ihre  Zusammengehörigkeit  mit  diesen  Arten  sprechen.  Von  beiden 
unterscheidet  sie  sich  durch  den  weit  schmächtigeren,  beinahe  gleich- 
dicken, vierkantigen  und  an  seiner  Wurzel  auch  viel  dünneren 
Schwanz,  so  wie  durch  die  verschiedene  Färbung. 

In  dieser  Beziehung  steht  sie  der  rattenschwänzigen  Dick- 
schwanzspitzmaus (P.  serpentaria)  weit  näher,  doch  ist  sie  mit  der- 
selben aus  dem  oben  angeführten,  auf  die  geographische  Verbreitung 
iezüglichen  Grunde  sowohl,  als  wegen  ihrer  durchaus  verschiedenen 
Färbung  keineswegs  zu  vereinigen. 

Die  Ohren  sind  groß  und  freiliegend.  Der  Schwanz,  welcher  von 
halber  Körperlänge  ist,  ist  an  der  Wurzel  ziemlich  dick,  nur  wenig 
dicker  als  im  weiteren  Verlaufe,  seiner  größten  Länge  nach  fast  von 
gleichem  Umfange,  verbältnißmäßig  etwas  schmächtig,  vierkantig,  und 
schon  von  der  Wurzel  angefangen  beinahe  völlig  kahl,  da  er  nur  sehr 
spärlich  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten 
langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren 
besetzt  ist.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vorhanden 
und  sämmtüelie  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  tief  dunkel  brauiigrau,  die  Unter- 
seite dunkelgrau.  Nur  bei  jungen  Thieren  ist  die  Oberseite  des  Kör- 
pers s(;hwach  rötlilicbbraun  überflogen,  da  die  äußersten  Haarspitzen 
bei  denselben  von  rölhlichbrauner  Farbe  sind. 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmäuse  (SoricesJ  etc.  143 

Körperlänge 5" 

Länge  des  Schwanzes 2"  6'" 

Entfernung  der  Augen  von  der  Rüßelspitze  .  9"'. 
Vaterland.  Japan,  wo  diese  Art  sehr  häufig  ist  und  von  Siebold 
entdeckt  wurde.  Temminck  hat  dieselbe  zuerst  beschrieben,  hielt 
sie  aber  nicht  von  der  indischen  Dickschwanzspitzmaus  (P.  indicn), 
mit  welcher  er  auch  die  kahlschwänzige  (P.  murina)  vereinigte,  für 
verschieden. 

5.  Die  rattenschwäazige  Dickschwanzspitzniaas  (Pnchyura 
serpentariaj . 

P.  notueo  cinerea,  rufescente-lavato,  gastraeo  pallide  cinereo ; 
caiida  dimidio  corpore  vel  paullo  longiore,  vel  breviore,  nigres- 
cente. 

Sorex  serpentnrins.   Isid.   Geoffr.   Belang.   Voy.  aux   Ind.   Zool. 
p.  1 1 9. 
iiidl€ns?W'ng\\.  SchreberSäugth.  Suppl.  B.  II.  S.  71.  Nr.  14. 
Crocidura   indica.  Wagn.  Schreber   Säugth.  Suppl.  B.  11.  S.  71. 

Nr.  14. 
Soreo)  serpentarius.  Temm.  Fauna  japon.  V.  I.  p.  26. 

Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  340. 
Crocidurn  serpentnria.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  340. 
Sorex'  knndianuü.    Kelaart.  Journ.    of    the    Asiat.    Soc.    V.    XX. 
p.  164,  18Ö.   —  V.  XXI.  p.  350.  —  V.  XXII. 
p.  412. 
„        serpentarius.    ßlyth.   Journ.   of  the  .4siat.   Soc.   of  Bengal. 
1853.  Fase.  1. 
Wagn.      Schreber     Säugth.     Suppl.      Bl.    V. 
S.  553.  Nr.  20.  —  S.  803.  Nr.  3. 
Crocidura  serpentaria.    Wagn.    Schreber   Säugtli.    Suppl.    B.    V. 

S.  oo3.  Nr.  20.  —  S.  803.  Nr.  3. 
Pachyura  serpentaria.    Wagn.    Schreber    Säugth.    Suppl.     B.    V. 

S.  5Ö3.  Nr.  20.  —  S.  803.  Nr.  3. 
Sorex  indicus.  Giebel.  Säugeth.  S.  90o. 
Crocidura  indica.  Giebel.  Siiugeth.  S.  905. 

Eine  mit  der  braungrauen  Dickschwanzspitzniaus  (P.  Tem- 
minckii)  sehr  nahe  verwandte  Art,  welche  sich  von  derselben  haupt- 
sächlich durch  die  Färbung  unterscheidet. 


144  Fitzinger. 

Die  Ohren  sind  groß  und  freiliegend.  Der  Schwanz  dessen  Länge 
etwas  über  die  halbe  Kürperlänge  oder  auch  nicht  ganz  dieselbe  er- 
reicht, ist  an  der  Wurzel  ziemlich  dick,  nur  wenig  dicker  als  im  wei- 
teren Verlaufe,  seiner  größten  Länge  nach  last  von  gleicheui  Umfange, 
verhältnißmäßig  etwas  schmächtig,  vierkantig,  und  schon  von  der 
Wurzel  angefangen  beinahe  völlig  kahl,  indem  er  nur  sehr  spärlich 
mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen, 
abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt 
ist.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzäinie  vorhanden  und 
sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  aschgrau  und  röthlich  überflogen, 
die  Unterseite  bellgrau.  Der  Schwanz  ist  sclnvärzlich. 

Körperlänge 3"  H'"  Nach  Isi  d.  Geoffroy. 

Länge  des  Schwanzes    ...  2"  1 '" 

Körperlänge 5"  5'"  Nach  Temminck. 

Länge  des  Schwanzes    .    .    .  2"  9" 

Körperlänge 4"  9'"  Nach  Wagner. 

Länge  des  Schwanzes     .    .    .2"  1'". 

Vaterland.  Ost-Indien,  Bengalen,  Coromandel,  Mergui,  Ceylon 
und  Isle  de  France.  Leschenault  brachte  sie  von  Pondichery  an 
der  Küste  Coromandel  und  späterhin  auch  Belanger.  Temminck 
erhielt  sie  aus  Bengalen,  und  Kelaart  und  Blyth  von  Mergui  und 
aus  der  Gegend  von  Kandia  auf  Ceylon.  Durch  Quoy,  Gaimard  und 
Andouin  kamen  auch  Exemplare,  angeblich  auf  Isle  de  France  ge- 
sammelt, in  das  Museum  nach  Paris.  Ob  dieselben  wirklich  aber  da- 
selbst gefunden  wurden,  und  ob  sie  nicht  vielleicht  durch  Schiffe  da- 
hin verschleppt  wurden ,  ist  bis  jetzt  noch  nicht  entschieden.  Isid. 
Geoffroy  hat  diese  Art  zuerst  beschrieben. 

Wagner  war  früher  im  Zweifel,  ob  diese  Art  von  der  indischen 
Dickschwanzspitzmaus  (P.  indica)  specifisch  verschieden  sei,  da 
nach  der  von  Isid.  (ieoffroy  gegebenen  Beschreibung  nur  in  der 
Scliwanzform  und  zum  Theile  auch  in  seiner  Färbung  eine  Verschieden- 
heit gefunden  werden  könne,  obgleich  schon  Isid.  Geoffroy  her- 
vorhob, daß  das  Grau  der  Oberseite  des  Körpers  reiner,  daher 
nicht  so  stark  röthlich  überflogen  als  bei  „P.  indica'''-  und  der 
Schwanz  schwärzlich  und  nicht  braunroth  ist.  Später  aber,  nachdem 
er  selbst  ein  Exemplar   dieser    Form   erhalten    hatte,    änderte    er 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmüuse  (Sorices)  etc.  1  ^O 

seine  frühere  Ansicht  und  sprach  sich  für  die  Selbstständigkeit  der 
Art  aus. 

6.  Die  langohrige  Dickschwanzspitzmaus  (Pachynra  aurictilata). 

P.  notaeo  pallide  griseo  ,   leviter  rufescente-lavato ,  gastraeo 
e.v  alhido-griseo',  cauda  dimidio  corpore  pur  um  fongiore. 
Pachyurd  auricidata.  Fitz.  Kollar.  Über  Ida  PfeilFer's  Sendung,  v. 

Natural.  S.  6.  (Sitzungsber.  d.  math.  naturw.  Cl.  d.  kais. 

Akad.  d.  Wiss.  ß.  XXXI.  S.  342.) 

Diese  seither  noch  nicht  beschriebene  und  von  mir  nur  kurz 
angedeutete  Form  schließt  sich  zunächst  an  die  rattenschwänzige 
Dickschwanzspitzmaus  (P.  serpentariaj  an,  von  welcher  sie  sich 
jedoch  ausser  der  geringeren  Größe,  durch  die  beträchtlich  längeren 
Ohren,  den  an  der  Wurzel  dicht  behaarten  Schwanz  und  die  weit 
hellere  Färbung  unterscheidet. 

Die  Ohren  sind  groß  und  freiliegend.  Der  Schwanz,  welcher 
etwas  länger  als  der  halbe  Körper  ist,  ist  an  der  Wurzel  ziemlich 
dick,  nur  wenig  dicker  als  im  weiteren  Verlaufe,  seiner  größten  Länge 
nach  fast  von  gleichem  Umfange,  verhältnißmäßig  etwas  schmächtig, 
schwach  vierkantig,  an  der  Wurzel  dicht  behaart,  dann  aber  nur 
sehr  spärlich  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  einge- 
mengten langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimper- 
haaren besetzt.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vor- 
handen und  sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  hellgrau  mit  schwachem  röthlichen 
Anfluge,  die  Unterseite  weißlichgrau.  Der  Schwanz  ist  dunkler  grau. 

Körperlänge  ungefähr 4" 

Länge  des  Schwanzes  etwas  über 2". 

Genauere  Körpermaße  abzunehmen  habe  ich  leider  unterlassen, 
da  ich  mir  eine  nähere  Beschreibung  dieser  Form  für  spätere  Zeiten 
vorbehielt,  woran  ich  jedoch  durch  veränderte  Verhältnisse  gehindert 
wurde. 

Vaterland.  Madagascar,  wo  Ida  Pfeiffer  diese  Art  erhielt, 
von  welcher  sie  jedoch  nur  ein  einziges  Exemplar  nach  Europa 
brachte,  das  mit  den  übrigen  von  ihr  gesammelten  Naturalien  in  das 
Wiener  Museum  kam. 

Sitzb.  d.  mathem. -naturw.  Cl.LVIf.     [Jd.  I.  Abth.  10 


146  Fitzinge  r. 

7.  Die  Ittauritias-Dickschwanzspitzniaas  (Pachynra  mmiritiana). 

P.  notaeo  e.v  rufesceiite  cinerea- fusco ,  gastraeo  cinerea, 
rostri  laterihus  ferrngineis ;  candaf&re  dimidii  corporis  longitudine, 
supra  ferruginea. 

Sorex  Capensis.  Geoffr.  Ann.  du  Mus.  V.  XVH.  p.  i84.    Nr.  9. 
t.  4.  fig.  2. 
Des  mar.    Nouv.  Dict.  dliist.  nat.  V.  XXII.  p.  66. 
Nr.  10. 
„        Des  mar.  Mammal.  p.  lo2.  Nr.  241. 

Fr.  CuY.    Dict.   des  Sc.  nat.  V.  XXXIII.  p.  427. 

Nr.  9. 
Isid.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XI.  p.  325. 
„  „        Lichtenst.  Verband),  d.  Gesellsch.  naturf.  Fr.  z. 

Berlin.  B.  I.  S.  381.  Nr.  7. 
Lichtenst.   Bullet,  des  Sc.  nat.  V.  XVIII.  p.  279. 
Nr.  7. 
„       Indiens?  Cuv.  Regne  anim.  Edit.  II.  V.  1. 
„      Capensis.  Griffith.  Anim.  Kiiigd.  V.  V.  p.  299.  Nr.  9. 
„      Sonneratii.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  580.  Nr.  17. 
„      Geoffroyi.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  664.  Nr.  18.  a. 
„      capensis.  Wagler,  Syst.  d.  Amphib.  S.  14. 
„      Sonneratii.    Isid.    Geoffr.     Belang.    Voy.    aux   Ind.   Zool. 

p.  109. 
„      indicus.  Blainv.  Ann.  des  Sc.  nat.  2.  Ser.  V.  X.  p.  20. 
„      indicus?    Wagn.     Scbreber  Säugth.    Suppl.  B.  II.    S.  70. 
Nr.  14. 
Crocidura  indica?    Wagn.  Scbreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  70. 

Nr.  14. 
Sorex  murinus.  Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  78. 
,,      franciciis.  Schinz.  Synops.  Mammal.  B.  I.  S.  273. 
„       indicus.  Temm.  Fauna  japon.  V.  I.  p.  25. 
„       indicus .9  R  e  i  c h  e  n b.  Naturg.  Raubth.  S.  339,  384.  fig.  7  I  9. 
Crocidura   indica?    Reich enb.    Naturg.    Raubth.    S.    339,    384. 

fig.  719. 
Sorex  Sonnerati?  Reich  enb.  Naturg.  Raubth.  S.  339. 
Crocidura  So7merati?  Reich enh.  Naturg.  Hauldb.  S.  339. 
Sorex  Muuritianus.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  341. 


Kritische  Untersuchung eii  üher  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  147 

Crocidura  Mauritiann.  Reich eiib.  Natiu'g.  Raubth.  S.  341. 
Sorecc  myosuros.  Wagn.  Schreber  Säiigth.  Suppl.  B.  V.   S,  552. 

Ni-.  19. 
Crocidura  myosnra.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  552. 

Nr.  19. 
Pachyura  myosura.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  552, 

Nr.  19. 
Sore.v  indicus.  Giebel.  Säugeth.  S.  905. 
Crocidura  indica.  Giebel.  Säugeth.  S.  905. 

Nahe  mit  der  indischen  Dickschwanzspitzmaus  (P,  indica) 
verwandt,  von  derselben  aber  außer  der  geringeren  Größe,  durch 
die  schlankere  Gestalt,  den  niedereren  Kopf,  die  längere  und  spitzere 
Schnauze  und  den  längeren  Schwanz,  so  wie  zum  Theile  auch  durch 
die  Färbung  verschieden. 

Der  Körperbau  ist  ziemlich  schlank,  der  Kopf  verhältnißmäßig 
nieder,  die  Schnauze  lang  und  spitz.  Die  Ohren  sind  groß,  freiliegend 
und  kahl.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  nahezu  die  halbe  Körperlänge 
erreicht,  ist  an  der  Wurzel  ziemlieh  dick,  im  weiteren  Verlaufe 
allmälig  sich  verdünnend,  gerundet  und  ziemlich  dicht  mit  kurzen 
anliegenden  Haaren  bedeckt,  zwischen  denen  einzelne  längere,  abste- 
hende und  nach  rückwärts  gerichtete  Wimperhaare  eingemengt  sind. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  röthJieh-graubraun,  die  Unter- 
seite grau.  Die  Seiten  der  Schnauze  und  die  Oberseite  des  Schwanzes 
sind  lebhafter  und  beinahe  roströthlich  gefärbt. 

Körperlänge ....  3"  8'" 

Länge  des  Schwanzes I"  9"'. 

Vaterland.  Isle  de  France,  von  wo  sie  Peron  brachte,  nach 
dessen  Exemplar  Geoffroy  diese  Art  zuerst  aufgestellt,  beschrieben 
und  abgebildet  hat.  Später  wurde  auch  ein  Exemplar  von  Capitän 
Band  in  ebendaher  in  das  Museum  nach  Paris  gebracht. 

Isid,  Geoffroy,  der  das  Peron'sche  Exemplar  in  neuerer 
Zeit  untersuchte,  glaubte  nach  einer  Vergleichung  desselben  mit 
dem  S  0  n  n  e  r  a  t  'sehen  Original-Exemplare  der  indischen  Dickschvvanz- 
spitzmaus^P.  indica)  oder  seinem  „Sore.v Son7ieratii",  daß  die  Dif- 
ferenz, welche  zwischen  diesen  beiden,  von  seinem  Vater  aufge- 
stellten Arten  besteht,  größtentheils  von  der  Präparation  der  Bälge 
herrühre  und  sah  sich  veranlasst,  beide  Arten  mit  einander  zu  ver- 

10* 


148  Fitzinger. 

einigen.  Auch  Cuvier  hielt  es  für  wahrscheinlich,  daß  sie  mit  der 
indischen  Dickschwanzspitzmaus  (P.  indica)  identisch  sei. 

8.  Die  indische  Dicksel.wanzspitzuiaus  (Pachyura  itidicaj. 

P.  iiotaeo  cincreo,  rufu-vel  flavo-lai'afo,  gastraeo  griseo,  intcr- 
dum  in  fluvidiun  vcrgente;  caudu  fere  dimidii  corporis  lojujituditie, 
rufo-fnsca. 

Musnraigne  musquee  de  l  Inde.    Bufl'on.    Hist.  nat.  d.  Quadrup. 

Suppl.  VII.  p.  281.  t.  71. 
Sore.v  Indiens.  Geoffi-,  Ann.  du  Mus.  V.  XVIII.  p.  183.  Nr.  8. 

Geoffr.  Mem.  du  Mus.  V.  I.  p.  309.  t.  15.  fig.  1.  2. 
„  „       Des  mal".   Nouv.  Dict.  d'hist.  nat.    V.  XXII.  p.  66. 

Nr.  9. 
„  „       Desmar.  Mammal.  p.  152.  Nr.  240. 

Encycl.  meth.  t.  30.  fig.  3. 
„       Fr.  Cuv.  Dict.  des  Sc.  nat.  V.  XXXIII.  p.  426.  Nr.  8. 
Is id.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XI.  p.  325. 
„      Sonneratii.  Isid.  Geoffr.  Mem.  du  Mus.  V.  XV.  p.  132. 
„  „  Licht  enst.  Verhandl.  d.  Gesellsch.  naturf.  Fr. 

z.  Berlin.  B.  I.  S.  381.  Nr.  6. 
L  i  c  h  t  e  n  s  t.  Bullet,  des  Sc.  nat.  V.  XVIII.  p.  27<). 
Nr.  6. 
„      Indiens.  Cuv,  Re'gne  anim.  Edit.  II.  V.  I. 

Griffith.  Anim.  Kingd.  V.  V.  p.  298.  Nr.  8. 
„      Sonneratii.  Fisch.   Synops.  Mammal.    p.  258,    580,  664. 

Nr.  17. 
„      giganteus.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  258.  Nr.  18. 
„      indicus.   Wag  1er.  Syst.  d.  Amphib.  S.  14. 
„      Sonneratii.  Sykes.  Proceed.  of  the  Zooi.  Soc.  V.  I.  (1830J 

p.  99. 
„  „  Isid.    Geoffr.     Belang.    Voy,    aux   Ind.    Zool. 

p.  109. 
„      indicus.  Blainv.  Ann.  des  Sc.  nat.  2.  Se'r.  V.  X.  p.  20. 

Wagn.    Schreber    Säugth.    Suppl.   B.   II.    S.  70. 
Nr.  14. 
Crocidiira  indica.    Wagn.   Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  70. 
Nr.  14. 


Kritische  Untersuchungen  über  die  Spitzmüuse  (Soricea)  etc.  149 

Sorex  So7ineralii.  Duvern.  Guerin  Magas.  d.  Zool.  1842.  p.  27. 
t.  46. 
„      murimis.   Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  78. 
„      indicus.  Temm.  Fauna  japon.  V.  I.  p.  25, 

R  c  i  ch  c  n  b.  Naturg.  Raubtli.  S.  339.  fig.  500. 
Crocidura  indica.  Reichenb.  Naturg.  Raubth,  S.  339.  fig.  500. 
Sorex  Soiineratl  Reichenb.  Naturg,  Raubth.  S,  339. 
Crocidura  Sonnerati.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  339. 
Sorex  myosnra.  Wagn.   Schreber    Säugtii.  Suppl.  B.  V.   S.  552. 

Nr.  19.  —  S.  803.  Nr.  2. 
Crocidura  myosnra.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  552, 

Nr.  19,  —  S.  803.  Nr.  2. 
Pachynra  myosnra.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  552. 

Nr.  19.  —  S.  803.  Nr.  2. 
Sorcx  indicus.  Giebel.  Säugeth.  S.  905. 
Crocidura  indica.  Giebel.  Säugeth.  S.  905, 

Obgleich  in  manchen  ihrer  Merkmale  mit  der  Mauritius-Dick- 
schwanzspitzmaus (P.  manritiana)  verwandt,  neigt  sich  diese  Form 
doch  weit  mehr  der  Riesen-Dickschwanzspitzmaus  (P.  yiga?ifeaj  zu, 
unterscheidet  sich  aber  von  beiden  durch  mancherlei  ihr  zukommende 
Merkmale. 

Sie  ist  nicht  nur  grölJier  als  die  erstere,  sondern  auch  bei 
Weitem  nicht  so  schlank  gebaut,  ihr  Kopf  ist  höher,  die  Schnauze 
kürzer  und  minder  spitz ,  der  Schwanz  ist  verhältnißmäßig  etwas 
kürzer  und  auch  die  Färbung  bietet  einige  Verschiedenheiten  dar. 

Von  der  letzteren,  welcher  sie  nur  wenig  an  Größe  nachstellt, 
unterscheiden  sie  außer  dem  minder  stark  gestreckten  Kopfe  und 
dem  kürzeren  Rüssel,  der  kürzere  und  an  seiner  Wurzel  bei  Weitem 
nicht  so  dicke  Schwanz  und  die  völlig  abweichende  Färbung. 

Ihre  Gestalt  ist  untersetzt,  der  Kopf  nur  wenig  gestreckt,  der 
Rüssel  nicht  sehr  lang  und  auch  nicht  besonders  spitz.  Die  Ohren 
sind  groß,  freiliegend  und  kahl.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  nicht 
ganz  die  halbe  Leiblänge  erreicht ,  ist  an  der  Wurzel  ziemlich  dick, 
im  weiteren  Verlaufe  allmälig  sich  verdünnend,  gerundet  und  mit 
ziemlich  dicht  stehenden,  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen 
längeren,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren 
besetzt.  Die  Absonderungsdrüse  an  den  Leibesseiten  ist  sehr  deutlich 
sichtbar. 


130  Fi  tz,  ingcr. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  asciigrau  und  röthlich  oder  gelb- 
lich überflogen,  die  Unterseite  hellgrau  und  bisweilen  in"s  Gelbliche 
ziehend.  Der  Schwanz  ist  braunroth. 

Körperlänge      ......  3'  8'"  Nach  Isidor  Geo  ffroy. 

Länge  des  Schwanzes  .    .    .1"  7'" 

Körperlänge 5"  6'"  Nach  Reichen  ha  eh. 

Länge  des  Schwanzes  .    .    .1"  6'", 

Offenbar  beruht  die  R  e  i  c  h  e  n  b  a  c  h  'sehe  Angabe  der  Schwanz- 
länge auf  einem  Druckfehler  und  sollte  es  statt  \"  G'",  2"  6'"  heißen, 
da  er  in  seiner  Beschreibung  ausdrücklich  bemerkt,  daß  der  Schwanz 
von  halber  Leibeslänge  sei. 

Vaterland.  Ost-Indien  und  von  Sonne  rat  in  Pondichery 
an  der  Küste  Coromandel  entdeckt  und  von  Buffon  zuerst  beschrie- 
ben und  abgebildet.  Nach  Sykes  soll  diese  Art  in  Dekan  und  Bom- 
bay sehr  häufig  sein  und  gemeinschaftlich  mit  der  Riesen  -  Dick- 
schwanzspitzmaus (P.  gigantea)  vorkommen. 

Wagner  hielt  diese  Art  für  identisch  mit  der  kahlschwänzigen 
Dickschwanzspitzmaus  (P.  murina). 

9.  Die  kahlschwänzige  Dickschwanzspitzuiaus  (Pachyiira   murinn). 

P.  notaco  obscure  nigro-fiisco,  gastraeo  paidlo  dilutiore',  caiida 
dimidio  corpore  parum  longiorc. 
Sorecc  murinus.    Linne.    Syst.  nat.    Edit.   XII.  T.  I.  P.  II.  p.  74. 

Nr.  4. 
Mausekopf.  Müller.  Natursyst.  ß.  I.  S.  302. 
Sore.v  murinus.  Sehr  eher.  Säugth.  B.  III.  S.  576.  Nr.  8. 

Er X leb.  Syst.  regn,  anim.  P.  I.  p.  124.  Nr.  6. 
„  „  Zimmerm.  Geogr.  Gesch.  d.  Mensch,  u.  d.  Tiiiere. 

B.  II.  S.  384.  Nr.  310. 
,.      mijosurus.  Pallas.   Act.  Petropol.  1781.  T.  II.  p.  337.  t.  4. 

fig.  1. 
^      murinus.  Boddaert.  Elench.  anim.  V.  I.  p.  124.  Nr.  8. 

Gmel  in.  Linne  Syst.  nat.  T.  I.  P.  I.  p.  114.  Nr.  4. 
Murine  shrcu\  Pennant.  Synops.  Quadrup.  p.  309.  Nr.  238. 

Shaw.   Gen.  Zool.  V.  1.  P.  II.  p.  ö39. 
Sorcx  myosurus.   Geoffr.   Ann.  du  Mus.  V.  XVII.  p.  185.  Nr.  10. 
t.  3.  fig.  2,  3. 


Kritische  Untersucluing-en  iiher  die  Spitzmäuse  (Soriccs)  etc.  151 

Sorex  myosurus.  Des  mar.   Nouv.  Dict.  d'hist.  nat.   V.  XXII.  p.  67. 
Nr.  11. 
Des  mar.  Mammal.  p.  1S3.  Nr.  242. 
Fr.  Ciiv.    Dict.  des  Sc.  nat.  V.  XXXIII.   p.  427. 

Nr.  10. 
Isid.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XI.  p.  328. 
„      7nur'ums.  Isid.  Geoffr.  Mem.  du  Mus.  V.  XV.  p.  128. 
„  „  Lichtenst.  Verhandl.  d.  Gesellscli.  naturf.  Fr.  z, 

Berlin.  B.  I.  S.  381.  Nr.  8. 
Lichtenst.  Bullet,  des  Sc  nat.  V'.  XVIII.  p.  279. 
Nr.  8. 
„      Indiens?  Cuv.  Regne  anim.  Edit.  II.  V.  I. 
„      caerulescens.  Var.  Raffles. 
„      myosurus.  Griffith.  Anim.  Kingd.  V.  V.  p.  300.  Nr.  10. 

rnnritius.  Fisch.   Synops.  Mammal.  p.  2ö9,  664.  Nr.  18.  *  . 
„      Sonneratii?  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  259,  664.  Nr.  18. 

myosurus.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  259,580.  Nr.  19. 
„     myosuros.  Wagler.  Syst.  d.  Amphib.  S.  14. 
„      murhius.  Isid.  Geoffr.  Belang.  Voy.  aux  Ind.  Zool.  p.  124. 

indicus.  Blainv.  Ann.  des  Sc.  nat.  2.  Ser.  V.  X.  p.  20. 
„      myosurus.   S.  Müller.  Verhandel.  V.  I.  p.  26. 

Wagn.    Schreber  Säugth.    Suppl.    B.  II.    S.  72. 
Nr.  15. 
Crocidura  myosnra.  Wagn.  Schreber  Säugth.    Suppl.  B.  II.  S.  72. 

Nr.  15. 
Soresc  murinns.  Gray.  Mammal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  78. 
indicus.  Temm.  Fauna  japon.  V.  I.  p.  25. 
„      murimis.  Reich enh.  Naturg.  Raubth.  S.  340. 
Crocidura  murina.  Reich enb.  Naturg.  Raubth.  S.  340. 
Sorex  myosurus.  Reich  enb.  Naturg.  Raubth.  S.  341.  fig.  496. 
Crocidura  myosura.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  341.  fig.  496. 
Sorex  murinus.  Cantor.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  V.  XV.  p.  191. 
„  „  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  of  Bengal.  1855. 

Fase.  I. 
„      myosuros.  Wagn.   Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V,  S.  552. 
Nr.  19.  —  S.  803.  Nr.  2. 
Crocidura  myosura.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  552. 
Nr.  19.  —  S.  803.  Nr.  2. 


15  2  F  i  t  z  i  u  g  e  r. 

Pacliyura  7ni/ofivrn.  Wagii.  Schreher  Säugtli.  Siippl.  B.  V.  S.  552. 

Nr.  19.  —  S,  803.  Nr.  2. 
Sorex  »luritius.   Giebel.  Säugeth.  S,  904. 
Crocidura  murhui.   Giebel.    Säugetb.    S.  904. 
Pacliyura  myuHuros.  Filz.  Siiiigetb.  d,  Nov;ira-Expedit.  Sitzungsber. 

d.  matii.  iiaturw.  Cl.  d.   kais.  Akad.  d.  Wiss. 

B.  XLIL  S.  392. 
Aucb  diese  Form  stebt  der  indiseben  Dickscbwanzspitzmaus 
(P.  indicu)  ziendieb  nabe ,  doeb  weicbt  sie  in  mannigracher  Bezie- 
bung  von  derselben  ab,  und  insbesondere  sind  es  der  gestrecktere 
Kopf,  der  nierklicb  längere,  nur  sebr  spärlicb  bebaarte  und  daber 
beinabe  völlig  kabl  erscbeinende  Scbwanz,  so  wie  die  gänzlicb  ver- 
scbiedene  Färbung,  welcbe  sie  von  derselben  unterscheiden. 

Ibr  Kopf  ist  langgestreckt,  die  Lippen  sind  angescbwollen  und 
die  großen,  freiliegenden  Obren  sind  nur  mit  einem  kaum  bemerkbaren 
Haarantluge  besetzt,  so  daß  sie  beinabe  völlig  kabl  erscheinen.  Die 
Füsse  sind  bis  zur  Mitte  des  Vorderarmes  und  des  Schienbeines  fast 
gänzlich  von  Harren  entblößt  und  die  Sohlen  und  Fußballen  mit 
kahlen  Schwielen  besetzt.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  etwas  melir 
als  die  Hälfte  der  Körperlänge  i)eträgt,  ist  an  der  .Wurzel  sehr  dick 
und  angescbwollen,  nach  binten  zu  allmälig  verdünnt,  beinabe  kegel- 
förmig, gerundet,  sebr  fein  geschuppt  und  nur  sehr  spärlich  mit 
kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt,  zwischen  denen  seiner  ganzen 
Länge  nach  einzelne  lange,  abstehende  und  nach  rückwärts  gerichtete 
Wimperhaare  eingemengt  sind,  daber  allenthalben  die  kahle  Haut 
sehr  deutlich  sichtbar  ist  und  er  beinahe  vollkommen  kahl  erscheint. 
Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzäbne  vorhanden  und 
sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkel  schwärzlich-braun,  die 
Unterseite  etwas  heller.  Die  kahle  Haut  der  Lippen,  der  Obren  und 
der  Füsse  ist  schmutzig  weißlich-fleischfarben,  am  Schv  anze  etwas 
dunkler  und  in's  Bräunliche  ziehend.  Die  Krallen  sind  weißlich. 


Körperlänge 

.  4" 

4"' 

Nach  Pallas 

Länge  des  Schwanzes 

.  3" 

4'" 

„      des  Hinterfußes     . 

, 

9'" 

„      des  Kopfes     .    .    . 

.  1  ' 

5'" 

„      der  Obren      .    .    . 

. 

3V. 

/// 

Breite  der  Obren      ,    .    . 

^ 

^"' 

Kritische  Uiitersueluing'eii  über  die  Spitzmiiiise  (Suricci)  etc.  1  o3 

Entfernung   der  Augen   von 

der  Riisselspitze   ....         8'/o"' 
Entfernung  der  Augen    von 

den  Ohren 4'" 

Körperlänge  nach  der  Kriim- 

muno- 4'  2''       Nach  Wagner. 

Körperlänge  in  gerader  Rich- 
tung      3"  9  " 

Länge  des  Schwanzes  .    .    .2"  4'" 

„      des  Hinterfulks      .    .         9'" 

„      des  Kopfes     .    .    .    .1"  6'" 

„      der  Ohren      ....         S'/^'" 

Breite  der  Ohren     ....         5" 

Entfernung   der  Augen   von 

der  Rüsselspitze   ....         8'" 
Entfernung  der  Augen   von 

den  Ohren 4 i/o'" 

Körperlänge 2"  4"'       Nach  Isidor  Geoffroy. 

Länge  des  Schwanzes  .    .    .  1  "  8". 

Ohne  Zweifel  beruht  die  Angabe  der  Schwanzlänge  bei  Pallas 
auf  einem  Druckfehler,  da  er  bei  den  Ausmaßen  des  Skeletes  die 
Länge  der  Schwanzwirbelsäule  zu  2"4i/o"'  angibt,  daher  die  Schwanz- 
länge nicht  3"  4",  sondern  nur  2"  4"  betragen  kann,  was  auch  mit 
den  Messungen  von  Wagner  übereinstimmt.  Die  Länge  der  ganzen 
Wirbelsäule  gibt  Pallas  zu  4"  8",  jene  des  Schädels  zu  l"  an. 

Isidor  Geoffroy,  der  offenbar  ein  noch  ziemlich  junges  Tiiier 
beschreibt,  gibt  den  Schwanz  als  vierkantig,  geschuppt,  fein  und 
kurz  behaart,  und  in  seiner  Wurzelhälfte  mit  langen,  nach  rückwärts 
gerichteten  Wimperhaaren  besetzt,  an.  Die  Farbe  der  Oberseite  des 
Körpers  bezeichnet  er  als  dunkelbraun,  jene  der  Unterseite  und  der 
Innenseite  der  Gliedmaßen  als  bräunlichgrau. 

Die  einzige  wesentliche  Differenz,  welche  zwischen  dieser  von 
Isid.  Geoffroy  gegebenen  Beschreibung  und  jener  von  Pallas 
und  Wagner  besteht,  bezieht  sich  auf  die  Form  des  Schwanzes, 
der  nicht  —  Avie  die  beiden  letztgenannten  Autoren  angeben  —  ge- 
rundet, sondern  vierkantig  sein  soll.  Möglich  ist  es,  daß  diese  Eigen- 
thümlichkeit  den  jungen  Thieren  dieser  Art  zukommt;  doch  kann  sehr 
leicht  auch  —  wie  Wagner   dieß  vermuthet,  —   die  vierkantige 


154  Fitz  innrer. 

Gestalt  des  Schwanzes  bei  dem  Geoffroy'schen  Exemplare  nur 
durch  Eintrocknen  des  Schwanzes  während  der  Präparation  ent- 
standen sein. 

Alhino's  scheinen  bei  dieser  Art  nicht  selten  vorzukommen  und 
Pallas  beschreibt  einen  solchen  und  bildet  denselben  auch  ab,  dessen 
Körperlänge  zu  3"  7'"  und  dessen  Schwanzlänge  zu  2"  angegeben 
wird,  daher  auch  bei  diesem  der  Schwanz  etwas  länger  als  die  halbe 
Kürperlänge  ist.  Irrthümlich  ist  aber  die  von  ihm  ausgesprochene 
Ansicht,  daß  die  weiße  Färbung  dem  weiblichen,  die  schwärzlich- 
braune dem  männlichen  Thiere  zukommt,  da  das  von  Wagner  be- 
schriebene schwärzlichbraune  Exemplar  der  Würzburger  Sammlung 
weiblichen  Geschlechtes  war. 

Vaterland.  Hinter-Indien,  Arakan,  Khasya  und  die  malayische 
Halbinsel,  sowie  auch  Java  und  die  meisten  übrigen  Inseln  desindischen 
Archipels,  Cantor  traf  sie  aufder  malayischen  Halbinsel  und  Blyth 
erhielt  sie  sowohl  von  dieser,  als  auch  von  Khasya  und  Arakan.  Linne, 
Pallas  und  I  s  i  d.  G  e  o  f  fr  o  y  geben  Java  als  das  Vaterland  derselben 
an  und  das  Exemplar  des  Würzburger  Museum's,  nach  welchem 
Wagner  diese  Art  beschrieb,  stammt  gleichfalls  von  Java.  Eben  so 
beobachtete  sie  S.  Müller  auf  allen  von  ihm  besuchten  Inseln  des 
indischen  Archipels.  Daß  sie  aber  auch  in  Nepal,  — wie  Horsfield 
angibt,  —  und  inVorder-Indien,  —  wie  Wagner  behauptet,  —  vor- 
kommen soll,  ist  nach  den  Erfahrungen  von  Blyth  durchaus  irrig 
und  beruht  wohl  nur  auf  einer  Verwechselung  mit  anderen  verwandten 
Arten. 

Zelebor,  welcher  die  Novara-Expedition  begleitete,  brachte 
ein  Exemplar  dieser  Art  von  Madras  für  das  Wiener  Museum  mit, 
das  er  daselbst  erhalten,  aber  nicht  selbst  gesammelt  hatte.  Ohne 
Zweifel  stammt  dasselbe  aus  einer  andern  indischen  Gegend.  Linne 
liat  uns  zuerst  mit  dieser  Art  bekannt  gemacht,  von  welcher  er  jedoch 
nur  ein  ganz  junges  kaum  3  Zoll  langes  Exemplar  beschrieb.  Cuvier 
und  Blainville  sind  der  Ansicht,  daß  dieselbe  mit  der  indischen 
Dickschwanzspitzmaus  (P.  indica)  zusammenfalle,  wogegen  jedoch 
schon  die  Verschiedenheit  in  der  Schwanzlänge  spricht,  und  Et. 
Geoffroy  und  Desmarest  nehmen  sonderbarer  Weise  die  weiße 
Abart  als  den  Typus  an. 


Kritisclie  Untersucliungen  iil)er  die  Spitzmäuse  (^SnviccsJ  etc.  IDO 

10.  Die  afghanische  Dickschwanzspitzmaas  (Pachynra  Grijjithi). 

P.  imicolor  nigro-f'usca,  leviter  rufescente-lavata ;  cauda  di- 
midio  corpore  parum  breviore. 
Sorex  Gri/fitJii.  Horsf.  Catal.  of  the  Mamm.  of  the  East-Iiul.  Comp. 

p.  134. 
„  Wagn.   Sclireber  Säugth.    Suppl.   B.  V.  S.  5S3. 

Nr.  19.  * 
Crocidura  Grijfithi.   Wagn.  Sclireber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  553. 

Nr.  19.  . 
Pachynra  Griffithi.  Wagn.  Sehreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  553. 

Nr.  19.  ^ 
Sorex  myosuros.    Var.?   Wagn.    Schreber  Säugth.    Suppl.    B.  V. 

S.  553.  Nr.  19.  *  —   S.  803.  Nr.  2. 
Crocidura  7)iyosura.  Var.?   Wagn.   Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V. 

S.  553.  Nr.  19.  *  —  S.  803.  Nr.  2. 
Pachynra  myosura.  Var.?  Wagn.  Schreber  Säugth.   Suppl.  B.  V. 

S.  553.  Nr.  19.  *  —   S.  803.  Nr.  2. 
Sorex  tnurinns?  ßlyth.   Journ.  ofthe  Asiat.  Soc.  of  Bengal.  1855. 

Fase.  1. 
Giebel.  Säugeth.  S.  904.  Note  9. 
Crocidura  murina?  Giebel.  Säugeth.  S.  904.  Note  9. 

Nur  aus  einer  kurzen  Beschreibung  von  Horsfield  bekannt, 
aus  welcher  jedoch  zu  entnehmen  ist,  daß  diese  Form  der  kahlschwän- 
zigen  Dickschwanzspitzmaus  (P.  niuriua)  sehr  nahe  steht  nud  auch 
mit  der  Wald-Dickschwanzspitzmaus  (P.  nemorivaga)  verwandt  sei. 
Von  beiden  unterscheidet  sie  der  merklich  kürzere  Schwanz  und  die 
Färbung,  von  letzterer  trennen  sie  noch  die  verhältnißmäßig  kleineren 
Ohren  und  die  kürzere,  weichere  und  völlig  anliegende  Behaarung. 

Die  Ohren  sind  groß,  freiliegend  und  gerundet.  Der  Schwanz, 
welcher  nicht  ganz  die  halbe  Körperlänge  erreicht,  ist  an  der  Wurzel 
dick ,  im  weiteren  Verlaufe  allmälig  sich  verdünnend ,  beinahe  kegel- 
förmig, und  seiner  ganzen  Länge  nach  nur  sehr  spärlich  mit  kurzen 
anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen,  abstehenden 
und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt.  Die  Körper- 
behaarung ist  kurz,  weich  und  anliegend.  Im  Oberkiefer  sind  jeder- 
seits  vier  Lückenzähne  vorhanden  und  sämmtlicbe  Zähne  sind  durch- 
aus einfarbig  weiß. 


156  Fitz  i  II  g  er. 

Die  Ober-  sowolil  als  auch  die  Unterseite  des  Körpers  ist  ein- 
tarbig  scbwärzlichbraiin ,  mit  sclnvacheni  rötblicben  Scbiller. 

Körperlänge 5"  9'" 

Länge  des  Schwanzes    .    .     • 2"  6'". 

Vaterland.  Afghanistan  nach  der  7\ngabe  von  Horsiield,  der 
diese  Art  zuerst  beschrieben.  Bl  y  th  zieht  diese  Angabe  aber  in  Zweifel 
und  hält  es  für  weit  walirscheinlicher,  daß  die  Provinz  Arakan  in 
Hinter-Indien  die  Heimat  dieser  Form  sei. 

Wagner  spricht  die  Ansicht  aus,  daß  dieselbe  nur  eine  ganz 
dunkle  Abänderung  der  kahlschwänzigen  Dickschwanzspitzmaus  (^P. 
miirina)  darstelle  und  auch  Blyth  betrachtet  sie  liir  identisch  mit 
dieser  Art. 

11.  Die  blaugraoe  Dickschwanzspitzmaas  (Pachyurn  coernlescensj. 

P.  iiotneo  paUlde  cinerco,  in  coernho-schistaceinn  rergente, 
plus  miiiusve  fitsccscente-vel  ex  flavido-ferrngineo-Iavato  ;  gustraeo 
dilutiore  grlseo-albesceiäe ;  caiida  fere  dimidii  corporis  longitudine. 
Parfuming  shreic.  Pennant.  Hist.  of  Quadrup.  V.  II.  p.  222. 
Sorex  Pilorides.  Shaw.  Mus.  Leverian.  V.  I.  P.  I.  p.  31.  t.  8. 
„     caerulescens.  Shaw.  Gen.  Zool.  V.  I.  P.  II.  p.  533. 
„  „  Raffles.  Linnean  Transact.  V.  XIII.  p.  255. 

„      giganteus.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  2S8.  Nr.  18. 
„      indicus.  Blainv.  Ann.  des  Sc.  nat.  2.  Ser.  V.  X.  p.  20. 
„      Nepalensis.  Hodgs.  Catal. 

„      coendescens.   Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  69. 
Nr.  13. 
Crocidura  coendescens.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  11.  S.  09. 

Nr.  13. 
Sorex  moschidus.  Robins.  Assam.  p.  96. 

„      murinus.   Gray.  Mammal.  ol"  the  Brit.  Mus.  p.  78. 
„      giganteus.  Temm.  Fauna  japon.  V.  I.  p.  25. 
„      caerulescens.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  339. 
Crocidura  coendescens.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  339. 
Sorex  caerulescens.    Blyth.    .Tourn.  ol"  the  Asiat.  Soc.  of  Bengal. 
Fase.  1. 
„  „  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  E.V.  S.  551. 

Nr.  18.  —  S.  803.  Nr.  1. 


Kritische  üiitersuchung-en  über  die  Spitzmäuse  (SoricesJ  etc.  157 

Crocidura   coerulescens.    Wagn.    Schreber  Säugth.    Suppl.  B.   V. 

S.  551.  Nr.  18.  —  S.  803.  Nr.  1. 
Pachyura   coerulescens.    Wagn.    Schreber  Säugth.    Suppl.   B.    V. 

S.  551.  Nr.  18.  —S.  803.  Nr.  1. 
„  Fitz.  vSäugeth.  d.  Novara-Expedit.  Sitzungs- 

ber.  d.  math.-naturw.  Cl.  d.  kais.  Akad. 

d.  Wiss.  B.  XLII.  S.  392. 

Die  größte  Art  der  Gattung,  indem  sie  selbst  die  Riesen-Diek- 
schwanzspitzmaus(7'.<7<V/«/«/6?rt^  an  Größe  noch  übertrifft,  von  welcher 
sie  sich  außerdem  noch  durch  den  kürzeren  Schwanz  und  die  ver- 
schiedene Färbung  unterscheidet. 

Die  Ohren  sind  groß,  freiliegend  und  kahl.  Der  Schwanz,  dessen 
Länge  nahezu  die  halbe  Körperlänge  einnimmt,  ist  an  der  Wurzel 
überaus  dick,  fast  von  derselben  Dicke  wie  der  Hinterleib,  im  weiteren 
\' erlaufe  allmälig  sich  verdünnend,  beinahe  kegelförmig,  gerundet, 
und  an  der  dicken  Wurzel  sehr  dicht  wie  der  ganze  Leib  behaart, 
von  da  aber  ziemlich  spärlich  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt, 
zwischen  denen  einzelne  längere,  steife,  abstehende  und  nach  rück- 
wärts gerichtete  Wimperhaare  eingemengt  sind,  so  daß  die  kahle 
Haut  deutlich  sichtbar  ist.  Die  Körperbehaarung  ist  kurz ,  sehr  dicht, 
fein  und  weich,  dieFüsse  sind  kurz  und  spärlich  behaart.  Der  Rüssel 
und  die  Augengegend  sind  kahl.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier 
Lückenzähne  vorhanden,  von  denen  die  beiden  mittleren  sich  beinahe 
völlig  gleich  sind.  Sämmtüche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 
Die  Absonderungs  -  Drüse  an  den  Leibesseiten  ist  sehr  deutlich 
sichtbar. 

Die  Färbung  ist  auf  der  Oberseite  des  Körpers  licht  silber-  oder 
aschgrau,  mit  trüb  blaulichem,  in's  Schieferblaue  ziehenden  Anfluge 
und  auf  dem  Rücken  mehr  oder  weniger  deutlich  bräunlich  oder 
schmutzig  rostgelb  überflogen;  auf  der  Unterseite  heller  und  mehr 
in's  Weißliche  ziehend.  Die  Mehrzahl  der  Schnurren,  so  wie  die 
spärliche  Behaarung  der  Füsse  und  des  Schwanzes  sind  weiß.  Die 
kahle  Haut  des  Rüssels,  der  Augengegend,  der  Ohren,  der  Füsse  und 
des  Schwanzes  ist  am  lebenden  Thiere  licht  röthlich- fleischfarben, 
am  ausgebälgten  hellgelblich. 

Kiu'perlänge <^"    yi  jjj^  nahe  an  9' 

Länffe  des  Schwanzes 3"  6'". 


158  F  i  t  z  i  n  g  e  r. 

Peiinaiit  mid  Shaw  geben  die  Körperläiige  auf  beinahe  8" 
die  Länge  des  Schwanzes  auf  3"  6'"  an.  Bei  älteren  Thieren  scheint 
der  Schwanz  etwas  kürzer  als  bei  jüngeren  zu  sein. 

Vaterland.  Nepal,  Vorder-Indien  und  der  angrenzende  Theil 
von  Hinter-Indien,  nach  Raff) es  auch  Sumatra  und  nach  Pennant 
Java  und  die  benachbarten  Inseln  des  indischen  Archipels.  Den  Beob- 
achtungen Blyth's  zufolge  ist  sie  in  Nepal,  Bengalen  und  im  Thale 
vom  Assam  gemein,  imSylhet  selten  und  verschwindet  schon  inArakan. 
Auf  der  malayischen  Halbinsel  fehlt  sie.  Lamare-Picquot  sammelte 
sie  in  Vorder-Indien,  Raffles  beobachtete  sie  in  Bengalen  und  Su- 
matra und  Frauen  fei  d  brachte  sie  mit  der  Novara-Expedition  aus 
Madras. 

Die  in  den  Seitendrüsen  sich  absondernde  Flüssigkeit  soll  nach 
der  Angabe  von  Raffles  einen  sehr  starken,  moschusartigen  Geruch 
verbreiten. 

Blainville  vereiniget  diese  von  Pennant  zuerst  beschriebene 
Art  irrigerweise  mit  der  indischen  Dickschwanzspitzmaus  (P.indica). 

12.  Die  Riesen-Dickschwaüzspitzmaus  (Pachyura  giyantea). 

P.    ntiicolor  cinerea,    mf'esceiite-  vel  fUivido-lavuta;  cauda 
diiindio  corpore  'paullo  lo7igiore. 
Sorex  gifjanteus.  Isid.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XI.  p.  326. 

..       "         .,  Isid.  Geoffr.  Mem.  du  Mus.  V.  XV.  p.  137.  t.  4. 

hg.  3. 
Lichten  st.   Verhandl.  d.   Gesellsch.   naturf.   Fr. 

z.  Berlin.  B.  I.  S.  381.  Nr.  3. 
Lichtenst.  Bullet,  des  Sc.  nat.  V.  XVIII.  p.  279. 
Nr.  3. 
„       Indiens.  Fr.  Cuv.  Geoffr.    Hist.   nat.  d.  Mammif.  Fase.  40. 
Indiens?  Cuv.  Regne  anim.  Edit.  II.  V.  I. 
giganteus.  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  258,  664.  Nr.  18. 

Sykes.Proceed.  oftheZooI.  Soc.V.  I.  (1830).p.99. 
Isid.  Geoffr.  Belang.  Voy.  aux  Ind.  Zoo),  p.  117. 
indicns.   Blainv.  Ann.  des  Sc.  nat.  2.  Ser.  V.  X.  p.  20. 
Hodgs.  Catal. 

Wagn.  Schreher  Säuglli.  Suppi.  B.  II.  S.  70.  Nr.  14. 
€rocidur<(  indien.   Wagn.    Schreher  Säugth.   Suppl.   B.   II.  S.  70. 
Nr.  14. 


Kritische  Untersuchiinj,'^en  ül)er  die  S|>itzniini$e  (Soriccs)  etc.  lo*' 

Sorev  giganteus.  Siindev.  Vetensk.  Akail.  Handl.  1842.  p.  175. 
murbim.  Gray.  Manimal.  of  the  Brit.  Mus.  p.  78. 
gifßfütteus.  Temni.  Fauna  japon.  V.  I.  p.  2S. 

Reiehenh.  Natui-g.  Raubth.  S.  340.  lig.  502. 
Crocldurn  gigfüitea.  Reich eiib.  Natui-g.  Raubth.  S.  340.  (ig.  502. 
Sorex'  mnrinus.  Hoilgs.  Ann.  of  Nat.  Hist.  V,  XV.  p.  269. 

coerulescens.    Blyth.    Jouni.  of  the  Asiat.  Soc.    of  Beiigal. 
Fase.  1. 
VVagn.  Schreber  Säugtb.  Suppl.  B.  V.  S.  Ö5I. 
Nr.  18.  -  S.  803  Nr.  1. 
Crocidura  coerulescens.  Wag  ii.  Scbreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  ööl . 

Nf.  18.  —  S.  803.  Ni-.  1. 
Pdchyura  coerulescens,  W  a  g  n.  Scbreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  oöl . 

Nr.  18.  —  S.  803.  Nr.  1. 
Sorex  indicus.   Giebel.  Säugeth.  S.  90S. 
Crocidura  hidica.  Giebel.  S.  905. 

Nebst  der  graublauen  Dickschwanzspitzmaus  (P.  coerulescens) 
die  grüßte  Art  der  Gattung  und  allerdings  mit  der  indischen  Dick- 
schwanzspitzmaus (P.  indicti)  ziemlich  nahe  verwandt,  aber  von 
derselben  sowohl  durch  den  gestreckteren  Kopf  und  den  längeren 
Rüssel,  als  auch  durch  den  längeren  und  an  seiner  Wurzel  beträcht- 
lich dickeren  Schwanz,  so  wie  durch  die  verschiedene  Färbung  deut- 
lich unterschieden. 

Die  Körpergestalt  ist  untersetzt,  der  Kopf  gestreckt,  der  Rüssel 
lang  und  nicht  besonders  spitz.  Die  Ohren  sind  groß,  freiliegend  und 
kahl.  Der  Schwanz,  welcher  etwas  mehr  als  die  Hälfte  der  Körper- 
länge einnimmt,  ist  an  der  Wurzel  überaus  dick,  im  weiteren  Ver- 
laufe allmälig  sich  verdünnend,  beinahe  kegelförmig,  gerundet  und 
an  der  dicken  Wurzel  dicht  so  wie  der  Leib  behaart,  dann  aber  nur 
spärlich  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt,  zwischen  denen  ein- 
zelne längere,  abstehende  und  nach  rückwärts  gerichtete  Wimper- 
haare eingemengt  sind.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückeii- 
zähne  vorhanden  und  sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 
Die  Ober-  sowohl  als  die  Unterseite  des  Körpers  sind  grau  und 
röthlich  oder  fahlgelb  überflogen,  da  sämmtliche  Haare  an  der 
Wurzel  grau  sind  und  in  röthliche  oder  fahlgelbe  Spitzen  endigen. 

Körperlänge 5"  4'"  Nach  Isi  do  r  Geoffroy. 

Länge  des  Schwanzes  .    .    .3" 


1  60  Fi  tzi  n  ger. 

Körperläiige 6"  3'"       Nach  Temminck. 

Länge  des  Schwanzes  .    .    .  3"  1 — 2'" 
Entfernung  der  Augen  von  der 

Riisselspitze 10'". 

Vaterland.  Ost-Indien,  Bengalen.  Belang  er  brachte  diese 
Art  aus  Pondichery,  und  Sykes  traf  sie  in  Dekan  und  Bombay,  in 
derselben  Gegend,  wo  auch  die  indische  Dickschwanzspitzmaus  (P. 
indica)  yoYkomvixi.  Nach  der  Angabe  von  Htfdgson  soll  sie  auch  in 
den  unteren  und  mittleren  Regionen  von  Nepal  angetroffen  werden. 
Cuvier  glaubte  dieselbe  mit  der  indischen  Dickschwanzspitz- 
maus (P.  indica)  vereinigen  zu  dürfen, 

13.  Die  AVald-Dickschwanzspitziuaus  (Pachyuru  nemorivagnj. 

P.  nnicolor,  ex  coenileo-cinerea,  notaeo  fiiscescente-  lavato, 
ffdstraeo  paUidiore;  caiida  •/;■  corporis  longitudine. 
Sorex'  nemorivagus.  Hodgs.  Ann.  of.  Nat.  Hist.  V.  XV.  p.  269, 
„      murinns.  Horsf.  Catal.  of  the  Mamm.  of  the  East-Ind.  Comp. 

p.  134. 
„  „     Jun.  Gray.  Hodgs.  Catal.  p.  16. 

„      myosuros.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.V.  S.  äS3,  Note  1. 
Crocidnra  myosura.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.V.  S.  ö53. 

Note  1. 
Pachyura  myosura.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.   B.  V.  S.  553. 

Note  1. 
Sorex  nemorivagus.  Blyth.   Journ.  of  the  Asiat.    Soc.   of   Bengal. 
1855.  Fase.  1. 
Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  803. 
Nr.  5. 
Crocidnra   nemorivaga.   Wagn.     Schreber    Säugth.    Suppl.    B.  V. 

S.  803.  Nr.  5. 
Pachyura    tiemorivaga.    Wagn.    Schreber   Säugth.    Suppl.    B.    V. 

S.  803.  Nr.  5. 
Sore.v  itidicus.   Giebel.  Säugeth.  S.  905.  Note  1. 
Crocidnra  indica.  Giebel.  Säugeth.  S.  905.  Note  1. 

Diese  in  Ansehung  der  Gestalt  und  Färbung  einigermaßen  an 
d'e  blaugraue  Dicksehwanzspitzmaus  (P.  coernlescensj  erinnernde 
Art,  unterscheidet  sich  von  derselben  sowohl  durch  die  beträchtlich 
geringere  Größe,  als  auch  durch  den  längeren  Schwanz. 


Kritische  Uiiteisucliuiij^en  iiljer  die  Spitzmäuse  (Surices)  etc.  161 

Der  Kopf  ist  nicht  sehi*  langgestreckt  und  ziemlich  hoch ,  die 
Wangengegend  nicht  angeschwollen.  Die  Ohren  sind  groß  und  frei- 
liegend, die  Füsse  kurz  und  nur  spärlich  behaart.  Der  Schwanz, 
welcher  ungefähr  -/.  der  Körperlänge  einnimmt ,  ist  an  der  Wurzel 
sehr  dick,  nach  rückwärts  zu  allmälig  sich  verdünnend,  beinahe 
kegelförmig,  und  ziemlich  spärlich  mit  kurzen  anliegenden  Haaren 
und  einzelnen  eingemengten  langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts 
gerichteten  Wimperhaaren  besetzt.  Die  Behaarung  des  Körpers  ist 
verhäitnißmäßig  etwas  lang,  nicht  besonders  weich  und  etwas  locker. 
Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vorhanden  und 
sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Färbung  ist  auf  der  Oberseite  des  Körpers  einfarbig  bläu- 
lich-aschgrau und  auf  dem  Rücken  etwas  bräunlich  überflogen,  auf 
der  Unterseite  des  Körpers  heller. 

Körpeilänge  ungefähr 3"6"' 

Länge  des  Schwanzes  etwas  über 2". 

Eine  genauere  Angabe  der  Maaße  fehlt. 

Vaterland.  Nepal;  von  Ho dgson  daselbst  entdeckt  und  auch 
zuerst  beschrieben. 

Gray  erklärte  diese  Form  für  ein  halberwachsenes  Thier  der 
blaugrauen  Dickschwanzspitzmaus  (^P.  coerulescens),  welcher  Ansicht 
aber  ßlyth  entgegen  trat.  Dagegen  scheint  es  ihm  für  wahrschein- 
lich, daßH  orsfield 's  „5'orea?wiMrMms"  mit  der  Wald-Dickschwanz- 
spitzmaus (P.  nemorivagaj  identisch  sei, 

14.  Die  flachköpfige  Dickschwanzspitzmaas  (Pachyiira  soccata). 

P.  unicolor,  plus  minusve  obscure  ex  fnscescente  coeruleo- 
schistacea,  pedibus  nigrescentibus ;  cauda  fere  3/3  corporia  longi- 
tudine,  infra  nigrescente. 

Sori'V  soccatus.  Hodgs.  Ann.  of  Nat.  Hist.  V.  XV.  p.  270. 
Corsira  nigrescens.  Gray,  Ann.  and  Mag.  of  Nat.  Hist.  V.  X.  p.  261. 
Sorex  nigrescens.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  546. 
Nr.  7. 
„     soccatus.  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  of  BengaL  1855. 
Fase.  1. 
Wagn.     Schreber   Säugth.   Suppl.   B.  V.  S.  803. 
Nr.  4. 

Sitzb.  d.  niathera.-ni)tur\v.  Cl.  LVil.  ßd.  I.  Abth.  \\ 


1  0  «w  F  i  t  z  i  II  g  e  r. 

Pachyura  soccata.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S,  803. 

Nr.  4. 
Crocidura  soccata.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  803. 

Nr.  4. 
Sorex  indicus.  Giebel.  Saugeth.  S.  905.  Note  I. 
Crocidura  indica.   Giebel.  Säugth.  S.  905.  Note  1. 

„  soccata.  Fitz.  Säugeth.  d.  Novara-Exped.  Sitzungsber.  d. 

math.-iiaturw.  Cl.  d.  kais.  Akad.  d.  Wissensch. 

B.  XLII.  S.  392. 

* 

Obgleich  in  der  Größe  und  den  körperlichen  Verhältnissen  mit 
der  Wald-Dickschwanzspitzmaus  (P.  nemorivagaj  verwandt,  unter- 
scheidet sich  diese  Form  von  derselben  sowohl  durch  die  Gestalt  des 
Kopfes,  als  auch  durch  die  weit  dichtere  Behaarung  der  Füsse  und 
des  Schwanzes. 

Der  Kopf  ist  langgestreckt ,  breit  und  flachgedrückt,  und  in  der 
Wangengegend  stark  angeschwollen.  Die  oberen  Vorderzähne  sind  sehr 
starkgekrümmt.  Die  Ohren  sind  groß  und  freiliegend,  die  Füsse  verhält- 
nißmäßig  stark  und  bis  zu  den  Krallen  ziemlich  dicht  behaart.  Der 
Schwanz,  dessen  Länge  nahezu  2/3  der  Körperlänge  beträgt,  ist  an  der 
Wurzel  sehr  dick,  allmälig  sich  verdünnend,  beinahe  kegelförmig,  und 
ziemlich  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  einge- 
mengten langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimper- 
haaren besetzt.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vor- 
handen und  sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Ober-  sowohl  als  auch  die  Unterseite  des  Körpers  ist  ein- 
farbig dunkler  oder  heller  schmutzig-  oder  bräunlich -schieferblau, 
welche  Färbung  sich  auch  über  die  Oberseite  des  Schwanzes  er- 
streckt und  an  den  Leibesseiten  bis  zu  den  Gliedmassen  herabreicht. 
Die  Unterseite  des  Schwanzes  und  die  Füsse  sind  schwärzlich. 

Körperlänge 3"  6"'    Nach  Hodgson. 

Länge  des  Schwanzes    .    .    .    .    2"  1  '/a'". 

Vaterland.  Nepal  und  Ober-Indien,  insbesondere  Sikim, 
Blyth  hat  aus  Sikim  ein  Exemplar  erhalten,  daß  sich  durch 
einen  verhältnißmäüig  stärkeren  Kopf  und  stärkere  Beine,  dichtere 
Behaarung  der  Füsse  und  des  Schwanzes,  und  merklich  dunklere  Fär- 
bung unterscheidet.  Wahrscheinlich  beruhen  diese  Unterschiede  aber 
nur  auf  einer  Geschlechtsverschiedenheit. 


Kritische  UnlersHchiingen  über  die  Spitzmäuse  (Soriccs)  etc.  1(j3 

Ein  vonZeleboi'  angeblich  in  Hong-kong  gesammeltes  und 
mit  der  Novara-Expedition  an  das  Wiener  Museum  gelangtes  Exem- 
plar, scheint  mir  jax  dieser  Art  zu  geliören,  obgleich  ich  bei  demsel- 
ben nur  drei  Lückenzähne  im  Oberkiefer  zählte,  weßhalb  ich  auch 
jene  Art  zur  Gattung  Wimperschwanzspitzmaus  ^Croc/rf?«'«^  zog.  Es 
ist  indeß  möglich,  daß  ich  mich  hierin  geirrt  habe  und  ich  muß 
daher  eine  nähere  Aufklärung  hierüber  dem  Einsammler  überlassen, 
der  als  mein  Nachfolger  gegenwärtig  die  Säugethier-Sammlung  des 
Wiener  Museums  verwaltet. 

15.  Die  sehmalköplige  Dickschwanzspitzmans  (Pachyuraheierodon). 

P.  unicolor  palUde  ex  rufescente  coeruleo-schistacea,  pedibus 
diliitioribus ;  cauda  fere  2/3  corporis  longiUidine,  subius  dilutiore; 
plantis  infra  calcaneum  mactda  pilosa. 

Sorex  heterodon.   Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  ofBengal.  18o5. 
Fase.  1. 
Wagn.  Schreber   Säugth.  Suppl.    B.  V.  S.  804. 
Nr.  6. 
Crocidura  heterodon.    Wagn.    Schreber     Säugth.     Suppl.    B.    V. 

S.  804.  Nr.  6. 
Pachyiira  heterodon.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  804. 
Nr.  6. 
Eine  der  flachköpfigen  Dickschwanzspitzmaus  (P.  soccata)  sehr 
nahe   stehende   Art,    welche   wir  bis   jetzt   nur    aus    einer    kurzen 
Beschreibung  kennen,  die  uns  Blyth  von  derselben  mitgetheilt  hat. 
Die  wesentlichsten  Merkmale,  durch  welche  sie  sich  von  der- 
selben  unterscheidet,   sollen  in   der  Gestalt   des  Schädels  und  der 
oberen  Vorderzähne ,  in  der  verschiedenen  Behaarung  der  Füsse  und 
zum  Theile  auch  in  der  etwas  abweichenden  Färbung  bestehen. 

Die  Körpergröße  und  das  Verhältniß  der  Länge  des  Schwanzes 
sind  beinahe  dieselben.  Der  Kopf  ist  langgestreckt  und  flach- 
gedrückt, aber  viel  schmäler  und  in  der  Wangengegend  weit  weni- 
ger angeschwollen  als  bei  der  flachköpfigen  Dickschwanzspitzmans 
(P.  soccata),  und  auch  die  oberen  Vorderzähne  sind  nicht  so 
stark  gekrümmt.  Die  Ohren  sind  groß  und  freiliegend,  die  Füsse  bei- 
nahe völlig  kahl  und  nur  unterhalb  des  Hackengelenkes  der  Hinter- 
füsse  befindet  sich  ein  behaarter  Flecken.  Der  Schwanz,  dessen 
Länge  ungefähr  gegen  2/3  der  Körperlänge  einnimmt,  ist  an  der  Wurzel 

11» 


164  Fitzin -er. 

sehr  dick,  allmälig  sich  verdüniieiid,  beinahe  kegelförmig,  ziemlich  dicht 
mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen, 
abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt. 
Im  Oberkiefer  sind  jederseit«  vier  Lückenzähne  vorhanden  und  sämmt- 
liche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Färbung  dw  Ober-  sowohl  als  auch  der  Unterseite  des  Kör- 
pers ist  einfarbig  bell  schmutzig  oder  bräunlich-schieferblau  und  von 
derselben  Färbung  ist  auch  die  Oberseite  des  Schwanzes.  Die  Unter- 
seite desselben  und  die  Füsse  sind  viel  blasser  gefärbt. 

Korperlänge .    .    3"  6" 

Länge  des  Schwanzes  etwas  über 2". 

Genauere  Körpermaaße  sind  nicht  angegeben. 
Vaterland.   Hinter-Indien  wo  diese  Art  in  den  Khasyabergen 
vorkommt,   daselbst  von  Blyth   entdeckt  wurde   und   die   er   auch 
zuerst  beschrieb. 

16.  Die  russfärbige  Dickschwunzspitzmaus  {Pachyura  montanaj. 

P.  unicolor  fnliginea,  yastraeo  pallidiore ,  tibüs  infra  pedi- 
busqtie  cinerascentibvs ;  canda  dimidio  corpore  parum  loiigiore. 
Sorex  moutmms.  Kelaart.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  V.  XX.  p.  163. 
„     Kelanrti.  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  of  Bengal.   1855. 

Fase.  1. 
„     montanus.   Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.    B.  V.  S.  804. 
Nr.  9. 
Crocidura  motitana.  Wagn.  Schreber.  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  804. 

Nr.  9. 
Pachyura  montana.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  804. 
Nr.  9. 
Nahe  mit  der  rostfarbigen  Dickschwanzspitzmaus  (P.  f'erru- 
gineuj  verwandt ,  aber  etwas  größer  als  dieselbe  und  durch  die 
behaarten  Füsse,  so  wie  auch  durch  die  abweichende  Färbung  deut- 
lich von  derselben  verschieden. 

Die  Ohren  sind  groß,  freiliegend,  nicht  über  die  Höhe  des 
Kopfes  hinaus  ragend,  gerundet  und  kahl.  Der  Schwanz,  dessen 
Länge  etwas  mehr  als  die  halbe  Körperlänge  beträgt,  ist  mit  kurzen 
anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen,  abstehenden 
und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperbaaren  besetzt.  Die  KiU'per- 
bebaarung  ist  weieli,  der  untere  Theil  der  Beine  und  die  Füsse  sind 


Kritische  Untersiiuhiingeii  über  die  Spitzmäuse  {Sortfes)  etc.  165 

mit  kurzen  anliegenden  Haaren  besetzt,  die  Schnurren  lang,  die 
Krallen  kurz.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vor- 
handen und  sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  rußschwarz,  ohne  röthlichen 
Anflug,  die  Unterseite  heller.  Der  untere  Theil  der  Beine  und  die 
Füsse  sind  graulich,  die  Schnurren  silbergrau. 

Körperlänge 3"  9'"  Nach  Kelaart. 

Länge  des  Schwanzes 2"  3" 

„     des  Hinterfußes 8'". 

Vaterland.  Ceylon,  wo  diese  Art  in  den  Gebirgsgegenden 
angetroffen  wird,  und  daselbst  von  Kelaart  entdeckt  und  auch 
zuerst  beschrieben  wurde. 

Seiner  Angabe  zufolge  soll  sie  durchaus  keinen  Geruch  ver- 
breiten und  schon  dadurch  sich  auffallend  von  der  rostfarbigen  Dick- 
schwanzspitzmaus (^P.  ferruginea)  unterscheiden. 

17.  Die  rostfarbige  Dickschwanzspitzinaus   (Pachyiira   ferruginea). 

P.  unicolor  ferrugineo-brunnesens ,  coeruleo-lavata. 
Sorex  montanus.  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  V.  XX.  p.  163. 
—  V.  XXI.  p.  350. 
„     ferruginetis.  Kelaart.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  V.  XX.  p.  185. 
„     montanus.  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  of  Bengal.  1855. 

Fase.  1. 
„     ferrugineus.   Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  804. 
Nr.  8. 
Crocidura  ferruginea.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  804. 

Nr.  8. 
Pachyura  ferruginea.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  804. 
Nr.  8. 
Fast  von  derselben  Größe  wie  die  rußfärbige  Dickschwanz- 
spitzmaus (P.  montana)  und  nur  wenig  kleiner  als  dieselbe,  unter- 
scheidet sie  sich  von  dieser  Art  beinahe  lediglich  durch  die  unbehaar- 
ten Füsse  und  die  V^erschiedenheit  in  der  Färbung  des  Köspers. 

Die  Ohren  sind  groß  und  freiliegend ,  der  untere  Theil  der 
Beine  und  die  Füsse  kahl.  Der  Schwanz  ist  mit  kurzen  anliegenden 
Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen,  abstehenden  und  nach 
rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt.  Die  Behaarung  des 
Körpers  ist  weich.    Der  Zahnbau  stimmt  ganz  mit  jenem  der  kahl- 


166  Fitzinge  r. 

schwänzigen  D'icksclw^  nnzs\ntzmüus  (P.  tinirmaj  überein,  da  im  Ober- 
kiefer jederseits  vier  Lückeiizähne  vorhanden  und  sämmtliche  Zähne 
durchaus  einfarbig  weiß  sind. 

Die  Färbung  ^er  Ober-  sowohl,  als  Unterseite  des  Körpers  ist 
rostbraun  und  blau  überflogen. 

Maaße  sind  nicht  angegeben,  doch  dürfte  nach  dem  angedeute- 
ten Größenverhältnisse  zu  P.  montana  die  Körperlänge  ungefähr 
3"  6"'  betragen. 

Als  eine  besondere  Eigenthümlichkeit,  wodurch  sich  die  rost- 
farbige von  der  i'ußfärbigen  Dickschwanzspitzmaus  (P.  montana^ 
unterscheiden  soll,  wird  der  höchst  unangenehme  Geruch  angegeben, 
den  sie  verbreitet,  während  derselbe  der  letzteren  Art  fehlen  soll. 

Vaterland.  Ceylon. 

Die  erste  Beschreibung  dieser  Art  rührt  von  Blyth,  welcher  ihr 
den  Namen  „Sore.v  motiianus"  gab,  und  Kalaart,  welcher  gleich- 
zeitigeine nahe  mit  ihr  verwandte  Art  mit  demselben  Namen  bezeich- 
nete, schlug  für  die  Blyth'sche  Art  die  Benennung  „Sorex  ferru- 
gineus"  vor. 

18.  Die  schwarze  Dickscbwanzspitzmaus  (Pachyura  nigra). 

P.  noiaeo  ex  nigrescente-fusco,  rnbido-lavaio ;  gastraeo  cine- 
rascente;  cauda  ultra  2/3  corporis  longitiidine. 
Sorex  niger.  El  Hot.  Horsf.  Catal.  of  the  Mamm.  of   the  East-Ind. 

Comp.  p.  135. 
Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  S66.Nr.50. 

—  S.  804.  Nr.  7. 
„     Newera?  Wagn.    Schreber  Säugth.   Suppl.   B.  V.   S.   566. 

Nr.  50. 
Crocidura  Newera?  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V^  S.  566. 

Nr.  50. 
Sorex  niger.  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.    Soc.   of  Bengal.    1855. 

Fase.  1. 
Crocidura  nigra.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  804. 

Nr.  7. 
Pachyura  nigra.  Wagn,  Schreber   Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  804. 

Nr.  7.      - 
Sorex  murinus?  Giebel.  Säugeth.  S.  904.  Note  9. 
Crocidura  murina?  Giebel.  Säugetb,  S.  904.  Note  9. 


Kritische  Üntersucliiingen  über  die  Spitzmäuse  (^Sorices)  etc.  IßT 

Die  einzige  Original-Mittheilung,  welche  wir  über  diese  Form 
besitzen,  besteht  in  einer  sehr  kurzen  Beschreibung,  welche  Hors- 
f  i  e  Id  von  derselben  gegeben.  Aus  den  hierin  angeführten  Merkmalen 
geht  hervor,  daß  sie  von  gleicher  Größe  wie  die  schieferschwarze 
Wimperschwanzspitzmaus  ^Croc/rf?«"«  i\e?rer«^  sei,  dasselbe  Längen- 
verhältniß  des  Schwanzes  darbiete  und  sich  nur  durch  die  etwas  ver- 
schiedene Färbung  von  dieser  unterscheide.  Über  das  Gebiß  und  die 
Art  der  Behaarung  des  Schwanzes  gibt  die  Horsfield'sche  Beschrei- 
bung keinen  Aufschluß,  daher  man  auch  nicht  mit  Sicherheit  bestim- 
men kann,  welcher  Gattung  sie  eigentlich  angehöre  und  noch  weniger 
ihre  Identität  mit  der  schieferschwarzen  Wimperschwanzspitzmaus 
(Crocidura  Neivera)  behaupten  kann.  Nur  auf  die  Autorität  Blyth's 
gestützt,  der  —  obgleich  er  sie  nicht  selbst  gefunden,  —  sie  der  Gat- 
tung Dickschwanzspitzmaus  (^Pachyura)  zuweiset,  reihe  auch  ich 
sie  dieser  Gattung  ein  und  muß  es  der  Zukunft  überlassen,  über  die 
Richtigkeit  dieser  Ansicht  zu  entscheiden. 

Der  Schwanz  nimmt  etwas  mehr  als  2/3  der  Körperiänge  ein. 

Die  Färbung  der  Oberseite  des  Körpers  ist  schwärzlichbraun, 
und  röthlich  überflogen ,  jene  der  Unterseite  graulich. 

Körperlänge 3"  6'" 

Länge  des  Schwanzes 2"  6'". 

Vaterland.  Vorder-Indien,  Madras,  woselbst  sie  von  Elliot 
entdeckt  wurde.  Horsfield  hat  dieselbe  zuerst  beschrieben. 

19.  Die  toskanische  Dickschwanzspitzmaus  (^P«c/i?/?<7'«  etruscaj. 

P.  notaeo  sordide  coerulescente-cinereo,  pallide  brminescente- 
vel  rufescente-lavato,  lateribus  dilittioribus,  gastrneo  griseo  ;  cauda 
dimidii  vel  paidlo  ultra  2/3  corporis  longitudiue,  supra  ex'  brunnes- 
cente-cinerea,  subtus  dilutiore. 

Sorea;  Etruscns.  Sa  vi.  Nuovo  Giorn.  di  letterati.  Nr.  1.  p.  60.  t.  5. 
Desmar.  Mammal.  Suppl.  p.  335,  823.  Nr.  234. 
bis. 
„  „  Isid.  Geoffr.  Dict.  class.  V.  XL  p.  319. 

„      leucodon?  Gloger.  Nov.  Act.  Acad.  Leop.  Carol,  Nat.  Curios. 

V.  XIIL  P.  IL  p.  499. 
„      Etruscns.  Griffith.  Anim.  Kingd.  V.  V.  p.  302.  Nr.  12. 
Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  252,  579.  Nr.  2. 


168  F  i  tz  i  n  ger. 

Crocidura  etrusca.  Wagler.  Isis.  1832.  S.  275. 

Nathus.  Wiegm.  Arch.  B.  III.  Th.  IL  S.  153.  — 

B.  IV.  Th.  I.  S.  45. 
Sorex  etruscus.  Lenz.  Naturg.  B.  I.  S.  78. 
Pachyura  etrusca.  S  e  1  y  s  L o  n  g c  h.  Micromammal.  p.  32. 
Sorex  Etriiscus.  Keys.  Blas.  Wirbelth.  Europ.  S.  17.  Nr.  113.  — 

S.  60. 
Crocidura  Etrusca.  Keys.  Blas.  Wirbelth. Europ.  S.  17. Nr.  113.  — 

S.  60. 
Pachyura  etrusca.  Bonaparte.    Iconograf.  della  Fauna  ital.  t.  19. 

flg.  2. 
Sorex  etruscus.  Wagn.   Schreber.   Säugth.    Suppl.   B.  II.   S.  67. 

Nr.  11. 
Crocidura  etrusca.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  67. 

Nr.  11. 
Sorea?  etruscus.  Duvern.   Guerin  Magas.   d.   Zool.    1842.   p.  41. 

t.  54. 
Sundev.  Vetensk.  Akad.  Handl.  1842.  p.  175. 
Sorex  hetruscus.  Beiehenb.  Naturg.  Baub-th.  S.  338,  fig.  481. 
Crocidura  hetrusca.  Beiehenb.  Naturg.  Baubth.  S.  338.  fig.  481. 
Sorex  etruscus.  Coquerel.  Ann.  des  Sc.  nät.  3.  Ser.  V.  IX.  p.  195. 

t.  11.  fig.  2.  (Schädel.) 
Wagn.   Schreber    Säugth.   Suppl.  B.  V.   S.  555. 

Nr.  22. 
Crocidura  etrusca.   Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  555. 

Nr.  22. 
Pachyura  etrusca.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  555. 

Nr.  22. 
Sorex  etruscus.  Giebel.  Säugeth.  S.  902. 
Crocidura  etrusca.  Giebel.  Säugeth.  S.  902, 

Eine  der  kleinsten  unter  den  europäischen  Arten  dieser  Familie 
und  von  derselben  Grüße  wie  die  Zwerg-Spitzmaus  (iS'oreA"pi///Wrt(??/.sJ. 
Der  Büsscl  ist  verhältnismäßig  nichtsehr  lang.  Die  Ohren  sind 
groß  und  freiliegend,  und  auch  die  Klappen  an  der  Innenseite  dersel- 
l)en  sind  ziemlich  stark  entwickelt.  Der  Schwanz,  dessen  Länge 
etwas  über  -/g  oder  mindestens  die  halbe  Körperlänge  einnimmt,  ist 
gerundet,  an  der  Wurzel  etwas  eingeschnürt,  verhältnißmäßig  ziem- 
lich    dick,  gegen  das  Ende  zu  rasch  verdünnt,   und  nicht  sehr  dicht 


Kritische  Untersiiohungen  illier  die  Spifzmäusp  (Soriees)  etc.  J  69 

mit  kurzen,  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen, 
abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt. 
Die  Füsse  sind  nur  sehr  spärlich  behaart,  der  Rüssel  ist  kahl.  Im 
Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vorhanden,  von  denen  der 
zweite  und  dritte  sich  völlig  gleich  sind,  und  sämmtliche  Zähne  sind 
durchaus  einfarbig  weiß.  Die  Drüsen  an  den  Leibesseiten  sind  nicht 
sichtbar. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  schmutzig  blaulichgrau,  in's 
licht  Bräunlich-  oder  Röthlichgraiie  ziehend ,  da  die  blaulichgrauen 
Haare  in  licht  bräunlich-  oder  röthlichgraue  Spitzen  endigen.  An  den 
Leibesseiten  geht  diese  Färbung  allmälig  in  Hellgrau  über,  das  sich 
über  die  ganze  Unterseite  verbreitet.  Die  kahle  Haut  der  Rüsselspitze 
und  der  Füsse  ist  fleischfarben  und  die  Härchen  der  letzteren  sind,  so 
wie  auch  die  Krallen  weißlich.  Der  Schwanz  ist  auf  der  Oberseite 
bräunlichgrau,  auf  der  Unterseite  heller  und  die  langen  Wimperhaare 
sind  weißlich. 

Körperlänge 1"  10'"  Nach  Savi. 

Länge  des  Schwanzes     ....  11" 

Gewicht .    .         36  Gran. 

Körperlänge 1"    8 — 9"' Nach  Reich enb. 

Länge  des  Schwanzes     ....    1" 

Körperlänge 1"    1'"  Nach  Wagner. 

Länge  des  Schwanzes     ....    1". 

Vaterland.  Süd-Frankreich,  Toskana,  Neapel,  Sicilien  und 
Algier.  Savi,  welcher  diese  Art  zuerst  beschrieb,  entdeckte  sie  bei 
Pisa  in  Toskana.  Späterhin  erhielt  sie  das  Wiener  Museum  auch  aus 
Sicilien,  wo  sie  von  Da  hl  in  der  Umgegend  von  Palermo  einge- 
sammelt wurde,  und  Nathusius  aus  Algier.  Sie  hält  sich  gewöhnlich 
unter  Wurzeln,  in  hohlen  Stämmen  und  unter  abgefallenem  Laube 
auf  und  sucht  zur  Winterszeit  Zuflucht  in  den  Düngerhaufen. 

20.  Die  kriniische  Dickschwauzspitzniaas  (Puchyura  maveolens). 

P.  notdeo  einer eo-brunnescente,  gastraeo  pedibnsque  (dbidis; 
cauda  fere  dimidii  corporis  longitiidine. 

Sorex  suaveolens.  Pallas.  Zoograph,  rosso-asiat.  V.Lp.  133.  t.  9. 
fig.  2. 
„  Schi nz.  CuvierThierr.  B.  L  S.  876. 

„  Fisch.  Synops.  Mammal.  p.  253.  Nr.  3.  «. 


170  Fitzin^er. 

Sorex  suaveolens.  Rathke,    Mem.    de   l'Acad.    d.    Petersb.    V.   III. 
p.  295. 
„      etrtiscus?  Rathke.  Mem.  de  l'Acad.  de  Petersb.  V.  III.  p.  295. 
„     suaveolens.  Nathus.  Wiegm".  Archiv.  B.  III.  Th.  JI   S.  153. 

Wagn.    Schreber   Säugth.  Suppl.  B.  II.    S.  68. 
Nr.  12. 
Crocidura  suaveolens.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  II.  S.  68. 

Nr.  12. 
Sorex  suaveolens.  Reichenb.  Nafurg.   Raubth.   S.  338.   fig.  498. 
Crocidura  suaveolens.  Reichenb.  Naturg.  Raubth.  S.  338.  fig.  498. 
Sorex  suaveolens.  Blas.  Bericht  über  die  19.  Versamml.  deutsch. 
Naturf.  S.  87. 
„     etruscus.   Wagn.    Schreber  Säugth.   Suppl.    B.   V.    S.  555. 
Nr.   22. 
Crocidura  etrusca.  Wagn.  Schreber.  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  555. 

Nr.  22. 
Pachyura  etrusca.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  555. 

Nr.  22. 
Sorex  etruscus.  Giebel.  Säugeth.  S.  902. 
Crocidura  etrusca.  Giebel.  Säugeth.  S.  902. 

Wir  kennen  diese  Form  bis  jetzt  nur  aus  einer  Beschreibung 
und  Abbildung,  welche  Pallas  von  derselben  gegeben,  und  aus  einer 
s))äteren  Beschreibung,  die  uns  von  Rathke  mitgetheilt  wurde. 

Aus  beiden  scheint  hervorzugehen,  daß  sie  ungeachtet  ihrer 
nicht  zu  verkennenden  nahen  Verwandtschaft  mit  der  toskanischen 
Dickscbwanzspitzmaus  (P.  etrusca),  welche  sie  auch  an  Größe  nur 
wenig  übertrifft,  dennoch  und  zwar  sowohl  durch  den  dünneren 
Rüssel,  als  auch  durch  den  kürzeren  Schwanz  verschieden  sei. 

Der  Rüssel  ist  verhältnißmäßig  nicht  sehr  lang,  kürzer  als  jener 
der  weißbauchigen  Wimperschwanzspitzmaus  (C.  leucodonj  oder  wie 
Rathke,  von  welchem  diese  Angabe  herrührt,  dieselbe  nennt,  des 
„Sorex  araneus",  und  sehr  stark-verdünnt.  Die  Ohren  sind  groß  und 
freiliegend.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  nahezu  die  halbe  Körper- 
länge einnimmt,  ist  gerundet,  an  der  Wurzel  schwach  eingeschnürt, 
in  der  ersten  Hälfte  dicker  als  in  der  Endliälfle,  und  mit  kurzen  an- 
liegenden Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen,  abstehenden 
inul  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaai'cn  besetzt.  Unterhalb 
des  Schwanzes  befindet  sich  der  Angabe  von  Pal  las  zufolge   eine 


Krilisclie  Untersuchungen  über  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  I  7  1 

Drüse,  welche  jederseits  einen  Ausfüliningsgang  hat  und  eine  sehr 
angenehm  und  schwach  nach  Moschus  riechende  Flüssigkeit  ab- 
sondert. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  graulicbbraun,  die  Unterseite 
weißlich.  Der  Schwanz  ist  von  derselben  Färbung  wie  der  Körper, 
oben  graulicbbraun,  unten  weißlich.  Die  Füsse  sind  gleichfalls  weiß- 
lich gefärbt. 

Körperlänge 2"  1'"  Nach  Rathke. 

Länge  des  Schwanzes 1". 

Vaterland.  Krim,  wo 'diese  Art,  welche  von  Pallas  zuerst 
beschrieben  wurde,  in  Gärten  und  Wäldern  vorkommt. 

Rathke  sprach  die  Vermutbung  aus,  daß  diese  Form  vielleicht 
mit  der  toskanischen  Dickschwanzspitzmaus  {P.  efruscaj  identisch 
sein  könnte,  welcher  Ansicht  aber  Na  thusius  und  nach  ihm  auch 
Wagner  entgegentraten.  Späterhin  änderte  jedoch  Wagner  seine 
frühere  Meinung  und  vereinigte  unbedingt  beide  Formen  miteinander. 

Eine  besondere  Eigenthümlichkeit  der  krimischen  Dickschwanz- 
spitzmaus (^P.  suaveolens) ,  welche  seither  noch  bei  keiner  anderen 
Art  in  der  Gruppe  der  Spitzmäuse  bemerkt  worden  ist  und  an  die 
Arten  der  Gattung  Bisamrüßler  (Myogale)  und  Rohrrüßler  (31acro- 
iicelis)  erinnert,  wäre  das  von  Pallas  behauptete  Vorhandensein 
einer  Absonderungsdrüse  unterhalb  des  Schwanzes,  und  es  wäre  daher 
von  hoher  Wichtigkeit,  in  dieser  Beziehung  auch  bei  anderen  Arten 
genauere  Untersuchungen  anzustellen. 

21.  Die  karzkrallige  Dickschwaozspitzniaus  (Pachyura  micronyx). 

P.  notaeo  iialUde  castaneo,  in  riifum  vergente,  gastraeo  dilu- 
tiore,  griseo-lavato ;  caiula  fere  3/4  corporis  longitudiiie,  supra 
rnfescente-brunnea,  irtfra  ruhido-albida. 

Sorex  micronyx.  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  ofBengal.  18S5. 

Fase.  1. 
Wagn.  Schreber  Säugth.   Suppl.  B.  V.  S.    804. 

Nr.  11. 
Crocidura  micronyx.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.804. 

Nr.  11. 
Pachyvra  micronyx.  Wagn.  Sclnvber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.804. 

Nr.  1 1 . 


172  Fitzinger. 

Diese  zu  den  kleinsten  unter  den  asiatischen  Formen  dieser 
Gattung  gehörige  Art  ist  von  derselben  Größe  wie  die  toskanische 
Dickschwanzspitzmaus  (P.  etrusca)  und  ziemlich  nahe  mit  der  kahl- 
füssigen  Dickschwanzspitzmaus  {P.  nudipes)  verwandt,  unterschei- 
det sich  von  derselben  aber,  außer  der  etwas  abweichenden  Färbung, 
durch  die  verhältnißmäßig  kleineren  Ohren,  den  etwas  längeren 
Schwanz,  die  mit  dünnstehenden  Haaren  besetzten  Füsse  und  die  auf- 
fallend kürzeren  und  kleineren  Krallen. 

Die  Ohren  sind  groß  und  freiliegend,  der  Schwanz,  welcher 
nahe  an  s/4  der  Körperlänge  einnimmt,  ist  verhältnißmäßig  etwas 
dick,  allmälig  sich  verdünnend,  und  ziemlich  spärlich  mit  kurzen, 
anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen,  abstehenden 
und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt,  so  daß 
allenthalben  die  kahle  Haut  durchblickt.  Die  Füsse  sind  mit  dünn 
gestellten  Haaren  besetzt,  welche  die  Krallen  überragen,  die  Krallen 
überaus  kurz  und  klein.  Die  Drüsen  an  den  Leibesseiten  sind  nicht 
sichtbar.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vorhanden 
und  sämmtliche  Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  sehr  licht  kastanienbraun,  viel  blasser 
und  mehr  in's  Rothe  ziehend  als  bei  irgend  einer  anderen  der  kleinen 
asiatischen  Arten,  die  Unterseite  etwas  heller  und  stärker  silbergrau 
überflogen.  Die  Oberseite  des  Schwanzes  ist  röthlichbraun,  die  Unter- 
seite röthlichweiß  oder  beinahe  fleischfarben. 

Körperlänge 1"  T'/a"' 

Länge  des  Schwanzes 1"  i^/z". 

Vaterland.  Vorder-Indien,  Kemaon  und  Landour,  woher 
Blyth  diese  Art  erhielt,  welche  er  nach  zwei  Exemplaren  zuerst 
beschrieb. 

22.   Die  kahlfössige  Dickschwanzspitzmaus  (Pachynru  nudipes). 

P.  notaeo  ohscure  rnfescetife-f'usco,  nigro-fusco  variegato, 
gastraeo  düiitiore,  griseo-lavato ;  cauda  f'ere  -/^  corporis  longi- 
tudine. 

Sorej;  nudipes.  B I  y  t  h.  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  öf  Bengal.  1 855. 
Fase.  1. 
Wagn.    Schreber    Säogth.    Suppl.    B.  V.  S.  805. 
Nr.  13. 


Kritische  Untersuchungen  iilier  die  Spitzmäuse  (Sorices)  etc.  1  7  U 

Crocidura  midipes.  Wagu.  Sehreber  Säugtli.  Suppl.  B.  V.  S.  805. 

Nr.  13. 
Pachyura  midipes.   Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  805. 
Nr.  13. 

Von  der  Größe  der  toskanisclien  Dickschwanzspitzinaus  (l\ 
etruscn),  daher  eine  der  kleinsten  Arten  dieser  Gattung  und  zunächst 
mit  der  kurzkralligen  Dickschwanzspitzmaus  (P.  micronyx)  ver- 
wandt, von  welcher  sie  sich  jedoch  durch  die  merklich  größeren 
Ohren  —  welche  auch  größer  als  bei  allen  übrigen  kleinen  asiatischen 
Arten  dieser  Gattung  sind,  —  so  wie  durch  den  etwas  kürzeren 
Schwanz,  die  völlig  kahlen  Füsse,  die  längeren  Krallen  uu-d  zum 
Theile  auch  durch  die  Färbung  unterscheidet. 

Die  Ohren  sind  groß  und  freiliegend.  Der  Schwanz,  dessen 
Länge  nahezu  3/3  der  Körperlänge  erreicht,  ist  verhältnißmäßig  etwas 
dick ,  allmälig  sich  verdünnend ,  nur  sehr  spärlich  mit  kurzen  anlie- 
genden Haaren  und  einzelnen  wenigen  eingemengten  langen,  abste- 
henden und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt,  daher 
er  beinahe  völlig  kahl  erscheint.  Die  Füsse  sind  kahl  und  die  Drüsen 
an  den  Leibesseiten  groß  und  deutlich  wahrnehmbar.  Im  Oberkiefer 
sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vorhanden  und  sämmtliche  Zähne 
sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist,  ähnlich  wie  bei  der  gemeinen 
Spitzmaus  (S.  vulgiirisj,  schwach  glänzend  dunkel  röthlichbraun  und 
etwas  schwärzlichbraun  gesprenkelt,  jene  der  Unterseite  heller,  mit 
silbergrauem  Schimmer.  Der  Schwanz  ist  auf  der  Oberseite  wie  der 
Rücken  dunkel  röthlichbraun,  auf  der  Unterseite  lichter.  Die  kahle 
Haut  derVorderfüsse  und  der  Zehen  der  Hinterfüsse  ist  fleischfarben. 

Körperlänge 1"  9'"     . 

Länge  des  Schwanzes 1"  3/4'". 

Vaterland.  Hinter-Indieii,  Tenasserim,  woher  Blyth  diese  Art 
erhielt,  die  er  auch  zuerst  beschrieb. 

23.  Die  Zwerg-UickschwanzspitzinaQS  (Pachyura  pygmaea). 

P.  unicolor  fidiginea,  gastraeo  dilutiore  ;  cauda  dimidio  cor- 
pore paiUlo  longiore. 

Sorex  pygmaeus.  Hodgs.  Ann.  of  Nat.  Hist.  V.  XV.  p.  269. 
Cor sira  pygmaea.  Gray.  Horsf.  Catal,  of  the  Mamm.  of  tbe  East- 
Ind.  Comp. 


I  T^  F  i  t  z  i  II  g'  e  r. 

Sore.i-  pygmaeus?   Wagii.  Sehreber  Säiigtli.  Suppl.   B.  V.  S.  345. 
Nr.   6. 
"     pygmaeus.   Blyth.  Jouni.  of  the  Asiat.  Soc.  of  Bengal.  1858. 
Fase.  1. 
Wagn.  Schreber  Säiigtli.  Suppl.  B.  V.   S.  804. 
Nr.  10. 
Crociditra  pygmaea.  Wagn,  Scbreber  Säiigth.  Suppl.  B.  V.  S.  804. 

Nr.  10. 
Pucliyura  pygmaea.  Wagn.  Schreber  Säugtb.  Suppl.  B.  V.  S.  804. 
Nr.  10. 

Wir  keinien  diese  Form,  welche  zu  den  kleinen  Arten  dieser 
Gattung  gehört,  nur  aus  einer  sehr  unvollständigen  Beschreibung, 
die  wir  der  Mittheilung  von  llodgson  zu  verdanken  haben.  Aus 
derselben  geht  hervor,  daß  sie  mit  der  schwärzlichbraunen  Dick- 
sehwanzspitzmaus  (P.  Perrottetii)  nahe  verwandt,  aber  merklich 
größer  als  dieselbe  und  auch  durch  die  Färbung  von  ihr  verschie- 
den ist. 

Die  Ohren  sind  kahl,  und  der  Schwanz,  welcher  etwas  über  die 
halbe  Körperlänge  einnimmt,  ist  nur  spärlich  behaart.  Die  Drüsen  an 
den  Leibesseiten  sind  nicht  sichtbar. 

Die  Färbung  des  Körpers  ist  einfarbig  rußbraun,  auf  der  Ober- 
seite <lunkler,  auf  der  Unterseite  heller.  Die  kahle  Haut  der  Ohren 
und  des  Schwanzes  ist  dunkel  fleischfarben. 

Körperlänge 2" 

Länge  des  Schwanzes 1''  2^/^" 

„    Kopfes 8iX"' 

„       des  Vorderfußes .         3'" 

„     Hinterfußes ^^/J". 

V^aterland.  Ost-Indien,  wo  diese  Art  im  Unterholze  und  auch 
auf  Feldern,  selten  aber  in  Häusern  angetroffen  wird. 

Hodgson,  von  w«;lchem  die  einzige  uns  vorliegende  Beschrei- 
bung dieser  Form  herrührt,  bemerkt  ausdrücklich,  daß  man  bei  die- 
ser Art  keine  Seitendrüsen  gefunden  habe  und  daß  dieselbe  auch 
keinen  moschusartigen  (ierucb  verbreite.  Ob  diese  Drüsen  wirklich 
fehlen,  ist  sehr  zu  bezweifeln,  da  dieselhcn  wohl  mir  l»ci  den  ge- 
schlechlsreifen  Männchen  (leiitlich  entwiekelt  sind  und  wahrscheinlich 
auch  nur  zu  gewissen  Zeiten  jene  nach  Moschus  riechende  Flüßigkeit 


Kritische  Uiitersuchiiiigeii  über  die  Spitiiiiäuse  (Surices)  etc.  l7o 

absondern,  die  allen  zu  den  typischen  Gattungen  dieser  Familie  ge- 
hörigen Arten  eigen  ist. 

Gray  hält  diese  Form  für  identisch  mit  der  Zwerg-Spitzmaus 
(S.  pygmaeuxj,  worin  er  jedoch,  —  wie  dieß  schon  Blyth  nachge- 
wiesen, —  sicher  im  Irrthume  ist.  Abgesehen  von  der  durciiaus  ver- 
schiedenen Heimat  dieser  beiden  Formen,  unterscheidet  sie  sich  nicht 
nur  durch  die  größere  Länge  des  Schwanzes ,  welche  ihr  eigen  ist, 
von  der  Zwerg-Spitzmaus  (S.  pyymaeus) ,  sondern  wohl  auch  noch 
durch  andere  Merkmale,  wie  aus  den  kurzen  Andeutungen  von 
Hodgson  hervorzugehen  scheint.  Denn  da  derselbe  von  kahlen 
Körpertheilen  spricht,  welche  seiner  Art  eigen  sind,  so  können  doch 
wohl  nur  die  Ohren  und  der  Schwanz,  vielleicht  aber  auch  noch  die 
Fiisse  unter  denselben  verstanden  worden  sein,  obgleich  er  diese 
Tlieile  nicht  ausdrücklich  nennt.  Ist  dieß  aber  der  Fall,  so  treten  die 
Ohren  bei  derselben  weit  mehr  aus  dem  Pelze  hervor  und  ist  der 
Schwanz  auch  viel  spärlicher  behaart,  als  bei  „Sore.v  pygmaeus'^ . 

Auf  diese  Gründe  gestützt ,  reiht  Blyth  die  H  o  d  g  s  o  n'sche 
Form  der  Gattung  „Pnchytira''  ein,  welcher  Ansicht  auch  ich  mich 
anschließen  zu  sollen  glaube. 

24.  Die  schwärzliclibraune  Dickschwanzspitziiiaus  (Pachyurn 
Perrottetü). 

P.  notaeo  obscure  uigrescente-fusco,  interilum  leoiter  castaneo- 
lavato ,  gastraeo  paiillo  dilutiure,  griseo-lavato  ;  caiida  Vs  corporis 
longitudiue,  vel  purum  breviore. 

Sorex  Perrotteti.  Duvern.  Guerin  Magas.  d.  Zool.   1842.   p.  29. 
t.  47. 
Sundev.  Vetensk.  Akad.  Handl.  l842.  p.  175. 
Reich enb.  Naturg.  Raubth.  S.  341. 
Crocidiira  Perotteti.  Reichen!).  Naturg.  Raubth.  S.  341. 
Sorex  Perrotteti?  Blyth,  Journ.  of  the  Asiat.  Soc.  of  Bengal.  185i>. 
Fase.  1. 
„     Hodgsonii.  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.   Soc.  of  Bengal.  185b. 

Fase.  1. 
„     Perrotteti.  Wagn.  Schreber   Säugth.   Suppl.  B.  V.  S.  5oS. 
Nr.  23.  —  S.  804.  Nr.  12. 
Crocidiira  Perrotteti.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  355. 
Nr.  23.  —  S.  804.  Nr.  12. 


k 


176  F  i  t  ;t  i  u  g  e  r. 

Pachyura  Perrotteti.  Wagn.  Sclireber  Säiigtli.  Suppl.  B,  V.  S.  555. 

Nr.  23.  S.  804.  Nr.  12. 
Sorex  indicus.  Giebel.  Säugetli.  S.  905. 
Crocidura  indica.  Giebek  Säugeth.  S.  905. 

Die  kleinste  unter  den  asiatischen  Arten  dieser  Gattung  und 
noch  etwas  kleiner  als  die  toskanische  Dickschwanzspitzmaus  (P. 
ctrnscaj,  von  welcher  sie  sich  außer  der  dichteren  Behaarung  der 
Fiisse  und  des  Schwanzes,  hauptsächlich  durch  die  völlig  verschie- 
dene Färbung  unterscheidet. 

Die  Ohren  sind  groß  und  t'reiliegend.  Der  Schwanz,  dessen 
Länge  2/3  oder  nahezu  "/-^  der  Körperlänge  einnimmt,  ist  an  der 
Wurzel  dick,  im  weiteren  Verlaufe  allmalig  sich  verdünnend,  und 
ziemlich  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  einge- 
mengten langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wim- 
perhaaren besetzt.  Die  Füsse  sind  ziemlich  dicht  behaart,  die  Krallen 
nicht  sehr  klein.  Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vor- 
handen und  sämmtliche;Zähne  sind  durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Färbung  der  Oberseite  des  Körpers  und  der  Leibesseiten 
ist  dunkel  schwärzlichbraun,  bisweilen  mit  einem  schwachen  kasta- 
nienbraunen Anfluge,  jene  der  Unterseite  nur  wenig  lichter  und  etwas 
graulich  überflogen.  Der  Schwanz  ist  auf  der  Oberseite  dunkelbraun, 
auf  der  Unterseite  lichter.  Die  Vorderfüsse  sind  heller,  die  Hinter- 
füsse  dunkler  braun  behaart.   Die  Krallen  sind  weißlich. 

Körperlänge 1"    5"  Nach  Duvernoy. 

Länge  des  Schwanzes     ....         11'" 

Körperlänge 1"    6  "  Nach  Blytli. 

Länge  des  Schwanzes     ....     1". 

Vaterland.  Ost-Indien,  Nyl-Gherrys,  wo  dieseArt  von  Perrot- 
tet in  einer  Höhe  von  nahe  an  7000  Fuß  über  der  Meeresfläche  ent- 
deckt wurde.  Blyth  erhielt  sie  aus  Dartschiling.  Die  erste  Beschrei- 
bung derselben  hat  Duvernoy  gegeben,  und  Blyth,  welcher  nicht 
völlig  sicher  war,  ob  die  von  ihm  aus  Dartschiling  erhaltene  Form 
wirklich  identisch  mit  derselben  sei,  schlug  für  sie,  falls  sie  sich 
als  verschieden  bewähren  sollte,  den  Namen  „Sorex  Hodgsonii'* 
vor.  Der  Unterschied,  welcher  aber  zwischen  seiner  und  der  von 
Duvernoy  gegebenen  Beschreibung  besteht,  ist  so  gering,  daß 
man  beide  Thiere  als  zu  einer  und  derselben  Art  gehörig  betrachten 
muß.  Vielleicht  beruht  die  ganze  Differenz  in   der  Schwanzlänge, 


Kritische  Untersuchungen  über  <iic  Siiitziniiusc  fSoriccs)  etc.  W  7 

welelie  l>ei  dem  Blylirselien  Exemplare  etwas  größer  ist  und  der 
kastanienbraune  Anflug  auf  der  Oberseite  des  Körpers  inn*  auf  einer 
geschlechtlichen  Verschiedenheit,  indem  Blyth's  Exemplar  ein 
Weibchen  war,  was  um  so  wahrscheinlicher  ist,  als  er  demselben 
auch  die  Seilendrüsen  abspricht. 

21}.  Die  schwarzbraune  Dickschwanzspltzmaos  (Pachyura  atrnta). 

P.  iiotaeo  nigro-fnsco ,  leciter  rubido-Iacaio ,  gastraeo  ohscu- 
r'iore,  pedibns  nigro-fuscis;  cauda  supra  nigrescenfe-fusca,  infra 
nigrescente. 

Sorex  atratus.  Blyth.  Journ.  of  the  Asiat.   Soc.  of  Bengal.   185J). 
Fase.  1. 
Wagn.    Schreber   Säugth.   Suppl.    B.    V.    S.   80Ö. 
Nr.  14. 
Crocidiira  atrata.  Wagn.  Schreber  Säugth,  Suppl.  B.  V.  S.  805. 

Nr.  14. 
Pachyura  atrata.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.    S.  805. 
Nr.   14. 

Diese  höchst  unvollständig  bekannte  Art,  welche  wirblos  aus  einer 
kurzen  Beschreibung  kennen,  die  Blyth  nach  einem  verstümmelten 
Exemplare,  dem  der  Kopf  gefehlt,  entworfen  und  uns  mitgetheilt  hat, 
scheint  durch  die  überaus  dunkle  Färbung  ihres  Körpers,  welche  sich 
über  die  Füsse  und  den  Schwanz  erstreckt,  von  allen  übrigen  uns 
bis  jetzt  bekannt  gewordenen  indischen  Arten  verschieden  zu  sein 
und  sich  als  eine  selbstständige  zu  bewähren.  Sie  gehört  zu  den 
kleinsten  unter  den  asiatischen  Arten  und  ist  zunächst  mit  der 
schwärzlichbraunen  Dickschwanzspitzmaus  (P.  Perrotteti'Q  ver- 
wandt, mit  welcher  sie  auch  bezüglich  ihrer  Größe  übereinzukommen 
scheint. 

Der  Schwanz  ist  ziemlich  dicht  mit  kurzen  anliegenden  Haaren 
besetzt,  zwischen  denen  einzelne  längere,  abstehende  und  nach  rück- 
wärts gerichtete  Wimperhaare  eingemengt  sind.  Auch  die  Füsse  sind 
kurz  und  ziemlich  dicht  behaart. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkel  schwärzlichbraun ,  mit 
schwachem  röthlichem  Anfluge,  die  Unterseite  dunkelgrau.  Die  Füsse 
und  die  Oberseite  des  Schwanzes  sind  schwärzlichbraun,  die  Unter- 
seite desselben  ist  schwärzlich. 

Länge  des  Schwanzes 1". 

Sif/.b.  d.  ii.afliem.-iKituiw.  CI.  LVil.  Cii.  I.  Al.th.  12 


178  F  i  t  7.  i  n  }>  e  r. 

Vaterland.  Hinter -Indien,  Kliasya-Gehirge.  Blyth  war  es, 
der  diese  Art  entdeckte  und  zuerst  beschrieb. 

26.  Die  schlanke  Dickschwanzspitzmaus  (Pachyura  gracilis). 

P.  notaeo  obscurc  castaneo,  /aferibus  geiihque  dUutioribus, 
(jastraeo  griseo,  pectore  obscuriore ;  cauda  fere  2/3  corporis  lon- 
gitudine. 

Sore.v  gracilis.  Blainv.  Ann.  des  Sc.  nat.  2.  Ser.  V.  X.  p.  120. 
„  _  Blainv.  Ann.  etrang.  V.  IL  t.  14.  fig.  8. 

Sundev.  Vetensk.  Akad.  Handl.  1842.  p.  175. 
Coquerel.  Ann.  des  Sc.  nat.  3.  Ser.  V.  IX.  p.  193. 

t.  11.  fig.  3.  (Schädel). 
Wagn.  Schreber   Säugth.    Suppl.    B.  V.    S.  555. 
Nr.  24. 
Crocidura  gracilis.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V.  S.  555. 

Nr.  24. 
Pachyura  gracilis.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.   B.  V.  S.  555. 

Nr.  24. 
Sorex  etruscus?  Giebel.  Säugeth.  S.  902.  Note  9. 
Crocidura  etrusca?  Giebel.  Säugeth.  S.  902.  Note  9. 

Eine  höchst  ausgezeichnete  Art  und  zugleich  eine  der  kleinsten 
nicht  nur  unter  den  afrikanischen  Arten  dieser  Gattung,  sondern 
unter  sämmtlichen  Arten  der  ganzen  Familie ,  indem  sie  nicht  größer 
als  die  toskanische  Dickschwanzspitzmaus  (P.  etrusca)  ist. 

Die  Ohren  sind  groß  und  freiliegend,  und  die  inneren  Klappen 
bei  Weitem  nicht  so  stark  entwickelt  als  bei  dieser  und  der  ihr  ver- 
wandten madagaskarischen  Dickschwanzspitzmaus  (^P.  madagus- 
cariensis).  Der  Schwanz,  welcher  nahezu  2/3  der  Körperlänge  ein- 
nimmt, ist  an  der  Wurzel  sehr  dick ,  im  weiteren  Verlaufe  allmälig 
sich  verdünnend  und  etwas  zusammengedrückt,  und  ziemlich  dicht 
mit  kurzen  anliegenden  Haaren  und  einzelnen  eingemengten  langen, 
abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren  besetzt. 
Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier  Lückenzähne  vorhanden,  von  denen 
der  zweite  kleiner  als  der  dritte  ist,  und  sämmtliche  Zähne  sind 
durchaus  einfarbig  weiß. 

Die  Oberseite  des  Körpers  ist  dunkel  kastanienbraun ,  welche 
Färbung  an  den  Leibesseiten  und   den  Wangen   lichter  wird;   die 


Kritische  Untersuchungen  über  <Hc  Spit/.inniise  (Soriccn)  etc.  1  79 

Unterseite  ist  graulich,  an  der  Brust  etwas  dunkler  als  am  Bauche. 
Der  Schwanz  und  die  Füsse  sind  lichtbraun. 

Körperiänge 1"  7'"  Nach  Coquercl. 

Länge  des  Schwanzes 1". 

Vaterland.  Süd-Afrika,  Cap-Colonie.  Die  erste  Notiz  über 
die  Existenz  dieser  Art  erhielten  wir  von  Blainville,  und  Coque- 
rel  hat  dieselbe  zuerst  n<äher  beschrieben. 

27.  Die  madagaskarische  Dickschwanzspitzniaus  (Pachyura  madagas- 

cariensisj. 

P.  7iotaeo  obscure  fuscescente-  cinereo ,  gastraeo  pallidiore; 
cauda  parum  ultra  -/s  corporis  longitudiiie. 
Sorex  madagascariensis.  Coquerel.  Ann.  des  Sc.  nat.  3,  Ser.  V. 

IX.   p.   193.   t.   11.   fig.   1.  (Thier  und 

Schädel.) 
„  „  Wagn.    Schreber   Säugth.   Suppl.    B.  V. 

S.  556.  Nr.  25. 
Crocidura  madagascariensis.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B- V. 

S.  556.  Nr.  25. 
Pachyura  madagascariensis.  Wagn.  Schreber  Säugth.  Suppl.  B.  V. 

S.  556.  Nr.  25. 
Sorex  etrusciisl  Giebel.  Säugeth.  S.  902.  Note  9. 
Crocidura  etrusca?  Giebel.  Säugeth.  S.  902.  Note  9. 

Diese  zu  den  kleinsten  Formen  in  der  Familie  der  Spitzmäuse 
gehörige  Art,  welche  fast  von  derselben  Größe  wie  die  schlanke 
Dickschwanzspitzmaus  (^P.  gracilis)  ist,  unterscheidet  sich  von  der- 
selben sowohl  durch  die  viel  größeren  Ohrenklappen,  als  auch  durch 
den  etwas  längeren  und  an  der  Wurzel  minder  dicken  Schwanz,  und 
die  verschiedene  Färbung. 

Die  Ohren  sind  groß,  freiliegend  und  kahl,  mit  sehr  stark  ent- 
wickelten inneren  Klappen.  Der  Leib  ist  verhältnißmäßig  sehr 
schlank  und  schmächtig.  Der  Schwanz,  dessen  Länge  etwas  über 
2/3  der  Körperlänge  einnimmt,  ist  an  der  Wurzel  merklich  dicker  als 
im  weiteren  Verlaufe ,  dann  aber  dünn  und  schmächtig,  und  ziemlich 
dicht  mit  kurzen  anliegenden  Ilaaren  und  einzelnen  eingemengten 
langen,  abstehenden  und  nach  rückwärts  gerichteten  Wimperhaaren 
besetzt.  Die  Körperbehaarung  ist  dicht,  weich  und  glänzend,  die 
Schnurren   sind  ziemlich  lang.    Im  Oberkiefer  sind  jederseits  vier 

13* 


180  Fifzingcr.    Kritische  Ui)tersucluiiiL>eu  üIxt  ilie  Spitzmäuse  etc. 

Lückeiizähnc  vorliaiiden  und  siimmtliche  Zähne  sind  durchaus  oin- 
fjirbig  weiß». 

Die  Obersoite  des  Körpers  ist  dunkel  bräunlichgrau ,  die  Unter- 
seite etwas  heller.  Die  Schnurren  sind  weiß,  die  längsten  derselben 
an  der  Wurzel  schwarz.  Die  Krallen  sind  bräunlich-hürnfarben. 

Körperlänge 1"  G'/a'" 

Länge  des  Schwanzes 1"     i/^'". 

V  a  t  e  r  1  a  n  d.  Madagaskar,  wo  C  o  q  u  e  r  e  1  diese  Art  an  der  Nord- 
küstc  entdeckte,  die  er  auch  zuerst  beschrieb. 


Schloenliaeh.   Über  ilie  noiddeulschen  (ialeriten-Schichten  de.  181 


Über  die  norddeutschen   Gal er iten- Schichten  und  ihre 
Brachiopoden-Fauna. 

Von  Dr.  V.  Schloenbacb. 

(Mit  3  lithographirten  Tafeln  und  einem  Holzschnitte.) 


I.  Geologischer  Theil. 

Seit  der  Veröffentlicliiing  von  Strombeck's  „Gliederung  des 
Planers  im  nordwestlichen  Deutschland  nächst  dem  Harze"  «)  gilt 
es  als  ausgemacht,  daß  jene  Schicht,  welche  von  ihm  nach  der 
Petrefacten-Art,  die  ganz  besonders  häufig  darin  vorkommt  und 
daher  als  bezeichnend  für  dieselbe  betrachtet  werden  düvf  {Galcrites 
oder  Echinoconus  albogalerus  var.  subconica) ,  mit  dem  Namen 
Galeriten-Schicht  belegt  wurde,  seiner  Abtheilung  des  „oberen 
Pläners"  angehört  und  eine  in  mancher  Beziehung  eigenthümliche 
Modification  des  zweiten  Gliedes  dieser  Abtheilung,  der  „weißen 
Brongniarti- Schichten"'  bildet.  Strombeck  selbst  spricht  sich  an 
der  betreffenden  Stelle  über  dies  Verhältniß  mit  folgenden  Worten 
aus:  „Die  Galeriten-Schichten  sind  synchronistisch  mit  den  weißen 
Brongniurti-&c\\\c\\it\\.  Wo  die  einen  vorkommen,  fehlen  die  anderen. 
Jene  ersetzen  hin  und  wieder  auch  einen  Theil  der  Scaphiten- 
Schichten,  so  am  Fleischerkamp  bei  Salzgitter  und  zwischen  Wed- 
lingen  und  Beuchte  unweit  Goslar  (Hannover);  dann  umschließen 
sie  auch  einige  der  Species  aus  den  Scaphiten-Schichten,  obwohl 
immer  als  Seltenheiten."  Herr  v.  Strombeck  betrachtet  also  die 
„Galeriten-Schichten",  wie  hieraus  hervorgeht,  rein  als  eine  Facies, 
welche  nicht  immer  innerhalb  der  gleichen  Altersgrenzen  auftritt, 
sondern  bald  nur  auf  einen  einzigen  bestimmten  paläontologischen 
Horizont,  bald  auf  mehrere  sich  erstreckt  und  folgerichtig  in  letzterem 


')  Neues  Jahrb.  für  Mineral,  etc.   ISö",  i>.   7öj;   und  Zeitschr.  d.  d.   geol.  üe3.  !X, 
ISäT,  p.  415. 


J82  SchloeiihHcli. 

Falle  als  ein  paläontologisch  gegliederter  Complex  von  Schichten 
betrachtet  werden  muß».  Kurz  es  würden  hiernach  die  Galeriten- 
Schichten  Herrn  v.  Strombeck's  nicht  immer  ein  und  dasselbe  sein, 
sondern  je  nach  den  verschiedenen  Localitäten  eine  verschiedene 
Bedeutung  haben  ganz  in  ähnlicher  Weise,  wie  die  Korallen-Schich- 
ten des  oberen  Jura,  das  „Corallien"  vieler  französischer  Geologen, 
welcher  letztere  Name  zu  so  vielen  Mißverständnissen,  Irrthümern 
und  Verwirrungen  Veranlassung  gegeben  bat  '). 


')  Lediglich  die  Folge  eines  solchen  Mißverständnisses  scheint  es  mir  auch  zu  sein, 
wenn  Prof.  Hebert  in  einer  seiner  neuesten  Arbeiten  (iJeuxieme  note  sur  les 
calcaires  a  Terebr.  diphya  etc.,  im  Bulletin  Soc.  ge'ol.  2,  XXIV,  18  fevr.  1867, 
p.  393)  sich  darüber  ereifert,  daß  „die  deutsche  Scliule"  mit  dem  „etage  coral- 
lien,"  welches  doch  eine  von  den  französischen  und  englischen  Geologen  seit  lange 
anerkannte  und  bestimmt  festgestellte  Epoche  der  großen  jurassischen  Periode 
darstelle,  so  kurzen  Proceß  mache  und  dasselbe  einfach  als  eine  Facies  des  „etage 
kimmerldien"  oder  „oxfordien"  erkläre. 

Was  Oppel  und  Waagen  —  denn  diese  nebst  Benecke  scheint  Hebert 
an  jener  Stelle  besonders  im  Auge  gehabt  zu  haben  —  bekämpfen  wollten ,  war 
nach  meiner  Auffassung  der  Sache,  in  der  ich  mich  nicht  zu  irren  glaube,  jener 
weit  verbreitete  Irrfhuni,  in  dem  besonders  auch  viele  französische  Geologen  mit 
Orbigny  an  der  Spitze  befangen  waren,  für  den  aber  Herr  Hebert  gewiß  nicht 
wird  in  die  Schranken  treten  wollen.  Man  ging  nämlich  von  der  Ansicht  aus,  daß 
die  im  oberen  Jura  in  großer  Verbreitung  vorkommenden  korallenreichen  Schichten, 
in  denen  man  eine  Anzahl  den  meisten  Localitäten  gemeinsamer  Arten  zu  erkennen 
glaubte,  nur  einem  und  demselben  geologischen  Horizonte  angehörten,  den  man 
als  „e'tage  corallien"  bezeichnete.  Dagegen  wiesen  Oppel  und  Waagen  zur 
vollkommensten  Evidenz  nach ,  daß  nicht  nur  wenigstens  zum  Theil  diese  ver- 
meintlich identischen  Arten  in  der  That  von  einander  specifisch  verschie- 
den seien,  sondern  daß  solche  korallenreiche  Schichten  sich  in  ganz  verschie- 
denen geognostischen  Horizonten  im  Bereich  des  oberen  Jura  wiederholen,  daß 
auch  durch  ihre  Faunen  ihre  Gleichalterigkeit  mit  verschiedenen  Schichten 
des  oberen  Jura  sich  erweisen  lasse  und  sie  demnach  lediglich  als  in  Folge 
localer  Verhältnisse  veränderte  Facies  jener  betreffenden  Schichten  angesehen 
werden  müssen.  Wenn  sie  daher,  von  der  gewiß  berechtigten  Ansicht  ausgehend, 
daß  die  Bezeichnung  „Corallien",  die  fast  jeder  Autor  in  einem  verschiedeneu 
Sinne  gebraucht,  die  dadurch  eine  nur  schwer  zu  entwirrende  Confusion  hervor- 
gerufen hatte,  und  die  zudem  als  Namen  für  eine  Etajje  sehr  wenig  glücklich  ge- 
wählt erschien,  am  zweckmäßigsten  vermieden  werde,  nur  eine  «Oxford-"  und 
eine  „Kimmeridge-Gruppe"  annahmen  und  die  Grenzen  dieser  beiden  sehr  be- 
stimmt feststellten,  so  konnten  sie  damit  nicht  beabsichtigen,  den  Werth  und  die 
Bedeutung  des  echten  englischen  „Coral  rag",  welches  allerdings  von  gewissen 
französischen    und    deutschen  Autoren    (z.    B.    von    Hebert   als   Corallien,    von 


über  die  norddeutsch.  Galeriten-Seliichten  u.  ihre  Braehiopoden-Fauna.      I  83 

Dagegen  scheint  es  mir  richtiger  dies  Verhältniß  so  aufzufassen, 
daß  man  den  Anfang  der  Scaphiten-Schichten,  die  iiher  den  Gale- 
riten-Schichten  in  typischer  Entwickelung  an  vielen  Localitäten  zu 
beobachten  sind,  erst  da  annimmt,  wo  das  massenhafte  Vorkommen 
der  Galeriten  und  der  dieselben  begleitenden  Fauna  gänzlich  auf- 
hört, um  so  mehr,  da  gleichzeitig  eine  Veränderung  der  lithologi- 
schen  BeschafTenheit  an  dieser  Grenze  aufzutreten  pflegt.  Daß  „als 
große  Seltenheiten"  dieScaphiten  schon  mit  den  Galeriten  vorkommen, 
kann  ich  nicht  als  unbedingten  Beweis  für  die  Strombeck'sche 
Auffassung  betrachten,  da  diese,  wenn  auch  ebenfalls  nur  als  große 
Seltenheiten,  in  dein  weißen  Pläner  mit  LioceramusBrongniarti  auch 
an  solchen  Stellen  vorkommen,  wo  die  Galeriten  gänzlich  fehlen.  Wenn 
sich  aber,  wie  Herr  v.  Strombeck  selbst  sagt,  ganz  scharfe  Grenzen 
zwischen  den  verschiedenen  Gliedern  des  obern  Pläners  überhaupt 
nicht  ziehen  lassen,  so  würde  es  geradezu  unmöglich  sein,  an  jenen 
von  ihm  citirten  Localitäten  innerhalb  des  Vorkommens  der  Galeriten 
eine  auch  nur  ungefähre  Grenze  zu  bezeichnen,  von  wo  aus  diese 
einerseits  als  Äquivalent  des  weißen  Pläners  mit  Inoceramus  Bron- 
gniarti,  anderseits  als  solche  des  Scaphiten-Pläners  zu  betrachten 
wären.  So  ist  es  mir  z.  B.  nicht  gelungen,  in  den  von  Strombeck 
angeführten  Steinbrüchen  am  Fleischerkamp  bei  Salzgitter,  dieser  in 
unmittelbarer  Nähe  meines  bisherigen  Vl^ohnortes  gelegenen  und 
daher  von  mir  selbst  sowohl,  als  von  meinem  Vater  unzählige  Male 
besuchten  und  in  jeder  Beziehung  genau   durchforschten  Localität 


F.  A.  Roemer  als  oberes  oder  eigentliches  Coral  rag)  richtig  erkannt  war,  zu 
bestreiten.  Es  konnte  sich  vielmehr  nur  um  die  Frage  handeln,  ob  es  richtiger 
und  zweckmäßiger  sei,  diesen  Schichtencomplex  als  obere  Abtheilung  der  Oxford- 
gruppe zu  betrachten,  oder  als  besondere  Gruppe  zwischen  Oxford  und  Kimmeridge 
gelten  zu  lassen.  Die  Entscheidung  hierüber  scheint  mir  jedenfalls  neben  dem 
unwiderleglich  hergestellten  Beweise,  flaß  das  „Corallien"  der  meisten  Autoren 
nichteinen  bestimmten  Horizont ,  sondern  nur  eine  bestimmte  Entwicklungsform 
oder  „Facies"  gewisser  verschiedener  Horizonte  darstellt,  von  untergeordnetem 
Werthe  und  Interesse. 

In  diesem  Sinne  scheint  mir  —  abweichend  von  der  Ansicht,  die  Herr  Prof. 
Hebert  wohl  lediglich  in  Folge  der  ihm  mangelnden  Kenntniß  der  deutschen 
Sprache  sich  darüber  gebildet  hatte  —  die  Stellung  aufgefaßt  werden  zu  müssen, 
welche  Oppel  und  Waagen  gegen  das  „Corallien"  eingenommen  haben;  hätte 
Herr  Hebert  die  Sache  so  angesehen,  so  zweifle  ich  nicht,  daß  er  sich  weniger 
energisch  gegen  die  Auffassung  der  „deutschen  Schule"  ausgesprochen ,  ja  daß  er 
die  ganze  Controverse  gar  nicht  angeregt  haben  würde. 


184  S  ch  1  o  e  n  l)ac  h. 

eine  paläontologische  (ilirdtTiiiiLi;  der  Galeriteii-Schichten  naclizinvci- 
scn :  vielmehr  scheinen  sieh  sämmtliche  dort  vorkommende  Arten 
sowohl  in  den  tieferen,  als  in  den  höheren  Schichten  zu  finden, 
nnd  nur  von  einigen  Arten  ließ  sich  nachweisen,  daß  dieselhen 
zwar  in  gewissen  Lagen  sich  hesondcrs  häufig  finden,  in  den  ande- 
ren aher  durchaus  iu"cht  fehlen;  zudem  hleibt  dicGesteinsbeschafFen- 
licit  von  der  unteren  bis  zur  oberen  Grenze  dieselbe, 

Profil  der  Pläner-Schichlen  am  „Fleischi'rkanip",  westlich  von 

Salzgitter. 

Das  nicht  uninteressante  Profil  der  jüngeren  Kreideschichten, 
welche  sich  an  dieser  Localität  beobachten  lassen,  ist  folgendes: 

Über  dem  zum  obersten  Gault  gehörigen  Flammenmergel 
folgt  zunächst  der  Schichtencomplex  des  unteren  (cenomanen) 
Pläners,  dessen  Gesammtmächtigkeit  hier  etwa  21 — 22  Meter  be- 
trägt, sodann  darüber  der 

rothe  PI  an  er  mit  Inoc.  labiatus 3  Meter 

derGaleriten-Pläner,  mindestens     ...     26      „  , 

endlich  der  Scaphi ten-Pläner,  dessen  Mächtigkeit  sich  an 
dieser  Stelle  nicht  erkennen  läßt,  weil  seine  obere  Grenze  nicht  auf- 
geschlossen ist. 

Im  Galeriten-Pläner  zeichnet  sich  eine  Bank,  welche  etwa 
9  Meter  über  seiner  unteren  Grenze  liegt,  durch  ungewöhnliche 
Häufigkeit  der  übrigens  durch  die  ganze  Mächtigkeit  der  Schicht 
verbreiteten  IJrachiopoden -Arten  aus.  Außer  den  Brachiopoden 
finden  sich  an  dieser  Localität  im  Galeriten-Pläner  besonders  fol- 
gende Arten :  i) 


1)  st  10 ml)  eck,  dessen  Verzeichniß  (Jer  in  den  (ialeriten-Schichten  vorkommenden 
besonders  cli»rakteristischen  Petrefacten  sich  vorzug-sweise  auf  die  Erfunde  vom 
FleisciieiLamp  bei  Salzgitter  gründet  (Zeitsehr,  d.  d.  geol.  Ges.  18S7,  p.  416  u. 
N.  Jahrb.  i8S7,  p.  780),  nennt  folgende,  von  denen  er  die  mit  *  versehenen 
als  vorwaltend  bezeichnet:  "  Inoecramiis  Brongniarti  G  o\Ai.;  lihynchuncUa  Mar- 
tini Mant.,  Manlellana  Sow?;  "  Terebratiila  semiglohosa  Sow.,  carnca  S  o  w. ; 
Terehralulina  striatula  Mant.;  Ananchytcs  ovatits  Lam.;  Holaster  sp.  nov. ; 
Micraster  cor  anyuimim  ]j»m.;  *  Galer itca  albotjalems  Lam.,  suhrottinda  Ag. ; 
Cidaris  Sorigncti  Des.  Von  diesen  sind  ISIiynchunclla  Martini  und  MantcUaiia  fein- 
■  und  grobgi'ripple  Varielälcn  der  unten  beschriebenen  Uli.  Cuvieri ;  Tcrcbr.  semi- 
glohosa und  carnca  kleine  läiigliehe  und  groüe  runde  Varieliilen  von   T.  stihrotiinda; 


über  die  nrn-ildetitseli.  Calorilen-Scliielifen  ii.  ihre  Brnrliinpoden-Fauna.      1  öÖ 

Zahlreiche  Fischzähne  verscliiedencr  Arten: 
Ammonites  peramplus  Mant.  (ziemlich  selten). 
Scaphites  Geinitzi  Orb.  (selten). 
hioceramiiR  Brongniarti  Mant.  (häii(ig). 
Echinocorijs  (jibba  La  in,  sp.  (nicht  selten). 
Holaster  planus  Mant.  sp.  (nicht  selten). 

„        sp.  nov.  (selten). 
Iiifulaster  e.vcentricus  Forb.  (nicht  häufig). 
S  k2  1         »       Hagenoici  0  r  b.  (sehr  selten). 


(O     — 

%  "^ I  Micraster  breviporiis  Ag.   (nicht  sehr  selten). 

>■  f^ 

—   3 
5^ 


Galerites  (^Echinoconus)  suhconicus  Orb.   (sehr  häung). 
Disco'idea   infera  Desor  (selten). 


a  - 


g  c  I  Salenia  granulosa  Forb.  (zieml.  selten). 

„        Boin-geoisi  C  o  1 1.  ?  (selten). 
Cidaris  cretosa  Mant.  (selten). 

„       subvesieiilosa  Orb.  (nicht  selten). 

„       clavigera  Koen.  (nicht  häufig). 
Cystispongia  bursa  Qu.  sp.   (nicht  selten). 

Als  besonders  wichtig  möchte  ich  den  Lioceramus  Brongiiiarti 
(nach  der  von  Geinitz  und  Strombeck  eingeführten  präcisen 
Deutung)  ansehen,  der  auch  in  den  obersten  Schichten  des 
Galeriten-Pläners  am  Fleischerkamp  noch  häufig  vorkommt  und  im 
Scaphiren-Pläner  sich  nirgends  mehr  findet.  Höchst  eigenthümlich 
ist  die  gänzliche  Veränderung  der  Facies,  wenn  man  von  diesen 
Steinbrüchen  im  Streichen  der  Schichten  in  östlicher  Richtung  zu 
dem  auf  der  Höhe  des  Ringelberges  gelegenen,  nur  etwa  o  Minuten 
entfernten  großen  Steinbruche  geht.  Dieser,  der  eigentlich  aus 
einer  Reihe  an  einander  stossender  kleiner  Steinbrüche  besteht,  in 
denen  die  Gesteine  sämmtlicher  aufeinander  folgenden  Schichten 
des  oberen  Pläners  sehr  deutlich  aufgeschlossen  sind,  ergibt  folgen- 
des Profil: 


Tlina.  striatula  =  Tlina.  c/irysalis;  Ananchytes  ovatiis  =  Echinocorijs  ffibba  Lam. 
sp. ;  Holaster  sp.  nov.  =  Hol.  planus  A  g. ;  Micraster  cor  anyiiinum  =  Mier. 
breviporus  Ag.;  Galerites  albogalerus  und  ««6ro<K?irfa  Varietäten  derselben  Art, 
die  Cotteau  oben  a\s  Echinoe.  mbconicus  bezeichnet  bat;  Cidaris  Soriyneti  ^ 
C.  clavigera  Koen. 


loü  Schloenhach. 

Profil  der  Pliiner-Schichtca  am  Riogclbcrge  bei  Salzgitter. 

Die  Schichten  fallen  ohne  erkennbare  Discorilanz  sämmtlich 
mit  50 — 52°  nach  VV^esten  ein. 

Über  dem  etwa  54  Meter  mächtigen  Flammenmergel 
(Zone  des  ^w?m.  splendens)  folgt  nicht  ganz  deutlich  aufgeschlossen 
der  Thonmergel  mit  Bei.  N/tlmus  (Tourtia);  dann  mit  etwa 
33-5  Meter  Mächtigkeit  der  untere  Pläner  m\t  Am m.  Mantelli, 
varians,  Scaphifes  aequalis,  Inoceramiia  enneiformis  etc.  (Zone  des 
Scaphites  nequfilis);  hierauf  der  graue  PI  an  er  mit  Ainm.  Roto- 
magenais,  Holaster  subqlohosus  etc.,  etwa  10 Meter  mächtig.  Hier- 
mit hat  man,  von  Osten  her  ansteigend,  die  Höhe  des  Berges  erreicht 
und  in  der  folgenden  Schicht  beginnt  der  Steinbruch;  es  ist  dies 
ein  splitteriger  weißer  Kalk,  sehr  arm  an  Petrefacten,  worin  sich 
noch  keine  gut  erhaltene,  sicher  bestimmbare  Arten  fanden;  wahr- 
scheinlich repräsentirt  diese  etwa  15  Meter  mächtige  Schicht 
Strombeck's  „armen  Rotomagensis-Pläner"  und  würde  also  noch 
zur  Zone  des  Amm.  Rotomagensls  zu  rechnen  sein. 

Scharf  abgeschnitten  ist  die  obere  Grenze  dieser  Schicht 
gegen  den 

rothen  PI  an  er  (Zone  des  Inoc.  laldatusj,  der  in  Wechsel- 
lagerung mit  einigen  helleren,  fast  weißen  Zwischenschichten  eine 
Mächtigkeit  von  41  Meter  erreicht;  Inoceramus  labiatus  so  wie  auch 
Inoceranms  Brongniarti  sind  überall  häufig,  seltener  Terebratula 
suhrotunda  und  Rhynchonella  Cuvieri,  sehr  selten,  aber  durchaus 
charakteristisch  Galerites  subrotundus. 

Der  weiße  Brongniarti -^\'Äntv  (Zone  des  Inoceramus 
Brongniarti  und  Ammonites  Woollgarei  ^))  zeichnet  sich  außer 
dem  sehr  häufigen  Vorkommen  des  aus  der  vorhergehenden  Schicht 
heraufgehenden  eben  genannten  Inoceramus,  neben  dem  /.  labiatus 
hier  gänzlich  fehlt,  besonders  durch  die  Häufigkeit  seiner  Brachio- 
podeu  ganz  in  derselben  Weise  aus,  wie  der  Galeriten- Pläner 
am  Fleischerkamp.  Dagegen  ist  hier  von  den  am  Fleischerkamp  so 
häufigen  Galeriten  {Galerites  subconicus)  noch  keine  Spur  gefuii- 


0  Diese  für  den  gleichen  Horizont  in  HöhmGi)  und  in  Frnnkreieh  so  bezeichnende, 
auch  in  Sachsen  etc.  vorkommende  Art  wurde  von  Herrn  F.  iS  e  c  k  m  n  n  n  aus 
Braunschweig  in  dem  „weißen  /iroiit/niarii-Pläner"  hei  VVolfenl)iil(el  aufgefunden. 
Vergl.  Neues  Jahrb.  1860,  p.  lill. 


I 


Üher  ilie  norddeutsch.  G;ileriten-Schiclitcn  ii.  ihre  Bracliinpoden- Fauna.     18/ 

den;  eben  so  wenig  von  Cystispongia  hursa,  Tercbrntiiln  Becksi, 
Ter.  defluxa,  Rhynclioiiella  veiitrlplanata,  welclie  aiLs.sehließlich  in 
Begleitung  der  Galeriten  vorzukomnien  scheinen.  Die  Mächtigkeit 
dieses  Complexes  beträgt  26  Meter. 

Der  Sc aphiten -Pläner  (Zone  des  Scaphites  Geinitzi)  gibt 
sich  schon  beim  ersten  Hanimerscblage  durch  den  kh'ngenden  Ton  und 
durch  seine  leiclvteSpaltbarkcit  zu  erkennen.  Auf  den  Spaltungsflächen 
liegen  gewöhnlich  die  etwas  zusammengedrückten  Petrefacten,  von 
denen  man  die  charakteristischsten  Arten,  namentlich  die  Cephalo- 
poden  (Baculites,  Hamitea,  Helicoceras,  Scaphites  Geinitzi,  Am- 
monites  peramphis  und  Neptuni^  in  der  Regel  bald  findet;  eben  so 
die  häufig  vorkommenden  Fucoiden  auch  Holaster  planus  und  In- 
fulaster,  fast  immer  sehr  schlecht  erhalten,  sind  nicht  selten,  so  wie 
Rhynchonella  Cuvieri,  Terehratula  (Megerle'iaJ  lima  und  Terebra- 
tula  suhrotunda  und  der  auch  in  dem  gleichen  Niveau  bei  Dresden  so 
häufig  vorkommende  kleine  glatte  Pecten,  der  gewöhnlich  ah  P.  Nilsso7ii 
bezeichnet  wird.  Der  durchweg  fast  schneeweiße,  splitterige,  nie  mas- 
sige Bänke  bildende  Kalk,  der  eine  Mächtigkeit  von  etwa  33  Meter 
erreicht,  nimmt  nach  oben  zu  eine  grauere  Farbe  an  und  es  beginnt  der 

Cuvieri-Pläner  (Zone  des  Micraster  cor  testudinarium  und 
Inoceramus  Cuvieri)  mit  mehr  oder  weniger  dickplattigen  grauen 
Kalkbänken ,  zwischen  denen  sich  anfänglich  dünne,  aber  nach  oben 
zu  immer  mächtiger  werdende  und  häufiger  sich  wiederholende  Mer- 
gelschichten einschalten.  In  den  tiefsten  Lagen  findet  sich  neben 
Micraster  breviporus,  der  auch  in  den  beiden  vorhergehenden 
Schichten  bereits  auftrat,  Micraster  cor  testudinarium  sehr  häufig; 
außerdem  bereits  Inoceramus  Cuvieri;  die  Scaphiten,  Hamiten  und 
Amm.  peramplus  finden  sich  hier  zum  letzten  Male,  aber  bereits 
als  Seltenheiten.  In  den  höheren  Schichten,  wo  die  Mergel  die  Über- 
hand gewinnen,  fehlen  die  genannten  Cephalopoden  gänzlich,  Mi- 
craster cor  testudinarium  wivd  seltener,  Inoceramus  Cuvieri  dasresren 
immer  häufiger  und  größer,  und  es  stellt  sich  jene  reiche  Spongi- 
tarien-Fauna  ein,  durch  welche  die  Mergel  dieser  Zone  so  ausge- 
zeichnet sind.  Hier  findet  sich  auch  ziemlich  häufig  in  den  obersten 
Schichten  jene  problematische,  in  der  böhmischen  Kreide  so  häufige 
Art,  welche  von  Reuss  i)  Si\s  Achilleum  rugosumheschriehen  und  von 

1)    Venstein.  d.  böhm.  Kreidp,  U,  p.  70,  t,  20,  f.  i. 


löö  Schlocilbach. 

F.  A.  Roemer  ')  neuerdings  zu  Amorphospongia  gestellt  wurde. 
Deutlich  aufgeschlossen  ist  dieser  Schichtencomplex  hier  nur  in 
einer  Mächtigkeit  von  48  Meter;  indessen  setzt  derselhe  noch  sehr 
weit  in  das  Hangende  des  Aufchlusses  fort,  wie  man  sich  an  ein- 
zelnen entblößten  Punkten  überzeugen  kann,  wird  dabei  immer  mer- 
geliger und  geht  schließlicb  in  einen  Mergelthon  über,  welcher  in 
der  zwischen  den  Dörfern  Haverlah  und  Klein  Elbe  belegenen  Ziegelei 
zur  Ziegelfabrikation  benutzt  wird  und  bereits  das 

tiefste  Niveau  der  „Quadraten-Kreide''(ZonedesMcr. 
cor,  augidnum  bei  Hebert)  repräsentirt,  wie  die  darin  vorkommenden 
Exemplare  von  Belenmitcs ßlerceylM  a  y  e  r,  verus  M  i  1 1.  sp.  und  Marsu- 
pifes  Mlllerl  Mant.  beweisen.  Dies  sind  die  jüngsten  Schichten, 
welche  in  der  das  Innnerste-Thal  bildenden  Mulde  auftreten. 

Daß  bei  einer  so  geringen  Entfernung,  wie  diejenige  zwischen 
den  Steinbrüchen  am  Ringelberge  und  am  Fleischerkamp  ist,  eine  so 
eigenthümliche  Veränderung  der  Facies  einer  und  derselben  Schicht 
eintreten  konnte  und  dieselbe  überhaupt  nur  eine  so  beschränkte  räum- 
liche Verbreitung  an  dieser  Stelle  gewonnen  hat,  muß  einigermaßen 
auflallend  erscbeinen  und  läßt  sich  wohl  kaum  anders  erklären,  als  daß 
man  annimmt,  die  localen  Verhältnisse  am  Fleischerkamp  seien  zur 
Zeit  der  Ablagerung  der  betreffenden  Schichten  aus  dem  Meere  den 
Lebensbedürfnissen  der  Echinodermen,  namentlich  der  Galeriten  an- 
gemessener und  daher  einer  zahlreicheren  Eritwickelung  derselben 
förderlicher  gewesen,  als  an  denjenigen  Punkten,  wo  die  Galeriten 
nicht  gefunden  werden.  Welcher  Art  aber  diese  localen  Verschie- 
denheiten gewesen  und  wodurch  sie  herbeigeführt  sein  mögen,  ist 
Avohl  gegenwärtig  schwer  mit  einiger  Bestimmtheit  zu  sagen.  Man 
weiß  im  Allgemeinen,  daß  die  Echinodermen  nicht  in  großen  Meeres- 
tiefen, sondern  vorzugsweise  an  flacheren,  seichteren,  nicht  allzuweit 
von  der  Küste  entfernten  Stellen  auf  unebenem  felsigem  Boden  leben, 
MO  sie  den  Einwirkungen  der  Brandungen  und  der  Ebbe  und  Fluth 
niclit  mehr  ausgesetzt  sind  ')•  D-'^ß  '>m  Fleischerkamp  die  Verhältnisse 
ähnliche  gewesen  seien,  läßt  sich  mit  den  sonstigen  Beobachtungen 
in  jener  Gegend  sehr  wold  vereinbaren.  Denn  es  ist  wohl  unzweifel- 


*)    l'alaeontosrnpbica  XUI,  p.  !j6. 

'■)   Sielie    ilen    iiitei'ess:iiitcii   Arlikel    üher  die  Seeigel   in   Gressly's    „ErinneruDgen 
eines  Nalurlbrsfliers  iiHsSiuirriinkreieh"  (Alliuni  v.  Combe-Varin,   I8C1,  p.  2  CD  fl'.j. 


über  die  norddeutsch.  Galeriteii-Sehicliton  u.  ihre  Brachio[ioden-Fauna.      1  ö9 

liaft,  daß  während  der  Ablagerung  wenigstens  eines  Theiles  der 
Juraformation  ein  ziemlich  ausgedehntes  und  wahrscheinlich  ziem- 
lich flaches  Festland  mit  Haclien  Ufern  bestanden  bat,  welches  erst 
zur  Zeit  der  Ablagerung  der  unteren  Kreidebildungen  (des  Neocom 
oder  Hils)  allmälig  wieder  bis  zu  einer  mäßigen  Tiefe  unter  die 
Meeresoberfläche  niedergetaucht  ist.  Die  Existenz  eines  solchen 
Festlandes,  welches  von  dem  viel  älteren  des  Harzes  durch  eine 
wahrscheinlich  ziemlich  schmale,  aber  wohl  ziemlich  tiefe  Meerenge 
getrennt  war,  geht  mit  Bestimmtheit  daraus  hervor,  daß  in  der 
ganzen  Gegend  nördlich  von  Goslar  bis  nach  Grasdorf,  Hoheneg- 
gelsen  und  Morse  bei  Fallersieben  von  Ablagerungen  aus  der  Zeit 
zwischen  der  Bildung  des  braunen  Jura  und  der  des  unteren  Hils 
keinerlei  Spuren  vorhanden  sind  ');  es  fehlen  solche  selbst  in  den 
Conglomeraten  unserer  Hilsbildungen,  welche  an  Petrefactenresten 


1)  Die  von  Dr.  Brauns  (Amtl.  Bericht  üb.  d.  40.  Versamml.  deutsch.  Naturf.  und 
Ärzte  zu  Hannover,  im  J.  1863,  p.  166;  Paiaeontographica  XIII,  p.  240,  1866) 
geäußerte  Vermuthung,  daß  die  von  meinem  Vater  in  die  Zone  der  Avicula  con- 
torta  gerechneten  Schichten  bei  Steiniah  (Neues  Jahrb.  1862,  p.  löäj  nicht  dieser, 
sondern  der  Wälderformation  angehören  möchten .  scheint  mir  jeglicher  Begrün- 
dung zu  entbehren;  denn  das  Vorhandensein  bunter  Mergel,  welche  in  Nord- 
deutschland bekanntlich  nicht  nur  in  der  Wälderformation  (als  sog.  „Münderer 
Mergel"),  sondern  auch  in  der  Lettenkohlen-,  Keuper-  und  rhätischen  Formation, 
ja  selbst  schon  im  Buntsandsteine  vorkommen ,  kann  unmöglich  als  Grund  ange- 
sehen werden ,  jene  Schichten  in  die  Wälderformation  zu  versetzen.  Auch  die 
Ansicht,  daß  das  aus  jenen  Schichten  stammende  Knochenschild  eines  Sauriers  aus 
der  Sammlung  meines  Vaters ,  welches  der  geologischen  Section  der  Hannover"- 
schen  Versammlung  vorgelegt  wurde,  auf  diese  Formation  hindeute,  fand  noch  in 
der  betreffenden  Sitzung  selbst  sogleich  sehr  entschiedenen  W'iderspruch  von  Seiten 
des  competentesten  Kenners,  Herrn  H.  v.  .Meyer"s.  Auch  nach  späterer  genauerer 
rntersuchung  der  betreffenden  Exemplare,  die  meinVater  Letzterem  zugesendet  hatte, 
bestätigte  derselbe  vollkommen  s>'ine  erste  Aussage,  daß  jene  Reptilienreste  keine 
näheren  Beziehungen  zu  Formen  aus  den  Wälderbildungen,  sondern  vielmehr  zu 
solchen  aus  dem  Keuper  und  der  rhätischen  Stufe  erkennen  ließen.  Ganz  willkür- 
lich und  unbegründet  erscheint  es  auch,  daß  Dr.  Brauns  die  Richtigkeit  der 
Bestimmungen  von  Avicula  contorta  und  Taeniodon  praecursor  und  Ewaldi  anficht. 
Die  diesen  ßestin)muugen  zu  Grunde  liegenden  Exemplare  sind  durchaus  nicht 
„fragmentarische",  und  namentlich  erstere  auch  durchaus  nicht  „zu  wenig  cha- 
rakteristisch, um  die  Frage  über  ihr  Alter  mit  Bestimmtheit  beantworten  zu  kön- 
nen". —  Gänzlich  ausgeschlossen  wird  aber  die  Möglichkeit, 
die  fraglichen  Schichten  als  zur  Wälderformation  gehörig  zu 
deuten,  durch  den  Umstand,  daß  sehr  deutlich  charakterisir ter 
unterer    Lias    mit  Ammonites   planorbis    und    Johnatoni    im    Han^ 


190 


S  c  li  1  0  e  n  b  a  f  li. 


aus  dem  Lias  und  aus  eiuigcMi  Schichten  des  hraunen  Jura,  die  sich 
darin  in  abgerolltem  Zustande  auf  secundärer  Lagerstätte  finden,  so 
reich  sind.  Ob  dies  Festland  aber  erst  zur  Zeit  der  Bildung  des 
oberen  Jura's  aufgetaucht  ist  oder  vielleicht  schon  theilweise  zur 
Zeit  der  Ablagerung  der  rhätischen  Schichten  bestanden  haben  oder 
wenigstens  unmittelbar  nach  Bildung  derselben  über  die  Oberfläche 
des  Meeres  emporgehoben  sein  mag,  scheint  zweifelhaft.  Die  jetzt  an 
manchen  Stellen  deutlich  nachweisbare,  unmittelbare  Auflagerung 
der  oberen  Hilsschichten  auf  den  Sandsteinen  der  rhätischen  Stufe 


genden  derselben  .luftritt,  auf  welchem  dann  unmittellinr  die  Eisensteine 
der  Hils-  oder  Neocomformation  ruhen.  Diese  Thatsache,  auf  welche  ich  Herrn 
Dr.  Brauns  schon  vor  der  Publication  seiner  beiden  citirten  Aufsätze  auf- 
merksam gemacht  hatte,  scheint  derselbe  dadurch  entkräften  zu  wollen,  daß  er, 
wie  allerdings  richtig  ist,  anführt,  die  Localität,  wo  diese  Überlagerung  beobachtet 
wurde,  sei  nicht  genau  dieselbe,  wie  jene,  welche  mein  Vater  im  Jahre  1862  be- 
schrieben hat.  Allerdings  sind  beide  in  gerader  Richtung  im  Streichen  der  Schich- 
ten um  etwa  S — 7  Minuten  von  einander  entfernt,  und  erstere  wurde  erst  nach 
Veröffentlichung  der  citirten  Abhandlung  meines  Vaters  durch  einen  zum  Zweck 
der  Abführung  des  Wassers  aus  der  Grube  „Marie"  bei  Steiniah  angelegten  Canal 
aufgeschlossen.  Dieser  Umstand  kann  aber  die  Uichtigkeit  meiner  oben  ausgespro- 
chenen Behauptung,  daß  die  von  Brauns  als  Wälderformation  angesprochenen 
Schichten  von  unterem  Lias  überlagert  werden,  durchaus  nicht  umstoßen.  Denn 
die  an  der  letztgenannten  Localität  unter  dem  unteren  Lias  folgenden  Schichten 
sind  ganz  die  gleichen  und  bilden  die  Fortsetzung  von  jenen ,  welche  bei  der 
Grube  „Bartelszeche"  unmittelbar  vom  llilseisenstein  überlagert  werden  und  von 
meinem  Vater  als  „BoneI)ed-Gruppe"  bezeichnet  waren.  Dies  geht  nicht  nur  aus 
der  Gesteinsbeschaffenheit ,  auf  die  Dr.  Brauns  so  großes  Gewicht  zu  legen 
scheint,  und  aus  den  Lagerungsverhältnissen ,  sondern  namentlich  auch  aus  den 
von  ihm  freilich  mit  einiger  Geringschätzung  behandelten,  aber  trotzdem  für  die 
Bestimmung  unserer  rhätischen  Schichten  so  höchst  wichtigen  organischen  Resten 
hervor;  diese  sind  im  Abzugscanal  der  Grube  „Marie"  außer  mehreren  anderen 
für  die  rhätische  Stufe  characteristischen  dieselben,  wie  jene  oben  genannten  bei 
iler  „Bartelszeche"  vorkommenden.  —  Auch  die  Angabe,  es  scheine  nach  den 
Lagerungsverhältnissen  und  der  Gesteinsbeschaffenheit  bei  der  „Bartelszeche"  von 
den  fraglichen  Schichten  bis  zu  den  Hilseisensteinen  keine  Unterbrechung  in  der 
Ablagerung  der  Schichten  stattgefunden  zu  haben  und  dieser  Umstand  befürworte 
gleichfalls  die  Deutung  der  ersteren  als  zur  Wälderformation  gehörig,  ist  nicht 
stichhaltig;  denn  selbst  wenn  jene  Schichten  zur  Wälderformation  gehörten, 
würde  d(,ch  zwischen  ihnen  und  den  darauf  lagernden  Eisensteinen,  welche  aner- 
kanntermaßen z\im  obersten  Hils  gehören  ,  eine  Lücke  in  der  vollständigen 
Schichtenfol;;e  vorhanden  sein.  Auch  ist  wohl  nicht  wahrscheinlich,  daß  feinkörnige 
Sandsteine  und  grobe,  cephalopodenreiche  Congiomerate  in  unmittelbarer  zeitlicher 
Folge  auf  einander  abgelagert  sein  sollten. 


über  die  norddeutsch.  Galeriten-Schichton  u.  ihre  ßrachiopodeii-Fauna.     191 

könnte  iiiüglichcr  Weise  dadurch  erklärt  werden,  daß  die  Seliiehten 
des  Lias  und  braunen  Jura  an  jenen  Stellen  durch  die  Gewässer  des 
Hilsmeeres  vollständig  weggewaschen  wären  und  die  Niederschläge 
des  letzteren  sich  sodann  unmittelbar  auf  die  rhätischen  Gesteine  auf- 
gelagert hätten.  Daß  in  der  Tliat  das  Hilsnieer  Gesteine  aller  dieser 
Schichten  weggeschwemmt  hat,  geht  unzweifelhaft  aus  den  darin 
gemengt  sich  findenden  gerollten  Petrefacten  aus  fast  allen  Horizon- 
ten hervor;  so  habe  ich  darin  z.  M.  AmnwmtesJoluistoui  S  o  w.,  anyii- 
latus  Schlot  h.,  Dacoei  S  o  w.,  margaritatus  M  o  n  t  f.  sp.,  spinatus 
Brug.  (die  beiden  letzteren  besonders  zahlreich);  ferner  zahlreiche 
Faiciferen-Formen,  deren  Erhaltungszustand  in  der  Regel  eine  speci- 
fische  Bestimmung  nicht  erlaubt,  Ämm.  cf.  Humphries(üius  So w., 
Amm.  Parkinsoni  Sow. ,  etc.  gesammelt.  —  Ob  es  aber  nicht 
bei  der  bedeutenden  Widerstandsfähigkeit,  die  man  z.  B.  den  ziem- 
lich mächtigen  und  sehr  festen,  in  diesem  Gebiete  auftretenden  Kal- 
ken der  unteren  Hälfte  des  mittleren  Lias  und  den  harten  sandigen 
Kalken  des  untersten  Lias,  deren  Reste  sich  ohnehin  in  den  Conglo- 
meraten  nur  sehr  selten  finden,  gegen  eine  solche  Action  zuge- 
stehen muß,  richtiger  ist,  das  erste  Auftreten  des  Festlandes  weiter 
zurück  in  die  rhätische  Epoche  zu  verlegen,  lasse  ich  dahin  gestellt. 
Eine  Discordanz  der  auf  einander  folgenden  Schichten,  die  für  diese 
Frage  entscheidend  sein  würde,  ist  noch  nirgends  beobachtet.  Daraus, 
so  wie  aus  der  Gesteinsbeschaffenheit  der  Ablagerungen,  welche  sich 
zuerst  aus  dem  Meere  niederschlugen,  das  diese  Gegenden  in  der  Periode 
der  unteren  Kreide  wieder  überfluthete  (Neocom-Conglomerate)  geht 
aber  hervor,  daß  dies  Festland  sich  wahrscheinlich  sehr  allmälig  und 
ziemlich  gleichmäßig,  aber  auch  nicht  sehr  tief  unter  das  Niveau  des 
Meeres  herabgesenkt  hat.  Wahrscheinlich  blieben  sogar  noch  hie  und 
da  kleine  Inseln  bestehen ;  wenigstens  läßt  sich  auf  diese  Weise  die 
Erscheinung,  daß  an  gewissen  Localitäten  die  ältesten,  an  gewissen 
anderen  aber  jüngere  Glieder  der  unteren  Kreide  unmittelbar  auf  den 
älteren  Gesteinen  ruhen,  wohl  am  einfachsten  erklären. 

Unter  den  übrigen  Aufschlußpunkten  der  Galeriten-Schichten 
sind  besonders  zu  nennen:  ein  Steinbruch  zwischen  Weddingen  und 
Beuchte  unweit  Vienenburg  (Hannover)  in  der  Ockerkette ');  ferner 

1)   Wegen  dieser  topographischen  Bezeichnung  s.  Zeitschr.  d.  d.  geol.  (ios.  XV,  1S63, 
p.  -iü3. 


192  S  e  ii  1  0  t' II  I.  :i  c  li. 

die  Umgebungen  von  Ahaus,  l)eson(lei\s  Gniös  und  Oeding  im  Re- 
gierungsbezirk Münster  (Westphalen).  Alle  übrigen  Localitäten  sind 
weniger  gut  aufgeschb)ssen  und  weniger  gut  bekannt.  Auch  von  den 
el)en  genannten  erscheint  für  stratigraphische  Beobachtungen  nur  die 
Loeab'tiU  in  der  Ockerkette  geeignet.  Die  Aufschlüsse  bei  den  west- 
phälischen  Orten  bestehen  in  einer  ziemlich  großen  Anzahl  von  Stein- 
brüchen, durch  die  aber  nur  dieGaleriten-Schichten  selbst  aufgedeckt 
sind,  ohne  daß  dieselben  das  Hangende  oder  Liegende  erkennen  ließen. 
Dieselben  sind  von  F.  Roemer  in  seinem  Aufsatze  über  „die  Kreide 
Westphalens"  ')  genauer  beschrieben  und  damals  als  wahrschein- 
liche Äquivalente  der  weißen  Schreibkreide  gedeutet  und  dem  Kreide- 
mergel von  Coesfeld  und  den  Baunibergen,  also  den  jüngsten  Glie- 
dern der  westphälischen  Kreide  gleichgestellt  worden,  nachdem  auch 
Geinitz  in  seinem  „Quadersandsteingebirge"  das  Vorkommen  als 
„obern  Kreidemergel"  bezeichnet  hatte.  Daß  diese  Altersbestimmung 
uin-iclitig  war,  sprach  Strombeck  an  der  früher  citirten  Stelle  in 
seiner  „Gliederung  des  Pläners"  aus,  wo  er  den  kreidigen  Kalken 
von  Graes  ihre  richtige  Stellung  im  „obern  Pläner"  (Galeriten-Pläner) 
anweist.  Übrigens  versicherte  mich  kürzlich  Herr  Professor  Hos  ins 
aus  Münster,  daß  auch  in  der  Gegend  von  Ahaus  der  rothe  Pläner 
unter  jenem  vorhanden  sei  und  sich  in  ganz  ähnlicher  Entwickelung 
zeige,  wie  nördlich  vom  Harze. 

Sehr  deutlich  ist  die  Auflagerung  des  Galeriten-Pläners  auf  dem 
rothen  Pläner  sichtbar  in  dem  Steinbruche,  welcher  sich  am  Fahr- 
wege zwischen  Beuchte  und  Weddingen  in  der  Ockerkette  befindet; 
die  Localität  wird  von  den  Umwohnern  „Schlangenberg"  genannt. 
Dort  sind  in  den  unteren  Schichten  des  Galeriten-Pläners  besonders 
die  Brachiopoden,  namentlich  Terebratula  Becksi  häufig,  in  den 
oberen  Echinodermen.  Das  unmittelbar  Hangende  der  letzteren  ist 
nicht  deutlich  aufgeschlossen,  dagegen  befindet  sich  in  nächster 
Nähe  auf  der  anderen  Seite  des  Weges  ein  Steinbruch,  in  dem  die 
oberen  Lagen  des  „Scaphiten-Pläners"  und  ein  Theil  des  „Cuvieri- 
Pläners"  (Zonen  des  Scaphltes  Geinitzi  und  des  Inoceramus  Cuvieri 
und  Micrustcr  cor  teiitudbmrlum)  aufgeschlossen  sind. 

Andeutungen  von  dem  Vorkommen  dos  Galeriten-Pläners  finden 
sich   auch   am  Harlyberge   bei  Vienenburg  (Hannover)   in   nächster 


0   Zeitschr.  d.  d.  ^eol.  Ges,  VI,  1834,  p.  20S. 


über  die  norddeutscli.  Galeriten-Schiclilon  u.  ihre  Brapliiopoden-Fauna.      103 

Nähe  des  großen  Eisenbahn-Durchschnittes  der  Linie  Braunschweig-. 
Harzburg.  Die  Verhältnisse  an  dieser  Localität,  auf  die  ich  noch  mit 
einigen  Worten  eingehen  muß,  sind  eigenthiimlicher  Art.  Der  ge- 
nannte Eisenbahn-Durchschnitt  deckt  nämlich  den  „oberen  Pläner" 
(im  Strom  beck'schen  Sinne)  in  einer  Längen -Erstreckung  von 
1Ö5  Schritten  auf,  und  zwar  sind  alle  Schichten  vom  rothen  Pläner 
mit  Inoceramus  labiatus  aufwärts  bis  zu  dem  „Cuvieri-Pläner"  mit 
Micraster  cor  teshidlnarmm  und  mit  den  Spongitaricn  deutlich  zu 
beobachten.  Etwas  weiter  nördlich  von  letzterem  liegt  sodann  noch 
eine  Mergelgrube  in  der  Nähe  der  Eisenbahn,  in  welcher  die  Mergel 
der  Zone  des  Micraster  cor  anguinum  und  Belemnites  Merceyi  ge- 
wonnen werden,  am  sogenannten  „Linsenkampe".  Bei  näherer  Be- 
trachtung findet  man  indessen  bald ,  daß  die  Lagerungsverhältnisse 
des  obern  Pläners  durchaus  nicht  ungestört  sind,  sondern,  wahrschein- 
lich unter  dem  Einflüsse  des  im  Liegenden  in  der  Nähe  befindlichen 
mächtigen  Gypsstockes  der  oberen  Buntsandstein-Bildungen  ziemlich 
verworren  erscheinen.  Das  Verdienst,  auf  diese  Thatsache  zuerst  auf- 
merksam geworden  zu  sein,  und  die  dortige  Reihenfolge  der  Schichten 
bestimmt  festgestellt  zu  haben,  gebührt  meinem  Vater,  dem  Ober-Salin- 
inspector  A.  Schloenbach  zu  Salzgitter.  Es  liegt  mir  ein  genaues, 
umstehend  gezeichnetes  Profil  dieses  Eisenbahn -Einschnittes  vor, 
welches  derselbe  bereits  im  Jahre  18S6  aufgenommen  hat  und  von 
dessenRichtigkeit  ich  mich  sj)äter  selbst  auf  wiederholtenExcursionen, 
die  ich  unter  seiner  Führung  gemacht,  überzeugen  konnte.  Danach 
beginnt  der  Einschnitt  südlich  mit  steil  aufgerichteten,  gegen  Norden 
einfallenden  Schichten  des  rothen  Pläners,  auf  den  dann  normaler 
„weißer  5ro?i^w/r<r^/-Pläner"  und  „Scaphiten-Pläner"  folgt.  Mitten  in 
diesem  treten  plötzlich  Knickungen  der  Schichten  ein  und  es  erscheint 
gleich  darauf,  auf  den  weißen  Scaphitenkalk  aufgelagert,  ein  grauer 
Mergelkalk,  steil  geschichtet,  der  die  Fauna  der  zum  unteren  (ceno- 
manen)  Pläner  gehörigen  Zone  (\es  Ammouites  Rotonuige/isif!  führt;  auf 
diesen  folgt,  wieder  mit  gestörter  Lagerung,  anscheinend  nach  Süden 
einfallend,  der  harte  weiße  Kalk,  welcher  von  Strombeck  in  dieser 
Gegend  als  oberstes  Glied  der  Cenomanschichten  betrachtet  und  mit 
dem  Namen  „armer  Rotomagensis-Pläner"  bezeichnet  ist.  Hiernach 
folgt,  abermals  in  discordanter  Lagerung,  sehr  steil  gegen  Süden  ein- 
fallend, weißer  Scaphiten-Pläner.  ofl*enbar  die  Fortsetzung  des  wei- 
ter südlich  erwähnten;  dann  mit  seliwäelierer  Neigung  gegen  Süden 

Sifzb.  d.  mntliem.-natiiiw.  Tl.  LVfI.  Bd.  I.  Abfh-  13 


194 


S  c  h  I  o  e  n  1»  a  c  h. 


iester  Mergelkalk,  der  in  jeder  Bezieluuig  den  unteren  Lagen  der 
Zone  des  Micr.  cor.  testudinarium  entspricht,  und  endlieh  die 
oberen  mergeligeren  Lagen  derselben  Zone,  Diese  ganze  letztere 
Partie,  von  der  nördlichen  Grenze  des  ^Rotomage^ms-?\v^\\QVli''  bis 
an  das  Ende  des  Durchschnittes  befindet  sich  ofTenbar  in  über- 
gekippter Lagerung,  indem  die  jüngeren  Gesteine  immer  die  älteren 
zu  unterteufen  scheinen.  Erst  in  der  bereits  erwähnten  Mergelgrube 
am  Linsenkamp  ist  das  Einfallen  der  Mergel  der  Zone  des  Micraster 
cor  anguinum  wieder  ein  normales  nördliches. 

In  diesem  Durchschnitte  nun  ist  keine  Spur  der  Facies  des 
Galeriten-Pläners  bekannt.  Steigt  man  dagegen  am  südlichen  Aus- 
gange den  westlichen  Abhang  des  Berges  hinan,  so  wird  man  ober- 
halb des  Durchschnittes  auf  einige  Felsen  stoßen,  die  aus  dem  Wald- 
boden hervorragen  und  aus  hellröthlichen  Gesteinen  bestehen.  In 
diesen  Gesteinen  finden  sich  nicht  selten  große,  schöne  Exemplare 
der  Terebratula  Becksi  und  —  anscheinend  in  derselben  Schicht 
—  Galerites  subrotundiis  und  Galerites  Rotomagensis ,  also  zwei 
Arten,  welche  in  dem  eigentlichen  Galeriten-Pläner  nicht  vorkom- 
men, sondern  der  nächst  tieferen  Zone  des  Inoceramus  labiatus 
angehören. 

Bei  den  überhaupt  abnormen  V^erhältnissen  an  dieser  Localität 
wäre  es  wohl  voreilig,  bestimmt  anzunehmen,  daß  hier  Terebratula 
Becksi,  welche  an  keinem  anderen  Fundorte  im  rothen  Pläner  be- 
kannt geworden  ist,  wirklich  bereits  in  der  Zone  des  Inoceramus 
labiatus  gelebt  habe.  Vielmehr  scheint  es  mir,  daß  nur  eine  ein- 
gehendere Local-Untersuchung,  die  allerdings  an  der  betreffenden 
Örtlichkeit  mit  einigen  Schwierigkeiten  verbunden  ist,  aber  gewiß 
interessante  Resultate  ergeben  würde,  das  Abweichende  in  den 
dortiffen  Verhältnissen  erklären  könnte. 


fTo  SeJirittc. 

a.  Grauer  Pläner  mit. 1mm.  Äo^omagre/isis,-  b.  Krmer  Rotomagen8is-P\?tnev  {S  ir 
c.  Rother  Pläner  mit  Tnoc.  labiatus;  d.  Weißer  Pläner  mit  Iiioc.  Bromjniarti ;  e.  Sc: 
Pläner ;  f.  Harter  und  f' .  Loser  mergeliger  Cuvieri-?\?mtr. 


o  mh.); 
phiten- 


über  die  norddeutsch.  Giileritcii-Scliicliteii  u.  ilire  l5r;ic'liioiio(len-Fiiuna.      191) 


II.  Paläontologischer  Theil. 

Kritisches  Verzelchniss  der  in  den  norddeutschen  Galeriten-Schichten 
vorkommenden  Brachiopoden-Arten. 

Im  ganzen  Gebiete  der  norddeutschen  Kreideformation  finden 
sieh  wohl  nur  wenige  Schichten,    die  in  Bezug  auf  den  Reiclithum 
ihrer  Brachiopoden-Fauna  den  Galeriten-Schichten  den  Rang  streitig 
machen  können,  und  zwar  gilt  dieser  Satz  vorzugsweise  hinsichtlich 
der    großen    Anzahl    an    Individuen.    Wenn    schon   überhaupt   die 
Galeriten-Schichten    im    Vergleich   mit   den  übrigen   Gliedern  des 
„oberen  Pläners"  (im  Strombeck'schen  Sinne)  als  sehr  reich  an 
Versteinerungen  bezeichnet  werden   müssen,   so  beträgt  die  Menge 
der   darin  vorkommenden  Brachiopoden   weit  über  die  Hälfte  aller 
organischen  Reste,  und  nur  die  Echinodermen  und  wieder  unter  die- 
sen nur  jene  Formen,  welche  den  Namen  für  die  allgemein  gebräuch- 
lich gewordene  Bezeichnung  dieser  Facies  der  Zone  des  Inoceramus 
Broiigniarti  und  Ämmonites  Woollgarei  hergegeben  haben,  können 
daneben  in   Betreff  ihrer  Wichtigkeit  in    Betracht  kommen.    Zum 
Beweise  dessen  mögen  nachstehende  Zahlen  dienen,  welche  die  rela- 
tive  Anzahl   der   an   einer   zwar  ziemlich   gut  ausgebeuteten,  aber 
räumlich   ziemlich   beschränkten    Localität,   am   Fleischerkamp   h'ei 
Salzgitter  (Hannover),  im  Laufe  einiger  Jahre  von  meinem  Vater  und 
mir  in  den  Galeriten-Schichten  gesammelten  besser  erhaltenen  Exem- 
plare  einiger    der   wichtigsten   Petrefacten- Arten    angeben.    Unter 
4000  Stück  Petrefacten  von  dort  befinden  sich  nämlich  : 
1252    Terebratiila  subrotunda; 
1209   Galerites  albogalerus; 
627  Rhynchonella  Cuvieri; 
410   Terebratiila  Bechsi; 
132  Megei'Ieia  lima; 
102  Ananchytes  gihba; 
80  Fischzähne  verschiedener  Arten ; 
38  Holaster,  verschiedene  Arten; 
35   Cyatispongin  bursa ; 
34  iVicraster,  verschiedene  Arten; 
23  Rhynchonella  plicatilis; 

13* 


1  9  G  S  c  h  1  ü  e  n  1»  a  c  h. 

22   Terebrntuluui  chrysulis ; 
12   Terebratula  (?)  deßnxa; 

9   TerebratuUna  rigifia; 

d  Scaphites  Gcinilzi; 

4  Cardinster  sp. ; 

4  Inftdaster  sp. ; 

1  Disciua  alta; 
etc.,  etc.,  etc. 
Inoceramus  Brongniarti  ist  in  dieser  Liste  niclit  mit  genannt, 
Avei!  derselbe  zwar  sehr  häufig  ist,  aber  fast  stets  so  schlecht  erhal- 
ten, daß  man  es  selten  der  Mühe  werth  hält,  ein  Exemplar  mitzu- 
nehmen und  daher  die  Zählung  der  in  der  Sammlung  befindlichen 
Exemplare  einen  sehr  unrichtigen  Begriff  von  seiner  Häufigkeit  geben 
würde.  Es  darf  wohl  als  annähernd  richtig  bezeichnet  werden,  wenn 
man  seine  Verhältnißzahl  zwischen  150  und  200  setzt.  Alle  anderen 
Gattungen,  von  denen  namentlich  noch  Ammonites  (als  Seltenheit 
Amrn.  peramplus),  Aptychus,  Spondylas,  Pecten,  Ostrea,  Cidaris, 
Sidenia,  Parasmilia,  Cribrospoiigia  etc.  vorkommen,  sind  von  sehr 
untergeordneter  Bedeutung.  Zweimuskelige  Bivalven  sind  fast  gar 
keine  vorhanden.  Die  Galeriten-Schichten  müssen  somit  als  eine 
ausgezeichnete  Brachiopoden-  und  Echinodermen-Facies  bezeichnet 
werden. 

In  dem  „weißen  Brongiiüirti-WiiW'dv'' ,  dem  in  Norddeutschland 
weit  verbreiteteren  Äquivalente  der  Galeriten-Schichten,  treten  da- 
gegen die  Brachiopoden  und  Echinoderinen  an  Häufigkeit  sehr  gegen 
die  Inoceramen  zurück;  dagegen  treten  Cephalopoden  in  denselben 
in  etwas  größerer  Häufigkeit  auf,  namentlich  Ammonites  peramplus. 
Noch  größer  wird  der  Facies-Unterschied,  wenn  man  sich  weiter 
nach  Süden  wendet.  Denn  in  Böhmen,  wo  nach  meinen  Untersuchun- 
gen die  Äquivalente  des  Galeriten-  und  weißen  Bronguiarti-Wdwev» 
in  der  kürzlich  von  Gümbel  ')  näher  festgestellten  mittleren 
Schicht  (4)  der  mittleren  Stufe  (H)  der  Plänerliildimgen  zu  finden 
sind,  haben  wir  es  vorzugsweise  mit  einer  Cephalopoden-  und 
Bivalven-Facies  zu  thun. 

Da  nun  also  in  unseren  norddeutschen  Galeriten-Schichten  die 
Brachiopoden   unstreitig   mit   den    Echinodermen    die   größte   Rolle 


0    Neues  Jalirbuch  für  Min.  1867,  p.  797. 


über  die  norddeutsch.  Galeriten-Schiehten  u.  ihre  Brachiopoden-Fauna.     19^ 

spielen,  die  Kenntniß  derselben  aber  bis  jetzt  keineswegs  dem  in 
neuerer  Zeit  so  sehr  vorgeschrittenen  Standpunkte  unserer  Er- 
fahrungen über  diese  Thierelasse  entsprach,  so  schien  es  mir  nicht 
unwichtig,  die  in  unseren  norddeutschen  Galeriten-Schiehten  vorkom- 
menden Arten  einem  genaueren  Studium  zu  unterziehen,  dessen  Re- 
sultate auf  den  nachfolgenden  Blättern  enthalten  sind.  Vielleicht  ist 
es  mir  vergönnt,  später  einmal  auch  die  übrigen  organischen  Reste 
in  ähidicher  Weise  zu  bearbeiten.  Namentlich  würde  eine  speciellere 
Untersuchung  der  Echinodermen  von  großem  Interesse  sein. 

Bevor  ich  mich  zur  Besprechung  der  einzelnen  Arten  wende, 
sei  es  mir  gestattet,  eine  übersichtliche  Tabelle  ihrer  verticalen  Ver- 
breitung, wie  sich  solche  aus  der  V^ergleichung  mit  den  in  anderen 
Schichten  der  Kreide-Formation  vorkommenden  Formen  ergeben  hat, 
mit  wenigen  erläuternden  Worten  hier  voranzustellen.  Die  Zahl  sämmt- 
licher  mir  aus  den  Galeriten-Schiehten  bekannt  gewordenen  Arten 
beträgt  zwölf.  Von  diesen  erscheinen  nach  den  bisherigen  Beobach- 
tungen nur  zwei  sicher  ganz  ausschließlich  auf  die  Galeriten- 
Schiehten  beschränkt,  Terebratula  (?)  defliuva  und  Rhynchonella 
ventriylanata ;  höchstwahrscheinlich  darf  aber  auch  Terebra- 
tula Becksi  zu  diesen  gerechnet  werden.  Zugleich  treten  diese  ge- 
nannten Arten  nur  in  Begleitung  der  Galeriten  auf  und  sind  der  Fa- 
cies des  „weißen  Bro)igniarti-P\iiners''  durchaus  fremd.  Auch  die 
horizontale  Verbreitung  dieser  Arten  ist  eine  sehr  beschränkte,  da 
sie  mit  Ausnahme  eines  einzigen  in  Frankreich  gefundenen  Exem- 
plars von  Terebratula  Becksi  alle  drei  nur  im  nordwestlichen 
Deutschland  gefunden  werden.  Die  übrigen  Arten  besitzen  fast  alle 
eine  große  verticale  und  horizontale  Verbreitung;  nur  Terebratula 
Carteri  und  Discina  alta  machen  hievon  eine  Ausnahme.  Letztere, 
die  sich  übrigens  in  Folge  ihrer  großen  Kleinheit  leicht  der  Beobach- 
tung entzieht,  ist  bis  jetzt  nur  aus  den  Umgebungen  von  Salzgitter 
bekannt,  wo  sie  in  zwei  unmittelbar  auf  einander  folgenden  Schichten 
vorkommt.  Es  ist  bekannt,  daß  auch  die  lebenden  Arten  dieser  Gat- 
tung eine  sehr  geringe  horizontale  Verbreitung  haben.  Terebratula 
Carteri  dagegen  besitzt  zwar  eine  ziemlich  geringe  verticale  Ver- 
breitung, kommt  aber  in  ziemlich  weit  von  einander  entfernten  Ge- 
genden gleichzeitig  vor. 


198 


S  c  li  I  o  p  II  Ii  a  e  h. 


1. 

2, 

3. 

4. 

Ii. 

0. 

7- 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 

Tcrcbratiila  (  Tliiia.J  rigida  S  o  \v. 
^        „            chri/salis  S  e  li !  o  t  li 

sp.   .. 
sp.  .. 

1 

Ii 

111 

IV 

V 

* 

? 
1 

* 

? 

* 

* 
* 

* 

„     Becksi  A.  R  0  e  m 

„  (?)  defluxa  S  c  h  1  o  e  n  b.  sp. 
„     fiMeffO'l.J  lima  D  e  f  r 

IlOV.     . 

Jthijnchonella  Cuvieri  0  r  b 

„  vetitriplannta  S  c  h  1  o  e  n  b.  s 
„     plicatilis  S  0  w.  s  p 

3.  nov. 

Urania  Parisiensis  D  e  f  r 

üiscina  alta  S  c  h  1  o  e  n  b.  sp.  nov. 

Anmerkung.  Ein  Stern  *  in  Columne  I  bedeutet  das  Vorkommen  in  dem  cenomanen 
Pläner,  11  in  der  Zone  des  Inoc.  labiatus,  111  in  der  Zone  des  Amm.  WooUyarei, 
wo  solche  nicht  als  Galeriten-Facies  entwickelt  ist,  IV  in  der  Zone  des  Scaphües 
Geinitzi,  V  in  jüngeren  Kreideschichlen. 

1.  Terebratala  (Terebratallna)  rigida  Sow.  sp. 
Taf.  1,  Fig.  1,  2. 
1829.   Terebraliila  rigida.  Sow.,  Min.  C.  VI,  p.  69,  t.  S36,  f.  2. 
1866.   Terehratulina  rigida  Sch\ Od nh.,  Krit.  Stud.,  p.  17,  t.  I,  fig.  10— 17. 

Palaeontographica  XIII,  6,  p.  283,  t.  38,  f.  10—17. 

Bemerkungen  und  Vorkommen.  Nach  meinen  früheren 
Mittheilungen  über  diese  Art  a.  o.  a.  0.  habe  ich  hier  nur  Weniges 
zu  bemerken.  Sie  muß  im  Galeriten-Pläner  geradezu  als  eine  Selten- 
heit bezeichnet  werden.  Es  liegen  mir  aus  dieser  Schicht  nur  20 
Exemplare  vor,  welche  von  Ahaus  (Westphalen),  aus  der  Gegend 
von  Salzgitter  (Hannover)  und  von  Beuchte  unweit  Goslar  (Hanno- 
ver) stammen;  dieselben  gehören  ausschließlich  meinen  Varietäten 
a  und  7  an. 

2.  Terebratala  (Terebratulina)  clirysalis  Schloth.  sp. 
Taf.  1,  Fig.  3-3. 
1813.    Terebralif  Utes  c/irysalis  Schloth. ,  in  Leonii.  Tascbenb.,  VII,  p.  113. 
1866.   Terehratulina  chrf/salin  Schlocnb.,  Mrlt.  Stud.,   p.  11,  (.  I,  fig.  3—4; 
Palaeontogr.  XIII,  6,  p.  277,  t.  38,  f.  3,  4. 

Bemerkungen  und  Vorkommen.  Auch  bei  dieser  Art  ver- 
weise  ich  wegen  der  ausführlicheren  Beschreibung   und   sonstigen 


I 


über  die  norddeutsch.  Galeriteii-Schichten  ii.  ihre  Brachiopoden-Fauna.       1  9»' 

Angaben  auf  meine  oben  citlrte  frübere  Arbeit  und  kann  mich  daber 
bier  auf  einige  Notizen  über  ihr  Vorkommen  im  Galeriten-Pläner 
beschränken.  Obgleich  mir  über  70  Exemplare  von  Ahaus,  aus  der 
Gegend  von  Salzgitter  und  von  Beuchte  unweit  Goslar  aus  dieser 
Schicht  vorliegen,  gehört  sie  darin  doch  zu  den  verhältnißmäßig  sel- 
teneren Erscheinungen,  wenn  man  berücksichtigt,  wie  große  Mengen 
von  den  anderen  Arten  mir  zur  Verfügung  gestanden  haben.  Die 
vorhandenen  Exemplare  gehören  ihrer  Mehrzahl  nach  derjenigen  Varie- 
tät an,  welche  Terebratida  striatula  Mant.  entspricht;  doch  sind 
auch  fast  alle  anderen  Varietäten,  namentlich  z.  ß.  TerehratuUna 
elegans  Orb. ,  Faujasi  Roem.,  Defrcmcei  B von gn.,  ainnculata 
Roem.  etc.  durch  entsprechende  Formen  vertreten. 

3.  Terebratala  snbrotanda  S  o  w. 
Taf.  i,  Fig.  6—12. 

1813.    Terebratida  siibroümda  Sow.,  M.  C.  I,  p.  4S  z.  Tb.,  t.  IS,  fig.  1  (non 
fig.  2). 

—  „         mhundata  Sow.,  M.  C.  I,  p.  47,  t.  13,  fig.  7. 

—  „         semigJobosa  Sow.,  M.  C.  I.,  p.  48,  t.  1 5,  fig.  9. 
1833.  „  „         B  u  c  h ,  Üb.  Terebr.,  p.  96. 

1837.  „  „         Bronn,  Leth.  geogn.  p.  6S7,  t.  30,  fig.  11. 

—  „  carnea  Bronn,  Leth.  geogn.  p.  6S4  z.  Tb.  t.  30.  fig.  13. 
1841,  „  semiglobosa  k.  Roem. ,  Kreid.,  p.  43. 

—  „  intermedia  A.  Roem.,  Kreid.,  p.  43. 

—  „  carnea  A.  Roem.,  Kreid.,  p.  44  z.  Tb. 

—  „  ow«/a  A.  Roem.,  Kreid.,  p.  44  z.  Tb. 

—  „  minor  A.  Roem.,  Kreid..  p.  44  z.  Th.  (Fundort  Alfeld.) 
1846.  „  carnea  Reuss,  Verst.  böbm.  Kr.  II,  p.  oO  z.  Th.,  f.  26. 

fig.  9-11. 

—  „         s2ibrotiinda  Reuss,  Verst.  böhm.  Kr.  II,  p.  SO. 

—  „         punctata  Reu  SS,  Verst.  böhm.  Kr.  II,  p.  Sl. 

—  „         clongata  Reuss,  Verst.  böhm.  Kr.  II.  p.  Sl. 

—  „         semiglobosa  Reuss,   Verst.   böbm.  Kr.   II,    p.  Sl   z.  Tb. 

l.  26.  fig.  S-8. 

—  „         snbiindafa  Reuss,  Verst.  bÖhm.  Kr.  II,  p.  Sl. 

—  „         obesa  Reuss,  Verst.  böhm.  Kr.  II,  p.  Sl. 

—  „         acuta  Reuss,  Verst.  böhm.  Kr.  II,  p.  Sl. 

1850.  „         carnea  Geinitz,    Quadersandst. ,    p.   214  z.  Th.    (mit 

Ausnahme  der  außerdeutschen  und  der  Fundorte:  Lin- 
dener  Berg,  Lemförde,  Vaels,  Rügen). 

18S7.  „         semiglobosa  u.  carnea  Stromb. ,  Zeitschr.  d.  geol.  Ges. 

IX,  p.  416,  417  und  Neues  Jahrb.,  p.  780,  787. 


200  Schlo  e  nbach. 

1865.    Terebratula  semiglübüsa  ii.  ovata  Heinr.  Credn.,  Erläulcr.  z.  geogn. 
Karte  von  Hannover,  p.  40. 
—  „         semiglohosa  \\.  c«r«f'ftz.Tli.  der  meisten  deutsch.  Geologen. 

Bemerkungen,  Zu  der  Beschreibung  und  den  Darstellungen, 
welche  Davidson  von  dieser  in  ihren  Formverhältnissen  so  außer- 
ordentlich variabeln  Art  gibt  (Monogr.  Cret.  Brach.,  p.  64,  t.  8, 
1.  6 — 18),  in  deren  Auffassung  ich  ganz  mit  dem  ausgezeichneten 
englischen  Paläontologen  übereinstimme,  habe  ich  einige  Ergänzun- 
gen in  Betreff  des  inneren  Baues  mitziitheilen;  auch  habe  ich  mich 
veranlaßt  gesehen,  statt  des  von  ihm  adoptirten  Namens  T.  semi- 
glohosa dem  Prioritätsrechte  gemäß  T.  subrotiinda  aufzunehmen. 

Zunächst  ist  es  mir  gelungen,  theils  durch  Schliffe,  theils  durch 
Präparation  angewitterter  Stücke  die  Schleife  vollständig  kennen  zu 
lernen.  Sie  ist  derjenigen  der  Terebratula  carnea  so  wie  der  lebenden 
T.rltrea  (die  auch  im  Äußeren  unserer  Art  zum  Verwechseln  gleicht) 
ungemein  ähnlich  und  besteht  aus  zwei  sehr  kurzen,  schwach  divergi- 
renden,  ansteigenden  Lamellen,  welche  etwa  in  der  Mitte  kurze  stumpfe 
Fortsätze  tragen  und  ungefähr  bei  i/g  der  Länge  der  kleinen  (Dor- 
sal-) Klappe  durch  eine  schwach  gegen  den  Schnabel  zurück  ge- 
krümmte Lamelle  (Brücke  bei  Suess)  mit  einander  verbunden  sind. 
Alle  diese  Lamellen  sind  im  Verhältniß  zu  ihrer  Länge  sehr  breit. 
In  der  kleinen  Klappe  sind  die  beiden  Adductor- Eindrücke  sehr 
kräftig,  aber  ziemlich  klein,  und  ganz  von  den  großen  Ovarien 
umgeben.  Von  den  Adductor-Eindrücken  aus  laufen  zwei  divergi- 
rende  schmale  Furchen  gegen  die  Stirn  hin,  und  in  der  Mitte  zwi- 
schen diesen  und  den  Rändern  der  Schale  fügen  sich  zu  diesen  noch 
zwei  ähnliche  schwächere  hinzu,  die  nicht  immer  deutlich  zu  erken- 
nen sind.  In  der  großen  (Ventral-)  Klappe  zeichnen  sich  zwei  vom 
Sclmabel  ausgehende  divergirende  Furchen  aus, welche  etwa  i/^ — 1/5 
der  Schalenoberfiäclie  einschließen  und  zwischen  denen  die  Muskel- 
eindrücke sich  befinden;  auch  ihnen  schließen  sich  seitlich  noch  zwei 
ähnliche  schwiich'ere  Furchen  an.  Die  Lage  der  Muskel  stimmt  mit 
derjem'gen  von  Terebr.  vitrea  und  cariiea  überein.  Die  Adductor- 
Male  liegen  zunächst  der  Schnabelspitze  inid  berühren  einander.  Die 
Relraclor-Male  liegen  näher  nach  der  Slirn  zu,  also  mehr  nach  vorn; 
die  Stielmuskel-Male  lehnen  sich  an  die  inneren  Seiten  der  Median- 
furchen an,  und  liegen  zwisclien  den  beiden  anderen  Paaren.  Die 
Ovarien  nelimen  seitwärts  von  den  Hauplfurchcn  einen  noch  grüße- 


über  die  norddeutsch.  Galeiiten-Schichteii  u.  ihre  Bracliiopoden-Fauna.      ^01 

ren  Raum  ein,  als  in  der  anderen  Klappe.  Die  Schale  ist  bei  beiden 
Klappen  meist  in  der  Wirbelgegend  ziemlich  stark  verdickt;  doch 
variirt  dies  sehr,  da  sie  namentlich  bei  den  flachen  Formen  in  der 
Regel  überall  dünn  bleibt. 

Von  den  echten  Terebrateln  hat  E.  Deslongchamps  bekannt- 
lich seit  einiger  Zeit  die  Section  Epithyris(W  Coy),  als  deren  Typus 
er  Terebratida  vitrea  annimmt,  abgetrennt,  anscheinend  ohne  zu  be- 
rücksichtigen, daß  nach  Davidson  gerade  Terebratula  vitrea  als 
Typus  von  Terebratula  Lhwyd  gilt.  —  Der  Nnme  Epithyris  wurde 
zuerst   1841   von  Phillips  (Figs.  and  Descr.  of  the  Palaeoz.  Foss., 
p.  54)  aufgestellt  für  eine  Gruppe,  welche  mit  Clelothyris  (^^=  Atrypa 
Dalm.)  und  Hypothyris  (=  Rhynchonella  Fisch.)   den  Namen 
Terebratula  (im  Sinne  L.  von  Buch's)  ersetzt  und  sich  von  ersterer 
Gruppe  durch  die  nicht  bis  an  die  Schloßlinie  reichende  Durchbohrung 
des  Schnabels,  von  Hypothyris  aber  durch  den  abgestutzten  durch- 
bohrten Schnabel  unterscheiden  sollte.  Epithyris  Phill.  würde  daher 
in  diesem  Umfange  die  ganze  große  Gattung  Terebratula  im  neueren 
Sinne   mit  fast  allen  Deslongchamps'schen  Sectionen  umfassen. 
Später  wurde  nun  von  King  und  M'  Coy  die  Bedeutung  des  Namens 
Epithyris    enger  begrenzt,   indem    derselbe   ausschh'eßlich   für  be- 
stimmte Sectionen  benutzt  wurde.    So  schlug  King  i)  vor,  ihn    für 
eine  genau  beschriebene  Formengruppe  zu  fixiren,  als  deren  Typus 
Schlotheim's  Terebratulites  e^72<7rt^«s  angenommen  wurde.  Indes- 
sen sollte  consequenter  Weise  eine  solche  engere  Begrenzung  eines 
vorhandenen  Gattungsnamens  nur  in   der  Weise  zulässig  sein,  daß 
derselbe    auf  diejenige  Abtheilung  angewendet  würde,  welcher   die 
von  dem  Autor  des  Namens  zuerst  angeführten  Beispiele  angehören 
—  ein  Princip,  das  King  in  Bezug  auf  den  Phillips'schen  Namen 
nicht  befolgt  hat.  Diese  oder  ähnliche  Erwägungen  scheinen  I\PCoy  2) 
veranlaßt  zu  haben,  für  diese  Abtheilung  seinen  schon  früher  aufge- 
stellten, aber  ungenügend  begründeten  Namen  6'<?w</«</a  in  V' erschlag 
zu  bringen ,  und  dagegen  Epithyris  für  diejenige  Section  gelten  zu 
lassen,  aufweiche  auch  Eug.  Deslongchamps  diesen  Namen  an- 
gewendet hat. 

Wenn    man   indessen    die  Beschreibungen,  welche  Deslong- 
champs von  seinen  beiden  Sectionen  Terebratula  und  Epithyris  in 

*)   Monogr.  Perm.  Foss.,  1830,  p.  146. 

-)    Brit.  Palaeoz    Foss.  in  the  Mus.  of  t^aniLr.,  1855,  p.  408. 


202  Seh  lo  en  1.  ach. 

(1er  Paleontologie  fran^aise  gibt,  aufmerksam  durchliest,  so  sieht 
mau,  daß  danach  die  einzigen  Unterschiede  zwischen  beiden  fol- 
gende sind: 

1.  Das  Foramen  ist  bei  Terebrutula  ziemlich  groß,  bei  Epi- 
thyris  mäßig  oder  sehr  klein. 

2.  Das  Armgerüst  besteht  aus  zwei  ansteigenden  Lamellen, 
welche  bei  Tcrebratula  mit  der  breiten  Brücke  (harre  transversale) 
durch  zwei  sehr  kurze  rückkehrende  Lamellen  verbunden  sind,  wäh- 
rend sie  bei  Epithyris  direct  an  die  leicht  gebogene  Brücke  befesti- 
get sind. 

3.  Der  Schloßfortsatz  (apophyse  calcaneenne)  ist  bei  Terehra- 
tnla  wenig,  bei  Epithyris  oft  sehr  stark  entwickelt. 

4.  Im  Innern  der  kleinen  Klappe  befinden  sich  bei  Epithyris 
vier  mehr  oder  weniger  deutliche  radiale  Längsfurchen ,  welche  bei 
Terehratula  fehlen. 

Zunächst  ad  L  bemerke  ich,  daß  nach  Des  Ion  gc  harn  ps'  eige- 
nen Angaben  und  Beobachtungen  i)  Epithyris  curvifro?is  durchaus 
kein  so  kleines  Foramen  besitzt,  und  daß  bei  seiner  Section  Tere- 
hratula das  Foramen  gar  nicht  immer  größer  ist. 

Ad  2.  Epithyris  subovo'ides  Eng.  Desl.  (=  Terehratula  sul- 
ccUifera  Schloenb. ,  non  Terehratula  suhovo'ides  A.  Roem.)  hat, 
wie  zahlreiclie  mir  vorliegende  französische  und  deutsche  Exemplare 
beweisen,  sehr  deutlich  ausgebildete  rückkehrende  Lamellen,  wie 
Deslongchamps  selbst  übrigens  (Brach,  jur. ,  t.  38,  f.  2)  sehr 
richtig  zeichnet. 

Ad  3.  Ist  nach  Deslongchamps  selbst  kein  constantes 
Merkmal. 

Ad  4.  Auch  dies  Merkmal  ist  sehr  inconstant,  da  D  e  s  1  o  n  g  c  h  a  m  p  s 
selbst  diese  vier  Furchen  bei  seiner  Epith.  subovo'ides  (1.  c.  t.  37, 
f.  4  a,  t.  38,  f.  1  b)  nicht  zeichnet.  Bei  Terehratula  suhrotunda 
sind  dieselben  oft  sehr  deutlich,  oft  gar  nicht  erkennbar. 

Wenn  hiernach  Terebratida  stibrotunda  im  Del  ongchamps' 
sehen  Sinne  zur  Section  Epithyris  M''  Coy  (non  Epith.  King)  ge- 
zogen werden  müßte,  so  dürfte  anderseits  aus  obiger  Auseinander- 
setzung hervorgehen,  daß  diese  Section,  abgesehen  von  der  incorrec- 


1)   Brachion.jur.iss.  (Paleoiit.  iVaiif.),  |).  IST,  t.  49,  f.  1  —  8,  und  Etudes  eiit.,  p.  32, 
t.  9,  f.  1—8. 


über  die  norddeutsch.  Galeriten-Scliicliteii  u.  ihre  r.raeliioiiodon-F'auna.     liijo 

teil  Ainveiulung  des  Namens  auf  diese  Abtlicihiiig,  nicht  dieselben 
Ansprüche  auf  Anerkennung  als  gleichwerthige  Section  neben  der 
eigentlichen  Terebratula  hat,  wie  die  übrigen.  Ich  schließe  mich  daher 
Davidson  an,  der  diese  Abtheilung  einfach  mit  Terebratula  im 
engeren  Sinne  vereinigt. 

Da  Davidson  sich  über  die  Synonymik  dieser  Art  und  über 
ihre  Beziehungen  zu  den  nahestehenden  Formen  ziemlieh  ausführlich 
ausgesprochen  hat,  so  brauche  ich  darüber  nicht  Vieles  hinzuzufügen. 
—  Zunächst  führt  Davidson  selbst  unter  seinen  Citaten  T.  subro- 
tnnda  Sow.  an,  deren  erste  Figur  ohne  Zweifel  die  Art  darstellt,  mit 
der  wir  uns  hier  beschäftigen.  DaßSowerby  sodann  irrthümlich  auch 
noch  andere  Formen  damit  vereinigt  hat,  kann  nach  dem  bestehenden 
Gebrauche  kein  Grund  sein,  den  Namen,  welcher  die  Priorität  vor 
T.  semiglobosa  hat,  zu  verwerfen.  Ich  glaube  daher  consequenter 
Weise  den  Namen  T.  siibrotiinda  aufnehmen  zu  sollen. 

Außer  den  von  dem  ersten  Autor  der  Species  gegebenen  Namen 
habe  ich  oben  in  der  Synonymen-Liste  nur  einige  der  wichtigsten 
deutschen  Citate  angeführt,  da  die  übrigen  bei  Orb.igny  und  Da- 
vidson leicht  nachgelesen  werden  können.  Von  anderen  möchte  ich 
noch  Terebratula  Bolliana  Uagenow  i)  hervorheben,  welche  spä- 
ter von  Boll  ~)  mit  Terebr.  albenus  Leym.  identificirt  und  als  ver- 
schieden von  T.  subrotimda  (semiglobosa)  betrachtet  wird.  Ob- 
gleich Boll  eine  Vereinigung  mit  dieser  letzteren  Art  „ganz  unmög- 
lich" hält,  kann  ich  doch  nach  sorgfältiger  Untersuchung  von  weit 
über  tausend  Exemplaren  nicht  umhin  mich  Davidson's  Ansicht 
anzuschliessen,  der  die  betreffende  englische  Form  (auf  deren  Ab- 
bildung sich  Boll  bei  seiner  Beschreibung  bezieht)  für  nicht 
specifisch  verschieden  vom  Typus  der  T.  subrotimda  hält.  Aus  den 
z.  B.  bei  Salzgitter  vorkommenden  Exemplaren  eine  continuirliche 
Reihe  von  Übergängen  von  Formen  wie  Davidson  t  8,  f.  IS  und 
Ifi  zu  t.  8,  f.  6 — 9  zusammen  zu  stellen  ist  durchaus  nicht  sch^ver, 
da  keines  der  von  Boll  angeführten  Unterscheidungs-Merkmale  con- 
stant  ist.  Im  Berliner  mineralogischen  Cabinete  zeigte  mir  Herr  Pro- 
fessor Beyrich  die  von  Boll  an  ihn  eingesendeten  Exemplare 
von  „Terebr.  Bolliana",  welche  vollständig  mit  den  Vorkommnissen 
unseres  Galeriten-Pläners  übereinstimmen.  Auch  die  feine  Streifung, 

1)    Boll,  Mekl.  Archiv  VII,   p.  7S. 
")  Ibid.  X.   p.  42. 


204  Schloenbach. 

welche  Boll  an  den  mecklenburgischen  Exemplaren  beschreibt  (var. 
striatnlaj,  kommt  bei  uns  vor,  wenn  auch  seltener.  —  Ahnliches 
gilt  von  Terebi'fiiulajulinensis  Hag.  ')• 

Wegen  der  Unterschiede  der  T.  subrotimda  von  Ter.  caniea, 
die,  einmal  aufgefaßt,  immer  unschwer  zu  erkennen  sind,  verweise 
ich  auf  Davidson.  Die  Citate  der  T.  carnea  aus  dem  norddeutschen 
Pläner  dürften  sich  ohne  Ausnahme  auf  T.  suhrotundn  beziehen, 
da  mir  in  diesen  Schichten  nie  eine  Spur  der  echten  T.  carnea  vor- 
gekommen ist.  Auch  was  Bronn  in  der„Lethaea"  auf  t.  30,  f.  13  als 
T.  carnea  abgebildet  hat,  ist  entschieden  nicht  diese,  sondern  die 
große  runde  Varietät  der  T.  siihrotimda,  wie  sie,  der  Abbildung  genau 
entsprechend,  so  häufig  im  norddeutschen  oberen  Pläner  vorkommt. 
Übrigens  äußerte  Bronn  selbst  schon  in  seiner  zweiten  Auflage  der 
Lethaea,  p.  6^4,  Bedenken,  ob  das  abgebildete  Exemplar  wirklich  zu 
T.  carnea  gehöre. 

Vorkommen.  Terebratula  subrotimda  ist  eine  der  häufigsten 
und  verbreitetsten  Brachiopoden-Arten  der  Kreideformation.  Unmit- 
telbar über  den  obersten  Schichten  des  unteren  (cenomanen)  Pläners 
mit  Amm.  Rotomagensis,  ja  möglicher  Weise  sogar  schon  in  diesen 
selbst  beginnend,  findet  sie  sich  in  den  nächst  höheren  Schichten 
über  dem  rothen  Pläner  mit  Inoceramus  labiatus,  in  den  „weißen 
ß7"o//^/»V«"/ /-Schichten"  mit  Inoceramus  Brongniarti  und  Atnmonltes 
WooUgarei  sehr  häufig.  Ganz  besonders  mannigfaltig  in  ihren  For- 
men und  häufig  tritt  sie  aber  an  jenen  Localitäten  auf,  wo  diese 
Schicht  in  der  Form  des  Galeriten-Pläners  entwickelt  ist;  indessen 
sind  im  Ganzen  in  dieser  Schicht  die  kleineren  eckigeren  Formen 
überwiegend  über  die  großen  runden.  Letztere  dagegen  bekommen 
das  Übergewicht,  so  wie  man  in  der  Schichtenfolge  höher  hinauf- 
steigt, namentlich  in  der  Oberregion  des  Scaphites  Geinitzi  in  Be- 
gleitung des  Spondyhis  spinosus  und  des  Micraster  breviporus  und 
cor  testudhiariiim.  Mit  dem  Auftreten  des  Belemnites  Merceyi  und 
Micraster  cor  auguinum  scheint  unsere  Art  ausgestorben  zu  sein, 
da  mir  dieselbe  in  dieser  Zone  noch  von  keiner  Localität  mit  Sicher- 
heit bekannt  geworden  ist.  Ihre  verticale  Verbreitung  liegt  also 
genau  innerhalb  der  Grenzen  des  Strombeck'schen  „obe.'en  Plä- 
ners" ;  auch  darf  man  ziemlich  sicher  sein,  sie  überall  zu  finden,  wo 


')    (!(ill,   Mi'ikl.  Aroliiv  X.  p.  44. 


über  die  norddeutsch.  Galeritoii-Schichten  u.  ihre  Bniehiopoden-Fauna.      205 

Schichten  aus  dieser  Abtheihing  vorhanden  sind.  AiilTallend  ist  nur 
gegenüber  der  ungemeinen  Häufigkeit  der  Terebratala  subrotunda 
in  den  Galeriten-Schichten  im  Norden  des  Harzes,  wo  sie  mit  Rhyn- 
chonella  Cuvieri  um  den  ersten  Rang  in  Bezug  auf  die  Häufigkeit 
der  vorkommenden  Petrefacten  wetteifert,  ihre  verliältnißmäßig 
große  Seltenheit  in  diesen  Schichten  bei  Ahaus  in  Westphalen. 
Diese  Erscheinung  bildet  ein  bemerkenswerthes  Analogon  zu  dem 
Verhalten  der  Rhynchünella  ventrlplanata  (s.  unten),  die  bei  ihrer 
großen  Häufigkeit  am  letzteren  Orte  so  ungemein  selten  im  Norden 
vom  Harze  ist. 

Ein  Verzeichniß  der  norddeutschen  Fundorte  dieser  Art  dürfte 
nach  Obigem  wohl  überflüssig  sein;  indessen  will  ich  ein  Vorkom- 
men nicht  unerwähnt  lassen,  welches  ich  dem  mineralogischen 
Cabinet  zu  Berlin  entnehme.  Es  ist  auf  der  Etiquette  als  „Plänerkalk- 
stein  von  Harsleben  zwischen  Halberstadt  und  Quedlinburg"  bezeich- 
net und  wird  vermuthlich  den  in  dortiger  Gegend  verbreiteten  Sca- 
phiten-Schichten  angehören.  Die  Exemplare  sind  zum  Theile  von 
einer  unföi-mlichen  Masse  von  angewittertem  Schwefelkies  umgeben, 
in  der  sie  mit  noch  erhaltener  Schale  stecken,  während  ihr  Inneres 
von  einem  Schwefelkieskerne  ausgefüllt  ist,  welcher  mit  außerordent- 
licher Feinheit  und  Schärfe  alle  Unebenheiten,  Eindrücke  etc.  der 
Innenseite  der  Schale  reproducirt.  Ähnliches  kommt  zuweilen  im 
oberen  Pläner  Westphalens  (Exemplare  von  Rheine  in  den  Samm- 
lungen der  polytechnischen  Schule  zu  Hannover  und  der  Akademie 
zu  Münster)  und  Böhmens  vor. 

Das  Vorkommen  in  England  stimmt  mit  dem  norddeutschen 
ganz  überein;  nur  dasjenige  im  Gault  (Red  Chalk  von  Hunstan- 
ton  nach  Davidson,  p.  66,  113,  t.  8,  f.  17)  scheint  noch  etwas 
zweifelhaft.  Orbigny  stellt  T.  suhrutunda  fsemtghbosaj  in  sein 
etage  senoinen,  welches  zum  Theile  dem  Vorkommen  in  Deutsch- 
land entspricht.  Übrigens  scheint  er,  wie  viele  andere  französische 
Autoren,  manche  hierher  gehörige  Formen  auch  unter  dem  Namen 
Terebrattila  obesa  zu  führen,  welche  Art  er  in  das  obere  turonien 
verweist;  wenigstens  habe  ich  in  den  französischen  Sammlungen  öfter 
deutliche  Exemplare  unserer  vorliegenden  Art  des  oberen  Pläners 
als  Ter.  obesa  bezeichnet  gesehen  und  mich  überzeugt,  daß  manche 
Citate  der  letzteren  in  französischen  geognostischen  Arbeiten  sich  in 
Wirklichkeit   auf  T.  subrotunda  beziehen.  Ich  selbst  habe  T.  sub" 


200  Sei.  I  oen  bi)  (•  I,. 

rofnmhi  aus  mehreren  französischen  Schichten,  die  unserem  „oberen 
Pläner"  entsprechen,  mitgebracht. 

Die  Citate  der  T.  semiglobosa  aus  schwedischer  Kreide  sind 
wohl  mit  großer  Vorsiclit  aufzunolimen,  da  in  Scliweden  nur  ungleich 
jüngere  Kreidebildungen  nachgewiesen  sind,  als  diejenigen,  welche 
bei  uns  und  überall  sonst  die  Lagerstätte  dieser  Art  sind.  Die  Abbil- 
dung, welche  Hisinger  i)  gibt,  ist  ofTenbar  lediglich  eine  Copie 
der  Sowerby'schen  Figur.  Eichwald^)  citirt  T.  snhiotunda 
und  semiglobona  aus  der  „crnie  blanche"  verschiedener  russischer 
Localitäten;  erstere  scheint  nach  der  Beschreibung  (Abbildungen 
sind  nicht  gegebenj  wohl  nur  eine  Varietät  der  T.  carnea  zu  sein, 
während  letztere,  welche  von  anderen  Fundorten  stammt,  allerdings 
unserer  in  Rede  stellenden  Art  entsprechen  könnte. 

4.  Tercbratula  Carteri  Dav. 
Taf.  2,  Fig.  1,  2. 
i8S8.   Terebralula  C«r/m  Da vids.,  Cret.  Brach.,  p.  72,  t.  7,  fig.  3. 

Bemerkungen.  Es  liegt  mir  eine  Reihe  von  mehr  als  fünfzig 
Exemplaren  einer  Tercbratula  vor,  deren  Ähnlichkeit  mit  der  oben 
citirten  englischen  Art  abgesehen  von  der  Größe  eine  solche  ist, 
daß  ich  die  specifische  Übereinstimmung  mit  derselben  für  ziem- 
lich unzweifelhaft  halte,  zumal  da  die  Lagerstätten  beider  analog 
sind.  Unter  meinen  norddeutschen  Exemplaren  ist  jedoch  keines, 
welches  die  Länge  von  30  Millimetern  überschreitet  und  die  durch- 
schnittliche Größe  der  anscheinend  erwachsenen  Exemplare 
beträgt  sogar  nur  22 — 25  Millim. ,  wahrend  Davidson  für  sein 
englisches  etwa  vierzig  Millim.  (20  lines)  angibt.  Die  Form  ist  ge- 
wöhnlich nicht  so  fünfeckig,  sondern  an  den  Seiten  mehr  gerundet, 
als  Davidson  zeichnet;  doch  kommen  auch  ganz  übereinstimmende 
vor.  Auch  der  Sinus  und  die  Aufbiegung  der  Stirn  ist  nicht  immer 
so  deutlich  ausgebildet.  Der  Schnabel  steht  zuweilen  etwas  mehr 
hervor,  so  daß  ein  breites  Deltidium  sichtbar  wird. 

Durch  SehlitTe  ist  es  mir  gelungen,  die  Schleife  darzustellen: 
sie  ist  sehr  kurz  (nur  etwa  y*  der  Länge  der  kleinen  Klappe)  und 
besteht  aus  zwei  breiten  ansteigenden  Lamellen,  die   fast  parallel  zu 


')   Leth.  suecica,  t.  24,  f.  2. 

2)  Leth.  rossica,   X.  livriiison,  1867,   p.  283. 


über  die  norddeutsch.  Galeritcn-Scliichten  ti.  ihre  Brachiopoden-Faiina.     20  < 

einander  gehen  und  an  ihrem  vorderen  Ende  durch  die  halhniond- 
förmig  rückwärts  gebogene  Brücke  verbunden  werden.  Ein  Dorsal- 
»eptum  ist  nicht  vorhanden.  Der  Brachial-Apparat  hat  also  eine 
große  Ähnlichkeit  mit  dem  von  Terebrntula  suhrotunda,  cnrnea 
vitrea  etc. ,  welche  auch  in  den  übrigen  inneren  Merkmalen  eine 
große  Ähnlichkeit  mit  Terebr.  Carteri  erkennen  lassen. 

Der  Charakter  der  Art  ist  schon  im  Jugendzustande  sehr  deut- 
lich, so  daß  dieselbe  immer  leicht  zu  erkennen  ist.  Von  Terebrn- 
tula subrotunda,  mit  der  sie  zusammen  vorkommt,  unterscheidet 
sie  sich  durch  den  viel  schmäleren  und  mit  größerem  Foramen  ver- 
sehenen Schnabel;  auch  bildet  die  aufgebogene  Stirn  stets  eine 
gerade  Linie  ohne  eigentliche  Biplication,  welche  oft  bei  T.  sub- 
rotunda, namentlich  bei  den  dickeren  Formen  vorhanden  ist. 

Ob  Orbigny  bei  Aufstellung  seiner  südfranzösischen  Tere- 
bratula  Toucnsana  i)  unsere  Art  im  Auge  gehabt  hat,  läßt  sich 
aus  der  kurzen  Phrase,  mit  welcher  er  dieselbe  beschreibt,  nicht 
mit  Sicherheit  schließen;  doch  würde  dieselbe  ungefähr  auf  Tere- 
bratula  Carteri  passen:  „Espece  avec  le  pH  de  la  region  palleale  du 
Ter.  semifjlobosa,  mais  toujours  plus  de'primee,  ä  labre  plus  saillaiit, 
Le  Beausset  (Var.),  Martigues  (Bouches-du-Biione)." 

Vorkommen.  Die  horizontale  Verbreitung  der  Terebratuhi 
Carteri  scheint  sich  nach  den  seitherigen  Beobachtungen  auf  Eng- 
land und  das  nordwestliche  Deutschland  zu  beschränken,  wern  man 
nicht  die  einstweilen  noch  unsichere  eben  genannte  T.  Toucasana 
Orb.  aus  dem  südlichen  Frankreich  hinzunimmt.  Auch  die  verticale 
Verbreitung  ist  geringer,  als  bei  den  meisten  anderen  in  ihrer  Beglei- 
tung auftretenden  Arten.  Ich  kenne  sie  nur  aus  dem  Galeriten-  und 
weißen  Brongniarfi-PU'inev.  so  wie  als  große  Seltenheit  aus  dem 
Scaphiten-Pläner,  d.  h.  also  aus  den  Zonen  des  Amm.  Woollgarei 
und  des  Scaphites  Geinitzi.  Das  von  Davidson  angegebene  Vor- 
kommen in  Grey  Chalk  bei  Dover  stimmt  damit  annähernd  überein, 
da  diese  Schicht  dem  Niveau  unseres  norddeutschen  „oberen  Plä- 
ners" angehört,  eine  schärfere  Parallelisirung  der  norddeutschen 
mit  den  englischen  Schichten  der  oberen  Abtheilnng  der  Kreide- 
formation aber  bis  zur  Zeit  leider  noch  nicht  ermöglicht   worden  ist. 


1)   Prodrome  Fl,  p.  2ö8,  e't.  22.  no.  961. 


208  Schi  ocn  ha  eil. 

oligleieh  di 
nahe  sind. 


oligleieh  die  Beziehungen  zwischen  beiden  offenbar  außerordentlich 


5.  Terebratula  Becks!  A.  Roeni. 

Taf.  2,  Fig.  3-9. 

1841.    Terebralula  üecksi  A.  Rocm.,   Kreidegob.,  p.  44,  t.  7,  fig.  i8. 
1850.  „  „       Gein. ,  Quadersitndst.,  p.  214. 

i8S4.  „  „       F.  Roem.,  Zi'itschr.  geol.  Ges.  VI,  p.  211. 

1857.  „  „       Strom  heck,    Zuitschr.   geol.  Ges.  IX,    p.  417 

und  N.  Jahrb.,  p.  786. 
1865.  „  „       Heinr.  Credner,   Erläut.  zur  geogn.  Karte  von 

Hann.,  p.  40. 

Beschreibung.  Schale  von  veränderlicher  Gestalt,  meist 
etwas  gerundet  dreieckig;  eben  so  lang  oder  länger  als  breit;  Dicke 
meist  bedeutend  im  Vergleich  zur  Breite,  doch  sehr  veränderlich. 
Die  größte  Dicke  ist  etwa  bei  »/g  bis  höchstens  '/o  der  Länge  vom 
Schnabel  ab,  die  größte  Breite  bei  2/„  oder  wenigstens  zwischen  der 
Mitte  und  der  Stirne  gelegen.  Schalenoberfläche  glatt,  nur  mit  An- 
wachslinien versehen,  die  nicht  stark  hervortreten.  Schalenstructur 
sehr  fein  pimktirt. 

Dorsalklappe  vom  Wirbel  aus  sehr  steil  ansteigend  und  stark 
gewölbt  und  sich  dann  bis  zur  Stirn  ganz  abplattend,  an  der  Stirn 
meist  ohne  Sinus  mit  einer  breiten  Zunge  mäßig  in  die  größere 
Klappe  eingreifend.  Ventralkiappe  mit  einem  kurzen,  nur  wenig  über 
den  Wirbel  der  kleinen  Klappe  hervorragenden  sehr  schwach  ge- 
krümmten Schnabel  versehen,  der  von  einem  ziemlich  großen 
Foramen  oft  fast  senkrecht  gegen  die  Längsaxe  abgestutzt  wird.  Das 
aus  zwei  mit  einander  verwachsenen  Plättchen  bestehende  Deltidium 
ist  sehr  deutlich  ausgebildet  und  ziemlich  breit,  und  bildet  eine  von 
sehr  stumpfen  Kanten  begrenzte  falsche  Area.  Die  Schale,  die  in  der 
Bichtung  von  dem  Schnabel  bis  zur  Stirn  sehr  wenig  gewölbt  ist, 
zerfällt  in  drei  ziemlich  gleich  breite,  sehr  schwach  gewölbte,  aber 
ziemlich  stark  gegen  einander  geneigte  Flächen,  von  denen  die  mitt- 
lere durch  die  Stirnlinie  und  durch  zwei  vom  Schnabel  nach  deren 
Enden  verlaufende  stumpfe,  kielartige  Kanten ,  die  beiden  anderen 
durch  diese  Kanten  und  die  ausgebogenen  Seitenränder  der  Muschel 
eingeschlossen  werden. 

Im  Inneren  der  kleinen  Klappe  ist  ein  Dorsnlseptum  nielit  vor- 
handen. Die    Schleife  reicht    kaum  weiter   als    '/^   der   Länge   der 


UbiT  die  nordileutscli.   fiHleritt'M-.ScIiicIiteii  ii.  ihre  l{iaehiot)0(leil-Faunii.     cOa 

kleinen  Klappe  und  besteht  aus  zwei  schwach  divergirenden  anstei- 
genden Lamellen,  an  die  sich  die  kurzen,  nur  etwa  1/4 — «/j  so  langen 
rückkehrenden  Lamellen  anschließen,  welche  durch  die  schmale 
Brücke  mit  einander  verbunden  sind.  Auch  im  Schnabel  der  großen 
Klappe  sind  keine  Ventralsepta  oder  Zahnplatten  vorhanden.  —  Die 
Anordnung  und  Form  der  Muskel  und  übrigen  Eindrücke  ist  sehr 
ähnlich,  wie  bei  Terebratula  subrotunda. 

Bemerkungen.  Terebratula  Becksi  ist  eine  so  ausserordent- 
lich variable  Art,  daß  man  bei  geringem  Materiale  versucht  sein 
würde,  die  extremen  Varietäten  für  verschiedene  Species  zu  halten. 
Auf  der  einen  Seite  nähern  sich  gewisse  Formen  durch  gerundeten 
Umriß,  breitere  Gestalt,  stärkere  Krümmung  des  Schnabels  zuweilen 
der  lerebratula  subrotunda,  ohne  daß  jedoch  wirkliche  Über- 
gänge zu  derselben  stattfinden;  andererseits  wird  die  Gestalt  so  lang 
und  schmal  und  ausgesprochen  dreieckig,  daß  sie  keiner  anderen 
mir  bekannten  Art  der  Gattung  Terebratula  mehr  ähnlich  sieht; 
diese  letztere  Varität  zeichnet  sich  dabei  durch  eine  scharfe  Stirn - 
kante  und  große  Dicke  in  der  Nähe  des  Schnabels  aus,  welche  be- 
wirkt, daß  die  Schioßkanten  außerordentlich  stumpf  werden,  ja  daß 
die  Ränder  der  beiden  Klappen  sich  hier  sogar  nicht  selten  unter 
einem  Winkel  vereinigen,  der  180  und  selbst  noch  darüber  erreicht. 
Die  langen  schmalen  Varietäten  erreichen  selten  eine  solche  Größe, 
wie  sie  bei  den  breiten  gerundeten  vorkommt.  Ich  lasse  hier  Mes- 
sungen von  vier  der  größten  mir  vorliegenden  Exemplare  folgen : 

Länge         Breite         Dicke  Verhältnißzahleii 


,1:! 


III. 

IV. 


von  Ahaus,  breite 

{ 

32 

33 

21  M 

gerundete  Form 

38 

35 

23    , 

von  Vienenburg 

(Mittelform) 

40 

32 

25    , 

von  Ahaus,  lange 

dreieckige  Form 

30 

20 

17    , 

100:103      :66 
100:    92      :60V3 

100:    80      :62V2 


100:    662/3:56% 

Die  einzigen  bekannten  Arten,  welche  einige  Ähnlichkeit  mit 
den  typischen  Formen  des  Terebratula  Becksi  haben ,  sind  die 
jurassischen  Terebratida  Paumardi  Eng.  Desl.  •)  und  Hoheneg- 
geri  Suess  2).    Indessen  fallen  doch  die  Unterschiede  bei  der  Ver- 


'j  Paleont.  frang.,  Brachinp.  jurass.,  p.  169,  t.  43,  f.  1  —  3. 
2)  Brachiop.  d.  Stramberger  Seh.  I,  p.  42,  t.  4,  f.  18—20. 
Sil/.b.  d.  iiiathein.-iiahirw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Abtb.  H 


210  Schloenbach. 

glcicliiiiig  (1er  Abbildungen  so  leicht  in  die  Augen,  daß  es  überflüs- 
sig wäre,  dieselben  hier  noch  einzeln  aufzuzählen. 

Nachdem  unsere  Art  von  A.  Roemcr  einmal  gut  beschrieben 
und  in  ihrer  Eigenthümlichkeit  kenntlich  abgebildet  war,  scheint 
dieselbe  von  den  späteren  Autoren  stets  richtig  erkannt  zu  sein,  um 
so  mehr,  da  die  wichtigsten  Fundorte  von  Roemer  ebenfalls  bereits 
richtig  angegeben  waren. 

V 0  r  ko  m m  e  n.  Bei  außerordentlicher  iocaler  Häufigkeit  scheint 
doch  die  verticale  Verbreitung  unserer  Art  eine  ziemlich  beschränkte 
zu  sein.  Sie  findet  sich,  wie  es  scheint,  nie  anders  als  in  Gesell- 
schaft der  Galeriten,  und  zwar  tritt  sie  bei  Vienenburg  (Hannover) 
zuerst  in  der  obersten  Abtheilung  des  rothen  Pläners,  der  vielleiclit 
dort  schon  den  Übergang  zum  „weißen  Bro?igniarti-P\iinev^  (Zone 
des  Amm.  Woollgarei)  bildet,  auf;  über  die  eigentliümlichen  Ver- 
hältnisse an  dieser  Localilät  habe  ich  schon  oben  im  geologischen 
Theile  gesprochen.  An  allen  anderen  Fundorten  scheint  Ter.  Becksi 
dem  rothen  Pläner  (Zone  des  Inoc.  labiatusj  noch  fremd  zu  sein 
und  sich  vielmehr  ganz  auf  den  darüber  liegenden  eigentlichen 
Galeriten-Pläner,  das  Äquivalent  der  Zone  des  Amm.  Woollgarei  zu 
beschränken.  In  diesem  findet  sie  sich  nicht  selten  überall,  wo  der- 
selbe im  nordwestlichen  Deutschland  entwickelt  ist,  so  daß  ich  mir 
eine  Aufzählung  der  einzelnen  Fundorte  ersparen  darf.  Die  be- 
kanntesten Fundorte  sind  Graes  unweit  Ahaus  (Westphalen)  und  der 
Fleischerkamp  bei  Salzgitter  (Hannover);  an  ersterem  Fundorte 
kommt  T.  Becksi  in  sehr  schöner  Erhallung  als  häufigstes  Fossil 
nächst  den  Galeriten  und  Rhynchonella  ventriplanata  vor;  ich  habe 
von  dort  nahe  an  tausend  Exemplare  aus  meiner  und  verschiedenen 
anderen  Sammlungen  untersucht.  Im  echten  „Scaphiten-Pläner" 
(Zone  des  Scaph.  Geinitzi)  koinite  T.  Becksi  bisher  noch  nicht 
nachgewiesen  werden,  wie  sie  denn  auch  in  der  Facies  des  „weißen 
Bronymarti-V\i\neiY&" ,  dem  normalen  Äquivalent  der  Galeriten-Schich- 
ten,  zu  fehlen  scheint.  So  liabe  ich  z.  ß.  in  den  Steinbrüchen  auf 
der  Höhe  des  Ringelberges  bei  Salzgitter,  wo  sich  in  dem  „weißen 
Bi'07igniur(i -WÄnev"  eine  an  Bhynchonella  Cuvieri  und  Terebratnla 
suhrotunda  sehr  reiche  Schicht  befindet,  nie  eine  Spur  der  T.  Becksi 
gesammelt,  während  ich  in  den  fünf  Minuten  im  gleichen  Streichen 
entfernten  Steinbrüchen  am  Fleischerkamp  seit  mehreren  Jahren  mit 


Ülier  die  uorddeutsfli.  Galeritcii-Schichteu  u.  ihre  Brachiopoden-Fauna.     ä1  1 

meinem  Vater  in  der  entsprechenden  Galeriten-Schicht  nahe  an  tau- 
send Exemplare  derselben  aufgehoben  habe. 

In  neuester  Zeit  scheint  Terebratula  Becksi  auch  im  westlichen 
Frankreich  aufgefunden  zu  sein;  wenigstens  erinnere  ich  mich,  im 
August  vorigen  Jahres  in  der  paläontologischen  Sammlung  der  Sor- 
bonne zu  Paris  ein  von  Prof.  Hebert  gesammeltes  Exemplar  dieser 
Art  gesehen  zu  haben,  dessen  speciellerer  Fundort  aber  leider  mei- 
nem Gedächtnisse  entschwunden  ist. 

6.  Terebratula  (?)  defloxa  S  c  h  I  o  e  n  b.  sp.  nov. 
Taf.  2,  Fig.  10—12. 

Beschreibung.  Kleine  Art  von  drei-  bis  fünfeckigem  Um- 
risse mit  abgerundeten  Ecken,  wenig  oder  gar  nicht  länger  als  breit, 
nicht  stark  gewölbt,  mit  breiter,  mit  einem  Bogen  gegen  die  Bauch- 
seite gekrümmter  Stirn.  Schalenoberfläche  glatt;  Anwachslinien  meist 
nicht  stark  markirt.  Schalenstructur  sehr  fein  und  dicht  punktirt. 
Die  größere  Klappe  hat  einen  breiten,  stark  gekrümmten,  stumpfen 
Schnabel,  der  mit  scharfen,  eine  breite,  aber  ziemlich  niedrige  Area 
begrenzenden  Schnabelkanten  versehen  ist  und  von  einem  ziemlich 
großen  Foramen  parallel  zur  Längsaxe  abgestutzt  wird.  Letzteres 
reicht,  da  die  breiten  Deltidialplatten  bei  keinem  der  von  mir  unter- 
suchten Exemplare  mit  einander  verwachsen  sind  oder  sich  berühren, 
bis  zum  Wirbel  der  kleinen  Klappe.  Gegen  die  Stirn  zu  bildet  sich 
in  der  Mitte  der  übrigens  ziemlich  gleichmäßig  gewölbten  großen 
Ventralklappe  ein  deutlich  von  stumpfen  Kanten  begrenzter  flacher 
Wulst  aus,  der  meist  in  der  Mitte  etwas  abgeplattet  ist.  Die  mit 
einer  breiten,  fast  geraden  Schloßlinie  versehene  kleine  Klappe  ist 
sehr  schwach  gewölbt  und  zwischen  dem  Wirbel  und  der  Mitte  be- 
ginnt ein  tiefer  Sinus ,  der  von  zwei  stumpfen ,  nach  den  Ecken  der 
Stirn  sich  ziehenden  Kanten  begrenzt  wird  und  dem  Wulst  der 
anderen  Klappe  entspricht. 

Vom  inneren  Bau  ist  sehr  Avenig  bekannt;  die  kleine  Klappe 
besitzt  ein  sehr  kräftiges  vom  Wirbel  aus  bis  über  die  Mitte  hinaus 
sich  erstreckendes  Dorsalseptum,  die  größere,  auf  jeder  Seite  des 
Deltidiums  im  Schnabel  kräftige  Zahnplatten,  wie  sie  bei  Macan- 
drewia,  Megerleia,  Terebratella,  Rhynchonella  etc.  vorhanden  sind. 
Die  Muskeleindrücke  sind  sehr  schwach  und  undeutlich. 

ir 


212  S  C  h  1  o  .•  II  1.  ;i  c  li. 

Bemerkungen.  Die  genei'ische  Stellung-  dei'  T.  deflu.va  muß» 
nach  der  obigen  Beschreibung  einigermaßen  zweifelhaft  erscheinen. 
Denn  während  einerseits  durch  das  Dorsalseptuni,  die  Zahnplatten, 
die  scharfen  Schnabelkanten  nahe  Beziehungen  zu  Macnndrcwia, 
namentlich  zu  der  Formenreilie  der  Iwpressae  (Terebrntula  septi- 
//e/Y<  Love  n)  angedeutet  erseheinen,  wird  sie  (hirch  die  nicht  mit 
einander  verwachsenen  Deltidial-Plättchen  und  das  verhältnißmäßig 
überhaupt  ziemlich  große  Foramen  wieder  von  diesen  entfernt  und 
anscheinend  mehr  in  die  Nähe  von  Megerleiti  (Kinyia)  gerückt, 
auch  Kraussia  pisuni  Lam.  sp.  und  Terebratella  Bonchardi  Dav., 
so  wie  Mngas  Geuiitzi  Schloenb.  dürften  zu  vergleichen  sein. 
Jedenfalls  aber  ist  es  unmöglich,  eher  zu  einer  Gewißheit  über  diese 
Frage  zu  kommen,  als  bis  man  Specielleres  über  den  inneren  Bau, 
namentlich  über  die  Gestalt  des  Brachialapparates  weiß.  Leider  sind 
jedoch  alle  meine  Bemühungen,  denselben  durch  Schlifle  in  verschie- 
denen Richtungen  kennen  zu  lernen,  bisher  erfolglos  gewesen. 

Die  Charaktere  der  T.  deflu.va  sind  so  eigenthümliche  und  leicht 
erkennbare,  daß  sie  schwer  mit  anderen  Arten  zu  verwechseln  ist. 
Nur  etwa  Magns  Gebdtzi  bietet  einige  äußerliche  Ahidichkeit,  ist 
aber  stets  viel  stärker  gewölbt  und  besitzt  einen  spitzeren  Schnabel. 

Vorkommen.  Terebratuhi  defluxn  ist  mir  l)is  jetzt  aus- 
schließlich aus  dem  Galeriten-Pläner,  und  zwar  nur  von  den  beiden 
Fundorten  Fleischerkamp  bei  Salzgitter  (Hannover)  und  Graes  bei 
Ahaus  (Westphalen)  bekannt  geworden.  Sie  gehört  auch  hier  zu  den 
Seltenheiten;  denn  nur  den  in  großem  Maßstabe  vorgenommenen 
Ausbeutungen  an  diesen  beiden  Localitäten  habe  ich  es  zu  verdan- 
ken, daß  ich  im  Ganzen  etwa  vierzig  Exemplare  dieser  Art  unter- 
suchen konnte ,  die  sich  theils  im  geologischen  Cabinet  zu  Berlin, 
theils  in  der  geologischen  Sammlung  der  Akademie  zu  Münster 
(Westphalen),  theils  in  der  Sammlung  des  Herrn  Forstmeisters  von 
Unger  in  Seesen  und  in  meiner  eigenen  befinden. 

7.  Terebratala  (Megerleia)  lima  De  fr. 
Taf.  3,  Fip.  1,2. 
1828.   TerebratulalimaDefr.,  Di«f.  LFII.  p.  156. 

Ich  darf  mich  bei  dieser  Art  ganz  auf  die  ausführlichen  Mitthei- 
lungen beziehen,  die  ich  kürzlich  (Brachiop.  d.  nordd.  Cenom. ,  in 
„geogn.-paläont.  Reitr.  I,  3,  1867,  p.  469  [69]«)  über  dieselbe  ge- 


über  die  norddeutsch.  (Jaleriten-Scliichteii  u.  ihre  Brachiopoilen-Fauua.      213 

macht  habe,  und  hebe  niii'  noch  hervor,  dali  die  in  den  Galeriten- 
Schichten  in  ziemlich  großer  Häufigkeit  vorkommenden  Exemplare 
durchschnittlich  den  kleineren  Formen  mit  etwas  fünfeckigem  Um- 
risse und  mit  flacher  Dorsalklappe  angehören.  Die  Tuberkeln  auf  der 
Schalenoberfläche  sind  nur  in  wenigen  Fällen  stellenweise  bei  beson- 
ders gut  erhaltenen  Exemplaren  von  Ahaus  (Westphalen)  zu  sehen. 
In  den  Sammlungen  norddeutscher  Kreidepetrefacten  ist  das  Vorkom- 
men unserer  Art  im  Galeriten-Pläner  seit  lange  bekannt;  indessen 
wurde  dieselbe  früher  meist  nach  Strombeck's  Vorgange  als 
Waldheimia  sp.  nov.  bezeichnet. 

8.   Rhyochonella  fuTieri  Orb. 
Taf.  3,  Fig.  3,  4. 

1833.    Terebradtln  pisnm  Buch,  Üb.  Terebr.,  p.  47  (nonLam.) 
1841.  „  „     A.  Roem.,  Kreid.,  p.  38. 

—  „         Mantelliana  h.  Roem.,  Kreid.,  p.  39  z.  Th.  (non  Sow,) 

1846.  „         pisim   Reuss,    Verst.   böhm.  Kreid.    II,    p.   48,    t.  2S, 

fig.  17—20. 

—  „         ManlclÜana  R  euss,  Verst.  böhm.  Kreid.  II,  p.  48,  t.  25, 

fig.  21,  22. 

1847.  Rhynchonella  Cnvieri  Orh.,  Cret.  IV.  p.  39,  t.  497,  fig.  12-15. 
1850.   Tercbratula  pisum  G  ein. ,  Quadersandst. ,  p.  210  z.  Th. 

—  „         Mantelliana  G ein.,  Quadeieandst. ,  p.  210  z.  Th. 

1854.  „         plicatilis  var.  minor  F.  Roem.,   Zeitschr.  geol.  Ges.  VI, 

p.  210. 

1855.  Rhynchonella  Cnvieri  Dav.,  Cret.  Rrach,,  p.  88,  t.  10,  fig.  50—54. 
1857.  „  Martini  und  Mantellana   (z.  Th.)    Stromb.,    Zeitschr. 

geol.  Ges.  IX,  p.  416,  417;  N.  Jahrb.  786,  787. 
Terebratula   pisum.   und    Mantellinna,    Rhynchnnella   Ciwieri    vieler 
deutscher  Geologen. 

Bemerkungen    und    Vorkommen.   Der   innere  Bau    dieser 
Art,  namentlich  die  Muskel-  und  Gefäß-Eindrücke,  die  ich  an  Stein- 
kernen beobachten  konnte,  sind  durchaus  normal  und  geben  keine  Ver- 
anlassung  zu  weiteren   Bemerkungen.   Sie  findet  sich  im  Galeriten- 
Pläner  in  ungemeiner  Häufigkeit  und  variirt  auch  in   Folge   dessen 
außerordentlich,  namentlich  in  Hinsicht  auf  ihre  Größe,  auf  die  An- 
zahl der  Rippen  und  auf  die  Aufbiegung  der  Stirnlinie.  Trotzdem 
wird  man,  wenn  man  die  von  Orbigny  und  Davidson  gegebenen 
Beschreibungen  und  Abbildungen  aufmerksam   liest  und  vergleicht, 
selten  über  die  Bestimmung  vorliegender  Exemplare   in  Zweifel  sein. 


214  Schloenbach. 

Von  der  in  mancher  Beziehung-  nahestehenden  Rhynchonelln 
ManteUana  ')>  mit  welcher  Rhynch.  Ctivieri  früher  öfter  verwechselt 
ist  (die  Citate  der  Rhynch.  Mantellana  aus  oberem  Planer  dürften 
sich  sämmtlich  auf  grobrippige  Formen  der  Rh.  Ctivieri  beziehen), 
unterscheidet  sie  sich  durch  die  weniger  scharfen  und  erst  gegen  die 
Mitte  hin  recht  deutlich  werdenden,  auch  fast  immer  noch  zahlreiche- 
ren Rippen.  —  Über  das  Verhältniß  zu  Rhynch.  ventriplannta  ver- 
gleiche man  unten  die  Bemerkungen  zu  letzterer  Art. 

Rhynchonelln  Ctivieri  ist  in  Norddeutschland  von  der  Zone  des 
Inoceramus  labiatiis  (rother  Pläner)  aufwärts,  wie  es  scheint,  durch 
die  ganze  Folge  der  jüngeren  Kreideschichten  verbreitet;  wenigstens 
weiß  ich  für  jetzt  z.  B.  die  in  der  oberen  Kreide  mit  Belemnites 
3Ierceyi  Mny.  bei  Linden  unweit  Hannover,  in  den  Schichten  mit 
Belemnites  quadratiis  und  Coeloptychium  bei  Biewende  unweit  Wol- 
fenbüttel (Braunschweig),  sowie  in  der  Unterregion  der  Schichten 
mit  Bei.  mucronutiis  bei  Ahlten  unweit  Hannover  vorkommenden 
Exemplare  nicht  von  den  typischen  französischen  zu  unterscheiden. 
Auch  aus  den  Kreideschichten  des  Petersberges  bei  Maestricht  wurde 
sie  öfter  citirt;  doch  ist  in  neuerer  Zeit  jenes  Vorkommen  durch 
Bosquet  als  besondere  Art  unter  den  Namen  Rhynchonella  David- 
soni  2)  abgetrennt;  indessen  hat  dieser  ausgezeichnete  Kenner 
fossiler  Brachiopoden  die  Unterscheidungsmerkmale  leider  bis  jetzt 
noch  nicht  veröffentlicht.  Eine  sehr  nahestehende,  vielleicht  iden- 
tische Form  findet  sich  auch  im  dänischen  Faxekalk. 

In  der  französischen  Kreide  hat  Rhynchonella  Cuvieri  das 
Maximum  ihrer  Entwicklung  in  Schichten,  welche  unserem  „weißen 
Brongniarti-  und  Galeriten-Pläner"  entsprechen;  dieselben  werden 
daher  wohl  als  „Zone  ä  Rhynchonella  Cuvieri^  bezeichnet;  doch 
kommt  die  Art  auch  sclion  in  älteren  Schichten  vor  und  geht  gleich- 
falls noch  in  jüngere  hinauf.  Ahnlich  ist  es  in  der  englischen  Kreide. 


1)  Vergl.   Schloenbach,   Brachio|».   d.    iionld.   Ceiioiii.   in   geogu.  -  palüoiit.    ßeitr. 
I,  3,  p.  41)4  (94),  t.  23  (.'S),  f.  11. 

2)  Starin  g,   Bodem  v.  Nedeiland  II,  p.  ;{92,  IJlfS ;  18G0. 


über  die  norddeutsch.  Galeriten-Schichten  u.  ihre  Brachiopoden-Fauna.       410 

9.  Rhynchonelln  Tentriplauata  Schloenb.  sp.  nov. 
Taf.  3,  Fig.  8-iO. 
18Ö4.   Terehratida  of.  T.  Mantelliana  F.  Ro einer,  Zeitschr.  d.  d.  geo1.  Ges., 
VI,  p.  210. 

Beschreibung.  Abgerundet-dreieckig,  meistens  etwas  län- 
ger als  breit,  seltener  umgekehrt.  Die  größte  Breite  ist  unterhalb, 
die  größte  Dicke  in  der  Mitte  der  Länge.  Die  Schale  ist  mit  10 — 16 
groben  abgerundeten  Bippen  versehen,  welche  die  Wirbel  entweder 
ganz  glatt  lassen  und  erst  gegen  die  Mitte  hin  beginnen,  oder  doch 
nur  sehr  undeutlich  bis  in  die  Wirbel  zu  verfolgen  sind,  während  sie 
nach  der  Stirn  zu  immer  stärker  werden.  Concentrische  Anwachs- 
linien kaum  bemerkbar.  Die  Klappen  sind  verschieden  stark  gewölbt, 
die  kleinere  viel  stärker  als  die  große  Ventralklappe ,  welche  oft  fast 
ganz  glatt  ist  und  nur  mit  einem  sehr  flachen,  oft  sogar  kaum  be- 
merkbaren Sinus  in  die  kleinere  eingreift.  Die  Stirn  ist  daher  sehr 
w^enig  aufgebogen  und  die  Kanten  liegen  fast  alle  in  einer  Ebene. 
Die  Seitenkanten  sind  sehr  stumpf,  die  Stirnkante  etwas  schärfer. 
Schnabel  der  großen  Klappe  spitz  und  nur  wenig  übergebogen. 
Foramen  fein  und  ganz  von  einem  stark  convexen  Deltidium  mit  röh- 
renförmiger Ausbreitung  umgeben. 

Bemerkungen.  Es  ist  von  vorn  herein  anzunehmen,  daß  eine 
Art,  die  in  so  außerordentlicher  Häufigkeit  auftritt,  wie  die  vorste- 
hend beschriebene,  auch  nicht  unerhebliche  Varietäten  hervorbringen 
muß,  und  dies  ist  denn  auch  in  der  That  der  Fall.  Die  Varietäten 
lassen  sich  im  Allgemeinen  von  zwei  Gesichtspunkten  aus  zusammen- 
stellen, nämlich  nach  der  Art  der  Berippung  und  nach  den  Formver- 
hältnissen. In  ersterer  Beziehung  sind  dicht  gerippte  (mit  bis  zu  16 
Rippen)  von  solchen  mit  wenigen  Rippen  zu  unterscheiden,  so  wie 
solche,  bei  denen  die  Rippen,  wenn  auch  undeutlich,  schon  in  der 
Nähe  der  Wirbel  beginnen,  von  denen,  welche  bis  zu  einer  größeren 
Entfernung  von  den  Wirbeln  aus  glatt  bleiben,  indem  die  Rippen  erst 
später  sich  ausbilden.  Alle  diese  Formen  sind  durch  die  deutlichsten 
Übergänge  mit  einander  verbunden.  —  In  Bezug  auf  die  Formenver- 
hältnisse kommen  neben  schmalen,  langen  Formen  andere  vor,  deren 
Breite  der  Länge  mindestens  gleich  ist;  bei  den  breiten  Formen  ist 
gew  öhnlioh  das  steile  Abfallen  der  kleinen  Klappe  nach  den  Rändern 
sehr  auOallend,  während  die  Mitte  von  einer  fast  ebenen,  zuweilen 


216  S  c  h  I  o  e  II  I)  n  c  h. 

sogav  etwas  deprimirten  Fläche  eingenommen  wird.  Auch  das  Ver- 
hältniß  zwischen  der  Dicke  und  den  anderen  Dimensionen  ist  nicht 
geringen  Schwankungen  unterworfen.  In  weit  engeren  Grenzen  he- 
wegt  sich  dagegen  die  Veränderlichkeit  in  Bezug  auf  den  Sinus, 
welcher  meist  ganz  fehlt  und  nur  selten  einigermaßen  deutlich  aus- 
gebildet ist,  dann  aber  immer  hei  großer  Breite  sehr  flach  bleibt.  Im 
Jugendzustande  ist  unsere  Art  stets  verhällnißmäßig  breiter  und 
immer  ohne  Sinus;  die  Winkel,  unter  welchen  die  Klappenränder 
sich  mit  einander  verbinden,  sind  noch  stumpfer,  als  im  ausgewach- 
senen Zustande;  der  Schnabel  stark  abstehend. 

Rhynchonella  ventriplunata  ist  wohl  zunächst  zu  vergleichen 
mit  der  sie  stets  begleitenden  Rh.  Cuvieri;  die  wichtigsten  Unter- 
scheidungs-Kennzeichen der  letzteren  sind  die  größere  Anzahl  und 
Feinheit  der  bei  erträglicher  Erhaltung  deutlich  von  den  Wirbeln  bis 
zur  Stirn  zu  verfolgenden,  in  der  Wirbelgegend  nicht  selten  dichoto- 
mirenden  Rippen,  die  stets  deutliche  Ausbildung  des  Sinus  und  die 
breitere  Form.  —  Ferner  dürfte  bei  der  Vergleichung  in  Betracht  zu 
ziehen  sein  Rhyticho?iella  Mantellana  Sow.  sp.  Wie  Davidson  i) 
diese  Art  festgestellt  hat,  unterscheidet  sie  sich  von  unserer  vorlie- 
genden gleich  auf  den  ersten  Blick  leicht  durch  die  scharfen,  von  den 
Wirbeln  ausgehenden  Rippen  und  den  weit  stumpferen  Schnabel; 
auch  der  Sinus  der  cenomanen  Art  ist  in  der  Regel  deutlicher  ausge- 
bildet. Etwas  näher  der  Rh.  ventriphmatu  steht  schon  Orbigny's 
Rh.  MantelUma,  von  der  auch  Davidson  sagt,  daß  die  Abbildun- 
gen derselben  von  der  So werby'schen  Art  abweichen,  obgleich  er 
sie  unter  der  Synonymik  von  Rh.  Mantellana  Sow.  sp.  anführt. 
Indessen  unterscheidet  sieh  auch  Orbigny  Pal.  fr.,  Cret.  IV,  t.  498, 
f.  1 — 5  durch  viel  rundere  und  flachere  Form,  so  wie  durch  die  scharf 
und  deutlich  in  den  Wirbeln  beginnenden  Falten;  auch  fehlt  ihr  das 
charakteristische  Kennzeichen  der  Rh.  ventriplanuta,  die  flache  Ven- 
tralklappe und  die  stumpfen  Klappenränder. 

Dagegen  wäre  es  nicht  unmöglich,  daß  die  von  Davidson  ohne 
Species-Bestimmung  auf  t.  10,  f.  47  —  49  abgebildete  Rhyuchonella 
aus  dem  „Chalk"  von  Charing,  über  die  ich  im  Text  keine  Auskunft 
finde,  die  Jugendform  einer  Varietät  mit  ausgebildetem  Sinus  dar- 
stellte;  wenigstens  stimmen  der  gerade  Schnabel,  das  kleine  Fora- 


'j    Cret.  Br;K-h.,  \>.  «7,  f.   12,  C.  20—23- 


Üher  die  norddeutsch.  Galeriteii-Schichten  u.  ihre  Brachiopoden-Fauna.      .C  I  < 

men,  die  flache  Ventralklappe,  die  glatte  Wirbelgegend  und  die 
geringe  Anzahl  der  Rippen  mit  unserer  Art  der  Galeriten-Sehichten 
überein,  während  allerdings  die  Umrisse  runder  sind,  als  sie  bei  die- 
ser zu  sein  pflegen. 

Andere  Arten  dürften  bei  der  Vergleichung  kaum  in  Frage 
kommen. 

In  den  norddeutschen  Sammlungen  sowohl  wie  in  der  paläonto- 
logischen Literatur  wurde  unsere  Art  l)isher  meistens  unter  Rhyn- 
chonella Mantellana,  seltener  nwXtv  Rhynchonella  pisiim  o(\ci'  Cuvieri 
mitbegriffen.  Ferd.  Roemer  erkannte  zuerst  richtig  ihre  Merkmale 
und  gab  am  oben  angeführten  Orte  eine  kurze,  aber  gute  Beschrei- 
bung derselben  unter  den  Namen  Terebratida  cf.  T.  Mantellana, 
indem  er  ausdrücklich  bemerkte,  daß  die  Formen  von  Ahaus  nicht 
recht  mit  der  englischen  Art  dieses  Namens  übereinstimmten.  Auch 
Strombeck  >)  hat  vielleicht  unter  dem  Namen  „Rhynchonella 
Mantellana  Sow.  ?"  unsere  Art  mit  einbegrifl'en;  wenigstens  ist  mir 
die  wirkliche  Rh.  Mantellana  Sow.  sp.  in  den  betrefTenden  Schich- 
ten nie  vorgekommen;  die  Mehrzahl  der  so  von  ihm  bezeichneten 
Arten  dürfte  indessen  zu  Rhynch.  Cuvieri  zu  rechnen  sein. 

Vorkommen.  Rhynchonella  venh'iplanata,  in  den  Galeriten- 
Sehichten  bei  Ahaus  nächst  den  Galeriten  das  häufigste  Petrefact,  ist 
an  anderen  Fundorten  eine  sehr  große  Seltenheit,  so  daß  unter  den 
mehreren  Tausenden  von  Individuen  der  Classe  der  Brachiopoden, 
welche  ich  aus  den  Galeriten-Sehichten  Norddeutschlands  außer  von 
Ahaus  untersucht  habe,  nur  zwei  sicher  zu  dieser  Art  gehörige 
Exemplare  sich  befinden,  von  denen  ich  das  .eine  am  Fleischerkamp 
bei  Salzgitter  selbst  gesammelt  habe.  Das  zweite  befindet  sich  in 
der  in  Hildesheim  aufgestellten  Original-Sammlung  A.  Roemer's, 
welche  die  Materialien  zu  dem  im  Jahre  1841  publicirten  Kreide- 
werke lieferte.  Dasselbe  ist  ohne  Speciesbestimmung  als  vom  „Rin- 
gelberge bei  Salzgitter"  stammend  etiquettirt,  womit  wahrscheinlich 
ganz  dieselbe  Localität  gemeint  ist,  da  der  „Fleischerkamp",  der  be- 
kannteste Fundort  für  die  Galeriten-Sehichten  in  der  Gegend  von 
Braunschweig,  am  westlichen  Fuße  des  „Ringelberges''  liegt.  Außer- 
dem ist  mir  Rh.  ventriplunata  weder  aus  den  gleichalterigen  Schich- 


^)    Neues  Jahrb.  1857,  p.  786,  B.  6a  und  üb. 


äIö  Schloeiibach. 

teil  anderer  Fundorte,  noch  aus  älteren  oder  jüngeren  Schichten  be- 
kannt geworden. 

10.  Rhynchonella  plicatilis  Sow.  sp. 
Taf.  3,  Fig.  5-7. 
1816.   rcrrbrafuln  plicadUs  Sow.,  M.  C.  II,  p.  37,  f.  118,  üg.  1. 
1833.  „  „      Blich,  Üb.  r<;/eör.,  p.  Sl  z.  Th.  (mit  Ausschluß 

der  Fundorte  Essen  und  Sudnierberg). 
1837.  „  „      Bronn,  Leth.  geogn.,  t.  30,  fig.  9. 

1841.  „  octoplicata  A.  Roein. ,  Kreid.,  p.  38  (non  Sow.). 

—  „  plicatilis  und  laevigata  A.  Roem. ,  Kreid.,  p.  39. 

1846.  „  „  „    octojylicnta   Reuss,     Versf.   böhm.   Kreid. 

II,  p.  47,  48,  t.  25,  fig.  10-16. 
1850.  „  Juglcri  und    octoplicata   z.  Th.   Gein.,    Quadersandst.. 

p.  208. 
1857.  Hhynchonella  plicatilis  typ.   et  var.   octoplicata  Stromb. ,  Zeitschr. 
gcol.  Ges.  Ix,  p.  417;  N.  Jahrb.,  p.  787. 
Bhi/tichonclla  plicatilis,  octoplicata  und  Jugleri  vieler  norddeutscher 
Geologen. 

Bemerkungen.  Obgleich  zu  den  häufigsten  und  verhreitetsten 
Brachiopodenarten  der  Kreideformation  gehörig,  ist  diese  Art  doch 
oft  unrichtig  aufgefaßt  worden.  Die  Mehrzahl  der  neueren  Autoren 
hat  sich  der  Auffassung  angeschlossen,  die  namentlich  Orbig ny  i) 
und  Davidson  -')  zu  begründen  gesucht  haben,  daß  niynxWoh  Rhyn- 
chonclfa  plicatUis  und  octoplicata  nicht  von  einander  zu  trennen 
seien.  Dagegen  beliarrte  Hebert  s)  hei  der  Ansicht,  daß  dieselben 
zwei  verschiedene  Arten  darstellen,  von  denen  die  letztgenannte  auf 
eine  ganz  bestimmte  Lagerstätte,  d'ieZone des Iielem?ütes)nucro7iatus, 
beschränkt  ist.  Bei  meiner  letzten  Anwesenheit  in  Paris  (im  August 
1867)  hatte  ich  durch  die  Gefälligkeit  des  Herrn  Professors  Hebert 
Gelegenheit,  eine  große  Anzahl  von  Exemplaren  aus  der  „eraie  de 
Meudon  ä  Belemnites  muo'onatns'''  zu  sehen,  welche  derselbe  als  die 
wahre  typische  Form  der  Sowerby'schen  Terebratula  octoplicata 
betrachtet  und  die  in  der  Tbat  mit  der  Som  erby'schen  Abbildung 
dieser  Art  gut  übereinstimmen;  auch  versicherte  Herr  Hebert,  dafJ» 
dieselbe  Form,  welche  Davidson  nicht  genügend  erkannt  zu  haben 


1)  Paleont.  franf.,  Cret.  IV,  p.  4«. 
'*)   Monogr.  Cret.  Brach,  p.  T.S. 
»)    iJiiUef.  geol.  Fr.  2,  XVI,  p.  149. 


über  die  norddeutsch.  Galeriten-Sehichten  u.  ihre  Brachiopoden-Fauna.      219 

scheine,  in  den  äquivalenten  Schichten  von  Norwich  sehr  constant 
sei.  In  der  That  sind  auch  mir  Ühergäiige  von  dieser  durch  ihre  stets 
einfachen,  gerundeten  Rippen,  durch  ihren  breiten,  von  einem  regel- 
mäßig gerundeten  Bogen  der  Stirnlinie  gebildeten  Sinus,  durch  die 
gerundeten  Schnabelkanten,  und  durch  ihre  breite  Gestalt  ausgezeich- 
neten Art  zu  der  sehr  variabeln  Rh.  pUcatilis  nicht  vorgekommen, 
so  viel  ich  auch  Exemplare  beider  Formen  untersucht  habe.  Wenn  ich 
früher  >)  bemerkte,  Rhijnchonella  octopUcata  sei  wahrscheinlich 
nicht  von  Rh.  pUcatiUs  zu  trennen,  so  liegt  darin  nach  meiner 
jetzigen  Ansicht  in  so  fern  ein  Irrthum,  als  ich  damals  solche  Formen 
für  Typender  Sowerby'schen  octopUcata  hielt,  die  ich  in  Wirk- 
lichkeit auch  jetzt  noch  als  bloße  Varietäten  der  pUcatilis  betrachte, 
die  ich  aber  jetzt  nicht  mehr  für  die  wahren  Repräsentanten  der 
echten  octopUcata  halte.  Dagegen  hatte  ich  die  letztere,  die  auch  in 
der  norddeutschen  Kreide  an  einigen  Localitäten  nicht  sehr  selten  in 
der  Zone  des  Relemiiites  mucrotiatus  vorkommt,  auch  damals  schon 
als  eine  besondere  Art  erkannt,  glaubte  jedoch,  daß  ein  Namen  für 
dieselbe  noch  fehlte,  während  ich  mich  jetzt  überzeugt  habe,  daß  sie 
als  Rhynch.  octopUcata  Sow.  sp.  bezeichnet  werden  muß.  Hebert 
hat  eine  gute  Abbildung  dieser  Art  in  dem  5.  Bande  der  2.  Serie 
der  Memoires  de  la  Societe  geologique  de  France,  t.  29,  f.  12,  ver- 
öffentlicht. 

Ganz  abweichend  hiervon  ist  die  Ansicht  Dr.  Herrn.  Credner's, 
welcher  RhynchoneUa  octopUcata  aus  den  „Mucronaten-Mergeln" 
von  Ahlten  bei  Hannover,  Rhynch.  pUcatiUs  aber  aus  dem  „Cenoman 
des  Dimmerberges  bei  Hilters  unweit  Osnabrück"  citirt  2).  Ohne 
Zweifel  ist  unter  letzterem  Citate  das  Vorkommen  im  Grünsande  des 
„Timmerberges"  bei  „Hüter"  unweit  Osnabrück  zu  verstehen,  wel- 
ches Geinitz  als  Terebratula  Juyicri  s)  bezeichnet  hat,  welches 
aber  nicht  dem  Cenoman  angehört,  sondern  wahrscheinlich  dem 
oberen  Pläner  (Zone  des  Scaphites  Geinitzi),  wie  ich  an  einer 
anderen  Stelle  zeigen  werde;  diese  Form  gehört  anerkannter  Maßen 
unzweifelhaft  der  RhynchoneUa  pUcatiUs  Sow.  sp.  an.  Andererseits 
aber  geht  aus  dem  Umstände,  daß  Credner  bei  seiner  Rh.  octopU- 
cata von  Ahlten  antidichotomirende  Falten  beschreibt,  hervor,  daß 


1)  Zeitsehr.  geol.  Ges.  1866,  p.  £72. 

2)  Zeitsehr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  XVI,  p.  Sö6. 

3)  Sachse's  iialurhislor.  Zeilschr.  11,  p.  164,  t.  1,  f.  6—8. 


220  Schloenbach. 

die  Formen,  die  er  unter  dieser  Bezeichnung  im  Auge  hatte,  nicht  jener 
selteneren,  eben  bestimmter  festgestellten  echten  Sowerby'schen 
octoplicata  angehören.  In  Betreff  dieser  Formen  kann  ich  nur  wie- 
derholen ,  daß  ich  nach  sorgfältiger  Vergleichung  von  mehr  als 
300  Exemplaren  aus  den  verschiedensten  Schichten  und  Gegenden 
zu  denselben  Resultaten  über  deren  specifische  Untrennbarkeit  ge- 
langt bin,  wie  sie  Davidson  in  seiner  großen  Monographie  nieder- 
gelegt hat.  Die  deutlichsten  Übergänge  scheinen  mir  alle  jene  For- 
men, die  Davidson  (Cret.  Brach,  t.  10,  f.  1 — 17,  37 — 40)  in  so 
schönen  Abbildungen  zur  Anschauung  gebracht  hat,  mit  einander  zu 
verbinden,  so  daß  man  ihnen  liöchstens  den  Werth  von  Varietäten 
beilegen  darf.  Damit  ist  indessen  durchaus  nicht  ausgesprochen,  daß 
nicht  gcAvisse  von  diesen  Varietäten  in  gewisser  Weise  für  bestimmte 
Schichten  bezeichnend  sein  könnten,  sondern  es  soll  nur  die  That- 
sache  constatirt  werden,  daß  sich  gewisse  Formen  nicht  striet 
an  gewisse  Schichten  binden,  wenn  sie  auch  vorwiegend  in 
denselben  sich  finden.  So  entspricht  z.  B.  die  Mehrzahl  der  Exem- 
plare aus  dem  Galeriten-Pläner  den  Formen,  die  Davidson  am 
angeführten  Orte  in  Fig.  3  und  37  dargestellt  hat,  aber  daneben  feh- 
len auch  solche,  wie  Fig.  1  und  12  nicht.  Formen  wie  Fig.  1  und  16 
sind  vorzugsweise  in  der  Zone  des  Bei.  mncronatus  so  wie  auch  in 
der  des  Scaphites  Geinitzi  inid  Spondylns  spiuosiis  häufig,  in  wel- 
cher letzteren  sich  seltener  auch  Fig.  37  findet;  u.  s.  w. 

Besonders  eigenthümlich  ist  eine  Varietät,  die  ich  noch  nirgends 
abgebildet  finde,  und  die  ich  daher  noch  kurz  erwähnen  muß.  Es 
liegt  mir  davon  besonders  ein  schönes  Exemplar  aus  dem  Galeriten- 
Pläner  zwischen  Beuchte  und  Weddingen  vor,  außerdem  nur  sehr 
wenige  schleclit  erhaltene  und  nicht  so  deutlich  ausgeprägte  Stücke 
von  anderen  Fundorten.  Dnsselbe  gehört  seiner  Gestalt  nach  jener 
Form  an,  die  Davidson  in  Fig.  37  abgebildet  hat;  auch  die  Feinheit 
der  Rippen  stimmt  mit  dieser  Figur  überein.  Dagegen  bilden  sich  auf 
beidenKlappen  schon  von  derMitte  an,  etwasieben  flache,  wellenartige 
Radialrippen  aus,  auf  denen  die  feineren  Rippen  ungestört  verlaufen, 
um  erst  ganz  in  der  Nähe  des  Randes  durch  Antidichotomie  zu  einer 
weit  geringeren  Anzahl  von  Rippen  sich  zu  vereinigen. 

Durch  vorsiclitiges  Absprengen  der  Schale  ist  es  mir  gelungen, 
einige  Steinkerne  herzustellen,  an  denen  man  die  Muskel-  und  Gefäß- 
eindrücke deutlich  erkennen  kann. 


über  ilie  norddeutsch.  Ualeriteii-Sfliifliteii  u.  ilire  BracliioiiDdeii-Fauna.       Hl 

V  ü  rk  u  111  ni  e  n.  Die  verticale  Verbreitung  der  RlujnchoneUa  pli- 
catilis  in  der  deutschen  Kreidetormation  ist  eine  große.  Sie  scheint 
zuerst,  und  zwar  gleich  in  verschiedenen  Varietäten ,  im  Galeriten- 
Pläner  aufzutreten,  wo  sie  indessen  nocli  nicht  besonders  häufig  ist, 
während  sie  in  der  tieferen  Zone  i\ki&  Inucerumiis  l((biatiis  noch  nicht 
nachgewiesen  wurde.  Dagegen  geht  sie  dann  durch  alle  jüngeren 
Schichten  bis  in  die  Kreide  mit  Bei.  mucronatiis  hinauf.  Am  häufig- 
sten findet  sie  sich  wohl  mit  SpondyJus  spinosus  in  den  oberen 
Lagen  der  Zone  des  Scuphites  Geinitzi ,  sowie  auch  in  den  oberen 
Lagen  der  Zone  des  Belenmites  mucronatus.  Fundorte  anzuführen 
würde  zu  weit  führen ,  da  dieselben  außerordentlich  zahlreich  sind. 
Doch  will  ich  nicht  unterlassen  zu  bemerken,  daß  unsere  Art  in  den 
so  außerordentlich  brachiopodenreichen  Galeriten  -  Schichten  von 
Ahaus  zu  den  großen  Seltenheiten  gehört,  da  ich  von  dort  nur  ganz 
wenige  Exemplare  untersuchen  konnte,  F.  Roenier  kannte  sie  von 
dort  gar  nicht.  —  In  Frankreich  und  England  ist,  so  viel  man  aus 
den  betreffenden  Angaben  in  der  Literatur  schließen  kann,  die  ver- 
ticale Verbreitung  ganz  analog  derjenigen  in  Norddeutschland. 

11.  frania  Parisiensis  Defr. 
Taf.  3,  Fig.  11. 
1818.   Crania  Parisietisis  Defr.,  Dict.  W,  p.  313,  Nr.  3. 
1866.         „  „         Schioenbach,  Krit.  Stud.,  p.  37,  t.  3,  tig.  18— 

22.  (Haläoritogr.  XIII.) 

Bemerkungen  und  Vorkommen.  Bei  dieser  Art  kann  ich 
lediglich  auf  das  früher  an  der  oben  citirten  Stelle  von  mir  Mitge- 
theilte  verweisen.  Weitere  Funde  dieser  seltenen  Art,  als  jenes  Exem- 
plar von  Beuchte  unweit  Goslar  (Ffannover)  sind  im  Galeriten-Pläner 
Norddeutschlands  seitdem  nicht  gemacht  worden. 

12.  Disciua  alta  Schloenbach  sp.  nov. 
Taf.  3,  Fig.  12. 

Beschreibung.  Sehr  kleine,  kurz  ovale  oder  fast  kreisrunde 
Art,  von  der  nur  die  größere  freie  Klappe  bekannt  ist.  Diese  ist 
conisch  und  besitzt  einen  subcentralen,  nur  wenig  nach  hinten  ge- 
rückten, einen  Winkel  von  etwa  90 — 100°  bildenden  Scheitel.  Die 
Oberfläche  der  sehr  dünnen  ,  wie  bei  der  lebenden  Discina  laevis 
glänzend  hellbraun  gefärbten  Hornschale  ist  mit  feinen  Anwachslinien 


liiiii  S  c  li  1  o  e  II  I)  :i  c  h. 

und  mit  sehr  zarten  Wärzchen  diclit  heselzt.  Der  Rand  der  Schale 
ist  etwas  ahgeplattet.  Die  Ainvachslinien  sind  auch  auf  dem  Stein- 
kerne deutlich  sichtbar.  —  Miiskeleindrüeke  etc.  nicht  bekannt. 

Bemerkungen  und  V  o  r  k  o  m  m  e  n.  Nur  zwei  in  meiner  Samm- 
luu!^  befindliche  Exemplare  dieser  Art  sind  mir  bis  jetzt  bekannt 
geworden,  von  denen  das  eine  aus  dem  Galeriten-Pläner  vom  „Flei- 
scherkamp" bei  Salzgitter  stammt  und  selbst  auf  einen  Galeriten  auf- 
gewachsen ist,  das  zweite  aus  den  unteren  Lagen  der  Zone  des 
Scaphites  Gehnlzi  vom  Windmühlenberge  bei  Salzgitter;  letzteres 
steckt  in  einem  Gesteinsstücke,  auf  welches  es  nicht  aufgewachsen 
ist  und  befindet  sich  daher  offenbar  nicht  auf  der  Stelle,  wo  es 
gelebt  hat;  man  muß  daher  annehmen,  daß  es  etwa  durch  Strö- 
mungen oder  auf  andere  Weise  aus  der  seichten  Meeresregion,  in 
der  es  gewohnt  hat,  in  das  tiefere  Meer,  aus  dem  sich  die  an  Am- 
moneen  so  reichen  Scaphiten-Schichten  niedergeschlagen  haben, 
fortgeführt  ist.  Beide  Exemplare  haben  nur  einen  Durchmesser  von 
etwa  2'/2  Millimetern. 

Nur  eine  sehr  geringe  Anzahl  von  Arten  der  Gattung  Discina 
sind  aus  der  Kreideformation  bis  jetzt  bekannt  gemacht  worden;  auch 
muß  das  Vorkommen  der  vorstehend  beschriebenen  Art  in  einer  an 
Terebratuliden  so  reichen  Schicht,  wie  es  der  Galeriten-Pläner  ist, 
als  etwas  Anormales  betrachtet  werden,  wenn  auch  die  Zahl  der  be- 
kannten Individuen  dieser  Art  nur  eine  minimale  ist  »)•  —  Archiac  2) 
beschrieb  eine  Orbicula  lamellosa  (non  ßrod. ,  non  Hall) ,  welche 
Orbigny  im  Prodrome  unerwähnt  läßt,  während  Coquands)  sie  in 
sein  Campanien  stellt.  Orbicula  ciiiata  Müll,  ist  nach  Bosquet 
wahrscheinlich  kein  Brachiopode,  sondern  gehört  zu  Placitnopsis  *). 
—  Die  einzige  Art  der  Kreideformation,  die  Orbigny  kannte,  ist 
Dhcina  (Orhiculoidea)  subradiata  Orb.  sp.  &)  aus  dem  französi- 
schen Aptien;  von  dieser  unterscheidet  sich  Discina  alta  durch  das 
Fehlen  der  Radialreifen;  ebenso  sow  Discina  Hnmphriesana  Sow. 
aus  dem  englischen  und  französischen  oberen  Jura.  — Aus  dem  Gault 


1)  Vergl.   Suess,   Woliiis.  A.  Brachiop.,  in  Sitzl).  Wien.  Akad.  XXXVU,  p.  42;    18S9. 

2)  Mem.  Soc.  geol.  Fr.  II,  p.  181,  t.  12.  f.  7. 
^)   Synopsis,  p.  124. 

*>    Staring,   ßodein  v.  Nedtil.  II,  p.  388,  Nr.  520. 
*)  Prodr,  II,  p.  120,  et.  \b,  no.  144. 


über  die  norddeutsch.  Galerifeii-Scliicliten  u.  ihre  BmchiopoJen-Faun«.       /iZö 

des  nordöstlichen  Frankreichs  wurde  von  Buvignier  <)  eine  flache, 
nur  mit  concentrischen  Anwachsringen  versehene  Discma  unter  dem 
Namen  Orbicula  Argonnensis  beschrieben.  —  Discma  Cellensis 
Suess  aus  den  Kössener  Schichten  (Zone  der  Avic  cnntorta)  ist 
dadurch  verschieden,  daß  die  Wärzchen  in  ziemh'ch  entfernten  ra- 
dialen Reihen  stehen;  auch  ist  die  Form  runder. — Bei  der  liasischen 
Discina  papyracea  fehlen  solche  Wärzchen  ganz  und  auch  die 
Anwachslinien  sind  mehr  vereinzelt;  ferner  ist  die  Farbe  der  Schale 
eine  ungleich  dunklere.  — Alle  übrigen  Arten  dürften  zurVergleichung 
weniger  in  Betracht  zu  ziehen  sein ,  da  die  Abweichungen  so  augen- 
fällige sind,  daß  eine  Verwechslung  nicht  leicht  möglich  ist. 


Erklärung    der    Abbildungen. 


Die  Figuren  sind  fast  alle  in  natürlicher  Größe  gezeichnet;  wo  eine  Ver- 
gi'üßerung  angewendet  ist,  wird  die  natürliche  Größe  stets  durch  Figur  a  der 
betreft'enden  Js'umnier  dargestellt.  Die  Original -Exemjilare  befinden  sieh  mit 
alleiniger  Ausnahme  von  Taf.  3,  Fig.  11  in  meiner  Sammlung;  sie  stammen 
sämmtlich  aus  dem  Galeriten-Pläner. 

Tafel  I. 

1.  Terebrntulu   (TerehratnlinaJ   rigida    Sow.    vom    Fleischerkanip    bei 

Salzgilter  (Hannover). 

2.  „  „  „  Sow.     von    Gratis     bei    Ahaus 

(Westphalen). 
3  — S.  „  „  chrysalts  Schloth.   sp.  vom  Fleisclier- 

kamp    bei  Salzgitter;    vcrsch.  Varie- 
täten. 
6,  7.  „         s^/^To^HHß?«  So  w.  vom  Fleischerkamp  bei  Salzgiüer. 

8.  „  „         Sow.  von  Graes  bei  Ahaus. 

9.  „  „         Sow.  vom  Fleischerkamp  bei  Salzgitfer,  lange 

eckige  Varietät. 
10 — 12.  „  „         ebendaher,  zur  Erläuterung  des  inneren  Baues. 


9    Statistique  ge'ol.  Meuse,  Atlas,  1832,  p.  27,  t.  20,  f.  4ö,  46, 


Ot^  S  e  h  I  o  e  n  b  :i  f  li.    Üher  «üe  iiordilfiiUfheii  (i.ilt'riteu-ScIiioliteii  etc. 


Tafel  II. 

\,  2.   Terebratula  Carter iDiW.  vom  Fleisclieikamp  bei  Salzj^itler. 
3 — 5.  „  Deckst  A.  Rocm.  von  Graes  bei  Ahaus,  vorsch.  Varietälen. 

6.  „  „      A.  R Clin,  vom  Fleischorkainp  bei  Salzgitter. 

7,  8.  „  „      A.  Roeiu.  vom  Harlybeige  bei  Vienenburfi  (Han- 

nover); zur  Erläuterung  des  inneren  Baues. 
9.  „  „      vom  Fleiscberkamp    bei  Salzgitter;    um  die  Form 

der  Schleife  zu  zeigen. 
10, 11.    Terehratula  (?)  defluxa  Schloenb.  sp.  nov.  von  Graes  bei  Ahaus. 
12.  „  „       Schloenb.    vom    Fleischerkamp   bei    Salz- 

gitter. 

Tafel  III. 

1,  2.   Terebvatula  (Megerte'iu)  limn  Uefr.  von  GraSs  hei  Ahaus. 
3,  4.  Rhynchonella  Ciivieri  Orh.  vom  Fleiscberkamp  bei  Salzjiitter. 

5.  „  plicalüis  Sow.  sp.  von  Graes  bei  Ahaus. 

6.  „  „       Sow.    sp.   von    Beuchte  unw.   Goslar   a.  Harz; 

Varietät. 

7.  „  „Sow.   sp.    vom   Fleischerkamp    bei  Salzgitter; 

zur  Erläuterung  des  inneren  Baues. 

8.  „  veiitriplanahi  Schloenb.   sp.   nov.  vom  Fleiscberkamp 

bei  Salzgitter. 
9,  10.  „  „  Schloenb.  sp.  nov.  von  Graes  bei  Ahaus. 

11.  Crania  Farisiensis  De  fr.  von  Beuchte  unw.  Goslar  a.  Harz;   aus  der 

Sammlung  des  Herrn  Hüttenmeisters  Stern  zu 
Ocker  bei  Goslar. 

12.  Discina  alta  Schloenb.  sp.  nov.  vom  Fleischerkamp  bei  Salzgitter. 


ScIil«»(Mi((;ifli  .    Il.ilctilfii    Si  liiclilfii. 

Ib.  1C  li 


T^.f.   1. 


J.  'J.TTrhratuiii'iJ    rif/fdf/y  <Vot>?    .\y7..'J.)T''rp?frai/f.l/r/<'    r///y.)V/., 
f)  /^'.  TerfhratfUl^^  .^u-hroln.nda  -Soin. 
Sitzudüsb.d.k.Akad.d.W.iiiatli    ii«lin\v.('l.l,VII.B(l.-l.Al)tli.  18 (Hi 


/  I  Ul  II        Vfl . 


Scilloonba-cil     liiilci  il  cii    Srliirlil.ii 
la.  ic 


Inf.  IJ. 


.  -    ;    ,-  ..      -     ■■.,  Aus  ^.hkrTofri:  "'aa^£arui>er= 

1.  i' .Trn'firoliilti     /'/irh'ri    Dm}.  •'>  !f  ■  Tnf/n/iliiia     Brch-yi    Boe/// .////'.'■  Tfrr 
hratalfi  (^)  fj/'f/nan   ■Sr/i/orrtli.  .vp  .  ?iiw 
S4l/,iiii«.slj.(l.k.Akacl.rl.\V.inatli.]iatnrw.('l.l.VII.ßd.  1.  Aitlli .  18  6». 


)Sciilr)(fili;uli  .    (J;(l<'ri(cii    ScJiicIiirji. 


I- <.  Mrf^rrlnd     liina    Drf'r..).U.li/iijiir/HJ/n'//a    Cifuifrf 
Orl) .  ■')    hHliijHchonrIla    f^ilicd.iiJi.i  ■Soitj     ■\yi .  fS   ll> .  ßhijnr/ionrUa     ufit/ri 
iilii itiitn    .Srli Uieiiii.  -tfi .  non  .  II .('iftiiin  Pnr/.y/rf/-sf.\  Dt' fr.  1'! .  l)i.\///i<t    r////t 
■Srlilofnh .  s/i .  nun . 
Sit/.uni;.sl».d.k.Akarl.fl.W.  nijttli.ii.-iliirNN-.Cl.LVII.B.l.   I.Ablli.  \i\U\. 


\ 


SITZLINGSBERICHTE 


DER 


KAISEKLK  HEN  AKADEMIE  DEH  WISSENSCHAFTEN. 

MATHEMATISCH- NATUR VVISSENSCHAFTLICHK  CLASSE. 
ERSTE  ABTHEILUNG. 

2. 


Enthält  die  Abhandliin^-en   aus  dem  Gebiete  der  Mineralogie,  liolanik, 
Zoologfie,  Anatomie,  Geoloi>ie  und  Paläontologie. 


Sit/,l,.  (1.  iiKilhein.-iiatiuw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Abth.  15 


227 


IV.  SITZUNG  VOM  6.  FEBRUAK   1868. 


In  Verhinderung  des  Präsidenten  übernimmt  Herr  Prof.  Redten- 
b  ach  er  als  Alterspräsident  den  Vorsitz. 

Herr  Hofrath  W.  Ritter  v.  Haidinger  übermittelt  ein  an  ihn 
gerichtetes  Schreiben  des  Directors  der  Sternwarte  zu  Athen,  Herrn 
Dr.  J.  F.  Julius  Schmidt,  „über  einen  Besuch  auf  Santorin  vom  4. 
bis  9.  Jänner  18G8". 

Herr  Vice-Director  K.  Fritsch  übersendet  eine  Abhandlung 
über  „die  Eisverhältnisse  der  Donau  in  den  beiden  Jahren  1862/3 
und  1863/4«. 

Herr  Prof.  Dr.  R.  Maly  zu  Olmütz  übermittelt  die  erste  Abthei- 
lung seiner  „Untersuchungen  über  die  Gallenfarbstoffe". 

Der  Secretär  legt  Photographien  von  Herrn  Bayer  in  Warschau 
zur  Ansicht  vor,  welche  direet  in  Farben  nach  der  Methode  des  Herrn 
Poitevin  erhalten  wurden. 

Herr  Director  Dr.  K.  Jelinek  überreicht  eine  Abhandlung: 
„Über  eine  neue  Art  der  Beobachtung  an  Heberbarometern",  von 
Herrn  Prof.  AI.  Handl  in  Lemberg. 

Herr  Prof.  Dr.  R.  Kner  übergibt  eine  Abhandlung:  „Über  die 
in  Thoneisenstein-Nieren  eingeschlossenen  thierischen  Überreste  aus 
der  unteren  Dyas  (dem  Rothliegenden)  von  Lebach  bei  Saarbrücken. 

Herr  Prof.  Dr.  A.  Bauer  überreicht  eine  von  ihm  gemeinschaft- 
lich mit  Herrn  C.  Klein  durchgeführte  Untersuchung  „über  die 
Einwirkung  von  Zinnchlorid  auf  Amylalkohol"  nebst  einer  von  ihm 
und  Herrn  E.  Verson  ausgeführten  Arbeit  „zur  Geschichte  des 
Benylens". 

Herr  Baron  Dr.  Mundy  hält  einen  Vortrag  über  die  zweck- 
mäßigste Einrichtung  von  Irren-Colonien. 

15* 


228 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 
Academie  Imperiale  des  Sciences  de  St.  Petersbourg.  Memoires. 

VIP  Serie.  Tome  X,  Nr.  2.  St.  Petersbourg,  1867;  4". 
Akademie  der  Wissenschaften,  Königl.  Preuss.,  zu  Berlin:  Monats- 
bericht. September,  October  1867.  Berlin;  8«. 
Annalen  der  k.  k.  Sternwarte  in  Wien.  Dritte  Folge.  XIV.  Band. 
Jahrgang  1864.  Wien,  1867;  8«. 
—  der  Chemie  von  W  o  h  1  e  r,  L  i  e  b  i  g  &  K  o  p  p.  N.  B.  Band  LXVIII, 
Heft  3;  V.  Supplementband,  3.  Heft.  1867;  Band  LXIX,  Heft  1. 
1868,  Leipzig  &  Heidelberg;  8o. 
Apotheker -Verein,    allgem.    österr.  :     Zeitschrift.     6.    Jahrg. 

Nr.  3.  Wien,  1868;  8». 
Astronomische  Nachrichten.  Nr.  1673—1676.  Altona,  1868;  4«. 
Bibliotheq  ue  Universelle  et  Bevue  Suisse:  Archives  des  Sciences 
physiijues  et  naturelles.  N.   P.  Tome  XXX.  Nr.  12ü.   Geneve, 
Lausanne,  Neuchatel,  1867;  8". 
Cantani,    Arnoldo,    Addizioni    e   note    originali   alla   sua    seconda 
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Comptes    rendus    des    seances    de    TAcademie    des    Sciences. 

TomeLXVl,  Nr.  2—3.  Paris,  1868;  4». 
Cosmos.  3'  Serie.  XVIP  Annee,  Tome  II,  4""— 5*'  Livraisons.  Paris, 

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Duval,  Jules,   Gheel,   ou  une   colonie  d'aliene's  vivant  en  famille  et 

en  liberte.  Paris,  1867;  8o. 
Fräser,  Thomas  B. ,  On  the  physiological  Action  of  the  Calabar 
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Jahrg.,  Nr.  4—5.  Wien,  1868;  8». 
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229 

Reichert,  C.  B. ,  Über  ä'ie  contiaciWe  Si\hstm\7.  CSarcode,  Proto- 

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Reichsforst  verein ,     österr. :     Monatsschrift    für    Forstwesen. 

XVH.  Band.  Jahrgang  1867.  November-  uiul  December-Heft. 

Wien;  8". 
Revue    des   cours   scientifiques    et   liüeraires    de    la  France   et  de 

Telranger.  V'Annee,  Nrs.  8—9.  Paris  »5c  Bruxelles,  1868;  4o. 
Sc  herz  er,  Karl  v.,  Statistisch-cunimerzielle  Ergebnisse  einer  Reise 

um  die  Erde,  unternommen  an  Bord  der  österr.  Fregatte  Novara 

in  den  Jahren  1857 — 1859.  (Zweite  Auflage.)  Leipzig  &  Wien, 

1867:  kl.  4o. 
Society,    The    Geological ,    of  Glasgow:    Traiisactions.    Vol.    II, 

Part  3.  Gias-ow,  1867;  8«. 
Verein,  naturhist.-medizin.,  zuHeidelberg:  Verhandlungen.  BandIV, 

5.  Heft.  8". 
V  i  e  r  t  e  I  j  a  h  r  e  s  s  c  h  r  i  f  t    für    wissenschaftliche   Veterinärkunde. 

XXVIH.  Band,  2.  Heft.  Wien,  1867;  8«. 
Wiener  Landwirthschaftliehe    Zeitung.    Jahrg.    1868,   Nr.    4  —  S. 

Wien;  8». 
—   medizin.    Wochenschrift.    XVIIl,  Jahrg.,    Nr.    8—11.    Wien, 

1868;  4o. 
Zeitschrift  für  Chemie  von  Beilstein,  Fittig  und  Hübner. 

X.  Jahrg.  N.  F.  IIL  Bd.,  24.  Heft;  XI.  Jahrg..  N.  F.  IV.  Band, 

3.  Heft.  Leipzig,  1867  &  1868;  8». 


230  s,M..s. 


Über  die  Äquivalente  des  RothHegenden  in  den  Südalpen. 
Von  dem  w.  M.  Ed.  Suess. 

(Mit  2  lithogra|iliirteii  Tafeln.) 
(Vorgelegt  in  der  Sitzung  vom  16.  Jänner  1868.) 


1.    Abschnitt. 
Val  Sugana.  Cima  d'Asta. 

Währeiiil  im  Laufe  der  letzten  Jahrzehnte  die  Gliederung  der 
mesozoischen  Ahlagerungen  in  den  Ostalpen  von  Jahr  zu  Jahr  schärfer 
erfasst  und  in  Bezug  auf  die  Gleichstellung  der  Hauptgruppen  mit 
ausseralpinen  Vorkommnissen  manches  wichtige  Ergehniß  sicher- 
gestellt wurde,  ist  für  die  Vergleichung  der  unter  denselben  liegen- 
den, sehr  mächtigen  Massen  mit  den  Ablagerungen  anderer  Länder 
verhältnißmäßig  wenig  erreicht  worden.  Allerdings  hat  sich  die 
Zahl  der  Fundorte  von  Versteinerungen  innerhalb  der  paläozoisclien 
Gebiete  ziemlich  vermehrt  und  umlassen  dieselben  Vertreter  aller 
Hauptabtheilungen  von  den  unteren  Gliedern  der  obersilurischen 
Gruppe  bis  zu  den  pflanzeni'ührenden  Schiefern  der  Steinkohlen- 
formation. Es  reicht  hin  neben  dem  Thonscliiefer  von  Dienten,  an 
die  vielfach  gegliederten  Devonischen  Ablagerungen  von  Gratz,  an 
die  marinen  Ablagerungen  der  Steinkohlenl'ormation  von  Bleiberg 
und  vielen  anderen  Punkten,  endlich  an  die  pflanzenführenden 
Schichten  derselben  Formation  vom  Steinadler  Joch  und  von  der 
Stangalpe  zu  erinnern.  Nichtsdestoweniger  sind  diese  Vorkomm- 
nisse zu  sporadisch  geblieben,  um  ein  zusaniinenhängendes  Bild 
der  Ausbreitung  einer  oder  der  anderen  dieser  Ablagerungen  zu 
selialVen  und  unsere  geologischen  Karlen  geben  nacli  dieser  Rieh- 
tiiiig  liin  nur  ein  selir  lückenhaftes  Bild. 

Es  knüpfen  sich  aber  an  die  strengere  Erkenntniß  gerade  der 
älteren  Flötzbildungen  mehrere  der  grötJiten  und  schwierigsten 
Fragen  der  Alpen  -  Geologie  und  ist  ein  richtigerer  BegrilT  des 
Wesens  der  sogenannten  rentralmassen,  so  wie  ein  besseres  Ver- 


Üher  die  Äquivalente  des  Rotlilieg-enden  in  den  Siidalpen.  231 

ständniß  für  die  Hauptfragen  des  Aulbaucs  der  Alpen  eben  nur  auf 
diesem  Wege  zu  hoffen.  Die  Überzeugung  von  der  Wichtigkeit 
dieser  großen  und  schwierigen  Aufgabe  ist  es  denn  auch,  mehr  als 
die  Aussicht  auf  irgend  m  eh'he  große  und  entscheidende  Entdeckun- 
gen srewesen,  welche  mich  veranlaßt  hat,  im  I^aufe  der  letzten  drei 
Jahre  auf  wiederholten  Reisen  an  der  Südseite  der  Alpen  ihr  neuer- 
dings Aufmerksamkeit  zu  schenken. 

Die  Siidalpen  wurden  für  diese  Studien  vorgezogen ,  weil  die 
Zahl  der  bekannten  Fundorte  paläozoischer  Fossilien  hier  eine 
grössere  und  die  Verbreitung  der  Ablagerungen  beträchtlicher  ist  als 
im  Norden,  Der  erste  Schritt  zu  weiterer  Erkeniitniß  mußte  von 
einem  bekannten  und  zuverlässigen  Horizonte,  also  von  der  Basis  der 
Trias  aus  versucht  werden.  Endlich  mußten  an  entfernten  Punkten 
entworfene  Profile  verglichen  werden,  und  ich  dehnte  daher  meine 
Beobachtungen  auf  das  ganze  Streichen  des  südlichen  Abhanges,  so 
weit  er  unserem  Reiche  zufällt,  d.  h.  von  der  schwei^rischen  bis 
an  die  bosnische  Grenze  aus. 

Dem  südlichen  Theile  der  österreichischen  Alpen  fehlt  an  vielen 
Stellen  jener  regelmässige  Parallelismus  der  Bruch-  und  Beugungs- 
linien, welcher  die  Trias  der  Nordalpen  so  sehr  auszeichnet.  Älteres 
Gebirge  tritt  auf  sehr  weiten  Strecken  innerhalb  der  südlichen  Neben- 
zone liervor,  was  im  Norden  nirgends  der  Fall  ist.  Es  erscheinen  sog;»- 
große  Massen  von  Gesteinen  mit  krystallinischer  Structur  außerhalb 
des  Streichens  der  Mittelzone,  wie  jene  gewaltige  Gruppe  der  Cima 
d'Asta- Gebirge,  die  man  vielfach  als  s.elbständige  Centralmassen 
anzusehen  geneigt  ist,  welchen  Begriff  man  sogar  auf  das  große 
Porphyr  -  Gebirge  von  Botzen  ausgedehnt  hat.  Wäre  diese  An- 
schauung richtig,  würden  diese  Massen  in  der  That  selbständige 
Erhebungs-Centra  darstellen,  an  denen  jüngere  Gebirgsscbichlen 
durchbrochen  und  aufgerichtet  wären,  so  dürfte  man  hoffen,  an  den 
Flanken  des  Adamello  oder  der  Granit-Masse  von  Brixen,  oder  der 
Cima  d'Asta,  oder  der  granitischen  Gebirge  von  Schwarzenbacb  und 
Kappel  in  Kärnten  eine  mehr  oder  minder  mächtige  Entwicklung 
einer  älteren  sedimentären  Schichtenreihe  zu  finden,  wie  gegen  die 
Mittelzone  hin.  Dies  ist  aber  wie  sich  bald  zeigen  wird  ganz  und  gar 
nicht  der  Fall,  und  so  tritt  dem  Geologen,  welcher  die  paläozoischen 
Bildungen  der  Südalpen  durchwandert,  in  diesen  außerhalb  der  Mit- 
telzone liegenden  Massen  eine  weitere  Frage  entgegen. 


232  s  "''««• 

Bphält  man  nun  aber  auch  die  Basis  der  Trias  als  Ausgangs- 
punkt für  diese  Aufgabe  im  Auge,  so  gelangt  man  beim  Beginne  der 
Arbeit  im  Westen  der  Monarchie  an  scheinbare  Widersprüche, 
welche  erst  durch  weitere  Vergleichungen  gelöst  werden.  Aus  dem 
Süden  nach  Tirol  reisend,  findet  man  in  Ober-Italien  an  vielen  Stel- 
len,  z.  B.  in  dem  isolirten  Kessel  von  Recoaro,  als  Liegendes  der 
Trias  eine  mächtige  Masse  von  grobtlaserigem  Thonglimmerschiefer 
(glimmerreichem  Thonschiefer)  ent])Iößt,  welcher  häufig  Kupfer, 
Bleiglanz,  Fahlerz  oder  Eisen  führt.  Noch  unmittelbar  bei  Trient 
liegt  die  Trias  auf  Thonglimmerschiefer,  in  welchem  sich  alte  Berg- 
baue befinden.  Gegen  Norden  liegt  aber  unter  der  Trias  der  Porphyr 
von  Botzen  und  nichts  kann  auffallender  sein,  als  die  Verschiedenheit, 
welche  in  dieser  Beziehung  zwischen  dem  Gebiete  von  Trient  und 
jenem  von  Botzen  herrscht ').  Dem  Eisacktbale  aufwärts  folgend, 
sieht  man  endlich  unter  dem  Porphyr  grauen  Schiefer  wieder  hervor- 
tauchen, welcher  bis  an  den  Diorit  von  Klausen  und  weiterhin  bis  an 
den  Granit  von  Brixen  anhält.  In  den  Nordalpen  aber  fehlt  der  Por- 
phyr unter  der  Trias,  und  nimmt  der  Thonglimmerschiefer  wieder 
seine  Stelle  ein. 

Die  große  Porphyrmasse  von  Botzen,  seit  und  vor  L.  v.  B  u  c  h  der 
Gegenstand  so  vieler  Untersuchungen,  ist  bei  aller  ihrer  Ausdehnung 
doch  nur  ein  Tbeil  einer  Anzahl  noch  viel  weiter  ausgebreiteter  wie- 
derholter Ergüsse  oder  Decken,  welche  sich  nach  verschiedenen  Seiten 
hin  mit  abnehmender  Mächtigkeit  unter  den  Triasbildungen  ausdeh- 
nen und  an  entfernten  Stellen  in  demselben  Horizonte  zum  Vorschein 
kommen,  so  z.  B.  in  südwestlicher  Richtung  in  den  Judicarien.  Es 
versteht  sich  von  selbst,  daß  diese  Ergüsse,  zwischen  dem  älteren 
Schiefer  und  der  Triasformation  liegend,  alle  die  späteren,  mit  der 
Erhebung  der  Alpen  in  Verbindung  stehenden  Bewegungen  der 
geschichteten  Gebirge  mitgemacht  haben.  Es  war,  um  den  vor  langer 
Zeit  von  Boue,  seither  von  Peters  bei  der  Schilderung  der  dem- 
selben Horizonte  angehörigen  Quarzporphyre  Krain's  gebrauchten 
Ausdruck  zu  wiederholen ,  ihr  Verhalten  gegenüber  der  Erhebung 
der  Alpen  ein  durchaus  passives.  Von  einer  unmittelbar  durch  die 
Eruption   des  Porphyrs  von  Botzen  veranlaßten  Erhebung  der  aul- 


')   Eine  lel)endig^e  Schilderung-  dieses  Contrastes   findet  man   in  L.  v.  Bucirs  {resani- 
nielt.  Schriften,  I,   S.  333  ii.  fol-r. 


Vhc'V  ilii'  Ät|iiivali'nfr  des  Holhliejfi'iKlfii  in  den  Sii(l:il|>eii.  ZAo 

liegenden  Kiilk-  und  Dohnnilniassen  lüuin  soniil  nielil  die  Rede  sein, 
wenn  aiieli  eine  so  gewallige  Masse,  zwischen  die  sedimentären  IJii- 
diingen  eingeschaltet,  an  den  Stellen  ihrer  griißten  Mächtigkeit  diircis 
das  passive  Verhalten  derselhcn  gegeniiher  dem  von  der  Mittelzoue 
her  erfolgten  Seitendriuke  und  dnrcli  ihren  in  der  Hege!  grölk'ren 
Widerstand  gegen  Erosion  und  Ahwilterung  Ersclieinungen  herhei- 
iiihren  konnie.  wie  sie  sons!  nur  an  selhsländigen  Erhehungsdomen 
angetrofien  werden. 

Resouders  auffallend  und  iiherzeugend  ist  in  dieser  Beziehung 
das  Verhalten  ihs  Porphyrs  gegeniiher  der  granitischen  Masse  der 
Cima  d'Asta.  Der  Granit  sammt  seinem  Gürtel  von  Thonglimmer- 
schiel'er  ist  von  einem  aufgehrochenen  Ringe  von  Poiphyr  umgehen, 
der,  gegen  Norden  geschlossen,  gegen  Süden  allerdings  mehrfach 
unterhrochen  ist,  welcher  sich  jedoch  sammt  den  auflagernden  Massen 
von  Triashiidungen  zum  Granit  der  Cima  d'Asta  eben  so  verhält,  wie 
die  Triashiidungen  des  Schiern  und  der  Mendola  zum  Porphyr  hei 
Rotzen.  Die  Karte  des  Tiroler  montanistischen  Vereines,  F.  v.  Hauer's 
neue  Übersichtskarte  von  ÖsteiTeich ,  so  wie  die  von  G.  v.  Ra  th 
verötTentlichten  SkizzcMi  aus  der  Asta-Masse  'j  lassen  dieses  Verhäll- 
niss  deutlich  crkeiincii. 

Betrachten  wir  jedoch  der  Reihe  nach  die  liier  unter  der  Ti'ias 
folgenden  Bildungen. 

Unmittelhar  unter  den  glimmerigen  und  mehr  oder  minder 
schielVigen  Lagen  der  Posid.  Clarai  liegt  allenthalhen  ein  grellroth 
gefärl)ter  Sandstein.  Er  liegt  auf  dem  Porphyr,  und  wo  dieser  fehlt, 
in  der  Regel  unmittelliar  auf  dem  Thonglimmerschllefer;  zuweilen 
enthält  er  kleine  Kohlensehmitzen.  L.  v.  Buch,  welcher  diesem 
rothen  Sandstein  einen  eigenen  Abschnitt  seines  berühmten  „geogno- 
stischen  Gemäldes  von  Süd-Tiro!"  widmete 2),  hielt  ihm  v>egen 
seiner  Verbindung  mit  dem  Porphyr  für  das  Rothe  Todtliegende  Thü- 
ringens. Rieht hofen,  welchem  man  ebenfalls  sehr  zahlreiche  und 
zuverlässige  Beobachtungen  über  denselben  verdankt"),  nannte  ihn 
„ G r  ö  d  n  e  r  S  a  n  d  s  t  e  i  n"  nach  dem  Gröden  -  (Gredina)  Thale, 
welches  bei  Kollmann  in  die  Eisack  mündet,  und  rechnete  ihn  ziu" 


')    Die  Lag-orai-Kettc  und  das   Ciiiui  d"  Asfa-fiehirge ,  .lahib.    Geol.  Reichsanst.    ISGO, 

S.  231  —  128. 
-)   Mineialo^'.  Taschenbuch  für  1824,   H,   S.  311  — 318. 
3)    Geogn.  Beschreib,  d.  Umjjeg.  v.  Predaxio  u.  s.  w.  S.  4U,  44,  47,  161  ii.  a.  a.  O. 


234  S  u  e  s  s. 

unteren  Trias.  Der  letzteren  Ansicht  hat  sich  in  neuerer  Zeit  die 
Mehrzahl  der  österreichischen  Geologen  angeschlossen;  wenn  man 
aher  erwägt,  daß  die  Grenze  des  Grödner  Sandsteins  gegen  oben, 
niiuilich  gegen  die  glimmerreichen  Lagen  mit  Posid.  Clnrai  (Richt- 
hot'en's  „Schichten  von  Seiss")  in  der  Regel  eine  deutliche  ist, 
während  nach  unten,  also  gegen  den  Porpliyr  hin,  die  scharfe  Ab- 
grenzung mehrfach  geläugnet  worden  ist,  dass  im  Gegentheile  Porphyr 
und  Grödener  Sandstein  von  vielen  Reobachtern  als  eng  verbundene 
Bildungen  angesehen  werden,  ja  daß  Richthofe n  selbst  (S.  47) 
auf  die  Ähnlichkeit  der  Beziehungen  hindeutet,  welche  in  den  Alpen 
zwischen  Porphyr  und  Grödener  Sandstein,  in  Mittel -Deutschland 
zwischen  Porphyr  und  Rothliegendem  herrschen,  möchte  es  scheinen, 
als  ob  für  die  ältere,  v.  Buch'sche  Ansicht,  welche  den  Grödener 
Sandstein  der  Dyas  zutheilen  möchte,  eben  so  viele  Gründe  in  Süd- 
Tirol  sprechen,  als  für  die  Zutheilung  zum  bunten  Sandstein. 

Die  Verfasser  der  großen  geologischen  Karte  des  Tiroler  Ver- 
eines wußten  den  rothen  Sandstein  scharf  von  dem  rothen  Werfener 
Schiefer  zu  trennen,  und  zogen  es  ebenfalls  vor,  denselben  dem 
Rothliegenden  zuzuzählen  i).  Ich  habe  mich  von  der  Selbständig- 
keit dieser  beiden  Glieder  an  der  ganzen  Erstreckung  des  südlichen 
Abhanges  unserer  Alpen  überzeugt,  glaube  aber,  daß  auch  nach 
unten  hin  in  den  übrigen  Theilen  der  Alpen  eine  gute  Abgrenzung 
vorhanden  ist,  und  daß  die  rothen  Sandsteinlager,  welche  in  Süd- 
Tirol  die  Verbindung  mit  dem  Porphyr  herzustellen  scheinen,  eben 
schon  einer  tieferen  Gruppe  angehören. 

Der  Grödener  Sandstein  ist  in  der  Regel  schon  aus  der  Ferne 
diu'ch  die  grell  rothe  Färbung  des  Bodens  kennbar.  Seine  Mächtig- 
keit wechselt  auf  eine  sehr  bemerkenswerthe  Weise,  denn  während 
Richthofen  Punkte  nennt,  an  denen  er  zu  8  —  900  Fuß  anschwellen 
soll,  sieht  man  ihn  an  anderen  Stellen  zu  einer  Bank  von  wenigen  Fußen 
zusammenschrunipfen.  Selir  häufig  ist  er  von  Gyps  begleitet,  welcher 
bald  selbständige  Lager  im  Hangenden  bildet,  bald  nur  in  Gestalt 
von  feinen  Schnüren  den  Sandstein  selbst  nach  allen  Bichtungeu 
durchzieht.  Trinker  erwähnt  auch  Kalktrümmergesleine  und  Rauch- 
waeke  mit  dem  Gyps,  welche  ich  niclit  selbst  zu  sehen  Gelegenheit 
hatte  2). 

')   Trinker,   Peli'df^r.  iMliiiilcriing'eii  /..  g'eogn.  Kartf  v.  Tyml.  4".  lötSS,  S.  (56. 
2J    Kl.,  (las.    S.  6:J. 


fJher  die  Äquivalente  des  Kothliegendeii  in  den  Siidalpen.  235 

Die  unter  dem  Grödener  Sandstein  liefindliclie  große  Porphyr- 
masse sammt  ihren  deckenförmigen  Aushreitungen,  welche  R  icli  t- 
hofen  als  das  Ergehniß  mehrerer  aufeinanderfolgender  Eruptionen 
dargestellt  hat,  ist  sowohl  im  Hangenden  als  auch  im  Liegenden  von 
sehr  mannigfaltigen  Tu(T-,Breccien-  oder  conglomerat- artigen  Bildun- 
gen, seihst  von  rothen  glimmerigen  Schiefern  vom  Aussehen  der 
Werfener  Schiefer  begleitet,  welche  auf  kurze  Strecken  hin  sich 
auskeilen  oder  anschwellen  und  üherhaupt  je  nach  der  Ortlichkeit  so 
sehr  wechseln,  daß  ,eine  weitere  Gliederung  derselhen  sich  nicht 
durchführen  liißt.  Es  scheint  jedoch  im  Liegenden  des  Porphyrs  das 
Ersclieinen  von  dunkel  braunrothem  Conglomerat  mit  Quarzgeröllen 
eine  ziendich  allgemeine  Regel  zu  sein.  Ganz  ähnliche  Conglomerate, 
zuweilen  zahlreiche  Porphyrgerölle  enthaltend ,  erscheinen  z.  B.  im 
westlichen  Kärnten  in  liöherem  Horizonte  als  Einlagerungen  im 
Grüdener  Sandstein. 

Das  Liegende  aller  dieser,  fast  ausnahmslos  roth  oder  nelken- 
braun gefärbten  Gesteine  ist  der  Thonglimmerschiefer.  Mit  diesem 
beginnt  ein  neues  und  gegen  die  auflagernde  Gruppe  sich  gut 
abgrenzendes  Glied  der  älteren  Sedimentär  -  Gebilde.  Stnder's, 
Escher's,  insbesondere  aber  Theobai  d"s  trelTliche  Arbeiten  über 
Graubündten  lassen  keinen  Zweifel  darüber,  daß,  so  wie  der  Grüdener 
Sandstein,  die  Porphyre  und  Conglomerate  Süd-Tirol's  dem  Verru- 
cano  und  den  nur  im  Gebiete  des  letzteren  erscheinenden  Por- 
phyren der  östlichen  Schweiz  entsprechen,  so  auch  der  sogenannte 
Thonglimmerschiefer  dieses  Theiles  unserer  Alpen  die  unmittelbare 
Fortsetzung  des  Casannaschiefer's  von  Graubündten  ist.  Seine 
Lage  unter  dem  Verrucano  ist  dieselbe.  Dort  wie  hier  sind  es  die- 
selben Erze,  welche  viele  kleine  Baue  veranlaßt  und  fast  zu  eben  so 
vielen  Enttäuschungen  geführt  haben.  Seine  wechselnde  petrogra- 
phische  Beschaffenheit  ist  dieselbe,  indem  er  bald  als  echter  Thon- 
schiefer,  bald  glinimcrig,  talkig  oder  mit  dem  Aussehen  alt  kry- 
stallinischer  Schiefer  auftritt  <)  und  eben  diese  Mannigfaltigkeit  des 
Gesteins  ist  es,  welche  mich  den  in  der  Schweiz  üblich  gewordenen, 
einer  Örtlichkeit  entnommenen  Namen  jeder  anderen  Bezeichnung 
vorziehen  läßt.  Bevor  ich  jedoch  zur  Besprechung  derselben  über- 
gehe,   bleibt    eine    EigcHthümlichkeit    der    vorhergehenden    Gruppe 


')   Tlu'ohald,    üeol    Besciireilmng  von  (iraiiliiinilti-ii,  I,  S.  43  —  47. 


236  S  u  e  s  s. 

ZU  berühren,  Melelic  für  die  weiteren  Vergleieliungen  von  Be- 
deutung ist. 

Trinker  erwähnt  ')  einen  Fund  von  Quecksilber  und  Zinnober 
in  rothem  Sandstein  bei  Sagron  unweit  Primör.  Dieses  Auftreten 
hängt  wohl  mit  dem  mächtigen  und  in  neuester  Zeit  mit  so  viel 
Glück  aufgesclilossenen  Quecksilbervorkommen  von  Vairalta  bei 
Agordo  zusammen.  Die  von  Trinker  2j,  Stapffs)  und  G.  vom 
Rath*)  verölTenlliehten  Beschreibungen  gehen  ein  deutliches  Bild 
dieses  merkwürdigen  Punktes,  den  ich  leider  nicht  selbst  gesehen 
habe.  Eine  Vergieichung  des  Rath'schen  Profiles,  welches  dem 
OConnor  Stollen  entnommen  ist,  mit  dem  begleitenden  Kärtchen 
lehrt,  daß  dieser  Stollen  vom  älteren  Schiefer  zum  Alpenkalke  geführt 
ist,  daß  dabei  die  Schichten  dem  Alpenkalke  aufzulagern  scheinen, 
und  daß  sie  sich  daher  in  überstürzter  Lagerung  befinden.  Die 
sciieinbaren  Hangendschicliten  der  Quecksilbermasse  sind  also  ihr 
wahres  Liegendes.  Zunächst  durchfährt  dieser  Stollen  eine  größere 
Masse  von  quarzreichem  Conglomerat(Verrucano),  wie  es,  wie  Trin- 
ker richtig  bemerkt,  in  der  Regel  zwischen  Quarzporphyr  und  Tlion- 
glimmerschiefer  zu  liegen  pflegt,  hierauf  den  Quarzporphyr  und  Por- 
phyrsandslein, etwas  rothen  Sandstein,  und  erreicht  dann,  in  einer 
größeren  Masse  von  Talkschiefer,  den  von  dunklem  graphitischem 
Schiefer  umgebenen  Erzstock.  Dieser  umschließt  nach  G.  v,  Rath 
gerundete  Körner  von  Gyps,  Kalkspath  und  auch  von  Quarz.  In  seinem 
wahren  Hangenden  werden  Schichten  von  rothem  Glimmer,  Sand- 
stein und  schwarzem  Graphitschiefer  angeführt,  dann  folgt  abermals 
Talkschiefer. 

Es  folgt  hieraus ,  daß  die  mächtige  Masse  von  Talkschiefer, 
welcher  das  Quecksilbervorkommen  hauptsächlich  angehört,  noch  unter 
dem  Grödener  Sandstein  liegt.  Herr  Bauer,  welcher  den  O'Connor- 
Stollen  anlegte,  hat  mir  eine  schöne  geschliffene  Probe  von  Porphyr 
aus   demselben    gezeigt ,    weicher   durch   und    durch   mit   Zinnober 


•)  Petrogr.  Erläuterung-en,   S.  68. 

2)    Die    Enlstehuiij;    und    der     erste    Aufschwung    der   Quecksilhergrube    Vallalta    hei 

Agordo.   Jahrb.  geol.  Reichsanst,  IX,  1858,  S.  442—444. 
')  Üb.    d.  Vorkoninien   v.    Quecksilbererzen  zu  Vallalta  ;   Bornemann    undKerl's 

Berg-  und  llüttenm.  Zeitung,  1861,  XX,  S.  419— 42*1. 
*)   Üb.   d.  yuecksilbcrgrube  VaUalta   in   d.  V'enetianer  Alpen.    Zeitscbr.  deutsch,  geol. 

Ges.  XVI,  1864,  S.  121  —  135  u.  Taf.  II. 


nbf'r  flio  Ä(Hiivnlentr  des  Hofhlk'giMiden  in  «Ion  Siidalpen.  COI 

imprägnirt  ist,  wie  iliii  Staplt'  als  „Ziimoher-Porpliyr"  heschreiht. 
Stap ff  bezeichnet  das  liegende  Trumni  des  Porphyrlagers  sogar  als 
die  eigentliche  Erzlagerstätte,  und  betont  die  volle  Gleichheit  des 
graphitischen  Schiefers  von  Vall'alta  und  des  später  zu  berührenden 
Silberschiefers  von  Idria. 

Der  Casannaschiefer,  welcher  allentbalben  den  Porphyr  und  die 
Conglomerate  unterteuft,  und  wo  diese  fehlen  unmittelbar  unter  dem 
rotheii  Sandstein  sichtbar  wird,  ist  durch  Val-Sugana  hin  ein  aus 
zahlreichen,  welliüren,  zuweilen  auch  eigenthümlich  verdrückten  mem- 
branüsen  und  seidenartig  glänzenden  Glimmerflasern  zusammenge- 
setztes Gestein,  welches  häufig  Quarzlinsen,  seltener  auch  Kalk  ein- 
schließt. An  vielen  Orten  ist  er  durch  seinen  Erzreichtluim  kennbar. 
Er  führt  Kupferkies,  Fahlerz,  silberhaltigen  Bleiglanz  und  Blende 
oder  Spatheisenstein.  Man  kann  ihn  geradezu  als  die  erzführende 
Zone  Süd-Tirol's  bezeichnen,  denn  es  kann  als  eine  seit  lange  fest- 
gestellte Thatsache  angesehen  werden,  daß  die  zahlreichen,  aller- 
dings zum  großen  Theile  aufgelassenen  Baue  auf  Kupfer  oder  Blei- 
glanz ,  welche  sich  von  Pergine  über  Levico .  rings  die  Asta-Masse 
umgebend,  bisPrimör  und  bis  zu  dem  großen  Stocke  desVal-Imperina 
(Agordo)  ziehen'),  demselben  Streifen  von  Casannaschiefer  ange- 
hören, welcher  hier  unter  dem  Porphyr  oder  dem  Grödener  Sandstein 
hervortritt.  Ringsum  trennt  dieses  Gestein  den  Granit  der  Asta  von 
dem  Porphyr  und  dem  Grödner  Sandstein,  und  im  Norden  und  Süden 
vom  Granit  befinden  sich  in  demselben  die  alten  und  neueren  Baue 
auf  Kupfer  bei  Roncegno,  im  Torrente  Maso,  dann  im  Val-Calamento, 
Val-Sorda  und  Conserie.  Trinker  hat  sie  aufgezählt  und  beschrie- 
ben 3) ,  und  zugleich  eine  trefTliche  Darstellung  des  Casannaschiefers 
dieser  Gegend  gegeben. 

Die  Lagerung  des  Casannaschiefers  gegen  den  Granit  der  Cima 
d'Asta  ist  eine  höchst  bemerkenswerthe.  L.  v.  Buch  hatte  den 
Schiefer,  allerdings  nicht  nach  eigenen  Beobachtungen,  als  den  Granit 
mantelförmig  umlagernd  dargestellt.  G.  v.  Rath,  welchem  wir  die 
ausführlichsten  Beobachtungen  über  diesen  eigenthümlichen  Gebirgs- 
stock  verdanken,  beschrieb  indessen  an  mehreren  Punkten  der  Nord- 


•)   Fuchs,   Sitzungsb.  18ä0  hat  die  Verhältnisse  bei  Agordo  in  einem  eigenen  Profile 
dargesteUt. 

3)   Petrogr.   Erläuterungen,   S.  27—56;   vgl.   auch   Foetferle,    Jahrb.   VHI,   1857, 
S.  787. 


238  S  u  e  s  s. 

und  Ostseitc  ein  Wegfallen  des  Schielers  vom  Granit,  während  er  an 
der  ganzen  Südseite  von  Toreegno  an  dem  einen  bis  7Aim  Canal  San 
Boro  am  anderen  Ende  der  Masse  die  Schiefer  gegen  NW.,  also 
gegen  den  Granit  fallen  sah  (a.  a.  0.  S.  122  u.  folg.)  i)-  Hätte  diesen 
gewissenhaften  Beobachter  der  Zufall  von  Seurelle  (NO.  von  Borgo), 
wo  er  tertiäre  Petrefacten  sammelte,  in  das  naheliegende  und  tief  ein- 
gerissene Bett  des  Torrente  Maso  geführt,  welche  hier  aus  der  Granit- 
Masse  hervorkömmt,  er  würde  den  Schlüssel  zu  dieser  Erscheinung 
und  zugleich  einen  der  lehrreichsten  und  merkwürdigsten  Aufschlüsse 
in  den  Südalpen  getroffen  haben.  Herr  Waagen  aus  München  ist 
mein  freundlicher  Begleiter  bei  einer  zweimaligen  Begi^luing  dieser 
Strecke  gewesen  und  wir  konnten  die  nachfolgende  Lagerung  beob- 
achten.  (Vergl.  Taf.  I,  Fig.  1.) 

An  der  rechten  Seite  des  Torrente  Maso  ruht  in  großer  Aus- 
dehnung die  Granitmasse  des  Salubio  auf  dem  flach  darunter  fallen- 
den Casannaschiefer,  welcher  hier  ziemlich  viel  Quarzgänge  führt, 
während  auf  der  linken  Seite  die  ganz  ähnliche  Granitmasse  der  Cima 
Bavetta  zwar  ein  wenig  gegen  Norden  zurücktritt,  aber  ebenfalls 
deutlich  vom  Casannaschiefer  unterteuft  wird.  Die  beiden  Granit- 
berge bilden  einen  Theil  der  hinter  ihnen  sich  erhebenden  Cima 
d'Asta.  Die  Zone  von  Casannaschiefer  an  ihrem  Fuße  ist  auffallend 
schmal;  unter  der  Cima  Ravetta  befindet  sich  in  demselben  ein  auf- 
gelassener Bau  auf  Kupfer,  welcher  auch  auf  der  Tiroler  Karte 
bemerkt  ist. 

Das  rechte  Ufer  des  Wildbaches  bietet  nun  thalwärts  die  besseren 
Aufschlüsse.  Der  Casannaschiefer  legt  sich  hier  auf  eine  ebenfalls 
N.  fallende  Masse  von  weißem  Kalkstein,  den  wir  für  identisch 
hielten  mit  dem  durch  Benecke  genauer  bekannt  gewordenen 
lichten  Kalkstein  der  Juraformation  von  Trient.  Dieser  Kalkstein, 
welcher  mitten  vom  Bache  durchrissen  ist,  bildet  an  jeder  Seite  des- 
selben ein  Riff.  Er  ruht  auf  einer  wenig  mächtigen  Folge  von  dünnen, 
rothen  Schichten,  welche  überfüllt  sind  mit  rothen  Hornsteinknollen, 
die  stellenweise  zu  Bänken  vereinigt  sind,  wie  sie  bei  Trient  im  Lie- 
genden des  Lagers  des  Amm.  ncanthicns  erscheinen.  Unter  den 
rothen  Schichten  (anstatt  wie  bei  Trient  über  ihnen)  folgt  nun  die  Lage 


'}  Auch  die  Tiroler  Karte  deutet  schon  bei  ßieiio  unweit  Strigno  das  entgegengesetzte 
Fallen  des  Schiefers  an. 


über  die  Äquivalente  des  Ro(liliej;ciideii  in  den  Südalpen.  230 

äesÄmm.  acanthicus  mit  zahlreichen,  schlecht  erhaltenen  Ammoniten 
aus  der  Gruppe  der  Inflaten;  unter  dieser  liegt  mit  gleicher  Neigung 
nach  N.  der  mächtigere  Diphyenkalk  als  ein  dünnplattiger ,  rother 
Knollenkalk  mit  planulaten  Ammoniten  und  Phylloceratiten,  und  diesen 
unterteuft,  die  vordere  Seite  des  Riffes  bildend,  zuerst  Biancone,  dann 
die  dünngeschichtete  Scaglia.  Unmittelbar  unter  der  Scaglia  treten 
wechselnde  Bänke  von  Mergel  und  Kalkstein,  weiterhin  auch  Nulli- 
porenkalk  auf,  und  sie  führen,  neben  anderen  alt-tertiären  Fossilien 
zahlreiclie  Nummuliten  und  Serpula  splrulaea.  Die  Schichten  stellen 
sich  dabei  immer  steiler  und  die  obersten  Lagen,  welche,  wie  ich 
bei  einer  anderen  Gelegenheit  zu  zeigen  haben  werde,  beiläufig  dem 
Horizonte  von  Barton  entsprechen,  biegen  sich  unmittelbar  an  dem 
Falle  des  kleinen  aus  dem  Vallunga  herabkommenden  Gießbaches 
knieförmig  um,  so  daß  sie  aus  der  verticalen  Stellung  plötzlich  in 
sanftes  Südfallen  übergehen  und  mit  dieser  Neigung  unter  die  breiten 
Alluvionen  der  Breuta  hinabtauchen. 

Man  sieht  daher  im  Torrente  Maso  eine  außerordentlich  lange 
Reihe  von  Formationen  durch  Schichten  von  wunderbar  geringer 
Mächtigkeit  vertreten,  welche  sämmtlich  sich  in  überstürzter  Lage- 
rung befinden,  so  daß  die  alt-tertiären  Schichten  von  jenen  der 
Kreideformation,  diese  von  jurassischen  Kalksteinen,  diese  letzteren 
vom  kupferführenden  Casannaschiefer  überlagert  werden,  auf 
welchen  allen  erst  der  Granit  der  Cima  d'Asta  lastet.  —  Unter 
den  vorliegenden  Alluvionen  der  Brenta  streicht  wahrscheirdich 
der  Rand  der  aufgebrochenen  Porphyrdecke  durch,  welcher  bei 
Borgo  am  Mte.  Zaccon  unter  dieselbe  binabtaucht  und  vielleicht 
weiter  im  Osten  durch  die  colossalen  Blöcke  angedeutet  ist,  die  G.  v. 
Rath  zwischen  M.  Silana  und  M.  Agara  aus  der  Gegend  des  Val 
Telvagola  anführt.  Die  tiefsten,  unmittelbar  gegenüber  vom  Torr. 
Maso  an  der  Südseite  der  Brenta  am  Fuße  des  M.  Civerone  her- 
vortretenden Schichten  gehören  dem  Grödener  Sandstein  an,  über 
welchem  Herr  Benecke  nach  einer  freundlichen  Mittheilung  feinen 
glimmerigen  Sandstein  mxiPosid.  Clarai  unA  anderen  Fossilien  ange- 
troffen hat. 

Wenn  man  nun,  in  der  Richtung  des  Profiles  am  Maso,  d.h.  von 
Nord  nach  Süd  gehend,  den  Thalboden  der  Brenta  und  den  Grödner 
Sandstein  am  Fuße  des  M.  Civerone  überschritten  und  diesen  aus 
Kalkstein  bestehenden  Berg  selbst  erstiegen  hat,  erreicht  man  einen 


240  s  u  p  s  s. 

mitten  durch  die  set'uiidäi'eii  Massen  hinstreicheiideu  Streiten  von 
nntteltertiärer  Midasse ,  zu  deren  Altersbestimmung  es  hinreicht 
Cerithium  lignitarum  und  Panopaea  Fanjasi  zu  nennen,  welche  den 
M.  Civerone  von  den  hohen  weißen  Abstürzen  der  Cima  Dodici 
trennt  und  von  Sandstein,  Conglomerat  und  Lignit  begleitet  ist'). 
Dieser  eingekeilte  Streifen  liegt  im  Torrente  Pissavacca,  oberhalb 
Olle,  also  im  Westen  des  Civerone  ziemlich  flach;  hier,  gegenüber 
vom  Maso  aber  stehen  die  Schichten  an  einer  Stelle  ganz  vertical, 
an  einer  anderen  Stelle  fallen  sie  sehr  steil  N. ,  an  einer  dritten 
eben  so  steil  S.,  wie  ich  theils  aus  den  Aufschlüssen,  theils  aus  den 
mir  an  Ort  und  Stelle  von  dem  Leiter  der  Lignitgruben,  Herrn  Giov. 
Fiori  aus  Strigno  gemachten  Mittheilungen  ersehen  konnte. 

Der  Bau  des  Val-Sug;uia  zwischen  Strigno  und  iJorgo  ist  nun, 
so  weit  ich  ihn  zu  erkennen  im  Stande  wai-,  der  folgende : 

Die  Granitmasse  der  Cima  d'Asta  ist  von  der  Mittelzone  der 
Alpen  her  überschoben.  Der  Casanna- Schiefer,  welcher  sie  im 
Norden  überlagert,  unterteuft  sie  daher  im  Süden.  Jüngere  Sedi- 
mentär-Schichten ,  mit  einem  Theile  der  Juraformation  beginnend, 
greifen  zwischen  das  ältere  Flötzgebirge  ein.  Eine  Gruppe  von  Kalk- 
steinen, welche  mit  dem  weilten  Kalk  etwa  im  Horizonte  der 
Posidonien-Schichten  des  braunen  Jura  zu  beginnen  scheint  und  bis 
zur  Scaglia  reicht,  taucht  östlich  von  Strigno  auf,  ist  am  Maso 
üherbogen ,  bildet  indem  sie  sich  aufrichtet  und  eine  Wendung  im 
Streichen  macht,  mit  leichter  Neigung  nach  Ost  den  Schloßberg 
von  Borgo,  und  südlich  von  der  Brenta,  neuerlich  im  Streichen 
gekrümmt,  den  M.  San  Lorenzo.  Die  älteren  tertiären  Schichten 
ruhen  auf  diesen  Kalksteinen,  wie  auf  einer  halben  Schüssel.  Ihre 
Schichtenköpfe  laufen  durch  die  Weingärten  bei  Scurelle  hin,  sie 
sind  ebenfalls  am  Maso  überschoben,  streichen  aufgerichtet  unter 
Telve  und  dann  östlich  geneigt  am  Ostabliange  des  Schloßberges 
von  Borgo  hin.  —  M.  Lefre  und  M.  Civerone,  jetzt  durch  die 
Brentaspalte  getrennt,  bilden  einen  einst  zusammenhängenden,  abge- 
sunkenen Theil  des  Kalkgebirges  und  lassen  an  ihrem  Fuße  gegen 
die  Cima  d'Asta-Masse  hin  einen  zusammenhängenden  Gürtel  von 
rothem  Grödner  Sandstein  erkennen,  unter  den  sich  weiterhin  noch 


1)  Eine  Liste  von  Conchylien   von  dieser  Stelle  hat  kiirzlieli  'I'ii.    Fuchs  veröirent- 
licht;  Verh.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.  1868,  S.  50. 


I'ber  die  Äquivideiite  des  Rothliegciiden  in  den  Siidaipen.  24-1 

der  Poi'jiliyr  des  M.  Zaccoii  einschiebt »).  Ein  Streifen  von  inittel- 
tertiäreii  Scliieiiten  taucht  hoch  aufgerichtet  hinter  M.  Lefre  auf, 
streicht  quer  über  das  Brentathal  und  hinter  dem  M.  Civerone  fort, 
beide  Berge  von  der  Hauptmasse  der  Kalkalpen  scheidend.  Die 
größte  Aufrichtung  dieser  jungen  Bildungen  entspricht  der  Über- 
schiebung am  Maso. 

Es  kann  hienach  kaum  einem  Zweifel  unterliegen,  daß  die 
gesammte  gewaltige  Masse  der  Asta  in  einer  verhältnißmäßig  späten 
Zeit  von  der  Seite  der  Mittelzone  der  Alpen  her  eine  Überschiebung 
über  junge  Sedimentgebilde  erlitten  hat. 

Wenn  früher  erwähnt  worden  ist,  daß  Casanna-Schiefer,  Por- 
phyr und  Kalkalpen  sich  in  dieser  Gegend  etwa  so  zum  Granit  ver- 
halten, wie  bei  Botzen  die  Massen  des  Schiern  und  der  MendoJa  zum 
Porphyr,  so  kann,  wenn  ich  nicht  irre,  nach  dem  eben  Gesagten  die- 
ser Vergleich  auch  in  so  ferne  gelten,  als  man  den  Granit  den  großen 
Erscheinungen  gegenüber,  welche  den  Alpen  die  Hauptzüge  ihres 
heutigen  Baues  gegeben  haben,  ebenfalls  eine  vollkommen  passive 
Rolle  spielen  sieht.  Der  Granit  der  Cima  d'Asta  stellt  sich  für  alle 
ähnlichen  Untersuchungen  gleichsam  als  eine  todte  Masse  dar, 
w'elche  dem  Casanna-Schiefer  eingelagert  ist,  oder  ihn  unterteuft. 


2.    Abschnitt. 

Turrach.  —  Der  grosse  kärntnerische  Schieferzug.  — 
Unteres  Gailthal. 

Im  nördlichen  Kärnten  lagert  in  dem  Gebiete  der  Mittelzone 
selbst,  zwischen  den  Ausläufern  der  Tauern  im  Westen  und  der  Sau- 
alpe im  Osten,  eine  mächtige  und  ausgedehnte  Masse  von  Gesteinen, 
welche  den  höheren  Abtbeilungen  der  paläozoischen  Gruppe  ange- 
liören.  In  der  Gegend  V(»n  Turrach  greifen  diese  Gebilde  nach  Steier- 
mark über  und  umschließen  sie  das  bekannte  Vorkommen  von  fossilen 
Pflanzen  der  Steinkohlenformation  und  von  Anthraeit  an  der  Stang- 
alpe. Von  diesem  wichtigsten  Theile  liegen ,  abgesehen  von  älteren 


')   Am  Fuße  des  Lefre,   xieinlicli   weil   uiitei'   dem   (jyps,   köniuit    das   untere  yuaiit- 

conglomerat  zum  Vorschein;   von  Porphyr  sah  ich  nur  zweifelhafte  Spuren. 
Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  LVIl.  ßd.  I.  Ahth.  16 


242  S  11  e  s  s. 

Schriften  ')  mehrere  Beschreibungen  aus  der  neuesten  Zeit  vor,  und 
zwar  die  von  Rolle 2)  nnd  von  Sturs)  vom  J.  1854,  von  Peters 
aus  dem  ,1.  185i>*)  und  von  Vinc.  Pichler  aus  dem  J.  1858*),  von 
welchen  die  beiden  letzten  mit  großer  Ausführlichkeit  alle  Einzeln- 
heiten dieser  Vorkommnisse  behandeln.  Aus  allen  diesen  Arbeiten 
sind  die  folgenden  Thatsachen  als  feststehend  hervorgegangen. 

Über  dem  Gneiß,  und  von  demselben  nur  durch  ein  wenig 
mächtiges  sandiges  oder  an  Arkose  erinnerndes  Gebilde,  wohl  üuch 
durch  etwas  krystallinischenThonschiefer  getrennt,  liegt  eine  gewal- 
lige Kalkmasse,  in  der  Regel  mehrere  hundert  Fuß  (nach  Pichler 
900— 1200  Fuß)  mächtig,  welche  Stur,  Peters  und  V.  Pichler 
übereinstimmend  als  ein  Äquivalent  des  Kohlenkalkes  angesehen 
haben  «)•  Diese  Kohlenmasse  enthält  zahlreiche  und  bedeutende 
Lager  von  Eisenerzen,  da  und  dort  auch  etwas  Bleigianz,  Kupferkies 
und  Fahlerz.  Sie  unterteul't  in  weitem  Bogen,  eine  gewaltige  Mulde 
bildend,  alle  höher  folgenden  Schichten.  Diese  letzteren  zerfallen  in 
drei  Hauptgruppen,  den  unteren  grauen  Schiefer,  das  Hauptconglo- 
merat  und  den  oberen  Schiefer.  Das  Hauptcongiomerat,  aus  eckig  ab- 
gerundeten Körnern  von  Haselnuß-  bis  über  Faustgröße  und  zwar  fast 
ausschließlich  von  weißem,  glasigem,  stark  durchscheinendem  Quarz 
mit  unscheinbarem,  meist  farblosem  Quarz-Bindemittel  bestehend  ^), 
ist  in  der  Regel  von  grauweißer  oder  weißer,  stellenweise  jedoch 
von  rother  Farbe,  zeichnet  sich  durch  seine  große  Wetterbeständig- 
keit aus,  und  enthält  in  unregelmäßig  eingeschalteten  Lagen  den 
pflanzenführenden  Schiefer  und  Anthracit.  Östlich  vom  Staiignock  hat 
sich  der  untere  Schiefer  ausgekeilt  und  liegt  das  Hauptcongiomerat 
unmittelbar   auf   dem   Kalkstein,   südöstlich    vom   Groß-Turrachsee 


1)  Unger  hat  die  erste  genaue  Schilderung  im  Jahre  1840  in  seiner  Schrift  „Über 
ein  Lager  foss.  Pflanzen  auf  der  Stangali>e"  (Steierm.  Zeitschr.  I,  S.  140  u.  folg.) 
gegeben;  die  fossilen  Farrenkräuter  finden  sich  schon  erwähnt  in  den  anonymen 
„Fragmenten  l.  Mineralog-.  u.  botan.  (leschichte  Steyenn.  u.  Kärnteri's  t>".  Kla- 
genf.  1783"  S.  30. 

2)  Jahrb.  V,  S.  364—370. 

3)  Jahrb.  V,   S.  839,  Taf.  V.  Prof.  XXXIV  u.  XXXV. 
*)  Jahrb.  VI,   S.  185—239. 

5)  Jahrb.  IX,  S.  18;>— 239.  in  den  letzten  Tagen  Fcrd.  Seeland  im  Jahrb.  d. 
karnln.  Mus.  VIII,  1868,  S.  118  —  120. 

6)  Vergl.  Jahrb.  VI,  ;)26  u.  IX.  S.  22.'>. 

7)  Pichler.   S.  209. 


(iher  die  Aquivak'iite  iles  Rotliliegeiideii  in  den  Siidaliipii.  24  3 

keilt  sich  (.Uigcgen  das  Conglomerat  aus,  so  daß  der  obere  Schiefer 
uiHiiittelhar  auf  dem  unteren  ruht.  Der  alte  sogenannte  „Kupferbau" 
von  Turrach ,  in  welchem  jetzt  Flinze  und  Brauneisenstein  gewonnen 
werden,  befindet  sich  knapp  im  Hangenden  des  Hauptcongiomerates, 
also  im  unteren  Theile  der  oberen  Schiefergruppe.  Rolle  hat  am 
Turrach-See  Spuren  von  Zinnober  gefunden,  welche  er  dem  Horizont 
des  Kupferbaues  zuweist ').  Auch  die  Zinnobervorkommnisse  der 
Gegend  von  Reichenau  fallen  in  das  Gebiet  der  oberen  Schiefer'^). 
Die  petrographischeBeschaftenheit  dieser  oberen  Schiefer  ist  eine  ver- 
schiedenartige; bald  sind  sie  grau,  bald  grün  und  dickschiefrig.  Bei 
Turrach  umschießen  sie  zwei  Bänke  von  Dolomit,  von  welchen  das 
tiefere  ziemlich  ansehnlich  ist;  es  liegt  im  tiefsten  Theile  der  Schie- 
fer und  bildet  das  Hangende  des  Kupferbaues. 

Es  stellt  somit  fest,  daß  in  diesem  Theile  der  Alpen  Eisenerze, 
Kupferkiese  und  Fahlerze  (im  Kupferbau,  Pichler,  S.  219)  und 
Zinnober  in  dem  oberen  Schiefer,  und  zwar  in  einem  höheren  Hori- 
zonte vorkommen,  als  die  Anthracitlager  und  die  Flora  der  Stang- 
alpe, daß  aber  auch  unter  dem  Anthracitlager  mächtige  Lager, 
insbesondere  von  Eisenerz,  in  dem  wahrscheinlichen  Äquivalente  des 
Kohlenkalkes  vorhanden  sind.  — 

Knapp  am  südlichen  Rande  der  Mittelzone  der  Alpen  tritt  in  der 
Gegend  von  Lienz  ein  mächtiger  Zug  von  Kalkbergen  aus  Tirol  nach 
Kärnten  über,  welcher  sich  mit  OSO.  Streichen  zwischen  der  Drau 
und  Gail  hinstreckt  und  dort,  wo  sich  diese  beiden  Flüsse  vereinigen, 
am  Dobraez  bei  Villaeh  abbricht.  Die  Therme  von  Villaeh  bezeichnet 
sein  Verschwinden.  Eine  Strecke  weiter  im  Osten  tritt  jedoch  west- 
lich von  Loibl  abermals  eine  Kette  von  ähnlichen  Kalkbergen  hervor, 
welche  als  ihre  Fortsetzung  anzusehen  ist.  Dieses  östliche  Stück  be- 
greift den  großen  Gerlouz,  den  Obir,  die  Petzen  und  Oisterza  und  er- 
reicht am  Ursulaberge  die  Ostgrenze  Kärntens,  so  daß  von  Lienz 
in  Tirol  bis  in  die  Gegend  von  VVindischgratz  in  Steiermark  eine  in 
ihrer  Mitte   allerdings  unterbrochene  Kette   von   Kalkgebirgen   sich 


f)  Jahrb.  1834,  V,  06». 

')  Peters  zählt  (S.  ö38j  das  Ziiniober-Vorkoiniiieii  an  der  Itolrasten  bei  Keiehenau 
(in  grünem  Schiefer)  zum  oberen,  jenes  /.wischen  Reichenau  und  dem  Turrach-See 
zum  unteren  Schiefer.  Picliler  rechnet  (S.  'ilO)  das  ganze  Reichenauer  Thal 
zum  oberen  Schiefer. 


244  S  u  e  s  s. 

verfolgen  läßt.  Auch  tlas  östliche  Stück  liegt,  so  weit  es  nicht  im 
Norden  von  der  erweiterten  Ebene  des  Drauthales  begrenzt  ist, 
luiap[t  am  siidlichen  Rande  der  Mittelzone.  Die  Gesteine  gehören  der 
Triasfbrmation,  der  rhätischen  Stufe,  an  wenigen  Stellen  dem  Lias 
oder  braunen  Jura  an. 

Südlich  von  dieser  Kalkkette  verläuft,  ihr  vollkommen  parallel, 
ein  Streifen  von  Schiefer,  welcher  bald  als  Glimmerschiefer,  bald  als 
Thonglimmerschiefer  oder  glimmerreicher  Thonschieier  bezeichnet 
worden  ist.  Er  streicht  aus  Tirol  her  durch  das  Gailthal  herab ,  ver- 
schwindet etwa  dort,  wo  die  westliche  Kalkkette  endet,  unter  den  Auf- 
schwemmungen der  Gail,  erscheint  hierauf  hinter  der  östlichen  Kalk- 
kette wieder  und  setzt  über  den  Loibl,  über  Zell,  Ebriach,  Kappel, 
Schwarzenbach  und  Javoria  bis  an  die  steirische  Grenze  fort.  In  sei- 
nem östlichen  Theile  ist  er  von  granitischen  und  syenitischen  Fels- 
arlen  begleitet.  Seine  Gesammtlänge  beträgt  in  dieser  Auffassung 
(d.  h.  vom  westlichen  Ende  des  westlichen  bis  zum  östlichen  Ende  des 
östlichen  Stückes)  mehr  als  24  Meilen. 

Auf  diesen  Streifen  von  Schiefer  folgt  gegen  Süden  abermals  eine 
Kette  von  hohen  Kalkbergen,  welche  jedoch  von  paläozoischem  .\lter 
sind.  Diese  mächtige  Kette,  welcher  z.  B.  der  M.  Antola  und  M.  Pa- 
ralba,  der  Paß  auf  der  Plecken,  der  Hochtrieb  und  Trohkofel  und  im 
Osten  die  ganze  Linie  der  Karavanken  zufallen,  ist  in  ihrer  Mitte 
nicht  unterbrochen.  Sie  hat  an  vielen  Punkten  Versteinerungen  der 
Steinkohlenformation,  an  einer  Stelle  i)  auch  Reste  geliefert,  welche 
vielleicht  einer  anderen  Stufe  des  paläozoischen  Gebirges  angehören, 
über  welche  sich  jedoch  im  Augenblicke  noch  kein  ganz  bestimmtes 
Urtheil  fällen  läßt. 

Südlich  von  diesem  paläozoischen  Gebirge  sieht  man  imWesten 
;uif  eine  größere  Strecke  hin  Gebirge  der  Triasformation  folgen, 
während  im  Osten  das  paläozoische  Gebirge  selbst  eine  große  Breite 
erreicht  und  sehr  verwickelte  Verhältnisse  eintreten,  welche  hier 
vorläufig  nicht  in  Betracht  kommen. 


I)  Beim  Bade  Vellach,  Tgl.  Jahrb.  IX,  1858,  Verh.  S.  39.  Mein  damals  ausgesprochener 
Wunsch  nach  besserem  Materiale  ist  unertüllt  geblieben ;  Herr  l>i|>old  nnd  Herr 
Cubanz  haben  die  Fundstätte  vergebens  aufgesuciit.  Auch  Herr  Barrande  hat 
das  hier  gefundene  Schwanzstück  von  Bronteus  nicht  mit  Entschiedenheit  einer 
böhmischen  Art  "leichstellen  können. 


rhor  (üp  Äqiiivali'nti»  iIps  Rothlie(r('<><l<'i)  ">  '1''"  Sii(l:il|ipn.  4^4-5 

Ivs  ist  also  in  Kärnten  südlich  von  der  Mittel/one  erst  eine 
Keihe  von  mesozoischen  Bergen,  dann  ein  Streifen  von  Schiefer, 
hierauf  eine  Kette  von  paläozoischen  Bergen  vorhanden. 

Rosthor n,  dessen  im  Jahre  1853  von  Caiiaval  herausgege- 
hener  „Beiträge  zin*  Mineralogie  nnd  Geognosie  von  Kärnten"  i)  als 
die  Grundlage  aller  neueren  Arlteiten  liher  dieses  merkwürdige  Land 
angesehen  werden  müssen,  kannte  und  beschrieb  diesen  Parallelis- 
mus der  Gebirgszüge  selir  richtig,  Zugleicli  unterschied  er  jedoch 
mit  großem  Scharfblicke  in  Kärnten  zweierlei  Systeme  von  Urgebir- 
gen,  welche  nach  seinem  Ausdrucke  „ihren  Gesteinsarten  nach,  durch 
ihre  Zusammensetzung,  Structur  und  l^agerungsverhältnisse,  selbst 
durch  ihre  Verbreitung  und  das  Verliältniß  ihrer  Stellung  zu  ein- 
ander" bestimmt  gesondert  seien  (Beitr.  S.  7).  Die  eine  Gruppe 
wollte  er  die  des  Gneisses,  die  andere  die  der  Urschiefer,  oder  die 
eine  jene  des  Central-Granitgneisses,  die  andere  die  des  Albit-Gneis- 
ses  oder  des  Turmalin- Granites  nennen. 

Der  ersten  Gruppe  zählte  Rostborn  die  der  Mittelzone  im  stren- 
geren Sinne  in  der  Nähe  der  Tauern  angehörigen  Gesteine  zu,  wäh- 
rend der  zweiten  Gruppe  alle  bisher  erwähnten  jüngeren  paläozoi- 
schen Schiefergesteine,  so  wie  der  durch  die  mesozoische  Kette  ab- 
getrennte Schieferstreifen  zugerechnet  wurden. 

Dieser  Streifen  von  Schiefer  ist  seither  sehr  verschieden  beur- 
tbeilt  worden.  Im  Westen  liat  ihn  Stur,  welchem  wir  eine  sehr 
genaue  geologische  Schilderung  der  westliehen  Gebirgstheile  ver- 
danken 3j ,  als  identisch  mit  dem  Glimmerschiefer  des  „großen 
Gümmerschieferzuges  '  der  Mittelzone  angesehen  s).  Im  Osten  da- 
gegen, wo  er  mit  granitischen  und  anderen  Massengesteinen  in 
Verbindung  steht,  trennte  ihn  Lipoid  als  wesentlich  verschieden 
von  dem  „altkrystalliniscben"  Schiefer  der  Kor-  und  Saualpe,  und 
betrachtete  ihn  als  eine  jüngere,  metamorphische  Bildung*). 

leb  will  mich  zunächst  auf  die  westliche  Hälfte  des  Zuges 
beschränken. 


1)  Jahrb.  d.  naturhistor.  Museum's  in  Kärnten,  H,  Jahrg-. ;  auch  selbstündi<^  unter 
dem  Titel:  Übersicht  der  Mineralien  u.  Felsarten  Kärnten's;   8**  Klag-enf.  18.'>4. 

-)  Die  geolog.  VerhäUnisse  der  Uran.  Isel,  Moll  u.  Gail  u.  s.  w.  .lahrli.  VII,  iSj6. 
S.  403  —  460. 

3)   A.  a.  O.   S.  416. 

*)   Kriiiuterunii  oeol.  Dnrchschnitle  aus  d.  ösll.  Kärnten,  Jahrb    VII,  ISäO,  S.  ;J42. 


Die  Zdiic  von  Schiet'er .  welclu'  ,  ilcii  .südliclisUMi  Saum  der 
Miltelzone  darstellend,  das  Kalkgebirge  in  der  Umgegend  von  Lienz 
nach  Norden  begrenzt,  ist  von  den  Tiroler  Geologen  von  jeher  dem 
erzfülirenden  Thoiiglimmerscliiel'er  Siid-Tirors,  also  dem  Casaniia- 
Seliieter  beigezählt  ^\ urden.  und  zw  ar  sow  ohi  seiner  petrograpliischen 
Beschaffenheit  wegen,  als  aiieli  wegen  der  zahlreichen  alten  Baue, 
insbesondere  auf  Kupfer,  Bleiglanz  und  Spatheisenstein,  welche  von 
Ahfaltersbach  über  den  Lienzer  Berg  nach  Nickolsdorf  sich  liin- 
zieiien  i).  Kleine  Partien  von  rothem  Sandstein  stellen  sich  hier 
zwischen  dem  Schiefer  der  Mittelzone  und  dem  Kalkgebirge,  z.  B.  bei 
dem  Triestacher  See  unweit  Lienz  ein  2),  doeli  ist  der  Seitendruck, 
welchen  das  (Jebirge  erlitten,  ein  so  gewaltiger  gewesen,  daß  die 
Sciiichten  rächeriörmig  zusammengedrückt  wurden  und  der  rothe 
Sandstein  nach  N. ,  also  scheinbar  gegen  die  Mittelzone  hin  ver- 
flächt. Überliaupt  ist  das  gesammte  Kalkgebirge  von  I^ienz  bis  Villach 
ähnlichen  Einwirkungen  ausgesetzt  gewesen.  Stur  bat  es  außer 
Zweifel  gesetzt,  daß  das  abnorme  Einfallen  des  Kalkgebirges  nach 
Nord,  d.  h.  unter  die  Schiefer  der  Mittelzone,  längs  der  Drau  aus  der 
Gegend  von  Lienz  bis  in  jene  vonDellacb  und  Greifenburg  anhält,  und 
erst  östlieh  von  liier  das  Südfallen  der  Trias  eintritt ").  Dieser  Umstand 
darf  nicht  aus  dem  Auge  gelassen  werden,  wenn  man  die  Lagerung 
des  Scbieferstreifens  am  südlichen  Bande  des  Triasgebirges  richtig 
beurtheilen  will. 

Die  wScbichtstellung  dieses  Scbieferstreifens  im  Gailthale  ist  nach 
Stur  eine  solche,  daß  er  von  Mauthen  abwärts,  also  in  bei  weitem 
dem  größten  Theile  des  Gailtliales,  wo  sein  Vorkommen  nur  an  der 
Nordseile  des  Flusses  bekannt  ist,  und  er  hier  durchaus  nach  Nord 
verflächt,  also  unter  die  Trias  hinabtaucht,  und  dabei  durch  die 
Breite  des  Thalbodens  von  der  südlichen,  paläozoischen  Gebirgskette 
getrennt  bleibt.  Bei  Mauthen  seihst  ist  er  an  beiden  Ufern  bekannt, 
imd  l'ällt  im  Norden  nördlich  unter  die  Trias,  im  Süden  südlich  unter 
das  paläozoische  Gebirge  (Stu  r,  S.  422).  Mau  hat  sich  bewegen 
lassen,   dieses  Hinabtauchen  d<;s  Schiefers  unter  die  paläozoischen 


'(   T  r  i  ti  k  (•  r,    pclrof;!-.    lüliiiiteiuiif!'!'!! .    S.    40.     Nördlicli    von    Lenfliiig'   im   (iaiMliüle 

eiwiihnt  S  1 11  r  kk'iiii'  lOiiiliigeruiij^eii  von  Si);i(lit'is(Misti'iii  In  ilt'iiisrilicn  fS.  4I(>). 
-)    V-;!.  Tiroler  Kiirte  Bhill  VMI  ii.  S  I  ii  r ,    S.  4'24. 
-)    S  I  11  r  A.  iiiif;.  ().  S.  4-1   II.  4IUt.  U;iiii'i-.    (Ii'mI.   Ihirtlisfhii     diT   \I|mmi.  Sil/.iiiif;slier. 

I»;;?.  XXV.  s.  :ii'j. 


ri>pi-  ilic  Ä.|iiiviilciiti'  lies  K.>Uilict;eii<tPii  in  <l.»ii  Siidiilpcii.  24  / 

Kalksteine  selidii  wegen  seines  krystalliiiischen  Ausseliens  als  normal 
anzusehen ;  andererseits  konnte  jedoch  nicht  geläugnet  werden,  dal> 
am  Nordufer  der  Gail  die  Trias,  an  ihrem  Fuße  von  einem  Saume 
von  typischem,  rothem  Grödener  Sandstein,  in  der  Nähe  von  Lukau 
unter  diesem  auch  von  rothem  Quarzporphyr  hegleitet  dem  Schieler 
in  vollkommen  concordanler  Weise  anlruht,  so  daß  an  der  Ahlage- 
rung  dieser  Gehilde  iinmittelhar  auf  den  Schiefer  nicht  zu  zweifeln 
ist.  Um  nun  dem  Widerspruche.  daCs  an  einer  Thalseite  paläozoische 
Massen,  an  der  anderen  die  Trias  und  der  Grödener  Sandstein  auf 
dem  Schiefer  ruhen,  einigermaßen  Rechnung  zu  tragen,  hat  man 
sich  zu  der  Annahme  geneigt,  daß  das  Schiefergebirge  des  Gailthales 
zwischen  Hermagor,  Sillian  und  Lienz  zur  Zeit  der  Ablagerung  der 
Grauwacken-  und  Steinkohlenformation  ein  Festland  gebildet  habe. 
(Stur,  S.  459,  Hauer,  S.  320}.  Ich  gestehe,  daß  ich  im  Anblicke 
der  riesigen  und  wilden  Massen  des  paläozoischen  Gebirges  an  der 
südlichen,  der  steilen  weißen  Wände  der  Trias  an  der  nördlichen 
Thalseite  und  des  schmalen  Schieferstreifens  zwischen  ihnen  zu  einer 
wesentlich  verschiedenen  Anschauung  gelangt  bin. 

Als  L.  V.  Buch  den  oberen  Theil  des  Gailthales  bei  Maria 
Lukau  besuchte,  fand  er  den  Schiefer  des  Gailthales,  welchen  er  als 
Glimmerschiefer  bezeichnete,  an  dieser  Stelle  mit  etwa  80  Grad 
Süd  fallend  auf  das  rothe  Todte  (den  Grödener  Sandstein  und  die 
begleitenden  Felsarten)  gelagert,  während  in  sehr  geringer  Entfernung 
davon  das  rothe  Todtliegende  nacli  Norden  unter  den  Kalkstein  liel. 
Den  Porphyr  sah  Buch  auf  kurze  Strecke  unter  dem  rothen  Sand- 
stein; er  folgerte,  daß  Porphyr  und  rothes  Todtes,  welche  als  keil- 
förmige. Masse  zwischen  Glinunerschiefer  und  Kalkstein  eingedrängt 
worden,  beide  erhoben  und  sie  als  scharfe  Grate  und  Ketten  zurück- 
geschlagen hätten  i).  —  Solche  nach  abwärts  gerichtete  Fächer 
entstehen,  wie  wir  wissen,  nicht  selten  in  Gebirgen,  welche  einem 
beträchtlichen  Seitendrucke  ausgesetzt  waren.  Stur  hat  sehr  ver- 
wickelte ähnliche  Schichtstellungen,  z.  B.  bei  dem  Bleihause  nördlich 
von  Kötschach  beschrieben,  wo  eine  ähnliche  keiliörmige  Masse  von 
rothem  Sandstein  in  ilu-er  Fortsetzung  sich  sogar  trennt  und  aus 
ihrer  Mitte  nochmals  den  Schiefer  hervorti-eten  läßt  (Stur,  S.  422, 
Diirclischn.  VII  und  Vlll).   Diese  längs  <lem  vSüdrande  der  Triaskette 


')   Miiipralog.  Tasclieiili.  für  1824,   2.  Ahth.   S.  420-422. 


248  s  u  p  .1  s. 

,u;elegeiieii  StclltMi  sind  nur  neue  HeU'i'^c  für  diesclhoii  Krittle,  welche 
die  entsprechenden  iiördliehen  Theile  i\i'v  Triaskelte  scheinhar  unter 
die  (Jesteine  der  Mittelzone  hinabtanehen  ließen.  Wo  im  Norden  die 
ahnornien  Lageningsverliältnisse  beobachtet  werden,  liegen  im  Süden 
diese  fächerförmigen  Verdriickungen ,  nnd  als  solche  betrachte  ich 
auch  den  nach  ahwiirls  gerichteten  Fächer,  den  der  Schiefer  bei 
Mauthen  bildet,  indem  er  im  Süden  südlich  nnler  die  paläozoische 
Kette,  im  Norden  nördlich  unter  die  Triasketfe  fällt.  In  diesem  Falle 
wäre  der  wSchiefer  des  Gailthales,  trotz  seines  krystallinischen  Aus- 
sehens jünger  als  der  Kohlcnkalk  und  unmittelbar  älter  als  Porphyr 
und  Grödener  Sandstein,  wäre  die  Schichtfolge  längs  dem  Nord- 
gebänge  des  Gailthales,  wo  Porphyr  und  Grödenci-  Sandstein  auf  dem 
Schiefer  lagern,  als  vollkommen  normal,  sein  Hinahtauchen  unter  die 
paläozoischen  Gesteine  bei  Mauthen  als  Folge  der  Verdrückung 
anzusehen  '). 

Westlich  vom  Dobracz  treten  die  Wände  des  Triasgebirges  ein 
wenig  zurück  inid  Schiefer  und  Grödener  Saiulslein  sind  an  dem 
Fuße  desselben  in  größerer  Ausdehnung  durch  eine  lieihe  von  tiefen 
Gräben  aufgeschlossen,  unter  welchen  der  NiUschgrahen  (in  seinem 
oberen  Theile  Windischer  Graben  genannt)  dei-  bedeutendste  ist. 
Sanftes  grünes  Hügelland  zieht  sich  hier  bis  an  die  Wände  des 
Kalkgebirges  und  bis  Kreuth,  wo  die  tiefsten  Stollen  der  ausgedehn- 
ten Bauten  <les  Bleyberger  Krzrevieres  angeschlagen  sind.  Die 
Ortschalten  Tratten.  Kerschdorf,  S.  Georg,  Labientschach,  Nötsch 
und  mehrere  andere  liegen  auf  diesem  älteren  Vorlande  des  Kalk- 
gebirges, und  innerhalb  desselben  tritt,  getrennt  von  dem  paläozoischen 
Hochgebirge,  an  der  anderen  Seite  des  breiten  Gailthales,  eine  seit 
langer  Zeit  bekannte  Masse  von  versteinerungsreichem  Steinkohlen- 
gebirge auf.  Hier  mußte  es  sich  entscheiden  lassen,  ob  der  Schiefer 
wirklich  älter  als  der  Kohlenkalk  und  die  ganze,  mächtige  Serie  der 
paläozoischen  Gebirge,  und  ob  die  Hypothese,  daß  der  erstere  ein 
altes  Festland  darstelle,  haltbai'  sei  oder  nicht.  Ich  habe  deßhalb 
diese  Stelle  aufgesucht  und  begangen  '-).  Das  Resultat  war  das 
folgende. 


1)  l'^s  l)ilik't  /..  I{.  iiTi  westlichen  Tlieile  der  Salzburger  Alpen  der  Werfeiier  Schiefer 
«'inen  iihuliclien  verkehrten  Fächer  zwischen  den  Knilcilpen  und  dem  iiltercn  (iehirge. 

-)  Ut-rr  Bei'gbeaniter  fii-ögcr  «us  llleylierj;  ist  dabei  iiiclii  ausdauernder  Kübrei' 
"eweseii. 


Ober  Hi(»  Ä(Hiivnleiifi'  dt's  l!oHilies;('ii'ipi>  i»  <•♦'">  Südalpen.  240 

(>jis  besagte  Vorland  liildet  l»eiläiilij;'  ein  i-eelifwiiikliiies  Dreieck, 
dessen  rechter  Winkel  .yej^-en  Nord  bei  Kreuth  liegt,  dessen  kürzere 
Kathete  von  Kreuth  längs  dem  westlichen  Fuße  des  Oobracz  in  die 
Gegend  östlich  vorn  Orte  NiUsch  herahläuft,  während  sich  die  längere 
in  fast  ostwestlicher  Richtung  von  Kreuth  gegen  Förolacli  zieht.  Die 
Hypothenuse  wird  von  der  (irenze  dieses  älteren  Gebirges  gegen  die 
Alluvioncn  der  Gail  gebildet;  der  mehrfach  erwähnte  Ort  Nötsch 
liefft  nahe  ihrem  südöstlichen  Ende:  von  ]iier  läuft  der  tiefe  Nötsch- 
graben  nördlich  gegen  Kreuth. 

In  Nötsch  steht  großschuppiger  Thonglimmerschiefer  an ,  dem 
Casannaschiefer  Süd-Tirors  ganz  und  gar  gleich;  er  fällt  NO.: 
geht  man  westlich  vom  Nötschgrahen  über  das  wellige  Vorland  hin, 
so  sieht  man  gleich  oberhalb  Nötsch  diesen  Schiefer  sehr  flach  ONO. 
verflachen,  im  Orte  Labientschach  neigt  er  sich  nnr  sehr  wenig,  und 
zwar  0.,  wenig  in  N.,  an  der  Straße  oberhalb  Labientschach  dagegen 
sehr  flach  S.  etwas  in  0.,  oberhalb  der  Kirche  von  S.  Georgen  schon 
ziemlich  flach  SW.  lu  dieser  ganzen  westlichen  Gegend  wendet  sich 
also,  stets  flach  bleibend,  das  Fallen  allmählig,  und  zwar  so,  daß  die 
Schichten  unter  die  kürzere  Kathete  (den  Dobracz)  hinabtauchen, 
sich  dagegen  gegen  die  längere  Kathete  erheben.  Längs  dieser 
letzteren  Linie  ist  weiterhin  fast  ausschließlich  die  Neigung  nach 
S.  und  SV^\  zu  sehen.  Nicht  weit  unter  Kerschdorf  legt  sich  auf 
den  Thonglimmerschiefer  eine  derbere  Masse,  welche  hauptsächlich 
aus  Kalkschiefer  und  Kalk  besteht,  welcher  an  seinen  Schichtflächen 
mit  talkigen  Häutchen  belegt  ist.  Der  Kalk  ist  einige  Klafter  mächtig, 
meist  licht  gelblich,  stellenweise  auch  blaugrau  und  von  kleinen 
Gängen  von  Quarz,  Schwefelkies  oder  Kalkspath  durchzogen.  Talk 
erscheint  in  stärkeren  Schüppchen  auf  den  Flächen,  und  zwar  in 
grell  lichtgrüner  Farbe;  eben  so  ist  er  in  den  unmittelbar  liegenden 
Theilen  des  Thonglimmerschiefers  zu  sehen.  An  seinem  untersten, 
vorwaltend  schiefrigen  Theile  führt  der  Kalk  Zinnober  und  erscheinen 
Tropfen  von  gediegenem  Quecksilber.  Das  Erz  erscheint  meist  als 
rotber  Beschlag  auf  den  Klüften,  theils  in  Verbindung  mit  den 
kleinen  Kalkspath-  und  Schwefelkiesgängen;  auf  den  Quarzgängen 
scheint  es  seltener  zu  sein.  Quert  man  von  hieraus  den  SW.  fallen- 
den Thonglimmerschiefer,  der  nicht  gar  zu  mächtig  zu  sein  scheint, 
so  erreicht  man  bei  den  südlichsten  Häusern  von  Kerschdorf  ein 
grünliches  aphanitisches  Gestein,  das  zunächst  an  die  (jruudmasse 


250  s  II  p  s  s. 

manchei"  SchaLsteiiie  des  (lülllhales  friuiierl  und  steiler  SVV.  fällt: 
es  wird  mit  gleichem  Fallen  von  schwarzem  Schiefer  mit  gelhen 
oekerigen  Klüften  unterteui'1 ,  welcher  schon  ganz  und  gar  an  die 
Schiefer  der  Sleinknlilenronnation  erinnert.  Der  untere  Theil  des 
Ahiianges  oberhalb  Kerschdorf  ist  von  einer  allen  Moräne  bedeckt 
und  erst  über  derselben  kommt  grünlicher  glimmeriger  Schiefer  zum 
Vorschein,  der  liei  gleichem  Streichen  senkrecht  steht.  Knapp  hinter 
denselben  ragt  parallel  und  senkrecht  das  lichte  Quarzconglomerat 
der  Steinkohlenforination  hervor  und  führt  in  Zwischenlagen  undeut- 
liche Pflanzenreste.  Weithin  ragt  längs  der  längeren  Kathete  auf 
diese  Weise  mit  senkrechter  Scliichtstellung  die  wSteinkohlenformation 
hervor,  gegen  welche  sich,  wie  gesagt,  der  Thonglimmerschiefer 
immer  steiler  aufrichtet. 

Die  Reihenfolge  Aväre  demnach  hier  folgende:  Schiefer  und 
Quarzconglomerat  als  höchstes  Glied  der  Steinkohlenformation, 
darauf  schwarzgrauer  Schiefer,  wahrscheinlich  dem  vorhergehenden 
Gliede  zuzuzählen,  das  aphanitische  Gestein,  auf  diesem  der  Thon- 
glimmerschiefer mit  den  zinnoberführenden  Kalklagen. 

Dringt  man,  anstatt  über  das  Hügelland  hinzugehen,  von  Nötsch 
aus  in  den  Nötschgraben  ein,  so  kann  man  auch  höhere  und  im 
Windischen  Graben  eben  so  auch  noch  tiefere  Schichten  sehen. 

Der  unterste  Theil  des  Nötschgrabens  ist  in  ONO.  fallenden 
Thonglimmerschiefer  eingeschnitten ;  große  Blöcke  von  Gyps  gleiten 
von  dem  Geliänge  des  Dobracz  zum  Bache  herab.  Es  zweigt  bald 
ein  östlicher  Arm  ab;  in  diesem  aufsteigend  sieht  man  über  dem 
Thonglimmerschiefer  schiefrigen  Kalkstein  mit  grell  lichtgrünen 
Talkblätlchen,  welcher  oline  Zweifel  den  zinnoberführenden  Lagen 
von  Kerschdorf  entspricht.  Etwas  höher  läuft  ein  kleiner  Seiten- 
graben im  Streichen  dieser  Lagen  und  des,  Tlionglimmerschiefers, 
welcher  letztere  hier  30  —  40  rein  N.  geneigt  ist.  Bald  biegt  er  sich 
zu  steilem  S.  Fallen  um  und  bricht  mit  einer  Verwerfung  ab.  Jenseits 
derselben  trifft  man  sofoi't  Schichten,  wie  sie  durch  ganz  Kärnten 
hin  in  dem  tieferen  Theile  der  Werfener  Schiefer  zu  sehen  sind, 
inid  zwar  zunächst  dünne  wechselnde  Lagen  von  blaugrauem,  thoni- 
gem  und  glimmerfreiem  Schiefer  und  von  härteren  Lagen  von  der- 
selben Farbe,  die  von  gro(k'n  Höhlungen  voll  von  gelbem  Ocker 
diirt'hzogen  sind;  sie  fallen  Süd  und  enthallen  Abdrücke  einer 
kleinen  gerippten  Myttphoria.   Diese  Ablagerungen  sind  einige  Klafter 


HIpci-  IUI-  Äc|iiiv;ilfilt<-  ili-s  l!,.tlilii';;.'t|.lHii   in  .I.mi   .Sii.l;il|icn.  251 

mächlig',  imtl  werden  von  chenHäcliigeii  Ränken  von  lii-lilgelhlicliem 
Sandstein  unterteuCt.  die  molirfaeh  mit  ähnlichem  blaugranem  ScliieCer 
wechseln.  Auch  die  ockerigen  Höhlungen  erscheinen  in  diesen  Ein- 
schaltungen zwiscJien  den  Sandsleinbänkeii  wieder.  Viele  von  den 
blaugrauen  Bänken  sind  an  ihrer  l'nlerseite  mit  einem  Netze  von 
Wülsten  bedeckt.  Unter  diesem  Complex  liegt  Schiefer,  dessen 
Flächen  mit  Glimmerschiii)pclien  bedeckt  sind ;  er  isl  zumeist 
schwarz,  nur  in  einzelnen  Ijagen  rotli  und  enthält  undeutliche  soge- 
nannte Myaciten.  Dieser  Schiefer  bildet  ein  schönes  Gewölbe,  dessen 
Schenkel  45°  S.  etwas  in  W.  und  N.  etwas  in  0.  geneigt  sind.  Das 
nördliche  Fallen  hält  jedoch  nicht  an;  eine  neue  Verwerfung  macht 
demselben  ein  Ende  und  folgt  dasselbe  Gebilde  mit  südlichem  Fallen; 
erst  neigt  es  sich  sanft,  dann  steiler,  endlich  erscheint  unter  Lagen 
von  blaugrauem  Schiefer  eine  große  Masse  von  rothem  Grödener 
Sandstein,  mit  eingestreuten  Lagen  von  Conglomerat.  Sein  Verflachen 
ist  25°  ONO. 

Man  gewahrt  also  hier  nur  Thonglimmerschiefer,  die  Spuren 
des  zinnoberführenden  Lagers ,  Grödener  Sandstein  und  Unter- 
abtheilungen des  Werfener  Schiefers. 

Ähnlich  verhält  es  sich  in  dem  Hauptstamme  des  Nötschgrabens. 

Der  Thonglimmerschiefer  neigt  sich  hier  NNO.  ,  dann  NO. 
endlich  liegt  er  flach,  fast  schwebend.  An  der  linken,  iistlichen 
Seite  bemerkt  man  das  Durchstreichen  der  Wölbung  des  Werfener 
Schiefers,  bald  darauf  den  Grödener  Sandstein.  Wichtiger  sind  die 
Aufschlüsse  an  der  Westseite.  Hier  zeigt  ein  großer  Aufschluß  die 
blaugrauen  thonigen  Scliiefer  mit  Wülsten,  50  SSO.  geneigt,  knapp 
darunter  mit  gleicher  Neigung  den  Grödener  Sandstein,  welcher 
ganz  concordant  auf  dem  Thonglimmerschiefer  liegt.  Die  Grenze  ist 
auf  eine  Entfernung  von  zwei  Schritten  entblößt.  Das  SSO.  Fallen 
des  Thonglimmerschiefers  hält  an,  wird  allmälig  steiler,  bis  derselbe 
wieder  plötzlich  abbricht  und  der  ganze  hohe  Abhang  nur  von  den 
dicken  rothen  Bänken  von  Grödener  Sandstein  und  Conglomerat 
gebildet  wird.  Der  Graben  ist  hier  einige  hundert  Fuß  tief  einge- 
schnitten, beide  Abhänge  sind  gut  entblößt  und  der  rothe  Grödener 
Sandstein  sticht  in  seiner  Farbe  und  massigen  BeschaflTenheit  so  grell 
von  dem  grünlich-grauen  Thonglimmerschiefer  ab,  daß  man  deutlich 
eine  sehr  aulTallende  tektonische  Ersclieinung  beobachten  kann. 
Durch  eine  Strecke  von  etwa  \i){)  Schrillen  hin    neiyt  sieh   niindich 


2J>2  s  11  p  s  s. 

im  niiti'fi'ii  TIkm'Ic  des  liiilicii  Gt'li;iiiu«\*<  der  Tlinnuliiiniu'rscliii't'er 
;>()  —  3ö°  vS.  bis  SSO.,  wälii't'iKl  der  knapp  auf  ihm  liegende  rotlie 
Sandstein  unter  ähnlichem  Winkel  rein  0.  fällt.  Die  Neigung  beider 
ist  ;dso  fast  um  ciucu  rechten  Winkel  verschieden,  und  man  möchte 
um  so  mehr  an  urs|irüngliche  Discordanz  der  Lagerung  glauben,  als 
die  grol)en  Bänke  i]es  Sandsteins,  in  der  Kichlung  des  Streichens 
geschnitten,  eine  Anzahl  von  horizontal  hinlaufenden  Schichtfugen 
über  dem  geneigten  Thonglimmerschiefer  zeigen.  Nichtsdestoweniger 
halte  ich  die  Discordanz  durch  dieses  vereinzelte  Vorkommen  nicht 
für  erwiesen,  sondern  setze  voraus,  daß  in  diesem  von  zahlreichen 
Verwerfungen  durchkreuzten  Gebiete,  ein  locales  Tbergleiten  der 
Massen  die  Veranlassung  zu  einer  Erscheinung  gegeben  hat,  welche 
sonst  mit  der  an  zaiilreichen  Punkten  im  (iailthale  überhaupt,  ^^^e 
in  dieser  beschränkteren  Umgebung  von  allen  Beobachtern  bestätig- 
ten vollkommen  concordanten  Auflagerung  der  rothen  Sandsteine  auf 
dem  Schiefer  in  Widerspruch  stehen  würde. 

Über  große  Blöcke  des  Grödener  Sandsteins  gelangt  man 
endlich  zu  den  in  demselben  betriebenen  Brüchen,  in  welchen,  genau 
wie  in  Süd-Tirol,  auch  Gestellsteine  für  die  Schmelzwerke  gewon- 
nen werden.  Der  Sandstein  ist  hier  4 — 500  Fuß  mächtig  und 
enthält  in  den  verschiedensten  Horizonten  Gerolle  von  Porphyr,  von 
dunkelroth  überrindetem  Quarz,  seltener  auch  von  krystallinischen 
Schiefern. 

Aus  dem  Graben  gegen  Labientschach  (etwa  gegen  W.)  auf- 
steigend, sieht  man  \s  ieder  den  rothen  Sandstein  concordant  auf  dem 
Thonglimmerschiefer  ruhend,  welcher  S.  etwas  in  0.  verflächt,  wie 
in  der  Sohle  des  Grabens.  Von  hier  aus  die  Straße  gegen  Bleyberg 
verfolgend ,  gelangt  man  plötzlich  an  das  (iehänge  des  oberen 
Theiles  des  Windischen  Grabens  und  zugleich  an  ein  großes  und 
schönes  Profd,  Avelches  über  die  Reihenfolge  der  Ablagerungen  kaum 
mehr  einen  Zweifel  läßt.  (Taf.  i,  Fig.  2.) 

In  der  Mitte  erscheint  hier  der  Tbouglimmerscbiefer,  steil  gegen 
Süden  geneigt;  zur  Rechten  ist  er  vom  rothen  Grödener  Sandstein 
überlagert,  zur  Linken  sieht  man  ihn  auf  den  Schichten 
der  Steinkohlen  formation  ruhen. 

Die  den  Schiefer  zunächsl  unlerteufenden  Lagen  haben  eine 
ähnliche  Zusammensetzung,  sind  jedoch  derber;  sie  führen  Quarz- 
gänge  von  ganz  gleicher  BeschalVtiilicil   wie  jene  im  Thonglimmer- 


('her  die  Äquivalente  des  Rothliej;enden  in  eleu  Siidal|ien.  <v5o 

schiefei'.  Erst  etwas  tiefer  erscheint  ein  grünes,  tulTähnliches  Ge- 
stein in  Begleitung  einer  anderen  dunkelgrünen  Felsart,  dem  soge- 
nannten Diorit  von  Bieyherg.  Diese  letzteren  Gesteine  selieinen 
durch  Chergänge  verbunden  zu  sein.  Unter  ihnen  lagert  sofort  iji 
dicken  Bänken  das  lichte  Quarzconglomerat  der  Steinkohlenformation, 
wie  es  auch  in  Kerschdorf  im  Liegenden  des  Thonglimmerschiefers 
heohaelitet  wurde.  Es  ist  von  Sandsteinhänken  begleitet  und  mit  und 
unter  denselben  liegen  milde  schwarze  Schiefer,  an  ihren  Flächen 
mit  feinen  Glimmerschüppchen  bedeckt.  Die  mächtigere  untere  Partie 
derselben  führt  verschiedene  marine  Fossilreste  unter  denen  kleinere 
Prodncten  w\\i\  FcHCstella  plebeja  die  häufigsten  sind;  Spuren  von 
Farreuwedeln  und  Calamiten  sind  ihnen  beigemengt.  Darunter  folgen 
einige  Bänke  von  schwarzem  Kohlenkalk  voll  von  Productus  gigd'i- 
teiis.  Stielen  von  Potcriocrinus  und  Cyathophylhim,  in  Begleitung 
von  einer  sehr  harten,  dunkelgrünen  Breccie;  neuerdings  folgt  etwas 
schwarzer  Schiefer  und  wieder  schwarzer  Kalkstein  mit  Prod.  gigan- 
teus  und  Poteriocriniis.  Diesen  unterteuft  bei  ununterbrochenem 
Südfallen  eine  größere  Masse  jener  grünen  dioritischen  Gesteine, 
welche  an  der  Grenze  gegen  den  Thonglimmerschiefer  erwähnt 
worden  sind  und  mit  denselben  erscheint  die  dunkle  Breccie  wieder, 
welche  insbesondere  dort  ein  auffallendes  Aussehen  gewinnt,  wo  in 
ihr  scliwarzgrünes  Bindemittel  zahlreiche  Stücke  von  weißem  körni- 
gem Kalkstein  eingeschlossen  sind.  Unterhalb  der  amerikanischen 
Schmelzhütte  taucht  unter  derselben  eine  neue  Bank  von  schwarzem 
Kalkstein  hervor,  welche  unzählige  und  riesige  Schalen  von  Pro- 
ductus mit  Crinoidenstielen  und  Cyathophyllum  enthält  und  von 
rosenrothen  Gypsschnürehen  durchzogen  ist. 

Nun  legt  sich  eine  ansehnliche  Moräne  quer  über  das  Thal,  man 
kann  jedoch,  gegen  Kreuth  fortgehend,  noch  im  Wassergraben  der 
M  ühlbach'schen  Hütte  die  südfallenden  Bänke  des  Kohlenkalkes 
beobachten  und  zugleich  wahrnehmen,  daß  durch  diesen  engen 
Graben  ein  Hauptbruch  hinläuft,  welcher  den  rothen  Sandstein  mit 
ganz  verschiedenem  Fallen  in  das  Niveau  des  Kohlenkalkes  herab- 
bringt. Es  ist  wichtig  zu  bemerken ,  daß  der  rothe  Sandstein  dem 
Kohlenkalke  weder  angelagert  ist,  noch  ihn  irgendwo  bedeckt;  er 
stößt  im  Gegentheile  mit  einer  sehr  deutlichen  Bruchlinie  an  ihm  ab, 
ist  weiterhin  an  der  Wodlei'schen  Hütte  in  größerem  Maßstabe  auf- 


!^  Jj4  S  u  e  s  s. 

<;('st'lilosseii,  zeigt    dort   einige   luitergeoriliiete  Verschiebungen  unfl 
lallt  endlieh  0.  etwas  in  N. 

In  dieser  Gegend  ist  der  große  Bleyberger  Revierstollen  ange- 
schlagen. Weiterhin  sind  die  Hangendsehichten  des  Grödener  Sand- 
steines gut  aul'gesehlossen,  dabei  jedoch  allerdings  gewunden  und 
von  mehreren  Störungen  durchschnitten.  Sie  bestehen,  wie  im 
unteren  Theile  des  Nötschgrabens,  aus  wechselnden  Bänken  von 
mürbem,  gelblichweißem  und  ebenflächigem  Sandstein,  von  schwarzem 
Schiefer  mit  Glimmerschüppchen,  blaugrauem  thonigem  Schiefer 
und  derberen  Bänken  mit  Wülsten  an  der  Unterseite;  nur  in  diesen 
letzteren  trilTt  man  auch  hier  die  kleine  gerippte  Myophoria ;  undeut- 
liche Abdrücke  sogenannter  Myaciten  linden  sich  in  allen  Bänken. 
JJer  Sandstein  ist  gegen  unten  vorwaltend. 

Über  dieser  Gruppe  liegen  verbogene  Bänke  von  dünngeschich- 
leter  Rauchwacke  und  von  glimmerigsandigem  Schiefer,  welcher  bald 
schwarzgrau,  bald  roth  und  dann  dem  gewöhnlichen  Werfener  Schiefer 
der  Nordalpen  ähnlich  ist.  Endlich  folgen  viele  Bänke  von  dünn- 
geschichtetem dunkelgrauem  Kalk,  welcher  an  der  Luft  weißgelb  ver- 
wittert und  hoch  oben  noch  glimmerig-schiel'rige  Zwi.'^chenmittel  ent- 
hidf.  Gyps  kömmt  in  Adern  und  Schnüren  von  den  ersten  dünnen 
Bänken  von  Rauchwacke  bis  in  diese  oberen  Bänke  vor.  Die  Masse 
des  Dobracz  baut  sich  darüber  aus  den  höheren  Gliedern  der  Trias- 
formation auf. 

Die  Fossilien  des  Kohlenkalkes  im  Windischen  Graben  sind  seit 
vielen  r)ecennien  bekaimt  und  dieses  Prolil  seihst  ist  in  seinem  oberen 
Theile  zu  wiederholten  Malen  beschrieben  worden.  Es  genügt,  hier 
an  die  Darstellungen  desselben  von  Mobs  aus  dem  Jahre  1807'), 
von  L.  V.  Buch  aus  dem  Jahre  18242)  von  Sedgwick  und  Mur- 
chison  vom  Jahre  1830  3)  und  jene  von  Foetterle  aus  dem  Jahre 
18S6*)  zu  erinnern.  Das  Alter  der  Pro(lactun-V(\\\vQW{\tn  Schichten 
ist   von   jeher   richtig    erkannt    worden,  Studer   nannte    schon    im 


1)   Moll's  Efemeriden,   Bd.  IH,  S.  161  u.  lolg. 

3)   Mineralog.  Taschenb.   f.  1824,  2.  A  bth.  424-  4;il  ,   d:il)ei   t-in   iL;eolonis(lifs  Kiiit- 

chen  des  Gailtliales. 
^)    A   Sketch  ol   tlie  Sdiiitiiit'  of  llie  Knsleni-Al|>.s,    iVaiisiicI.   (ieol.   Sof.  2.    ser.  Hl, 

1>.  306,  307. 
*)   .lahrl».  (jeol.  Reiilisaii,s(.  VII.    S.  373. 


i'ber  (lii-  Ai|tiiviil('lit('  des  Rotliliop;i'ii(k'n  in  den  Sildiilpcn.  23  5 

Jahre  1829  Produclus  Martini  von  hier  ')  und  auch  den  rothen 
Sandstein  hat  schon  L.  v.  Buch  jenem  von  Süd-Tirol  gleichgestellt. 
Wenn  die  normale  Lagerung  des  Thonglimmerschiefers  zwischen 
beiden  bisher  unbeachtet  blieb,  kann  das  wohl  nur  dem  Umstände 
zugeschrieben  werden,  daß  seine  petrographische  BeschalTenheit  auf 
jeden  Besucher  von  vorneherein  den  Eindruck  eines  viel  älteren  Ge- 
birges machte  2).  Nichtsdestoweniger  hat  es  nicht  an  einigen  scharf- 
sinnigen Männern  gefehlt,  welche,  mit  den  Verhältnissen  in  Süd-Tirol 
aufs  genaueste  bekannt,  in  der  im  Gailthale  sich  wiederholenden 
unmittelbaren  Lagerung  des  rothen  Sandsteins  auf  demThonglimmer- 
schiefer  nur  die  Fortsetzung  der  tirolischen  Schichtenfolge  sahen,  so 
Wilh.  Fuchs  im  Jahre  1846  sj  und  insbesondere  Trinker  im 
Jahre  18Ö3*). 

Das  Bild,  welches  mir  von  dem  Baue  dieser  kleinen  Ausbuchtung 
erwuchs,  ist  demnach  beiläufig  das  Folgende. 

Das  ältere  Gebirge  bildet  hier  eine  schalenförmige  Scholle, 
deren  Höhlung  nach  Süd  gerichtet  ist,  während  sie  mit  scharfem 
Bruche  gegen  Nord  und  Nor.I-Ost  endet  und  gleichsam  an  das  Trias- 
gebirge angepreßt  ist.  Der  Band  dieser  Scholle  läuft  oberhalb  Tratten 
und  Kerschdorf  hin,  kömmt  mit  einer  Beugung  unter  Kreuth  in  den 
Windischen  Graben  hinab  und  läuft  durch  den  Wassergraben  der 
Mühlbach'schen  Hütte  hin.  Er  wird  auf  dieser  ganzen  Strecke  von 
der  Steinkohlenformation  gebildet.  Dieser  ist  innerhalb  der  flachen 
Concavität  der  Schale  der  Thonglimmerschiefer  aufgelagert,  welcher 
identisch  ist  mit  dem  Casannaschiefer,  auf  ihm  liegt  in  der  Gegend 
von  Labientschach  der  rothe  Sandstein.  —  Nördlich  von  dem  Bruche, 
welcher  diese  Scholle  nach  Nord  begrenzt,  kömmt  unterhalb  Kreuth 
derselbe  rothe  Sandstein  als  tiefstes  Glied  zum  Vorschein  und  wird 
von  der  Trias  überlagert. 

Demnach  würde  nicht  nur  der  rothe  Sandstein  des  Gailthales 
übereinstimmen  mit  jenem  von  Süd-Tirol,  sondern  das  Quecksilber 
läge  bei  Kerschdorf  beiläufig  im  Horizonte  des  Vorkommens  von 
Vallalta,  der  Schiefer  des   östlichen   Gailthales   wäre   identisch  mit 


•)   Mineral.  Taschenb.   f.  1829,  S.  746. 

-)   Buch,     Mohs,     Studer   und    viele    andere   anerkannte   Autoritäten   haben    ihn 

schlechtweg  als  „Gliiiinierschiefcr"  bezeichnet. 
3)   Beiträge  zur  Lehre  der  Erzlagerstätten,   S.  19.  "iO. 
*)  PetrogT.  Erläuterungen,  S.  66,  Anmerkung. 


256  s  II .'  s  s. 

jenem  von  Recüiiro,  Trieiil  iiiitl  V;il-Sug;tiia  iiiid  dem  rasanna- 
Scliicfer  in  Grauhtiiidteii.  dieser  wäre  jünger  als  die  Schichten  der 
Steiiikoldenlormiitioii  hei  Hieyherg  und  man  hätte  an  keiner  dieser 
letzteren  Punkte  eine  fjiieke  in  den  Ahlagerungen  zwischen  Casaniia- 
Schiefer  und  N'ernieano  anzunehmen. 

Daß  diese  Anschauungsweise  von  der  Lagerung  des  Thonglim- 
merscliiel'ers  hei  Dleyherg  die  richtige  sei,  ergiht  sich  noch  aus  einem 
anderen  Umstände. 

Schon  Rosthorn  erwähnte  zwei  Vorkommnisse  von  Zinnober 
am  jenseitigen,  nürdliclien,  der  Mittelzone  zugekehrten  Abhänge  des 
Triasgebirges  von  Bh-yberg,  und  zwar  bei  Paternion  und  i)ei  Dellach 
im  Drauthale  ').  Hr.  Gröger  hat  den  Punkt  bei  Paternion  (im  Buch- 
holzgraben  bei  Stockenboj)  autgesucht;  er  fand,  einer  freundlichen 
Mittheilung  zufolge,  hier  eine  concordant  nach  Süden,  also  von  der 
^iiltelzone  der  Alpen  wegfallende  Scliichtenreibe,  welche  oben  aus 
den  mächtigen  Massen  der  Triasformation,  darunter  aus  dem  hier 
sehr  mächtigen  rotlien  Grödeiicr  Sandstein  und  unter  diesem  aus  dem 
Thonglimmerschiel'er  besteht.  Knapp  unter  dem  ruthen  Sandstein  be- 
finden sieh  im  obersten  Theile  des  Thonglimmerschiefers,  die  Zinnober- 
lager, deren  bisher  vier  bekannt  sind. 

Der  Zinnober  bei  Stockenboj  liegt  also  im  Horizonte  des  Sehurfes 
bei  Kerschdorf  und  sind  wohl  beide  Vorkomnuiisse  als  vollkommen 
übereinstimmend  anzusehen,  die  Zone  von  Kalkstein  aber,  welche 
nach  den  Aufnahmen  unserer  Reichsgeologen  mit  südwestlichem 
Fallen  von  Lind  bis  gegen  Paternion  hinzieht,  wird  der  Steinkohlen- 
forination  zufallen  müssen. 


3.    Abschnitt. 
Östliches  Kärnten.  Vellach-Thal.  Unter-Steiermark. 

Das  östliche  Stück  der  großen,  cpier  durch  Kärnten  ziehenden 
parallelen  Gesteinszonen  entspricht  dem  westlichen  nicht  nur  in  so 
ferne,  als  auf  eine  Kette  von  mesozoischen  Kalkgebirgen  ein  Streiten 
von  Schiefer  und  auf  dicssen  eine  aus  paläozoischen  Ablagerungen 
aufgebaute  Kette   folgt,  sondern   es   stellt    sich  auch  eine  Reihe  von 

')    IS  <i  s  t  h  I)  in    II.    C;iiiHv;il,    .Mineiiil.  Kaniteirs.    S.  äil,   (51. 


über  die  Äqiiiviileiite  des  Holhliegcndeii  in  den  Siidalpen.  lüoi 

Ziiinobervorkommnisseii  ein,  welche  iiiiierhall»  des  Schieferstreifens, 
nacli  einigen  Angaben  auch  innerhalb  des  rothen  Sandsteines,  ans  der 
Gegend  von  Zell  im  Winkel  über  Kajipel  und  das  Loppeinthal  bis 
Jaworie  östiich  von  Schuarzenbacli,  also  bis  knapp  an  die  Ostgrenze 
des  Landes  sich  hinziehen  und  an  mehreren  Punkten  Veranlassung  zu 
bergniännisclii'u  Arbeiten  gegeben  haben.  Ein  wesentlicher  Unterschied 
gegenüber  dem  V\  eslen  liegt  dagegen  in  dem  Auftreten  von  graniti- 
schen und  syenitischen  Gesteinen  innerhalb  der  Schieferzone.  Rost- 
horn  hat  diese  Gesteine  sammt  dem  Schiefer  selbst  stets  von  jenen 
der  Mittelzone  abgetrennt,  wie  ich  bereits  erwähnt  habe;  Lipoid 
hat  die  Schieler  als  jüngere  melamorphische  Gebilde  angesehen;  die 
Hypothese,  daß  hier  ein  Festland  der  paläozoischen  Zeit  bestanden 
habe,  deren  Unhaltbarkeit  in  Bezug  auf  das  Gailthal  nach  den  eben 
angeiührten  Tiiatsachen  wohl  zugegeben  werden  wird,  ist  in  Bezug 
auf  dieses  östliche  Stück  der  Kette  niemals  auch  nur  angeregt 
worden,  obwohl  die  Erscheinung,  aufweiche  hin  sie  gegründet  wurde, 
nämlich  ein  Streifen  von  Schiefer  auf  den  im  Norden  Triasgebilde, 
im  Süden  paläozoische  Berge  folgen,  hier  in  derselben  Weise 
vorhanden  ist  wie  dort.  Die  zahlreichen  und  mit  großer  Mühe 
von  Lipoid  aufgenommenen  Profile  >)  sind  dagegen  unter  der 
Voraussetzung  entworfen,  daß  die  Massengesteine  des  Thonglimmer- 
schiefers,  wie  z.  B.  die  Granite,  als  eruptive  Gesteine  einen  wesent- 
lichen Eintluß  auf  die  Erhebung  des  Gebirges  selbst  ausgeübt  hätten. 
Ich  habe  mich  von  der  Richtigkeit  einer  solchen  Annahme  nicht  über- 
zeugen köimen,  sondern  habe  nur  Deckenstücke,  d.  h.  Lagermassen 
gefunden,  deren  Rolle  bei  der  Erhebung  des  Gebirges  wohl  eine 
ganz  eben  so  passive  war,  als  jene  der  Porphyrdecken  Süd-Tirols 
oder  des  Granites  der  Cima  d'Asta. 

Das  schönste  und  vollständigste  Protil,  welches  ich  hier  kennen 
gelernt  habe,  ist  im  Vellachthale  bei  Kappel  vorhanden  und  läuft  quer 
auf  das  Streichen,  fast  rein  nordsüdlich.  Die  Stelle  ist  dieselbe,  auf 
welche  sich  die  treiflichen  älteren  Untersuchungen  von  S  tu  der  2) 
und  Boue  '^),  und  zum  Theile  auch  die  späteren  Angaben  von 
Scheuche nstuel    *)   beziehen. 


')   Jiiiiili.  Vn,  1856.  Erläuterung  geol.  Durchschnitte  aus  tl.  östl.  Kärnten.  S.  33-Z— 346. 
~)   Zeitschr.  f.  Mineralogie,  1829,  H,  S.  738  — 7ä0. 
3)   Mem.  de  la  Soc.  ge'ol.  I83ö,   II.   p.  61— Ti. 

*)   Schrift,  d.  k.  russ.  (Jesellsch.  f.  Mineralog^ie,  1»42.  I.  Bd.,  2.  Abth.  S.  231—238. 
Sitzh.  d.  mathem.-naturw.  Cl.  LVIl.  Bd.  I.  Abth.  17 


!<i58  S  11  e  s  s. 

Kappcl  liegt  knapp  südlich  von  den  weißen  Felswänden  der 
Trias.  Schon  wenn  man,  vum  Norden  her  sich  dem  Orte  nähernd, 
diurh  die  Schliielit  j^eiit,  welche  die  \'cllach  durch  das  Triasgehirge 
entweichen  läßt,  sieht  man  zu  seiner  Hechten  (gegen  Westen),  wo 
die  Masse  des  Trobenlelsens  in  jähen  Wänden  abstürzt,  die  Schichten 
der  Trias  senkrecht  stehen,  zum  Beweise,  daß  diese  ganze,  mächtige 
Masse  sich  in  einer  höchst  alinormen  Lage  befindet.  Noch  mehr 
staunt  man  zu  gewahren,  daß  gegen  Kappel,  also  gegen  den  Casanna- 
schiefer  hin,  sich  in  der  Trias  anstatt  des  erwarteten  Vertlächens 
nach  Norden  eine  immer  tlaciiere  Neigung  nach  Süd,  also  unter 
den  Schieler  hin,  einstellt.  Große  Schichttlächen  von  Triaskalk 
sind  insbesondere  über  der  l'ementfabrik  entblößt  und  eine  weite, 
steil  nach  Süd  einschiessende  Platte  ist  an  ihrer  oberen  Kante  mit 
einem  allen  Thurme  gekrönt.  Wo  das  Thal  sich  erweitert  kömmt  das 
Triasgebirge  an  der  Westseite  desselben  in  Gestalt  von  mehreren 
Hügeln  zu  demselben  herab,  welche  den  südliehen  Fuß  des  Troben- 
felsens  bilden  und  welche  ohne  Ausnahme  das  südliehe  Verflachen 
zeigen.  Es  ist  zunächst  dünngeschichteter,  schwarzbrauner,  bitu- 
minöser Kalkstein  entblößt,  ausgezeichnet  durch  große  Knoten  auf  den 
Schichtflächen  ;  er  fällt  noch  60 — 7  t)  südlich,  sehr  wenig  in  Ost.  Die 
nächstfolgende,  niedrigere  Hügelreihe  besteht  aus  wohlgeschichtetem 
graubraunem  Dolomit,  welcher  unter  etwa  3ö  nach  derselben  Rich- 
tung geneigt  ist.  Er  bildet  breite  Flächen  und  an  dem  Hammerwerke 
am  Ebriachbache  erscheint  über  diesem  Dolomit  eine  geringe  Spur 
von  braunem,  rauhflächigem  Kalkschiefer  mit  verkohlten  Pflanzen- 
stielen. Nun  folgt  roth  und  grün  geflammter  Schiefer,  der  schon  dem 
Werfener  Schiefer  angehört,  ebenfalls  südlich  fällt  und  folglich  von 
der  gesammten  vorderen  Hälfte  des  Trobenlelsens  unterteuft  wird.  Es 
kann  kein  Zweifel  darüber  sein,  daß  die  ganze  mächtige  Masse  über- 
gebogen, daß  also  die  entblößte  Schichtenreihe  die  verkehrte  ist  und 
ich  will  sofoi-t  hinzufügen,  daß  diese  Umbeugung  mit  beständiger 
Neigung  nach  Süden  durch  das  ganze  Profil  bis  zur  Steinkohlenfor- 
mation anhält.  Indem  ich  also  die  Ablagerungen  in  der  Stellung 
beschreibe,  in  welcher  ich  sie  in  der  Natur  angetroflen  habe, 
erscheinen  durcliwegs  die  jüngeren  Bildungen  unter  den  älteren. 

Der  rothe  und  grüne  ebenflächige  Schiefer  an  der  Eliriach, 
welche  von  West  in  die  Villach  mündet,  zeigt  da  und  dort  Anflüge 
von    Malaeliil.   Die  Villacli  hat   miwcil   von  ilem  erwähnten  Hammer- 


L'Ikm-  ille  A(|ui\;iii'iile  ilcfs  l;ntliliej;i'iiil<'ii  in  den  Siiil.iipiMi.  2o0 

weikc  ein  Stück  des  Ahliaiiges  foi'tgerisseii  iiml  iiuiii  kann  Schritt  liii- 
Schrill  ciic  weitere  Folge  hedhachteii.  Das  Fallen  ist  (hirchgäiigig 
etwa  yO°  südlich.  Der  rothe  und  grüne  Schiefer  unterteul'l  eine 
größere  Anzahl  von  rotlien,  scliielrigen  und  glimnierigen  Lagen  vom 
Aussehen  des  gewöhnlichen  VVerfener  Schiel'ers,  welche  gegen  oheii 
mit  liläulichgrauem,  hlätterigem  und  glimmerlVeiem  Schiefer  wechseln, 
\N  ie  er  hei  Nütscii  heschriehen  worden  ist.  Es  folgt  ein  klein  wenig 
schwar/er  Scliiefer  mit  kleinen  Glimmerhlättchen  auf  ilen  Flachen 
und  der  S[)iir  einer  gestreiften  IMusciiel  (Aviciila  Veuetiauu?), 
eim'ge  i^agen  von  gelber,  heslauhter  Rauchwaeke  iriit  Quarzausklei- 
dungen in  den  Hohlräumen  und  vom  Aussehen  der  Zechsteiiulolomite. 
welche  innig  verbunden  scheinen  mit  den  nächst  höheren  Lagen  von 
hartem  weißgrauem  Kalkstein  mit  grünen  Flasern  ,  die  hier 
wegen  der  Umstürzung  des  Gehirges  auf  ilin-n  oberen  Flachen  mit 
Wülsten  bedeckt  sind  (statt  auf  ihren  unteren)  und  den  mit  Wülsten 
bedeckten  derberen  Lagen  des  Nötschgrabens  und  Windischen 
Grabens  entsprechen ').  Diese  gesammte  Schichtfdlge  von  dem 
rothen  glimmerigen  Schiefer  an  ist  hier  nur  wenige  Klafter  mächtig. 
Auf  dieser  schon  im  unteren  Gailthale  geschilderten  Serie  von 
Schichten  liegt  der  rothe  Grödener  Sandstein.  Er  mißt  nur  wenige 
Fuß,  ist  jedoch  durch  seine  grelle  Färbung,  sein  grobes  Gefüge  und 
die  zahlreichen  Gerolle  von  Quarz,  welche  er  enthält,  auch  aus  einiger 
Entiernung  schon  zu  erkennen;  er  ist  von  Gypsschnüren  durchzogen 
und  soll  (iyps  aus  demselben  an  dieser  Stelle  gewonnen  worden 
sein.  Das  Hangende  des  rothen  Sandsteins  bildet  ein  dunkel- 
grünes aplianitisches  Gestein,  nach  allen  Richtungen  von  Ser- 
pentinadern durchzogen  und  von  zahlreichen  Klüften  din-chkreuzt, 
welche  zum  Theile  mit  Asbest  besetzt  sind.  Stellenweise  sieht 
man  nur  Serpentin.  Gegen  oben  verlieren  sich  die  Serpentin- 
adern und  das  aphanitische  Gestein  zeigt  zahlreiche  Schüppchen 
von  grünem  Talk,  auffallend  erinnernd  an  die  grünen  Talk- 
schüppchen  in  dem  zinnoberführenden  Kalkstein  hei  Kerschdorf. 
Noch  etwas  höher  wird  die  Färbung  des  Gesteins  etwas  lichter   und 


1)  Solche  Wülste  kennt  iniiii  ;in  vielen  Orten  im  tieferen  Theile  der  Werfener  Schiefer. 
Lipoid  versileicht  sie  in  Ober-Krain  mit  Bhizncorallium  (Jahrb.  1857.  VIU, 
S.  213);  Stur  erwähnt  sie  im  oberen  (iailthiile  (e.  d.  1856,  VI,  S.  417);  Guri- 
on i  in  der  Val  Camonica  (Sulla  Sucess.  norm.  elc.  4",   1835,  p.  10)  u.  s.  w. 

17* 


260  S  II  e  s  s. 

liegen  viele  Brocken  von  zerlVessenen  Quarzgängen  herum,  g;inz 
ähnlich  jenen,  die  man  /,.  B.  in  dem  Gebiete  des  sogenannten  Grau- 
wackcnschiefers  von  Reiclienau  hei  Gloggnitz  antrifft.  Weiterhin 
nimmt  die  Felsart  wieder  mehr  den  Charakter  eines  dunklen  Ser- 
pentins an  und  wechselt  mit  purpurrothen  Schichten. 

Im  Hangenden  dieser  lehrreichen  Enthlößung  und  ganz  in  ihrer 
Nähe  soll  vor  Zeiten  ein  Schürf  auf  Zinnober  bestanden  haben.  In  der 
Fortsetzung  der  Streichiuigslinie  und  in  demselben  dunkelgrünen 
Gesteine  ist  am  jenseitigen  Thalgehänge  „an  der  Brekarca"  über  dem 
Mauthhause  von  Kappel  ein  größerer,  aufgelassener  Bau  auf  Queck- 
silber sichtbar  und  in  weiterer  Fortsetzung  gegen  Osten  bis  in  das 
Loppeinthal  hin  sind  noch  mehrere  ähnliche  Baue  zu  sehen;  selbst 
der  entferntere  Fund  im  Jaworiethale ,  bildet,  wie  bereits  erwähnt 
wurde,  nur  eine  Fortsetzung  dieser  Vorkomnniisse,  welche  gegen 
Westen  über  Zell  im  Winkel  mit  jenen  bei  Nötsch  in  Verbindung 
stehen  werden. 

Das  Profil  setzt  sich  am  deutlichsten  an  dieser,  der  rechten  Seite 
des  Vellachthales  fort.  Viel  purpurrother  Schiefer  liegt  hier  am  Ge- 
hänge herum  und  scheint  mehrfach  dem  grünen  aphanitischen  Ge- 
steine eingelagert;  er  ist  verschieden  von  den  rothen  Schiefern  der 
Triasformation.  Die  Felsart  geht  endlich  in  dunkelgrünen  Schiefer 
mit  zahlreichen  Talkschnppen  über,  auf  welchen  an  der  Mündung  des 
Loppeinthales  ein  gelber  und  röthlicher,  sehr  zersetzter  Granitit  folgt'). 
Dieser  bildet  einen  Rücken,  an  dessen  jenseitigem,  südlichem  Fuße 
eine  sehr  kleine  Lage  von  rötblichem  Schiefer  und  schiefrigem  Kalk 
mitten  durch  den  Granitit  zu  streichen  scheint;  leider  ist  sie  nur  sehr 
wenig  aufgeschlossen.  Auf  den  Granitit  folgt  eine  ziemlich  mächtigeLa- 
germasse  von  dunklerem  hornblendereichem  Syenit,  von  dioritischem 
Aussehen,  da  und  dort  von  (längen  oder  kleinen  Lagern  von  einem 
lichten  Syenit  durchzogen;  stellenweise  ist  es  ganz  dichter  Hornblende- 
fels. Nach  diesem  steht  in  geringer  Stärke  ein  schöner  Syenitporphyr  von 
lichter  Farbe  an,  welcher  zweierlei  Feldspatlie  enthält,  deren  einer  die 
Umrandung  des  anderen  bildet  und  in  welchem  man  ferner  kurze  Säulen 


')  Prof.  I'eters  findet  dieses  Gestein  iiheroins(iininend  mit  jenem,  welches  er  vor 
kurzem  aus  mehreren  Theilen  der  Üobrudseha  beschrieben  hat,  wo  (ir:initil  in 
Verbindung-  mit  Phylliten  nnd  Quarziten  unter  Verhältnissen  erscheint,  welche  in 
der  That  jenen  des  östlichen  Kärntens  außerordentlich   ähnlich   zu  sein  scheinen. 


VUfv  IUP  .\()iiiviil<M(tp,  rles  Rothlien^Piulen  in  ili'n  Siidalpeii.  261 

von  llonihleiidi'  und  (Miigewachsene  graue  Quarzkrystalle  sieht  •). 
Neuerdings  folgt  ein  Gestein,  welches  dem  Granitit  desLoppeinthales 
vollkommen  gleicht,  aber  nur  unbedeutende  Mächtigkeit  erlangt,  und 
auf  dieses  wieder  eine  Masse  des  dunklen,  dioritähnlichen  Syenites. 
Die  meisten  dieser  Menig  mächtigen  Lagen,  insbesondere  der  schöne 
Syenitporpliyr,  lassen  sich  weithin  durch  das  obere  Mißthal  gegen 
den  Ouschowa-Paß  verfolgen. 

Hiemit  ist  das  Profil  an  der  Mündung  des  bedeutenden,  von 
Ost  kommenden  Remscheniggrabens  angelangt,  die  von  einer  Schutt- 
masse zum  großen  Theile  verlegt  ist,  welche,  einer  Moräne  nicht  un- 
äluilich,  sich  quer  über  dieselbe  legt.  Der  Remscheniggraben  zeigt 
in  seinem  tieferen  Theile,  insbesondere  in  der  Nähe  der  Sägemühle 
feinblättrigen   gefältelten   Thonschiefer,  Avelcher  west-nord-westlich 


1)  Prof.  V.  Hochstetter  hat  diesen  Syenit-I'orpbyr  genauer  untersucht;  ich  glaube 
die  mir  freundlichst  niitgetheilte  Note  wörtlich  wiedergeben  zu  sollen:  „Es  ist 
dies  ein  Syenitporpliyr,  jedoch  nicht  in  dem  Sinne,  welchen  Gust.  Rose  mit  diesen 
Namen  verbindet,  indem  er  denselben  auf  die  quarzfreien  Felsitporphyre  anwen- 
det, sondern  als  ein  h  ornble  n  d  h  a  1 1  i  ger  Granitporphyr.  In  einer  fein- 
körnigen, aus  Quarz,  Feldspath,  schwarzem  Glimmer  und  Hornblende  gemengten 
Grundmaße  liegen  größere  Krystallausscheidungen  derselben  Gemengtheile,  Quarz 
in  grauen  Körnern  und  abgerundeten,  aber  doch  ganz  deutlichen  Doppelpyramiden 
bis  zu  fünf  Linien  Durchmesser,  und  zweierlei  Feldspath.  Die  größeren  Krystalle,  bis 
zu  acht  Linien  lang,  bestehen  aus  blaßllelschfarbigem  Orthoklas,  der  ziemlich  frisch 
ist  und  deutlich  spiegelnde  Blätterbriiche  hat.  Diese  Orthoklaskrystalle  sind  ohne 
Ausnahme  eingefaßt  oder  überzogen  mit  einer  1/3  Linie  starken  Rinde  eines 
schneeweißen  triklinischen  Feldspathes,  der  auf  seiner  Hauptspaltuugsfläche 
deutliche  Zwillingsstreifung  zeigt  und  dessen  Masse  nicht  scharf  abgegrenzt  ist 
von  der  Orthoklasmasse.  Dieser  schneeweiße  triklinische  Feldspath  kommt  über- 
dies in  kleineren  und  größeren  ziemlich  frischen  Krystallen  von  tafelförmiger 
Gestalt  in  der  Grundmasse  selbständig  ausgeschieden  vor;  diese  werden  bis 
zwei  Linien  dick  und  fünf  Linien  lang.  Die  Hornblende  Ist  bräunlichschwarz  und 
erscheint  in  kurzsäulenförmigen  Krystallen  his  zu  einer  Länge  von  vier  Linien  bis 
zwei  Linien  Dicke :  sie  hat  matte,  zum  Fasrigen  neigende  Spaltungsflächen.  Der 
schwarze  Magnesiaglimmer  endlich  zeigt  kleine,  sechsseitig  begrenzte  Blättchen 
oder  kurze  Säulen  l)is  zu  einer  Linie  Durchmesser.  Andere  Gemengtheile  konnte 
ich  in  dem  mir  übergebenen  Handstücke  nicht  auffinden.  Der  Menge  nach  vor- 
herrschend sind  die  Feldspathe,  dann  folgt  der  Quarz,  dann  die  Hornblende,  endlich 
der  Glimmer.  Ich  bemerke  nur  noch ,  daß  ich  ähnliche  Syenitporphyre  in  Böhmen 
als  Gangmasse  im  Gneißgebirge  bei  Wollin  beobachtet  habe".  —  Dieses  eigen- 
thüniliche  Gestein  hat  schon  vor  langer  Zeit  die  Aufmerksamkeit  erst  Hacquet's 
dann   S  t  u  d  e  r"s  auf  sich  gezogen  (Jahrb.  f.  Mineral.  1829,  IL  742). 


202  s...  SS. 

strciflil,  sehr  steil  süd-siid-wesllieli  geneigt  isl  iiiul  welelier  hier  den 
gritßleiiTlieil  des  Casiuma-Seliierers  aiismaelit.  Zahh-eiche Blöcke  von 
honilileiidereieheni  Syenil  liegen  an  derselben  Stelle  in  der  Thalsohle, 
welche,  wie  es  seheint,  die  Grenze  zwischen  Syenit  und  Casanna- 
schiefer  bezeichnet.  --  Die  dem  Streichen  des  Casannaschicfers 
entsprechende  Stelle  des  Vellachthales  zeigt  fast  allenthalhcn 
nur  flache  und  iiherwachsene  Gehänge  ;  an  einzelnen  Stellen,  wie 
z.  r>.  über  dem  Gehöfte  (]cii  Bauers  Bertel,  wird  das  Gestein 
siehlhar;  an  diesem  Punkte  ist  der  Schiefer  klüftig,  nicht  gefältelt,  der 
Glimmer  nur  in  sehr  kleinen  weißen  Schüppchen  ausgeschieden. 

Das  Thal  verengt  sich  jdötzlich;  von  den  sanften  Gehängen  des 
Schiefers  trennen  sich  scharf  die  ersten  Lagen  einer  ziemlich  mäch- 
tigen Masse  von  lichten  Dolomit-  und  Kalkablageruugen,  welche  nun 
folgt.  ZnM;i('h«t  setzt  mit  nordwestlichem  Streichen  ein  Riß'  von  hläu- 
lichem,  splittrigem  Dolomit  quer  über  das  Thal,  auf  dieses  folgt  eine 
leichte  Senkung  des  Bodens,  welche  bedeckt  ist,  auf  welcher  jedoch 
viele  Trümmer  von  weißem  Kalkstein  herumliegen,  der  durch  einge- 
schaltete schwarze  Thonflasern  gleichsam  marmorirt  aussieht  und  dem 
,,Schnürlkalk''  der  steierischen  Eisenlager  ähnlich  wird;  dann  ist  am 
linken  Ufer  eine  größere  Wand  von  geschichtetem,  dolomitischem 
Kalkstein  (Uitblößt,  welche  deutlich  die  kniefla-mige  Beugung  der 
Schichten  zeigt.  Im  oberen  Theile  neigen  sich  dieselben  südlich,  ent- 
sprechend den  bisher  angeführten  Schichtengruppen,  am  Fuße  der 
Wand  aber  fallen  sie  nördlich.  An  beiden  Gehängen  kömmt  nun, 
unmittelbar  vor  dem  ersten  Hammerwerke,  weicher,  schwarzer  Tlum- 
schiefer  mit  vielen  sehr  kleinen  weissen  (ilimmerschüppchen  zuTage, 
welcher  zahlreiche  Versteinerungen  der  Kohlenformation,  und  zwar 
Sowohl  Meeresthiere  {Productus  und  andere  Brachiopoden,  zahlreiche 
Fcneslellc'ti  u.  s.  w.)  als  auch  einzelne  Bruchstücke  von  Landpflanzen 
enthält.  Er  entspricht  ganz  und  gar  dem  Thonschiefer,  welcher  im 
Windischen  Graben  dieselben  Versteinerungen  führt;  im  ßachbette 
unter  dem  Hammerwerke  wiederholt  er  die  knieförmige  Beugung  iWv 
v(U"lierge!ienden  Kalkmassen  :  seine  Mächtigkeit  ist  nicht  hedeulmd. 
Er  steht  zugleich  in  inniger  N'erbindung  mit  dem  zunächst  folgenden 
Compltx  von  liehlem  dümiplaltigem  Quarzsandstein  und  Bänken  von 
weißem  Quarzconglomerat,  welche  letztere,  iilter  dem  Hammerwerke 
sehr  schön  entblößt,  wie  die  Schiefer  oben  steil  südlich,  dann  nach 
erfolgter  Umbeugung   im  Bachbelte   ni»rdlich    fallen,  dabei   mehrere 


rixT  (He  .\iniiv;il('nte  des  lioIhlie'^ciuli'Ti  In  di'ii  Siifliilppn.  -^OO 

iiiiter,-i()i-iliiL'lt'  FiiUcii  l)i!(l(Mi(l  ').  Uiiiuittt-lhar  auf  das  Oiiarzconglo- 
nieral  folgt  eine  erste,  einen RilT  quer  iiher  das  Thal  liildende  Masse  von 
dunkelgrauem  Koldenkalkstein  mit  zahlreichen  Auswitterungen  von 
Poferi(>crh/u.'i-S{'\e]cn  und  Braehiopodeiischalen.  Einzelne  Schicht- 
tlächen  desselhen  sind  mit  kloinen  rfihren förmigen  Vertiefungen 
Iiedeekt,  welche  schon  Boue  aufgeialien  waren  und  welche  man 
auch  im  Qnarzsandstein  und  im  vorhergehenden  schwarzen  Thon- 
schiefer  sehen  kann. 

Üher  den  ersten,  nicht  mächtigen  Bänken  von  Kohlenkalk  folgt 
erst  eine  nochmalige  Einschaltung  von  lichtem,  diinnplattigem,  hier 
etwas  «ilimmerigem  Ouarzsandstein.  dann  endlich  die  Hauptmasse  des 
dunkelgrauen  Kohlenkalkes  bei  dem  zweiten  Hammerwerke. 

Seihst  wenn  die  knieförmige  Beugung  der  tieferen  Lagen  dieses 
Profiles  nicht  sichtbar  wäre,  dürfte  es  wohl  kaum  eines  weiteren 
Beweises  für  die  Behauptung  bedürfen,  daß  diese  gesammte  Schicli- 
lenlblge  mit  InbegrilT  der  Trias  überstürzt  sei,  und  zwar  wie  es 
scheint,  (h'.rch  eine  Kraft,  welche  nicht  aus  der  Richtung 
der  Miltelzone  gewirkt  hat,  vielleicht  durch  Senkung. 

Die  normale  Schichtenfolge  ist  daher  im  Vellachlhale:  Kalk, 
Quarzcongiomerat,  Sandstein  und  Schiefer  der  Steinkohlenformation, 
üher  diesem  eine  Masse  von  lichtem  Kaik  und  Dolomit,  dann  der 
Casannaschiefer,  in  dessen  Hangendem  Syenitporphyr,  Syenit  und 
(iranititlager  erscheinen,  dann  grüne  Wacke  mit  Talkschüispchen 
und  Quecksilber,  gegen  oben  Serpentin,  ein  Complex,  welcher  ohne 
Zweifel  dem  Quecksilber-l'ührenden  Kalk  mit  Talkschüppchen  bei 
Nötsch  und  dem  Talkschiefer  mit  Quecksilber  von  Vall'alta  entspricht; 
endlich  folgt  auf  diesem,  wie  allenthalben,  der  rothe  Grödener  Sand- 
stein, welcher  die  Unterlage  der  Trias  ausmacht.  — 

Wenn  man  den  Remscheniggraben  aufwärts  und  über  den 
Ouschowa-Paß,  dann  durch  das  obere  Mißthal  über  Koprein  nach 
Schwarzenbach  geht,  überzeugt  man  sich  leicht  davon,  daß  außer 
der  Gruppe  von  granitischen  und  syenilischen  Gesteinen,  welche  im 
Hangenden  des  Casanna-Schiefers  erwähnt  worden  sind,  ein  zweites, 
tieferes  und  dem  Liegenden  des  Schiefers  angehöriges  Lager  von 
Massengestein    vorhanden    ist ,    welches    aus    einer    weißen ,    dem 


^)   Es  sind  dieselben,   deren  Alinliclikeil    mil  dem  Pudding  von  Valorsine  St  u  der  vor 
vierzig  Jahren  bemerkte. 


264  s  II  o  s  s. 

Toiinlit  sehr  naht-  stellenden  Felsarf ')  bestellt,  die  vorläiitijf  als 
Toiiali  tgii  eitJ«  iH-zeicIiiiet  werden  nia«;.  welches  sieh  jedoeli  {^egeii 
Westen  auskeill  nnd  di<'  Profilliiiie  der  N'ellaeli  nicht  erreicht.  Li- 
poid hat  diesen  „Zuü;"  ganz  rieliti«'  erkannt  und  auf  den  Aufnahms- 
karten  als  ..(xneiß"  ansgeschieden^).  Fast  der  ganze  Weg  von  der 
Mündung  des  Remscheniggrahens  bis  Schwarzenbach,  liegt  in  dem 
Streichen  der  Ahtheilnng  des  Casanna-Schiefers,  welche  zwischen 
dem  Granitit  und  Syenit  von  Kappel  einerseits  und  dem  Tonalitgnciß 
andererseits  liegt.  (Ta)'.  li,  Fig.  2).  Gegen  Ost,  in  der  Umgebung 
von  Koprein,  wo  die  Umbeugung  der  Schichten  in  eine  vertieale 
Aufrichtung  derselben  übergegangen  ist,  treten  diese  verschieden- 
artigen Felsarten  in  sehr  auffallender  Weise  hervor.  Knapp  an  den 
weißen  südlichen  Abstürzen  derTriaskalksteine  der  Petzen  laufen  als  eine 
schwarze,  zackige  Mauer  Granitit  und  Syenit  hin,  einem  riesigen 
Gange  wohl  vergleiclibar.  Die  Thalsohle  besteht  zum  großen  Theile 
aus  großflasrigem  Casannaschiefer,  von  dem  man  übrigens  auch 
große  eckige  Scherben  in  den  granitischen  Teig  eingebettet  sehen 
kann.  Den  südlichen,  rechten  Abhang  bildet  meistens  der  Tona- 
litgneiß. 

Bei  dieser  allgemeinen  Beständigkeit  des  Streichens  ist  es  um 
so  auffallender,  daß  auf  der  Höhe  des  Ouschowa-Passes  eine  scheinbare 
Anomalie  eintritt.  Nachdem  man  von  Ost  über  Tonalitgneiß  aufwärts 
gestiegen  ist,  sieht  man  nicht  nur  zur  Rechten  in  geringer  Entfernung 
die  Kuppen  der  Triaskette  sich  erheben  ,  sondern  auch  zur  Lin- 
ken (gegen  Süd)  erhebt  sich  eine  öde  und  zerrissene  Masse  von 
lichtem,  Iheilweise  dolomitischein  Kalkstein,  geschichtet  und  äußer- 
lich dein  Plattenkalke  durchaus  ähnlich  ;  sie  bildet  die  Kämme  der 
Ouschowa  und  des  Liepi-Vrh  und  fällt  südlich  gegen  Sulzbach  ab. 
Lipo  Id  fand  in  derselben  große  Muschekjuerschnitte,  welche  er  für 
die  Dachsteinbivalve  hielt ;')  und  ich  seihst  habe  dort  ähnliche  Reste 
gefunden. 


')  Indem  ich  dieses  Gestein  dem  Toiialit  ver<;leiche,  beinfe  icli  mich  zugleich  auf  ilie 
Autorität  der  Herren  H  o  e  h  s  t  e  1 1  e  r  u.  I'eters.  Es  unterscheidet  sieh,  wie  es 
»clieint,  nur  durch  eine  Anljij^e  zur  Fiiriiilelstruclur.  S  I  n  d  e  i-  n;ninte  es  llorn- 
hlende-Gneiss. 

■-)    Auch  im  .liihrh.   18S(>,  VII.  Verli.   S.  :{t!ö  erwiihnt. 

•')   .Ishrh.  1857.   VIII.    S.  4;)9. 


n)er  die  Äqiiivalontp  «les  Roll)liefr<*nilen  in  <1eii  Siidiilpen.  26 i) 

DicÄiiiilicIikt'it  mit  dem  Plattoiiknlke  ist  wie  gesaij^t.  eine  au(k'r- 
ordentliclit'.  .'(her  tcnl/,  (Icrscllx'ii  und  tiMttz  der  Querschnitte  großer 
Bivalven  kann  kaum  <'in  Zweifel  danilier  obwalten,  daß  diese  Masse 
die  Fortsetzung  des  lichten,, ueschicliteten  und  theilweise  dolomitisclien 
Kalksteins  sei,  welcher  an  der  Vellaeh  in  ansehnlicher  Mächtigkeit 
zwischen  dem  Casanna-Schiefer  und  den  [)etrefaetenluhrenden  Lagen 
der  Steinkohlenformation  liegt. 

Die  Kenntniss  von  der  Lagerung  dieser  lichten  Dolomit-  und 
Kalksteinmasse  erleichtert  außerordentlich  das  Verständniß  des 
Baues  der  gegen  Süd  und  gegen  Südost  folgenden  Gebirge,  wo  man 
an  zahlreichen  Stellen,  insbesondere  in  Krain  und  in  Süd-Steiermark 
lichten  Kalkstein  mit  großen  Bivalvenquerschnitten  in  unmittelbarer 
Autlagerunff  über  den  Conglomeraten  und  Schiefern  der  Steinkohlen- 
formation  getrotfen  bat.  In  den  Karawanken  schwillt  diese  Masse 
zu  bedeutender  Mächtigkeit  an.  während,  wie  es  scheint,  der  Casanna- 
Schiefer  im  Hangenden  ganz  verschwindet.  Hier  ist  sie  zuerst  von 
Foetterle  und  Peters  als  „oberer  Kohlenkalk"  ausgeschieden 
worden,  während  man  die  bivalvenfübrenden  Partien  als  isolirte 
Flecken  von  Daclisteinkalk  ansah.    — 

Der  kärntnerische  Schieferzug  stellt  sieh  demnach  vom  Gail- 
thale  bis  an  die  Ostgrenze  des  Landes  als  das  Streichungsgebiet  eines 
der  Sehichtenfolge  des  Gebirges  normal  eingefügten  Gliedes  dar, 
welches,  aus  den  Gesteinen  des  Casannaschiefers  bestehend,  Lager- 
massen von  Granitit,  Syenit,  Syenitporphyr  und  Tonalitgneiß  umfaßt, 
in  seinen  hangenden  Theilen  den  durch  seinen  Talkgehalt  ausge- 
zeichneten Horizont  der  Quecksilbervorkommnisse  darstellt,  dabei 
gegen  Nord  von  den  jüngeren  Ablagerungen,  und  zwar  zunächst  vom 
Grödener  Sandstein  ,  dann  von  der  Trias,  gegen  Süd  aber  zuerst 
vom  weißen  oberen  Kohlenkalk,  dann  von  den  versteinerungsreicbeu 
Schiefern  und  den  weißen  Conglomeraten  der  Steinkohlenformation, 
endlich  vom  unteren  Kohlenkalk  begleitet  ist. 

Jenseits  der  östlichen  Grenze  Kärntens  ändern  sich  diese  Ver- 
hältnisse. 

Die  nördlich  vorliegende  mesozoische  Kette  der  Petzen,  der 
Oisterza  und  des  Ursulaberges  endet  südlich  von  Windischgratz  und 
der  Schieferzug  tritt  in  unmittelbare  Verbindung  mit  dem  ausge- 
dehnten Schiefergebirge,  welches  von  Klagenfurt  und  r>l('ylierg  her 
die  Mittelzone  der  Alpen  begleitet.   Hier  tauclit  die  große  Granitmasse 


2  ()  (5  S  u  e  s  s. 

des  Hneher^ebirges  auf.  Rolle  hat  die  ausführlichste  Beschrei- 
iMing  dieses  Geliirges  gegeben  ').  Es  geht  aus  derselben  hervor,  daß 
nördlich  vom  Bacher,  zwisclien  diesem  und  der  Centralmasse  der  Kor- 
und Sau-Alpe,  die  Höhen  dt's  Poßnick-  und  des  Remscheniggebirges 
aus  den  untersten  Gliedern  der  Trias,  aus  grünem  und  grauem 
Schiefer,  und  unter  diesen  aus  erzführendem  Glimmerschiefer  be- 
steben, in  welchem  auf  Blciglanz  und  Kupfer  gebaut  wird.  Ich 
kann  hinzufügen,  daß  es  der  typiscbe  Grödener  Sandstein  ist,  welcher 
in  der  Nähe  der  Eisenbahnstation  Wuchern  diese  Schiefer  über- 
lagert 3).  Ein  Theil  derselben  gehört  somit  gewiß  der  Fortsetzung 
der  Schiefer  des  Vellach-  und  des  Mißtbales  und  zugleich  jener 
Schieferzone  an,  in  welcher  im  Westen,  bei  Stoekenhoj,  auf  Queck- 
silber gebaut  wird,  an.  Nun  ist  der  Granit  des  Bacher  verschieden 
von  den  Gesteinen  der  Mittelzone,  wie  dies  Stur  neuerdings  be- 
stätigt hat  3)  und  schließen  sich  die  schieferigen  Gesteine  an  denselben, 
ohne  eine  nachweisbare  Einschaltung  der  Steinkohlenformation  oder 
anderer  paläozoischer  Schichten,  so  wie  der  erzführende  Schiefer  im 
Val-Sugana  sich  an  den  Granit  der  Asta-Masse  schmiegt. 

Es  fehlt  mir  jedoch  an  hinreichender  persönlicher  Anschauung 
in  diesem  Gebiete,  um  sagen  zu  können,  ob  eine  solche  Gleichstel- 
hnig  der  Granite,  der  Asta  und  des  Bachers  wirklich  zulässig  ist. 

Südlich  vom  Bachergebirge  setzen  sich  die  unter  dem  Casanna- 
schiefer  liegenden  Schichten  und  insbesondere  die  Sleinkohlenfor- 
matioii  in  fast  ununterbrochener  Weise  fort,  ohne  am  Granit  des 
Bachers  bekannt  zu  sein.  Spatheisensteinlager  gesellen  sich  zu  diesen 
älteren  Schichten  und  haben  unter  dem  Namen  der  Weitensteiner 
Eisenvorkommuisse  Gelegenheit  zu  mancherlei  Discussionen  gege- 
ben*). Schon  von  einem  Punkte,  welcher  ohne  Zweifel  dem  nur  durch 
eine  kurze  Strecke  von   den  jüngeren   vulcanischen  Gesteinen   des 


')   .liilnl).  1837,  Vm,   S.  266  u.  folj?. 

~)   Stilller   hat   vor   sehr    l;\nger  Zeit    die   rolhen   Gesteine    von    (jrifen    (NO.   von 

Vülkermarkt)  den  tallih:iUi<{'en  Conglomeraten  der  östlichen  Schweiz  gleichgestellt. 

(Min.  Taschenbuch,  1829,  S.  733). 
8)  Jahrb.  1864,  XIV,   S.  439. 
*)   Morlot,    Ber.   d.   Freunde   d.  Natiirw.    1849,   V,   S.  177;    Rolle    Jahrb.    18Ö7, 

Vlll.   S.  427;    Zollikofer    eb.  das.    1859,   X,    S.   206;    Stur,   eb.   das.   1764, 

XIV,  S.  439  u.  an  anderen  Orten. 


I 


über  die  Äquivalente  des  liolliliefreiiden  in  den  Siidiilpen.  26  i 

Smrekouz  unterbrochenen  Zuge  von  Kolilenkalk  angehört,  weleher  an 
der  W'lliu'h  beschrieben  wurde,  nämlich  von  Sehünstein,  geht,  wie 
Stur  gezeigt  h;it,  der  Zug  dieser  Weiteusleiner  Eisenvorkommnisse 
aus  und  quert  OSO.  streichend,  das  südliche  Steiermark.  F»ei 
Weitenstein  selbst  führt  der  Kalkstein  Productus  com  ')  und  die 
begleitenden  Quarzsandsteine  und  Quarzconglomerate  enthalten 
kleine  Kohlenflötzchen.  An  der  Gonobitzer  Gora  setzt  sicli  dieser 
Zug  fort  2)  nnd  erreicht  endlich  die  kroatiselie  Grenze. 

Im  Süden  von  diesem  Zuge  tauclit  noch  an  mehreren  Punkten, 
wie  z.  B.  an  den  Gehängen  des  Rudenza- Berges  bei  Windisch  Lands- 
berg, Spatheisenstein,  Quarzconglomerat  und  Kohlenkalk  hervor.  Ein 
großer  Theil  der  lichten  Kalksteine  und  Dolomite,  deren  Einlagerung 
in  die  älteren  Schiefer  in  Süd-Steyermark  man  durch  ein  verwickel- 
tes System  von  Verwerfungen  und  Überschiebungen  zu  erklären 
versucht  bat-)  dürfte  dem  oberen  Kohlenkalke  zufallen. 


I 


4.    Abschnitt. 
Ende  bei  Szamobor.  —  Tergove. 

Gegen  Südost  nimmt  der  Reichthum  der  süd-steiriscben  Spath- 
eisensteinlager  zu,  Sie  erlangen  in  den  benachbarten  Theileii 
Kroatiens  und  der  Militärgrenze  eine  viel  größere  Bedeutung;  sie 
wiederholen  sich  mehrfach  über  einander  innerhalb  der  unter  dem 
Grödener  Sandstein  liegenden  Schiefer,  und  sind  in  den  meisten 
Fällen  von  Kupferkiesen  im  Hangenden  oder  im  Liegenden  begleitet. 

Das  merkwürdige  Land,  aus  welchem  ich  jetzt  einige  Beobach- 
tungen anzuführen  habe,  nämlich  der  südwestliche  Theil  Kroatien's 
sammt  dem  Gebiete  der  Banal-Grenz-Regimenter,  ist  in  Bezug  auf 
die  allgemeinen  Grundzüge  seines  geologischen  Baues  erst  im  Laufe 
der  letzten  Jahre  durch  Stur  genauer  bekannt  geworden*),  und 
wer  in  demselben  gereist  ist,  wird  dankbar  die  Aufopferung  unil  die 


1)   Rolle,  .].il>rl..  18")-,   VIII,   S.  420. 

3)    Zoll  i  koler,   Jiilirb.  185»,  X,   S.  207. 

3)   z.  B.  Züllikofer,  Jalnii.  Ibö9,  X,  S.  104,    lüg.  2. 

*)   Jahrl).  XllI,    18C3,   S.  485  —  523. 


268  Suess. 

AnsdaiRM'  anerkeiiiicii,  weU'lie  crfoi-derlieh  waren,  um  unter  (leii 
herrsclit'iiden  Verliälliiisseu  zu  einer  so  klaren  llbersieht  auch  der 
entlegensten  Theile  dieses  Gebietes  zu  gelangen. 

Das  Bergland  südlich  von  der  Save  besteht  aus  einer  von 
Westen,  aus  dem  Gebiete  des  Karstes,  herüberreichenden  Decke  von 
Ablagerungen  der  Kreidelbrmation,  insbesondere  Caprotinenkalk,  aus 
welcher  an  vielen  Stellen  die  Trias  hervorragt,  als  deren  Unterlage 
die  älteren,  sogenannten  „Gailthaler-Schichten"  sammt  den  Erzlagern 
erscheinen. 

Im  westlichen  Theile  dieses  weiten  Gebietes  wurde  zuerst 
durch  Foetterle  im  Jahre  1855  •)  näherer  Aufschluß  über  die 
ältesten  Gebirgsglieder  gegeben.  Diese  fallen  der  Steinkohlenforma- 
tion zu,  wie  durch  die  Auffindung  bezeichnender  Versteinerungen 
{Productus ,  Orthis  u.  s.  w.)  bei  Mrzla  Wodica  (0.  von  Fiume) 
gezeigt  wurde;  im  Sandsteine  bei  Fucsine  (S.  von  Mrzla  Wodica) 
fand  Foetterle  Pflanzenabdrücke.  Rother  Sandstein  und  Dolomit 
überlagern  das  ältere  Gebirge,  in  dessen  oberstem  Theile,  nahe  unter 
dem  rothen  Sandstein,  die  Schiefer  auf  eine  längere  Strecke  hin  Ein- 
lagerungen von  Brauneisenstein  umfassen.  —  Nördlich  von  diesen 
Punkten  ,  bei  Trstje  südlich  von  Csubar  (SW.  von  Gotschee)  fand 
Foetterle  Zinnober.  Nach  seinen  gütigen  Mittheilungen  findet  sich 
derselbe  hier  in  der  Gestalt  von  linsen-  bis  erbsengroßen  Körnern, 
welche  in  abgerolltem  Zustande  in  einem  fast  graubraunem  Sandstein 
enthalten  sind ,  welcher  dem  unteren  Theile  der  Werfener  Schichten 
zugezählt  wird. 

Ahnlich  verhält  es  sich  mit  der  Gliederung  des  Gebirges  weiter 
im  Norden  und  im  Osten. 

Wenn  man  von  der  durch  ihren  Reichthum  an  fossilen  Fischen 
bekannten  Eisenbahnstation  Pod-Sused,  westlich  von  Agram,  gegen 
Süd  quer  über  das  Savethal  nach  Szamobor  fährt,  wird  man  durch 
die  sanften  und  gestreckten  Formen  der  V  orhügel,  an  deren  Fuß  und 
Abhängen  das  Städtchen  liegt,  unwillkürlich  an  die  tertiären  Um- 
säumungen der  Gegend  von  Wien  erinnert.  Es  ist  jedoch  weißer, 
bröckliger  Dolomit,  welcher,  zu  runden  Umrissen  abgevvittert,  an 
dieser  Stelle  den  Rand  des  Gebirges  ausmacht.  Im  Orte  Szamobor 
selbst  ist  er  an  einer  Stelle  deutlich  geschichtet  und  fällt  nach  Süd. 

«)  .lahih.  VI,   S.  417. 


über  die  Äquivalente  des  Rothlieg-eiidon  in  den  Siidalpcn.  269 

Das  hier  inündende  Tlial  ist  ebeiil'alls  in  diesen  Dulüinit  ein- 
geschnitten und  erst  nach  etwa  andertliaibstiindiger  Wanderung 
erreicht  man  die  ersten  Spuren  der  älteren  Schieter,  nicht  lange 
darauf  den  Bergort  Rüde.  V  u kotin o  vi  c  ')  und  Stur  2)  haben 
Beschreibungen  der  Erzlagerstätte  von  Bude  verölTentlieht.  Man 
besitzt  ferner  eine  ausführliche,  schon  aus  dein  Jahre  1815  stam- 
mende Darstellung  von  Lemairc").  Als  ich  den  Ort  im  Herbste 
1867  besuchte,  fand  ich  das  Werk  aufgelassen  und  die  Anlagen  im 
Verfalle. 

Die  Spitze  des  Dreifaltigkeits-Berges ,  welcher  sich  an  der 
linken  Seite  über  der  Ortscliaft  Bude  erhebt,  stellt  sich  von»  Thale 
und  insbesondere  vom  jenseitigen  Gehänge  aus  als  eine  kegelförmige 
Masse  von  lichtem  Dolomit  dar,  welche  von  einem  grellrothen  Saume 
umgürtet  und  von  dem  dunkleren  und  sanfteren  Gehänge  des  tieferen 
Theiles  des  Berges  abgegrenzt  ist.  Es  ist  dies  wirklich  Trias-Dolomit, 
dessen  unterer  Theil  nicht  sichtbar  ist;  der  rothe  Saum  besteht  aus 
Grödener  Sandstein,  welcher,  an  einer  Fahrstraße  in  etwas  größerem 
Maße  aufgeschlossen,  ganz  wie  imVellachthale  nach  allen  Richtungen 
von  Gyps  dui'chdrungen  ist.  Unter  dem  rothen  Sandstein  scheint 
eine  wenig  aufgeschlossene  und  minder  mächtige  Lage  von  milderen, 
schwarzem  Thonschiefer  mit  zahlreichen  Glimmerschüppchen  zu 
folgen  und  unter  dieser  befindet  sich,  in  der  Nähe  der  Dreifaltigkeits- 
Kirche  ein  35  Klafter  langer  Stollen  auf  Eisen.  Das  Gestein,  in 
welches  derselbe  getrieben  wurde ,  ist  ein  dunkles  und  eisen- 
schüssiges Quarzconglomerat,  welches  seiner  Lage  wie  seiner  Be- 
schaffenheit nach  dem  Verrucano-Conglomerat  entspricht  und  zwar 
nam.entlich  jenen  eisenreicheren  Abänderungen,  welche  im  Vorarlberg 
häufig  sind.  Der  ganze  übrige  Abhang  besteht  aus  Schiefer  von  der 
gewöhnlichen  Beschaffenheit  der  Casanna- Schiefer.  Aus  diesem 
stammt  wohl  der  Pflanzenrest,  welchen  Stur  mit  einigem  Zweifel  zu 
Sigillaria  stellte  *). 


1)  Jahrb.  18ÖÖ,  VI,  Verh.  S.  166. 

2)  Jahrb.  1863,  XUf,  S.  490,  491. 

8)   Notice   sur    les    niines    de    cuivre    pyriteux    de   Zamobor;   Joiirn.    des  Mines,   vol. 

XXXVIII,  p.  33—36. 
*)   Lemaire    erwähnt  das  Vorkommen   von   Anlhr.Tcit   in   der  finibe,   und   stellt  aus 

diesem  (Jrunde  (im  .1.  1813J  die  Lagerstätte  von  Rüde  im  Alter  der  Steinkohle  des 

nördlichen  Frankreich  gleich  (p.  43,  öO). 


270  su.-.i. 

Die  wichtigsten  Baue  von  Uude  heiindeii  sich  näher  der  Thal- 
sohle, am  rechten  Gelihänge  gegeiüiher  vom  Dreilaltigkeits-Berge. 
Sie  wurden  eine  Zeit  lang  auf  Kupfer,  zuletzt  auf  Eisen  hetrieben.  Es 
sind  drei  Stollen  über  einander  vorhanden.  Der  tiefste,  Wlasiestollen 
lieferte  etwas  Gyps,  Eisen  und  das  meiste  Kufd'er,  namentlich  aus 
seinen  drei  Schächten  Barbara,  ^laria  und  Joseph;  der  nächsthöhere 
Dreifaltigkeitsstollen  lieferte  Gyps  und  Eisen;  der  höchste  KokeU 
Stollen  gab  Gyps  und  schlechtes  Eisen.  Die  vorhandenen  Gruben- 
karten geben  als  Hauptstreichen  bor.  13-6,  mit  dem  Vertlächen 
48  SW.  an:  die  Profile  der  Grubenkanzlei,  in  welche  mir  die 
Einsiclit  gewährt  wurde,  geben  bei  reclilsinnisch  mit  dem  Ah- 
hange  vertlächenden  Schichten  im  Hangenden  etwas  Kalk,  unter 
diesem  das  Gypslager,  das  Lager  von  Spatheisenstein,  in  seinem  Lie- 
genden von  Kupferkies  begleitet  und  unter  diesem  die  Grauwacke  an. 
Den  Hangendkalk,  welcher  der  unteren  Trias  angehören  müßte,  habe 
ich  nicht  gesehen,  dagegen  wenigstens  in  den  oberen  Stollen,  bemerkt, 
daß  sie  unmittelbar  in  dem  Gypslager,  nämlich  im  Grödener  Sand- 
stein, angeschlagen  sind.  Das  Spatheisensteinlager  selbst  enthält 
zahlreiche  große  und  kleine  Gerolle  von  Quarz  und  Kieselschiefer 
und  entspricht,  wie  am  Dreifaltigkeits-Berge,  dem  Verrueano.  Nach 
einer  gütigen  Mittheilung  des  Herrn  Directors  Schönbuch  er  in 
Tergove,  welcher  durch  lange  Zeit  in  Rüde  beschäftigt  war,  befindet 
sich  jedoch  in  dem  sogenannten  Grauwackenschiefer  noch  ein  zweites 
tieferes  Lager  von  Spatheisenstein  und  Kupferkies,  welches,  da  die 
Schichten  gegen  die  Teufe  sich  aufrichten,  vielfach  als  ein  Erzstock 
aufgefaßt,  aber  noch  nicht  in  größerem  Maße  abgebaut  worden  ist. 

Die  zu  Tage  sichtbare  Schichtfolge  am  Dreifaltigkeits-Berge,  so 
wie  die  vorliegenden  Erfahrungen  aus  der  Grube  stimmen  also  auf 
eine  befriedigende  Weise  überein,  und  es  ist  sicher,  daß  die  Spath- 
eisensteinlager von  Rüde  nicht  weit  unter  dem  Grödener  Sandstein 
liegen. 

Einem  ähnlichen  oder  ein  wenig  tieferen  Horizonte  gehören  die 
Eisenerze  zu  Topuszko  an  der  Petrova  gora  an,  welche  nach  Stur 
(S.  499)  den  Gailthaler-Schichten  eingelagert  sind.  Auch  in  diesem 
Gebirge  entdeckte  Stur  Spuren  von  Ptlanzenabdrücken  in  den 
Schiefern.  Ich  habe  diese  Stelle  nicht  besucht. 

Der  weiteren  südöstlichen  Fortsetzung  dieser  Vorkommnisse 
gehören  die  reichen  Erzlagerstätten  der  Umgebung  von  Tergove  in 


ri)iT  die  Äquivalente  ties  Rothliegeiiduii  iii  den  Siid;iliieii.  27  1 

der  Militärgreiize  (II.  Banal-riegimeut)  an,  welche  Vukotiiio vic 
schon  im  Jahre  1855  der  Lagerstätte  von  Rüde  dem  Alter  nach 
gleichstellte. 

Lipoid  gab  im  Jahre  I806  <)  eine  Beschreibung  des  außer- 
ordentlichen Reichthumes  dieser,  wie  er  damals  schon  richtig  er- 
kannte, in  die  „Gailthaler-Schichten"'  eingeschalteten  Lagerstätten, 
über  welchen  nach  seiner  Angabe  der  rothe  Sandstein,  der  Werfener 
Schiefer  und  Triaskalksteine  auftreten.  Kupfererze,  Bleiglanz,  Fahlerz 
und  insbesondere  Spatheisenstein  sind  es,  welche  diese  Lager  aus- 
machen. 

Im  Jahre  1863  lieferte  Stur  2)  eine  ausführlichere  Schilderung 
dieser  Vorkommnisse,  in  welcher  Lipoides  Angaben  über  die  Lage- 
rung bestätigt  und  viel  weiter  ausgefülirt  wurden. 

Ein  kurzer  Aufenthalt  in  Brslinac  bei  Tergove  hat  mir  durch 
die  zuvorkommende  Führung  und  vielfache  Miltheilungen  des  Werks- 
directors  Herrn  Schönbucher  so  eigenthümliche  Bestätigungen 
der  in  anderen  Theilen  der  Alpen  gemachten  Beobachtungen  über  den 
wahren  Horizont  der  Thonglimmerschiefer  gebracht,  daß  ich  dieser 
Gegend  eine  ausführlichere  Besprechung  widmen  muß. 

Von  Sissek  über  Petrinia  und  von  dort  über  Jakubevac  und 
Makovo  nach  Süden  reisend,  erlangt  man  am  Ende  des  großen  Samarica- 
Waldes,  am  Rande  eines  langen  und  ziemlich  steilen  Abfalles,  uner- 
wartet eine  weite  Fernsicht  über  die  Grenzgebirge  und  die  zunächst- 
liegenden Theile  Bosnien's.  In  der  Tiefe  des  Vordergrundes  liegen 
dunkle  und  gedehnte  Rücken,  welche  die  Thäler  des  Zirovac- 
Baches  bei  Tergove  und  der  Unna  bei  Novi  undDvor  verbergen;  über 
ihnen  hebt  sich  weithin  sichtbar  eine  lichte  Ebene,  aus  welcher  in 
großer  Feine  in  edlen  Formen  ein  Hochgebirge  aufragt,  welches 
man  hier  mit  dem  Gesammtnamen  Rissovac  zu  bezeichnen  pflegt; 
rechts  von  demselben  (gegen  Süd-West)  sieht  man  die  schroffen  Ab- 
stürze der  Liccaner  Alpen,  zwischen  diesen  und  dem  Rissovac  in 
größerer  Entfernung  eine  dritte  Gruppe  von  liohen  Bergen.  Die  öst- 
lichen Ausläufer  des  Rissovac  werden  von  einer  sehr  hohen,  ziemlich 
isolirten  und  weit  entfernten  Pyramide  überragt.  Gegen  Südost  ver- 
liert sich  die  Ebene  in  blauen  Duft  und  werden  nur  die  sanfteren 
Umrisse  niedrigerer.  Berge  bemerkbar. 

1)  Jahrb.  VIl.  Verh,  S.  848—830. 

2)  Jahrb.  XIII,  S.  302 -SOS. 


272 


S   U   <!  S  S. 


Dieser  sialliche  Abl'all  der  Sainari(;a  besteht,  wie  Stur  riclitii>- 
bemerkte,  aus  steil  iiacb  Norden  geneigtem,  gb"nimerreieheii  Flysch, 
welcher  Fiicoiden,  die  bekannten  hibyrinthCürmigen  Zeichnungen  und 
tropfenförmigen  Wülste  auf  den  Schielittlächen  zeigt.  Im  unteren 
Theile  des  Abhanges  ragt  in  sehr  auffallender  Weise  eine  Anzahl 
kleiner  felsiger  Klippen  aus  dem  Boden  liervor,  welche  aus  Grünstein 
bestehen.  Sie  gehören  einem  gru(J»en  Zuge  von  Serpentin  und  einem 
dunklen  Grünstein  an,  welcher  von  Stur  (S.  5ü9)imLjeskovac-Thale, 
westlich  von  dieser  Stelle,  beschrieben  wurde,  und  den  ich  auch 
weiter  im  Osten,  längs  der  türkischen  Grenze,  etwa  eine  Stunde  süd- 
lich von  Kostaiiiica  traf.  Dort  greift,  in  einer  Breite  von  etwa 
3/4  Meilen,  weißer  Leitliakalk  mit  Spondyl.  crassicosta  und  Ostred 
crassicostuta  von  Bosnien  nacii  Österreich  herüber,  in  regelmäßigen 
weißen  Bänken  längs  der  Unna  den  schwarzen  Serpentinritfen  unmit- 
telbar aufgelagert,  und  zieht  sich  bis  au  A^w  Südrand  der  Samarica 
herein,  wo  die  Buine  Pedail  noch  auf  weißem  Nulliporenkalk  (mit 
großen  Steinkernen  von  Conus)  erbaut  ist. 

In  der  Richtung  von  Rujeva^  abwärts  gehend,  trifft  man  auf 
eine  große  Mannigfaltigkeit  von  Gesteinen;  Stur  hat  in  dieser  Ge- 
gend Kreideschichten  mit  Inoceramns,  rothe  Kalkmergel  mit  Apty- 
c/ius  und  Werfener  Schiefer  unterschieden.  Alle  diese  Schichten 
zeigen  eine  sehr  veränderliche  Neigung  und  verrathen  eine  Störung, 
welche  in  der  Bichtung  des  Hauptstreichens  durch  das  Gebirge  läuft. 
Dem  Thalgrunde  etwas  näher  schließt  sich  an  diese  Vorkommnisse 
eine  Reihe  von  gerundeten  Kuppen,  welche  in  wirrem  Gemenge  ge- 
wundene Schiefermassen  und  zerrissene,  stellenweise  vor  Jahren  in 
Abbau  gewesene  Putzen  von  Eisenstein  und  Kupfererzen  enthalten. 
Erst  südlich  von  diesen  Kuppen,  im  Thale  desZirovacbaches  stellt  sich 
ein  allgemeines  und  gleichförmiges  Fallen  der  Schichten,  und  zwar 
gegen  Süd -West  ein. 

Der  Zirovac-Bach  mündet  bei  Podove  (Dvor)  in  den  Grenzfluß 
Unna;  seiner  Thalfurche  gehören  die  Ortschaften  Tergove  undBrslinac 
an.  Das  Tergovaner  Erzgel)irge,  wie  wir  es  nennen  wollen,  wird  diurh 
diesen  Bach  gegen  Nord  von  der  übrigen  Landschaft  abgetrennt  und 
stellt  sich  von  Norden  her  als  eine  aus  dunkeln,  bewaldeten,  zusammen- 
hängenden Bücken  gebildete  Masse  dar,  welche  sich  nur  wenige 
hundert  Fuß  über  das  Thal  erhebt.  Eine  Kuppe  im  Westen  trägt  die 
Schloßruine    Gvozdansko.    Der   vordere   Theil  der  Abhänge  besteht 


i'lifi   ilif  Ai|iii\:ilciilc  dr.s  Rofliliryciidfn  in  rliMi  Sii(l;iliirn  273 

giiiiz  aus  (k'ii  or/fiiliiciMlcii  (icldidcii  und  den  Lagei'ställiMi.  Die  lic- 
iVrcii  Italien  lallen  clwa  iiiil  iO  .^iiducstlicl),  die  liuliereii  sleiler  bis 
zu  (i'i,  \\(diei  jedoeli  aueli  diese  li("dieren  in  der  Teul'e  in  llaehere 
Las^eruni;  ülx  ryelieii :  g<\i>eii  Süd  ersidieint  aueli  eine  (irujipc  von 
('nt<;en('nselzf  (Nurd-Ost)  lallendeii  Ijaf-ern.  welelic  vielleicht  als  die 
Gegenniit-c!  der  höheren  Lag'er  aulzufasseii  sind.  Endlieh  treten  im 
Hangenden  einztdner  Theile  des  Gebirges  die  von  Stur  nachgewie- 
senen (Glieder  der  Triasl'urniation  aul". 

(icgen  Ost  wird  das  Erzgebirge  von  der  Unna  durclisehnilteii 
und  tindet  seine  Fortsetzung  auf  türkischem  Gehi<>te  l)ei  IVovi;  höchst 
wahrscheinlich  zieht  es  sich  noch  sehr  weit  in  das  türkische  Gebiet. 

Das  (iebirge  besteht  aus  Schieler,  der  bald  gntßtlaseriger  Thon- 
glimmerschiefer,  bald,  und  namentlich  in  den  höheren  Schieiilen 
schwarzer  'l'lHHiscIiiel'cr  mit  Glinunersc!iü|i[)chen  ist;  zuweilen  ent- 
hält er  kleine  Sandsteinlagen  oder  nntergcürdnete  liänke  von  rein- 
körnigem  grauem  Conglomerat.  Im  tiefsten  Theile  sind  mehrere  Kalk- 
lager vorhanden.  Die  eingeschalteten  Lager  bestehen  hauptsächlich 
ans  Spatheisenstein  und  Quarz,  doch  kommen  iu  einzehien  Horizonten 
auch  Kupferkies  und  Bleiglanz  in  größerer  Menge  vor.  Der  erstere 
scheint  keinem  der  Lager  gänzlich  zu  fehlen  und  zeigt  sich  in  der 
Weise,  daß  er  ein  Band  im  Hangenden  und  im  Liegenden  oder  auch 
nur  an  einer  Seite  des  Lagers  bildet  und  nur  selten  im  Quarz  in  der 
Mitte  des  Lagers  erscheint.  Die  Lager  selbst  nehmen  durch  stellen- 
weise Contractionen  die  Gestalt  von  flachen  und  zusammenhängenden 
Linsen  von  großer  Ausdehnung  an,  welche  jedoch  an  bestimmte  Hori- 
zonte gebunden  sind  i). 

Das  tiefste  Glied  des Tergovaner Erzgebirges  bildet  einFlötz  von 
grauem  Kalkstein  und  eisenhaltiger  Rohwand,  gegenüber  Germosany 
(Turski  potok);  die  entblößte  Mächtigkeit  beträgt  bis  150  Klafter, 
dasselbe  ist  40°  weit  von  einem  Stollen  durchquert.  Unmittelbar  auf 
diesem  Kalkstein  ruht  .das  Eisenerzlager  von  Todorovico  Brdo. 
Turski  potok  und  Liccarovac  ;  als  südliche  Fortsetzung  desselben 
Lagers  sind  die  Kupferkiesvorkommnisse  von  Mirkovic  Potok  anzu- 
sehen. Über  diesem  Lager  folgt  etwas  Schiefer,  dann  Roh  wand  und 
auf  dieser  der  Victoria-Eisenerzzug.  mit  einem  Lager  V(ui  Kupferkies 
im  Hangenden;  hier  kamen  Krystalle  von  Bleiglanz  vor. 

')    Die    naiiifolgendcn   Angilben    stiiUeu   sich   hiiuptsüehlich   auf  die    Krlaliiiingcn   des 

Herrn  Dir.  S  e  li  ö  n  h  ii  c  h  e  r. 
Sit/.h.  d.  matliein.-n.itinw.  11.  I.VII.  Kd.  I.  Ahlli.  18 


274  Sirt'ss. 

AhrniiaLs  l'olgl  i'lwiis  Um  her  Srliii-lt-r,  dann  eine  neue  00 — 70 
Maller  mäehtige  Masse  von  Uoinvand  und  schwarzem  Kalk  niil  weissen 
Adern,  und  unmittelhar  auf  diesen  das  Erzlager  von  Jokimpotok, 
V^ineeuzi,  Harhara,  Koszavinograd,  der  Jnliusbau  (als  Kupferkiesbau 
im  Hangenden  des  Kisensteines),  Guhovac  und  Katlinovac.  —  An 
diese  Schichtfolge  seiilielJ»!  sieli  zimäelist  ein  im  Graben  von  Brslinac 
entldilßtes  I*rolil  an,  und  zwar  erselieiul  nun  Schiefer  mit  einem 
kleinen  Kujd'erldatle  und  einem  mäehligen  Eisenerzlager  im  Han- 
genden. Daraul'  folgt  ein  weiteres  Eisenerzlager,  das  in  seiner  nörd- 
lichen Fortsetzung  beiSamardia  sich  als  ein  von  Kupferkies  begleiteter 
Sjiatheisensteinzug  darstellt.  Ein  verwittertes  Kieslager  liegt  darüber 
und  auf  der  Höhe  des  Jovico  Brdo  und  der  Sestina  Kossa  folgt  ver- 
willerter  Spatheisensleiu. 

In  dem  überlagernden  Schiefer,  einem  großflasrigen,  nicht  eben- 
tliichigen,  von  einzelnen  feinsaiidigen  Schmitzen  durchzogenen  glim- 
merigen Tlionschiefer  ist  es  mir  gelungen,  eine  Anzahl  bestimmbare 
Ptlanzenreste  aufzutinden,  über  welche  weiterhin  berichtet  werden 
wird.  Der  Fundort  liegt  unweit  Vdu  der  Rezanovic-Mühle,  südlich  vom 
Dorfe  Gvozdansko,  am  Westahliange  des  früher  erwähnten  Schloß- 
berges gleichen  Namens,  welcher  zu  dem  Höhenzuge  der  Sestina 
Kossa  gehört  •).   Das  Streichen  ist  hier  hör.  20,  Verfl.  50     in  W. 

Höher  folgen  mehr  ebentlächige,  nie  sandige,  mit  Glinnner- 
schüppchen  bedeckte  und  in  der  Teufe  dunkle  Schiefer  ohne  Ver- 
steinerungen und  in  ihnen  das  reiche  Lager  von  Gradzki  Potok,  das 
Hau|dlager  vou  Kupferkies,  auf  welches  eben  der  neue  Tagschacht 
niedergebracht  wird.  Es  enthält,  wie  gesagt,  verhältnißuiäßig  das 
meiste  Kupfer,  doch  kommen  auch  Bleiglanz,  Eisenstein  und  Quarz  vor. 

Noch  über  diesem  liegt  als  Hängendstes  das  Ferdinandi- 
Lager,  in  welchem  die  alten  Baue  des  15.  und  16.  Jahrhunderts 
umgiugen;  es  besteht  aus  silherhälligem  Blei,  dann  aus  Kupferkies 
und  Spatheisenstein. 

Die  Fthuizenreste  iu  dem  memhranösen  Tlionschiefer  von  Gvoz- 
dansko zeigen  keine  Spur  von  kohligen  Stolfen,  sondern  sind  nur  als 
zarte  Gerippe  von  Schwefelkies  zwischen  den  Flasern  des  Schiefers 
sichtbar.  Größere  Stämme  sin(t  selten:   auch  bei  ihnen  ist  die  kohlige 


')    Die  Kupfererze   von  (Jvo/.ilniisko  winden  .selion  von  il;ic'i|net   beschrieben.    Oryc- 
togr.  Carniol.  IV,   S.  14  u.  Col^. 


nbor  ilic  Äqiiiviilf'iite  des  Rotliliepreridcn  in  den  Siidalpeii.  27ö 

Hülle  vollkommen  entfernt  und  ein  Netz  von  Schwefelkiesleisten  ver- 
riitli  die  einstigen  Sprünge  und  Spalten  in  derselben. 

iJie  ersten  Stücke,  welche  ich  an  dieser  Stelle  auflas,  schienen 
zuei  Arten  des  Rothliegenden  und  eine  Art  aus  der  obersten  Zone 
der  Sleink(ddenfonnalion  anzudeuten.  Seitherige  Aufsamnilungen 
haben  Stur  in  die  Lage  versetzt,  diese  Flora  mit  Bestimmtheit  dem 
obersten  Vegetationsgürtel  der  Steinkohlenformation  gleichzustellen ') ; 
diesem  Resultate  hat  sich  Prof.  Geinitz  angeschloßen.  Nach  diesen 
letzten  Untersuchungen  kennt  man  von  Tergove  folgende  Arten: 

Cnlamites  Suckoivl  B  r  o  n  g. 
Neuropterk  anriculata  B  r  o  n  g. 
Alethopteris  uqtiilina  Schi. 
Stif/maria  ficoidcs  Brong. 

Von  diesen  bedecken  insbesondere  die  Reste  der  Neuropteris 
anriculata  mi  sehr  großer  Menge  die  Flasern  des  Schiefers;  ihre 
Ähnlichkeit  mit  Odontopteris  ohtnsiloba  Na  um.  hatte  früher  Dyas- 
pflanzen  in  Tergove  vermuthen  lassen. 

Der  erzführende  glimmerreiche  Thonschiefer  von  Gvozdansko,  der 
Liegendschiefer  von  Rüde,  welcher  dort  unter  den  Äquivalenten  des 
Verrucano  und  dem  Grödener  Sandstein  liegt,  und  mit  ihm  der  Thon- 
glimmerschiefer  oder  Casanna-Schiefer  des  gesammten  südlichen 
Abhanges  unserer  Alpen  umfaßt  somit  die  höchsten  Abtheilungen  der 
Steinkohlenformation ;  ob  diese  große  Gruppe  stellenweise  auch 
Theile  der  Dyas  in  sich  begreife,  werde  ich  an  einer  später  folgenden 
Stelle  zu  erörtern  haben.  Die  Thatsache  aber,  daß  die  Flora  des  erz- 
führenden Schiefers  von  Tergove  einem  höheren  Horizonte  angehöre, 
wie  jene  der  Stangalpe,  entspricht  nicht  nur  vollständig  den  Lage- 
rungsverhältnißen  des  erzführenden  Thonglimmerschiefers  in  anderen 
Theilen  der  Alpen,  sondern  gibt  zugleich  volles  Zeugniß  für  die 
Wichtigkeit  der  im  Laufe  der  letzten  Jahre  in  Bezug  auf  die  Gliede- 
rung der  Steinkohlenformation  erreichten  Resultate.  Die  tieferen 
Flötze  von  Kalk  und  Rohwand  bei  Tergove  entsprechen  ihrer  Lage 
nach  dem  oberen  Kohlenkalke,  welcher  sich  an  mehreren  Punkten 
in  eine  Anzahl  getrennter  Kalklager  zu  scheiden  scheint. 


<)  .lahil).  1868.  XVIII,  S.  l.'iS. 

18* 


270  sues.s. 

Kiir  die  etwaige  Aiiiialime ,  (lalA  mit  dem  tiefsten  Kalktlol/  liei 
Germosaiiy  auch  schon  der  milere  K(dileiikalk  erreicht  sei,  hegen  vor- 
hiudg  keine  Beweise  vor. 

V^om  Hangenden  der  er/l'iihrenden  (iehihle  liahe  ich  nur  jenen 
Tlu'il  gesehen,  weh'her  hings  der  liirkisehen  Grenze,  gegenüher  von 
Novi  an  der  Unna  enthliißl  ist.  Slur  hat  eine  Beschreibung  dieser 
Stelle  gegel)en.  Der  hellt  riilhliehviolette ,  mihle  Schiefer  und  die 
Bänke  von  röthhchvioh'ltem,  auch  grauem  Kalk  mit  weißen  Adern, 
welche  ich  hier  sah,  und  welche  jenen  vollktmunen  gleichen,  die 
ii.irdlicli  von  Rujevac  in  der  Nähe  von  Griinstein  anstehen,  wurden 
von  meinem  Vorgänger  an  beiden  Stellen  zum  W'erfener  Schiefer  ge- 
zählt. Mich  erinnerten  diese  (Jesteine  einigermalkn  an  jene,  welciie 
in  der  Nähe  der  QuecksilhergruheM  bei  Kappel,  also  unter  dem  Grö- 
diiier  Sandstein  liegen;  da  jedoch  Stur  unweit  davon  i1/;y^/c.  Fas- 
saeiisis  antraf,  wird  wohl  die  Auffassung  als  Werfener  Schiefer  die 
richtige  sein. 

Es  ist  eine  unter  den  Fachmännern  dieser  Gegend  verbreitete 
Ansicht,  datJ»  die  zahlreichen  Vorkomnmisse  von  Eisen  und  Kupfer 
welche  in  südöstlicher  Richtung  durch  einen  so  grollen  Theil  von 
Bosnien  hin  bekannt  sind,  z.  B.  bei  Stari  Majdan,  Banyaluka,  zwischen 
Travnik  und  Serajevo  (Busovac,  Fojnica,  Kresevo,  Visoka  u.  s.  f.) 
als  die  Fortsetzung  der  Lagerstätten  von  Rüde,  Topuszko  und  Ter- 
gove  anzusehen  seien.  Es  gilt  mir  als  eine  Bestätigung  dieser  Ansicht^ 
daß  auch  Quecksilber  in  beträchtlicher  Menge,  hauptsächlich  in  den 
Bergen  von  Inatsch  l)ei  Kreschewo  (w  esllieh  von  Serajewo)  getrofl'eu 
wird  ')  und  daß  man  auch  den  rothen  Sandstein  aus  dieser  Gegend 
kennte). 


Ij  Conra.l,  »«'rieht  a.  d.  kais.  tüik.  Minist,  tl.  ofl'.  Arbeiten  v.  31.  Mai  1866;  leider 
mir  im  Aii.sznge  ahgednicki  in  d.  Ann.  d.  Miiies,  VI  Ser.,  t.  X,  p.  593;  Blau  in 
Zeitschr.  d.  Ges.  f.  Krdknmle  /.u  Berlin,  1867,  II,  S.  SOGi  vgl.  auch  Wolf.  An- 
sichten iib.  d.  geogn.  Mont.  Vei'hiillnisse  Bosnien'«  ;   8".    Ciran,  1847.  S.  l'l.  18. 

2j    R(iskiewicz,   Studien  üh.  Bosnien  u.  die  Herzegowina,  8**,  1868,   S.  146. 


Dübi'arz 


Siiels-  Siidnlli''" 


..^^äa^icfc.. 


Air       y, 


Fig.i.  Torrente  JVlaso  be.Jßorgo    (YJl  ^ugana) 


l  d  k  kHofii  ,!t»Maam?l«r( 


iiu'kIi  ilkAkiiil  d.W.iMHlii  rniturv  11  L\TI.Ji(i.i  Ahth.lSfiS 


Suels  Sii(i.il|if 


llrinsilir'mi;  limbn 


i\  ulAiU^^i-^-Ä^-^^^^^— V 


Krsles  Harnfmerk 


feL 


riji'Yeflarh-ThaUe,  Jfappel 


A^/''''obrAri 


J^- 


rig2,  JälicH  .0.T,  Oiischawa-parse  g.|.nOsl 


♦ 


Üliei-  ilie  Äi|iii\  ;ili-ti(e  des  RnÜilieg-cnilcii  fn  den  SiiHjilpen.  277 


E  r  k  1  ä  1-  u  n  g    der    Tafeln. 


Tafel  I. 
L  Fig^.     i.  Profil  des  Torrenio  Mitso  Im  Val  Sugana. 

„       2.    Wiuiliseher  Graben  Ix^i  Bleyberg. 

■  Tafel  II. 

„      i.    Profil  des  Vellachlhales. 

„      2.   Blick  vom  Ousehowa-Passe  gegen  Ost. 


27(S  Kl.  (M-. 


IJhev  Conchopoma  gadifoime   nov.  (jen.  et  spec.   und  Acan- 

lliodos  ((UH  (lern  Itothliegeiuhn  (der  untern  Dyas)  von  Lehach 

/jei  Saarbrücken  in  Rheinpreussen. 

Von  dem  w.  M.  Prof.  Dr.  Rud.   Kner. 

(Mit  8   lithogiiiphirten  Tafeln.) 

Aii«>ertgt  diircli  das  Interesse,  welclies  mir  im  verflossenen 
.lüliif  das  Sludium  des  Xefiaca?ithus Decheni  ^(iw'ähiia,  von  welchem 
die  kostbarsten  Stücke  sich  in  den  Thoneisenstein-Nieren  von  Lebach 
bei  Saarbrücken  vorfanden,'  begab  ich  mich  während  der  letzten 
Ferien  nach  Saarbrücken,  theils  um  den  Herren  Doctoren  Jordan 
und  Weiss,  die  mit  seltener  Zuvorkommenheit  und  Bereitwilligkeit 
mir  ihre  Schätze  zu  wissenschal'tliclier  Verfügung  stellten,  persönlich 
meinen  wärinslen  Dank  auszusprechen,  theils  um  ihre  reichen 
Sammlungen  vollständiger  kennen  zu  lernen  und  mir  dadurch  ein 
umfalMMuleres  Bild  der  fossilen  Fischfauna  jener  Gegend  zu  ver- 
schallen. Indem  mich  die  genannten  Herren  in  der  liebenswürdigsten 
Weise  aufnahmen,  gestatteten  sie  mir  nicht  nur  volle  Einsicht  in  ihre 
Samndnngen,  sondern  auch  die  Auswahl  jener  Exemplare,  die  mir  für 
meine  Studien  besonders  geeignet  schienen,  und  die  sie  mir  zu  diesem 
Beliufe  nach  Wien  zu  senden  sich  gütigst  bereit  zeigten.  Die  Ergeb- 
nisse dieser  Studien  und  Untersuchungen  bilden  nun  den  Inhalt  der 
Arbeit,  welche  ich  hieniit  vorzulegen  die  Ehre  habe.  —  Sie  umfaLU 
zwar  mir  zwei  Gattungen  von  Fischen  und  eine  Arthropoden-Gattung 
aus  derClasse  der  IMyriopoden'),  dürfte  aber  gleichwcdd  keinen  werth- 
Inscn  l>t'i!iag  zur  Kenntniß  der  fossilen  Fauna  {\{'s  Bolhliegenden  von 
BlicinpreMssen  liefern.  —  Die  Galtungen  Anih/i/jtferus  und  Rhab- 
doU'jtis  liflJi  ich  V(U'sätzIich  unberücksichtigt,  da  sie  in  ihren  wesent- 
licluMi  Mcrknialcn  scIkmi  bekannt  und  auch  von  Pi-of.  Troschel 
im  \l\.  .laliruam;«'   der  \  crl dl.  d.   naiurf.  Ver. .   Nene  Foljje  IV   in 

1)   Li'»7.lfre   iiberlie(.\   icli  ii;icliliilyliili  llfirii    Hr.  Di.iiiii    Jii    .li'ri;i   aiil    dessen  Wunsch 
zur  Ifcailipitniij^.  im  Kinvt'istiindnil^   mi(  Hi-nri   Dr.  Jonian. 


\ 


über  Conchopoma  f/adiforme  nov.  g-en.  et  spec.  und  Acanthodes  etc.        !2  /  9 

dessen  Benbaelitunijeii  über  die  Fische  in  den  Eisennieren  des  Saar- 
brückner  Steinkohlengebirges  besprochen  und  theihveise  abgebildet 
wurden,  obwohl  sich  allerdings  in  der  Sammlung  des  Herrn  Dr. 
Jordan  noch  Exemplare  vorfinden,  die  namentlich  über  die  Bezah- 
nung  noch  genauem  und  schönern  Aulschluß  gewähren,  als  dies 
durch  Prof.  Troschel  (s.  Tat".  II,  Fig.  14—17  1.  c.)  geschah.  Vor 
allem  glaube  ich  aber  nachträglich  zu  meiner  Arbeit  über  Xenacan- 
tJuis  (Aprilheft  der  Sitzungsber.  d.  kais.  Akad.  d.  Wissensch.  1867) 
anluhren  zu  sollen,  daß  ich  bei  Herrn  Dr.  Jordan  ein  Exemplar 
von  Xenacnnthus  sali,  welches  mir  über  zwei  mir  nicht  klar  ge- 
wordene Verhältnisse  erwünschte  Auskunft  gab.  Erstlich  zeigt  es 
das  Auge  vollständig  in  der  Seitenansicht,  während  alle  mir«<rüher 
zugänglich  gewesenen  Exemplare  selbes  nur  mehr  errathen  als 
erkennen  ließen  und  ich  entnahm  daraus,  daß  es  genau  an  der  ver- 
mutbeten Stelle  liege,  aber  durch  oblonge  Form  der  Augenlidspalte 
ganz  an  das  Auge  der  Squaliden  mahne;  zweitens  ersah  ich,  daß 
den  Gaumen  unterhalb  des  Auges  wirklich  eine  Zahnbinde  besetzt 
halte,  welche  ganz  ähnlich  geformte  Zähne,  wie  die  der  Kiefer  enthält. 
Indem  ich  mich  nun  dem  Inhalte  der  vorliegenden  Arbeit  zu- 
wende, beginne  ich  zunächst  mit  der  neuen  Gattung,  für  welche  ich 
auf  Grund  der  Form  der  Deckelstücke  den  Namen  Conchopoma 
vorschlage  und  die  ich  zuerst  in  zwei  kleineren  Exemplaren  kennen 
lernte,  welche  mir  durch  die  Güte  des  Herrn  Dr.  Weiß  noch  vor 
den  Ferien  zugesendet  wurden,  die  sieb  aber  derzeit  nicht  mehr  in 
meinen  Händen  befinden.  Ich  schicke  die  Beschreibung  der  einzelnen 
Individuen  voraus,  da  sich  der  Charakter  und  das  Gesammtbild  der 
Gattung  erst  aus  ihnen  ergibt.  Im  Vergleich  zu  den  übrigen  Gattungen 
dieser  Formation ,  zu  AmbJypteriis ,  Rhabdolepis ,  Acanthodes  und 
Xenacanthns  scheint  sie  im  Ganzen  daselbst  viel  seltener  vorzu- 
kommen .  findet  sich  aber  nach  brieflicher  Mittheilung  von  Dr. 
Weiß  außer  Lebach  auch  in  Schwarzenbach  (am  nördlichen  Flügel 
der  Hauptmulde  des  Saarbrückner  Kohlenrevieres)  vor,  von  wo  aber 
auch  Herrn  Dr.  Weiß  nur  drei  Exemplare  bekannt  wurden. 

Gatt.   Conchopoma  nov.   gen. 

Die  ersten  mir  durch  Dr.  Weiß  zugesandten  Exemplare  dieser 
Gattung,  die  wie  alle  übrigen  iji  den  bekannten  Eisensteingeoden 
eingeschlossen  waren,  zeigten  in  der  Seitenansicht  von  links  zwei 


2 (SO  K  n  ..  ,. 

Iii(li\  itliiL'ii  vuii  iiiihodt'iilt'riiU'i'  (IitilJii'  (iiid  iiiinlfii'lieiii  Erlialliiiigs- 
/.iisIiiimIo:  das  f]frößeiv,  niiiulcr  g;iil  crliiiltoiit'  m;i(J»  fast  7  Wr.  Zoll, 
das  kleinere  mir  G"  ['".  Am  erstereii  leldle  /um  Thcile  der  Kopl'  und 
das  Ende  des  Selnvanzes,  MÜhrend  das  kleinere  Itis  znr  Seliwanz- 
s|iilze  erlialten  war.  Die  K(t(>Hiinge  Itetrng  '/,,  der  (iesamnillänge. 
die  K»»|d*lii(lie  war  nur  wenig  geringer  als  die  Länge,  die  Schnauze 
stark  gewiditl,  {\vr  Mund  endsländig  mit  gleich  langen  Kiefern,  aber 
ni(dil  erkennitarer  \\  eite  der  Mnndsjialte.  Vdii  der  Mitte  des  oberen 
Mnndrandes  ragten  5 — G  leine  gerade  koniselie  Spitzzähne  vor  und 
es  war  w alirseiieiidieh ,  daß»  aueli  der  Gaumen  und  die  Seiten  der 
Kieler  mit  mehreren  Reihen  oder  IJinden  von  Zähnen  besetzt  waren, 
da  sieb  zahlreiche  l'jndrüeke  stnmi)ler  Zäline  erkennen  lie(.V'n,  doch 
waren  weder  die  IJezahnung  genauer  zu  ermitteln,  noch  auch  das 
Auge  und  die  übrigen  Verhältnisse  {]{'s  Kopfes  und  seine  Hedeekung. 
Dagegen  zeigten  die  muthmalMiehen  Deekelslücke  im  scharfen  Ab- 
drucke die  aulTallend  muscbelälinlielie  Form,  auf  welche  der  gewählte 
(Gattungsname  sich  bezieht.  Ks  hatten  sich  zwei  solcher  muschel- 
äliidicher  Stücke  von  ungleicher  (irfd^e  und  in  verschiedener  Stellung 
;ibgf(lni('kl.  Das  gröiJtere,  mit  dem  Wirbel  nach  aufwärts  gerichtete 
Stück,  der  wahrscheinliche  Hauptdeckel  zeigte  nicht  blos  im  UmritJ» 
ganz  die  Korni  einer  Musebelklappe ,  sondern  auch  die  0j)erfläche 
durch  ('(»nccntrisclie  Zuwachsstreifen  nebst  feinen  dicht  gesäten 
K(inicrn  und  (J rübchen  uneben.  Hinter  diesem  großen  muschel- 
iVirmigen  Deckel.slücke  lag  etwas  höher  ein  ganz  ähnlich  geformtes 
viel  kleineres,  jedoch  mit  na<'b  abwärts  gerichtetem  Umb(».  Umnittcl- 
bar  hinter  letzterem  lolgte  der  breite  und  stai'ke  Schultergürtel,  an 
welchen  sich  etwa  in  lialber  Höhe  eine  breite  vielstrahlige  Brust- 
llosse  anlegte,  die  jedoch  nur  theilweise  zu  erkennen  war.  In  dieser 
Gegend  befand  sich  eine  breite  und  sehr  unebene  Bruchstelle,  zufolge 
deren  weder  sicher  zu  entnehmen  war,  ob  Bauchllossen  noch  ob 
etwa  eine  vordere  Rückenflosse  vorlianden  waren.  Deutlieh  begann  die 
RückcMflosse  erst  etwas  hinter  ballter  Totallänge,  ging  aber  dann  als 
piri|)lieriscbe  conlinuirliche  Flosse  in  die  Schwanz-  und  Afterflosse 
über.  Den  Saum  dieser  Flossen  bildeten  gedrängt  stehende  feine 
faserähnliche  Strahlen,  deren  mittlen'u  und  längsten  fast  [/.,"  er- 
rei"hten  und  die  auf  stärk<'rc  aber  kürzere  Träger  sich  stützten, 
deren  vordere  nur  </;.  .  weiter  zurück  etwa  nur  '/..,  so  lang  wie  die 
Flossenslrahlen  stdbst  waren   \\\n\   deren   bis   zur  C'audale  34 — 35  zu 


Ülicr  Clin  /lOjtuma  (/iidifoiini'  imv.   i;eii    fl   s|iec.  und    Aiuiilliddi-.s  t-lc.  CO  1 

zälik'ii  waren.  Diese  Tiiiyer  slaiiticii  über  elieii  so  \ieleii  Donil'ort- 
siilzen,  die  aber  noch  kiii/er  und  släiker  naeli  hinten  geneigt  Avaren, 
so  dalS  die  letzten  lasl  wagreehl  zu  liegen  kamen.  Noch  längere  liis  an 
■ö"  li(die  nornl'orlsälze  raglen  üherdies  vor  Keginn  der  Dorsale  ziem- 
lich geraile  auf  und  zwar  lü  in  der  Zahl,  die  sich  wie  lalsche  Trägci' 
ansnelnnen.  Die  Afterflosse  begann  genau  dem  Anfang  der  Dorsale 
gegeniiber.  zeigte  ganz  denselben  Bau  nnd  ließ  nnr  um  einige 
Klosscniräger  weniger  (32  —  33)  als  jene  erkennen.  Von  VN  irhel- 
körpern  Mar  keine  Spur  zu  sehen,  nur  Ihcilweise  von  kleinen  drei- 
eckigen uheren  und  unteren  IJogensclienkcln :  die  Cluu'da  lid  last 
geradlinig  mit  slumpfer.  kaum  merklich  nach  aufwärts  gehogencr 
Spitze  ans.  Lange,  dünne  und  sanft  gebogene  Rippen  umgürteten 
die  Seiten  des  Rumpfes,  und  zwar  in  der  Zahl  von  mindestens  20  bis 
22  Paaren.  —  Die  Haulbedeckung  bestand  in  sehr  dünnen  länglichen 
Schuppen,  die  auch  die  Flossen  bis  gegen  den  Saum  überdeckten 
und  deren  Oberfläche  fein  längs  gestreift  und  gefurcht  war;  (jri'd.W, 
l  nuilS  inid  Lagerung  derselben  ließ  sich  nicht  genau  erkennen. 

\  011  derselben  Gattung  nnd  Art  liegen  mir  derzeit  noch  sieben, 
aus  der  Sammlung  (\c?:  Herrn  Dr.  Jordan  stammende  Individuen 
in  Doppelplatten  vor,  deren  Beschreibung  ich  nach  den  ilmcn  ange- 
klebten Nummern  folgen  lasse,  w'obei  ich  aber  selbstverständlich 
stets  nur  jene  Partien  und  Tiieile  besonders  hervorliebe,  die  an  dem 
betrelVenden  Individuum  am  vorzüglichsten  oder  nur  an  ihm  allein 
erhallen  und  zu  erkennen  sind. 

Die  Doppclplalte  Nr.  1  schließt  das  größte  Individuum  ein. 
dessen  Totallänge  etwas  über  1'  beträgt,  das  aber  namentlich  bezüg- 
lich des  Kopfes  ziemlich  schlecht  erhalten  ist  und  nur  manche  Details 
«leutlich  erkennen  läßt.  Der  Umriß  des  Kopfes  ist  gar  nicht  erkenn- 
bar; nur  die  Abdrücke  der  Zahnplattcii  am  Gaumen  und  im  Unter- 
kiefer, nebst  einigen  kleinen  Spitzzähucn  des  UiiterkieJ"errandes,  doch 
geben  sie  weder  genügenden  Aufschluß  über  die  Art  der  Bezahiuing 
noch  die  Zahnformeu.  Außerdem  liegen  nur  ein  Paar  Deckknochen 
der  Scheitelgegend  frei,  deren  Deutung  aber  auch  nicht  möglich  ist. 
Von  den  Deckelstücken  ist  nur  ein  muschelförmiges  (wahrscheinlich 
das  kleinere  hintere)  vorhanden,  dessen  Umbo  nach  aufwärts  gerich- 
tet und  viel  näher  dem  Vorder-  als  Hinterrande  liegt  und  ilessen 
concenlrischc  Streifen  oder  Furchen  stark  aiisgcjirägt  sind.  Die 
Brustflosse  ist  blos   llu-ilweise  abgedrückt   und   nur  erkennbar,   daß 


282  K  n  e  r. 

sie  direct  hinter  der  Scapula  in  der  Höhe  der  Wirbelsäule  eingelenkt, 
vielstrahlig  und  ziemlich  lang  (etwa  \-/s")  war.  Die  Chorda  nimmt 
vorne  in  der  Breite  von  4'"  und  noch  am  Schwänze  von  3'"  die  ganze 
Länge  der  Wirbelsäule  ein,  Wirbelkörper  fehlen  ganz,  nur  an  den 
oi)eren  und  unteren  Bogenschenkeln  legen  sich  seitlich  dünne  Platten 
an,  von  denen  die  langen,  gebogenen  und  hohlen  Dornfortsätze  sich 
erheben,  und  zwar  hier  48 — 50  obere  und  21 — 22  untere,  welchen 
etwa  24  Rippen  vorhergehen.  Die  beiden  ersten  der  hinter  den  Rippen 
folgenden  unteren  Dornfortsätze  gehen  in  starke  und  lange  Stütz- 
strahlen oder  Träger  der  hier  beginnenden  Afterflosse  über,  deren 
im  Ganzen  22  zu  zählen  sind  und  denen  eben  so  viele  Dornfort- 
sätze über  ihnen  entsprechen.  Von  den  dünnen  eigentlichen  Flossen- 
strahlen der  Anale  hat  sich  nur  ein  Theil  erhalten,  die  mitunter  ganz 
deutliche  Gliederung  zeigen,  und  häufig  auch  gabiig  getheilt  sind. 
An  der  einen  Platte  sind  beide  Bauchflossen  an  einander  liegend 
abgedrückt;  sie  scheinen  sich  nicht  auf  Beckenknochen  gestützt 
und  wenigstens  je  8  — 9  Strahlen  enthalten  zu  haben,  die  bis  zum 
Beginne  der  Anale  zurückreichten.  Die  Beschuppung  hat  sich  an 
vielen  Stellen  völlig  erhalten,  namentlich  längs  der  Seite  des  Schwan- 
zes, sowohl  die  Chorda  als  die  Flossenträger  und  selbst  die  Strahlen 
bis  gegen  den  Saum  überdeckend.  Auch  sind  schon  hier  einzelne 
Röhrchen  des  längs  der  Chorda  verlaufenden  Seitencanales  erkennbar 
und  zahlreiche  Schuppen  liegen  zerstreut  an  der  Kehle,  zum  Beweise, 
daß  diese  bis  zur  Symphyse  überschuppt  war.  —  Die  mikroskopische 
Untersuchung  einzelner  freiliegender  Kopfknochen  ergab,  daß  sie 
aus  echter  Knochensubslanz  bestanden .  in  dem  ohne  Schwierigkeit 
sich  große  Knochenzellen  mit  radiären  Ausläufern  erkennen  ließen. 
Auf  Taf.  I,  Fig.  1  ist  das  mit  Nr.  2  bezeichnete  Individuum  in 
natürlicher  Größe  abgebildet,  das  nur  wenig  kürzer  als  das  vorige 
in  der  Seitenansicht  fast  vollständig  bis  nahe  zur  Schwanzspitze 
vorliegt.  Es  ist  bezüglich  der  Wirbelsäule  sammt  Fortsätzen  und 
Trägern,  des  Schultergürtels,  der  Brust-  und  Bauchflossen  und 
namentlich  der  Zähne  das  besterhaltene  Exemplar,  dagegen  fehlen  an 
der  peripherischen  Flosse  die  eigentlichen  Strahlen  größtentheils, 
auch  sind  die  Kopiknochen  und  muschelförmigen  Deckelstücke  nur 
nndentlich  zu  erkennen.  Im  Vergleich  zu  anderen  erscheint  der  Kopf 
bedeutend  kürzer,  da  seine  Länge  nahezu  nur  '/s  der  totalen  aus- 
iiiaclil.    Die  feinen  Spitz-  oder  Hechelzähne  in  der  Mitte  der  Kiefer 


rher  Concfiopoma  r/adi forme  nov.  gpn.  ot  spec.  und  Acanthodcs  etc.         Zoo 

sind  sehr  sclnvacli  sichthar,  hingegen  die  hinter  ihnen  befindlichen 
großen  Zahnplatten  am  Gaumen  und  gegenüber  im  Unterkiefer  sehr 
gut  und  viele  Zähne  an  ihnen  noch  in  Substanz  erhalten,  wie  die 
beifolgenden  Abbildungen  zeigen.  Am  Vomer  scheinen  sie  auf  einer 
einfachen  Platte  gestanden  zu  haben,  die  vorne  fast  s/*"  bi'eit,  nach 
hinten  zugespitzt,  daher  dreieckig  und  wenigstens  eben  so  lang  wie 
breit  war.  Die  Zähne  standen  auf  ihr  in  dichten  Reihen,  waren 
ungleich  groß,  dick  cylindrisch,  an  der  Spitze  etwas  gebogen  und 
unter  ihr  breit  löffelartig  vertieft  (Fig.  1  a);  bei  kleineren,  wahr- 
scheinlich weniger  abgenützten  Zähnen  fehlt  aber  diese  lötTelformige 
Vertiefung.  Diese  Zähne  sehen  einigermassen  manchen  Schlund- 
zähnen vonCyprinoiden  ähnlich.  Ob  die  zweite  ihr  gegenüber  liegende 
Zahnplatte,  welche  ganz  gleich  geformte  Zähne  wie  die  obere  trug, 
dem  Unterkiefer  oder  etwa  der  Zunge  angehört  habe,  muß  ich  frag- 
lich lassen,  möchte  aber  letzteres  deßhalb  glauben,  da  sie  stets  der 
oberen  Gaumenplatte  gegenüber  liegt  und  es  daher  nicht  wahr- 
scheinlich ist,  daß  etwa  beide  neben  einander  am  Gaumen  lagen, 
wenn,  auch  der  Kopf  meist  einen  starken  Seitendruck  erfahren  haben 
und  demzufolge  die  Gaumeuzahnplatte  mag  der  Quere  nach  zu  liegen 
gekommen  sein,  denn  auch  dann  wäre  -  nicht  wohl  zu  verstehen, 
weßhalb  die  eine  Zahnplatte  stets  unterhalb  der  anderen  wiire  zu 
liegen  gekommen,  und  weßhalb  diese  dann  stets  bedeutend  kleiner 
war.  Wären  beide  Zahnplatten  nur  die  Hälfte  einer  oberen  Gaumen- 
platte gewesen,  so  wären  sie  wahrscheinlich  auch  gleich  groß  oder 
symmetrisch  gewesen.  —  An  der  einen  dieser  Gegenplatten  sind 
parallel  dem  Rande  der  breiten  Gaumenzahnplatte  noch  ähiiliclie 
stumpfspitze  Zähne  m  ie  an  der  Vomerplatte  zu  sehen,  und  zwar 
deren  3 — 4  in  Längsreihen,  von  denen  gegen  die  Kiefermitte  lange 
und  dünne  Hechelzähne  zu  erkennen  sind.  Es  scheint  demnach,  daß 
die  Bezahnung  im  Ganzen  folgende  war:  Die  Mitte  der  Kiefer  hielten 
dünne  Spitzzähne  besetzt,  den  Gaumen  eine  breite  und  lange  dreieckige 
Zahnplatte  mit  cylindrischen  stumpfspitzenSpitzzähnen,  der  gegenüber 
im  Unterkiefer  (auf  dem  Zungenbeine?)  eine  ähnliche  kleinere  sich 
befand;  ob  jedoch  die  Seiten  der  Kiefer  und  zwar  beider  oder  etwa 
nur  des  oberen,  auch  mit  mehreren  Reihen  stumpfer  Zähne  geiiflastert 
war,  darüber  ließ  mich  dieses,  bezüglich  der  Bezahnung  am  besten 
erhaltene  Exemplar  noch  unklar.  An  der  Kehlseite  gewahrt  man  ein 
Paar    rinnenförmiger   Knochenfragmente,    die    dem    erst    später  zu 


284  K  M  e  r. 

bespreclu'iitU'ii  Kit'iiU'ii;ij»[iarale  angoliörtcii.  Oii'  Dcckelsliicke  inul 
selbst  das  große  miisclieirürmige  Stiiek  sind  sehr  iiiidentlieh ,  der 
Ijutnei'iislheil  des  kräftigen  Sehultergürtels  ist  dagegen  bis  znr 
Clavicnlarplatte,  die  ins  Gestein  eingesenkt  ist,  wolii  erlialten.  Hinter 
ihm,  genau  in  der  Höhe  der  Wirhelsänie  h'nkle  sieh  die  lange,  viel- 
sfraldige  Brustflosse  ein,  die  naeh  hinten  zugespitzt  2'/3"  Ijänge 
besaß  und  mindestens  1  '/;/'  breit  war,  indem  der  obere  Saum  bis 
gegen  das  Riiekenprofil  und  der  untere  bis  an  den  l^mbeugungs- 
winkel  des  Seliultergürtels  naeli  vorne  reichte.  Sie  enthielt  zahh-eiche 
dünne,  aber  nicht  hinge  Strahlen,  deren  Zahl  nieht  genau  sieh 
angeben  läßt;  ihre  Form  errinnert  aufTallend  an  jene  von  Dip- 
lerns  ValeNciemiesii  wie  sie  bei  Dr.  Pander  <)  auf  Tat".  Hl 
abgebildet  ist.  —  Längs  der  Wirbelsäule  sind  I>0  obere  Dornfort- 
sätze zu  zählen,  über  den  letzten  25  stehen  eben  so  viele  schwach 
gebogene  Strahlenträger  für  die  Dorsale  und  diesem  gegenüber  eben 
so  viele  für  die  Afterflosse.  Rippen  zählt  nuin  22,  von  denen  die 
vorderen  die  kürzesten  und  fast  gerade  naeh  abwärts  gerichtet,  die 
mittleren  die  längsten  und  dünnsten  und  stark  nach  hinten  geneigt 
und  alle  sehwach  gebogen  sind;  nur  an  den  vorderen  3  —  4  ist  die 
Convexität  des  Bogens  nach  vorne,  an  allen  folgenden  aber  nach 
hinten  gerichtet.  Sie  reichen  bis  zu  den  2 — 3  unteren  Dornfortsätzen, 
die  zusammen  zur  Stütze  der  hier  beginnenden  Afterflosse  ver- 
schmelzen. Die  Sirahlenträger  der  peripherischen  Flosse  sind  durch- 
wegs länger  als  die  Dornfortsätze,  über  denen  sie  stehen  und  zwar 
die  längsten  8"  lang,  alle  schwach  gebogen  und  gleich  jenen  mit 
der  l'onvexilät  nach  rückwärts.  Die  Dornfortsätze  neigen  sich  aber, 
je  näher  der  Caudalspitze  um  so  mehr  nach  hinten  und  liegen  zuletzt 
fast  wagrecht  der  Corda  auf  und  nehmen  an  Länge  viel  mehr  als  die 
Träger  ab.  Der  Verlauf  Ai^s  Seitencanales  macht  sieh  längs  der 
ganzen  Chorda  durch  die  Abdrücke  der  ziendich  weilen  und  langen 
Finzcinihrehen  kenntlich;  längs  der  Seiten  des  Rumpfes  haben  sich 
über  ganze  Strecken  die  zarten  längs  gestreiften  Rhombenschuppen 
in  natürlicher  Lagerung  erhalten. 

V^on  der  Doppelplatte  Nr.  3  gebe  ich  auf  Taf.  Hl,  Fig.  1  ii  nur 
die  Abbildung  des  großen  muschelförmigen  Deckelstückes  eines 
großen    Exemplares   in    natürlieher  (Jröße.    von   dem    übrigens   nur 


')    nie  Cli-niiiliptci  iiicii. 


Convliopoinii  ijuilif'oiiin-  iiov.  i<i'ii.  e(  .s|teo.  iiinl  Acautltodc»  »•(<•.  2oO 

noch  eiiizelrio  Koprscliililcr  und  zalilri-iclie  lose  dnrclu'inander  lie- 
gende Rippen ,  Triiger  und  Flossenstralileii  sich  ci-liidteri  hahen, 
die  aber  völlig  außer  Zusammenhang  keine  nähere  Beschreihung  und 
Deutung  gestatten.  Zu  erwähnen  sind  nur  noch  zwei  kleine  niuseliel- 
ahnliche  Stücke  von  gleicher  Form  wie  das  ahgchildete  große,  die 
aber  weit  hinter  dem  Kopfe  und  erkennbaren  Scbultergiirtel  /wischen 
Rippen  und,  Trägern  eingebettet  liegen  und  von  denen  das  eine  mit 
dem  Wirbel  nach  auf-,  das  andere  nach  abwärts  sieht,  die  wohl  auch 
dem  iJeckelapparate  angehören  mochten,  ohne  daß  sich  aber  für  ihre 
Lage  und  Bedeutung  Anhaltspunkte  gewinnen  ließen. 

In  Fig.  1  (Taf.  II)  ist  das  in  der  Doppelplatte  Nr.  \  tt  einge- 
schlossene Kopffragmenl  sammt  Vorderrumpf  eines  ziendich  großen 
Individuums  abgebildet,  das  stark  flachgedrückt  und  von  der  Kehlseite 
sichtbar  ist.  Zunächst  sind  breite,  kräftige  Clavicularplatten  erkennbar, 
die  in  der  Mittellinie  unter  einem  stumpfen  Winkel  zusammenstoßen : 
über  das  hintere  breite  Ende  des  einen  Astes  sind  einzelne  losge- 
trennte Kiemenstrahlen  gelagert  und  die  Beschuppung  der  ganzen 
Umgegend  ist  größtentheils  sehr  gut  erhalten.  Vor  dem  einen  Aste 
und  zugleich  weiter  nacli  auswärts  liegt  wieder  die  große  Deckel- 
muscbel,  von  der  anderen  Seite  gewahrt  man  nur  einen  unvollstän- 
digen Abdruck. 

Etwa  5"  vor  der  Clavicula  liegt  querüber  ein  schmales 
Knoehenstück ,  an  dessen  vorderem  Rande  eine  Reihe  von  theils 
spitzen,  theils  am  Ende  knopfartig  verdickten  Zähnen  abgedruckt 
sind;  unweit  vor  diesem  Knochen  dem  Rande  der  Platte  genähert,  liegt 
ein  Theil  der  Gaumenzahnplatte  frei  ;  vor  dieser  noch  an  der  Run- 
dung, die  dem  Umriß  des  Mundrandes  selbst  zu  entsprechen  scheint, 
ist  endlich  eine  Anzahl  der  spitzen  Randzähne  zu  erkennen.  Jederseits 
hinter  der  Gaumenzahnplatte  liegen  symmetrisch  zwei  nach  hinten 
divergirende  etwa  %^/'i"  breite  rinnenförmige  Knochen,  tlie  ohne 
ZM'eifel  dem  Kiemengerüste  angehörten;  ein  ähnlicher  fast  1  U"  langer 
und  4"  breiter  liegt  symmetrisch  auch  hinter  derClavicularplatte.  Daß 
die  ganze  Kehlseite  übrigens  bis  gegen  den  Kieferrand  dicht  beschuppt 
Mar,  ist  sehr  deutlich.  —  Die  Platte  Nr.  4  b  enthält  nur  ein  Schwanz- 
ende ohne  die  Spitze  aber  mit  Dornfortsätzen  und  Trägern  und  wohl 
erhaltener  Beschnppung,  die  sich  auch  über  die  periplierische  Flosse 
erstreckt,  und  zwar  bis  zur  Spitze,  welche,  obwohl  fehlend,  doch 
anscheinend  von  Fiossenstrahlen  rings  umgeben  war.  Das  hier  vorlie- 


286  K  n  e  r. 

geiule    Stück  wnr   übrigens   das    «M-ste   Mas  Mcrr   Dr.  Jordan  von 
dieser  Ga(tim«>  sclioii  vor  länj^erer  Zeit  aiirgeriiiideii  hatte. 

Kig.  2  auf  Tal".  1  zeigt  von  der  Seitenansielit  ein  wohlerhaltenes 
aber  kleines,  in  der  Dojipelplatte  Nr.  li  eingeschlossenes  Individnnm, 
welches  din'cli  gedrungene  und  hohe  (iestalt  derart  von  den  Exemplaren 
Nr.  1  und  2  ahwcielit,  daß  man  sich  versm-iil  l'iihlen  könnte,  selbes 
l'iir  eine  andere  Species  zu  hallen.  Die  Koptlänge  ist  hier  nämlich  nur 
3-/^niaI  in  der  Tdlailange  begrilTen  (bei  Nr.  1  und  2  aber  bedeutend 
über  4mal,  obwohl  bei  letzteren  noch  die  Spitze  des  Schwanzes  fehlt); 
die  größte  Rumpfböhe  vor  der  Rückenflosse  beträgt  hier  i/g  der  Ge- 
sammtlänge  (bei  Nr.  2  last  nur  i/^)  und  selbst  am  Schwanzstiele 
bleibt  diese  llölie  zu  Folge  der  hohen  |)eripherischen  Flosse  naliezn 
die  gleiche,  dennoch  enthalte  ich  micli  vorerst  der  Annahme  einer 
zweiten  Species  und  glaube,  daß  diese  Messungsnnterschiede  doch 
blos  vom  Alter  und  (»röße  abhängig  sein  dürften.  Der  wahrscheinlich 
ziemlich  natürliche  Umriß  des  Kopfes  zeigt,  daß  er  nahezu  gleich  hoch 
wie  lang  und  an  der  Stirn-  und  Keblseite  fast  gleich  convex  war. 

Theilweise  sind  die  Spitzzähne  beider  Kieler  erkennbar,  besser 
aber  hinter  ihnen  die  Abdrücke  der  größeren  Ptlasterzähne  der  obern 
und  untern  Zahnplatte.  Hinter  der  langen  (Gaumenplatte  liegen  zwei 
muschelförmige  Deckelstücke  zumTheile  über  einander,  die  bis  an  den 
Scbultergürlel  zurückreichen,  dessen  breiter  und  dicker  Himierus 
nach  unten  sich  leistenartig  erhebt  nnd  eine  ziemlich  hohe  und  scharfe 
Kante  bildet.  Die  Brustflosse  ist  nur  schwach  angedeutet;  die  Zahl  der 
Dornfortsätze,  Rippen  nnd  Strahlenträger  stimmt  mit  den  größeren 
Exemplaren  überein,  nur  erscheint  die  Rippenzahl  hier  noch  größer, 
weil  viele  derselben  paarig  vorhanden  sind.  Von  den  in  natürlicher 
Lage  befindlichen  Bauchflossen  sind  nur  einige  Strahlen  theilweise 
siebtbar.  Seitenlinie  und  Beschuppung  verhalten  sich  wie  bei  den  vor- 
hergehenden Exemplaren. 

Die  Doppelplatte  Nr.  H  umschließt  ein  stark  depresses  Kopfstück, 
das  auf  Taf.  IV,  Fig.  1  dargestellt  ist,  und  das  die  Oberseite  des 
Kopfes  und  den  Unn-iß  desselben  nahezu  vollständig  zur  An- 
schauung bringt;  blos  rechterseits  scheint  ein  Theil  des  Hinterkopfes 
zu  fehlen  und  eine  Verschiebung  der  Scheiteldeckknochen  nach  rechts 
stattgefunden  zu  haben.  Die  größte  Breite  des  Kopfes  beträgt  am 
Hinterhanpte  3",  die  Länge  von  der  Mitte  des  Kieferrandes  bis  zum 
hinteren   des  Schulterknochens  3''  5'",  das  Schnauzenprofil  ist  daher 


1 


I^bpi-  Conc/iojinma  iji(difoiinc  iiov.  f;eii.  i'l  s|iec.  und  Acttnthodes  etc.         4ö7 

purabolisch.  In  der  Mille  derselben  sieht  mau  theilweise  die  am  Rande 
stehenden  Spitzzähne  und  hinter  ihnen  liegt  die  grüße  Vomer-  und 
Gaumenzahnplatte,  die  aus  zwei  getrennten  Partien  bestanden  zu 
haben  scheint,  einer  vordem  schmälern,  der  (|ueren  Vomerplatte  an- 
gehörigen,  auf  der  man  in  vorderer  Reihe  noch  kurze,  stumpfsjdtze 
Zähne  erkennt,  welchen  nach  hinten  4 — o  Reihen  kleiner,  rundlicher 
Pflasterzähne  folgen.  Dann  erst  nach  einem  schmalen  zahnlosen 
Zwischenraum  folgte  die  große  Gaumenzalinplalte,  die  bis  über  das 
Keilbein  zurückreichte  und  die  ganze  Breite  des  Gaumens  einge- 
nommen haben  muß.  wie  sich  nach  den  Eindrücken  mehrerer  großer 
kugeliger  Pflasterzähne  entnehmen  läßt,  die  weit  zurück  in  gleicher 
Querlinie  mit  dem  darüber  liegenden  muthmaßlichen  Scheitelschilde 
zu  sehen  sind.  Außerdem  dürften  auch  die  seitlich  an  die  Vomerplatte 
grenzenden  Gaumenbeine  eine  schmale  Längsbinde  von  Zähnen  ge- 
tragen haben.  Von  den  muschelförmigen  Deckelslücken  ist  nur  theil- 
weise linkerseits  das  kleinere  zu  erkennen. 

Die  richtige  Deutung  der  verschiedenen  sichtbar*  n  Deckschilder 
des  Oberkopfes  ist  wohl  kaum  möglich,  da  die  rechte  Seite  des  Kopfes 
theilweise  fehlt,  theils  auch  die  vorhandenen  Schilder  verschoben  und 
ihre  Umrisse  schadhaft  geworden  sind.  Das  mit  1  bezeichnete  Schild 
halte  ich  für  das  Parietale,  ob  aber  dann  das  sich  an  dessen  Außenrande 
anlegende  (2)  als  Frontale  posterius  und  das  vorne  zwischen  beide 
sich  einschiebende  Schild  (3)  als  Frontale  anlerius  zu  deuten  ist, 
muß  um  so  mehr  unentschieden  bleiben,  als  über  die  Augen,  Nasen- 
gruben u.  s.  w.  alle  Andeutungen  fehlen.  Wenn  das  Schild  1  wirk- 
lich dem  Parietale  entspricht,  so  ist  dann  das  hinter  ihm  sich  an- 
reihende als  Occipitale  super  um  zu  deuten. 

Vom  Kiemengerüste  ist  nur  fragmentarisch  ein  rinnenartig  aus- 
gehöhltes Stück  eines  Kiemenbogens  erhalten.  Die  mikroskopische 
Untersuchung  einzelner  Splitter  von  Kopf  knochen  ergab,  daß  sie  aller- 
dings echte  Knochenzellen  mit  strahligen  Ausläufern  enthalten,  aber 
nur  sehr  zerstreut,  die  Hauptmasse  scheint  zellenlose  Dentinsubstanz 
gewesen  zu  sein. 

Fig.  2  auf  Tai'.  IV  zeigt  das  Schwanzende  eines  großen,  viel- 
leicht des  größten  Individuums  sub  Nr.  7  von  mehr  als  ß'/a"  Länge 
mit  22  oberen  Dornfortsätzen,  zu  denen  die  kurzen  ganz  wagrecht 
liegenden  der  äußersten  Schwanzspitze  nicht  mitgezählt  sind,  und 
denen  eben  so  viele  Strahlenträger,  zum  Theile  von  1  i/a"  Länge  ent- 


^ÖO  K   II  P  r. 

«'iilspi-celicii,  auf  welche  erst  die  eij^entliclieii  (Ilieilei-sli-alileii  lolgteii, 
die  ohne  Zweifel  rings  um  die  Seliw  anzspil/e  i-eiehteii  und  nur  g;iuz 
zulelzl  rasch  aii[>;in<it'  ahnaliiiieii.  l)a(Jt  die  gan/.e  |)eri|dierische Flosse 
l»is  an  den  Saum  iil)ersehn|i|il  war.  isl  aus  den  Ahdrüekeii  der 
Sehu[i|ien  vrdlig  zweircllos. 

vSuehl  man  nun  aus  den  lieseliriehenen  ein/.cliitMi  l'^indsliicken 
ein  Gesammlhild  i\i'v  (lalhini;  und  ihres  Tharaklers  zu  gewinnen,  so 
dürfte  sieh  lolgendes  Hesullal  herausslellcn:  Die  Ko|>ll;inge  hefriig  hol 
kleineren  Individuen  heiläidig  1/4  der  Gesammllänge,  hei  gri'dJieren 
aher  kaum  "/, :  der  Kopf  war  wenigstens  gleiidi  hreil  wie  hoch,  oder 
hrcilcr.  der  Alnml  endsländig.  Die  Mitte  heider  Kiefer  war  V(m  einer  ein- 
fachen Ueihe  (sfdnverlich  von  mehreren)  spitzer  Zähne  heselzt,  der 
N'omer  und(iaumen  miteiner  hiciten  und  langen  Platte  größerer,  dicker 
theils  kugeliger,  theils  stuinpfspilzer  Ptlasterzähne:  eine  ähnliche 
Zahnplaltc  stand  ihr  gegenüher  im  Unterkiefer,  wahrscheiidich  aid' 
dem  Zungeiiheine,  und  wohl  auch  die  (Gaumenbeine  trugen  eine 
schmale  Längshinde  ahnlicher  Zähne.  Der  Oherkopf  war  mit  dünnen, 
radiär  gefm-chlen  Schildern  oder  Deckknoidien  belegt. 

Das  muthmai^lich  kleine  Auge  lag  seitlich  dem  v(M-dern  Schuau- 
zenrande  genähert.  Die  Kiemenspalte  wurde  von  muschelförmigeii 
Deckelstücken  überlagert,  und  zwar  vvabrscheinlich  von  zwei,  einem 
bedeutend  grid.V'rn  Hauptdeckel,  dessen  Wirbel  nach  aufwärls  nml 
einem  kleinern,  dessen  l'mho  nach  abwärts  gekehrt  gewesen 
scheint.  Der  Schultergürtel  bestand  aus  einem  breiten  kräftigen  Hu- 
merus,  an  den  an  der  Kehle,  ähidich  wie  bei  vielen  Siluren  und  Lo- 
ricaten.  unter  einem  Winkel  zusammenstoßende  breite  Clavicular- 
platten  sich  anlegten.  Die  Kiemenhögen  bildeten  breite  rinnenförmige 
Kno(dien.  die  Kiemenslrahlcn  waren  ziemlich  kiu'z  und  dünn.  Der 
N'orderrumpf  war  hidier  als  der  Kopf  und  die  Tolalgeslalt  mahnte  ins- 
hesundeie  zuf(dge  der  hohen  und  weil  ausgechdinten  peripherischen 
Flosse  an  Plem-onecliden.  Die  Rückenllosse  begann  aher  erst  nach 
halber  Totallänge,  und  ging  gegen  die  Schwanzspitze  rasch  niederer 
werdend,  als  inngreifende  Flosse  in  die  eben  so  wie  sie  gehaute  After- 
flosse über,  nahe  vor  welcher  die  ziemlich  kleinen,  wenigstrahligen 
Bauchflossen  standen.  Die  zahlreichen  dünnen  (Jliederstrahlen  der 
umfassenden  verticaleii  Flosse  slützleii  sich  auf  lange,  dünne  und  hohle 
Träger,  die  seihsl  auf  ähidichen  JJornfortsätzen  ruhten.  Die  Brust- 
flosseu  waren  hinler  dem  Schultergürtel  etwa  in  halber  Körperhöhe 


Üher  CumliDpoina  ijadiformc  iiov.  yen.  et  spuu.  und  Acanlhodcs  etc.         2ot) 

eiiiuclenkt,  liiiii-er  als  broit  iiiii!  vicistrahli«'.  Der  Wirbelsäule  fehlten 
knöcherne  Körper  t^änzlich  inid  die  Chorda  lief  breit  und  geradlinig 
bis  an  das  Schwänzende  ans,  nur  obere  und  untere  schmale  Bogen- 
stücke  kamen  theihveise,  insbesondere  aber  lange  und  dünne  Üornfort- 
sätze  zur  Knlwicklung,  die  wie  bei  Coelacanthen  sämmtlich  hohle 
Röhren  bildeten  ;  eben  so  waren  die  zahlreichen  Rippen  hohl.  Der 
ganze  Rumpf  war  bis  an  dieFlossensänme  mit  dünnen,  nicht  emailirten 
vSchuppen  bedeckt,  die  zwar  meist  längliche  Rhombenform  zeigten, 
jedoch  bedeutend  variirten,  indem  sie  bald  gleich  hoch  wie  lang, 
bald,  und  zwar  namentlich  gegen  das  Rücken-  und  Bauchprofil,  bedeu- 
tend länger  als  hoch  waren  und  dann  die  Rhombenform  verlierend,  in 
eine  Spitze  ausliefen.  Am  verscliiedeiidsten  in  Form  und  Größe 
zeigten  sie  sieh  an  der  Bauchseite  hinter  den  Clavicularplatten,  wo- 
selbst sie  statt  der  feinen  und  diehten  Längsstreifen  und  Furchen  mit 
von  einem  excentrisclien  Mittelpunkte  strahlig  auslaufenden  Leisten 
versehen  waren  und  dadurch  jenen  an  der  Brust  vieler  Loricarinen 
ähnelten.  Der  Seitencanal  verlief  parallel  mit  der  Wirbelsäule  in  glei- 
cher Höhe  und  hinterließ  die  Eindrücke  der  ziemlich  weiten  und 
langen  Einzelröhrchen,  die  sich  bis  gegen  die  Schwanzspitze  ver- 
folgen lassen. 

Sieht  man  sich  nun  um  die  nächste  Verwandtschaft  dieser  in- 
teressanten Gattung  um,  behufs  der  Stellung  die  ihr  im  Systeme  an- 
zuweisen wäre,  so  dürfte  mit  alleiniger  Berücksichtigung  der  fossilen 
Fische  kaum  eine  andere  Wahl  bleiben,  als  sie  zunächst  den  Coela- 
canthinen  zu  stellen  oder  GiebeFs  honiocerken  Dipterinen,  obwohl 
sicher  ist,  daß  sie  auch  von  allen  hieher  gezählten  Gattungen  sehr 
wesentlich  abweicht  und  eher  als  Vertreter  einer  eigenen  Familie 
angesehen  zu  werden  verdiente.  Daß  sie  überhaupt  den  Ganoiden  nur 
dann  eingereiht  werden  kann,  wenn  man  den  Begriff  derselben  in  so 
laxem  und  weiten  Sinne  auffaßt,  wie  es  leider  fast  noch  allgemein 
üblich  ist,  bedarf  wohl  keiner  näheren  Auseinandersetzung.  Geht  man 
hingegen  von  der  Ansicht  aus,  daß  die  fossilen  Fische  nur  als  vor- 
bereitende Formen  möglichst  den  in  der  Gegenwart  vertretenen 
Typen  einzureihen  seien,  so  kann  es  sich  dann  nur  um  die  Frage 
handeln,  mit  welcher  größeren  Gruppe  von  gliederstrahligen  (malaco- 
oder  arthropteren)  Knochenfische  die  vorliegende  Gattung  am 
nächsten  verwandt  sich  zeige.  Dann  läßt  sich  aber  füglich  nur  an 
solche  Gruppen  denken,  die  sich  durch  gestreckten  Leib  und  starke 

Si»/.l..  .1.  iiiiilliL'iii.-iii.tiiiw.  Cl.  I.VII.  D.i.  I.  Ahtli.  It) 


290  K  n  e  r. 

Kiitwifkluiig  der  verticaloii  Flossen  auszeichnen.  Zu  solchen  gehören 
altiM'  null,  da  die  IMcuroucctidcii  wühl  nicht  in  Betracht  kommen  kön- 
nen, die  Siluroiden,  (Jadoideii  und  manelie  Galtungen,  die  als  inter- 
mediäre Sulit'ainilien  der  Clupeiden  bezeichnet  werden.  Unter  diesen 
würde  ich  mich  unbedenklich  l'ür  die  Gadoiden-Verwandtschaft  aus- 
sprechen, wenn  nicht  die  erst  weit  rückwärts  beginnende  Dorsale  und 
die  hauehständi-icn  Ventralen  als  sehr  gewichtige  Bedenken  dagegen 
sprächen.  Aber  auch  unter  dm  Silurdiden  wie  den  Clupeiden.  wiilke  ich 
keine  lebende  (jaltung,  mit  welcher  unsere  fossile  in  nähere  Bezie- 
hung zu  bringen  wäre,  und  da  sich  an  irgend  andere  Gruppen  und 
Familien  noch  weniger  denken  läßt,  so  scheue  ich  mich  nicht,  ganz 
einlach  zu  bekennen,  daß«  diese  fossile  Gattung  eine  derjenigen  ist, 
lii'i  denen  vorerst  ohne  blolk;  h\  pitthelisehe  Annahme  der  genetische 
Zusanuuenhang  der  lebenden  mit  den  fossilen  Fischen  nicht  luglich 
nachzuweisen  ist.  Nur  als  Verniuthung  glaube  ich  aussprechen  zu 
dürfen,  daß  diese  (Jattung  ein  Glied  in  der  Entwicklungsreihe  der 
gliederstrahligen  Knocbenfisciie  bildete,  aus  welcher  im  Laule  der 
Zeiten  allmälig  die  jetzigen  Gruppen  und  Familien  der  Weichflosser, 
insbesondere  die  der  Siluroiden  und  Gadoid(!n,  hervorgingen.  Indem 
ich  für  die  Bezeichnung  der  Art  den  Ausdruck  (jadiforme  wähle, 
will  ich  damit  nur  auf  die  Ähnlichkeit  in  der  Gesammtform  hin- 
deuten, und  zugleich  die  Bezeichnung  nach  dem  Fundorte,  etwa 
Ichacense  vermeiden,  da  die  Bezeichnungsweise  nach  einem  Fundorte 
überhaupt  mir  nicht  räthlich  erscheint,  weil  sie  auf  der  sich  oft  später 
als  unrichtig  erweisenden  Annahme  eines  bloß  localen  Vorkommens 
beruht. 

Zur  Gattung  Acanthodes  Ag. 

Fnler  den  zahlreichen  E.vemplaren  dieser  Gattung,  welche  die 
SU  schönen  Sammlungen  der  Herren  Dr.  Jordan  und  Weiß  ent- 
halten, fanden  sich  mehrere  Stücke  von  vorzüglicher  Schönheit  vor, 
durch  welche  es  nnjglich  wurde,  sich  von  dieser  theils  ungenügend, 
theils  unrichtig  erkannten  Gattung  ein  vollständigeres  Bild  zu  ver- 
scIialVeti,  als  dieses  die  bisher  bekannt  gemachten  Darstellungen  und 
Abbildungen  gewährten.  Die  werlhvollsten  und  instructivsten  Stücke 
lin.len  sich  Im  züulicli  dieser  tJatlung  in  der  Sanunlung  des  Herrn  Dr. 
W  eiß   \()r,   luid   seiner  be.snndern  (iiite  verdanke  ich  die  Zusendung 


Über  Citiic/iiijiijiiia  ijadifiniic  iio\.  ^t'ii.  et  siuc.  und  Mifidliodcs  etc.         29  i 

(IcrsellHMi  /Hill  Ik'luile  genauerer  Uiitersiichiiiig-,  und  lasse  deren  Be- 
s(*hreil(unj>en  und  Abbildungen  bier  zunächst  folgen. 

Tal"..'),  Fig.  1  zeigt  in  seb\\aeber V'ergrößerMiig(et\va  um  die  i'op- 
pelte  Länge)  das  mil  Nr.  1174  bezeichnete  Stück,  das  in  gerüstetem 
rötblicbeniThoneisenstein  eingeschlossen,  demzulbige  selbst  von  weiß- 
licher Farbe,  allerdings  das  kleinste  Exemplar  von  allen  ist,  aber  die  ganze 
(lestalt  sanimt  allen  Flossen  in  iiatürlicben  Umrissen  und  derart  woliler- 
liaÜen  zeigt,  daß  es  das  voilsläiidigslc  l>iid  eines  Aaml/iotics  gewahrt 
und   als   waiires   Prachtstück   gtilen  kann.   Es  gibt  die  Seilenansiclit 
des  Fisches,   \<in  dem  nur  die  Spitze  des  nberen  ('au(lalla|»|iens  und 
das  Scbiiauzenende  vom   vordem   Aiigenrande  angelangen  Iclilt.   Die 
Totallänge  beträgt  zwar  sebeiiibar  nur  2  '  2'",   ist  aber  in  VVirklicli- 
keit  etwas  größer,  da  der  Fiseli  in  seliw  acbgekrümmler  Lage  und  mit 
der    VVtilbung  des   Hauclies  iiaeli  abwärts   und    etwas   eingi-bogeiiem 
liiicken  abgedruckt  ist.  I)ie  grüüsle  llidie  über  dem  Stachel  iler  Baueh- 
Ibtssen  ist    ö'/^nial   in   der  Tülallänge   begrilVeii,   die   Kopttänge  V(tm 
Vurdern  Augenramie  bis  zum  vScbiilterkiioehen  beträgt  nahezu  V'4 seiner 
Länge,   die  Höhe  des  Schwanzslieles  vor  der  Candale  ist  der  halben 
Kiirperhöhe  beinahe  gleich,  die  Höhe  am  llinterhaupte  etwas  geringer 
als  die  größte  Körperhöhe.   Der  Durchmesser  des  kreisrunden  Auges 
beträgt  fast  '/^  der  Koplläiige,   es  steht  nahe  dem  Scheitelfu-olile  drei 
Diameter  von  der  Kiemenspalte  entfernt  inul  war  daher  der  kurzen 
abgerundeten  Schnauze  bedeutend  näher.   Sehr  gut  eriialten  sind  die 
Kiemenbügen  sammt  Bechenzähnen,  uml   zwar  von  beiden  Seiten  in 
der  Zahl  von  vier  abgedrückt,  nebst  den  dünnen  und  langen  am  Ende 
etwas  verbreiterten  Zungenbeinhörnern  und  den  zablreiclien  an  sie  sich 
anheftenden   kurzen    dünnen    Kiemenstrahlen;    ferner    die    Scbulter- 
kiinehen  sanimt  den  Brusttlossenstacheln,  deren  zwei  vorhanden  sind, 
nämlich  der  bisher  allein  bekannte  längere  und  stärkere  am  äußern 
Flossenrande,  dessen  Länge  hier  fast  5"  beträgt,  und  ein  zweiter  kür- 
zerer und  schwächerer  am  Innenrande  der  Flosse.  Doch  werde  ich  aus- 
führlicher über  das  Kiemengerüst  und  die  Brusltlossen  bei  den  folgenden 
größeren  Exemplaren  noch  zu  sprechen  kommen.   Der  \'enti  alstachel 
ist  hier  kaum  2"  lang  und  o'"  weit  vom  groß>en  Pectoralstaeliel  eiil- 
lernt  und  steht  ganz  am  Bauchrande.   Etwa   J)  "  hinter  ihm  ragt  der 
Analstachel  nach  abwärts  vor,  der  nächst  den  Pecloralen  der  läimste 
(kaum    1"  kürzer)  und  etwas  dünner  ist.   Die  Länge  i\cs  Scliuaiiz- 
stückes  liiiiter  ihn,  bis  zur  l'üsis  des  untern  ('andaljappcn^  koiiiiiit  der 


292  Kner. 

vorhandenen  Koptlänge  fast  gleich.  Der  bedeutend  kürzere  Dorsal- 
stachei  steht  um  2"  näher  dem  Schwänze,  so  daß  sein  Abstand  von 
der  Basis  des  oberen  Caudallappens  bloß  bei   5"  beträgt.  Nur  hinter 
dein  Dorsalstaehel  sind  noch  Spuren  weicher  Flossenstrahlen  zu   er- 
kennen;  der  untere  in  eine  Spitze  auslaufende  Caudallappen  ist  voll- 
sländig,  der  längere  obere  nur  tiieilweise  erhalten.  Die  Scliujipen  be- 
deckten nicht  nur  den  ganzen  Rumpf  samnit  Caudale,  sondern  auch 
den  Kopf,  wie  sich  an  dem  Verlauf  der  Seitenlinien  und  Kopfcanäle 
entnehmen    läßt    und   sämmtliche    Flossen    bis    an  den    Saum;    sie 
nehmen  an  den  Seiten  des  Schwanzes  bedeutend  an  Größe  zu,  doch 
sind  sie  durchwegs  zu  klein,  um  bei  diesem  Exemplare  nähere  An- 
gaben zu  gestatten.  Was  den  Verlauf  der  Kopfcanäle  und  Seitenlinien 
betrilft,  so  geht  ein  Zweig  zunächst  vorne  über  das  Auge  und  es  hat 
hier  sogar  den  Anschein,  als  ob   über  das  obere  Auge  zwei  solche, 
Zweige  verliefen,  der  eine  dem  obern  der  andere  dem  untern  Augen- 
rande genähert;  doch  kann  dieß  wohl  Täuschung  sein  und  der  untere 
Zweig   der   supraorbitale    des  zweiten   tiefer   liegenden  Auges   sein. 
Bald  liinter  dem  Auge  verschwinden  beide  Zweige,  dagegen  wird  als- 
bald der  Verlauf  der  oberen  Seitenlinie  deutlich,  und  zwar  anfangs 
nahe  dem  Profil  des  Hinterkopfes,  dann  aber  biegt  er  rasch  gegen 
die  Schultcrknochen  herab  und  zieht  dann  anfangs  dem  Rückenprofil 
genähert  mit  leichten  Schwankungen  über  iialber  Kürperliöhe  bis  zu 
Ende  der  Dorsale;   erst  am  Schwanzstiele  senkt  er  sich  zur  halben 
Höhe  herab  und  läßt  sich  dann  bis  in  den  Winkel  der  beiden  Caudal- 
lappen verfolgen.  Eine  zweite  Seitenlinie  beginnt  gerade  hinter  dem 
Schulterknochen,  die   dann   dem  Bauchrande  parallel  bis  über  den 
Analstachel  (!'"  über  ihm)   zurück  verläuft  und  hinter  diesem  sich 
plötzlich    zum    untern    Profilrande   senkt  und   in   halber  Länge  des 
lliissenfreien  Schwanzstieles  verschwindet.  Eine  dritte  Linie  verläuft 
vom  Pectoralstacbel  angefangen,  hart  am  Bauebrande,  ist  aber  nur 
bis  zum    Ventralstachel  deutlich,   und   scheint  bald  hinter   ihm    ihr 
Ende  zu  erreichen,  Mas  jedoch  nicht  genau  zu  erkennen  ist,  weil  die 
ganze  Bauchgegend  vom  Ventral-  iiis  zum  Analstachel  von  Abdrücken 
organischer  Reste  dicht  besetzt  wird,  die  eine  nähere  Beachtung  und 
Erörterung  verdienen.   Sie  liegen  in  einer  Doppelreihe  dicht  hinter 
und  übereinander  inid   nur  zunächst  der  nahe  vor  der  Anale  gelegen 
gewesenen  Art.TnirMidiint,^  in  einfacher  Reihe.   Dr.   Weiß  erklärte  sie 
für  die  Schalen  einer  Ealhcria,  die  er  als ^J.s^Ä.  ^6V/<?//a  bezeichnet  n\n\ 


ÜI)Pr  Cnnclinpnma  (/ndl forme  nov.  gen.  et  spec.  und  Avanlhodex  etc.         ÄtI«) 

die  ziemlich  liäiifiir  neben  ^<Y«/Mo^/t\9-ExempIareri  in  den  Lebacher 
Schiebten  sich  vorfinden  soll  ').  Ffält  man  an  der  Dentunj?  dieser 
Einschlüsse  als  Überreste  von  Estherien  fest,  so  ergibt  sich  dann  als 
nothwendige  Sehlnßfolgerung,  daß  Estheria  tenella  zur  Nahrung  für 
Acanthodes  eben  so  diente,  wie  dieser  nicht  selten  als  Beute  dem 
Xenacanthns  Decheiiii  verfiel;  aber  auch  dann  dürften  etwa  folgende 
Punkte  kaum  ohne  hypothetische  Annahmen  zu  erklären  sein.  Wenn 
die  Estherien  wirklicli  als  Nahrungsmaterial  benützt  wurden,  wie 
konnten  sie  sich  mit  ihren  zarten  dünnen  Schalen  noch  am  Ende  des 
Darnicanales  so  unversehrt  erhalten,  daß  man  nicht  bJotJ»  ibre  ganze 
Form,  sondern  selbst  noch  Spuren  <les  Thieres  durch  sie  erkennen 
kiinn?  Dies  würde  eine  wohl  sehr  unwahrscheinliche,  äußerst  langsame 
Verdauung  voraussetzen,  da  die  Schalen  bis  zunächst  dem  After  noch 
unversehrt  sich  zeigen.  Weßhalb  wurde  die  zarte  Schale  nicht  ver- 
daut oder  wenigstens  zerbrochen  und  wie  erklärt  sich,  daß  sie  noch 
so  weit  hinten  in  regelmäßiger  Doppelreihe  übereinander  dicht  ge- 
lagert sind?  Diese  Lagerung  setzt  jedenfalls  nicht  nur  einen  noch  bis 
zum  Ende  weiten,  sondern  auch  geradlinig  verlaufenden  Darmcanal 
voraus,  bei  welchem  nicht  füglich  an  eine  Spiralklappe  zu  denken 
ist,  höchstens  an  ring-  oder  kreisförmige,  deren  allerdings  auch  bei 
lebeiulen  Fischen  sich  vorfinden.  Das  Gewicht  aller  dieser  Bedenken 
bewog  mich,  auf  eine  andere  Deutung  jener  ohne  Zweifel  organischen 


')  nie  Gattung  £s<Äerio  wird  von  B  ii  r  in  e  i  s  t  e  r  ,  als  zunächst  verwamU  u\\i  Limnadia 
den  Phyllopoden  beig-ezählt;  ob  sie  wirklich  diesen  oder  den  Ostracoden  {Isaura, 
Jassa)  näher  steht,  dürfte  wenijjstens  bei  dieser  fossilen  Form  nicht  zu  ermitteln 
sein.  Der  Form  ihrer  Schale  nach  wurde  üiirigens  Estheria  auch  zu  den  Muscheln 
gerechnet  und  namentlich  Quenstedt  führt  in  der  neuen  Auflage  seines  Hand- 
buches der  Petrefactenkunde  die  Lehacher-Art  als  Posidonoinya  tenella  an.  Nach- 
träjjlich  schickte  mir  Dr.  Weiß  ein  Fundstück  mit  diesen  Estherien  und  ich 
überzeugte  mich,  daß  die  Form  der  Schale  und  ihre  concentrische  Furchung  in 
derThat  aufl'allend  mit  jenen  der  Einschlüsse  in  der  Bauchhöhle  Aes  Aeanthodes  üher- 
einstiiniiit ,  doch  veru)ochte  ich  gerade  an  diesen  keine  Spur  des  im  Ahdrucke 
4lurch  die  dünne  Schale  durchschimmernden  Thieres  selbst  zu  erkennen  ,  während 
ich  bei  mehren  der  in  den  Acanthodes  eingeschlossenen  Exemplare  Theilc  des 
Thieres  selbst  unter  der  Schale  durchschimmern  zu  sehen  glaube.  Tiamenilich  die 
dicken  und  langen  Fühler  und  einige  Bauchringe.  Bei  Vergleichung  mit  der 
lebenden  Jassa  pcluf/ica  linde  ich  heziiglieh  der  Formähnlichkeit  der  Schale  große 
Ähnlichkeit  uiit  dieser  mulliuialMicIien  IC.sl/itria  tenella,  clie  nur  etwa  um  die  Hälfte 
liIciiiiM    als  Jassa  war. 


29;  K.MT. 

Eiiisclilüsst'  zu  simirii.  Es  regle  sieli  in  mir  die  \  enmiilmiig,  ob  sie 
iiielit  elwa  die  Abdrücke  von  eingerollten  Nematoden  (Spiropteren) 
sein  kiliiiiteii.  Bekanntlich  linden  sich  nicht  selten  Fische  vor,  deren 
Darm  an  der  Anßenwainl  dicht  mit  Heilien  spiropterenälinlicher  Nema- 
toden besetzt  ist.  wie  dies  nanienliicji  bei  Lepidopus  derart  häniiy 
ist,  (lal's  man  sie  last  bei  allen  Individnen  niassenhalt  vorfand 
nnd  zwar  ebenralls  in  zwei  oder  mehr  Längsreihen  übereinander 
sitzend  ').  Dieconcentrischen  Furchen  der  angei)liclien  Estheriens<-halen 
machen  nahezn  den  Eindruck  von  Spiralwindiingen  nnd  weder  der 
Silz  noch  die  Lagerung  oder  Größe  der  einzelnen  (lebilde  würden 
gegen  diese  N'ei'muthnng  ein  namhalles  Bedenken  bilden  und  selbst 
nicli!  die  W'eichlieil  eines  solchen  Wurmes,  da  sich  gerade  bei  diesem 
kleinen  Aiutiilliodea  sogar  die  zartesten  Theile  des  Kiemenaj)parates 
so  vorzüglich  abdrückten.  Wesentlich  bedenklich  erscheint  da- 
gegen niu",  daß  man  die  Spiridtouren  nicht  ringsherum  verfolgen, 
sondern  meist  nur  die  halben  Umgänge  nachweisen  kann,  daß  wirklich 
Esthericn  häiilig  neben  Acmithodea  abgedrückt  vorkommen  nnd  daß 
man  unter  den  concentrischen  Furchen  der  hier  im  Darme  einge- 
schlossenen Schalen  noch  Spuren,  tVcilich  undeutliche,  des  geglie- 
derli-n  Tliieres  selbst  durchschimniern  si(  lit.  Jedenfalls  erscheinen 
diese  Einschlüße  von  Interesse,  welche  Deutung  man  ihnen  auch 
immerhin  geben  will. 

Die  zwei  (jcgonplatten  einer  Eisennierc  sub  Nr.  1200  enl halten 
in  senkrechlem  Durchschnitte  den  Kopf  und  Vorderrumpf  eines  großen 
liidivitluums  und  zwar  mit  den  Schullerknochen  und  Stacheln  beider 
Brusttlossen,so  daß  der  V'orderrumpf  von  unten,  der  Kopf  aber  von  der 
Seite  abgedruckt  erscheint.  Die  Länge  des  Kopfes  vom  vordem  noch 
siclil baren  Sehnauzenendc  bis  zum  Schulterknoehen  beträgt  4"  3'", 
die  Höhe  i\vs  Kopfes  vom  Ende  {\{ii>  llnlerkiel'ers  senkrechl  aufwärls 
ist  nur  wenig  geringer  (4"  \").  Tal.  VI,  Fig.  1  zeigt  die  Abbildung  in 
n;;liirlielier  (Jröße,  da  dieses  Stück  besonders  lehrreich  ist,  indem 
namentlich  der  starke  und  lange  Unterkieler,  das  Kiemengerüst  mil 
(vier  vielleicht  fünf)  Kiemenbogen  und  die  Hechenzähne  vorzüglich 
erhallen  sind;  auch  lassen  sich  feine  Spilzzähne  am  Kieferrande  e;- 
kennen  und  besonders  beachtenswerlh  ist.  daÜN  jede  Brusltlosse  nicht 


<)   Auch   iliis  /,(M)I()f;isi-Ii('   MiisiMitn   dtT  liiMtM-siliil    licwalirt    i-iiu-ii   solduMi  I.rpiilnpus- 
iJarin. 


\ 


über  Cni'chnpiitna  i/nilifarmr  nnv.  «-on.  et  spec.  mnl  Acntilhodes  etc.  .^"5 

bloß  am  iitilM-ni  Rande  einen  fj'"'"^^^*"  langen  Slacl  el  triitj,  sondern 
einen  älinliclien,  nur  selnvächern,  aneli  atn  inneni  Rande  und  da(i 
zwischen  beiden  die  iiherseliup|ite  Klossenhaut  mit  kurzen  aber  zald- 
reieben  Strablenelenienlen,  entweder  wirklich  gegliederten  oder  nur 
faserigen  Strahlen  versehen  war.  Durch  das  N'orliandensein  eines 
äußern  und  inncrn  l'ectnralstacliels .  vuii  dem  sclion  das  kleine 
Exemplar  Tat'.  V,  Fig.  1  Zeu;:ni(5i  gab,  errinnerl  diese  Gattung 
einigermaßen  an  die  lebende  (Jattung  Teuthis  oder  Amphucanthus, 
nur  daß  bei  dieser  der  äußere  und  innere  Strahl  der  Bauch  flössen 
ein  Stachel  ist.  hei  Acmithodex  hingegen  in  den  Brustflossen. 

Die  Länge  iles  slai'keu  [^nterkielers  beträgt  hier  2'/V«  seine 
Hidie  am  liiuleren  Knde  5  und  ganz  zuletzt  6";  er  war  nicht  länger 
als  i\K'v  (diere  Kieler  und  nur  schwach  nach  aufwärts  gebogen;  beide 
Kieferränder,  der  untere  und  obere  (Hb  ein  gesonderter  Zwischeu- 
kiefer  vorhanden  war,  ist  nicht  zu  ermitteln)  trugen  feine  kleine 
Spitzzähue  in  ziemlich  dichter  Reihe.  Die  Weite  der  Mundspalte  ist 
nicht  hesiimmbar,  doch  sicher  scheint,  daß  ein  knöcherner  Gaumen 
sammt  N'onier  und  ein  eben  solches  Kiefersuspensorium  vorhanden 
war,  wie  auch,  daß  die  Kiemenbogen,  wie  bei  vielen  Clupeiden,  sehr 
weil  in  die  Mundhiihle  vorragten  und  daß  an  das  kurze  Zungenhein 
sich  lange  dünne  H(irner  anhefteten,  die  bis  unter  das  Ende  des 
Oberkiefers  reichten  und  mit  zahlreichen  kurzen  und  dünnen  Kiemen- 
strahlen, besetzt  waren.  Da  hier  die  Zuugenheiuliiirner  knapp 
an  den  Unterkiefer  anliegen,  so  sind  aucli  hier  die  Kiemeu- 
strableu  nicht  zu  sehen.  Hinter  dem  Ende  des  Unterkiefers  legte  sicli 
ein  starker  und  ziemlich  hoher  Knochen  an,  der  vielleicht  dem 
Quadralo-jugale  entsprach  und  unter  und  hinter  dem  die  Abdrücke 
der  Kiemenbogen  und  Rechenzähne  folgen.  Die  breiten  rinnenarlig 
ausgehrdilten  Slücke  der  Kiemenbogen  sind  zum  Theile  voi'trcITlich 
erhalten  und  zwar  liegen  deren  vier  (vielleicht  S'(\n()  hinter  einander: 
an  ihrer  Norder-  und  liineuseile  sitzen  die  zalilreichen  langenRechen- 
zähiie  auf,  die  flache,  klingentörmige  Gebilde  darstellen,  mit  längs-' 
gefurchter  Oherfläche  und  freier  nach  vorne  gerichteter  Spitze  ( Fig.  1  a^. 
Am  Rande  des  aufsteigenden  Stückes  des  vierten  Kiemenhogens  zählt 
man  Ins  zum  Winkel,  wo  selbes  nach  vorne  UMd)icgt,  14 — 1i>  S(dche 
messertormige  Rechenzähne,  von  denen  die  längsten  '^'/o  "  erreichen 
und  am  dritten  noch  längeren  Kiemenbogen  eheinlaselbst  über  20. 
Da  der  ganze  Kopf  schief  ins  Gestein  eingesenkt  ist,  so  bekommt  man 


296  K  n  .  r. 

auch  noch  einen  Tlu'il  (h-r  Kicnienhüj^cn  der  anderen  (reehlen)  Seite 
zu  sehen.  —  Der  Obertheil  des  Scliädels  sammt  dem  Augen i-inge  ist 
sehr  /erstört,  doch  machen  Bruchstücke  von  Knochen  gewilJi,  dit(5> 
auch  entweder  Deckknochen  oder  doch  eine  knöcherne  Schiidelkapsel 
vorlianden  war.  Zufolge  der  schielen  Lage  des  Kopfes  dürften  nahe 
dem  Stirnprotije  die  Abdrücke  heider  Augen  übereinander  zu  er- 
kennen sein;  doeh  bleibt  die  Deutung  dieser  ganzen  Parthie  des 
Kopfes  unsicher.  Unmitteliiar  an  <las  Ende  des  Kiemenapparates 
schließen  sich  die  starken  Schulterknochen  der  beiden  Brusttlossen  an. 
Auch  hier  bildet  wie  stets  der  starke  Stachel  des  äußern  Randes  der 
Flosse  mit  dem  röhrigen  Schulterknochen  einen  rechten  Winkel.  Die 
Länge  des  letztern  beträgt  hier  fast  genau  1 ",  seine  Dicke  in  der  Mitte 
2"',  an  d(!m  breitern  Ende,  mit  dem  er  an  den  Stachel  grenzt,  aber 
5'";  sein  anderes  Ende  scheint  frei  in  zwei  Spitzen  auszulaufen, 
keinen  Gelenkkopf  besessen  und  lose  im  Fleische  gesteckt  zu  haben; 
wie  (ließ  auch  wohl  mit  den  Stacheln  selbst  der  Fall  war.  Der  große 
Pectoralstachel  ist  zwar  nur  einerseits  theilweise  erhalten,  abei'  sehr 
kräftig,  näiidic!.  über  2 'Z^'"  breit,  bei  einer  Länge  von  1"  5'",  längs  der 
Mitte  gekielt  und  beiderseits  des  Kieles  gefurcht.  An  seinem  InnenramI 
und  längs  des  Schulterknochens  reihen  sich  dann  in  der  Breite  von 
7 — l^lz"  die  zahlreichen  Abdrücke  bis  7"  langer  strahlenähnlichen 
Gebilde  an,  die  scln\erlicli  gegliederte,  sondern  einfache  Faser- 
strahlen waren  und  wie  bei  faserstrahligen  Flossen  in  die  über- 
schuppte Flosseniiaut  eingesenkt  waren. 

Auch  die  Gegenplatten  Nr.  1201  (auf  Taf.  VIII)  umfassen  den  Kopf 
und  einen  großen  Theil  des  Rumpfes  bis  zur  Dorsale  von  einem  nur 
wenig  kleineren  Individuum,  dessen  Koptlänge  ebenfalls  4"  betrug  und 
der  einige  hübsche  Details  zur  Anschauung  bringt.  Das  vermuthliche 
Zungenheinhorn  liegt  hier  frei  neben  dem  Futerkiefer  und  liinterdessen 
oberen  Rande  sind  zahlreiche  dünne  Kiemensti-ahlen  zei-slreut  umher- 
gelagert. Es  zeigt  sich,  daß  der  Unterkiefer  nur  sanft  gebogen  und 
nicht  länger  als  der  obere  war  und  am  Rande  feine  Spitzzäline  trug; 
zur  Bildung  des  obern  Mundrandes  scheinen  Zwischen-  und  Oberkiefer 
beigetragen  zu  haben  und  erstcrer  etwa  7'",  letzterer  8'"  lang  gewe- 
sen zu  sein;  das  vordere  Ende  des  Oberkiefers  war  nur  wenig  liTdier 
als  V" ,  das  hinlere  breitere  über  2'";  die  ganze  Länge  der  Mund- 
spalte betrug  an  tiem  vorliegenden  Exemplare  nahezu  1"  2'",  die 
Länge  des  Unterkiefers  volle  2".  Zähne  am  Zwischen-  und  Oberkiefer 


l'lipf  Cijiuhiipouia  (fadi forme  iiov.  sfii.  et  spec.  iiiii]  AcuiUhodcs  clo.  /t\)  t 

sind  nicht  ei-kcmiliar".  Dit;  KieinciiboGfon  rt'iclitcii  his  i;t'H('ti  den  Auraiiu; 
des  OhorkielVi's  iittcli  vorwärls.  Das  Profil  der  Scliiiaiize  bildeU'  bis 
zum  crliabendsten  Scheitelpunkte  ein  Bogensegment.  Die  größte 
Koptliöhe  daselbst  hinter  den  Augen  maß  21/3".  Die  Augen  standen 
nahe  dem  Schnauzenrande  und  sind,  da  der  Kopf  stark  ineijuetscht 
wurde,  liier  beide  durch  die  theihveise  erhaltenen,  gewölbten 
kuiichernen  Augenringe,  deren  Oberfläche  feinkörnig  war,  kenntlich. 
Der  Längsdurchmesser  des  unteren  Augenrandes  (d.  h.  des  iinkenj 
beträgt  über  '/o",  der  Abstand  vom  andern  hier  ganz  nahe  am  obern 
Profilraude  sichtbaren  oder  die  scheinhare  Stirnbreite  zwischen  beiden 
etwa  5'".  Hinter  den  Augenringen  deckten  den  Scheitel  wahr- 
sclieinlich  ebenfalls  ki'irnig  rauhe  Schilder,  deren  Zahl  und  Umrisse 
aber  unsicher  bleiben  (auch  Römer  bildet  deren  ab).  Der  Abdruck 
des  Kiemengerüstes  und  der  Rechenzähne  ist  hier  wenig  deutlich, 
gut  sind  hingegen  wiederdie  beiden  Brustflossenstacheln,  von  denen  der 
eine  21/3"  lange  und  1 '/a'"  breite  sich  eng  an  Atw  Scliulterknochen 
anlegt  und  unter  sich  zahlreiche  Faserstrahlen  zeigt;  der  andere, 
dessen  Spitze  abgebrochen,  aber  etwas  entfernt  vom  Schulterknochen 
liegt  und  dessen  festsitzendes,  in  die  Flossenhaut  eingesenktes  Ende 
ohne  Spur  einer  Gelenkverdickung  in  eine  schief  abgestutzte  dünne 
Spitze  ausläuft;  auch  neben  ihm  sind  Faserstrahlen  sichtbar,  der 
zweite  innere  Pectoralstachel  jedoch  fehlt  an  beiden  Flossen.  Ob  das 
weit  zurück  am  Rande  des  Rumpfes  aus  der  Haut  vortretende  kurze 
Stachelfragment,  der  Dorsale  oder  Anale  angehörte,  läßt  sich  bei  der 
stark  verdrehten  Lage  des  Rumpfes  nicht  entscheiden.  Von  den 
Seitenlinien  sind  theihveise  Ale  beiden  oberen  zu  erkennen,  und  zwar 
wird  die  mittlere  nur  durch  eine  Furche  bezeichnet,  welche  nach 
oben  und  unten  von  viereckigen,  nur  etwas  größeren  und  aufstehenden 
Schuppen  eingesäumt  wird,  die  nicht  bloß  an  ihrer  äußeren  emailirteu 
und  glänzenden  Oberfläche  mehr  weniger  gewölbt  sind,  sondern  sich 
häufig  in  eine  niedere  Spitze  oder  einen  excentrischen  Höcker  erheben. 
Mit  den  Nummern  1202  und  1203  sind  zwei  sehr  instructivc 
Schwanzstücke  bezeichnet,  aus  denen  ersichtlich  wird,  daß  die  Schwanz 
flösse  nicht  blos  mit  einer  starken  skeletlichen  Grundlage,  sondern  auch 
entweder  mit  weichen  Glieder-  oder  nur  mit  Faserstrahlen  ringsum 
versehen  war.  Die  Länge  des  einen  größern  Stückes  Tat".  VII,  Fig.  1, 
beträgt  J)"  3",  doch  fehlt  noch  die  äußerste  Spitze  des  obern  längeren 
und    schmäleren    liappens.   Die   Höhe    der  Caiidale  mißt  5"  und  fast 


K  n 


clienso  vifl  die  IJirih'  des  mitcrn  Lappens,  während  die  des  ohern 
Lappens  soueil  er  erhallen  isl,  niu-  1"  2'"  beträgt.  Das  Individnuni, 
dem  diese  Fhisse  angehörte,  war  daher  von  besonderer  GrütJte,  die 
Höhe  des  vSchwanzstieles  vor  Beginn  der  fandale  niilJ»t  1"  10".  War 
nun  diese,  sowie  bei  dem  kh'inslen  Exeniphire  aneh.  (h'r  iialhen  Ki>r- 
perhi'die  nahezu  gh'ieh,  so  iä(U  dies,  da  die  grölMe  Hohe  meistens 
,^'/:.nial  in  der  Gesainmthinge  enthalten  war,  auf  eine  Totallänge  von 
18  —  20"  wenigstens  sehliel^en,  und  es  dürfte  somit  alle  bekannten 
Individuen  an  (irölje  iibertrolVen  haben.  Das  zweite  etwas  kürzere 
Stück  Tat",  V,  Fig.  2,  slanunte  von  einem  nur  wenig  kleineren 
fiidividuum.  Beide  Stücke  machen  crsichllich,  dalJi  die  Chorda, 
wie  bei  ächten  (lanoiilen  und  Squaliden,  durch  den  längern  und 
selimälcrn  ohern  t'audallappen  bis  nahe  zu  dessen  Spitze  sich 
erstreckte ,  dalJi  knöcherne  Wirbelelemente  w  eiter  vorne  sränzlich 
fehllen  und  daß  solche  erst  vor  Ende  der  Chorda  bei  ihrem  Ein- 
tritte in  die  Flosse  auftraten.  Zwischen  die  hier  ziendicb  großen 
quadratischen  und  dicken  Schuppen,  die  den  ganzen  Schwanz 
und  die  Flosse  bis  an  den  Saum  überdecken,  eingebettet  liegt  längs 
des  (diern  Randes  der  Ch(u-da  eine  [leihe  von  14 — ^15  länglich  rhom- 
bischen Schildern,  die  als  Schindeln  das  Rückenmarksende  von 
nhcn  deckten,  während  iiiilerhalb  desselben  von  der  fjostreuunngs- 
slelle  des  untern  [^appeus  kni'ichcrne  untere  Rogeuschenkel  zur  Enl- 
w  icklung  kommen,  die  als  h(dilc.  kurze  aber  weite  |{öhren  in  gleicher 
Zahl  wie  jene  vorkauten  und  die  meines  Eraclilens  nicht  sowohl  als 
untere  Dorid'ortsätze,  wie  vielmehr  als  Sirahlenträger  für  den  unteren 
Caudallappen  fungirten.  Solcher  Rogenscbenkel  und  Strahlenträger  sind 
l)ei  Iteidcn  Exemplaren  im  Ganzen  12  zu  zählen,  v(mi  denen  die  vier 
letzten  kürzer  als  die  vorhergehemlen  sind  und  weiler  von  ihnen  und 
zwar  in  ungleichen  Zwischenräumen,  abstehen.  Auf  sie  folgten  dann  erst 
bis  zum  Saume  des  Caudallap[)ens  die  zahlreichen  langen  und  dünnen 
Faserstrahlen.  .Amobern  Caudallappen  fehlen  Rogenschenkel  und  Strah- 
lenträger, doch  gewahrt  man  auch  hier  dünne  Faserstrahleu  unter  den 
Schup|)en  der  sie  üherkleidenden  Haut.  —  Die  Schuppen  erscheinen 
hier  fast  glei{;h  dick  wie  hoch  und  lang,  und  die  lueislen  au  der  Ober- 
fläche convex.  Sie  liatleu  daher  eine  fast  kubische  Geslall  und  lagen 
derart  in  schiefen  Reihen,  daß  nuui  sie  nicht  imiiassend  mit  den 
Granitwürfeln  des  Wiener  Straßenptlasters  oder  wie  R(imer  mit 
Mosaiksteinchen  vergleichen  kann. 


über   Cniicfiapowfi  (ja<Ufi>riiie  nov.   ^i'H.   t-t   spcr.   iiTi.l  Acuiilhiiilrs  etc.  .l\S\) 

Zwei  (;("i;('ii|»lj(ll('n  siil>  Nr.  1204,  die  den  Abdruck  eines 
l{iiiii|irslfi('k('s  imhI  /.\v;ir  des  Vorderrmn|ifes  bis  hinter  den  l)ni-s:il- 
iiiid  AiKilslacliel  eiitli;dt('ii.  jedoeli  keine  Spur  nielir  von  den  Kru^t- 
tlossen,  sind  noch  insbesondere  erwiibnensw  ertb  we^en  der  l>esebu[t- 
piing  der  beiden  Seitenlinien  und  der  unter  der  Haut  dnrebsebirnniernden 
Abdrüeke  der  seitliehen  großen  Rumpfmuskeln,  wie  sie  auf  Taf.  V'II, 
Fig.  2  dargestellt  sind.  Die  Lagerung  der  Muskelbündel,  aus  denen 
sie  bestellen,  in  zwei  fjängsreiheu  übereinander,  die  sieh  unter  Win- 
keln schneiden,  deren  Spitze  naeJi  vorwärts  sieht,  ist  genau  dieselbe 
wie  bei  lebenden  Fischen.  Diese  großen  Muskelscbichten  bilden  mit 
zwei  schiefen  Längsreiben  kleinerer  Muskelbündel,  deren  die  obere 
längs  des  Rückens,  die  untere  des  Bauches  verlauft,  deutliche  Zick- 
zacklinien. Die  zwischen  den  beiden  mittleren  oder  Hauptreihen  dieser 
Muskelscbichten  befindliche  Trenuungsfurche,  in  der  sie  fast  unter 
rechten  Winkeln  an  einander  stoßen,  verlauft  längs  der  Seilen  des 
Rumpfes  gerade  da  wo  über  ihr  die  obere  Seitenlinie  hinzieht,  wäh- 
rend die  zweite  Seitenlinie  mindestens  7 '"  tiefer  dem  Hauchrande 
genähert  verläuft  und  indem  sie  sich  vorne  noch  mehr  senkt,  sich 
noch  weiter  von  ihr  entfernt.  Sogar  die  Sehnen  zwischen  den  ein- 
zelnen Muskelbündeln  sind  tbeilweise  im  Abdruck  zu  erkennen,  so 
daß  es  stellenweise  scheint,  als  wären  Abdrücke  von  Rippen  sichtbar, 
die  jedocIi  ganz  siclier  lehlteu.  Sowohl  hinter  dem  Dorsal-  m  ie  dem 
Analstachel  ist  die  völlig  überschuppte  Flossenhaut  als  breiter  Lappen 
sammt  den  eingesenkten  Faserstrahlen  zu  erkennen  und  auch  der 
Verlauf  der  dritten  Seitenlinie  noch  tlieilweise  zu  verfolgen.  Gerade 
der  Mangel  eines  knöchernen  Skeletes  und  die  dadurch  bedingte 
Weichheit  des  Rumpfes  und  die  ausnehmend  kleinen  Schuppen, 
welche  auch  den  ganzen  Kopf  überdeckten,  machen  erklärlich,  wie 
sich  nicht  blos  das  Kiemengerüste  mit  allen  Rechenzähnen,  sondern 
auch  die  Abdrücke  der  Rumj)fmuskeln  so  deutlich  erhalten  konnten. 
Aus  ticn  vorstehenden  Beschreibungen  und  Abbildungen  ergibt 
sich  nmi  nicht  Itlos  ein  vollständigeres  Gesammtbild  der  (Jattung, 
sondern  auch,  dal's  alle  früheren  Angaben  und  Darstellungen  mehr 
oder  minder  mangelhaft  oder  unrichtig  waren  und  daß  der  Charakter 
der  Gattung  nicht  unwesentliche  Modificationen  erfahren  muß.  \\  as 
zimächst  die  ideale  Figur  1  auf  PI.  a  in  den  Recherch.  tom.  I  von 
Agassiz  betrifft,  so  ist  diese  vielfach  unrichtig;  der  Unterkiefer 
steht  zu  weit  vor.  die  Flossenverhältnisse  sind  verfehlt,  die  Rauch- 


300  Kne. 

flössen  ganz  vergessen,  vom  Kiemengeriistc  so  wenig  eine  Andentnng. 
wie  von  einer  skeletlielien  Grnndlage.  Prof.  Quenstedt's  An- 
galien in  seiiM'in  Handhuclie  der  Peti-et'actenknnde,  Tühing.  1851 
sind  nnr  kinv,  nnd  die  Al)l)ildnngen  von  Arjoithod.  Brmi/ni  auf"  Taf.  15 
ziendieli  unklar,  doch  deutet  er  vieUaeli  richtiger  als  namentlich 
Prof.  Ferd.  Römer,  der  zwar  die  ausführlichsten  Angahen  und  die 
am  schiinslen  au!^geführt«Ml  Abbildungen  h'eferte,  aber  häufig  minder 
gut  deutet  und  hierin  in  vielen  Punkten  auch  von  Prof.  H.  Troschel 
übertreffen  wird.  Letzterer  gibt  in  den  Verhandlungen  des  natur- 
bistorischen  V^ereins  fürRheinlande  und  Westphalen  XIV.  Jahrg.  neue 
Folge  IV  ganz  richtig  an:  das  Veriiiiltniß  der  Kopf-  zur  Totailänge, 
dalJ»  die  Schnauze  kurz  und  der  Kopf  nicht  deprefJt  war,  ferner  die 
Form  der  Schuppen  und  den  Verlauf  der  Seitenlinien.  Nur  ist  Fig.  3 
auf  Taf.  1  in  dieser  Beziehung  nicht  gut;  übrigens  machen  alle  Figu- 
ren auf  Taf.  1  keinen  Anspruch  auf  Genauigkeit,  besonders  Fig.  1 
zufolge  der  Seitenlinien  und  der  Flossenhäute,  Fig.  6  dagegen  wegen 
des  Brustflossenstachels  und  der  Faserstrahlen.  Ziemlich  gut  ist  der 
Unterkiefer  in  Fig.  8  auf  Taf.  2  abgebildet  mit  dein  unten  fest  anlie- 
genden Zuiigenbeinhorne  und  den  Kiemenstrahlen  nebenbei;  auch 
die  Deutung  und  Darstellung  der  Rechenzähne  ist  gut.  Der  ausführlichen 
lieschreibung  t]eiiAcantho{les gracüis,  welche  Prof.  Ferd.  Römer  in 
der  deutschen  geologischen  Gesellschafts-Zeitschr.  1857  (über  Fische 
und  Pflanzen  führende  Mergelschiefer  des  Rothliegenden  bei  Klein- 
Neundorf,  besonders  über  Aca?ithodes  grncilis  =  Holacanthodea 
gmci/ls  lieyr.  Monatsber.  der  Berliner  Akad.  1848,  S.  24—33) 
lieferte,  sind  auf  Taf.  3,  f)  hübsch  ausgeführte  Abbildungen  beigege- 
ben, von  denen  Fig.  1  die  ideal  ergänzte  Abbildung  des  ganzen 
Fisches  zeigt  und  die  folgenden  Figuren  einzelne  Details  darstellen,  die 
viel  Richtiges  aber  auch  Falsches  enthalten.  Ganz  unrichlig  ist  der 
Kopf  dargestellt,  im  Ganzen  zu  klein  und  kurz,  namentlich  der  Mund 
schlecht,  das  Auge  zu  klein,  die  Form  der  Kiemenbogen  und  ihre 
Deutung  nicht  gelungen;  die  Kiemenstrahlen  werden  als  tischbein- 
artige Stäbchen  bezeichnet,  die  sich  schief  an  di(>  dünnen  Unterkie- 
feräste (meine  Zuiigenbeinhörncr)  anfügen.  Als  gut  sind  überhaupt 
von  allen  Figuren  zu  bezeichnen  Fig.  8  b  und  8  c,  als  vielfach  un- 
richtig Fig.  1  und  2,  als  unklar  oder  nur  Iheilweise  gelungen  Fig.  3, 
ö,  6,  7  und  9:  die  Kienienbogeii  und  Recheiizähiie  wurden  ungenü- 
gend erkannt,  ebenso  die  Seitenlinien,  und  die  Angabe,  dali  Zähne 


1 


Übel'  Conc/iopoiiiu  ijudifurme  iiov.  yi-ii.  et  spec.  uinl  Acuntlindcn  etc.  301 

fehlen,  erwies  sieh  eheiilalls  als  unrichtig.  Bezüj^lieh  der  Schuppen 
der  Seitenlinie  und  der  Form  des  Brusttlossenstachels  ist  Römer 's 
Abbildung  besser  als  jene  von  Troschel,  dagegen  ist  die  Flossen- 
haut hinter  der  Brust-  und  Afterflosse  wieder  bei  Römer  zu  lang  und 
groß,  die  mehrfachen  Seitenlinien  und  die  ungleiche  Grüße  der 
Schuppen  und  dieForm  der  Schwanzflosse  sind  ebenfalls  bei  Römer 
ungenau.  Romer's  Angaben  und  Figuren  beziehen  sich  zwar  zu- 
nächst auf  den  als  gracilis  bezeichneten  Acanthodes,  der  den  schwar- 
zen Schiefern  des  Rothliegenden  im  Rieseiigebirge,  insbesondere  von 
Klein-Neundorf  eigen  sein  und  sich  von  dem  Acanthodes  Bronnü 
Ag.  des  Saarbriickener  Gebirgs  unterscheiden  soll.  Römer  bezeich- 
net zwar  die  Übereinstimmung  zwischen  beiden  selbst  als  so  groß, 
daß  sich  nur  schwierig  specifische  Unterschiede  zwischen  ihnen  fest- 
halten lassen,  gleichwohl  aber  glaubt  er  mehrere  solche  angeben  zu 
können.  In  wieferne  selbe  verläßlich  und  stichhältig  sind,  dazu 
mögen  noch  folgende  Angaben  und  Bemerkungen  dienen. 

Römer  hebt  als  unterscheidende  Merkmale  des  Acanth.  gra- 
cilis von  Ac.  Bronnii  hervor:  die  schlankere  Totalgestalt,  etwas 
größere  Schuppen,  und  die  relativ  stärkeren  und  weniger  gebogenen 
Flossenstacheln;  die  Körperhöhe  gibt  er  auf  weniger  als  1/9  der  To- 
tallänge an  und  die  Länge  des  Kopfes  bis  zum  Schulterknochen  auf 
kaum  Ve ,  während  diese  bei  unseren  Lebacher  Exemplaren  minde- 
stens 1/4  der  Totallänge  beträgt.  Diesen  V^erhältnissen  nach,  wie  auch 
bezüglich  der  Entfernung  des  Ventralstachels  von  dem  pectoralen 
und  analen  ließe  sich  allerdings  mit  Recht  schließen,  daß  der  A. 
f/mcilis  von  Klein-Neundorf  von  den  Lebacher  Acanthoden  specifisch 
verschieden  sei  und  dafür  würde  auch  das  abweichende  Verhältniß 
des  obern  zum  untern  Caudallappen  und  die  Angabe  sprechen,  daß 
mit  Ausnahme  der  Augenringe,  der  schmalen  Unterkieferäste  und  der 
Schulterknochen  keine  Spur  eines  inneren  Skeletes  sich  vorfinde  und 
daß  auch  jede  Spur  von  Zahnen  in  den  Kiefern  fehle.  Erwiesen  sich 
alle  diese  Unterschiede  und  Angaben  wirklich  stichhältig,  so  ließe 
sich  an  wirklicher  Artverschiedenheit  um  so  weniger  zweifeln,  als 
noch  für  die  Lebacher  Acanthodes  das  oben  factisch  nachgewiesene 
Vorkommen  eines  zweiten  inneren  Pectoralstachels  und  einer  mehr- 
fachen Seitenlinie  als  hochwichtige  Unterscheidungsmerkmale  hinzu- 
kämen. Von  Römer  geschieht  allerdings  der  beiden  zuletzt  genannten 
Merkmalebei  ^c.  ^r.  keine  Erwähnung;  nebst  der  gewöhnlichen  Sei- 


o  0  2  K  11  e  r. 

li'iiliiue  erwähnt  tu- nur  noch  dernietlianen  an  dtü"  Hauclisoite,  hält  aber 
(las  Anl'treten  einer  zweiten  höher  liej^entlen  nur  l'iir  eine  Täuscliung, 
die  dadnreh  entslehe,  (la(!>  man  ilie  Seitenlinien  der  enlgegengesetz- 
(en  Seite  des  Fisches  diirchscliininiern  sehe.  Ans  dem  verschiedenen 
Anseilen,  welches  die  dicken  last  knhisciien  Schii|(pen  in  der  That 
an  ihrer  äußeren  oder  (dieren  und  der  glanzldsen  gewölbten  Unter- 
lläche  gewäiiren,  erkennt  man  allerdings  lei(dil  die  Schuppen  dir 
rechten  und  linken  Körperseite,  und  es  ist  in  V\  irklichkeit  nicht  sel- 
ten, daß  man  an  einem  und  demselben  Stücke  Schuppen  von  der 
rcclitt'n  und  linken  Körperiiälfte  erhallen  lindet.  Aber  gleichwohl 
licridil  die  Angabe  einer  doppelten  Seitenlinie  (nebst  einer  ventra- 
len) nicht,  wie  Römer  vermnthet,  auf  bloßer  Täuschung.  Römers 
\'ermuthung  ließe  sich  auch  kaum  mit  jener  Annahme  in  Einklang 
bringen,  daß  die  Dicke  des  Fisches,  d.  h.  der  Querdurchmesser  des 
Rumpfes  nicht  ganz  unbedeutend  gewesen  sein  nn'ige;  denn  obwohl 
es  ihn  berremdel ,  daß  von  den  Eingeweiden  und  W'eichtiieilen  sicli 
keine  Spin-  zwischen  der  besciiuppten  Haut  der  rechten  und  linken  Seile 
ei'halten  habe,  so  könne  docli,  wie  Römer  meint,  die  Dicke  des 
Rumpfes  deßhalb  nicht  gar  unbedeutend  gewesen  sein,  weil  sonst  gar 
zu  wenig  Raum  für  die  Bauchhöhle  und  die  Eingeweide  geblieben  wäre. 
Diese  Annahme  w iire  zwar  schon  deßhalb  niclil  nölhig,  weil  es  un- 
ter den  lebenden  Fischen  nicht  wenige  langgestreckte  und  derart  com- 
presse  Formen  gibt,  daß  man  nicht  bloß  kaum  l)egreift,  wie  die 
Eingeweide  in  der  schmalen  Bauchhöhle  Platz  luiden,  sondern  wo  in 
der  That  diese  nicht  Raum  genug  in  ihr  vorfinden  (Bandlische,  Pleu- 
ronectiden  und  einige  Siluridenj;  aber  es  ist  überliaupt  die  Beliauj)- 
tiing.  daß  sich  nie  ein  Abdruck  von  VVeichtheilen  erhielt,  nicht  rich- 
tig, wie  aus  den  vorhergehenden  Beschreibungen  und  Abbildungen 
ersichtlich  ist,  wo  bei  Fig.  1  auf  Taf.  V  der  Inhalt  des  Verdammgs- 
rohres  (die  Estheriensciialen)  und  bei  Fig.  2,  Taf.  Vll  die  Rumpl- 
muskeln  im  Abdruck  erhalten  sind,  und  die  beiden  Schwanzstücke 
Zeugniß  geben,  daß  auch  ein  rudimentäres  inin-res  Skelet  zur  Ent- 
wicklung kam. 

W  as  nun  das  N'oikonunen  eines  zweiten  inneren  Bruslflossen- 
stachels  anbelangt,  so  wäre  dieses  ohne  Zweiftd  von  noch  größerem 
(»ewichle  bezüglich  der  wS[»eciesfrage  als  alle  übrigen  erwiihnlen  Ab- 
weichungen, die  wohl  auch  nur  von  ungleichen  Erhaltungszusländen, 
von  Größe  und  Altersunterschieden  hernihren  könnten,  und  der  Klein- 


über  Cuiwhopoma  yadifurme  nov.  gen.  et  spee.  uinl  Acanthodea  etc.  uüt> 

Neiiiidorfer  Acantli.  gracilis  Rom.  wäre  entschiedeii  wenigstens 
s|)ecifiseh,  wo  nicht  generisch  von  dem  Lebacher  A.  Bronnii  zu 
trennen,  wenn  nur  bei  letztem  sich  ein  zweiter  innerer  Brustflossen- 
stachel vortände.  Doch  dies  ist  keineswegs  der  Fall.  Ein  ziendich 
großes  und  gut  erhaltenes  Exemplar  des  Acanth.  gracilis  von  Klein- 
Neundorf,  welches  im  Besitze  des  kais.  Hof-Mineraliencabinetes  sich 
befindet,  zeigt  ebenfalls  ganz  deutlich  den  zweiten  innern  uiul  klei- 
nern Hrustflossenstachel,  und  es  erscheint  daher  befremdend,  daü  bei 
den  zahlreichen  Individuen,  welche  Römer  zu  vergleichen  Gelegen- 
lieit  hatte,  niemals  ein  solcher  bemerkt  wurde.  Allerdings  mögen 
sowohl  im  Rolhliegenden  des  Erz-  und  Riesengebirges  wie  jenem  des 
Sarbrückner  Kohlenrevieres  zweierlei  Arten  von  Acunthodes  vorkom- 
men: Eine  mit  nur  einfachem  äußern,  und  die  andere  nebst  diesem 
nocii  mit  einem  innern  Pectoralstachel  und  letztere  mag  auch  viel- 
leiclit  viel  seltener  gewesen  sein,  denn  auch  unter  den  so  zahlreichen 
Exemplaren ,  die  ich  in  Saarbrücken  zu  vergleichen  Gelegenheit 
hatle,  fand  ich  nur  wenige  vor,  die  einen  doppelten  Pectoralstachel 
besaßen.  Daher  mag  sich  auch  erklären,  daß  keinem  der  früheren 
Beobachter  von  Acanthodes  zufällig  Individuen  der  letzteren  Art  un- 
ter die  Hände  kamen.  So  viel  steht  aber  fest,  daß  beide  muthmaß- 
liche  Arten  sowohl  dem  Rothliegenden  des  westlichen  wie  des  östli- 
chen Deutschland  zukommen,  und  daß  der  Artunterschied  zwischen 
A.  Bronnii  und  gracilis  nicht  auf  dem  Mangel  oder  der  Gegenwart 
des  zweiten  Brustflüssenstachels  beruhe.  Als  ein  brauchbarer  Artunter- 
schied scheint  sich  mir  vielmehr  die  Stellung  der  Ventralen  zu  be- 
währen. Bei  Römer'sFig.  1  von  Ac.  gracilis  steht  der  kleine  Ven- 
tralstachel den  Brustflossen  viel  näher  als  der  Anale  und  ebenso  ver- 
hält sich  seine  Stellung  aucli  bei  dem  gracilis  von  Klein-Neundorf 
im  kais.  Hof-Mineraliencabinete.  Noch  andere  mehr  oder  minder 
brauchbare  Artunterschiede  dürften  die  bereits  von  Römer  hervor- 
gehobenen abgeben,  nämlich  die  bei  Ac.  gracilis  gestrecktere  Total- 
gestalt und  die  verhältnißmäßig  bedeutend  größeren  Schuppen;  da- 
gegen möchte  ich  auf  die  Stärke  und  Krümmung  der  Stacheln  weni- 
ger Gewicht  legen.  (Daß  auch  dem  A.  gracilis  die  Stützknochen  für 
die  Caudallappen  nicht  fehlen,  davon  gibt  unser  Klein-Neundorfer 
Exemplar  ebenfalls  klares  Zeugniß.)  Ob  sich  etwa  noch  andere 
brauchbare  rnlei'schiede  auffinden  lassen,  muß  einstweilen  dahin- 
gestellt bleiben. 


304  Kner. 

U'a.s  schließlich  die  Stellung'  der  GaUuiig  Acnnthodes  im 
Systeme  hetrilTt,  so  kann  nieiiui-  Ansicht  nach  kein  Zweifel  darüher 
bestehen,  daß  sie  den  Ganoiden,  in  dem  Sinne,  wie  man  diese 
aufzulassen  pflegt,  einzureihen,  ahei'  keineufalls  den  S(jualiden 
zunächst  zu  stellen  sei,  und  weder  den  Mulosteis  beizuzählen 
sei,  nach  überhaupt  irgend  einer  lebenden  oder  fossilen  Gruppe 
oder  Familie,  sondern  vielmehr  zu  jenen  Formen  gehöre,  die  sich 
in  unsere  Systeme  dermalen  nicht  einreihen  lassen,  die  wir  als 
exstincte  Typen  ansehen  müssen,  und  bei  denen  wir,  wenn  wir  sie 
auch  als  vorbereitende  und  Übergangsformen  auffassen  wollen,  doch 
den  Übergang  und  Zusammenhang  mit  den  Formen  der  (Gegenwart 
vorerst  nicht  nachzuweisen  vermögen.  Die  Eigenthümlichkeit  eines 
Stachels  am  Auf^en-  und  Innenrande  einer  Flosse  findet  sich  zwar 
ausnahmsweise  auch  bei  Fischen  der  Jetztzeit  vor,  bei  diesen  jedoch 
nicht  bezüglich  der  Brust-  sondern  der  Bauchtlossen,  und  kommt 
überhaupt  nur  bei  Fischen,  nämlich  den  Teuthiern  (^Amphacanthus) 
vor,  die  nicht  im  entferntesten  einen  Vergleich  mit  Acanthodes  zu- 
lässig machen. 


I'n.f.  Klier,  rbur  (■oiirlio|..pnia  ri .  gen  u.  Acaiilhodes  Ag'. 


^B?^H?!ÖF=*i,  «J""^ 


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KudScl.nT.il  iL.^l  Hii  §ez  u  lith 


SllzNN-.sl.  ,l.k.,\k.ul  ,1  \V.Mia1li.iia1ui-w.n.LVn.Bcl.  1. Alilh.  1868. 


lil 


Aue  d  k  klof-ii  StaalsiruAe: 


I 


Prof.  Klier.  Hhi-r  Ion.  I,u|."riia  ii.  »Mi-iiAiaiüliocIes  Ag'. 


Tat.  II. 


Sud.  Sdiörni  11  d  Sat  |ez  u  lith 


Aus  d  k  klot-a.  Staatsdrudkete: 


.■iilziiii^-sli  il.k..\k;ul,,}  W.m;i1li,iia|.Mi-w.Cl.LVI[,B(l    1.  Alith.  IlStiS. 


Prof.  Kner    (Tbin-  ConcliofiotriH  n  .  gcri.u.  Acanthodes  Afi".  Taf.UI. 


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Eud.  "clioiin  -    i  Nat  gez  u  lit;}i  Auö  d  k,kIiof-u,St,aatsctrucTce>. 

Sitzung'sb.d.kAkad.d  W.math.nafurw.C'I.LVII.Bd,  [  AMh.  1868. 


ProT.  Klier.  iT)«r  Coiifhopoma  n  .  «eii.u.Acanthodps  Ae-  Taf 


IV. 


^/-^ 


".,» .VV5', 


Rad.  Scnöiin  n.  d  ITat  gez  u  hth  A-ug  d  k  küot ,;  ^'raaucback-c- 

Sitzune.sb.d.k.Ak;id.(l  Vf.mfrth.jiaturw.n.LTII.Bd.  l.AWi.  1868. 


Pi'ol'.  KneT.  t'hrt'  ('()ii('liü|i(jiiiw  M  .  ^fii.u.  Acaiilliixics  A; 

1. 


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.•0:1.  .Strohmayer,  aei.  u .  lilii.  A,,ic  ui:  ■^.Jiui--a  Staa,i,:ai.-ac]ievjii. 

Sitzim^sb.rl.k.Akn,cl.(l  W.  nia1li,naturw.  ri.lYn."Bd.  T.  AMli.  1S68 


Ti'of .  Kjier.  Über  ('oiicliopomn  ii .  gen.u.  Acüiillioilfs  A; 

I.      .^ 


lidTI. 


Aus  d.k.k.Tiof-ü.StaatsdTuci-ei-    -««aaaBB^"  ,Juh.  Strohma/er  del.  ii.litli. 

SitzuTi^sb.d.k.Akad.tnf.inai]i.3tatiirw,a.LVIl.B(l.  l.AMh.i868. 


Erof .  Kner.  ITber  l'üucliopiHiin  n   üf-nu.  AchuIIioiIj'.s  Ai^. 


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"<  Eci-uStaitsilruckeie: 


Sitzuiie'sb.d.k.Akadd  \V.7natl1.nafurv.n.  LVn.Bd.  I.  Abth.  1868. 


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B-of.  Rner.  über  ConrliofiomH  n  .  ^en.u.  Acauthofles  Aa 


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Ablli.lS68. 


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I'ber  CoiHhopiiiim  'jud/ forme  nov.  gen.  et  spec.  u.  Acantliodcs  de.  303 


I^jiklä  i'ung    der    Tafelnl 


Tafel  I. 

Fig.  1.  Conchopuma  gadiforme  m.  Seitenansicht  in  natürlicher  Größe. 
„     1  fl.  Eine  Gruppe  von  Zähnen  desselben,  vergrößert. 
„     2.   Ein  kleines  Exemplar  desselben,  in  natürlicher  Größe. 

Tafel  II. 

Fig.  1.  Fragment  eines    großen  Kopfes   mit    dem    muschelförmij^en   Kiemen- 
deckel, natürliche  Größe. 
„     2.  Schwanzende  eines  großen  Individuums,  in  natürlicher  Größe. 

Tafel  III. 

Fig.  1.  Kopf  und  Vorderrumpf,   ersterer  flach  gedrückt,  von   der  Kehlseite, 

natürliche  Größe. 
Fig.  i  a.  Einige  Schuppen,  vergrößert. 

Tafel  IV. 
Fig.  1.  Stark  depresses  Kopfstück  desselben  von  oben,  natürliche  Größe. 

Tafel  V. 

Fig.  i.   ylcßH^Aorfes  ^/'aciV/*,  etwa  um  die  Hälfte  vergrößert. 
„     2.  Schwanzstück  eines  größern  Individuums. 
„     2a.  Schuppen  von  oben,  b  von  unten. 

Tafel  VI. 

Fig.  1.  Kopf  und  Vorderrumpf  eines  großen  Exemplares,  von  der  Seite. 
„     1  a.  Einige  Rechenzähne  vergrößert. 

Tafel  Vn. 

Fig.  1.  Schwanzstück  wie  oben. 
„     2.  Rumpfstück  mit  Muskelabdrücken. 

Tafel  VIII. 
Kopf  und  Rumpf  eines  andern  Exemplares. 


Sitzl).  <1.  inattietii.-iiiiturw.  L'l.  LVIl.  Bd.  I.  Ahtli.  20 


306 


V.   SITZUNG  VOM   13.   FEBRUAR   1868. 


Herr  Dr.  H.  Leitgeb,  Professor  der  Botanik  au  der  k.  k.  Uni- 
versitjit  zu  Graz,  übersendet  eine  Abhandlung:  „Beiträge  zur  Ent- 
wiekelungsgesfhiehle  der  Pflanzenorgane". 

Herr  ProC.  Dr.  Ew.  Hering  überreicht  den  II.  Theil  seiner 
Abhandlung:  „Zur  Lehre  vom  Leben  der  Blutzellen". 

Derselbe  übergibt  ferner  eine  Abhandlung,  betitelt:  „Eine  Me- 
thode zur  Injection  der  Lymphbahnen  in  den  Lymphdrüsen",  von 
Herrn  Dr.  G.  Toi  dt,  k.  k.  Oberarzt  und  Assistenten  am  physiologi- 
schen Institute  der  k.  k.  Josephs-Akademie. 

. Herr  Dr.  G.  C.  La u b e  legt  die  IV.  Abtheilung  seiner  Abhand- 
lung: „Die  Fauna  der  Schichten  von  St.  Cassian"  vor. 

Herr  Dr.  S.  L.  Schenk,  Assistent  am  physiologischen  Institute 
der  k.  k.  Wiener  Universität,  überreicht  eine  Abhandlung:  „Beitrag 
zur  Lehre  von  den  Organanlagen  im  motorischen  Keimblatte". 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 

Annales  des  mines.  VI*  Serie.   Tome  XI,   3*  Livraison  de  1867, 

Paris;  8«. 
Bauzeitung,  Allgemeine.  XXXII.  Jahrgang.  VTL  — XIL  Heft,  nebst 

Atlas.  Wien,  1867;  4o  &  Folio. 
Biblioth  eque  Universelle  et  Revue  Suisse:  Archives  des  Sciences 

physiques  et  naturelles.  N.  P.  Tome  XXXI,  Nr.  12i.    Geneve, 

Lausanne,  Neuchatel,  1868;  8». 
Comptes    rendus    des    seances    de   TAcademie    des     Sciences. 

Tome  LXVI,  Nr.  4.  Paris,  1868;  4«. 
Cos  mos.    3''   Serie.  XVII*  Annee,    Tome  II,   6*  Livraison.    Paris, 

1868;  8«. 
Gewerbe -Verein,    n.  -  ö. :    Verhandinngen    und    Mittheilungen. 

XXIX.  Jahrg.  Nr.  6.  Wien,  1868;  8«. 


307 

Grunert,   Joli.  Aug.,   Archiv  der  iMathematik  und  Physik.  XLVII. 

Theil,  4.  Heft.  Greifsvvald,  1867;  8«. 
Moniteur  scientifique.    267*^  Livraison.    Tome   X',    Annee    1868. 

Paris;  4". 
Revue  des   eours   scientifiques   et   litteraires   de   la   France   et    de 

l'etraiiger.  V  Annee,  Nr.  10.  Paris  &  Bruxelles,  1868;  4». 
Society,   The  Royal   Dublin:   Journal.    Vol.    V,   Nr.    36.    Dublin, 

1867;  8o. 
Verein,  naturlorschender,  in  Brunn:  Verhandlungen.  V.  Bd.  1866. 

Brunn,  1867;  8o. 
Wiener  Landvvirthschal'tliche Zeitung.  Jahrg.  1868,  Nr.  6.  Wien;  4". 
—  inedizin.    Wochenschrift.    XVill.   Jahrg.    Nr.    12 — 13.    Wien, 

1868;  4". 
Zeitschrift    des   Österreich.  Ingenieur-    und  Architekten -Vereuis, 

XX.  Jahrgang.  1.  Heft.  Wien,  1868;  4«. 


20" 


308  teil  geb. 


Beilräye  zur  Eniwicklimgageschiclite  der  P/lanzenorgane. 
Von  U.  Icitgcb. 

(Mit  4  Tafeln.) 


l   Wachsthum  des  Stämmchens  von  Fontinalis  antipyretica. 

(Tar.   I  — IV.) 

Das  Stämmehen  von  Fontinalis  (inllpyretica  ist  ungemein  ein- 
fach gehallt.  Der  Querschnitt  zeigt  nur  zwei  anatomisch  wesentlich 
verschiedene  Theile :  einen  peripherischen,  der  aus  mehreren  Schich- 
ten ziemlich  stark  verdickter  Zellen  besteht  und  einen  mittleren 
Theil,  der  aus  ungefähr  doppelt  so  weiten  und  mehr  dünnwandig 
bleibenden  Zellen  gebildet  wird.  Ein  axiler  Strang  enger  Zellen  wie 
er  im  Stämmchen  so  vieler  Moose  (aller  akrokarpischen)  gefunden 
wird,  fehlt  hier  gänzlich.  Die  axilen  Zellen  unterscheiden  sich  in 
nichts  von  den  übrigen  des  mittleren  Tlieiles.  Auch  in  Bezug  auf  ihre 
Längenentwicklung  verhalten  sie  sich  gleich;  ihre  Enden  zeigen  sich 
f[uer  abgestutzt,  nie  spindelförmig.  Die  Zellen  des  peripherischen 
Theiles  sind  prosenchymatisch ,  und  im  allgemeinen  doppelt  so  lang 
als  die  des  mittleren  Theiles.  Übrigens  sind  diese  Theile  nicht  scharf 
von  einander  abgegrenzt,  und  vollends  in  sehr  alten  Stämmchen  ist 
auch  kaum  mehr  eine  Begrenzungszone  aufzutinden  (Taf.  IV,  Fig.  1). 

Die  Blätter  bestehen  zum  großen  Theile  nur  aus  einer  Zellenschicht. 
Die  Zellen  sind  prosenchymatisch  und  wenig  verdickt.  Ein  Mittelnerv 
ist  nicht  vorhanden.  Mit  weit  herablaufcnder,  über  i/g  des  Stengel- 
uinfanges  einnehmender  Basis  am  Slämmchen  befestigt,  verbreitert 
sich  das  Blatt  bis  gegen  seine  Mille  hin  ungemein,  nimmt  dann  gegen 
die  Spitze  hin  wieder  allmälig  an  Breite  ab. 

Die  Blätter  stehen  genau  nach  1/3.  An  schlanken  Stammspitzen 
mit  spärlicher  Sproßbildung  stehen  sie  dem  gemäß  selbst  anTheilen, 
die  von  der  Vegelalionsspilze  schon  ziemlich  entfernt   sind,   in  drei 


Beitrage  zur  Entwicklungsgeschichte  der  Pflanzenortrane.  309 

Längsreihen.  Dickere  Stammspitzen  mit  reichlicher  Sproßhildung, 
zeigen  sich  jedoch  sehr  stark  und  zwar  im  Sinne  der  Blattspirale  ge- 
dreht, nnd  es  werden  dadurch  die  horizontalen  Divergenzen  der  Blätter 
vergrößert. 


Die  Scheitelzelle  der  kegellürmigen  Vegetationsspitze  ist,  wie 
auch  Lorenz')  angibt,  dreiseitig.  Ihre  Grundfläche,  die  zugleich 
die  freie  Außenfläche  darstellt,  ist  sehr  stark  gewölbt  und  erscheint 
daher  in  der  Flächenansicht  nie  scharf  begrenzt.  Tiefere  Einstellun- 
gen, die  die  Scheitelzelle  im  optischen  Querschnitte  zeigen,  lassen 
jedoch  schließen,  daß  auch  ihrer  Außenfläche  ziemlich  genau  die 
Form  eines  gleichseitigen  Dreieckes  zukommt. 

Die  Seitenflächen  der  Scheitelzelle  sind  gleichschenkelige  ehene 
Dreiecke  mit  kürzerer  Basis.  Ihre  Grundlinien  (die  Seiten  der  freien 
Außenfläche  darstellend)  sind  mehr  oder  minder  stark  gekrümmte 
Bögen;  ihre  Schenkel  schließen  einen  Winkel  von  60 — 70°  ein.  Die 
Scheitelzelle  erscheint  daher  scharf  zugespitzt,  und  tief  in  das  Ge- 
webe eingesenkt. 

Die  in  der  Scheitelzelle  auftretenden  Theilungswände  sind 
immer  deren  Seitenflächen  genau  parallel.  Sie  folgen  eben  so  häufig  in 
rechtsläufiger  als  in  linksläufiger  Spirale  -)  aufeinander.  Entsprechend 
der  gegenseitigen  Neigung  der  Seitenflächen  der  Scheitelzelle  sind 
auch  die  so  gebildeten  Segmente  s)  anfangs  unter  einem  Winkel 
von  ungefähr  70  gegen  einander  geneigt.  Im  Laufe  ihrer  weiteren 
Entwicklung  verändern  sie  ihre  gegenseitige  Neigung  in  der  Weise, 


')   Studien  über  Bau  und  Entwickluiigsgescliichte  der  Laubmoose,  pag.  17. 

~)  Lorenz  (1.  c.  pag.  18)  sagt,  daß  die  Segmentspiraie  meist  links-,  zuweilen 
rechtsläufig  sei.  Ich  habe  beide  Richtungen  gleich  häufig  beobachtet.  Es  ist  näm- 
lich, wie  wir  später  sehen  werden,  die  Richtung  der  Segmentspirale  an  irgend 
einem  Sprosse  immer  von  der  des  betreffenden  Muttersprosses  abhängig.  Zwei  auf 
einander  folgende  Sproßgenerationen  zeigen  immer  antidrome  Segmentspiralen. 
Die  an  der  Unterlage  festhaftenden  Hauptsprosse  eines  ganzen  Verzweigungs- 
systemes  fand  ich  meist  mit  Linksdrehung;  die  Sprosse  zweiter  Ordnung  sind 
dann  antidrom,  die  dritter  Ordnung  endlich  den  Hauptsprossen  (Sprossen  erster 
Ordnung)  homodrom  u.  s.  f. 

^)  Die  Ausdrücke:  Segmente,  Sextanten,  Hauptwand,  Sextantenwand  etc.  brauche 
ich  hier  in  demselben  Sinne,  wie  sie  von  Nägeli  und  mir  auch  für  die  Wurzeln 
angewendet  wurden.  Ich  verweise  deßhalb  auf  unsere  Abhandlung  über  „Entste- 
hung und  Wachsthuin  der  Wurzeln"  in  N  ä  g  e  I  i"s  Beiträgen  zur  wissenschaftlichen 
Botanik.  Heft  IV. 


310  L.itsel.. 

dal!»  die  Hauptwände  später  wenigstens  in  ihren  inneren  Theiien,  anl' 
die  Längsachse  des  Stännmchens  senkrecht  zu  stehen  kommen. 

Ein  ähnliches  Horizontalwerden  der  Segmente  beschrieb 
P  ring  s  b  e  i  m  l'iir  Salvinia ,  R  e  e  (5>  für  Eqmsetum ,  N  ä  g e  1  i  nnd  icii 
für  die  Wurzeln  aller  Gefäßkryptogamem ;  es  scheint  überhaupt  bei 
Axenorganen,  deren  Scheitelzelle  sich  durch  schiefe  Wände  theilt, 
allgemein  vorzukommen. 

Zugleich  mit  dieser  Neigungsveränderung  der  Segmente  gleicht 
sich  auch  das  zickzackförmige  Ineinandergreifen  derselben  aus,  und 
gebt  in  ein  ebenes  Aneinanderstossen  über.  Es  wurde  dieser  Erschei- 
nung schon  an  einem  andern  Orte  <)  Erwähnung  gethan.  und  auch 
die  Erklännig  dafür  gegeben. 

Am  Stämmchen  von  Fontinnlis  und  wohl  auch  an  dem  aller  Moose 
werden  die  Verhältnisse  durch  die  schon  zunächst  der  Scheitelzelle  ge- 
bildeten Blattanlagen  in  so  fern  complicirter,  als  der  zum  Blatte  aus- 
wachsende Tbeil  des  Segmentes  ganz  andere  Lagenveränderungen  ein- 
geht, als  dessen  innerer  ausschließlich  Stammgewebe  bildender  Theil. 

Nägel  i  2)  hatte  für  Sphagmim  nachgewiesen,  daß  schon  der 
erste  Theilungsschnitt,  der  in  jedem  Segmente  gemacht  wird,  zur 
Bildung  der  Blattmutterzelle  führt.  Eine  Theilungswand,  ihre  Lage 
läßt  Nägeli  unentschieden,  zerlegt  das  Segment  in  einen  äußeren 
und  einen  inneren  Theil;  jener  wächst  zum  Blatte  aus,  dieser  bildet 
eine  Partie  des  dem  Stämmchen  angebörigen  Gewebes.  Hof- 
meister -)  tritt  dieser  Anschauung  bei,  und  sagt,  daß  diese  erste 
Tbeilungswand  senkrecht  auf  der  Längsachse  des  iStämmchens  stehe. 
Lorenz  *)  spricht  sich  bei  den  von  ihm  untersuchten  Moosen  über 
die  Lage  dieser  Wand  nicht  aus.  Seine  Abbildungen  (Taf.  L  Fig.  21, 
Taf.  IV,  Fig.  13)  lassen  verschiedene  Deutungen  zu. 

Bei  Fontbialis  ist  es  zweifellos,  daß  diese  erste  Wand  in  keinem 
Falle  auf  der  Längsachse  der  Wurzel  sonkrecht  steht,  sondern  eher 
als  mit  ihr  parallel  laufend  angesehen  werden  muß.  Ich  lege  auf  die 
Bestimmung  der  Lage  dieser  Wand  deßhalb  ein  großes  Gewicht, 
weil  wir  in  dem  Falle,  als  wir  sie  in  älteren,  von  der  Vegetations- 
spitze  weiter    entfernten    Segmenten    wieder    erkennen,    aus    ihrer 


1)  InderobeneitirteiiAbhamllung  ülier  „Kiitstehuiif;  uiidWaclistliiim  dcrWiirzelii"    p.itl. 

-)  Pflanzenphysiolog-isehe  Untersuchungen.  I.  Heft.  piig.  7G. 

3)  Zusätze  iinil  Fieiicliligiinffen  .  .  .  in  Pr  i  n  gs  h  e  i  ms  Jalirhiichern.  Bd.  III.  pag-.  2('>.j. 

*)  Studien  über  IJau  nnd  Entwieklnngsg-eschiclite  der  Laubmoose. 


Bpifriige  zur  Eulwiekliingsgescliichte  iler  Pfliiiizonnrnfanp.  311 

Lage  auch  die  Lagenveränderungen  ermitteln  können,  welche  die 
Segmente  in  ihren  verschiedenen  Theilen  erlitten  hahen.  Nun  sehen 
wir,  daß  die  Lage  dieser  Wand  —  und  ich  werde  später  nochmals 
darauf  zurückkommen  —  also  ihre  Neigung  gegen  die  Längsachse 
des  Stämmchens  sich  nur  wenig  ändert.  Nur  in  dem  Falle,  als  sie 
ursprünglich  nicht  genau  parallel  mit  dor  Längsachse  angelegt  wurde, 
muß  sie,  um  endlich  in  den  Parallelismus  zu  gelangen,  eine  unbedeu- 
tende Neigungsveränderung  durchmachen. 

Der  innerhalb  dieser  Wand  gelegene  Theil  des  Segmentes  wird 
horizontal.  Es  ist  diese  Lagenveränderung  die  nothwendige  Folge 
des  anfangs  überwiegenden  Breitenw  achsthumes  der  Segmente. 
Nehmen  wir  der  Einfaciiheit  lialher  ein  dreiflächiges  Körpereck  mit 
kleinen  Kantenwinkeln.  Die  dasselbe  bildenden  Flächen  wären  gleich- 
schenklige Dreiecke.  Lassen  wir  nun  ein  solches  Dreieck  parallel  zur 
Basis  gleichmäßig  wachsen,  d.  h.  daß  sich  jede  Flächeneinheit  um 
ein  gleich  großes  Stück  in  der  angegebenen  Richtung  ausdehnt,  so 
M'ird  die  betrefTende  Fläche  die  Dreieckform  zwar  beibehalten;  der 
Neigungswinkel  der  beiden  Schenkel  aber  wird  größer  werden.  Tritt 
dieser  Vorgang  nun  an  allen  Flächen  des  Körpereckes  ein,  das  heißt, 
wächst  jede  Fläche  parallel  zu  ihrer  Basis  stärker  als  in  der  darauf 
senkrechten  Richtung,  so  werden  nothwendiger  Weise  die  Kanten- 
winkel grösser  werden,  das  Eck  wird  stumpfer,  und  endlich  fallen 
die  Seitenflächen  in  eine  Ebene.  Es  ist  dieses  Breitenwachsthum  der 
Segmenle  wohl  in  allen  diesbezüglichen  Fällen  mit  ein  Grund  ihres 
Horizontal  Werdens.  Wo  ein  solches  Breitenwachsthum  fehlt,  dabehalten 
auch  die  Segmente  mehr  oder  weniger  ihre  ursprüngliche  Neigung,  wie 
wir  dies  besonders  schön  an  den  Blättern  der  Moose  beobachten  könnnen. 

Entsprechend  der  eben  erwähnten  Lage  der  ersten  Theilungs- 
wand  erscheint  auf  Längsschnitten  an  jedem  innerhalb  desselben  ge- 
legenen Segmenttheile  die  scheitelsichtige  Hauptwand  länger  als  die 
grundsichtige.  Später  sind  sie  gleiehlang.  Es  kann  dies  nicht  durch 
überwiegendes  Wachsthum  der  grundsichligen Hauptwand  geschehen, 
denn  dann  müßte  die  erste Theilungswand  des  Segmentes  später  eine 
andere  Neigung  gegen  die  Längsachse  des  Stämmchens  zeigen. 

Der  Grund  liegt  \ielmehr  darin,  daß  ein  Theil  der  scheitelsich- 
tigen Hauptwand  (welcher  nämlich  auch  als  Seitenwand  der  beiden 
seitlich  anliegenden  Segmente  erscheint)  sich  umstülpt,  und  später 
als  Längswand  erscheint.  (Vergl.  Taf.  1,  Fig.  2.) 


312  I.eitj,«!.. 

Betrachten  wir  zuerst  die  weitere  Entwieklung  des  äusse- 
ren Segmenttheil  es. 

Wie  schon  oben  erwähnt,  schneidet  die  erste  Theihingswand 
jedes  Segmentes  die  beiden  Hauptwände  desselben.  Es  ergibt  sich 
diese  ihre  Lage  unzweifelhaft  aus  Taf.  I,  Fig.  1,  2,  U,  Wand  a.  Sie 
läßt  sich  auch  in  den  älteren  Segmenten  deutlich  erkennen.  Bei 
Betrachtung  der  Vegetationsspitze  von  außen  wird  sie  wegen  ihrer 
Lage  nicht  zur  Ansicht  gelangen  können.  Auf  Querschnitten  jedoch 
wird  sie  in  Höhen,  wo  die  Segmente  nicht  mehr  stark  geneigt  sind, 
als  eine  die  Segmentfläche  tangential  durchsetzende  Linie  erscheinen 
(Taf.  H.  Fig.  6;  Taf.  ÜI,  Fig.  1 ,  Wand  r/).  Die  Lage  dieser  Wand 
stellt  sich  also  als  eine  ganz  verschiedene  gegen  jene  dar,  wie  sie 
Hofmeister  für  Sphagmim  angibt.  Hofmeister  sagt  ')»  daß  die 
erste  Theihingswand  senkrecht  auf  der  Längsachse  des  Stämmchens 
steht,  und  „die  der  Scheitelzelle  zugekehrte  Seitenwand  2)  und  die 
freie  Außenwand  schneidet".  Der  wesentliche  Unterschied  besteht 
also  darin,  daß  während  bei  Sphagmim  nur  der  scheitelsichtige 
(vordere)  Außentheil  eines  Segmentes  zur  Blattanlage  verwendet 
wird,  bei  Fontinalis  ein  aus  der  ganzen  Höhe  des  Segmentes  ge- 
nommenes Stück  in  die  Blattbildung  einbezogen  wird,  wenn  wir  eben 
diesen  ersten  Theilungsschrilt  des  Segmentes  schon  als  zur  Blatt- 
anlage gehörig  auflassen  wollen,  wofür,  wie  wir  später  sehen  werden, 
viele  Gründe  sprechen.  Bei  Sphagmim  müssen  also  Stengelquer- 
schnitte, je  nachdem  sie  in  verschiedenen  Höhen  geführt  werden,  in 
peripherischen  Theilen  einmal  durch  Blattbasen  gebildet  werden,  das 
andere  Mal  aber,  wenn  sie  nämlich  eines  der  Segmente  in  seiner 
grundsichtigen  (unteren)  Hälfte  trefl'en,  an  der  demselben  entspre- 
chenden Seite  ausschließlich  aus  dem  Stengeltheile  desselben  be- 
stehen. Bei  Fotithialis  besteht,  obige  Auffassung  der  äusseren  durch 
die  erste  Theilungswand  gebildeten  Abschnittszelle  vorausgesetzt, 
das  Stämmchen  seiner  ganzen  Höhe  nach  in  seinen  äußeren  Theilen 
aus  verwachsenen  Blattbasen.  Mit  dieser  Ansicht  stehen  auch  die 
Darstellungen  Lorenz's  für  Fissidens  und  Polytrichum  im  Einklänge 
(I.  c.  pag.  10,  24).  Aus  seinen  Ahbilduiigei.  (Taf.  I,  Fig.  21,  Taf.  IV, 
Fig.    13)    kann   man  auch    auf   einen    ähnlichen    Theilungsvorgang 


1)  L.  c.  piig.  ac.:;. 

')   Das  ist  die  sclieitelsiclilig-i'  MHtiplwHiul  des  Segiiieiites. 


BeitrSge  zur  Eiihvickliing-sgeschlctite  der  Pflanzenorgane.  O  I  o 

schließen.  Es  ergibt  sich  dies  besonders  bei  Betrachtung  der  gegen- 
seitigen Lage  der  in  der  zweitjüngsten  HIattanlage  (II.  f.  2)  sicht- 
baren Wände.  Die  die  Zellen  /wund  n  trennende  Wand  in  Fig.  21, 
f.  2,  kann  unmöglich  anders  gedeutet  werden ;  sie  muß  schon  ur- 
sprünglich als  die  beiden  Hauptwände  des  Segmentes  schneidend 
angelegt  worden  sein.  Dasselbe  ist  in  Fig.  1l>  II,  mit  der  die  Zellen 
m  und  n  trennenden  Wand  der  Fall  «). 

Ich  nenne  den  durch  diese  Theilungswand  (Wand  a  in  allen 
Figuren)  abgeschnittenen  äußeren  Theil  jedes  Segmentes,  den 
Blatttheil;  der  innere  soll  als  Stengeltheil  des  Segmentes  und 
die  diese  beiden  trennende  Wand,  als  Blatt  wand  bezeichnet 
werden.  Ich  bezeichne  den  ganzen  äußeren  Theil  deßhalb  als  Blatt- 
theil, weil  er  sich  in  der  weiteren  Entwicklung  von  dem  inneren  — 
dem  Stengeltheile  wesentlich  verschieden  verhält,  weil  ferner  in 
ihm  der  Blattcliarakter  schon  ausgesprochen  ist,  bevor  noch  weitere 
Theilungen  eintreten,  und  weil  ?er  in  der  That  theilweise  selbst  an 
der  Bildung  der  freien  Blattfläche  Antheil  nimmt. 

Es  ist  selbstverständlich,  daß  diese  beiden  Segmenttheile  sich 
im  verschiedenen  Grade  beim  Aufbau  des  Stämmchens  werden  bethei- 
ligeji  können.  Es  wird  dies  natürlich  abhängig  sein,  von  dem  stär- 
keren oder  geringeren  Dickenwachsthume  (in  Bezug  auf  das  Stämm- 
chen dem  Wachsthume  in  radialer  Richtung)  jedes  derselben.  Sd 
wird  nach  Lorenz  (1.  c.)  bei  Fissidens  nur  ein  kleiner  Theil  des 
(peripherischen)  Stengelgewebes  aus  dem  äußeren,  der  größte  Theil 
hingegen  aus  dem  inneren  Segmenttheile  (der  Zelle  m  in  Tai'.  I, 
Fig.  21,  f.  2)  gebildet;  bei  Polytrichum  dagegen  entwickelt  sich 
aus  dem  inneren  Segmenttheile  nur  das  axile  Gewebe  des  Stämm- 
chens (I.  c.  Taf.  IV,  Fig.  12,  13).  Bei  Fontimdis  ist  die  radiale 
Entwicklung  des  Blatttheiles  nur  wenig  geringer  als  die  des  Stengel- 
theiles.  Auf  Querschnitten  durch  ältere  Theile  des  Stämnichens  bildet 
jener  die  aus  engen  starkverdicklen  Zellen  bestehende  Randzone, 
dieser  das  axile  weitzellige  nur  wenig  verdickte  Gewelie  (Taf.  IV, 
Fig.  1).  In  diesem  Stadium  der  Ausbildung  lassen  sich  allerdings  ihre 
Grenzen  nicht  mehr  genau  bestimmen;  beide  Gewebetheile  geben 
vielmehr  allmälig  in  einander  über.  Auf  Querschnitten  durch  jüngere 


1)  Auch  bei  EquiseUnn  und  vielen  Farren   ist  der  peripherische  Theil  des  Stammes  aus 
verwachsenen  Blattbasen  prehiidet. 


314  Lt'it-eb. 

Stammtheile  ist  jedoch  die  Begrenzung  vollkommen  scharf  (Taf.   FI, 
Fig.  6,  Taf.  III,  Fig.  1,  4). 

Die  erste  im  Blalltheile  des  Segmentes  auftretende  Theilungs- 
wand  steht  senkrecht  auf  der  zuerst  gehiideten,  und  zerlegt  ihn  als 
Querwand  in  eine  scheitelsichtige  und  eine  grundsichtige  Hälfte 
(Taf.  I,  Fig.  1,  2,  3,  4,  5,  Wand  6).  Beide  Hälften  sollen,  da  sie 
nach  der  ohen  erörterten  Anschauung,  als  die  mit  dem  Stengelgewehe 
verhunden  hleibende  Blatthasis  zu  betrachten  sind,  als  Basilar- 
t  heile  (Basilarstücke)  des  Segmentes  bezeichnet  werden.  Ich  nenne 
die  scheitelslchlige  Hälfte  den  s c hei  tel  sieht  igen  (akroskopen, 
vorderen,  oberen)  Basilartheil ,  die  grundsichtige  hingegen  den 
grund sichtigen  (basiskopen,  hinteren,  unteren)  Basilartheil.  Die 
sie  trennende  Wand  mag  als  Basilarwand  bezeichnet  werden. 

Diese  Basilarwand  setzt  sich  an  die  Blattwand  ungefähr  in  der 
Mitte  der  Höhe  an;  nach  außen  schneidet  sie  die  basiskope  Haupt- 
wand des  Segmentes  nahe  an  der  Stelle,  wo  diese  in  die  freie 
Außenfläche  übergeht.  In  den  Figuren  (Taf.  I,  Fig,  1 — 5,  Wand  />) 
grenzt  die  Wand  b  allerdings  immer  an  die  an  der  Peripherie  gele- 
gene Wand  an.  Doch  muß  das  betreifende  Stück  der  freien  Außen- 
fläche noch  als  die  Verlängerung  der  basiskopen  Hauptwand  eines 
Segmentes  aufgefaßt  werden.  Wenn  man  nämlich  in  den  Figuren 
1  —  5  die  allmälige  Lagenveränderung  der  Hauptwände  betrachtet, 
die  anfangs  als  gerade  Linien  erscheinen,  endlich  bogenförmig  nach 
innen  verlaufen,  bis  sie  wenigstens  in  ihrem  inneren  Tlieile  auf  die 
Längsachse  des  Stämnichciis  senkrecht  zu  stehen  konunen,  so  muß 
man  nothsredrunsfen  zur  Ansicht  kommen,  daß  die  Blatttheile  der 
Segmente  bis  zum  Zeitpunkte  des  Auftretens  der  Basilarwand  weniger 
durch  das  Wachsthum  ihrer  Außenwände  als  vielmehr  durch  das 
ihrer,  den  Hauptwänden  angehörigen  Theile  sich  in  der  Hichliing 
ihrer  Axe  ')  verlängern.  Es  würden  also  nach  dieser  Anschauung  die 
äußeren  Segmenthälften  (die  Blatttheile  der  Segmente)  immer  stärker 
gegen  die  inneren  gekrümmt  werden,   imd  schließlich  theilweise  auf 


')  Nach  dem  Vorgange  Pr  in  gsli  ei  m's  (zur  Morphologie  vonSalvinia,  in  dessen 
.liihrl).  f.  w.  Bot.  Hl,  pag.  493)  bezeichne  ich  als  Axe  dos  Segmentes  die 
Gerade,  welche  von  der  Milte  der  durch  den  Zusaninienstoß  der  beiden  Seifen- 
fliieljen  des  Segnieiilcs  gebildeten  Kante  senkreilil  auf  die  Außenlläclie  gezogen 
wird. 


Beiträge  zur  Enlwirkliingsgoscliiclite  i\ov  Pflan/.enorgane.  31t) 

sie  senkrecht  zu  stehen  komnien.  Es  würde  dies  iiollnveiidiger  Weise 
ein  Überwiegen  des  Wachstliums  der  hasisko[ien  llauptwand  jedes 
Segmentes  sjesren  das  der  akroskopen  in  der  Richtung  der  Segment- 
achse  bedingen,  ^^'i^  beobachten  aber  auch  in  der  That  (auf  Längs- 
schnitten) eine  dadurch  bedingte  Verbreiterung  des  Grundes  jedes 
Blatttbeiles  (Taf.  I,  Fig.  2,  Segment  III  et  IV.  Fig.  3). 

Zur  Zeit  des  Auftretens  der  Basilarwand  und  unmittelbar  nach- 
her trifft  das  Wachsthum  hauptsächlich  jenen  Theil  der  basiskopen 
Hauplwand  des  Segmentes,  der  nach  innen  durch  die  Blattwand  (die 
im  Segmente  zuerst  gebildete  Wand)  nacli  außen  durch  die  Basilar- 
wand abgegrenzt  wird;  das  heißt,  die  basiskope  Wand  der  im 
Längsschnitte  anfangs  nahezu  dreieckigen  Zeile,  die  icb  als  das  basi- 
skope Basilarstück  des  Blatttbeiles  des  Segmentes  bezeichnet  habe 
(Taf.  I,  Fig.  2,  Segment  IV). 

In  Folge  dieses  Wachsthumes  wird  diese  Wand  anfangs  stark 
gekrümmt,  später  gebrochen  erscheinen,  so  daß  endlich  ihr  äußerer 
Theil  auf  dem  inneren  senkrecht  steht. 

Daß  sich  die  Basilarwand  (6)  in  der  That  an  ein  Stück  der 
basiskopen  Hauptwand  des  Segmentes  und  nicht  an  die  Außenwand 
desselben  ansetzt,  ergibt  sich  unzweifelhaft  aus  der  Betrachtung  dei- 
Fig.  2  in  Taf.  I.  Im  Segmente  III  ist  der  äußrere  (dem  Blatttheile  aii- 
gehörige)  Theil  seiner  basiskopen  Hauptwand  bedeutend  länger,  als 
das  durch  die  Wände  a  und  b  abgegrenzte  Stück  im  Segment  IV, 
auch  länger  als  das  von  der  Wand  «  bis  an  die  Peripherie  reichende 
Stück  der  grundsichtigen  Hauptwand  im  Segmente  VIII.  Dasselbe 
beobachten  wir  in  Taf.  I,  Fig.  1  ,  o.  Es  muß»  daher  zur  Begrenzung 
des  basiskopen  Basilarstückes  gegen  das  grundwärts  anliegende  Seg- 
ment nur  eil!  Stück  der  Hauptwand  verwendet  worden  sein,  das 
andere  Stück  muß  sich  nach  vorne  umgestülpt  haben. 

Wir  sehen  also  bei  der  Lagenveränderung  der  Segmente  die 
Hauptwände  in  verschiedener  Weise  betheiligt.  Es  ist  nicht  unin- 
teressant, in  dieser  Beziehung  die  bei  Foutinalis  zu  beobachtenden 
Erscheinungen  mit  denen  zu  vergleichen,  wie  Mir  sie  in  den  Sten- 
geln von  Equisetum,  Marsilia  und  Salvinia,  und  in  {\ew  (mit  drei- 
seitiger Scheitelzelle  wachsenden)  Wurzeln  der  Geläßkryptogamen 
finden.  In  den  Stengeln  oben  genannter  Pflanzen  bleibt  die  basiskope 
Hauptwand  jedes  Segmentes  unverändert:  von  der  akroskopen  bleiitt 
nur  der  Theil  unverändert,   der  von  der  basiskopen  Hauptwand  des 


316  L  e  i  f  g  e  b. 

scheitehvärts  anstoßenden  Segmentes  gedeckt  wird.  Ihr  ül)riger  seit- 
lich gelegener  Theil,  der  an  die  Seitenflächen  der  beiden  nächst  jün- 
geren Segmente  anstößt,  wird  grundwärts  umgestülpt  und  erscheint 
am  horizontal  gewordenen  Segmente  als  Theil  der  Seitenwand.  Bei 
den  Wurzeln  der  Gefäßkryptogamen  hleiht  die  basiskope  Hauptwand 
des  Segmentes  ebenfalls  unverändert.  Von  der  akroskopen  stülpt 
sich  eine  Randzone  ringsum  um,  so  daß  am  horizontal  gewordenen 
Segmente  nicht  nur  die  Seitenwände,  sondern  auch  die  an  die  Wur- 
zelhaube angrenzende  Außenwand  in  ihren  akroskopen  Theilen  von 
der  (umgestülpten)  Randzone  der  akroskopen  Hauptwand  gebildet 
werden  '). 

Bei  Fontinalis  geht  die  akroskope  Hauptwand  dieselben  Ver- 
änderungen ein ,  wie  in  dem  Stengel  der  oben  erwähnten  Pflanzen : 
von  der  basiskopen  wird  die  nach  außen  liegende  Randzone  schei- 
tehvärts umgestülpt,  und  bildet  am  horizontal  gewordenen  Seg- 
mente den  basiskopen  Theil  der  Außenwand. 

Wenn  wir  nun  das  Wachsthum  der  Hauptwände  und  deren 
Lageveränderung  in  der  eben  entwickelten  Weise  auffassen,  so  müßte 
die  Basilarwand  (6)  nach  außen  nothwendiger  Weise  an  ein  Seg- 
ment anstossen,  da  ja  die  von  ihr  getroffene  basiskope  Hauptwand 
vollkommen  von  dem  grundwärts  gelegenen  Segmente  gedeckt  wird. 
Sie  könnte  also  nie  an  die  Peripherie  des  Stämmchens  reichen.  An 
älteren  Segmenten  ist  dies  jedoch  ganz  ausnahmslos  der  Fall.  Es 
nöthigt  diese  Tbatsache  zu  der  Annahme,  daß  bis  zu  einer  gewissen 
Tiefe  eine  Trennung  der  Segmente  einer  Reihe,  das  heißt,  ein  Aus- 
einanderweichen ihrer  Hauptwände  stattgefunden  hat,  wie  es  ja  auch 
aus  der  Betrachtung  der  Längsschnitte  (Taf.  I,  Fig.  2,  Segment  HI 
und  IV,  Fig.  1,  5)  a  priori  geschlossen  werden  muß  -). 

Der  schon  beschriebene  Theilungsvorgang,  die  Bildung  der 
Basilarwand  hat  unzweifelhafte  Ähnlichkeit  mit  dem,  wie  ihn  Lorenz 
in  der  oben  citirten  Abhandlung  für  Fissidens  und  Polytrichum  in 
Bezug  auf  das  Auftreten  der  zweiten  Theilungswand  des  Segmentes 
beschrieb.  Bei  Fissufens  schneidet  im  Segmente  f.  2  (Taf.  I,  Fig.  21) 


1)  Ich  verweise  in  Bezug  auf  die  weiteren  Ausein-nndersetzungen  auf  die  schon  oben 
citirte  Abhandlung:    „Entstehung  und  Wachsthum  der  Wurzeln". 

')  Es  liat  dieser  Vorgang  um  so  weniger  etwas  Befremdendes ,  als  das  Ablösen  von 
Zellen  und  von  (;ewei)en  an  der  Oberfläche  und  im  Innern  der  Organe  eine  im 
Pflanzenreiche  allgemeine  Erscheinung  ist. 


Beiträge  zur  Entwicklungsgeschichte  der  Pflaniseimigane.  317 

die  Wand  2  die  zuerst  gebildete  Wand  ebenfalls  in  der  Hälfte  ihrer 
Höhe;  bei  Polytrichum  setzt  sie  sich  dagegen  unmittelbar  an  die 
akroskope  Hauptwand  des  Segmentes  an  (Wand  zwischen  n  und  o 
im  Segmente  W,  Taf.  IV,  Fig.  13). 

Die  weiteren  Wachsthumsvorgänge  der  beiden  Basilartheile 
lassen  sich,  was  die  genetische  Aufeinanderfolge  der  Theilungen 
betrifft,  nicht  mehr  mit  voller  Sicherheit  angeben. 

In  Bezug  auf  die  Entwicklung  des  akroskopen  zur  freien 
Blattfläche  auswachsenden  T  heil  es  ist  es  ungewiß,  ob  nicht  so- 
gleich durch  Bildung  einer  schiefen  auf  den  Flächen  der  Blattanlage 
senkrecht  stehenden  Wand,  der  dann  eine  nach  der  entgegengesetzten 
Seite  geneigte  folgt,  die  zweiseitige  Blattscheitelzelle  gebildet  wird. 
Diese  Wände  können  nur  gesehen  werden,  wenn  man  die  Blattanlage 
von  der  Fläche  betrachtet,  auf  Längs-  und  Querschnitten  müssen  sie 
wegen  ihrer  geneigten  Lage  der  Beobachtung  entgehen.  Auch  die  Beob- 
achtung senkrecht  auf  die  Blattflächen  hat  ihre  großen  Schwierig- 
keiten, weil  man  wegen  der  starken  Wölbung  nie  die  ganze  ßlattfläche 
auf  einmal  überblicken  kann.  Weiters  sind  die  W^ände  ungemein  zart, 
und  es  läßt  sich  bei  dem  Umstände,  als  die  Flächen  der  sich  decken- 
den einer  Blattzeile  angehörigen  Blätter  zunächst  der  Vegetations- 
spitze enge  an  einander  liegen,  oft  nicht  entscheiden,  w  elchem  Blatte 
die  beobachteten  Wände  angehören.  Taf.  H,  Fig.  2  zeigt  ein  junges 
Blatt,  dessen  basiskope  Fläche  durch  einen  Längsschnitt  blosgelegt 
wurde.  Es  sind  schon  zwei  Segmente  aus  der  ursprünglichen  Schei- 
telzelle abgeschnitten.  Die  durch  die  beiden  schiefen  Wände  1  und  2 
abgeschnittenen  Stücke  haben  sich  durch  Längswände  weiter  getheilt. 
Diese  Längswände  folgen  in  Bezug  auf  die  Zeit  ihres  Entstehens  von 
der  Blattmediane  gegen  die  Peripherie  aufeinander.  Eben  so  häufig 
beobachtet  man  auch  den  Fall,  daß  nach  Bildung  einer  der  Blatt- 
mediane zunächst  gelegenen  Längswand,  eine  auf  dieser  senkrechte 
und  den  ersten  schiefen  Wänden  (1  und  2)  parallele  Theilungswand 
auftritt,  der  dann  wieder  Längstheilungen  nachfolgen.  Taf.  I,  Fig.  6 
zeigt  eine  noch  jüngere  Blattanlage  im  Segmente  3.  Durch  die 
schiefen  Wände  1  und  2  ^hat  sich  die  Blattscheitelzelle  gebildet. 
(Vergl.  die  Erklärung  der  Abbildungen.) 

Auf  Längsschnitten  tritt  als  zunächst  sichtbare  Theilung  die 
Wand  c  auf  (Taf.  I,  Fig.  1 — 5).  Ich  zweifle,  daß  sie  einer  der  zuerst 
gebildeten  schiefen  Wände  (1  und  2  in  Taf.  II,  Fig.  2  und  Taf.  I, 


f>  1  o  L  e  i  t  g  L'  b. 

Fig.  6)  entspricht,  glaube  vielmehr,  daß  sie  einer  späteren  Theilung 
angehört,  weiche  senkrecht  aiiC  (h'ti  Längswänden  steht,  die  sich  in 
den  (hircli  die  ersten  schiefen  Wände  abgeschnittenen  Basisstücken 
ansgehildet  haben. 

Die  weiteren  auf  Ijängssclinitten  siclitharen  Theilungen  ergeben 
sich  in  ihrer  genetischen  Folge  aus  Taf.  1,  Fig.  4.  Die  Wand  rf  macht 
den  Blattgrund  zweischichtig;  e  schneidet  mittlere  Zellen  ab,  die 
zunächst  der  Mediane  des  Blattes  zu  Haaren  auswachsen.  Es  zeigt 
sich  diese  Theilungsfolge  auf  den  meisten  Längsschnitten.  (Man  ver- 
gleiche die  entsprechenden  Wände  in  Taf.  I ,  Fig.  1—5.)  Daß  übri- 
gens auch  hier  Unregelmäßigkeiten  vorkommen,  zeigt  Fig.  5,  wo  im 
fünftjüngsten  Segmente  die  Wand  d  ausgefallen  ist,  und  sich  e  un- 
mittelbar an  die  ßlattwand  (jt)  ansetzt.  Den  eben  erwähnten  Thei- 
lungen (^/ und  e)  gehen  übrigens  Badialwände  voraus.  Es  erhellt  dies 
aus  Betrachtung  der  Querschnitte,  die  durch  den  Blaltgrund  geführt 
wurden  (Taf.  [II,  Fig.  1,3,4).  Sie  entsprechen  ohne  Zweifel  den 
Längswänden  l  in  Tal".  II,  Fig.  2.  Es  wird  durch  sie  die  Peripherie 
des  Blattgrundes  in  mehrere  tangential  neben  einander  liegende  Zellen 
getheilt.  Von  diesen  erscheinen  anfangs  nur  die  mittleren  tangential 
getheilt.  Später  erst  erscheint  der  Blattgrund  seiner  ganzen  Breite 
nach  zweiscbichtig  (Taf.  II,  Fig.  6).  Es  folgen  also  die  tangentialen 
Theilungen  von  der  Mitte  des  Blattgruudes  gegen  die  Bänder  hin 
aufeinander. 

Die  weiteren  Theilungen  des  zur  Blatttläche  auswachsenden 
Basilarstückes  haben  nichts  bemerkenswerthes.  Die  Entwicklung  ist 
dieselbe,  wie  bei  den  Moosblättern  im  Allgemeinen.  Bei  dem  Um- 
stände, als  das  Blatt  von  FoHtinalis  keinen  Nerven  ausbildet  und  sich 
überhaupt  unter  den  Zellen  durchaus  keine  Verschiedenheit  bemerk- 
bar macht,  hatte  es  auch  weiters  kein  Interesse  ,  die  Theilungsvor- 
gänge  genauer  zu  studiren. 

Im  entwickelten  Zustande  ist  die  freie  Blattfläche  einschichtig 
und  nur  selten  finden  wir  sie  am  Grunde  in  Folge  einmaliger  tangen- 
tialer Theilung  zweischichtig  (Taf.  IV,  Fig.  2). 

Das  Flächenwachsthum  ist  besonders  stark  in  der  Mitte  des 
Blattes.  Man  erkennt  dies  schon  an  ganz  jungen  Blättern  an  der 
starken  Wölbung.  Durch  spätere  Längsstreckung  der  Zellen  geht 
diese  gleichniätJ>ige  Wölbung  allmälig  verloren,  und  es  bildet  sich 
in  der  Mediane  eine  kielartige  Falte. 


Beitiüj^e  zur  Eiitwickluiigsjreschichte  der  I'fl.iii/,t'inir;;iine.  dlt) 

Die  Entwicklung  des  basiskopen  Basilai- stück  es 
zeigt  wenig  bemerkenswerthes,  in  so  weit  nämlich,  als  es  an  dem 
Aufbaue  des  Stämmchens  Antheil  nimmt.  Auch  hier  gehen  die  radia- 
len Theilungen  den  tangentialen  voraus.  Man  beobachtet  sie  zu  glei- 
cher Zeit  mit  den  ihnen  entsprechenden  im  akroskopen  Basilarstücke- 
Dieser  Entwicklungsgang  wird  jedoch  nur  in  solchen  Segmenten  ein- 
gehalten, in  denen  keine  Seitensprossen  angelegt  werden.  Da  nun 
diese,  wie  wir  später  sehen  werden,  gerade  aus  dem  basiskopen 
Basilartheil  des  Segmentes  sich  entwickeln,  so  werden  dadurch  eigene 
Theilungsvorgänge  bedingt,  die  ich  später  bei  der  Sproßbildung  aus- 
führlicher besprechen  werde. 

Was  das  Breitenwachsthum  der  Basilart heile  betrifft, 
so  zeigen  dieselben  wesentliche  Verschiedenheiten.  Es  können  die 
diesbezüglichen  Verhältnisse  nur  im  Zusammenhange  mit  der  Betrach- 
tung der  gegensei ligen  Lage  der  Segmente  und  der  durch  dieselbe 
bedingten  Formentwicklung  derselben  weiter  erörtert  werden.  Für 
jetzt  sei  folgendes  bemerkt: 

Da  die  beiden  Basilarstücke  dem  äußeren  Theile  eines  Segmen- 
tes entsprechen,  und  in  Folge  des  Verlaufes  der  Blattwand  (pag.  3) 
das  basiskope  Basilarstück  aus  einem  näher  der  Längsachse  des 
Stämmchens  gelegenen  Theile  desselben  entsteht  und  dieses  seiner 
Anlage  nach  von  außen  (das  ist  von  der  Fläche)  gesehen ,  dreieckig 
erscheint,  also  von  vorne  und  außen  gegen  hinten  und  innen  an  Breite 
abnimmt,  so  muß  nothwendiger  V^eise  das  basiskope  Basilarstück 
schon  seiner  Anlage  nach  schmäler  sein,  als  das  akroskope.  Dies  ist 
natürlich  so  lange  der  Fall,  als  die  Durchschnitte  der  Hauptwände 
der  Segmente  im  Längsschnitte  als  gerade  oder  gebogene  Linien 
gegen  die  Achse  des  Stämmchens  verlaufen.  In  dem  Maße  aber,  als 
durch  überwiegendes  Wachsthum  der  basiskopen  Hauptwand  des 
Segmentes  (pag.  8)  der  äußerg  Theil  sich  stärker  gegen  den  inne- 
ren krümmt,  müßte  allmälig  ein  stärkeres  Breitenwachsthum  des 
basiskopen  Basüartheiles  Platz  greifen.  Würden  die  drei  aufeinander- 
folgenden Segmente  nun  nicht  so ,  wie  es  ihre  Entstehung  aus  der 
Scheitelzelle  mit  sich  bringt,  sich  in  spiraliger  Folge  decken,  sondern 
in  derselben  Höhe  liegen  und  mit  ihren  (radial  verlaufenden)  Seiten- 
wänden klappig  an  einander  stossen,  so  müßte  nothwendiger  Weise 
schließlich  das  basiskope  Basilarstück  nicht  allein  so  breit  sein,  als 
das  akroskope   desselben  Segmentes,   die  Segmente  eines  Umlaufes 


320  L  e  i  l  g  e  L. 

.nlso,  von  außen  gesehen,  mit  radialen  Längswänden  an  einander 
grenzen,  es  müßten  auch  jedes  Segment  ein  gleichgroßes  Stück  des 
Stammquerschnittes  einnehmen.  Da  nun  aber  die  Segmente  spiralig 
geordnet  sind,  so  erscheint  jedes  derselben,  so  lange  sie  noch  nicht 
iiorizontal  geworden  sind,  seitlich  von  den  beiden  der  Entstehung 
nach  nächst  älteren  Segmenten  eingeschlossen,  so  daß  auch  im  Quer- 
schnitte die  Segmente  zickzackförmig  in  einander  greifen  (Taf.  I, 
Fig.  7).  Da  nun  die  Hauptwände  der  Segmente,  in  so  weit  sie  dem 
ßlatttheile  angehören,  nicht  horizontal  werden,  sondern  theilweise 
selbst  eine  ganz  verticale  Lage  erhalten,  so  werden  wir  auch  an,  von 
der  Spitze  weiter  entfernten  Querschnitten  immer  den  Blatltheil  des 
einen  Segmentes  von  den,  den  beiden  nächst  älteren  Segmenten  an- 
gehörigen  Blatllheilen  seitlich  umlaßt  sehen.  So  weit  also  der 
Stammquerschnitt  von  den  ßlatttheilen  der  Segmente  eingenommen 
wird,  in  seiner  Randzone  nämlich,  wird  die  Ansicht  ungefähr  dieselbe 
geblieben  sein,  wie  zunächst  der  Scheitelzelle,  wo  die  Hauptwände 
der  Segmente  noch  die  anfängliche  Neigung  zeigen.  In  der  Rand- 
zone werden  also  die  Segmente  auch  jetzt  noch  zickzackförmig  in 
einander  greifen.  In  dem  Maße  nun,  als  die  Segmente  nach  außen 
convex  werden,  werden  die  Seilenwände  jedes  Segmentes  mit  der 
basiskopen  Hauptwand  desselben  einen  immer  größeren  Winkel  bil- 
den ,  bis  sie  endlich  mit  dieser  in  eine  Bogenlinie  zusammenfallen 
(Taf.  II,  Fig.  5,  Taf.  HI,  Fig.  Ij.  Von  den  drei  die  Peripherie  des 
Stammquerschnittes  einnehmenden  ßlatttheilen  wird  in  Folge  dessen 
das  älteste  mehr,  das  jüngste  weniger  als  i/^  der  Peripherie  ein- 
nehmen i). 

Bei  Fontinulis  kommt  jedoch  noch  ein  anderer  Umstand  in  Be- 
tracht, der  uns  erst  das  in  späteren  Stadien  so  bedeutende  Ueber- 
ureifen  der   Blattbasis   erklärt.    Es  nimmt  nämlich  am  entwickelten 


*)  Das  ÜbergTcifeii  der  HInttliasen  (Basilarsliieke)  erklärt  sich  also  aus  dem  Umstände, 
daß  die  sie  gnind-  und  sclieitelwärts  begrenzenden  Theile  der  Haiiptwände  nicht 
horizontal  werden,  sondern  sich  scheitelwärts  umstülpen.  Auch  die  Lorenz'sche 
Erklärung  des  Übergreifens  der  ßlattbasen  bei  Fissidens  (I.  c.  pag.  7)  setzt  ein 
solches  Geneigtbleiben  der  Hauptwände  voraus.  Wir  können  allgemein  sagen: 
Überall  dort,  wo  die  in  zwei-  und  dreiseitigen  Scheitelzelleii  sich  ausbildenden 
Wände  (wenigstens  in  ihren  peripherischen  Theilenj  gegen  die  Längsachse  geneigt 
bleiben,  und  die  ganze  Breite  eines  Segmentes  zur  Bildung  der  Blattanlage  ver- 
wendet wird,  werden  wii'  ein  Übergreifen  der  Itlaltbasen  beobachten. 


BeHräge  /.iir  Eii(wicklirnj,',sf;esfliichtp  der  PtI:inÄeii()rf;aiie.  321 

Stäinmchoii  die  Blatthasis  nahezu  zwei  Drittel  des  SteiigeUimlanges 
ein  (Tat.  IV,  Fig.  1). 

Das  hasiskope  Basilarslück  jedes  Blatttheiles  wächst  nämlich 
nicht  in  demselben  Maße  in  die  Breite,  als  dies  gemäß  seiner  ohen- 
erörterten  Neigiingsveränderiing  geschehen  sollte.  Seitlich  grenzen  an 
dasselbe  die  akroskopen  Basilarstücke  der  beiden  nächst  älteren 
Segmente.  Wenn  es  nun  durch  das  zunehmende  radiale  Wachs- 
thum  seiner  basiskopen  Hälfte  und  des  Stengeltheiles  auf  den  Um- 
lang eines  größeren  Kreises  hinaus  gedrängt  wird,  sollte  es  dem  ent- 
sprechend auch  in  die  Breite  (in  tangentialer  Richtung)  wachsen. 
Doch  hält  dies  sein  tangentiales  Waciisthum  nicht  gleichen  Schritt  mit 
dem  Dickenwachsthume  des  Stämmchens,  sondern  bleibt  hinter  dem- 
selben zurück.  Dafür  übernehmen  die  beiden  an  seinen  beiden  Sei- 
ten anliegenden  (akroskopen)  Basilarstücke  der  benachbarten  Seg- 
mente das  dadurch  bedingte  Breitenwachsthum.  Je  größer  nun  die 
Peripherie  des  Querschnittes  wird,  desto  größer  wird  auch  die 
Differenz  der  Bögen ,  die  einerseits  den  akroskopen  Basilarstücken 
der  beiden  älteren  Segmente  eines  Umganges ,  anderseits  dem  basi- 
skopen Basilarstücke  des  von  ihnen  eingeschlossenen  jüngsten  Seg- 
mentes entsprechen.  Da  nun  das  akroskope  Basilarstück  des  Blatt- 
theiles unmittelbar  in  die  freie  Blatttläche  auswächst,  so  wird  der 
Blattgrund  auch  ein  der  oben  erwähnten  Bogengroße  entsprechendes 
Stück  des  Stengelumfanges  einnehmen. 

Eine  einfache  Construction  möge  die  Sache  klar  machen:  In 
Tat".  II,  Fig.  8  A  ist  das  Ineinandergreifen  der  drei  aufeinander  fol- 
genden Blätter  auf  einer  ebengelegten  Cylinderfläche  schematisch 
dargestellt.  Die  Zahlen  I,  II,  III  bezeichnen  die  drei  scheitelwärts 
aufeinander  folgenden  Blätter,  deren  Basilarstücke  durch  ausgezogene 
Linien  erkenntlich  sind.  Ihre  freien  Blattflächen  sind  durch  punktirte 
Linien  angedeutet.  Die  kathodischen  Seiten  der  Blätter  II  und  III 
sind  ihrer  Stellung  gemäß  durch  die  anodischen  Seiten  der  Blätter  I 
und  II  gedeckt.  Die  Basilarstücke  jedes  Segmentes  sind  in  den  brei- 
teren akroskopen  zur  freien  Blattfläche  auswachsenden  und  den 
schmäleren  basiskopen  Theil  geschieden.  Der  Verticalabstand  der 
Blätter  ist  größer  angenommen,  als  dies  in  der  Vegetationsspitze 
der  Fall  ist.  Dort  liegen  sie  in  einer  sehr  flach  verlaufenden  Spirale 
und  es  schließt  die  kathodiscbe  Seite  des  Blattes  l  an  die  anodische 
Seite  des  basiskopen  Basilarstückes  des  Blattes  III  an.   Ffihi-cn  wir 

Sitzb.  (1.  mathem.-iiiituiw.  Cl.  LVII    B.I.  I.  Abth.  21 


322  Lei  t  geb. 

null  durch  die  Knospe  einen  Querschnitt  iji  der  Höhe  x  y,  so  durch- 
schneidet dieser  vom  Blatte  I  das  akroskope  Basilarstück  seiner 
ganzen  Breite  nach;  vom  Blatte  II  das  basiskope  und  die  anodische 
Seite  des  akroskopen,  vom  Blatte  III  nur  das  basiskope  Basilarstück. 
An  der  geschlossenen  Cyündertläche  würde  also  der  Querschnitt 
ungefähr  die  Anordnung  zeigen,  wie  sie  in  Fig.  8  Ä  schematisch 
dargestellt  ist.  Das  Blatt  I  erscheint  an  beiden  Enden  gleich  ent- 
wickelt; das  Blatt  II  ist  an  seiner  k'athodischen  Seite  breiter,  an 
seiner  anodischen  spitzt  es  sich  zu  (da  es  hier  in  seinem  akros- 
kopen Basilartheile  getrofTen  wurde).  Das  Blatt  III  ist  nur  in 
seinem  basiskopen  Basilartheile  getroffen.  Sein  ganzes  akroskopes 
Basilarstück  liegt  über  der  Schnitttläche.  Dies  gilt  auch  von  der 
kathodischen  Seite  des  dem  Blatte  II  angehörigen  akroskopen 
Basilartheiles  (in  der  Figur  durch  eine  punktirte  Linie  ange- 
deutet). 

In  der  Wirklichkeit  sind  nun  die  Grenzen  der  einzelnen  Theile 
selten  so  scharf  erkennbar,  als  wir  es,  um  die  Darstellung  zu  verein- 
fachen, in  diesem  Schema  angenommen  haben.  Hier  hatten  wir  die 
Voraussetzung  gemacht,  daß  die  dem  Blatttheil  des  Segmentes  grund- 
und  scheitelwärts  begrenzenden  Theile  der  Hauptwände  (so  weit  sie 
also  innerhalb  der  Peripherie  des  Stämmchens  gelegen  sind)  genau 
horizontal  seien.  In  der  Natur  ist  dies  höchst  selten,  zunächst  der 
Vegetationsspitze  nie  der  Fall.  Bei  der  allmäligen  Lagenveränderung 
der  Segmente  bleiben  diese  Theile  der  Hauptwände  lange  Zeit  ge- 
neigt. Man  sieht  dies  deutlich  in  Tat'.  I,  Fig,  1,  3,  4,  5  (minder  deut- 
lich in  Fig.  2).  Es  werden  daher  die  Blatttheile  der  vertical  überein- 
ander liegenden  Segmente  in  Ebenen  aneinander  grenzen,  die  mehr 
weniger  gegen  die  Längsachse  des  Stämmchens  geneigt  sind.  Wir 
werden  also  häufig  Querschnitte  erhalten  müssen,  deren  (einem  Blatt- 
theile entsprehende)  Bandzone  stellenweise  aus  den  Blatttheilen  zweier 
verschiedener  Segmente  gebildet  wird,  und  zwar  wird  dann  die 
Peripherie  von  Theilen  des  älteren  grundwärts  anliegenden  Segmen- 
tes eingenommen  werden.  Das  -gleiche  wird  dort  der  Fall  sein ,  wo 
die  akroskopen  Basilarstücke  je  zweier  spiralig  aufeinander  folgender 
Blätter  üitereinander  liegen.  Wenden  wir  diese  Thatsache  auf  die 
sf'hematische  Figur  8  ^  an ,  so  wird  der  Schnitt  xy  z.  B.  an  der 
Stelle,  wo  die  kathodische  Seite  des  Blattes  II  die  anodische  des 
Blattes  I  deckt,  an  der  Peripherie  Theile  des  Blattes  I,  nach  innen 


Beifriij;e  zur  EiitwickluiiiTsgescIiichte  der  Pfliin/.eimr^aiie.  OCO 

solche  des  Blattes  II  treffen.  Es  wird  iiiii'  eine  geringe  Veränderung 
der  Einstellung  des  Mikroskopes  nutlnv endig  sein,  um  allmälig  den 
einen  oder  den  anderen  ßlatttlieil  ganz  zur  Ansicht  zu  bringen.  Bei 
nur  wenig  höherer  Einstellung  (das  Präparat  von  der  Spitze  aus 
gesehen)  wird  vom  Blatte  11  die  kathodische  Seite  in  ihrer  ganzen 
radialen  Ausdehnung  erscheinen,  in  demselben  Maße  die  anodische 
des  Blattes  I  verschwinden.  Das  Blatt  wird  dadurch  seine  kathodische 
Seite  in  der  Weise  ergänzen,  wie  es  in  Fig.  8  B  durch  die  punktirte 
Linie  angegeben  ist. 

Die  ganze  hier  erörterte  theoretische  Deduction  wird  nun  durch 
die  Ansichten,  wie  wir  sie  durch  Längs-  und  Querschnitte  in  der 
That  erhalten,  vollkommen  bestätigt.  Tat".  II.  Fig.  3  zeigt  uns  einen 
(theilweise  schematisirten)  Längsschnitt  durch  die  Vegetationsspitze 
parallel  den  Flächen  einer  Blattzeile  von  innen  gesehen.   1,  2,  3,  4 
sind    die    übereinander   liegenden    Hauptwände.     Man    erkennt    sie 
leicht  an  den  Haaren,  die  an  ihnen  entspringen  (in  der  Zeichnung 
punktirt),   deren  Bildung  jj^.    11   besprochen  wurde.    In  jedem  der 
Segmente  beobachten  wir  eine  den  Hauptwänden  parallel  verlaufende 
Wand.  Sie  entspricht  der  Wand  b  in  Taf.  I,  Fig.  1 — o,  und  ist  in 
dieser  Figur  ebenfalls  mit  h  bezeichnet.  Diese  Wand  trennt  die  bei- 
denBasilarstücke  jedes  Segmentes.  Das  basiskope  erscheint  immer  viel 
niederer  als  das  akroskope,  das  sich  in  die  freie  Blattfläche  fortsetzt. 
Das  basiskope  Basilarstück  (^nij  ist  auch  in  jedem  Segmente  schmä- 
ler als  das  akroskope.  Es  wird  seitlich  von  den  akroskopen  Basilar- 
stücken  der   beiden  der  Entstehung  nach  nächst  älteren  Segmente 
begrenzt,  die  in  der  Zeichnung  imr  in  dem  untersten  Segmente  dar- 
gestellt sind  (^cc  und  ßj,  in  den   übrigen,   der  Deutlichkeit  wegen, 
weggelassen  wurden.    In  Taf.  II,  Fig.  4  sehen  wir  ein  Blatt  (III)  von 
seiner  (convexen)  Außenfläche.  Man  erkeinit  die  beiden  Basilartheile 
und   die   beiden   seitlich   angrenzenden  Blätter  (I   und  II).  An  der 
Hauptwand  1  sind  die  Haare  freiliegend,  an  der  mit  2  bezeichneten, 
scheinen  sie  durch  die  Blatttläche  durch,  h  ist  die  Basilarwand.  In 
Taf.  III,  Fig.  10  ist  bei  gleicher  Lage  des  Objeetes,  ein  Theil  der 
Blattfläche  von  Bd  weggeschnitten.  Die  Haare  an  der  Hauptwand  2 
liegen  daher  an  der  Oberfläche.  Auch  hier  erkennt  man  deutlich  die 
Basilarwand  b,  und  die  an  das  basiskope  Basilarstück  seitlich  anstos- 
senden  Theile  der  Blätter  i^l,  und  ^2.  Auch  an  den  Basilarstücken 
sind  die   oberflächlichen  Zellschichten    durch   den  Schnitt    entfernt. 

21 


3*^4  Lei  t  gel.. 

Taf.  III,  Fig.  9  stellt  ein  Präparat  mit  gleicher  Schnittriehtung ,  aber 
von  innen  gesehen,  dar.   In  beiden  Ansichten  (Fig.  9  und  10)  ist  die 
Wand   b  aus  später  zu  erörternden  Gründen  scheitelwärts  convex. 
Taf.  II,  Fig.  I  zeigt  uns  einen  axilen  Längsschnitt.  Bei  etwas  tieferer 
Einstellung,  die  die  abgewendete  Oberfläche  des   Stämmchens  zeigt, 
gehen   die  Hauptwände   der  Segmente   A  und  B  in   die   punktirten 
Linien  über.   Sie  stellen  die  Begrenzung  der  akroskopen  Basilarstücke 
(der  den  Segmenten  A  und  B  angehörigen  Blatttheile)  dar,  die  an  die 
basiskopen  der  Segmente  B  und  C  stossen,  wie  es  oben  theoretisch 
erörtert  wurde.   Daß  die  punktirte  Linie  im  Segmente  B  höher  liegt 
als  die  ihr  entsprechenile  Hauptwand  im  axilen  Längsschnitt,  erklärt 
sich  aus  der  oben  erörterten  geneigten  Lage  der  Hauptwände,  in  so 
weit  sie  den  Blatttheilen  angehören.    (Hier  sind  übrigens  die  Haupt- 
wände auch  im  Stengeltheile  noch  etwas  geneigt.    Vergi.  Taf.  III, 
Fig.   2).  Taf.  II,  Fig.  6  stellt  den   Querschnitt  durch   einen   schon 
ziemlich  entwickelten  Stammtheil  dar.  Die  Blätter  1  und  2  sind  in 
ihrer  freien  Blattfläche,  das  Blatt  3  in  seinem  akroskopen  Basilar- 
stücke durchschnitten.  Die  punktirte  Linie  zeigt  die  Fortsetzung  des- 
selben   in    die    freie    Blattfläche.     Die    gegen    das    Stengelgewebe 
ihn  begrenzenden  Wände,  die  der  Blattwand  a  (in  Taf.  I,  Fig.  1—5) 
entsprechen,  sind  stärker  gehalten.   Die  Grenze  ist  übrigens  auch  in 
der  Natur  deutlich  zu  erkennen.  Das  Basilarstück  ist  durch  wieder- 
holte tangentiale  Theilungen  mehrschichtig  geworden.  Die  dadurch 
bedingte  Anordnung  der  Zellen  in  radiale  Reihen  ist  besonders  an 
seiner  kathodischen  Seite  noch  deutlich  erkennbar.  An  beiden  Seiten 
spitzt  es  sich  zu,  und  nimmt  über  die  Hälfte  des  Stengelumfanges  ein. 
Vom  Blatte  4  sehen  wir  den  medianen  und  den  anodischen  Theil  des 
ükroskopen    Basilarstückes,    dessen    kathodischer    Theil    über   der 
Schnittfläche  gelegen  ist  (vergl.  Fig.  8  B  \xi\Apg.  15),  es  erscheint 
deßhalb  hier  auch  breiter  als  an  seiner  anodischen  Seite,  wo  es  sich 
wie  das  Blatt  1  zuspitzt.  Hier  umschließt  es  das  basiskope  Basilar- 
stück des  Blattes  5,  das  an  seiner  anodiseiien  Seite  vom  Blatte  3  um- 
schlossen erscheint  *).  Es  besteht  aus  fünf  horizontal  neben  einander 


'j  Daß  dieses  Basilarstück  ganz  iin  seinem  Gruntlp  (liirehschnitten  wurde,  zeigten  die 
Haare,  deren  Ursprung  ans  der  unmittelbar  tiefer  liegenden  Schiclife  am  Präparate 
deutlich  l.eohachtet  werden  konnte.  Die  Haare  gehen  für  die  genaue  Orientiruug 
unschätzbare  Anhaltspunkte  ab. 


Beitriifre  zur  Entwicklung:sg-eschlclite  der  Pflanzenorgane.  o3i) 

liegenden  Zellen,  in  denen  einmalige  tangentiale  Theilnng  eingetre- 
ten ist.  Es  nimmt  viel  weniger  als  ein  Drittel  der  Peripherie  ein.  In 
Taf.  III,  Fig.  1  ist  ein  jüngeres  Stadium  dargestellt.  Die  Vegetations- 
spitze liegt  abgekehrt.  Das  Blatt  i,  als  das  älteste  ist  nur  durch  die 
punktirte  Linie  angedeutet.  Sein  ganzer  Blatttheil  liegt  über  die 
Schnittfläche.  Das  Blatt  2  ist  an  der  Stelle  getroffen ,  wo  der  Blatt- 
theil in  die  freie  Blattfläche  übergeht.  Die  akroskope  Hauptwand  des 
Basilarstückes  begrenzt  das  Stämmchen  nur  an  dessen  kathodischer 
Seite.  Seine  anodische  Seite  liegt  (in  Bezug  auf  die  Zeichnung) 
höher.  Das  Blatt  3  ist  in  seinem  akroskopenBasilarstücke  und  zwar  in 
dessen  ganzer  peripherischen  Ausdehnung,  durchschnitten.  An  seiner 
kathodischen  Seite  erscheint  es  etwas  durch  das  Blatt  2  gedeckt.  Es 
ergibt  sich  dies  aus  der  oben  erwähnten  schiefen  Lage  der  Hauptwände. 
Vom  Blatte  4  sieht  man  nur  das  basiskope  Basilarstück,  eben  so  vom 
Blatte  5.  Im  Stengeltheil  erkennen  wir  deutlich  den  Verlauf  der  drei 
Hauptwände  (eigentlich  Seitenwände  der  Segmente),  der  schon  nahe- 
zu horizontal  liegenden  Stengeltheile  (der  Segmente),  die  zu  den 
Segmenten  gehören,  die  auch  die  Blätter  3,  4,  5  bildeten.  Die  zwei 
den  Stengeltheil  des  Segmentes  3  seitlich  begrenzenden  Hauptwände 
umschließen  einen  kleineren  Bogen,  als  es  dem  durch  den  Schnitt 
getroffenen  akroskopen  Basilartheile  desselben  Segmentes  ent- 
spricht, das  sich  auf  Kosten  der  basiskopon  Basilarstücke  4  und  S 
verbreiterte.  In  den  Segmenten  4  und  5  ist  der  dem  radialen  Verlauf 
der  Hauptwände  entsprechende  Bogen  grüßer,  als  der  durch  die 
Blatttheile  derselben  Segmente  (4  und  5)  eingenommene,  da  diese  in 
ihren  basiskopen  Basilarstücken,  die  im  tangentialen  Wachsthume 
zurückblieben,  durch  den  Schnitt  getroffen  wurden.  Diese  Differenz 
der  Bögen,  wie  sie  einerseits  den  Stengeltheilen,  anderseits  den 
Blatttheilen  entsprechen,  wird  natürlich  auf  Schnitten,  die  der  Sehei- 
telzelle  näher  liegen,  succesive  geringer  ausfallen,  weil  auch  die 
durch  das  ungleiche  tangentiale  Wachsthum  der  beiden  Basilarstücke 
entstehende  Differenz  gegen  die  Spitze  hin  immer  geringer  wird. 
Wir  sehen  dies  zum  Beispiele  in  Taf.  III,  Fig.  5,  wo  der  zweit-  oder 
drittjüngste  Segmentumlauf  getrofi'en  wurde.  Ein  noch  jüngeres 
Stadium  stellt  Taf.  II,  Fig.  5  dar. 

Die  seitlichen  Ränder  der  akroskopen  Basilarstücke  liegen  An- 
fangs ganz  in  der  Oberfläche  des  Stämmehens.  Später  überwachsen 
sie  die  benachbarten  Zellen,  wobei  sie  ihnen  entweder  fest  anliegen. 


326  I.eitgeb. 

und  so  mir  den  Qiiersclinilf  des  Stäinnieheiis  vergriK.Wrn ,  oder  sich 
von  ihnen  trennen.  Ersteres  ist  am  (irnnde  jedes  nkroskopen  Basi- 
larstückes  der  Fall.  Weiter  scheitelwärts  tritt  der  Rand  über  die 
Oberfläelie  des  Stämnichens  heraus.  Es  entstehen  auf  diese  Weise 
am  Stiinmichen  tlügehirtige  Anhänge,  die  alhnälig  in  die  freie  Biatt- 
tläche  übergehen;  oder  was  dasselbe  ist,  die  Blätter  erscheinen  mit 
stark  herablaufender  Basis  am  Stämmchen  befestigt.  An  Stellen ,  an 
denen  mit  freiem  Auge  oder  mittelst  der  Loupe  diese  flügelartigen 
Anhänge  nicht  mehr  wahrgenommen  werden  können,  erkennt  man 
an  Querschnitten  unter  dem  Mikroskope  noch  die  seitlichen  Ränder 
daran,  daß  an  diesen  Stellen  die  Zellen  hockerarfig  über  die  Peri- 
pherie vorstehen  (Taf.  IV,  Fig.  1). 

Es" ist  übrigens  wohl   natürlich,  dalJ»  die  Grenze  zwiscben  den 
beiden  Basilarstücken,  was  die  DiiTerenz  der  ihnen  entsprechenden 
Bögen  betrilTt.  in    der  Natur  nicht  so  scharf  ausgeprägt  sein  kann, 
wie  es  oben  bei  der  theoretischen  Betrachtung  der  Einfachheit  halber 
angenommen   und   der  scbematischen   Figur  Taf.   II,   Fig.  8  A   zu 
Grunde  gelegt  wurde.  Weiters  muß  wobl  berücksichtigt  werden,  daß, 
den  Theiluugen  der  Scheitelzclle  entsprechend,  jedes  nächst  jüngere 
Segment  höher  liegt ,  als  das  der  Entstehung  nach  ihm  unmittelbar 
vorhergehende,  daß  also,  wenn  die  kathodische  Seite  des  Blattes  1 
an  die  anodischc  des  dem    Blatte  3  angchörigen  basiskopen  Basilar- 
slückes  angrenzt,  die  Blatttheile  1  und  3  an  ihren  beiden  Seiten  ein 
ungleich  starkes  Längenwachsthum  werden  zeigen  müssen.  Zunächst 
der  Spitze,  wo  der  Blattcyklus  in  einer  sehr  flachen  Spirale  verläuft, 
wird  dieses  ungleichmäßige  Wachsibum  allerdings  kaum  bemerkbar 
sein.   Anders   jedoch   in  späteren   Stadien,   wo  nach  Streckung  der 
Inlt-rfoliartheile  der  Verticalabstand  der  Blätter  so  bedeutend   wird. 
liier  werden  zum  Beispiele  bei  linksläuliger  Segment-  und  also  auch 
Blatfspirale  die  aimdischen  Seiten  der  akroskopen  Basilarstücke  eine 
stärkere  Längenentwickelung  zeigen  müssen,  als  deren  kathodischc 
Seiten.  Es  wird  am  Blatte  3  z.  B.  die  seitlich  überwachsende  anodi- 
sche  Seite  bis  zur  Ursprungsstelle  der  freien  Blattfläche  des  Blattes  2 
reichen  müssen.   In  etwas  vorgerückteren  Stadien  werden  sich  also 
ilic  Blaltllicilc  auf  einer  eben  gelegten  Cylinderfläche  in  der  Weise 
ausnehmen,  wie  es  in  Taf.  II.  Fig.  7  schematisch  dargestellt  ist.  Es 
gelang  mir  allerdings  nicht,  diese  DilVcrcnz  der  Längen  beider  Sei- 
ten durch  direcle  Be(d»achtung  in  allen  Fällen  mit  Sicherheit  nach- 


ReifrSg'e  zur  Enfwickliingsgpsi'liichfc  der  PnHiizeiiorgaiie.  O  ■*  < 

zuwoiseii,  da  zur  Zeit,  als  dieselbe  überhaupt  bemerkbar  wird,  auch 
die  Begreuzuiigsliuien  der  Segmente  und  Segmenttheile  nicht  mehr 
erkannt  werden  können.  Aber  es  ergibt  sich  dieses  Verhältniß  noth- 
wendiger  Weise,  wenn  wir,  wie  es  oben  geschehen,  ein  überwiegen- 
des tangentiales  Wachsthum  der  akroskopen  Basilarstiicke  gegen- 
über der  hasiskopen  voraussetzen.  Diese  Annahme  wird  aber  durch 
die  directe  Beobachtung  bestätigt.  Man  könnte  allerdings  auch  an- 
neJimen,  dal.\  der  ganze  Blatttheil  des  Segmentes  wegen  der  ge- 
neigt bleibenden  Lage  der  scheitel-  und  grundsichtigen  Hauptwände 
seitlich  von  den  Blatttheilen  der  beiden  nächst  älteren  Segmente  um- 
schlossen wird,  und  auch  in  diesem  Falle  müßte  derselbe  immer 
weniger,  jeder  der  beiden  andern  mehr  als  ein  Drittel  der  Peripherie 
einnehmen.  Dann  aber  könnte  man  bei  wechselnder  Einstellung  nicht 
eine  so  rasche  Breitenzunahme  des  betreffenden  (basiskopen)  Basi- 
larstückes  scheitelw\^irts  (und  umgekehrt)  beobachten;  es  könnte  der 
Querschnitt  nie  Ansichten  geben,  wie  sie  in  Taf.  II,  Fig.  6,  Blatt  5 
und  Taf.  III,  Fig.  1  dargestellt  sind. 

Daß  übrigens  eine  solche  Längendifferenz  der  beiden  Seiten  des 
akroskopen  Basilarstückes  in  der  That  vorhanden  ist,  dafür  spricht 
vielleicht  die  Beobachtung  der  herablaufenden  Blattränder  am  ent- 
wickelten Stämmchen.  Wir  finden  nämlich  dieselben  selten  gleich 
lang,  sondern  es  ist  der  freie  anodische  (in  der  Blattspirale  höher 
gelegene)  Band  weiter  herablaufend ,  als  der  kathodische ,  was  nach 
den  oben  erörterten  Wachsthumsverhältnissen  nothwendiger  Weise 
eintreten  muß.  Da  jedoch  die  basipetale  Erstreckung  dieser  flügel- 
artigen Anhänge  durchaus  nicht  auch  mit  der  der  betreffenden  akro- 
skopen Basilarstücke  zusammen  fallen  muß,  so  möchte  ich  auf  diese 
Thatsache  kein  zu  großes  Gewicht  legen.  (Man  vergl.  Taf.  III, 
Fig.  6—8.) 

Ich  gehe  nun  zur  Entwicklung  des  Stengelt  heiles  der 
einzelnen  Segmente  über. 

Ich  habe  schon  oben  erwähnt,  daß  die  Hauptwände  der  Seg- 
mente zunächst  der  Scheitelzelle  gerade .  dann  bogenförmig  nach 
innen  verlaufen,  und  daß,  nach  Bildung  der,  das  Segment  in  Blatt- 
und  Stengeltheil  trennenden  Längswand,  dieser  allmälig  in  eine 
horizontale  Lage  übergeht.  Unmittelbar  nach  Entstehung  dieser 
Wand,  also  noch  zu  einer  Zeit,  wo  der  Stengeltheil  des  Segmentes 
eine  geneigte  Lage  hat,    sehen   wir  ihn  durch  eine  Sextanten- 


wand  ')  gelht'ilt.  Schi"  (leiillicli  sielit  man  diesen  Tlieiinngsvorgang 
an  Veiter  von  der  Scheitclzelle  enlfernten  Qnerschnitten  ,  wo  die 
Stengeltheile  der  Segmente  als  dreieckige  liorizontalliegende  Plat- 
ten erscheinen,  die  im  Centrnm  znsanimenstoßen  (Taf.  IIT,  Fig.  1 
und  ö).  .lede  dieser  dreieckigen  Platten  ist  durch  die  Sextaiitenwand 
in  zwei  nebeneinander  liegende  Zellen  (Sextanten)  zerfallen,  die  in 
Bezug  auf  ihre  Größe  um  so  ungleicher  sind ,  je  weiter  vom  Mittel- 
punkte entfernt  sich  die  Sextantenwand  an  eine  der  Seitenwände 
ansftzt.  Dabei  \\  ird  die  Blallwand  regehnäßig  in  der  Älilte  getrofVen, 
(hiiicr  die  Sextanten  an  der  Peripherie  gleich  breit  sind.  In  den  sel- 
lenslen  Fällen  fand  ich  die  Sextantenwände  in  den  Segmenten  eines 
Querschnittes  homodrom.  In  der  Regel  sehen  wir  ihren  Verlauf  in 
der  Weise,  wie  es  in  Taf.  III,  Fig.  1  und  5  dargestellt  ist.  Zwei  der 
Sextantenwände  setzen  sich  an  den  anodischen,  eine  an  der  katliodischen 
Seite  des  betreffenden  Segmentes  an").  In  Bezug  auf  die  weiteren 
Theilungen  läßt  sich  nur  so  viel  erwähnen,  daß  in  dem  größeren  bis 
ins  Centrum  reichenden  Sextanten  constant  durch  eine  Tangential- 
wand  eine  innere  Zelle  abgeschnitten  wird  s).  In  dem  kleineren  Sex- 
tanten treten  hingegen  meist  radiale  Wände  auf,  die  entweder  homo- 
drom der  Sextantenwand  sich  an  der  Seilenwand  des  Segmentes  an- 
setzen, oder  in  entgegengesetzter  Richtung  verlaufen,  und  die  Sex- 
tanteiiwand  treffen.  Die  weitere  Theilungsfolge  ist  für  das  in  Taf.  III. 
Fig.  1  dargestellte  Präparat,  aus  dem  beigegebenen  Schema  ersicht- 
lich (Fig.  1  B).  An  diesen,  wie  an  allen  ähnlichen  Präparaten  beob- 
achtet man  sogleich  auf  den  ersten  Blick,  daß  die  Theilungen  vor- 
wiegend in  centrifugaler  Richtung  vor  sich  gehen,  wodurch  sich  eine 
Übereinstimmung  mit  dem  (jieläßcylinder  der  Wurzeln  der  Gefäß- 
kryptogamen herausstellt. 

Am  Stämmchen  von  Fontinalis  hat  es  übrigens  weiter  kein  In- 
teresse, den  Theilungsvorgang  in  den  Stengeltheilen  der  Segmente 
genauer  zu  verfolgen ,  da  eine  Differenzirung  des  GeAvebes  in  mor- 
phologisch zu  unterscheidende  Elemente  nicht  stattfindet.  Ich  zweifle 
jedoch  nicht,  daß  bei  akrokarpischen  Moosen,  in  deren  Stämmchen 

')    Kiilslt'liiinn'  und  Waclistlmni  ilor  Wurzeln.  .  .  .  pag.  T'J. 

-)    Anoli  in   den  Wni/.eln  set/.en    sieh   die  Sexlanlenwünde  liiiiidger  :in  den  iinodischeil 

als  :in  den  kHlliodiselien  Seiten  an    (I.  c.    pag.  7'.t). 
*)   Aiieli    in  dieser  üezielinng  sehen  wir   die  vollkommenste  l  liereinstiinnMin^    mit  den 

Wiir/.eln  der  (iet'Sßkry|>»(igameii  (1.  c.  pag-.  79,  105). 


Beiträge  zur  Entwickliinprs^esohichtf  der  Pflanzenorgane.  O-cQ 

ein  Mittelsir.'tng  stets  vorhanden  ist,  derselbe  sieli  ans  morphologiseh 
bestimmten  Zellen  der  Sextanten  entwickelt,  nnd  es  wäre  dann  ganz 
wohl  möglieh,  daß  auch  in  dieser  Beziehung  mit  den  Getaßkrypto- 
gamen  eine  Übereinstimmung  bestände. 

Ich  habe  bis  jetzt  nur  das  Diekenwachsthum  des  Slämmchens 
btsjiroehen.  Was  das  Längenwaehstb  u  m  desselben  betrifft,  so 
wurde  oben  erwähnt,  daß  die  erste  Quertheilung  in  dem  Hlattlheile 
jedes  Segmentes  schon  sehr  früh  auftritt,  da  durch  sie  (Basilarwand) 
ja  die  Differenzirung  desselben  in  das  grund-  und  scheitelsichtige 
Basilarstiick  eingeleitet  wird.  Um  diese  Zeit  zeigen  die  Zellen  des 
axilen  Stengeltheiles  noch  keine  Querwände,  und  es  tritt  dadurch 
der  Unterschied  zwischen  Stengel-  und  Blatttheil  jedes  Segmentes 
um  so  auflallender  hervor  (Taf.  I,  Fig.  2,  Segment  V,  VI,  VII).  Einige 
Segmente  tiefer,  erscheinen  auch  die  Zellen  der  Stengellheile  quer- 
getheilt.  Die  Querwände  treten  mit  den  in  denBlatttheilen  entstandenen 
auf  gleicher  Höhe  auf.  Nur  wenig  tiefer  am  Stamme  erscheinen  die 
beiden,  die  Höhe  eines  Segmentes  bildenden  zwei  Zelllagen  nochmals 
quer  getheilt,  so  daß  nun  der  Stengeltheil  des  Segmentes  aus  vier 
Stockwerken  von  Zellen  besteht.  Die  weiteren  Theilungen  lassen  sich 
durch  directe Beobachtung  nicht  mehr  ermitteln.  Es  werden  nämlich, 
in  Folge  einer  nun  eintretenden  sehr  starken  Längsstreekung  die  An- 
fangs nahezu  in  derselben  Ebene  liegenden  Querwände  jedes  Stock- 
werkes verschoben,  und  die  Grenzen  der  Segmente  werden  ebenfalls 
undeutlich.  Doch  können  wir  aus  den  fertigen  Zuständen,  wie  sie  an 
ausgewachsenen  Slämmchen  beobachtet  werden,  auf  die  Zahl  der 
slattgefundenen  Quei-theilungen  zuriickschliessen.  DerVerticalabstaud 
zweier  übereinander  stehender  Blätter  beträgt  im  Durchschnitte 
2-3  Mill.  K^s  entspricht  dieser  Abstand  natürlich  der  Höhe  eines  Seg- 
mentes. Die  übereinander  liegenden  axilen  (dem  Stengeltheil  der 
Segmente  angehörigen)  Zellen  des  Stämmebens  stoßen  mit  nahezu 
horizontal  laufenden  Querwänden  aneinander,  und  haben  durcliscbniH- 
lich  0-26  Mm.  Länge.  Es  kommen  somit  ungefähr  8  Zellen  auf  dleHi)Iie 
eines  Segmentes,  was  also,  nach  Bildung  der  vier  Stockwerke  eine 
nochmalige  Quertheilung  sämmtlicher  Zellen  voraussetzt.  Wir  können 
also  sagen,  daß  in  den  Stengeltheilen  der  Segmente  sich  die  Quer- 
tbeilungen  dreimal  wiederholen. 

Die  den  Blatttheil  der  Segmente  zusammensetzenden  Zellen 
verhalten  sieh  in  dieser  Beziehung  anders.  In  entwickelten  Stamm- 


330  Leitgeb. 

tlu'ilon  sind  sie  im  Ganzen  doppelt  so  lang-  als  die  des  axilen  Ge- 
webes, und  an  beiden  Knden  zngespitzt,  so  daß  sie  sieh  auf  ziemlieh 
weite  Strecken  zwischen  einander  einschieben.  Es  ist  also  anzuneh- 
men, daß  in  ihnen  eine  Quertheiinng  unterbleibt.  Nur  dort,  wo  das 
akroskope  Basilarstück  in  die  IVeie  Blatttläehe  übergelit,  erscheinen 
sie  besonders  zunächst  der  Oberfläche  viel  kürzer.  Es  ist  zweifellos, 
daß  sie,  nach  Bildung  der  Blattscheitelzelle,  aus  dieser  entstanden 
sind,  obwohl  die  directe  Beobachtung  weder  die  Folge  der  Theilungen 
noch  eine  allfiillige  Regelmäßigkeit  der  Anordnung  erkennen  läßt. 


Das  Stämmchen  von  Fontinnlis  zeigt  eine  ungemein  reiche 
Verzweigung.  Die  Knospen  wachsen  entweder  zu  vegetativen 
Sprossen  aus,  oder  werden  reproductiv,  indem  sie  Antheridien  oder 
Archegonien  bilden.  Die  Blattspirale  ist  ausnahmslos  der  des  betref- 
fenden Muttersprosses  autidrom.  Da  die  Axen  erster  Ordnung  fast 
ausnahmslos  liuksläufige  Blatt- (also  auch  Segment-)  Spiralen  zeigen, 
linden  wir  an  den  Achsen  zweiter  Ordnung  Rechtsdrehung,  an  denen 
dritter  Ordnung  Linksdrehung  und  so  fort. 

Die  Stellung  der  Knospen  am  entwickelten  Sprosse  zeigt  in  so 
ferne  eine  gewisse  RegelmälJtigkeit,  als  die  Einfügungsstelle  meistens 
an  dem  herablaufenden  Blattrande  eines  ungefähr  auf  gleicher 
Höhe  stehenden  Blattes  liegt.  Sie  erscheint  eben  so  häufig  bis  zu 
einer  Stelle  grundwärts  gerückt,  wo  der  herab  laufende  Blatt- 
rand verschwindet,  als  auch  öfters  über  die  Einfügungsebene  des 
Blattes  emporgehoben.  Nach  zahlreichen  Beobachtungen  an  voll- 
kommen entwickelten  Stammtheilen,  wie  an  solchen,  an  denen 
die  Längsstreckung  noch  nicht  vollendet  war,  glaube  ich  es  als  allge- 
meine Regel  aufstellen  zu  können,  daß  die  Knospen  am  anodischen 
Rande  eines  mit  ihm  auf  ungefähr  gleicher  Höhe  stehenden  Blattes 
stehen;  also  bei  rechtsumläuliger  Blattspirale  am  linken,  bei  linksum- 
läufiger  am  rechten  Blattrande,  das  Blatt  von  außen  und  vom  Grunde 
aus  betrachtet.  Doch  auch  in  dieser  Beziehung  finden  wir  häufig 
genug  Ausnahmen.  So  sehen  wir  im  Schema  Taf.  III,  Fig.  0  bei 
rechtsläufiger  Spirale  auch  am  kathodischen  Rande  des  Blattes  2 
eine  Knospe  stehen:  im  Schema  Fig.  7  bei  linksläufiger  Spirale  die 
Knospen  ebenfalls  am  kathodischen  Rande;  in  Fig.  8  bei  linksläufiger 
Spirale  linden  wir  Knospen  an  beiden  Rändern  des  Blattes  3;  am 
Blatte  4  eine  solche  am  kathodischen  Rande. 


Beidägp  zur  Eiifwicklunosgescliichfe  der  Pfliin/.enorjjane.  do  I 

Hofmeistor ')  hat  für  Sphftgnum  die  Stelliiiio-  der  Knospen 
dahin  präeisirt,  daß  sie  sich  constant  am  linken  Blallrande  befinden. 
Ans  der  Betrachtui.g  fertiger  Znstände,  nnd  noeh  mehr  dnreh  direete 
Beohaehtnng  ihrer  Anlage  am  Seheitel  kommt  er  znr  Ansicht,  da(5> 
die  Anfangszelle  eines  Seitensprosses  nnmittelbar  znnäehst  derSchei- 
telzelle  von  einer  Blattnintterzelle  abgeschnitten  werde  (p.  271). 
Obwohl  nur  Darslelinng  inid  Zeicbnnng  (Taf.  VIII,  Fig.  \'.i)  nicht 
ganz  klar  ist,  glanhe  ich  Hofmeister  doch  recht  zn  verstehen, 
daß  er  eine  Knospe  mit  linkslänfiger  Spirale  vor  sieb  balle,  inid  daß 
die  Sproßmutterzelle  aus  dem  kathodiscben  Rande  einer  Blattnintter- 
zelle gebildet  wird.  Dann  würde  sich  allerdings  bei  linksläntiger 
Spirale  die  Stellung  der  Knospen  am  linken  Blaftrande  erklären.  Bei 
Rechtsdrehung  der  Segmentspirale  müßte  dann  in  dem  Falle,  als  wir 
uns  die  Knospenanlagen  in  derselben  Weise  gebildet  denken  (die 
sie  bildenden  Mutterzellen  also  wieder  am  kathodiscben  Rande  der 
Blattmntterzellen  abgeschnitten  würden),  die  Knospen  am  rechten 
Blattrande  gestellt  erscheinen.  Ist  dies  jedoch  nicht  der  Fall ,  und 
stehen  die  Knospen  constant  am  linken  Blattrande  (und  Hofmeister 
spricht  dies  p.  270  absolut  aus),  so  müßte  man  annehm(Mi ,  daß  bei 
Rechtsdrehung  der  Segmentsspirale,  die  auch  nach  Hofmeister 
(p.  26o)  öfters  vorkommt,  die  Knospenmutterzelle  von  dem  anodi- 
schen Rande  der  Blattmutterzelle  abgeschnitten  würde.  Mir  fehlt  der- 
malen das  Material  zur  Beobachtung,  und  ich  muß  mich  daher  auf 
diese  Erörterung  beschränken. 

Ich  habe  schon  oben  erwähnt,  daß  wir  bei  Foiäinalls  nicht  in 
allen  Fällen  die  Knospe  auf  den  linken  Rand  eines  Blattes  beziehen 
können,  und  daß  im  Gegentheile  bei  linksumläufiger  Spirale  die  Knos- 
pen sich  in  der  grüßten  Mehrzahl  der  Fälle  am  rechten  ßlattrande 
befinden.  Abgesehen  davon,  daß  bei  rechts-  und  linksläufiger  Spirale 
unzweifelhaft  Fälle  beobachtet  wurden,  wo  die  Knospe  an  den  rechten 
Rand  eines  Blattes  gerückt  war,  gibt  es  andererseits  auch  Fälle,  wo 
Knospen  an  beiden  Rändern  eines  Blattes  zu  beobachten  sind.  Ein 
hieher  gehöriger  Fall  wurde  schon  oben  besprochen  (Taf.  III,  Fig.  8). 
Ist  dann  dazu  noch  der  Verticalabstand  der  Blätter  schon  bedeutend, 
so  fällt  jede  Möglichkeit,  die  Knospe  auf  den  benachharten  Rand  des 
nächst  tieferen  Blattes  zu  beziehen,  von  selbst  hinweg  (Taf.  III,  Fig.  6). 


1)   Zusätze  und  Bericlitigungon.  .  .  .  Pr  i  ngsln' iins  Jahrliiichcr  111    png.  270. 


332  Lei  t  geb. 

Auch  tritt  häufig  der  Fall  ein,  daß  die  Knospe  in  Bezug  auf  ihren 
Verticalabstand  genau  in  der  Mitte  zwischen  zwei  Blättern  gelegen  ist, 
was  auch  in  Bezug  auf  ihre  horizontale  Divergenz  gegen  die  beider- 
seits benachbarten  Blattränder  nicht  selten  beobachtet  wird.  Gegen 
die  Hofmeist  er'sche  Darstellung  der  Bildung  der  Knospenanlage 
sprechen  aber  vor  Allem  jene  Fälle,  wo  zwei  Knospen  unmittelbar 
neben  einander  stehen  (Fig.  8,  Bl.  2).  Ich  habe  dies  zu  wieder- 
holten Malen  beobachtet.  Die  beiden  Knospen  stehen  meist  etwas 
schief  über  einander,  öfters  auch  horizontal  neben,  ein  andermal  ver- 
tical  über  einander.  Ich  habe  mich  mit  Hilfe  des  Mikroskopes  über- 
zeugt, daß  beide  direct  aus  dem  Stengel  entspringen,  daß  also  durch- 
aus nicht  die  eine  derselben  als  Tochterknospe  der  anderen  angesehen 
werden  kann,  wofür  weiter  noch  der  Umstand  spricht,  daß  sie  homo- 
drome  Segmentspiralen  zeigen  i).  Ich  glaube  nicht,  daß  es  möglich 
wäre,  diese  Stellung  nach  der  Hof  meist  er 'sehen  Darstellung  der 
Knospenbildung  bei  Sphagnum  erklären  zu  können. 

Bei  Fontinalis  entwickeln  sich  die  Knospen  aus  dem  basiskopen 
Basilarstücke  des  Blatttheiles  eines  Segmentes.  Es  ergibt  sich  dies 
schon  aus  der  Betrachtung  der  Längsschnitte.  In  Höhen,  wo  die 
Grenzen  der  Segmente  gi'iind-  und  scheitelwärts  noch  vollkommen 
scharf  erkennbar  sind ,  sehen  wir  an  der  dem  basiskopen  Basilar- 
stücke eines  Segmentes  angehörigen  Zelle  eine  überwiegende  Längen- 
entwicklung auf  Kosten  der  dem  oberen  Basilarstücke  angehörigen. 
Ihr  freier  Außenrand  erscheint  stark  nach  außen  gekrümmt.  Wir 
sehen  dies  in  Taf.  I,  Fig.  1  am  untersten  Segmente  der  rechts 
gelegenen  Reihe.  In  dieser  Zelle  sind  auch  schon  schiefe  Wände 
aufgetreten,  durch  die  eine  dreieckige  Zelle  abgeschnitten  wurde. 
Die  Aufeinanderfolge  der  schiefen  Wände  war  an  diesem  Präparate 
nicht  wahrzunehmen.  Noch  deutlicher  sehen  wir  die  Bildung  dieser 
dreieckigen  Zelle  in  Taf.  I,  Fig.  4  im  unteren  Segmente.  Hier  sieht 
man  auch,  daß  von  den  beiden  schiefen  Wänden,  die  scheitelwärts 
gelegene  die  ältere  ist.  Die  die  dreieckige  Zelle  grund-  und  scheitel- 
wärts begrenzenden  Zellen  (Theile  der  ursprünglichen  grundsichtigen 


^)  Bei  dem  in  dieser  Abhandlung  schon  mehrmals  erwähnten,  so  weit  die  Beob- 
aclitungen  reichen,  aiisii;ihnislii,s('ii  Gesetze  der  Antidromie  der  Blaltspiralen  an 
Sprossen  zweier  auf  einander  folgender  Ceneralinnen  ist  diese  Thalsaelie  gewiß 
nicht  zu  unterscliätzen. 


1 


Beiträge  zur  Eiitwickliingsgescliicliti-  der  Ptlanzeiior^ane.  333 

Basalzelle)  haben  sich  durch  tangentiale  Wände  weiter  getheilt,  ein 
Vorgang  der  in  dem  Falle,  als  schiefe  Wände  nicht  gebildet  werden, 
im  ganzen  basiskopen  Basilarstiicke  normal  auftritt  (Taf.  I,  Fig.  2 
Segment  VII,  VIII,  Fig.  3).  In  Taf.  I,  Fig.  3  sehen  wir  die  drei- 
eckige Zelle  schon  weiter  entwickelt;  es  hat  sich  aus  ihr  eine 
Knospe  gebildet,  deren  Entwicklung  gleich  ist  der  des  Mutter- 
sprosses. Weiters  sehen  wir  an  dem  nämlichen  Segmente  die  über- 
wiegende Längsstreckung  des  grundsichtigen  (die  Knospe  bildenden) 
Basaltheiles  gegenüber  dem  scheitelsichtigen. 

Ich  glaube,  daß  schon  aus  den  bis  jetzt  erörterten  Thatsachen 
sich  die  Entwicklungsgeschichte  der  Knospen  aus  dem  basiskopen 
Basilarstücke  eines  Blatttheiles  ergibt.  Daß  diese  dreieckige  Zelle 
die  Mutterzelle  einer  Knospe  ist,  ist  unzweifelhaft.  Es  könnte  vielleicht 
noch  der  Einwand  gemacht  werden,  ob  diese  Zelle  denn  wohl  dem 
basiskopen  Basilarstücke  eines  Segmentes  angehöre,  ob  sie  nicht 
vielleicht  als  Randzelle  eines  seitlich  gelegenen  Blatttheiles  aufzufassen 
sei,  was  bei  dem  starken  Übergreifen  der  Blattränder  immerhin 
möglich  wäre.  Es  könnte  dies  besonders  dann  leicht  der  Fall  seiu, 
wenn  der  Längsschnitt  das  Segment  ziemlich  weit  rechts  oder  links 
von  seiner  Mediane,  die  mit  der  Mittellinie  der  freien  Blattfläche  zu- 
sammenfällt, getroffen  hat.  Daß  dies  in  den,  obiger  Darstellung  zu 
Grunde  gelegten  Präparaten  nicht  der  Fall  war,  ergibt  sich  wohl 
schon  aus  der  genau  axilen  Lage  der  durch  das  Zusammenstossen  der 
rechts  und  links  gelegenen  Segmente  entstehenden  Zickzacklinie. 
Überdies  kann  man  sich  über  die  Richtung  der  Schnittebene  durch 
die  Betrachtung  der  Lage  der  (tiefer  oder  höher  liegenden)  dritten 
Blattzeile  vollkommen  sicher  überzeugen.  Ist  aber  der  Schnitt  genau 
parallel  den  Flächen  einer  Blattzeile  und  zu  gleicher  Zeit  axil  geführt, 
so  ist  es  namentlich  nahe  dem  Scheitel,  wo  ein  Übergreifen  der 
Ränder  der  Blattanlagen  noch  unbedeutend  ist,  unmöglich,  die  seit- 
lichen Blattränder  der  oberhalb  oder  unterhalb  der  Schnittebene 
gelegenen  Blattzeile  durch  den  Schnitt  zu  treffen  (Taf  II,  Fig.  5,  6, 
Taf.  III,  Fig.  1,  5). 

Diese  Verhältnisse  werden  uns  übrigens  am  Querschnitte  noch 
viel  klarer,  Taf.  III,  Fig.  4  Ä  zeigt  uns  den  Querschnitt  eines 
Stämmchens.  Er  entspricht  in  Bezug  auf  seine  Entfernung  vom 
Scheitel  ungefähr  dem  im  Längsschnitte  Taf.  I,  Fig.  3  dargestellten 
untersten  Segmente.  In  Bezug  auf  die  Gruppirung  der  durchschnit- 


334  Leitgeb. 

teilen  Segmente  und  deren  Ausbildung  hält  er  die  Mitte  zwischen  den 
in  Tat".  11,  Fig.  6  und  Tat".  Hl,  Fig.  1  dargestellten  Querschnitten. 
Daß  die  Knospe  a  dem  jüngsten  der  drei  durchschnittenen  Segmente 
angehört,  ist  wohl  unzueilVlhatt.  I)<'nn,  würde  man  sie  mit  einem  der 
i)eiden  seitlich  angrenzenden  Segmente  in  Verhiiulung  zu  bringen 
suchen,  so  würde  die  Peripherie  des  Querschnittes  von  nur  zwei 
Segmenten  eingentuiimen  sein.  Dies  ist  jedoch  unmöglich,  da  ja  die 
Randzone  jedes  Querschnittes  diu'ch  drei  Segmente  gebildet  sein 
muß.  Weilers  erscheint  der  Knospengrund  tief  in  das  Gewebe  des 
Stämmchens  eingesenkt,  was  also  auch  eine  Überwachsung  des 
(Ifilleii  S(^gmeiites,  von  einer  der  beiden  Seiten  aus,  durchaus  aus- 
schließt. Das  älteste  Segment  des  Querschnittes  wurde  in  seinem 
akroskopen  Basilartheile  durchschnitten.  Es  nimmt  schon  nahezu 
den  halben  Umfang  des  Querschnittes  ein.  In  seiner  Mitte,  aber 
einem  tiefer  liegenden  Gewebe  angehörig,  liegt  die  Knospe  ß, 
Fig.  4  B  zeigt  uns  dasselbe  Präparat  von  der  anderen  Seite.  Hier 
erscheint  der  Grund  der  Knospe  ß  durch  den  Schnitt  biosgelegt. 
Der  peripherische  Theil  des  ihr  zugehörigen  Segmentes,  der  früher 
(in  der  Ansicht  des  Präparates  von  der  anderen  Seite)  y.  der  Peri- 
pherie einnahm,  erscheint  auf  einen  viel  kleineren  Bogen  reducirt. 
Es  ist  dies  eben  der  viel  schmäler  bleibende  grundsichtige  Basilar- 
theil,  der  hier  dieselbe  Entwicklung  zeigt,  wie  in  Fig.  4  A,  der  die 
Knospe  a  tragende.  Seitlich  ist  er  begrenzt  von  den  scheitel- 
sichtigen Basilartheilen  zweier  ihrer  Entstehung  nach  nächst  älteren 
Segmente,  denen  nämlich,  die  den  Segmenten  2  und  3  in  Fig  4 
A  grundwärts  anliegen  (vgl.  pag.  15).  Auch  hier  reicht  die  Knospe 
tief  in  das  Gewebe  des  Stämmchens  hinein.  Die  Begrenzungswand 
der  Knospe  gegen  das  innere  Gewebe  des  Stämmchens  entspricht  der 
Blattwand  (a  in  Taf.  I,  Fig.  i—H,  Tai".  III.  Fig.  1),  durch  die  das 
Segment  in  den  Blatt-  und  den  Stengeltheil  zerfällt.  Taf.  III,  Fig.  3 
zeigt  ein  noch  jüngeres  Stadium  der  Knospenanlage.  Der  Blatttheil 
des  Segmentes  ist  in  seiner  Mitte  stark  radial  verbreitert.  Er  ist 
seiner  ganzen  Breite  nach  durch  radiale  Wände  getheilt.  Ent- 
sprechend dem  stärkeren  radialen  Wachsthume  in  seiner  Mitte  sind 
auch  hier  die  Zellen  stärker  radial  gestreckt,  und  erscheinen  auch 
schon  tangential  getheilt.  An  dieser  Figur  wie  auch  in  Taf.  III,  Fig.  1 
(Segment  4  und  ö)  ist  eine  der  radialverlaufenden  Wände  genau  in 
der  Mitte  gelegen.  Daraus  folgt,  daß,   wenn   endlich  durch  Bildung 


Beiträg'e  zur  Eiit«  ifkluujjsgescliichte  di-r  Fflanzeiiorgaue.  OOO 

von  schiefen  Wänden  die  Seheitelzelie  für  die  Knospe  gebildet  wird, 
diese  nicht  in  einer  median  gelegenen  Zelle,  sondern  rechts  oder 
links  von  der  Mediane,  für  diesen  Fall  also  in  einer  der  beiden  Zellen 
rn  und  n ,  auftreten  kann.  Dadurch  wird  aber  die  Knospe  in  ihrer 
weiteren  Entwicklung  nothwendiger  Weise  einem  der  beiden  seitlich 
gelegenen  Segmente  näher  gerückt  sein,  als  dem  andern.  Dies  sehen 
wir  auch  in  Fig.  4  B,  wo  sich  die  Knospe  ß  zweifellos  aus  der  Zelle 
n  entwickelt  hat.  Ich  halte  dies  für  den  Grund ,  warum  wir  an  ent- 
wickelten Zuständen  die  Knospe  meist  so  nahe  an  einen  der  Blatt- 
ränder (in  der  Regel  an  den  anodischen)  gerückt  sehen  (Taf.  III, 
Fig.  6,  7,  8).  Es  ist  dies  jedoch,  wie  schon  oben  bemerkt,  keine 
ausnahmslose  Regel;  wir  sehen  aber  dem  entsprechend  auch  in 
Fig.  4  B  die  Knospe  aus  der  anodisch  gelegenen  Zelle  entspringen, 
also  näher  an  den  kathodischen  Rand  eines  Blattes  gelegen. 

Auch  die  Tangentialschnitte  stehen  in  vollkommener  Überein- 
stimmung mit  der  eben  gegebenen  Darstellung  der  Entwicklungs- 
geschichte der  Knospen.  Taf.  III,  Fig.  9  stellt  einen  solchen  Schnitt 
dar.  Die  Blattfläclie  mit  den  dazu  gehörigen  Basilarstücken  erscheint 
von  innen  gesehen.  Bi,B^  sind  die  aus  den  beiden  nächst  älteren  Seg- 
menten gebildeten  Blätter.  ^3  ist  das  Blatt,  welches  zu  dem  Segmente 
gehört,  das  durch  die  Hauptwände  1  und  2  grund-  und  scheitelwärls 
begrenzt  wird.  Die  Wand  b ,  welche  als  Basilarwand  den  Blatttheil 
des  Segmentes  in  das  grund-  und  scheitelsichtige  Basilarstück  trennt, 
ist  stark  seheitelwärts  convex.  Das  grundsichtige  Basilarstück  ist  da- 
her in  seiner  Mitte  bedeutend  länger,  als  das  scheitelsichtige.  Dieses 
hat  sieh  fast  nur  durch  Längswände  getheilt.  In  dem  grundsiclitigen 
Basilarstücke  sehen  wir  eine  Knospenanlage,  deren  Entwicklung  schon 
ziemlich  weit  vorgeschritten  ist.  Mit  Sicherheit  läßt  sich  die  gene- 
tische Aufeinanderfolge  der  Hauptwände  wohl  nicht  mehr  bestimmen. 
Doch  wahrscheinlich  geschah  dies  in  der  Weise,  wie  es  die  auf  ein- 
ander folgenden  Zahlen  angeben  1). 

Nur  ist  es  dann  auffallend,  daß  auf  die  Wände  1  und  2  nicht 
eine   Wand  mit  gleicher  Divergenz   folgt,    sondern  daß  die  dritte 


1)  Den  Anhaltspunkt  zur  Bestimmung  der  Altersfolge  der  Segmente  bot  die  schon 
erwähnte  Thatsache ,  daß  die  Blattspirale  eines  Tochtersprosses  der  des  Mutfer- 
sprosses  ausnahmslos  antidrom  ist.  Die  Spirale  am  Muttersprossc  war  hier  rechts 
umiäuiig.   Die  Knospe  wird  daher  eine  links  umläutige  Spirale  zeigen  müssen. 


336  Leitgeb. 

VV^jtiid  wieder  mit  1  parallel  ist.  Die  Folge  dieses  Theilurigsvorgaii- 
ges  wäre  iiotlnveiidiger  Weise  die  gewesen,  daß  der  Knospengruiid 
w  eitcr  scheitelwärts  gerückt  hätte  erscheineii  müssen ,  und  es  ist 
wohl  niüglich,  daß  in  solchen  Unregelmäßigkeiten,  die  in  Bezug  aul' 
die  Theilungsvorgänge  bei  der  Anlage  von  Knospen  vorkommen, 
der  Grund  liegt,  daß  dieselben  gegenüber  dem  seitlich  gelegenen 
Hlattrande  in  ihrem  Verticalabstande  so  häufig  wechseln  (vergl. 
pag.  23).  Taf.  III,  Fig.  10  stellt  einen  ähnlichen  Schnitt  dar.  Die 
Knospe  ist  weniger  weit  entwickelt.  Das  Präparat  erscheint  von  außen 
gesehen.  ^,,  B,,  B^  sind  die  auf  einander  folgenden  Blätter.  V^om 
Blatte  3  ist  der  mediane  Theil  der  stark  gekrümmten  Blattfläche  durch 
den  Schnitt  entfernt.  In  dem  scheitelwärts  durch  die  Hauptwand  2, 
grundwärts  durch  die  Basilarwand  b  begrenzten  akroskopen  Basilar- 
stücke,  sind  die  Ursprungszellen  der  Haare  sichtbar  (vergl.  Taf.  I, 
Fig.  4,  Wand  e).  Das  basiskope  Basilarstück  zeigt  die  schiefen 
Wände  1  und  2 ,  wie  das  Präparat  in  Fig.  9.  Die  dritte  Wand 
tritt  hier  jedoch  mit  gleicher  Divergenz  gegen  1  und  2  auf.  Es 
ist  also  die  Knospenscheitelzelle  schon  durch  die  Wände  1  und  2 
gebildet,  während  in  Fig.  9  erst  nach  Bildung  der  Wand  3  die 
regelmäßige  Theilungsfolge  beginnt.  Auch  hier  ist  dife  Basilar- 
wand (6)  scheitelwärts  convex;  doch  nicht  in  dem  Maße,  wie  in 
Fig.  9 

Aus  der  Betrachtung  der  Fig.  9  und  10  ergibt  sich  übrigens 
noch  eine  andere,  an  allen  ähnlichen  Präparaten  beobachtete  That- 
sache.  Durch  die  Lage  der  ersten  schiefen  Wände  ist  die  Lage  der 
Segmente  bedingt.  Da  die  zwei  ersten  schiefen  Wände  gegen  die 
Längsachse  des  Stämmchens  gleich  geneigt  erscheinen,  so  wird  die 
Scheitelzelle  immer  eine  ihrer  Flächen  der  Spitze  des  Muftersprosses 
zuwenden.  Es  wird  dann  natürlich  auch  eine  der  Segment-  (und  Blatt-) 
Zeilen  der  Stammspitze  zugewendet  sein.  Betracliten  wir  ferner, 
z.  B.  in  Fig.  10  die  durch  die  schiefen  Wände  1  und  2  von  der 
Basilarzelle  abgeschnittenen  Stücke,  als  schon  zur  Knospe  gehörig  '), 
so  wird  das  durch  die  Wand  3  abgeschnitlene  Segment  das  jüngste 
des  ersten  Undaufes  sein.  Es  ist  nicht  uninteressant,  diese  Verhält- 
nisse mit  denen  zu  vergleichen,  wie  sie  von  Nägeli  und  mir  für  die 
Entwicklung  der  Wurzelzweige   bei  Gefäßkryptogamen   angegeben 


1)   Um  die  für  die  Wurzeln  der  tiel'äßkiyptogHnien  gelniiuelite  Aiiscliaiiung  t'estzuliiilleii. 


ni'iträp:^  zur  Entwicklungsgeschichte  der  Pflanzenorgaiie.  doT 

wurden  ').  Auch  doit  ist  die  Lage  der  Scheitelzelle  der  Tochterwurzel 
gegen  die  Miitterwurzel  genau  bestimmt,  und  zwar  kehrt  sie  dieser 
eine  Kante  zu.  Es  liegt  daher  eine  Segmentzeile  von  der  Spitze  der 
Mutterwurze!  abgekehrt  (die  beiden  anderen  Segmentzeilen  liegen 
ebenfalls  rechts  und  links).  Dabei  ist  aber  schon  die  erste  der  schie- 
fen Wände  von  der  Spitze  abgekehrt;  das  dadurch  gebildete  Seg- 
ment das  älteste  des  ersten  Umlaufes.  Es  ist  daher  bei  den  Wurzeln 
das  erste  ipergesteilte  Segment  auch  das  iUteste  des  ersten  Umlaufes; 
im  Stämmchen  von  Fontinalis  dagegen  das  jüngste.  Bei  der  Gesetz- 
mäßigkeit dieses  Vorganges  ist  es  wohl  möglich,  daß  er  durch 
dilTerente  Wachsthumsvorgänge  der  Mutterorgane  bedingt  wird.  Ich 
vermag  für  jetzt  allerdings  nicht,  in  dieser  Hinsiclit  irgendwelche 
Beziehungen  aufzufinden,  und  muß  mich  ])egnügen,  auf  diesen  merk- 
würdigen Unterschied  hinzuweisen. 

Es  ist  weiters  noch  ein  anderer  Unterschied  hervorzuheben,  der 
zwischen  der  Zweigbildung  an  Wurzeln  und  der  am  Stämmchen  von 
Fontinalis  besteht.  So  weit  unsere  Beobachtungen  reichten,  ließ 
sich  bei  den  Wurzeln  in  Bezug  auf  die  Bichtung  der  Segmentspiralen 
in  Mutter-  und  Tochterwurzeln  ein  Gesetz  nicht  nachweisen.  Wir 
fanden  eben  so  liäufig  homodrome  als  antidrome  Segmentspiralen. 
Nicht  so  ist  es,  wie  schon  oben  erwähnt,  hei  Fontinalis.  Die  Seiteii- 
sprossen  sind  ausnahmslos  antidrom  den  bezüglichen  Muttersprossen. 

Es  wäre  möglich,  daß  diese  Thatsache  mit  einer  anderen  Er- 
scheinung im  Zusammenhang  stände : 

In  der  Vegetationsspitze  zeigen  die  jungen  Blattanlagen  genau 
die  Divergenz  1/3.  Wir  beobachten  hier  keine  Drehung.  Mehrere 
Blattcyklen  entfernt,  ist  eine  solche  jedoch  schon  sehr  deutlich  wahr- 
zunehmen. Es  verhalten  sich  aber  in  dieser  Beziehung  die  Sprosse 
verschieden.  Solche,  welche  wenig  Knospenanlagen  entwickeln,  er- 
scheinen viel  weniger  stark  gedreht,  als  andere,  an  denen  die  Knos- 
pen in  großer  Zahl  angelegt  sind.  Es  gibt  Sprosse,  an  deren  Spitze 
fast  auf  jedes  Segment  eine  Knospe  kommt.  Diese  zeigen  denn  auch 
eine  ungemein  starke  Drehung,  die  dann  auch  weiter  scheitelwärts 
reicht,  als  an  Sprossen  mit  nur  wenigen  Knospenanlagen. 

Die  Drehung  ist  immer  der  Segmentspirale  homodrom.  Was 
immer  der  ursprüngliche  Grund  der  Drehung  sein  mag,    so  viel  ist 


»)   L.  e.    pag.  89. 
SitzL.  d.  mathein. -iiaturw.  II.  LVH.  üd.  I.  Ahth.  22 


3dO  L  P  i  t  g^  e  1». 

zweifellos,  ilaü  in  dein  Falle,  als  die  Knospe  eine  dem  Mntlei'spi-osse 
antidi'ome  Segment-  nnd  also  auch  Dreluingsspirale  zeigt,  die  Dre- 
hung am  letzteren  gefördert  werden  muß,  während  homodrome  Dre- 
hungen liemmend  auf  einander  einwirken  müssen. 

Die  Erklärung  des  Vorkommens  zweier  horizontal  neben  einan- 
der, oder  vertical  oder  schief  über  einander  stehenden  Knospen, 
dessen  oben  gedacht  wurde,  bietet  keine  Schwierigkeit.  Es  gelang 
mir  zwar  nicht,  die  Entwicklung  derselben  von  ihrer  ersten  Anlage 
an  zu  verfolgen.  Doch  ist  es  wahrscheinlich,  daß  bei  iiorizonta!  neben 
einander  stehenden  Knospen,  in  zwei  der  im  Querschnitte  nebeu 
einander  liegenden  Zellen  des  basiskopen  Basilarstückes,  durch  Bil- 
dung schiefer  Wände  Knospenscheitelzellen  entstehen  (vergl.  Taf.  III. 
Fig.  1,  3,  4,  Zellen  m,  ??).  Auch  die  schief  stehenden  Knospen  dürf- 
ten auf  ursprünglich  liorizontal  neben  einander  stehende  zurückzu- 
führen sein.  Es  ist  immer  eineKnospe  im  geringeren  Maße  entwickelt 
als  die  andere,  und  es  ist  schon  dadurch  nothwendiger  Weise  eine 
Verschiebung  ihrer  Einfügungsel)ene  bedingt.  Zur  Erklärung  vertical 
über  einander  stehender  Knospen,  sind  wir  gezwungen  anzunehmen, 
daß  im  basiskopen  Basilarstücke  vor  Bildung  einer  Knospenscheitel- 
zelle  eine  Theilung  durch  Querwände  stattgefunden  hat. 

Wenn  in  dem  Blatttheile  des  Segmentes  keine  Knospe  angelegt 
wurde,  so  verhalten  sich  beide  Basilartheile  hinsichtlich  des  Maßes 
ihres  Längenwachsthumes  gleich.  Wir  sehen  dies  in  Taf.  F.  Fig.  2, 
wo  selbst  im  Segmente  VIII  eine  Längendifferenz  noch  nicht  wahr- 
zunehmen ist.  Wenn  jedoch  im  basiskopen  Basilartheile  eine  Knospe 
angelegt  wurde,  so  überwiegt  das  Längenwachsthum  desselben  gar 
bald  das  des  akroskopen  Basilarstückes.  Dies  ist  der  Fall  in  Taf.  l, 
Fig.  1  im  rechts  untersten  Segmente,  das  '\n  Bezug  auf  seine  übrige 
Entwicklung  kaum  so  alt  erscheint,  als  das  Segment  VIII  in  Fig.  2. 
Dasselbe  beobachten  wir  in  Fig.  4  am  unferslen  Segmente,  wo  das 
basiskope  Basilarstück  nahezu  doppelt  so  lang  erscheint,  als  das 
akroskope.  Im  ülu-igen  z(Mgt  es  denselben  Entwicklungsgrad,  wie  das 
Segment  VIII  in  Fig.  2.  Noch  größer  ist  die  Längendilferenz  der 
beiden  Basilartheile  in  Fig.  3  im  untersten  Segmente,  wo  wir  abei- 
auch  schon  ein  alleres  Entwicklungsstadinm  vor  uns  halten. 

Betrachten  wir  niui  im  Zusammenhange  mil  den  eben  erürlerteii 
Thatsachen  die  Tangenlialsclinitle  Taf.  JH.  Fig.  0  und  10,  so  sehen 
wir,   (laß   diese    überwiegende  Längenentwicklnng  nicht  das  ganze 


Beitrüge  i^ur  EiiL«  ickluiigsgeschiehte  der  Pllaiueiiurgaiie.  dotl 

basiskope  ßasilarstück  trifft,  sondern  vorzüglich  in  der  Mitte  vor  sich 
geht.  Es  betheiligen  sich  dabei  vor  allen  die  durch  die  zwei  ersten 
schiefen  Wände  (t  und  2)  von  der  knospenbildenden  Basilarzelle  ab- 
geschnittenen Stücke. 

Wenn  man  Sproßenden  mit  reichlicher  Knospenbildung  unter- 
sucht, so  finden  wir  denn  auch  die  Knospe  an  den  Ursprung  der 
l'reien  Blatlfläche,  die  mit  ihr  demselben  Segmente  angehört,  hinaut- 
gerückt.  Da  wir  nun  wissen,  daß  sich  dieses  Segment  bis  zum  ver- 
tical  tiefer  stehenden  Blatte  erstreckt,  und  daß  die  Knospe  dem 
basiskopen  Basilartheile  angehört,  so  folgt  daraus,  daß  zur  Längs- 
streckung des  Blatttheiles  des  Segmentes  vorzüglich  das  basiskope 
ßasilarstück  beiträgt.  Je  weiter  wir  nun  mit  der  Untersuchung 
grundwärls  fortschreiten,  um  so  weiter  rückt  die  Knospe  von  der 
Blattbasis  nach  unten  und  steht  endlich  in  '/s ,  später  in  1/3  des  Ab- 
standes  zweier  vertical  über  einander  stehender  Blätter.  Daraus  folgt, 
daß  auf  das  überwiegende  Längenwachsthum  des  basiskopen  Basilar- 
stückes  ein  stärkeres  Längenwachsthum  des  akroskopen  folgt. 

Ich  habe  schon  früher  erwähnt,  daß  bei  der  Längsstreckung 
des  basiskopen  Basilarstückes  der  mediane  Theil  stärker  betheiligt 
ist,  als  die  seitlichen.  Dadurch  wird  nun  die  Einfügungsebene  der 
freien  Blattfläche  stärker  gegen  die  Spitze  geneigt.  Wenn  man  daher 
am  entwickelten  Stämmchen  Querschnitte  macht,  so  werden  jene, 
welche  die  Einfügungsstellen  der  Blattränder  treffen,  weiter  grund- 
wärts  gelegen  sein ,  als  die ,  welche  den  Grund  des  medianen  Blatt- 
theiles durchschneiden.  An  letzteren  Schnitten  wird  die  Blattbasis 
einen  viel  kleineren  Theil  des  Stengelumfanges  einzunehmen  scheinen, 
als  dies  in  der  That  der  Fall  ist  (vergl.  Taf.  IV,  Fig.  1  und  2  sammt 
Erklärung). 


340  Lei  t  geb. 


Erklärung-  der  Tafeln. 


Die  nicht  schcniiilischen  Fifruren  sind  sämiiitlicli  mit  dem  Söm  m  erin  g'- 
schen  Spiopfelclien  .y^ezfichni-t ;  die  in  (  )  stehenden  Zahlen  gehen  die  Ver- 
jjii'ßerung  an.  In  allen  Figuren  bezeichnet: 

li  die  Hanptwand, 

s  die  Sextantenwand, 

a  die  Blattwand, 

b  die  Dasilarwiind, 

c.  d,  e  Wände  des  akrosUopen  Basiiarstückes  in  ihrer  genetischen  Folge 
am  axilen  Längsschnitt, 

t  Haare. 

Tafel  I. 

Fig.  1.  (250).  Längsschnitt  durch  die  Terminalknospe.  Der  Schnitt  ist 
parallel  den  Flächen  der  einer  Blattzeile  anpehörigen  Blätter.  In  dieser,  wie  in 
den  folgenden  Figuren  ist  das  Gewebe  der  freien  Blattfläche  nicht  gezeichnet. 

Fig.  2.  (250).  Schnitt  wie  in  der  vorigen  Figur.  Die  Zahlen  I,  \\,  HI  etc. 
bezeichnen  die  Segmente  einer  Längsreihe  in  ihrer  Aufeinanderfolge  vom 
Scheitel  grundwärts. 

Fig.  3.  (250).  Blatttheile  der  Segmente  einer  Längsreihe.  Schnitt  wie 
Fig.  2.  Das  unterste  Segment  zeigt  eine  Knospe  im  Längsschnitt.  Die  nach 
links  sich  fortsetzenden  punktirfen  Linien  deuten  die  ins  Stamminnere  sich 
fortsetzenden  Hauptwände  der  Segmente  an. 

Fig.  4.  (250).  Wie  Fig.  3.  Die  Blatttheile  zweier  Segmente  darstellend. 
Im  unteren  Segmente  ist  die  Scheitelzelle  einer  Knospe  gebildet. 

Fig.  5.  (250).  Schnitt  wie  in  den  früheren  Figuren.  Die  Segmente  einer 
Längsreihe  im  medianen  Längsschnitte  zeigend. 

Fig.  6.  A  (250).  Vegetationsspitze  in  der  Längsansicht.  Die  Zahlen  1,  2. 
3,  etc.  geben  die  genetische  Folge  der  Segmente  an.  Segment  1  und  2  sind 
durchschnitten,  die  übrigen  unverletzt.  Segment  3  und  6  sind  von  der  Fläche 
(ihrer  Hauptwände)  gesehen,  v  die  Scheitelzelle.  Im  Segmente  3  ist  durch 
den  Schnitt  der  Blatttheil  bloßgelegt,  indem  der  Blattheil  des  grundwärts  an- 
liegenden Segmentes  entfernt  wurde,  h  die  hasiskope  Hauptwand  des  Segmen- 
tes 3,  an  der  Stelle,  wo  sie  an  das  tieferliegende  Segment  angrenzt.  Der  ober- 
halb b  (Basilarwand)  gelegene  zur  freien  Blattfläche  auswachsende  Tlieil  zeigt 
die  Blattseheitelzelle  gebildet.  (Die  punktirten  Wände  waren  im  Präparate  sehr 
undeutlich.)  Das  Kntwicklungsstadium  dieses  Segmentes  entspricht  ungefähr 
des  Segmentes  IV  in  Fig.  2. 


Beiträge  i^ur  Kiitwifkluiig-sgesehiclile  iler  l'HiiiizeiiormiiiL'.  ont  l 

Fig.  6.  B.  Opiischer  Längsschnitt  desselben  Präparates  .       k      .  ,•     i 
Fig.  6.  C.  Das  Segment  3  im  medianen  Längsschnitte      j 
Fig.  7.  A.  (2Ö0).  Ansicht  einer  Vegetationsspitze  von  obrn.  Die  Scheitel- 
zelle liegt  mit  ihrer  Außenfläche   über  der  Einstellungsebene.   Sie  erscheint 
hier  im  optischen  Querschnitte  (durch  die  punktirten  Linien  angedeutet). 

Fig.  7.  B.  (230),  Wie  ^1.  Das  Bild  wurde  erhalten,  durcli  successiv  tiefere 
Einstellung,  von  der  Scheilelzelle  an,  grundwärts.  (Vergl.  Fig.  2.) 

Tafel  II. 

Fig.  i.  (230).  Längsselinift  durch  eine  Vegetationsspilze.  Es  sind  nur  die 
Begrenzungslinien  der  Segmente  (und  Blätter)  gezeichnet.  Die  punktirten 
Linien  in  den  Segmenten  A  und  B  sind  durch  die  Einstellung  auf  die  (abgekehrt 
liegende)  Oberfläche  des  Präparates  erhalten,  und  stellen  die  Begrenzung  der 
auswachsendeu  akroskopen  Basilarstücke  dar. 

Fig.  2.  (330).  Junges  Blatt  von  der  Fläche  gesehen.  1  und  2  die  beiden 
erslen  schiefen  Wände,  die  die  Blaüscheitelzelle  gebildet  haben. 

Fig.  3.  (2S0).  Eine  Segmentzelle  von  innen  gesehen.  1,  2,  3,  4  die 
scheitelwärts  aufeinander  folgenden,  die  Segmente  begrenzenden  Hauptwände. 
Die  grundsichtigen  Basilartheile  erscheinen  viel  niederer  als  die  scheitelsich- 
tigen. (Vergl.  Taf.  1,  Fig.  2.  Segment  IV,  Vil,  VIII  und  Fig.  ö.)  Nur  im  unter- 
sten Segmente  sind  die  seitlich  anstossenden  Blätter  (a,  j3)  gezeichnet.  In  den 
anderen  Segmenten  sind  sie  weggelassen.  Die  Figur  ist  Iheilweise  schematisirt. 

Fig.  4.  (230).  Ein  Blattcyklus  von  außen  gesehen.  Vom  Blatte  III  sieht 
man  die  beiden  Basilartheile.  Die  an  der  Hauptwand  2  entspringenden  Haare 
scheinen  durch  die  Blattfläche  hindurch. 

Fig.  3.  (330).  Scheitelzelle  und  anliegende  Segmente  von  oben  gesehen. 
Man  sieht  die  convergirenden  Seitenkanten  der  Scheilelzelle. 

Fig.  6.  (230).  Querschnitt  durch  das  Stämmchen,  1  Millim.  von  der 
Spitze  entfernt,  i,  2,  ',\,  4  etc.  die  genetisch  aufeinanderfolgenden  Blätter  (oder 
Blatttheile).  Erklärung  im  Texte  pag.  324. 

Fig.  7.  Die  mit  dem  Stammgewebe  verwachsen  bleibenden  Blatttheile  auf 
der  eben  gelegten  Cylinderfläche,  nach  erfolgter  Längsstreckung.  Schematisch. 

Fig.  8.  .-1.  Abgerollter  Blattcyclus.  Der  Verticalabstand  der  Blätter  ist 
noch  unbedeutend.  Die  Blatttheile  sind  mit  ausgezogenen,  die  freien  Blattflächen 
mit  punktirten  Linien  angedeutet.  Sehematisch. 

Fig.  8.  B.  Derselbe  Blattcyclus  aufgerollt  und  im  Querschnitte  darge- 
stellt, x—y  in  A  ist  die  Schnittebene  für  die  Ansicht  B.  Schematisch. 

Tafel  III. 

Fig.  1.  (330).  Querschnitt  durch  ein  Stämrachen,  ganz  nahe  der  Vege- 
talionsspitze,  vom  Grunde  gesehen.  Das  älteste  Blatt  i  ist  nur  durch  eine 
punktirte  Linie  angedeutet.  Weitere  Erklärung  im  Texte,  pag.  323. 

Fig.  \.  B.  Theilungsschema  für  die  innerhalb  der  Blätter  3,  4,  3  gelege- 
nen Stengeltheile  der  Segmente.  In  jedem  Sextanten  geben  die  Zahlen  die 
genetische  Folge  der  Wände  an. 


34^       Leil  geb.   Beiträge  zur  EiiUvickliiiigsgescIiichte  der  Pflanzenorgaiie. 

Fig.  2,  (2Ö0).  Seitliche  Ansicht  einer  Knospe.  Man  sieht  tlie  stark  über- 
t,Meif'enden  Rlatthasen.  Die  punktirten  Linien  zeigen  sich  im  optischen  Längs- 
schnitt.  Ks  .sind  ilie  Hanptwiiiule  der  Segmente. 

Fig.  H.  (330).  (Jucrsclinitt  dnreh  ein  Segment  (parallel  den  Haiiptwiinden). 
Der  Blatttheil  wnrde  in  .seinen  basiskopen  Basilartheile  getroffen,  m,  n  radial 
auswachsende  Zellen  (iiir  I'ildung  der  Knospenanlage). 

Fig.  4.  .4.  (330j.  Ouerseimilt  durch  ein  Slämmchen  nahe  der  Vegetalions- 
si)itie.  Im  jüngsten  Segmente  des  (juerseliniltes  und  zwar  im  hasiskopeii 
FJasilartheile  ist  eine  Knospe  (a)  längs  durchschnitten.  An  dem  ältesten  Seg- 
mente, dessen  akroskoper  Basilartheil  durchschnitten  ist,  sieht  man  die  Knospe 
ß,  die  unter  der  Sehnittehene  liegt. 

Fig.  4.  /»'.  (330J.  Das  in  A  dargestellte  Präparat,  von  der  anderen  Seite 
(vom  Grunde  aus)  gesehen.  Die  Knospe  ß  erscheint  im  Längsschnitt;  der 
Blatttheil  des  Segmentes  ist  in  seinem  (viel  schmäleren)  basiskopen  Basilar- 
llif'ile  getroffen.  Weitere  Erklärung  im  Texte,  pag.  334. 

Fig.  5.  (330).  Querschnitt  durch  eine  Knospe  sehr  nahe  der  Spitze.  In 
dem  Stengeltheiie  der  Segmente  sieht  man  die  Sextantenwände  (^fij. 

Fig.  6,  7,  8.  Stellung  der  Knospen  (w)  zu  den  Blatlhasen,  auf  der  eben 
gelegten  Cyiindertläche  dargestellt.  Fig.  8  '/^  Miilim.,  Fig.  6  und  7  1  Centim. 
von  der  Spitze  entfernt. 

Fig.  9.  (330).  Längsschnitt  durch  den  Blatttheil  eines  Segmentes,  parallel 
der  Blatttläche.  Von  innen  gesehen.  /?,,  />'^,  B^  genetische  Aufeinanderfolge 
der  Blätter.  (Vergl.  Fig.  3  in  Taf.  II.) 

Fig.  10.  (330).  Schnitt  wie  Fig.  9.  Von  aussen  gesehen.  Der  mediane 
Theil  der  Blattfläche  ist  durch  den  Schnitt  weggenommen.  (Vergl.  Fig.  4  in 
Taf.  II.)  Die  weitere  Erklärung  dieser  und  der  früheren  Figur  im  Texte 
pag.  33ö. 

Tafel  IV. 

Fig.  I.  (2Ö0).  Querschnitt  durch  den  älteren  Theil  eines  Stämmehens. 
Bei  X  und  y  die  seitlichen  Bänder  der  herablaufenden  Blattbasis. 

Fig.  2.  (250).  Nächst  höherer,  der  Spitze  näher  geleger\er  Querschnitt. 
Der  mit  dem  Stengelgewebe  verwachsen  bleibende  Biattthoil  ist  nur  zunächst 
der  Blaftmediane  getroffen. 


H.|,,-ili:<-l'    l'xili^'r''    ^"''  Hnlwnkcliuii;-  il''f  l'i  l:Hiy,<-Mori;;iM(-^ 


AnbPolzöT  litVi 


kns  H   k.k.Hof-u.  ,'-:t.i  atsdruck?T  ' 


Sitziuiosb.d.kAkad  (IWisseiililiiiwilli  uatiiiw  II  IATllI{(lI.Al)Üi.l868. 


II .  I.cill^el).  i'if-ilfa£c    y.iii    Hiilwickrluni;   lici    l'f  luii/iCiiori;';i  iic 


'i;.r.i( 


Ant.Polr.er  litli .  -^^s  d_k  k  Hoi-u  Staatsdrucker ei- 

Sitzuiu;sb.iiltAk.idd.VVi.s.seulili.matli  iiiiturw  (l.LVIIl-Bd.IAbÜx.1868. 


H    L<>il"Vl»    IJciha-'i-    y.\w  Kulwiikclinii;"  lUr  PI  l'.'iiy.ciiofy'.iiif^. 


Tal, in. 


Ant  Folzerlirti.  -'-^  i  i^  k  ^^"^-^^  ^;a  ai^-druckei  e; 

Sitzuiio-.sb .  (1  k.  Ak-ad  (i  Wsseuicli  juatli  n«  Uinv  (1  TAX  Bd.  LAbÜi.  1868 . 


H.L«>ili:'<-l).  lifilräü'c    zur  Ktilwiikfliiiii;   «Ici    l'(  l-.iii/.ciioreariP. 


Taf.IV 


f<ru:iHH^/ 


Ant.Polzer  liU  Aus  d  k.k.Ho£-u.  Staatsdr  ackere; 

.  Sit/iiii^v^l'  il  l<.\k:ul  (IVVi.sseiilMijuiatli  n.iliirwCI.  iah:  15(1  1  Ablli,  18()8. 


34;] 


VI.  SITZUNG  VOM  20.   FEtllUJAR    18(58. 


Herr  ,[.  l*.  Wlacli.  ITii'sIlicIi  Lohkowit/Zsclier  BtM'jjverw.'ilter  zu 
Nekmirz  in  Böhmen,  übermittelt  eine  Alihnmllnng,  betitelt:  „Erster 
Versueb  einer  Geologie,  begründet  auf  die  Kraftsubstanzen  des  ;\Ia- 
gnelisnius  nnd  der  Elektrieiiät". 

Herr  Prof.  R.  Nienitsehik  in  (Jraz  übersendet  eine  Abhand- 
lung: ..Studien  über  Fläehen,  deren  zu  einer  Ave  senkrechte  Schnitte 
ähnliche  Ellipsen  sind". 

Herr  Dr.  Th.  Oppolzer  legt  eine  Abhandlung:  ,.Über  die 
Bestimmung  einer  Kometenbahn"  vor. 

Herr  Dr.  S.  Stricker  überreicht  eine  Aldiandlung:  ..Über  die 
Bildung  der  Keimblätter  im  Hühnerembryo,  von  Herrn  Dr.  Pere- 
meschko  aus  Kasan". 

An  Druckschriften  wurden  vorgelegt: 

.Apotheker- Verein,  allgem.  österr.:  Zeitscliril't.  0.  Jahrg.  Nr.  4. 

Wien,  1868.  8o. 
Astronomische  Nachrichten.  Nr.  1678.  Altona,  1868:  4o. 
Comptes  rendus  de  seances  de  1' Academie  des  Sciences.  Tome 

LXVI,  Nr.  3.  Paris,  1868;  4o. 
Cosmos.    3^  Xerie.    X\]V  Annee,    Tome  H,    T'  Livraison.    Paris. 

1868;  8o. 
(iewerbe- Verein  ,    n.  -  ö. :    Verhandlungen    und    i\Iittheilungen. 

XXIX.  Jahrg.  Nr.  7.   Wien,  1868;  8o. 
Istituto,  Reale,  Veneto  diScienze,  Lettere  edArti:  Atti.  Tome  XHI", 

Serie  IIP,  Disp.  V—2\  Venezia,  1867—68;  S". 
Land  bete,  der  steierische.  I.  Jahrgang.  Nr.  3.  Graz,  1868;  4". 
Mittheilungen   des   k.  k.  (ifMiie-foniite.    Jahrg.    1868,   1.   Helt. 

Wien;  8«. 
Osservatorio  del"  R.  Collegio  Carlo  Alberto  in  Moncalieri:  Bidlet- 

tino  meteorologico.  Anno  I.,  Vol.  I.  (l86o — 66):  Anno  H.,  Vol. 

(f.  (1866—67.)  Torino.  1866-1867;  4". 


344 

Qua  Irefages    de,  Observations  siir  une  brocluire  de  M.  Ed.  Cla- 

padere,   intitiilee   „De  la  Striicture  des  Aiinelides".  (Extr.  des 

Comptes-rendus,  t,  LXVI.)  4«. 
KeichsanstaU,  k.  k,  geologisehe:  Verhandlungen.   1868,  Nr.  3. 

Wien;  8". 
Hevue  des  cours    scientifiques    et  litteralres    de    la  France    et    de 

l'etranger,  V''  Annee,  Nr.  11.  Paris  &  Briixelles,  1868;  4». 
Soeiety,   the  Asiatie,   of  Bengal :   Journal.   Part  II,  Nr.    1.    1867. 

Calcutta;  8". 
\\  i  e  n  e r  Landwirthscliaftliche  Zeitung.  Jahrg.  1 868,  Nr.  7.  Wien ;  4". 
—  medizin.    Wochenschrift.    XVIII.    Jahrg.    Nr.    14 — 15.    Wien. 

1868;  4«. 


SITZUNGSBERICHTE 


DEH 


KAISEKLK  HEN  AKADEMIE  DEH  WISSENS!  IIAETEN 

MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHK  CLASSE. 

LVII.  BA^I). 

ERSTE  ABTHEILUNG. 

3. 

Kntliält  die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  Mineralogie,  Uolanik, 
Zoologie,  Anatomie,  Geologie  und  Paläontologie. 


Sitzb.  d.  inathein.-naturw.  Cl.  LVII.  Bd.  I.  Ahth.  'i'i 


347 


Vn.  SITZUNG  VOM  12.  MÄRZ  1868. 


Der  Secretär  legt  folgende  eingesendete  Abhandlungen  vor: 

„Der  Meteorsteinfall  vom  30.  Jänner  1868  unweit  Warschau. 
Ein  Meteorit  aus  demselben  im  k.  fe.  Hof-Mineraliencabinete.  Nebst 
einem  Anhang  in  Bezug  auf  den  angeblichen  Meteorsteinlall  in  Baden- 
Baden",  vom  Herrn  Hofrathe  W.  Ritt.  v.  Haidinger. 

jjKritische  Untersuchungen  über  die  der  natürlichen  Familie  der 
Spitzmäuse  (Sorices)  angehörigen  Arten'-.  H.  Abtheilung,  von  Herrn 
Dr.  L.  Kitzinger. 

„Beiträge  zur  Kenntniß  der  Verbindungen  gepaarter  Cyan- 
metalle  mit  Ammoniak",  von  Herrn  Dr.  W.  F.  GintI,  Assistenten 
am  ehem.  Laboratorium  der  Universität  zu  Prag. 

Der  Präsident  der  Classe,  Herr  Hofrath  K.  Rokitansky  legt 
zwei  Abhandlungen  vor,  und  zwar:  a)  „Über  Keloid",  von  Herrn 
Dr.  J.  Collius  Warren  aus  Boston,  und  b)  „Zur  Anatomie  des 
Lupiis  erythematosus'',  von  Herrn  Dr.  W.  H.  Geddings  aus  New 
York. 

Herr  Prof.  Dr.  H.  Hlasiwetz  übergibt  eine  für  den  Anzeiger 
bestimmte  „vorläufige  Notiz  über  die  Zersetzung  des  Terpentinöls 
bei  der  Glühhitze".  Die  betreffenden  Versuche  wurden  von  ihm  ge- 
meinschaftlich mit  Herrn  Prof.  F.  Hinter  berger  ausgeführt. 

Herr  Director  K.  v.  Littrow  legt  eine  von  ihm  soeben  heraus- 
gegebene Brochure:  „Andeutungen  für  Seeleute  über  den  Gebrauch 
und  die  Genauigkeit  der  Methoden  die  Länge  und  Mißweisung  durch 
Circummeridianhöhen  zu  bestimmen"  vor,  mit  welcher  er  das  von  ihm 
in  den  „Sitzungsberichten"  LVl.  Band,  S.  349  gegebene  Versprechen 
einer  bündigen,  dem  Bedürfnisse  des  Praktikers  entsprechenden  Dar- 
stellung des  betreffenden  Verfahrens  erfüllt  zu  haben  glaubt. 

Das  c.  M.  Herr  Dr.  G.  Tschermak  überreicht  eine  Abhand- 
lung, betitelt:  „Ein  Hilfsmittel  zur  Entwickelung  der  Gleichung  des 
chemischen  Vorganges  bei  der  Mineralbildung". 

23 


;U(S 

Das  c.  M.  Herr  Dr.  F.  Stein  dach ner  legt  die  fünfte  Fort- 
setzung seines  „[chthyologischen  Berichtes  über  eine  nach  S[iaiiien 
und  Portugal  unternommene  Reise"  vor.  Derselbe  übergibt  ferner 
eine  Abhandlung:  „Über  eine  neue  Hyloratia-Avi  von  Cap  York  in 
Australien". 

Herr  Dr.  G.  T.  Tvaulie  überreicht  den  Schlul^  seiner  Abhand- 
lung:  „Die  Fauna  der  Schichten  von  St.  Cassian". 

Herr  Dr.  Tli.  ()|)[)olzer  legt  eine  Abhandlung:  „Definitive 
Hahnbestimmung  des  Planeten  (^j  Concordia"  vor. 

Herr  Dr.  A.  v.  Hü  ttenbrenner  übergibt  eine  Abhandlung: 
„Untersuchungen  über  die  Hinnemnuskeln  des  Auges". 

An  Druckscln-irten  wurden  vorgelegt: 
Academie  Imperiale  de  Medecine:    Bulletin.  Tome  XXXIl.   Paris, 

186«>— 1867;  8". 
Akademie  der  Wissenschaften,  Königl.  Preiiss.,  zu  Berlin:  Monats- 
bericht. Novendier  I8G7.  Berlin:  8". 
—    Südslavische,  der  Wissenschaften  und  Künste.  Arbeilen.  H.  Band. 

Agram,  1868;  8". 
Annalen    der    Chemie    und    Pharmacie    von    Wöhler,     Liebig 

&  Kopp.    N.   B.   Band  LXIX ,  Heft  2.    Leipzig  &  Heidelberg, 

1868;  8o. 
Aj)0  theker-Verein,    allgem.    österr. :  Zeitschrift.   6.  Jahrg.  Nr.  5. 

Wien,  1868;  8". 
Astronomische  Nachrichten.  Nr.  167{) — 1680.  Altona,  1868;  4". 
Bauzeitung,  Allgemeine.  XXXIII.  Jalirgang,  1.  Heft.  Nebst  Atlas. 

Wien,  1868;  4"  &  Folio. 
Carl,    Ph. ,    Repertorium  der  physikalischen  Technik  etc.    III.   Bd., 

6.  Heft.  München,  1867;  8«. 
Comptes  rendus  des  seances  de  1' Academie  des  Sciences.  Tome 

LXVI,  Nrs.  6—8.  Paris,  1868;  4". 
Cosmos.    S''  Serie.    XVIP   Annee,    Tome    H,    8* — 10'    Livraisons. 

Paris,  1868;  8o. 
Erlangen,  Universität:  Akademische  Gelegenheitsschriften.  1867. 

4».  &  8». 
Gesellschaft,  Deutsche  geologische:  Zeitschrift.  XIX. Band,  4.  Heft. 

Berlin,  1867;  8". 


(i  esc  1  Iscliii  l't ,  k.  k.  tiiälir.  -  scliles. ,  zur  DcCördcniim  (l(;s  Acker- 
baues, der  Natur- c*v' Ijaiuleskuiitle:  Sclirilteii.  XV.  Band.  Briiiiii, 
18G(J;  8". 

—  deutsche  elien\isclie,  zu  Berlin:  Berichte.  I.  Jahrgang,  Nr,  1 — 3. 
Berlin,  1868;  8". 

Gewerbe -Verei  n ,  n. -ö.:  Verhandlungen  und  Mittheilungen. 
XXIX.  Jahrg.  Nr.  8-10.  Wien,  1868;  8«. 

Isis:  Sitzungsberichte.  Jahrgang  1867,  Nr.  10  — 12.  Dresden, 
1868:  8». 

Jahrbuch,  Neues,  für  Pharinacie  und  verwandte  Fäclier  von  Vor- 
werk.  Band  XXIX,  Heft  2.  Speyer,  1868;  8". 

Jena,  Universität:  Akademisclie  Gelegenheitsschrilten  aus  dem  Halb- 
jahre 1868.  4".  ».V:  8«'. 

Land  böte,  der  steierische.  I.  Jahrgang,  Nr.  4.  Graz.  1868;  4". 

Lotes.  XVIIL  Jahrgang.  Januar  und  Februar  1868.  Prag;  8". 

Meredith  Read,  John  Jr.,  A  historical  Inquiry  concerning  Henry 
Huds(»ii  etc.  Albany,  1866;  8o. 

M  i  ttheil  ungen  des  k.  k.  Artillerie-Coniite.  Jahrgang  1868,  1.  Hell. 
Wien;  8». 

—  aus  J.  Perthes'  geographischer  Anstalt.  Jahrgangl868.  1.  Heil. 
Gotha;  4'». 

Moniteur   scientilique.    268*' — 269"    Livraisons.    Tome   \%    Annee 

1868.  Paris;  40. 
Museum  di^a  KTmigreiches  Böhmen:  Pamatky.  Rocnik  XIII:  Dil  VII, 

Svazek   4  —  6.    V  Praze,    1867;    40.   —    Casopis.   1868.  XL. 

Piocnik,  Sv.  4;   1867.  XLI.  Rocnik,  Sv.  1—4.  V  Praze;  S".  — 

Nestor's    russische    Chronik,    übersetzt    von    K.   J.    Krben. 

Prag,    1867;     8".     —    Vortrag    des     Geschäftsleiters.    Prag, 

1867;    8".     —     Vcrzeichnil'N    der  Mitglieder    der  Gesellscliat'f. 

Prag,  1867;  8o. 
Recht.    Das    Entwicklungsgesetz   der   Natur.   München,    1868;    8". 
Reichsanstalt,  k.   k.   geologische:   Verhandlungen.  Jahrg.  1868. 

Nr.  4.  8". 
Revue   des   cours   scientifiques    et   litteraires   de    la   France   et  de 

Tetranger.  V'  Annee,  Nr.  12—14.  Paris  cVr  Bruxelles,  1868;  4". 
Scarpellini,   Caterina,  Uatalogo    degli  uranatmi   (ossia  stelle  ca- 

denti)   osservati    aila    privata   stazione    meteorologica  di  R(una 

negli  anni  1861 — 18t)7.  Roma.  1868;  4". 


350 

Societe  Hollaiidaise  des  Sciences  a  Harlem:  Archives  Neerlan- 
(laises  des  seiences  exactes  et  naturelles.  Tome  II,  3™*  — 
5'"*  Livraisoiis.  La  llaye,  Bnixelles,  Paris,  Leipzig,  Londres  & 
New-York,  1867;  8<'. 

Societe  plul()mati(|ue  de  Paris:  Hiillelin.  Tome  I\  ,  .luin-AoTit  1807. 
Paris;  8». 

—  des  seiences  physiques  et  naturelles  de  Bordeaux:  Memoires. 
Tome  l  18Ö5;  Tome  II,  1863;  Tome  III,  V  Calner.  1864; 
Tome  IV,  ^  Cahier  (suite).  1866;  Tome  V,  1'— 2*^  Cahiers. 
1867.  Paris  &  Bordeaux;  8«. 

Society,  the   Royal   Geographical:   Proceedings.  Vol.  XII,  Nr.   1. 

London,  1868;  8o. 
Wiener  Landwirthschartliche  Zeitung.  Jahrg.  1868,   Nr.  8 — 10. 

Wien;  4o. 

—  Medizin.  Woclienschrilt.  XVIII.  Jahrg.  Nr.  16  —  21.  Wien, 
1868;  4«. 

Zeitschrift  für  Chemie  von  Beilstein,  Pitt  ig  und  Hübner. 
IX.  Jahrg.  N.  F.  IV.  Band,  4.  &  5.  Heft.  Leipzig,  1868;  8o. 

—  des  österr.  Ingenieur-  und  Arcliitekten-Vereins.  XX.  Jahrgang, 
2.  Heft.  Wien,  1868;  4o. 


Sl  e  i  n  il  :u' li  n  er.    lclilliyiilo;4-isclier   Berielit  olc.  OOl 


Irhl/iyohgisrher  lierichl  über  eine  nach  Spanien  und  Portugal 
unternommene  Reise. 

(V.  Fortsetzung.) 
Von  dem  c,  M.  Dr.  Franz  Steindn ebner. 

(Mit  6  Tafeln.) 


Übersicht  der  Meeresfische  an  den  Küsten  Spanien's  und 
Portugal's. 

(Fortsetzun  g-.) 

Farn,  .^coiiibridae. 

Gatt.  Scomber  (Art.)  Cuv. 

71.  Art.  Scouiber  scombrus  Lin. 

iSyn.  Scomber  vernalis,  Mitch.,  Fish,  of  New-York,  pag.  4'i3. 
„       grex,  Mitch.,  pt.,  ibid.,  pag.  422. 
„  „      et  vernalis,  Dekiiy,  New-York  Fauna,  pag.  101,  103, 

pl.  XII,  Fig.  34,  pl.  XI,  Fig.  32. 
„        vernalis,  S torer,  Fish,  of  Massach.  p.  41. 

[).  11-  (selten)  lO/^^^/V;  A.  1/1/V;  P.  20-21. 

Bei  ganz  kleinen  Exemplaren  von  4 — 4>/o  Zoll  Länge  ist  die 
Körpergestalt  sehr  gestreckt,  der  Kopf  stark  zugespitzt,  die  größte 
Körperhöhe  6«/^  bis  nahezu  ö^/omal,  die  Kopflänge  genau  oder  un- 
bedeutend mehr  als  4mal  in  der  Totallänge,  die  Länge  der  Schnauze 
genau  oder  etwas  mehr  als  3mal,  der  Augendiameter  42/5 — 4'/5mal, 
die  Stirnbreite  omal,  die  größte  Kopfbreite  fast  3-  bis  etwas  mehr 
als  23/5mal,  die  Länge  der  Brustflossen  circa  22/5mal,  die  der 
Ventralen  2s/4mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Höhe  des  Kopfes  gleicht  der  Entfernung  des  hinteren 
Deckelrandes  vom  Centrum  des  Auges,  übertrifft  daher  die  Hälfte  der 


3Ji2  S  r  .•  i  II  il  u  (■  h  n  f  r. 

Kopfliiii^e  nicht  htHleiiteiul.  Vüiiierzähiie  lelilen  vollstäiidi|j;\  doch  ist 
eine  lange  Reihe  von  Ganmenzähneii  vorhanden.  Die  Caudale  ist  in 
querer  Riehtunp^  mit  zick/ackfürniis:  gebrochenen,  braunen  Streiten 
geziert. 

Hei  Exemplaren  vdu  \) — IH"  Länge  dagegen  ist  die  größte 
Leibeshöiie  bald  etwas  mehr  oder  weniger  als  Hmal.  bald  gegen 
6i/omal.  die  Kopflänge  4>/:, — 4y7nial  in  der  Totallänge,  der  Augen- 
diameter  genau  oder  etwas  mehr  als  5 — 4'/ainal,  die  Schnauzeniänge 
3-  oder  ein  wenig  mehr  als  3mal,  die  Stirnbreite  last  43/4-  bis  etwas 
weniger  als  4mal,  die  Länge  der  Pectorale  2\\ — 2mal,  die  der 
Ventrale  circa  2'/.-  bis  etwas  mehr  als  2V;iitial,  die  Kopfbreite 
273  — 2'/3mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Auf  jeder  Seite  des  Vomers  liegen  in  der  Kegel  nur  2 — 3  Spitz- 
zähnchen,  welche  ein  wenig  kleiner  als  die  der  Gaiunenbeine  sind. 

Die  Spitze  des  Unterkiefers  und  der  vorderste  Theil  der 
Sehiiauzentläche  ist  sow  ohl  bei  jungen  als  alten  Individuen  schwärzlich. 
Bei  kleinen  Exemplaren  ist  der  hinterste  Theil  der  Schnauze  in 
der  Mitte  unmittelbar  vor  den  Augen  weißlich,  bei  alten  aber  gleich 
dem  mittleren  Theil  der  Hinterhauptiläehe  nur  ganz  wenig  heller  als 
der  übrige  Theil  der  Ko]irobertläche  und  wie  dieser  mit  den  be- 
kannten, w  inMiiiiliiilich  gew  iiii(lenen.  schwärzlichen  Streifen  geziert. 
Auf  jeder  der  beiden,  naeh  hinten  convergirenden  Caudal- 
leistehen  sitzen  bei  alten  Exemplaren  circa  20  —  23  schmale,  ovale 
Schuppen,  welche  wie  Flossenslrahlen  aid"  einander  folgen,  luid  ihre 
Breitseite  einander  zuwenden. 

Exemplare  V(ui  L'i'I^änge  gehören  an  den  Küsten  der  iberischen 
Halbinsel  bereits  zu  den  größten  Seltenheiten. 

Meines  Eraehtens  sind  Sc  (pex  und  vernalis  Dekay,  Zool.  ol 
New-York,  Part  IV,  Fish.  p.  101,  103,  pl.XII,  Fig.  34,  pl.XI,  Fig.  3'> 
identisch  mit  Scomher  sconihrna  lAn.,  weder  in  der  Zahl  der  iJorsal- 
strahlen,  noch  in  der  Körpergestall,  Zeichnung  und  Färbung  zeigt 
sich  zwischen  diesen  ein  erheblicher,  wesentlicher  Unterschied. 

Dagegen  dürfte  Sc.  f/red'  Mitchili  nach  der  Formel  der  Dorsal- 
staclirl  zu  schließen  (0  \2)  zum  Theile  dem  Scco/ias  entsprechen. 
Nach  Dr.  (Jüniher  fällt  Scomher  fjrcv  M'itith.  et  Dekay  mit 
Scomher  piienmatophorus  zusanunen,  was  ich  theilweise  für  irrig 
halte,  indem  Dekay  in  der  Beschreibung  des  Sc.  gre.v  nirgends  das 
Vork men  einer  Schwimmblase  erwähnt,  und  die  Zahl  der  Dorsal 


Ichthyol.  Bericht  über  eine  mich  S|(anipn  ii.  Portugal  imternoiniii.  Rei.se.     oO»> 

stacliel  auf  12  angibt,  während  Sc.  pnenmatophorus  =S.  colias  stets 
nur  0 — 10  Dorsalstacliel  hesitzt. 

Leider  besitzt  das  Wiener  Museum  kein  Exemplar  des  Sc. 
scombriis  von  New- York,  denn  die  beiden  unter  der  Bezeichnung 
iSc.  vernalis  et  (fvex  \q\\V)v.  (jeder er  1829  eingesendeten  Indi- 
viduen gehören  zu  Sc  Colins. 

Sc.  .scombius  ist  an  sämmtlichen  Küslentheilen  der  iberisclieii 
Halbinsel  sehr  gemein  und  wird  fast  zu  jeder  Jahreszeit  zu  Markte 
gebracht.  An  der  Westküste  Portugals  zunächst  Lissabon  und 
Setubal  fing  man  diese  Art  in  großer  IiidividuenzabI  im  October 
18t)4  und  in  der  ersten  Hälfte  des  darauffolgenden  Monats,  in  der 
zweiten  Hälfte  November  aber  und  zu  Anfang  Decembers  sah  ich  sie 
nur  mehr  in  geringer  Menge  zum  Verkaufe  ausgeboten,  während 
Sconihev  volias  in  Unzahl  gefisclit  \>  urde.  Walirend  meines  Aufent- 
haltes in  Tenerife  (Ende  Februar,  März,  erste  Hälfte  April  1865) 
wurde  nicht  ein  Exemplar  von  Sc.  scombrus  an  (\q\'  Ostküste  Tene- 
rifes  gefangen. 

Wir  sammelten  vier  kleine  Exemplare  bei  Malaga  (Ende  April 
1865),  größere  bei  Barcelona,  V^alencia,  Cadix,  Lissabon,  La  Co- 
riina,'  (lijon,  Bilbao  etc. 

Vulgärname:  Estornino  (Cadix,  nach  Macbado),  Br<if 
(Barcelona),  Mncareu  (Galicien),  Sardn  (Portugal). 

72.  Art.  Sconiber  colias  Lin. ,  Gmel. 

Syn.  Scontber  piieiimalophorits,  LiirocLe,  Cuv.  Val.,  juv. 

„       qre:>;  Mitch.pt.?,  Fish,  of  New-York,  pag.  422. 
„  „     Cuv.  Val.,  Hist.  iial.  Poiss.,  t.  VIII,  p.  45. 

Scomber  pnetntiafophorus,  Laroche,  Cuv.  Val.  glaube  ich 
nach  Untersuchung  von  mehr  als  30  Exemplaren,  welche  ich  an 
der  Nord-  und  Ostküste  ^Spaniens,  bei  LissalHni  und  Tenerife  sam- 
melte, nur  für  die  Jugendform  des  Scomber  colias  halten  zu  sollen. 
Erst  bei  älteren  Exemplaren  des  Scomber  col{((S  tritt  der  Größen- 
unterschied  zwischen  den  Schuppen  des  Corseletes  und  jenen  der 
zunächst  liegenden  Theile  des  Bumpfes  ganz  deutlich  hervor  und  es 
lösen  sich  zugleich  diese  Pe('lorals('liii|)peii  minder  leicht  ab  als  die 
übrigen  Riimpfsrhiippen:  hei  jüngeren  Individuen  sind  ferner  nur  die 
Schiiiipen  ZMiiäehst  iiiilei'.  hei  älteren  aber  unter  iiiul  hinter  der  Pec- 
toralbasis  merklich  gritßer  als  die  übrigen  Leibesschuppen. 


O  «5  4  S  t  e  i  II  d  a  c  li  II  0  r. 

Daß  Scombcr  co/ias  mir  sieben  Stacheln  in  der  ersten  Dorsale 
besitze,  wie  Dr.  (1  (in  liier  iin  /weiten  Bande  des  vortretflichen 
Cataloges  der  Fische  im  britischen  Mnsenni  angibt,  ist  nicht  stich- 
hältig; ich  zählte  bei  jedem  der  von  uns  untersuchten  Exemplai-e  ver- 
schiedener Größe  stets  zehn  Stacheln,  von  denen  aber  der  letzte  sehr 
sehwach  entv^'ickell,  äusserst  kurz  ist,  im  hintersten  Theile  der 
Dorsalturche  im  Fleische  verborgen  liegt  (daher  leicht  übersehen 
werden  kann)  und  ausnahmsweise  auch  ganz  fehlen  mag  (s.Dekay's 
Beschreibung  von  Sc.  colias  in  „New-York  Fauna",  Fish.  pag.  104). 

Für  die  von  mir  vorgeschlagene  Vereinigung  des  Sc.  pneu- 
matophorus  Laroche  mit  Sc.  colias  dürfte  ferner  auch  der  Umstand 
sprechen,  daß  De  la  Roche  letztgenannte  Art  nicht  kannte,  und 
ausdrücklich  bemerkt,  daß  Sc,  pneumatophorus  an  den  Küsten  der 
Provence  vorkommen,  während  Cuvier  und  Valenciennes  von 
jener  Gegend  nur  den  S.  colias  anführen.  Endlich  sei  noch  erwähnt, 
daß  Sc  colias  an  der  ganzenNord-,  Süd- und  Ostküste  Spaniens  sowie 
auf  Tenerife  stets  Caballa  genannt  wird,  und  dass  denselben  Vulgär- 
namen auch  De  la  Roche's  Scomher  pneumatophorus  an  den 
Küsten  der  Balearen  und  Pythiusen  trägt  (docii  wurde  mir  öfters 
auch  Sc-  scombrus  unter  dem  Namen  Caballa  verkauft). 

Bei  Exemplaren  von  9"  Länge  und  darüber  liegen  stets  in  der 
unteren  Rumpfhälfte  zahlreiche  dunkelgraue,  rundliche  Flecken  oder 
Striche,  bei  jüngeren  Individuen  fehlen  diese  entweder  vollständig 
oder  sind  nur  schwach  entwickelt;  auch  bei  älteren,  längere  Zeit  in 
Weingeist  aufbewahrten  Exemplaren  verschwinden  die  im  Leben 
ziemlich  scharf  vortretenden  grauen  Flecken  häufig;  in  der  Zahl  und 
Anordnung  der  Querstreifen  in  der  oberen  Rumpfliälfte  stimmen  Sc. 
colias  und  pneumatophorus  vollkommen  überein. 

Die  Zahl  der  Zähne  ist  bei  den  einzelnen  Individuen  so  ver- 
schieden, daß  sie  keinen  Anhaltsjiiiiikl  zu  einer  Artuntersclieidung 
geben;  bei  Exemplaren  von  12 — 15"  Länge  zähle  ich  in  jeder  Unter- 
kieferhäll'te  60 — 75  Zähnclien.  Auch  in  der  Gestalt  der  Kopfkiiochen, 
so  weit  sie  äusserlicli  siclitbar  sind,  in  der  Zahl  und  Gestalt  der 
Wirbel  existirt  kein  bemerkbarer  Unterschied  zwischen  Sc  pneu- 
matophorus und  colias,  wie  bereits  Cuvier  und  Valenciennes 
erwähnen. 

Die  Höhe  des  Leibes  ist  bei  Exemplaren  von  8-/4 — 12'  Länge 
674 — 6mal,    die    Kopflänge    4'/3 — 4'/,.mal    in  der  Totallänge,   der 


Ichthyol.  Bericht  über  eine  nach  Spanien  u.  Portugal  unternomm.  Heise.     355 

Allgendiameter  4mal,  die  Stirnbreite  5 — 4y3mal,  die  Schnauzenlänge 
etwas  mehr  als  3mal,  die  Länge  der  Brustflossen  21/3— 2i/7mal,  die 
der  Ventralen  8</j  — äs/ämal,  die  Kopi'breite  endlich  22/5  — 2i/3mal  in 
der  Kopflänge  enthalten.  Sowohl  bei  alten,  wie  bei  jungen  Individuen 
liegt  stets  ein  heller,  weisslicher  Fleck  auf  der  Oberfläche  der 
Schnauze,  ein  zweiter  am  Scheitel.  Bei  grossen  Exemplaren  von 
15  — 161/2"  Länge  verhält  sich  die  Totallänge  zur  Bumpfhühe  wie 
51/3  oder  52/5  :  1  und  zur  Kopflänge  wie  41/,— '^Vs  •  1-  Die  Stirn- 
breite  ist  4y3mal,  die  Kopf  breite  genau  oder  ein  wenig  mehr  als 
2mal,  die  Länge  der  Pectoralen  2  — 2'/4mal,  die  der  Ventralen  etwas 
weniger  als  21/4 — 2'/3mal  in  der  Kopflänge  entiialten.  Längs  der 
Seitenlinie  zähle  ich  200 — 230  Schuppen. 

f^    in9)/n^/V;  A.l/l/V;  P.  20. 

Diese  Art  erhielt  ich  in  grolkn  und  zahlreichen  Elxemplaren 
gegen  Ende  November  und  anfangs  December  1864  bei  Lissabon 
und  Setubal,  viel  seltener  sah  ich  sie  kurze  Zeit  darauf  (Ende  Jänner 
bis  •Mitte  Februar  1865)  auf  den  Fischmärkten  zu  Cadix  und 
Gibraltar.  An  der  Ostküste  Tenerife's  fing  man  Sc.  colias  Ende  März 
1865  in  so  grolkr  Menge,  daß  ein  Doppelpfund  derselben  zu  Santa 
Cruz  de  Tenerife  um  3  Cuartos  verkauft  wurde,  während  man  im 
Februar  und  in  der  ersten  Hälfte  März  desselben  Jahres  ein  Pfund 
mit  8 — 15  Cuartos  bezahlen  mußte. 

Vulgärname:  Caballa  (Spanien,  Portugal,  Tenerife). 

Das  Fleisch  der  spanischen  Makrele  steht  an  Güte  und  Feinheit 
jenem  des  Scomber  scombrus  bedeutend  nach,  und  ist  insbesondere 
auf  Tenerife  wenig  geschätzt,  da  es  ziemlich  zähe  und  fett  ist  und 
zugleich  einen  thranigen  Beigeschmack  hat.  Auch  Scomber  scombrus 
wird  im  Norden  Spaniens  und  in  Portugal  weniger  beachtet  als  im  nord- 
westlichen Europa,  in  Istrien  oder  an  den  Küsten  des  schwarzen  Meeres, 
zumal  in  erstgenannten  Gegenden  an  größeren  und  schmackhafteren 
Fischen,  wie  Schollen,  Sparoiden,  Serranus-  und  Labi^cuv- Xi'ien,  Ga- 
doiden  etc.  kein  Mangel  ist. 

Scomber  colias  oder  die  spanische  Makrele  kommt  sowohl  an 
der  amerikanischen  wie  europäischen  Küste  des  atlantischen  Ocean 
vor,  zieht  im  Norden  bis  New-York  uml  an  die  Südküsten  Englands, 
im  Süden  bis  an  die  Küsten  Brasiliens  und  der  Cap-Colonien. 
Scomber  scombrus  reicht  noch  weiter  niich  Norden,  bis  an  die  Küsten 


35()  S  t  t'  i  II  il  :i  ('  h  II  c  r. 

[slands  und  (iröiilaiitls,  und  koininl  »laselhsl  in  gi'iißei'en  Zügen  vor 
als  Sc.  colifts,  der  bereits  bei  New- York  und  an  der  englisclien  Küste 
in  der  Regel  nur  in  geringer  Individuenzabl  gefischt  wird,  dürfte  je- 
doch im  Süden,  nach  den  bisherigen  Forschungen  zu  scldießen.  die 
Azoren  und  canarischen  Insehi  kaum  bedeutend  überschreiten. 

Gatt.  Thynnus  Cuv.  Val. 

73.  Art.   Thynnus  bracliyptcrus  r  u  V.   Val. 

I).  14/15— 14/lX:  A.  14/Vill. 

Von  dieser  Art  erhielten  wir  zwei  kleine  Exemplare  während 
unseres  Aufenthaltes  in  Malaga  und  Alicante. 

Bei  kleinen  Individuen  von  14  lö"  Länge  ist  die  größte 
Leibeshöhe  4-/^ — 4«/7mal,  die  Kopflänge  4'/^  — 4ä/5mal  in  derTotal- 
länge;  der  Diameter  des  Auges,  so  weit  es  äußerlich  frei  sichtbar 
ist,  circa  6mal,  die  Stirnbreite  3  — 3«/^mal,  die  Schnauzenlänge  circa 
32/. — 3i/omal,  die  Kopfbreite  circa  2mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  Schnauze  nimmt  nach  vorne  rasch  an  Breite  ab,  das  hintere 
Ende  des  Oberkiefers  fällt  in  senkrechter  Richtung  unter  die  Mitte 
des  Auges,  Zwischen-  und  Unterkiefer  reichen  bei  den  von  uns  unter- 
suchten Exemplaren  gleich  weil  nach  vorne.  Die  Vomerzähne  sind  sehr 
zart  und  fein,  dicht  an  einander  gedrängt,  und  bilden  eine  ovale  Gruppe. 
Die  Länge  der  Pectorale  übertrifft  nur  wenig  die  Hälfte  der  Kopflänge. 

Nach  Brito  Cape  Mo  kommt  Th.  hracKypterus  sehr  häniig  an 
den  Küsten  Algai-biens  vor,  und  wir<l  daselbst  Albacora  genannt. 

74.  Art  Thynnas  thunnina  Cnv.   Val. 

Bei  einem  wohlerhaltenen  Exemplare  von  21  ^ 2"  Länge  stellt 
die  größte  Leibeshöhe  der  Länge  des  Kopfes  nur  wenig  nach; 
erstere  beträgt  nämlich  6"  l'",  letztere  ti'  9".  Die  Länge  der  Pec- 
torale lielrägt  4"  2",  die  größte  Höbe  der  ersten  Dorsale  3"  5'",  die 
Länge  des  oberen  Caudallappens  bis  zur  Basis  der  vordersten,  oberen 
Randstrahlen  4"  5  ". 

Die  größte  Breite  des  Kopfes  gleicht  beiläufig  der  Hälfte  der 
Kopflänge;  Unter-  und  Zwischenkiel'er  reichen  gleich  weit  nach 
vorne.  Dem  einzigen  von  uns  untersuchten  Exemplare  fehlen  die  Vo- 
merzähne vollständig.  Der  ganze  hintere,  stark  bogenförmig  gerim- 
dete  Band  des  Vordeckels,  so  wie  der  hintere  und  untere  Band  des 
Deckels  sind  mit  sehr  feinen  und  zahlreichen  Cilien  besetzt. 


Ichthyol.  Bericht  (ihci   eiiu-  "ach  S|)aiiicii  u.  I'oitiigal  mitermi Heise,     dö  1 

Uei"  Durchmesser  des  Auges,  so  weit  es  nach  aulien  frei  sicht- 
bar ist,  ist  73f.jx\a\,  die  Schnauzeiiläiige  mit  Ausschluß  des  vor- 
deren häutigen  Augenraiulla|i|itMis  S-z^mal  ,  die  Stirnbreite  circa 
S'/aiiial  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die  zweite  Dorsale  und  die  Anale  sind  gleich  hoch,  doch  erreicht 
die  größte  Höhe  derselben  kaiiiii  mehr  als  circa  -/u,  der  Kopflänge. 
Hinter  den  Strahlen  der  Analf  liegen  an  dem  von  uns  untersuchten 
Exemplare  nur  (>  falsche  Flösselchen. 

D.  1S/13/VHI:  A.  S/ll/VI— Vü. 

Häutig  an  der  Ostküste  Spaniens  und  daselbst  sehr  geschätzt, 
seltener  an  den  südlichen  Küsten  Portugals.  Das  Wiener  Museum 
besitzt  auch  zwei  trockene  Exemplare  dieser  Art  aus  Persien,  welche 
von  Dr.  Kotschy  eingesendet  wurden. 

\'  u  1  g  ä  r  n  a  m  e :   Tunina  (Barcelona). 

75.  Art.  ThynnDS  vulgaris  C.  V. 

Sehr  gemein  an  sämnitliehen  Küsten  der  iberischen  Halbinsel  mit 
Ausnahme  der  \\  estlichen  Küste. 

Wir  besitzen  ein  Exemplar  aus  Malaga  von  50  Zoll  Länge  bei 
einer  Höhe  von  10"  7'";  Kopflänge  nahezu  12"  5",  Länge  der 
Pectorale  nahezu  83/5",  größte  Höhe  der  zweiten  Dorsale  6"  2'"; 
Länge  der  Ventralen  4ya";  Stirnbreite  41/3";  Länge  der  Caudale 
etwas  mehr  als  6". 

Vulgärname;  Atun  (Spanien),  Atum  (Portugal). 

76.  Art.  Thynnus  alalonga  Cuv.  Val. 

Kommt  nach  Machado  bei  Cadix  und  nach  Cuvier  und 
Valenciennes  an  der  Nordküste  Spaniens  häufig  vor;  ich  selbst  habe 
während  meines  Aufenthaltes  an  der  Nordküste  Spaniens  (August  bis 
October  1864)  kein  Exemplar  dieser  Art  gesehen.  Nach  Cuvier 
und  Valenciennes  beginnt  der  Fung  deR  Thy/rnus  alalonga  im 
Mai  und  ist  am  reichsten  gegen  Mitte  Juni. 

Vulgär name:  Albacora  (nach  Machado)  zu  Cadix,  Atum 
albacora  in  Portugal. 

77.  Art.  Thynnas  pelaniis  Cuv. 
Machado  führt  diese  Art  in  seinem  Cataloge  der  Fische  von 
Cadix  und  Huelva  an,  erwähnt  dagegen  auffallender  Weise  Pelamys 
sarda    nicht,    welche  Art  wir   im  Deeember  1864  und  Jänner  1865 


3  Ö  O  S  t  e  i  n  d  a  c  h  n  e  r. 

ziemlich  häufig  auf  den  Fischmärkten  von  Lissabon  und  Cadix 
sahen.  Nach  Lowe  kommt  Thynmis  pelamis  auch  an  den  Küsten 
Portugals  vor  und  wird  in  den  Küstengegenden  Spaniens  so  wie 
auf  den  canarischen  Inseln  Boatto  (nach  dem  arahischen  Bainito), 
in  Lissabon  (Jwf/ttf/o  (see.  Fjowe)  genannt;  das  Fleisch  diesesFisches 
ist  nicht  geschätzt. 

Gati.  Pelamys  Cuv.  Val. 
78.  Alt.    Pelamys  sarda  C.  Val. 

S  y  II.  Scomher  pelamys  Brunn. 
„       sarda  Bloch. 
„       mediterraneiis  D  e  I  a  r  o  e  h  e. 

n.  22/^  VIII— IX;  A.  2/13— 14/Vin. 

Bei  kleinen  Exemplaren  von  5  i/o  bis  nahezu  8"  Länge  ist  die 
größte  Höhe  des  Rumpfes  5  3/5  bis  etwas  mehr  als  omal,  die  Koptlänge 
41/3 — 4'/6mal  in  der  Totallänge,  der  Augendiameter  etwas  mehr  als 
ö — 6mal,  die  Schnauzenlänge  ein  wenig  mehr  als  3 — Ss/smal,  die 
Stirnbreite  4mal,  die  Länge  der  Pectorale  2'/3 — 2-/5mal  in  der 
Kopflänge  enthalten. 

Das  Schuppencorselet  der  Pecloralgegend  reicht  bei  eben  diesen 
Individuen  bald  bis  zur  Spitze  der  längsten  Pectoralstrahlen,  bald 
aber  um  die  ganze  Länge  der  Brustflossen  über  das  hintere,  äußerste 
Ende  derselben  hinaus. 

In  der  oberen  Hälfte  der  Rumpfhöhe  liegen  zahlreiche,  ziemlich 
breite  Querbinden  von  schwarzgrauer  Färbung,  von  Längslinien  ist 
nicht  die  geringste  Spur  vorhanden. 

Bei  Exemplaren  von  12"  Länge  ist  die  Körperhöhe  ein  wenig 
mehr  oder  etwas  weniger  als  5mal,  die  Kopflänge  unbedeutend  mehr 
als  4mal  in  der  Totallänge,  der  Diameter  des  Auges,  so  weit  es  nach 
außen  frei  liegt,  7 — 72/. mal,  der  ganze  Augapfel  bezüglich  seiner 
Länge  aber  6  — 6 '/omal,  die  Schnauzenlänge  3mal,  die  Stirnbreite 
4mal,  die  Länge  der  Brustflossen  circa  23/4mal  in  der  Kopflänge  ent- 
halten. Die  Schnauze  ist  zugespitzt,  überragt  jedoch  den  Unterkiefer 
nur  ganz  unbedeutend. 

Das  hintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  bei  geschlossenem 
Munde  in  senkrechter  Richtung  ein  wenig  hinter  den  hinteren 
Augenrand. 


Ichthyol.  Bericlit  iii)ei-  ciiif  nach  Spaiiieii   ii.  Horfiigal  uiiternuiniii.  Reise.     o5t7 

Die  dunkeln,  breiten  Querbinden  sind  bereits  von  schief  laufen- 
den, und  zwar  von  hinten  und  oben  nach  vorne  und  unten  ziehenden 
Längsstreifen  gleicher  Färbung  gekreuzt. 

Bezüglich  der  Länge  des  Schuppeneorseletes  zeigt  sich  auch 
bei  diesen  Exemplaren  mittlerer  Größe  dasselbe  Verhältnis  wie  bei 
den  früher  erwähnten  kleinen  Individuen  von  S1/3 — 8"  Länge. 

Bei  grossen  Exemplaren  von  20 — 22"  Länge  ist  die  Körperhöhe 
etwas  weniger  als  5 — ö'/sOial,  die  Koptlänge  circa  4ä/7mal  in  der 
Totallänge  (bei  natürlicher,  aufgerichteter  Stellung  der  Caudale),  der 
Durchmesser  des  Auges,  so  weit  es  frei  sichtbar  ist,  d^/^mn],  der  Dia- 
meter desganzenAugesaberßya — 7mal,  die  Schnauzenlänge  3mal,  die 
Stirnbreite  Si/,-  nahezu  d^/^m»],  die  Länge  der  Brustflossen  circa 
2'/5mal,  die  der  Ventralen  S'^mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Das  Schuppencorselet  der  Pectoralgegend  reicht  bei  diesen, 
nahezu  völlig  erwachsenen  Individuen  nicht  über  die  Spitze  der  Brust- 
flossen hinaus. 

Die  Querbinden  des  Rumpfes  sind  vollständig  erloschen,  die 
schwach  gebogenen  Längsstreifen  aber  sehr  deutlich  ausgeprägt  und 
et\vas  breiter  als  bei  jüngeren  Exemplaren  (bis  zu  12"  Länge).  Aus 
der  großen  Ähnlichkeit  der  Körperzeichnung  erwachsener  Indivi- 
duen von  Pelamis  sarda  mit  Thynnus  pelamis  erklärt  sich  die  so 
häufig  vorkommende  V^erwechslung  beider  Arten  in  den  Werken 
älterer  Ichthyologen. 

Der  freie  Rand  des  Kiemendekels  ist  stets  gewimpert.  Die 
horizontallaufende  mittlere  Hautwulst  am  Schwanzstiele  entwickelt 
sich  zuweilen  ausnahmsweise  nur  auf  einer  Körperseite. 

Bei  einem  20"  langen  Exemplare  unserer  Sammlung  liegen  drei 
Zähnchen  in  einer  Längenreihe  in  der  Mittellinie  des  Vomers;  auf  das 
Vorkommen  oder  Fehlen  der  Vomerzähne  ist  somit  bei  den  Ge- 
schlechtern Scomber,  Thynnus,  Pelamys  etc.  kein  besonderes  Ge- 
wicht zu  legen. 

Pelamys  sarda  kommt  zu  gewissen  Jahreszeiten  an  den  Küsten 
der  iberischen  Halbinsel  und  Tenerife's  ziemlich  häufig  vor;  wir 
sammelten  mehrere  Exemplare  bei  Lissabon  (November,  December 
1864),  Cadix  und  Gibraltar  (Jänner,  Februar  I860),  Malaga  und 
Barcelona.  Auf  den  Fischmarkt  zu  Santa  Cruz  de  Tenerife  wurde  in 
den  Monaten  Februar,  März  1865  nicht  ein  Exemplar  dieser  schönen 
Art  gebracht. 


O  b  0  S  t  e  i  II  d  a  c  li  II  e  r. 

Die  von  Cuniide  in  dem  „Ensayo  para  uiia  hisloria  de  los 
Peces  de  Galicia  pag.  62"  unter  dem  Namen  Sfirritt  heschriehehe 
Art  ')  ist  nicht  identisch  mit  Pelamys  sarda,  sondern  entspricht 
gleich  dem  portugiesischen  Snrdtt,  dem  Scomber  Hcomhrus',  dagegen 
ist  Cornide's  „Cabidla"^  liestimrnt  verschieden  von  der  im  Osten 
und  Süden  Spaniens  C(d)uU<i  geiiainiten  Art  (Sc.  coluis) ,  und 
kann,  nach  der  Keschreiltinig  zu  urtheilen,  weder  ein  Scomber  noch 
ein  Thipuius  oder  Pefaniijs  sein,  da  die  falschen  Flösselchen  ver- 
einigt sein  sollen  -).  ('urnide's  Jionito  6  Bonitalo  endlich  fällt  mit 
J'elamys  sarda  zusannnen. 

Vulgärname:  Bonitol  (Barcelona),  ßouifo,  Bonitalo  ((iali- 
cien),  Serrii  (Portugal). 

(iail.   Auxis  Ciiv.   Val. 

79.  Art.   Auxis  Rochel  spec.   Piisso. 
Syii.  Sruinl/ci  Jiuchei  l{\s HO,  Iclitliyol.  de  Nice,  p.  t65. 

Thynnus  llocheanus  Risso,  Hist.  iiat.  de  l'Euiope  iiieriil.  t.  IM.  \\.  417. 
Auxis  vulgaris  Cuv.  Val.,  t.  VIII,  pag.  130,  pl.  216. 

D.  1 1/3/9/ \  III— IX;  A.  3/10-11/Vn;  P.  Tl. 

Wir  sammelten  von  dieser  Art  drei  Exemplare  bei  Lissabon,  Cadix 
und  Malaga. 

Bei  Individuen  von  12 — 12'/."  Länge  ist  die  gröIUe  Körper- 
höhe 53/3 — Ss/äHial,  die  Koptlänge  circa  4'/o-  etwas  weniger  als 
4»/5mal  in  der  Totallänge  (bis  zur  Spitze  der  Caudallappen  bei 
natürlicher,  verticaler  Stellung  der  Schwanzflosse)  enthalten.  Nimmt 
man  aber  die  Körperlänge  zwischen  der  Schnauzenspitze  und  dem 
hinteren  Rande  der  mittleren,  kurzen  (^audalstrahlen  als  Einheit  an, 
so  gleicht  die  Ko|)nänge  genau  '/^  derselben. 

Die  Länge  des  Auges,  so  weit  es  äu(J»erlich  sichtbar  ist,  beträgt 
genau  oder  nahezu  '/«,  die  Länge  des  ganzen  Auges  aber  circa 
3/jj_i/^  der  Koptlänge;  die  Schnauzenlänge  steht  der  Stirnbreite  ein 
wenig  nach  und  gleicht  der  Länge  des  Augapfels.  Die  Kopfbreite  ist 
circa  2mal  in  der  Koptlänge  enthalten. 


')   Scomber  pinnulis  quinque  in  extretiio  domo,  xtnna  brevi  ad  aiitiiii. 

2)  I.  c.  p.  68.  Cahalla ,  Scomber  hippos  pinnulis  iinitin,  operculis  postice  muculae 
niijrue  Scomber.  Rundetet.  Später  heiLSt  es  in  der  Beschreibung:  Se  difereneia  de 
ta  Sarda  en  que  esta  tiene  ....  entre  et  anus  y  la  aleta  que  sigue  hasta  fa  cnia  nnu 
espina  muy  uijuda  de  que  carece   la    Cahalln. 


Ichthyol.  Bericht  über  eine  nach  Spanien  u.  Portugal  unternomm.  Reise.     361 

Der  Kopf  verschmälert  sich  rasch  von  der  Stirngegend  bis  zur 
Schnauzenspitze,  die  Kiefer  reichen  gleichweit  nach  vorne;  die 
Mundspalte  ist  klein,  das  hintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  bei  ge- 
schlossenem Munde  senkrecht  unter  die  Mitte  des  Auges.  Die  Kiefer- 
zähne sind  äusserst  zart,  dicht  an  einander  gedrängt,  einreihig;  Vomer- 
und  Gaumenzähne  fehlen. 

Die  erste  Dorsale  enthält  bei  den  von  uns  untersuchten  Exemplaren 
(4  an  der  Zahl)  stets  11  Stacheln  ;  der  erste  derselben  ist  der  höchste 
der  Flosse  und  2^/'s  —  circa  2y5mal  in  der  Koptlänge  enthalten;  die 
Pectorale  gleicht  an  Länge  der  größten  Höhe  der  ersten  Dorsale  oder 
übertrifft  sie  ein  wenig;  die  Ventrale  erreicht  s/^  der  Kopflänge. 

Die  Länge  eines  Caudallappens  kommt  der  Entfernung  des  hin- 
teren Augenrandes  von  dem  hinteren  Deckelrande  gleich. 

Bei  einem  grösseren  Exemplare  von  il-fs"  Länge  ist  die  größte 
Leibeshöhe  circa  S'/a'T»al,  die  Kopflänge  42/5 mal  in  der  Totallänge, 
der  Augendurchmesser  5mal,  die  Schnauzenlänge  43/5mal,  die  Stirn- 
breite etwas  weniger  als  S^/omal,  die  Kopfbreite  circa  ly.mal,  die 
Länge  der  Pectorale  etwas  mehr  als  2mal,  die  Ventrale  nicht  ganz 
23/3mal,  die  Länge  eines  Caudallappens  circa  l^/gmal  in  der  Kopf- 
länge enthalten. 

V  u  1  g ä  r  n  a  m  e :  Juden,  Serra  (Lissabon). 

Gatt.  Naucrates  (Rafin.)  Cuv. 

80.  Art.  Naacrates  ductor  (spec.)  L  i  n. 

Diese,  fast  sämmtlichen  Meeren  der  gemäßigten  und  warmen  Zone 
eigenthümliche  Art  ist  seltener  an  der  Nord-  und  Westküste,  als  an 
der  Ostküste  der  iberischen  Halbinsel  zu  linden  und  erreicht  keine 
bedeutende  Größe.  Die  größten  Exemplare  unserer  Sammlung  zeigen 
eine  Länge  von  fast  13". 

Bei  jungen  Individuen  von  5"  Länge  ist  die  größte  Höhe  des 
Rumpfes  etwas  mehr  als  42/3 mal,  die  Kopflänge  circa  4y4mal  in  der 
Totallänge,  der  Augendiameter  5mal,  die  Stirnbreite  3i/,mal,  die 
Schnauzenlänge  circa  Sa/jUial,  die  größte  Kopfbreite  2mal  in  der 
Kopflänge  enthalten. 

Bei  Exemplaren  von  10 '/a — 12'/2 "  Länge  ist  die  größte  Rumpf- 
höbe  circa  43/5mal,  die  Kopflänge  4</3 — 43/4nial  in  der  Totallänge, 

Sitz.b.  (I.  inathem.-naliirw.  Cl.  I.VII.  Kd.  I.  Al.th.  24 


öOi  S  t  e  i  n  d  H  c  h  II  e  r. 

der  Augendiameter  G'/^ — 6mal,  die  Sehnauzenlänge  3inal,  die  Stirn- 
breite etwas  weniger  als  3  — Sy^mal,  die  grüßte  Kopfhreite  nicht 
ganz  2mal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Die  Ventrale  ist  länger  oder 
nnr  eben  so  lang  wie  die  Pectorale  und  circa  1*  5  —  l'/smal  in  der 
Länge  des  Kopfes  begrilVen;  die  Länge  eines  Caudallappens  steht  der 
des  Kopfes  nur  wenig  nach. 

Die  äußerste  Spitze  der  Caudallappen  so  wie  das  obere,  resp. 
untere  Ende  der  ersten  Gliederstrahlen  in  der  Dorsale  und  Anale  sind 
stets  gelblichweiß  gefärbt. 

Die  Zahnbinde  in  den  Kiefern  ist  schmal  und  niclit  breiter  als  die 
auf  den  Gaumenbeinen.  Die  Vomerzähne  bilden  eine  nageiförmig  ge- 
staltete Gruppe;  die  Zahnbinde  auf  der  Mitte  der  Zunge  ist  lang, 
keulenförmig,  nach  hinten  zugespitzt.  Schnauze  und  Stirne  sind  ge- 
wölbt; das  hintere  tlnde  des  Oberkiefers  fällt  bei  geschlossenem  Munde 
in  senkrechter  Richtung  füst  genau  unter  den  vorderen  Augenrand. 

Bei  keinem  der  von  uns  gesammelten  Exemplare  enthält  die  erste 
Dorsale  mehr  als  3 — 4  Stachelstrahlen. 

Fundorte:  Barcelona,  Malaga,  Cadix,  Lissabon. 

Vulgärname:  Pez  Simon  (Südkiiste  Spaniens),  Romeiro 
(Lissabon). 

Gatt.  Echeneis  A  r  t  e  d  i. 
8L  Art.  Echineis  reniora  Lin. 

Kommt  selten  an  den  Küsten  Spaniens  und  Portugals  vor;  wir 
besitzen  mehrere  Exemplare  von  Valencia,  Gibraltar,  Lissabon.  Pro- 
fessor Mach  ad  0  führt  diese  Art  auch  in  dem  Cataloge  der  Fische 
von  Cadix  und  Huelva  an. 

Vulgär  na  me:  Remora  oder  jPe^«</or  (Spanien  und  Portugal), 
auch  Agarrador,  Peive  piolho  (Lissabon). 

Bei  kleinen  Exemplaren  von  3"  4"  —  4"  10'"  Länge  ist  die 
Länge  des  Haftapparates  am  Kopfe  nur  2*^ — 3mal,  die  Kopflänge 
etwas  mehr  als  4 — 4 1/5 mal  in  der  Totallänge,  die  Kopfbreite  circa 
li/g  —  lä/jmal  (oder  circa  ßi/smal  in  der  Totallänge),  der  Augen- 
diameter 6 — 62  5mal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Die  Zahl  der 
Lamellen  an  der  Haftscheibe  beträgt  17  —  18,  die  Dorsale  enthält 
24 -2ö,  die  Anale  23  Strahlen. 

Bei  größeren  Exemplaren  von  8"  Länge  dagegen,  ist  die  Länge 
des  Haftapparates  circa  3 '/..mal,  die  Kopflänge  unbedeutend  mehr  als 


Ichthyol.  Bericht  über  eine  uacli  Spanien  u.  Portugal  unteruornm.  Reise.     oÖ3 

4'/amal  in  der  TufjiJlänge,  die  Kopl'breite  unmittelbar  vor  der  ßasi.s 
der  Brustflossen  l'/omal  (oder  6  ysmal  in  der  Totallänge,  oder  ein 
wenig  mehr  als  2mal  in  der  Länge  des  Haftapparates),  der  Augen- 
diameter  T'/^mal,  die  Länge  der  Pectorale  circa  ly^mal,  die  der 
Ventralen  nahezu  2mal  in  der  Koptlänge  enthalten.  18  Querlamellen 
in  der  Haftscheibe,  23  —  22  Strahlen  in  der  Anale  und  24  in  der 
Dorsale. 

82.  Art.  Echeneis  aaucrates  L  i  n  li  e. 

Diese  Art  scheint  noch  seltener  als  die  früher  erwähnte  an  den 
•^  Küsten  Iberiens  zu  sein,  da  ich  ungeachtet  eines  fast  einjährigen 
Aufenthaltes  in  den  bedeutendsten  Küstenstädten  Spaniens  und  Por- 
tugals nur  ein  Exemplar  zu  Valencia  und  ein  zweites  aufjiem  Fisch- 
markte zu  Malaga  vorfand.  Das  Wiener  Museum  besitzt  außerdem 
noch  einige  Exemplare  von  Sicilien  und  von  der  Südwestküste  Por- 
tugals (ohne  nähere  Angabe  des  Fundortes). 

Bei  jungen  Individuen  von  6  —  7"  fjänge  (von  Joh.  Natterer 
in  Cajutuba  gesammelt)  ist  die  Länge  des  Haftapparates  4 1/2 mal,  die 
Kopflänge  4'/3 — S'/^mal  in  der  Totallänge,  ^ie  grösste  Kopfbreite 
circa  1  Ye^^'»  *Jer  Augendiameter  etwas  mehr  als  7-  bis  nahezu  8mal, 
die  Länge  der  Pectorale  circa  I2  gmal,  die  der  Ventrale  circa  Is^mal 
in  der  Kopflänge  enthalten.  Die  größte  Höhe  des  stark  gestreckten 
Körpers  ist  bei  eben  diesen  jungen  Individuen  sehr  gering  und  ver- 
hält sich  zur  Kopflänge  wie  1  :  23/5'. 

23  Querlamellen  am  Haftapparate,  33  —  34  Strahlen  in  der 
Dorsale,  3ö  in  der  Anale.  Die  mittlerem  Strahlen  der  Caudale  sind 
bedeutend  länger  als  die  übrigen,^  der  hintere  Caudalrand  ist  daher 
zugespitzt ;  der  obere  und  untere  Rand  der  Caud«le,  der  obere  Rand 
der  Dorsale  und  der  untere  der  Anale  sind  gelWichweiß  gesäumt. 

Bei  großen  Exemplaren  YOii  17'/»"  Länge,  ist  die  Haftscheibe 
fast  4'/5mal,  die  Kopflänge  ^Ygmal  in  der^To^allänge,  der  Diameter 
des  Auges  8 — 8ygmal,~^i(e  Stifnbreite  zwischen  der  Mitte  der  oberen 
Augenränder  circa  2mal,  die  größte  Kopfbreite  etwas  weniger  als 
Is/jmal,  die  Länge  der  Pectorale»  welche  20 — 21  Strahlen  enthält, 
etwas  mehr  als  1  Ygmal  in  der  Kopflänge  enthalten. 

Die   Ventrale   ist  etwas   kürzer  als  die  Pectorale  und  wie  diese 

zugespitzt.  Die  Länge  der  Mundspalte  vom  Mundwinkel  bis  zur  Spitze 

des  weit   vorspringenden  Unterkiefers  verhält  sich  zur  Kopflänge  wie 

•>4» 


0  b  4-  S  t  e  i  II  d  a  c  h  II  e  r. 

1  :  2^^,;  der  vordere  Rand  des  Auges  fällt  etwas  vor  die  Mitte  der 
Kopflänge.  Die  grölke  Leibeshöhe  erreicht  circa  die  Hälfte  der 
Kopflänge. 

Bei  zwei  Exemplaren  von  17  Va  und  28 «/a"  Länge  ist  die  Cau- 
dale  am  hinteren  Rande  scliwach  concav;  hei  dem  kleineren  dieser 
beiden  Individuen  zeigt  der  Haftapparat  auf  der  Oberseite  des  Kopfes 
25,  bei  dem  zweiten,  dem  größten  der  12  Individuen,  wclelic  das 
Wiener  Museum  besitzt,  nur  23  Querlamellen.  Sowohl  in  der  Dor- 
sale wie  in  der  Anale  zähle  ich  bei  letzterem  37  Strahlen,  bei  dem 
ersteren  kleineren  aber  in  der  Dorsale  34,  in  der  Anale  36  Strahlen. 

Nach  Dr.  Günther's  Angabe  beträgt  die  Zahl  der  Kiemen- 
strahlen bei  den  Echeneis-Arten  7;  ich  zähle  aber  sowohl  bei 
Echeueis  naucrates  wie  Ech.  remora  stets  9  Kiemenstrahlen.  Von 
erstgenannter  Art  besitzt  das  Wiener  Museum  ein  Skelet,  welches 
13  Abdominal-  und  17  Caudalwirbel  zeigt. 

Vulgärname:  Pegador  (Spanien,  Portugal). 

Gatt.  Zeus  (Art.)  Cuv. 

83.  Art.  Zeus  faber  Linne. 
D.  10/22-24;  A.  4/21—23;  P.  13;  V.  1/7. 

Sehr  gemein  an  sämmtlichen  Küstentheilen  der  iberischen  Halb- 
insel, etwas  seltener  bereits  an  den  Küsten  der  eanarischen  Inseln. 
Das  Fleisch  des  Zeus  [aber  ist  sehr  zart,  weiß  und  wohlschmeckend, 
Meßhalb  größere  Exemplare  in  --besondere  an  der  West-  und  Nord- 
kiiste  der  iberisi-hen  Halbinsel  sehr  geschätzt  sind. 

Wir  besitzen  zahlreiche  Exemplare  von  La  Coruna,  Vigo, 
Lissabon,  Cadix,  Malaga,  Valencia,  Barcelona  und  Santa  Cruz  de 
Tenerite,  darunter  4  junge  Individuen  von  3"  7"'  —  4"  7"'  Länge. 
Auf  dem  Fischmarkte  von  Lissabon  sah  ich  zuweilen  Exemplare  von 
20"  Länge  und  darüber. 

Die  Zahl  der  Knochenplatten  an  der  Basis  der  Gliederstrahlen 
der  Rücken-  und  Afterflosse  ist  ziemlich  constant;  bei  kleinen  Indi- 
viduen von  3"  7'"  —  6"  Länge  kommen  längs  der  Basis  des  glieder- 
strahligen  Theiles  der  Dorsale,  wie  es  scheint,  stets  8,  an  der  Anale 
aber  7—8  platte  Knochenstücke  von  fast  regelmäßig  viereckiger 
Gestalt  vor,  während  bei  größeren  Exemplaren  an  der  Dorsalbasis 
7 — 9,  an  der  Analbasis  9  liegen. 


«>  /•  «^ 

Ichthyol.  Bericht  üIkm-  t-iiie  iiii<l)  S|i;iiiicii  ii.  I'(irtii^:il  uiitciüoiiirii.  Reise.     .iOO 

Jede  dieser  paarigen  Knoehenplatteii  trägt  zwei  Stacheln,  von 
denen  der  der  Basis  der  Flossenstrahlen  zunächstliegende  der 
längere  ist,  nur  bei  alten  Exemplaren  von  14 — 15"  Länge  und 
darüber  sind  die  beiden  Stacheln  einer  Platte  nahezu  oder  ganz 
gleich  lang. 

Bei  jungen  Individuen  ist  die  grüßte  Körperhöhe  genau  zwei- 
mal, bei  alten  mehr  als  2y,mal,  die  Kopflänge  bei  letzteren 
3 — 3i/>,mal  (circa  2\/2n\ü\  in  der  Körperlänge),  bei  ersteren  3mal 
(2>/3nial  in  der  Körperlänge)  in  der  Tolallänge  enthalten. 

Bei  jungen  Exemplaren  verhält  sich  die  Länge  des  Auges  zur 
Kopflänge  wie  1  :  3y4mal,  bei  älteren  wie  1  :  43/4.  Die  Dorsale  ent- 
hält stets  10  Stacheln,  deren  jeder  mit  einem  häutigen,  faden- 
förmigen Anhange  versehen  ist.  Der  erste  Dorsalstachel  ist  bei 
Exemplaren  von  14 — 15''  Länge  etwas  mehr  als  2yomal,  der  zweite 
oder  dritte  höchste  aber  nur  wenig  mehr  als  1  »/g — ly^mal,  der 
letzte  kürzeste  d^/om»]  in  der  Kopflänge  enthalten.  Bei  ganz  jungen 
Individuen  ist  der  dritte  Dorsalstachel  etwas  höher  als  der  zweite. 
Der  fadige  Anhang  des  dritten  Dorsalstachels  reicht  bei  manchen 
Exemplaren  bis  zum  hinteren  Bande  der  Caudale. 

Die  Zahl  der  Gliederstrahlen  in  der  Bückenflosse  nimmt  mit 
dem  Alter  etwas  zu  und  schwankt  daher  zwischen  22 — 24;  die 
Anale  enthält  21 — 23  Gliederstrahlen  und  stets  4  Stacheln. 

Die  Ventrale  ist  bezüglich  ihrer  Länge  bei  alten  Individuen 
33/äinal,  bei  jungen  2'/2 — 23/5mal,  die  Pectorale  bei  ersteren  circa 
10,  bei  letzteren  circa  7 — 7i/,mal,  die  Schwanzflosse  bei  jungen 
Exemplaren  etwas  mehr  als  4mal,  bei  erwachsenen  aber  42/3 — 4*/5mal 
in  der  Totallänge  enthalten. 

Der  Humerus  ist  bei  manchen  Exemplaren  über  der  Basis  der 
Pectorale  nach  hinten  in  einen  längeren  oder  kürzeren  Stachel  aus- 
gezogen, der  aber  nicht  selten  spurlos  fehlt.  Die  Scapula  trägt 
mehrere  Stacheln,  von  denen  sich  häufig  der  letzte  oder  hinterste 
auf  Kosten  der  übrigen  stärker  entwickelt ;  bei  einem  Exemplare  von 
Tenerife  zeigen  sich  nur  ganz  schwache  Spuren  von  Stacheln  auf  der 
Scapula.  Der  Vorde